The Wolff of Wall Street: Demokratisches Geldsystem

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Dies ist die letzte Folge der 52-teiligen Serie „THE WOLFF OF WALL STREET“. Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt uns heute: „Demokratisches Geldsystem“.

Geld hat in der Geschichte der Menschheit eine einzigartige Rolle gespielt. Es ist vor einigen tausend Jahren aus dem Tauschhandel entstanden, hat nach und nach die gesamte Welt erobert und im Verlauf seiner Existenz immer wieder neue Gestalt angenommen – vom Naturalgeld über das Bargeld und das Buchgeld bis hin zu den heutigen Kryptowährungen.

Vor allem aber hat Geld eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte: Es ist zwar ein Produkt des Menschen, aber es ist nicht in einem bewussten Akt geschaffen worden, sondern hat sich – vor allem in seiner Anfangszeit – weitgehend unabhängig vom menschlichen Willen entwickelt.

Das allerdings auf eine Art und Weise, die seine Geschichte bis heute entscheidend prägt: Es hat sich nämlich ungleich verteilt, die Menschen in wohlhabende und weniger wohlhabende unterschieden und auf diese Weise ungleiche Beziehungen zwischen ihnen geschaffen – Hierarchien oder anders ausgedrückt: Herrschaftsverhältnisse.

Wer also viel Geld besitzt, ist nicht nur reich oder wohlhabend, sondern kann damit Einfluss nehmen, sich gegenüber anderen Menschen Vorteile verschaffen und mit der Zeit immer mehr Macht an sich reißen. Und wer sehr viel Geld und sehr viel Macht besitzt, der kann entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft nehmen – auf ihre sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen.

Genau das ist in der Vergangenheit geschehen. Es waren grundsätzlich die Reichen und die Mächtigen, die diese Strukturen festgelegt haben – natürlich zu ihren Gunsten. Und das gilt auch für das Geldsystem selbst: Ob es am Ende des Mittelalters die Einrichtung von Banken und später die von Zentralbanken war, ob es sich um die Einführung von Papiergeld oder Buchgeld oder in unserer Zeit von elektronischem Geld handelte oder ob es um die Zulassung von Hedgefonds und Derivaten ging – all das ist von den Reichen und den Mächtigen betrieben worden und hat natürlich in erster Linie ihnen genützt.

Alle bisherigen Geldsysteme sind also von oben geschaffen worden und konnten daher gar nicht demokratisch sein. Wie aber würde dann ein demokratisches Geldsystem aussehen, also eines, das von unten her entsteht und der Mehrheit der Bevölkerung und nicht nur einer Minderheit dient?

Ein solches System müsste zuerst einmal die wichtigste Lehre aus der Geschichte ziehen und feststellen: Geld selbst ist höchst undemokratisch, weil es die Eigenschaft besitzt, sich ungleich zu verteilen – und das gilt für alle Geldformen, ob Bargeld, Buchgeld, elektronisches Geld oder Kryptowährungen. Es liegt also nicht an der Erscheinungsform des Geldes, sondern an seiner Verteilung. Und diese Verteilung fängt mit der Geldschöpfung an.

Diese Geldschöpfung liegt zurzeit – mit Ausnahme der Kryptowährungen – in der Hand der Banken. Nicht die Allgemeinheit, sondern private Eigentümer profitieren davon. Das ist vermutlich das allererste, was ein demokratisches Geldsystem ändern müsste: Es müsste die Geldschöpfung in den Dienst der Allgemeinheit stellen.

Das nächste wäre die Geldverteilung. Sie müsste so geregelt werden, dass die mit dem höchsten Einkommen der Allgemeinheit auch am meisten zurückgegeben und nicht wie in unserer Zeit am glimpflichsten davonkommen. Dazu müsste ein gerechtes Steuersystem eingerichtet werden, das nicht länger Einkommen stärker besteuert als Vermögen und das alle Schlupflöcher und damit auch den Weg in die Steueroasen schließt. Zudem müsste das Erbrecht, das in unserer Zeit die Vermögenden extrem begünstigt, geändert werden.

Die größte Veränderung aber würde den Finanzsektor betreffen, denn ein demokratisches Geldsystem verträgt sich nicht mit Derivaten, also Wetten, und schon gar nicht mit Finanzinstrumenten, mit denen sich Einzelne zum Nachteil anderer bereichern können wie zum Beispiel mit Leerverkäufen oder Kreditausfallversicherungen. Genauso undemokratisch sind Finanzinstrumente, mit denen der Markt ganz legal zum eigenen Vorteil manipuliert werden kann, wie zum Beispiel durch Aktienrückkäufe.

Die wichtigste Aufgabe eines demokratischen Geldsystems bestünde darin, diesen parasitären Auswüchsen des Finanzsektors die Grundlage zu entziehen, ihn auf seine eigentliche Funktion, nämlich die Kreditvergabe, zu reduzieren und die Gewinne daraus wiederum in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Das alles klingt so einfach, dass man sich fragen könnte: Wo liegt das Problem?

Das Problem liegt darin, dass diejenigen, die seit Jahrhunderten vom bisherigen Geldsystem profitiert haben, sowohl dessen Bedeutung als auch dessen Funktionsweise auf eine so geschickte Art und Weise verschleiert haben, dass die Mehrheit der Menschen beides nie verstanden hat. Dieses Problem ist in unserer Zeit sogar noch größer geworden, denn noch nie haben die Medien einen solch großen Einfluss ausgeübt wie in unseren Tagen.

Voraussetzung für ein demokratisches Geldsystem wäre also, dass die Menschen seine Entwicklung und seine derzeitige Funktion zumindest in ihren Grundzügen durchschauen und sich nicht mehr hilfesuchend an die Falschen wenden – nämlich den Staat, der ja ein Produkt des bisherigen Geldsystems ist, oder an die Politik, die ja auf dem Boden dieses Staates operiert und ihn und sein Geldsystem verteidigt.

Das heißt jetzt aber nicht, zu einem gewaltsamen Aufstand gegen Staat und Politik aufzurufen, denn das würde, wie die Vergangenheit zeigt, mit absoluter Sicherheit in einer Sackgasse enden. Das heißt statt dessen: So lange Aufklärungsarbeit zu leisten, bis die Mehrheit der Bevölkerung erkennt, dass die bestehenden Strukturen ihr schaden und sie so in die Lage zu versetzen, die Riesenaufgabe einer Umgestaltung des Geldsystems und damit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundlagen der gesamten Gesellschaft auf sich zu nehmen.

Und das wiederum heißt nichts anderes als:

Die Zeit ist reif für eine umfassende Aufklärungskampagne über die Rolle, die das Geld in unserer Gesellschaft spielt.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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32 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Demokratisches Geldsystem

  1. Aufklärung ist generell niemals eine schlechte Idee. Da gehe ich gerne mit.

    Die Formulierung, dass Geld ein Eigenleben hat bzw. außerhalb der Kontrolle des Menschen stand finde ich etwas eigenartig. Es ist wahrscheinlich eher abstrakt gemeint. Geld hat ja keinen eigenen Willen. Aber es hat Wirkungen, die verstanden werden wollen. Genauso wie man Feuer nur zum Kochen usw. verwendet, und nicht zum Abbrennen ganzer Städte (wollen wir mal Krieg beiseite lassen), so müsste man quasi zu der Erkenntnis kommen, dass Geld auch gefährliche Wirkungen haben kann wenn man nicht aufpasst.

    Was mir nicht so gefällt ist die reine Beschränkung auf das Thema Geld. Es spielt zwar eine wichtige Rolle und ist in unseren Tagen auch völlig pervertiert. Aber es steht doch selten alleine da. Geld kann Macht geben, aber Macht kann auch schnell zu Geld führen. Und so denke ich, dass auch schon vor der Existenz von Geld ähnliche Prozesse abgelaufen sind, wie heute, die zu Ungleichheit führen.

    Ein Gesprächspartner bei "KenFM im Gespräch" ich habe vergessen wer, hat mal so schön erklärt, woher das Wort "Herzog" kommt. Er hat erklärt, dass der Herzog sich in einer Siedlung um die Verteidigung gekümmert hat, d.h. sich auf das Militär spezialisiert hat, während der Rest der Bewohner sich weiterhin um die Nahrungsbeschaffung kümmerten und Ruhe vor Angreifern etc. hatten. Und wenn es dann mal einen größeren Konflikt gab "zog" also das Volk hinter dem Herzog "her", in den Kampf. Da der Herzog und seine Leute aufgrund der Spezialisierung auf das Militärische nun keine Nahrung mehr erwerben können müssen natürlich die restlichen Leute für seinen Unterhalt aufkommen. Das tolle ist dann natürlich: Der Herzog und seine Mannen haben nun Waffen und Kampfausbildung und können damit nun nicht mehr nur äußere Feinde bekämpfen. Sie haben natürlich auch innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft plötzlich eine Machtposition inne.

    Und ob so ein "Herzog" sich nun Geld ergaunert, oder Schweine und Kühe, das ist ja nun erst einmal egal. Ich finde dieses Beispiel ganz gut, um zu sehen, dass das Symptom Geld nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern dass die Prozesse da noch viel komplexer sind. Das sieht man ja zum Beispiel auch in Systemen, in denen Geld nicht so viel "bringt", weil man damit bestimmte Güter nicht erwerben kann. Da findet die Korruption und die Ungleichheit dann eben mit anderen Mitteln statt.

  2. …in diesem Sinne müsste man die gez-Propagandainstrumente dazu zwingen ihren verfassungsgemäßen Auftrag nachzukommen. Dies allein schon, ist in einer sog. "Vorzeigedemokratie" zum Scheitern verurteilt. Wo Unrecht zu Recht wird wird Widerstand zur Pflicht!
    gez-Bettelbriefe ungeöffnet zurückschicken, Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung kündigen! "Brief zurück Methode" im Netz suchen, sie funktioniert!

  3. Vielen Dank an Herrn Wolff und KenFM für die Ausstrahlung dieses 52 Teilers.
    Stimmt es, dass es in der ARD konkrete Pläne gibt, das Format Boerse vor acht am Freitag aus dem Programm zu nehmen und dafür Wolff of Wallstreet zu senden?

  4. An der Darstellung von Ernst Wolff gibt es nichts zu meckern. Zum Glück ist er kein Ökonom und benutzt nur seinen Verstand. Einiges kann man noch einfacher darstellen: Das Finanzsystem kann nicht demokratisch sein, weil die entscheidende Zahl der Geldbetrag ist. In der Demokratie ist die entschiednede Zahl die Zahl der abgegebenen Stimmen. Ob die Demokratie auch verwirklicht wird, ist eine andere Frage. In der Postdemokratie sind wir weit davon entfernt.

    Das wichtigste ist in dieser Phase, wie Ernst Wolff richtig sagt, Aufklärung über die Zusammenhänge. Genau das betreibe ich zur Zeit ebenfalls und hatte hier schon auf meinen Vortrag hingewiesen, in dem ich in einer Stunde alles erkläre, was man wissen muss, um das System zu verstehen. Am 11.02.2020 bei Attac-Wuppertal, Wolkenburg 100 um 19.30h, Eintritt frei! Link zum Veranstalter:
    https://www.attac-wtal.de/veranstaltungen/vortraege/

    Einen Vorschlag für ein demokratisches Geldsystem hätte ich: Eine degressive digitale Währung, die als Wertreserve nicht geeignet ist, weil sie automatisch weniger wird. Diese degressive Währung begünstigt Leute, die ihr Geld ausgeben gegenüber denen, die es akkumulieren. Mehr kann ich hier in der Kürze nicht erklären, ihr findet es auf meiner Webseite https://kritlit.de (Inhaltverzeichnis).

    Zum Thema https-Zertifikat: Man muss das Zertifikat jedes Jahr erneuern, wenn es kolstenlos sein soll. Ken hat das wohl vergessen.

    • Mein Browser meldet seit heute:

      "Dies ist keine sichere Verbindung
      Hacker könnten versuchen, Ihre Daten von kenfm.de zu stehlen, zum Beispiel Passwörter, Nachrichten oder Kreditkartendaten. Weitere Informationen
      NET::ERR_CERT_DATE_INVALID

      Dieser Server konnte nicht beweisen, dass er kenfm.de ist. Sein Sicherheitszertifikat ist in den letzten 24 Stunden abgelaufen. Mögliche Gründe sind eine fehlerhafte Konfiguration oder ein Angreifer, der Ihre Verbindung abfängt."

    • bei mir auch, aber ich hab nix privates drauf. trotzdem wäre ganz interessant zu erfahren, wie ernst das zu nehmen ist…

  5. Alcedo, ich kann Ihre Forderung nach „ konkreten Utopien und Umsetzungswegen“ verstehen. Allein, es wird sie Ihnen niemand anbieten können. Wolff hat diese Hoffnungen genährt, indem er den Eindruck erweckte, ein „demokratisches Geldsystem“ könnte Abhilfe schaffen und eine Alternative zum bestehenden darstellen. Aber die lange erwartete und überfällige Darstellung dieses „demokratischen Geldsystems“ ist nicht nur dürftig und realitätsfern ausgefallen, er lässt auch den Leser nach vielen Beiträgen weitgehend ratlos zurück.
    Denn einerseits fordert er zu Recht eine Aufklärungskampagne zum besseren Verständnis wirtschaftlicher Vorgänge. Das ist sinnvoll und vor allem angebracht angesichts der vielen Irrlehren, die über das Geldsystem herumschwirren. Andererseits aber zieht er sich gerade jetzt daraus zurück. KenFM auch? Ist denn das Ziel schon erreicht? Wolff selbst scheint ja auch nicht mehr von seiner Forderung nach einem „demokratischen Geldsystem“ überzeugt zu sein, denn am Ende des Beitrags wird diese Forderung fallengelassen. Jetzt heißt es nur noch: „Die Zeit ist reif für eine umfassende Aufklärungskampagne über die Rolle, die das Geld in unserer Gesellschaft spielt.“ Diese Forderung ist zwar realistischer als die nach einem sogenannten demokratischen Geldsystem, nur ist dann sein Rückzug noch unverständlicher, ist doch diese Aufgabe leichter zu lösen als die frühere Maximalforderung.
    Aber zum Abschied gibt er uns noch den guten Rat mit auf den Weg, sich nicht an die Falschen zu wenden, „nämlich den Staat, der ja ein Produkt des bisherigen Geldsystems ist, oder an die Politik, die ja auf dem Boden dieses Staates operiert und ihn und sein Geldsystem verteidigt.“ (Wer aber soll der Richtige sein?) Andererseits vergrößert er die Verwirrung, indem er davon abrät, zu „einem gewaltsamen Aufstand gegen Staat und Politik aufzurufen“. Hat er nun auf einmal Angst um den Staat, vor dem er uns wenige Zeilen vorher noch gewarnt hat? Aber von diesem radikalen Vorgehen war doch nirgendwo die Rede, Herr Wolff. Sie sind es, der von einer extremen Position abrät, die nirgendwo aufgestellt worden ist. Damit werden nur das Gefühl der Ausweglosigkeit und die Orientierungslosigkeit unnötig und unter Aufstellung falscher Alternativen vergrößert.
    Erschwerend kommt hinzu, dass er über 52 Beiträge dem Leser die Einsicht in die Realität vorenthalten hat, dass es sich dabei um „die Riesenaufgabe einer Umgestaltung des Geldsystems und damit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundlagen der gesamten Gesellschaft“ handelt. Davon war vorher nie die Rede. Das bedeutet aber die grundlegende Umgestaltung des gesellschaftlichen Systems: Kapitalismus statt … ? Diese Frage lässt er offen. Aber gerade jetzt, wo die zu bewältigende Aufgabe in ihrem vollen Umfang offenbar wird, verlässt der Leit-Wolff sein Rudel.
    Die Frage stellt sich,war es seine Entscheidung oder die von KenFM, angesichts der Widersprüche seiner Beiträge mit der Realität und die nicht gerade berauschenden Leserzahlen von Wolffs Beiträgen. Letzteres ist nicht seine Schuld, sondern liegt wohl eher am Thema Wirtschaft. Aber die Notwendigkeit bleibt bestehen, das Thema Wirtschaft und Geld von all seinen Mythen, Wunschträumen und Irrlehren zu befreien. Eine sachliche Betrachtung und Analyse der wirtschaftlichen Vorgänge tut Not, nicht Traumtänzerei und Legendenbildung.

    Wichtig wäre nach meiner Ansicht eine sachliche und tiefgreifende Diskussion über die Geldschöpfung, damit die wirklichen Vorgänge verstanden werden und die Geldschöpfung aus der Panikkammer genommen werden kann, in der zuvor das Gespenst Inflation gefangen gehalten worden war. Denn vor Jahren machten sich alle in die Hosen vor den Profezeiungen einer Hyperinflation. Jetzt, wo sie ausgeblieben ist, fühlen sich viele von der Geldschöpfung bedroht, als wäre diese erst kürzlich ausgebrochen wie das Corona-Virus. Vermutlich sind die Profeten sogar dieselben. Sachliche Analyse ist angebracht, nicht Panikmache.
    Also liebe Freunde von KenFM, jetzt seid ihr am Zuge. Das Interesse scheint zu bestehen an den Wirtschaftsthemen, wie ich hier einige verstehe. Lasst uns den Themenkreis weiter bearbeiten. Themen gäbe es genug.

    • ja, wie schon gesagt fände ich das auch gut. Das Gespenst der Inflation bleibt ja im Raum stehen, auch wenn die Geschichte sicher nicht 2x identisch ablaufen wird, jedoch muß mit der inzwischen exorbitant bezifferten Geldmenge im Vergleich zu den real verfügbaren Werten Boden/Produktionsmittel/Im-Mobilien umgegangen werden. Prof. Hörmann machte hier einmal den Vorschlag, dieses für die Realwirtschaft weitgehend wirkungsfrei über Bilanzverkürzung lösen zu können. Das Gebiet ist mir jedoch so fremd, daß es wohl eine "Tafelnummer" bei mir bräuchte für sicheres Verstehen. Auch werden wir nie dahin kommen, solange wir die Regierungsvertreter nicht auf "unsere" Seite bekommen. Allerdings erscheint mir eine solche Lösung immer noch erreichbarer als ein ganz neues Geldsystem. Ich fürchte mich vor dem Crash, noch nie hat ein solcher eine gesellschaftliche Weiterentwicklung gebracht – man braucht ein paar Jahrzehnte des Wideraufbaus in denen das warme Gefühl der gegenseitigen Solidarität aus der Not heraus zu haben ist, nicht aber aus innerer Einsicht. Viel zu viel Elend und Zeit für gesellschaftlichen Stillstand, auch warten die falschen Leute schon lange auf den Crash des Euros bspw. – an dem sie viel Geld zu verdienen hoffen.

    • „Die Zeit ist reif für eine umfassende Aufklärungskampagne über die Rolle, die das Geld in unserer Gesellschaft spielt.“
      "…gibt er uns noch den guten Rat mit auf den Weg, sich nicht an die Falschen zu wenden, … (Wer aber soll der Richtige sein?)"
      „die Riesenaufgabe einer Umgestaltung des Geldsystems und damit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundlagen der gesamten Gesellschaft“
      "Aber gerade jetzt, wo die zu bewältigende Aufgabe in ihrem vollen Umfang offenbar wird, verlässt der Leit-Wolff sein Rudel."

      Ich glaube nicht, dass Ernst Wolff "sein Rudel verlässt". Denn er versteht sich wohl in erster Linie als Journalist. Wie viele seiner Kollegen hier sieht er offenbar seine Aufgabe darin, seine Leser/Follower erst einmal gründlich aufzuklären über die Missstände, über all das, was schief läuft. Denn diese Aufklärung ist Grundvoraussetzung für tiefere Einsichten, die den Einzelnen überhaupt erst befähigen, etwas zu ändern bzw. an Veränderungen mitzuwirken. Sie widmen sich also einer löblichen und absolut notwendigen Aufgabe. Und es ist natürlich legitim und kann auch hilfreich sein, den aufgedeckten Missständen die eigene Meinung gegenüber zu stellen, wie man sich eine Besserung der Verhältnisse vorstellt, und sei es auch eine Utopie, die immerhin als vorläufige Arbeitshypothese dienen kann.

      Aber bei diesen Erhellungen und Offenbarungen darf man nicht stehenbleiben. Jetzt muss unbedingt der zweite Schritt folgen: die – harte – Arbeit in der Realität, das nicht ohne Mühen und große Anstrengungen denkbare Ausarbeiten eines groß angelegten Gegenentwurfs – man will ja schließlich ein ganzes System aus den Angeln heben, ein flächendeckendes, ausgeklügeltes, aber eben völlig unzulängliches, ja verfehltes Finanzsystem, und es durch etwas viel Besseres ersetzen. Dazu muss man erst einmal wissenschaftlich analysieren, wie dieses jetzige System funktioniert und was daran falsch ist und aus welchen Gründen. Dann erst kann man sich daran machen, etwas Neues zu entwickeln. Das Neue muss ein wahrhaft großer Wurf sein, der so gründlich durchdacht und ausgearbeitet ist, dass er die Veränderungen erzwingt, den Verfechtern des Althergebrachten die Argumente aus der Hand schlägt und sie einfach nur ratlos zurücklässt, damit die Zeit über sie hinweggehen kann. Wahrscheinlich braucht es dazu Jahre und ohne Zweifel eine Vielzahl (unabhängiger) Experten verschiedenster wissenschaftlicher Fachrichtungen, wahre Denkfabriken, Think Tanks, aber ebenso auch Praktiker, die ihre Erfahrungen einbringen. Denn am Ende muss etwas herauskommen, was sich in der praktische Realität des Alltags verwirklichen lässt.

      Ja, eine Riesenaufgabe, der man sich aber stellen muss, und zwar jetzt, nachdem doch die Missstände im wesentlichen bereits erkannt sind.

    • Um will das verdeutlichen:
      Ich kann z.B. die Geldschöpfung aus dem Nichts juristisch erklären. Darüber hinaus aber bräuchte es (die nachfolgende Aufstellung ist sicher nicht vollständig):
      – Historiker, die uns erklären, wie es dazu kam, wie sie sich entwickelte und mit welchen Auswirkungen,
      – Volkswirte, die uns ihre Funktionsweise in der Volkswirtschaft erklären,
      – Betriebswirte, die uns erklären, wie sie sich auf den einzelnen Betrieb auswirken,
      – Sozialwissenschaftler im weitesten Sinne (also z.B. einschließlich Psychologen und Politologen, die uns aufzeigen, wie sich das alles auf den Einzelnen und die Gesellschaft auswirkt,
      – Praktiker aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, die uns sagen, was praktisch durchführbar ist und was nicht.

    • Lieber citoyen invisible, mit Utopien war bei mir eine Anpassung der aktuellen Mißstände gemeint (ausufernde nominale Geldmenge muß in Bezug zu Realwerten gebracht werden), dafür gibt es Ansätze aber ich wäre nicht die richtige Person, da Vorschläge zu entwickeln.

      Im Gebrauch bin ich wohl für ein Fließgeld, obwohl es auch andere funktionierende Ansätze zu geben scheint (Prof. Hörmann, andere kenne ich momentan nicht).

    • Was meint Ihr, Rüdiger Rauls Appell aufgreifend ?

      Seht Ihr in u.a. folgenden Überlegungen weltfremde Spinnereien oder doch so einiges an aufgreifungswürdigen Ansätzen ?

      25.11.2019 gw/ GELDSYSTEME = friedensrelevante Baustellen: 10 | … Geldkreislauf: Monetative > ETAT > BGE > Steuern (https://diskursplanb.home.blog/10-3/)

      / AUTOPOIESIS statt …KRATIE (https://diskursblickwechsel.wordpress.com/2019/11/25/autopoiesis-statt-kratie/)

    • Ja, gabrieleweis,

      es gibt eine ganze Reihe überzeugender Ansätze, auch auf den von dir genannten Seiten im Netz. Bei denen handelt es sich keineswegs um Spinnereien. Eigentlich geht deren Kritik – notwendigerweise – immer in die gleiche Richtung, und auch die Lösungsansätze scheinen mir in wesentlichen Punkten weitgehend übereinzustimmen. Mich hat z.B. sehr überzeugt das sehr gut , wenn auch längst noch nicht bis in alle Einzelheiten durchdachte Konzept der humanen Marktwirtschaft von Peter Haisenko und Hubert von Brunn.

      Aber das ist eben nun die Herkulesaufgabe, ein solches Konzept in allen Einzelheiten so überzeugend herauszuarbeiten, dass die herkömmlichen Denkschulen dem einfach nichts mehr entgegenzusetzen haben und argumentativ verstummen müssen. Der Hebel, wo die Kritik zum Beispiel ansetzen muss, sind die Ungereimtheiten und Widersprüche in den Wirtschaftswissenschaften, über die sich anscheinend teilweise sogar deren Vertreter nicht recht im klaren sind (entlarvend insoweit die Diskussionsrunde hier auf KenFM kürzlich zum Finanz-Crash). Da müsste es für kompetente Fachleute geradezu ein Vergnügen sein, solche Argumente und "Theorien" haarklein zu widerlegen, bis nichts mehr davon übrig bleibt.

      Vor allem aber geht es ganz wesentlich um die Machtfrage. Auf unserem heutigen zivilisatorischen Bildungsniveau – ich rede bewusst nicht vom zivilisatorischen Niveau, denn das ist teilweise noch sehr steinzeitlich, z.B. was das penetrante Recht des Stärkeren betrifft – gemessen also an dem zivilisatorischen Standard in dem von mir gemeinten Sinne erscheint es mir nicht mehr zeitgemäß, Probleme mit plumper Gewalt zu lösen, also vor allem mit Revolutionen. Und die Metapher von der berühmten Mistgabel als Ausdruck eines Protests besonders bemitleidenswerter Hilflosigkeit finde ich nicht nur historisch überholt sondern auch unter dem inzwischen erheblich gestiegenen Bildungs- und Informationsniveau breiter Bevölkerungsschichten liegend (verzeihen Sie, sehr geehrter und von mir hochgeschätzter Herr Prof. Mausfeld). Warum sollten wir es heute nötig haben, uns so klein zu machen, dass wir auf solch archaische Waffen zurückgreifen müssten?

      Nein, in Anbetracht der materiellen Übermacht des gegenwärtigen Systems kann die Machtfrage m.E. nur in der Weise dauerhaft gelöst werden, dass dieses System durch ein anderes abgelöst wird, weil das neue System die Schwachstellen des alten gründlich und schonungslos aufdeckt und ihm ein überzeugendes neues Konzept entgegensetzt. Dazu bedarf es der durch jeweils eigene Forschung gründlich vorbereiteten Teamarbeit einer Vielzahl von (unabhängigen) Wissenschaftlern und Praktikern unterschiedlichster Disziplinen.

    • @Rüdiger Rauls; aus ihrem Kommentar geht das tiefe Bedürfnis nach Führung hervor, andere sollen Denken, Vormachen, Helfen, aktiv werden usw… wie wäre es, wenn Sie sich mal überlegen was Sie tun können, unabhängig von einem "Idol", "Führer", "Leitwolf" usw………

  6. Recht hast du, citoyen invisible, alles konjunktiv bedingt durch die aktuelle Zeit, in der keine Veränderungsmasse sichtbar ist. Ich würde mir auch wünschen, die Reihe würde fortgesetzt mit konkreten Utopien und Umsetzungswegen. Und danke Rüdiger Rauls für die Präzisierungen hier.

  7. "würde", "müsste", "sollte" – nur reine Theorie wie gewohnt, kein einziger praktischer Lösungsansatz – kein einziger, der praktikabel wäre für jeden einzelnen von uns in der jeweils konkreten Lebenssituation seiner angeblich ach so kleinen Welt. Denn darauf käme es an. Ein Konzept, das auch für jeden einzelnen in seinem ganz konkreten Umfeld umsetzbar ist, das wäre endlich ein ernst zu nehmendes Gegenkonzept, das dem ausgeklügelten gegenwärtigen System ernsthaft Paroli bieten könnte – weil es einfach überzeugend wäre, so dass auch die Mächtigen nicht daran vorbei kämen (oh, schon wieder so viele Konjunktive😉). Solange nicht endlich jemandem so etwas einfällt bzw. er sich die – wahrscheinlich Jahre erfordernde – Mühe macht, solch ein überzeugendes Gegenkonzept zu entwickeln, solange bleibt alles nur Träumerei, die von den Herrschenden müde lächelnd mit einem Handstreich beiseite gewischt werden kann.

    Ja, Rüdiger Rauls, leider:
    "…moralisierenden Verurteilungen. Diese verhindern nämlich das Entscheidende: Das Verstehen der Vorgänge im Geldsystem."
    "Das Geld mag zwar ungleich verteilt sein, aber es kann nicht schützen vor den Entwicklungen der Geschichte."
    "…die Geldverteilung. Sie müsste so geregelt werden, dass die mit dem höchsten Einkommen der Allgemeinheit auch am meisten zurückgegeben und nicht wie in unserer Zeit am glimpflichsten davonkommen. … Wer soll denn das machen? … Sollen das diejenigen sein, die seit Jahrzehnten all diese Gesetze geschaffen haben? Das ist doch naiv."

    Ja, WER SOLL DAS DENN MACHEN, nämlich die Herrschenden entmachten? Darauf läuft es doch hinaus, das ist doch die zentrale Frage jeder noch so "humanen Marktwirtschaft" *, ohne deren ganz konkrete Beantwortung alle tollen Ideen nur Schall und Rauch sind. Ein überzeugendes Gegenkonzept, das denen die Sprache verschlägt und die anderen überzeugt und zu sofortigem Handeln ermutigt. Denn zu glauben, dass jene ihre Pfründe freiwillig aufgeben bzw. im trauten demokratischen Konsens voll glückseliger Einsicht darauf verzichten: DAS IST DOCH NAIV!

    Nein, wir werden uns, oder vielmehr die Begabteren, Fleißigeren unter uns oder aber einfach nur die, die neben der Bildung auch die Zeit, die Ruhe und die Phantasie dazu haben, werden sich schon die Mühe machen müssen, endlich ein überzeugendes Konzept zu entwickeln, das nicht stehen bleibt bei der Analyse von längst überholten Verhältnissen wie denjenigen zu Zeiten von Karl Marx.

    Und ja, Rüdiger Rauls, auch "ich appelliere an KenFM, diese Diskussion fortzusetzen. Doch sollte die Darstellung der Wirklichkeit viel stärker im Vordergrund stehen statt der Verbreitung von Theorien und Wunschvorstellungen, die sehr häufig der Realität oder gar sich selbst widersprechen".

    *vgl. KenFM im Gespräch mit: Peter Haisenko und Hubert von Brunn („Die humane Marktwirtschaft“), 16.1.2017

    • Und zum vielleicht besseren Verständnis der Geldschöpfung verweise ich jetzt einfach mal ganz unbescheiden auf die Diskussion vom 14./15.1.2020 zwischen Bernhard Meyer, volume, Box und mir zu dem KenFM-Beitrag "Positionen 20: Der große Finanz-Crash – Das Ende der Demokratie" vom 12.1.2020.

  8. Warum wird die Reihe nun abgesetzt? Ist eine weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Themen nicht mehr nötig? Dabei wird es gerade jetzt erst interessant, wo doch viele Annahmen und Behauptungen über das Geldsystem der Kritik nicht standhalten und dadurch vielleicht ein realistischeres Bild der wahren Verhältnisse entstehen könnte. Dabei fordert doch Wolff selbst:  „So lange Aufklärungsarbeit zu leisten, bis die Mehrheit der Bevölkerung erkennt, dass die bestehenden Strukturen ihr schaden und sie so in die Lage zu versetzen, die Riesenaufgabe einer Umgestaltung des Geldsystems und damit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundlagen der gesamten Gesellschaft auf sich zu nehmen.“ Lässt der Leit-Wolff sein Gefolge mitten in der Aufgabe im Stich?
    Wie dem auch sei. Ich appelliere an KenFM, diese Diskussion fortzusetzen. Doch sollte die Darstellung der Wirklichkeit viel stärker im Vordergrund stehen statt der Verbreitung von Theorien und Wunschvorstellungen, die sehr häufig der Realität oder gar sich selbst widersprechen.
    Ein Beispiel im vorliegenden Text: „Alle bisherigen Geldsysteme sind also von oben geschaffen worden…“. Zu Beginn aber hatte Wolff gerade das Gegenteil behauptet: „Es [Geld] ist zwar ein Produkt des Menschen, aber es ist nicht in einem bewussten Akt geschaffen worden, sondern hat sich – vor allem in seiner Anfangszeit – weitgehend unabhängig vom menschlichen Willen entwickelt.“
    Auch wenn Wolff durch den Zusatz „vor allem in seiner Anfangszeit“ versucht, die Aussage des Satzes einzuschränken, so widersprechen sich doch die erste und die zweite Aussage. Das wäre noch nicht so schlimm. Aber sie widersprechen auch der Wirklichkeit.
    Denn alle diese Finanzinstrumente, die Wolff als "asozial" kritisiert, sind als Ausprägungen des Geldsystems gerade Ausdruck des bewussten Willens der Menschheit. Sie alle wurden bewusst geschaffen, um Risiken zu minimieren und das Produkt menschlicher Arbeit, den Wohlstand, gegen Verderben abzusichern. Wieso das nicht der Entwicklung nach der Finanzkrise von 2007/8 widerspricht kann an anderer Stelle diskutiert werden. Das sprengt den Rahmen.
    Derivate, Leerverkäufe, Kreditausfallversicherungen, Optionen all das sind Finanzinstrumente, die ursprünglich entwickelt wurden, um die Produktion gegen Unwägbarkeiten abzusichern. Das wird schon deutlich im Begriff der Kreditausfallversicherungen. Da sollen Finanzvorgänge abgesichert werden, damit der Schaden im Falle eines Kreditausfalls verringert und eingegrenzt werden kann. Die Alternative wäre der Zusammenbruch von Geldhäusern mit den sozialen Folgen besonders für die Sparer und Einleger.
    Leerverkäufe sind ein Mittel zur Beruhigung des Aktienhandels. Optionen wurden geschaffen zur langfristigen Sicherung der Preise, damit die Getreidepreise nicht ins Unermessliche steigen bei Ernteausfällen oder den Erzeuger in den Ruin treiben durch Preisstürze bei Überproduktionen. All diese Finanzinstrumente konnten sich nur durchsetzen, weil sie als sinnvoll angesehen wurden zur Lösung von Problemen und beiden Seiten Vorteile brachten. Denn das bei all dem nicht vergessen werden: Bei Geldgeschäften und Börse kommt ein Preis nur zustande, wenn BEIDE Seiten sich darauf einigen. Es muss also jede der beiden Vertragspartner in dem Abkommen einen Vorteil für sich selbst sehen, sonst gibt es keinen Preis und keinen Abschluss.
    Dass all diese Finanzinstrumente dann später auch zur Spekulation eingesetzt wurden, hat mit ihrem ursprünglichen Anlass nichts zu tun und ist deshalb nicht moralisch zu verurteilen. Das gilt aber für alle Waren im Kapitalismus. Dann müsste auch die Herstellung von Brot verurteilt werden, denn es kann zur Ernährung der Menschen dienen, aber auch zur Spekulation, wenn es die Verhältnisse ermöglichen, was ja auch geschieht.
    Es gibt noch mehr Widersprüche im Text selbst, die aber hier in der nötigen Ausführlichkeit nicht behandelt werden können. Ganz abgesehen zu den Widersprüchen gegenüber der Wirklichkeit.
    Aber all das gilt es erst einmal zu verstehen, ehe es verurteilt wird. Und dazu wäre eine Diskussion nötig jenseits von Moral und Idealismus, alleine verpflichtet der sachlichen Darstellung der Vorgänge.

  9. Danke, Herr Wolff für diese aufschlussreiche Sendereihe, sie war nebenbei auch unterhaltend und es ist schade, dass sie nun zu Ende gegangen ist. ich war immer neugierig, wie Sie wohl das demokratische Ende gestalten würden. ich muss sagen, dass Sie eine angemessene Kurve gekriegt haben, meine Hochachtung! Aber wenn die Zeit mit dem demokratischen Geldsystem endlich kommt, werden uns die "Eliten" nicht wieder alles verderben, haben Sie nicht eingangs selber beschrieben, wie "natürlich" unser gegenwärtiges Geldsystem entstanden ist? 😉

  10. Unser heutiges Geld funktioniert mit einer fehlerhaften Schuldscheinlogik.
    Wir leihen uns ständig Geld von den Banken, die das Geld aus dem Nichts verleihen.

    Dabei kann die Regierung sich ohne ein eindeutiges Limit "verschulden" und bei Privatpersonen hängen gleichzeitig die Möglichkeiten sich zu verschulden von deren "Kreditwürdigkeit" ab.

    Wer jedoch kein Geld hat, der muss oft prekäre Beschäftigungen annehmen oder eben auch Hartz IV beziehen.

    Bei der jetzigen Praxis ist es jedenfalls der Fall, dass etwa bei Staatsschulden alle Bürger Schulden angelastet bekommen.

    Allerdings sind es dann vergleichsweise wenige reiche Personen, die vor allem mit Marktmacht oder sonstigen besonderen Marktvorteilen einen großen Teil des Einkommens erzielen. Dieses Einkommen besteht dann insofern aus den spiegelbildlichen Schulden aller anderen Personen, die diese dann später fast gar nicht wieder abbauen können, weil die wenigen reichen Personen ihr eigenes Geld dann später fast gar nicht wieder ausgeben.

    Jedenfalls steigen mit der Zeit eben auch die später fast gar nicht mehr abbaubaren Staatsschulden immer mehr an.

    Soweit Geld durch die Verschuldung des Staates entstanden ist, muss der Staat dann insofern Zinsen bzw. den Zinseszins bezahlen.

    Mit der expansiven Geldpolitik zahlt der Staat jetzt kaum noch Zinsen, aber dafür steigen etwa auch die Mietpreise immer schneller an.

    Etwa auf der Webseite Haushaltssteuerung kann man sich eben auch über die Gläubigerstruktur der Staatsschulden informieren.

    Man könnte jetzt etwa die Frage stellen, wer die Staatsschulden jemals zurückzahlt. Die Antwort wird den meisten schon bekannt sein.
    Eigentlich zahlt die Staatsschulden niemand zurück. Im Grunde genommen sind unsere vielen Schulden einfach nur ein Schneeballsystem, das irgendwann kollabieren wird.

    Unsere Staatsschulden sind irgendwo die Guthaben der Bürger. Die Schulden des Einen sind dabei die Guthaben des Anderen

    Der Tagesspiegel am 06.03.2010:
    Dreimal so hoch wie offiziell angegeben sind die Schulden Deutschlands laut einer Studie des Forschers Bernd Raffelhüschen.

    Etwa auch bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM gibt es eine Überschrift: "Jeder sollte sein eigenes Geld schöpfen".

    Dies hört sich zunächst auch sehr einfach an. Wir sind es schließlich auch gewohnt, dass wir mit Geld bezahlen und daher vermuten wir es, dass Geld auch dann funktionieren würde, wenn wir die Geldschöpfung jeden selbst machen lassen.

    Aber so einfach ist es nicht, weil es beim Fiatgeld zwischen Finanz- und Realwirtschaft keinerlei Schnittstelle gibt. Ebenso gäbe es dann nicht mehr den Effekt mit immer mehr Schulden, die jedoch nie jemals jemand wieder zurückzahlen kann.

    Jedenfalls gibt es doch beim heutigen Geldsystem deshalb Geld, weil es Schulden gibt.

    Ob es aber funktioniert, wenn jeder sein eigenes Geld schöpft, ist sehr wahrscheinlich in keiner Weise bekannt, weil es dann durchaus nicht sicher ist, ob es dann auch immer dermaßen viele Schulden gibt.

    Im Zusammenhang mit der MMT gibt es mitunter der Begriff "endogene Geldschöpfung", aber dieser Begriff ist bislang nur Theorie und vermutlich in keiner Weise getestet. Diese Geldschöpfung ist einfach nur das Gegenteil der derzeitig exogenen Geldschöpfung durch die Banken.

    Was vielleicht funktionieren könnte, das ist der Konkurrenzsozialismus, der aber vermutlich noch nie getestet wurde.

    Ähnlich gibt es etwa auch noch sonstige Geldideen wie etwa das Osbeee/ Informationsgeld, wofür sich Prof. Hörmann engagiert.
    Mir ist es derzeit jedoch nicht bekannt, ob dieses bereits erfolgreich eingesetzt wird.

    Dann gibt es zudem auch noch das Freigeld nach Silvio Gesell, aber es wird meistens bezweifelt, dass dieses Geld als Alleinlösung funktioniert.

    • Diese SChuldentheorie ist Unsinn, Herr Becker, auch wenn Sie ständig darauf herumreiten. Es wird dadurch nicht richtiger. Ich zitiere Sie mal: "Wir leihen uns ständig Geld von den Banken, die das Geld aus dem Nichts verleihen."
      Ich weiß nicht, ob SIE jemals einen Kredit aufgenommen haben. Denn dann müssten Sie wissen, dass die Banken Ihnen nicht "ständig" Geld leihen. Sie leihen es Ihnen oder auch uns nur, solange wir Sicherheiten bieten können. Die Banken gehen nämlich keine Risiken ein, auch wenn es immer wieder anders dargestellt wird. Sie können es auch nicht aufgrund von regulatorischen Vorschriften. Die Gesetze und die Bafin setzen da ganz klare Grenzen.
      von daher ist auch die Behauptung Unsinn, dass die Banken das Geld aus dem NICHTS schaffen. Bei der Kreditvergabe greifen sie auf verschiedene Quellen zurück, die ihnen Gesetz, Bankenregulierung und der Markt vorschreiben. Sie können Kredite vergeben entsprechend den Einlagen der Kunden und dem Eigenkapital, über das sie verfügen. Bei jeder Kreditvergabe aber verlangen sie von dem Kreditnehmer eine Sicherheit. Sonst bekommen Sie KEIN Geld, Diese Sicherheit besteht in Sachwerten wie Immobilien oder ähnlichem oder aber wie beim Konsumentenkredit in der Rückgriffsmöglichkeit auf ihr Gehalt. Wenn Ihr Kredit von Ihnennicht bedient werden kann, kann sich die Bank an diesen Sicherheiten schadlos halten. Sie kann also ihr Haus verkaufen oder ihr Gehalt pfänden.
      Die zweite Geldquelle der Banken ist die Kreditaufnahme bei der Notenbank. Dort gilt aber dasselbe wie im Verhältnis zwischen Geschäftsbank und Kreditnehmer. Die Notenbank verlangt von der Geschäftsbank eine Sicherheit in der Regel Anleihen mit AAA-Bonität. Heute hat sich dieses Verfahren geändert. Heute kauft die Notenbank den Geschäftsbanken diese Papiere ab, Aber in allen Fällen wird das Geld nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern stützt sich auf vorhandene Werte (Sachwerte beim Privatkunden, Wertpapiere bei den Geschäftsbanken). Aber am beisten ist immer der Praxistest. Gehen Sie mal zur Bank und verlangen einen Kredit. Ohne Sicherheit werden Sie nichts bekommen. Aber Sie können ja dann argumentieren, dass die Bank das Geld ja eh aus dem NICHTS schafft. Berichten Sie dann bitte mal über Ihre ERfahrungen, was die Bank zu diesem Argument gesagt hat. Sie können ja dann vielleicht mal auf diese Schuldentheorien verweisen. Vllt überzeugt das ja diejenigen, die jeden Tag mit Wirklichkeit zu tun haben und nicht mit Hirngespinsten. Viel Glück und viel Vergnügen.

    • Herr Rauls,

      ich hätte es geschrieben, dass Banken "ständig" an uns Geld verleihen.

      Damit beschreibe ich in der gebotenen Einfachheit die tatsächliche Praxis. Ob ich damit eine Schuldentheorie verbreite oder nicht. Wir haben derzeit durchaus eine Geldentstehung als Schuld.

      Hatte es aber durchaus geschrieben, dass Privatpersonen sich nur entsprechend ihrer "Kreditwürdigkeit" verschulden können.

      Mir es zu erklären, dass es das BAFin gibt, ist sicher nicht notwendig, weil ich in 00/ 99 etwas weniger als 2 Jahre beim BAKred beschäftigt war.

      Wenn Sie es behaupten, dass es die Geldschöpfung der Banken aus dem Nichts gar nicht gibt, dann stimmt das nicht.

      Gerade weil es sie gibt, gehen die Banken bei ihren Kreditvergaben in Wirklichkeit gar keine Risiken ein. Trotzdem sind die Möglichkeiten der Banken Kredite zu vergeben, zumindest in der Theorie nicht völlig unbegrenzt, aber durchaus schon extrem umfangreich.

      Ich weiß es überhaupt nicht, worauf Sie mit ihren vielen Einwänden darauf hinaus wollen.

  11. Sehr Gute Aufklärung uns systematischeüber das Gesamtsystem, danke Herr Wolff.
    Mich erstaunt, dass Sie nicht auch auf den Film Thrive (Gedeihen) hinweisen, der auch die geistigen Aspekte des parasitären hervorragend darstellt.
    Wie aber sollen wir überhaupt zu Demokratie kommen?
    Ein Schelm der böses denkt?
    Parlamendarische Demokratien, in denen Parteien die Wahlen über Spenden aus ebendiesen Superreichen Konzernen finanzieren, – ein absurdes System von anbeginn.
    Der einzige Weg, wie Demokratie als Volkswille da noch einen Fuß in die Tür bekommt, ist Volksbegehren und bei 100000 Unterstützern das zwingende Referendum, welches dann unumstößliches Gesetz zu werden hat.
    Nur wie kann es erreicht werden? Is wie mit der Meinungsfreiheit, jeder will nur die Eigene Idee alles beherrschen lassen. Das ungelöste Paradoxon ist, wie können genügend Menschen für Demokratie begeistert wrrden und stabil diese Forderung durchsetzen? Auch die Gelbwesten begannen mit dieser Forderung, auf dem Weg ist es aber still darum geworden. Haben Sie eine Idee?

  12. Es gibt selten Themen, über die auf den einschlägigen Foren so viel Unsinn geschrieben wird wie über das Geldsystem.
    Nun hat Wolff ja endlich mal präzisiert, was er unter SEINEM demokratischen Geldsystem versteht. Dass es sich dabei um SEINE Vorstellungen handelt, muss dabei betont werden. Denn andere haben andere Vorstellungen dazu. Es ist also keine objektive sondern eine subjektive Betrachtung. Das liegt in erster Linie an der Definition „demokratisch“. Denn das ist mittlerweile sehr beliebig und auch sehr formalistisch geworden. Demokratisch ist, was jeder einzelne dazu erklärt, d.h. der Demokratiebegriff wird in erster Linie definiert durch das Interesse dessen, der ihn benutzt. Es gibt besonders in Bezug auf das Geldsystem keine eindeutige und unwidersprochene Definition dazu.
    Wolffs Beitrag ist eigentlich nur in den beiden ersten Kapiteln gedeckt durch die historische Wirklichkeit. Danach geht wieder der Moralist und Idealist mit ihm durch. Seine Sichtweisen zu widerlegen, würde diesen Rahmen hier sprengen. Eine ausführlichere Diskussion wäre aber sicherlich für das Verständnis des Geldsystems vonnöten, damit sie endlich mal befreit werden könnte von moralisierenden Verurteilungen. Diese verhindern nämlich das Entscheidende: Das Verstehen der Vorgänge im Geldsystem. Das Moralisieren über das Geld macht es nicht verständlicher, im Gegenteil. Erkenntnis der Wirklichkeit ist gefragt, nicht das Fantasieren in Traumwelten.
    „Geld selbst ist höchst undemokratisch, weil es die Eigenschaft besitzt, sich ungleich zu verteilen – und das gilt für alle Geldformen, ob Bargeld, Buchgeld, elektronisches Geld oder Kryptowährungen. Es liegt also nicht an der Erscheinungsform des Geldes, sondern an seiner Verteilung. Und diese Verteilung fängt mit der Geldschöpfung an.“
    Das ist Unsinn, weil es widersprüchlich ist. Ersten verteilt sich Geld nicht selbst, sondern es wird verteilt und zwar von Menschenhand. Zudem: Demokratisch ist ein politischer Begriff und dazu noch ein sehr neuzeitlicher. Es gab aber schon Geld, als von Demokratie im heutigen Verständnis noch gar nicht die Rede war. Es gab Geld in den Sklavenhaltergesellschaften der Antike. Deren Demokratieverständnis bezog sich nur auf die Freien. Sklaven hatten gar keine Rechte. Auch in den Feudalgesellschaften des Mittelalters und der Neuzeit war von Demokratie keine Rede. Demokratie ist eine Gesellschaftsform des Bürgertums, und diese Klasse gibt es noch nicht so lange und noch kürzer ist die Zeit ihrer politischen Machtausübung.
    Andererseits gab es aber auch schon Ungleichheit in Reichtum und Macht vor der Zeit des Geldes. Sei gründete sich damals auf den Besitz von Land und Vieh. Also haben beide mit dem Geld selbst gar nichts zu tun. Zugegeben: Das Vorhandensein von Geld macht andere Formen und Fülle von Macht möglich.
    Zudem, und hier übersieht Wolff vollkommen die geschichtliche Wirklichkeit, haben den Herrschern über die antiken Sklavenhaltergesellschaften, dem Adel als Herrscher über die Feudalgesellschaft und auch dem Bürgertum als herrschende Klasse im Kapitalismus all ihr Geld und ihre Macht nichts genutzt. Die Reiche der Antike sind verschwunden trotz ihres Reichtums und ihrer Macht ihrer Herrschenden. Die herrschenden Klassen der Sklavenhalter sind untergegangen in der Geschichte. Dasselbe galt für den Adel. Auch er ist gesellschaftlich bedeutungslos geworden durch die Revolutionen der Bürger in England und Frankreich, in Deutschland und Russland nach dem 1. WK. Geld, Reichtum und Macht hatten dem Adel nichts genutzt. Das Geld mag zwar ungleich verteilt sein, aber es kann nicht schützen vor den Entwicklungen der Geschichte. Das ist die Lektion der Geschichte, nicht Wolffs weinerliche Moral.
    „Das nächste wäre die Geldverteilung. Sie müsste so geregelt werden, dass die mit dem höchsten Einkommen der Allgemeinheit auch am meisten zurückgegeben und nicht wie in unserer Zeit am glimpflichsten davonkommen. Dazu müsste ein gerechtes Steuersystem eingerichtet werden, das nicht länger Einkommen stärker besteuert als Vermögen und das alle Schlupflöcher und damit auch den Weg in die Steueroasen schließt. Zudem müsste das Erbrecht, das in unserer Zeit die Vermögenden extrem begünstigt, geändert werden.“
    Wer soll denn das machen? Hat sich Wolff denn diese Frage auch einmal gestellt? Sollen das diejenigen sein, die seit Jahrzehnten all diese Gesetze geschaffen haben? Das ist doch naiv. Und warum sollten sie es machen?
    Wenn Wolff schon alle Verteilungsmechanismen des kapitalistischen Geldsystems auf den Prüfstand stellen oder umkrempeln will, warum schafft er dann das Geld nicht generell ab? Mehr Verteilungsgerechtigkeit kann es doch nach seinem Demokratieverständnis gar nicht geben.
    Nur, bei all den tollen Ideen bleibt doch am Ende immer die Frage: Wer soll es denn umsetzen? Welche gesellschaftliche Kraft soll die Wolff'schen Gedankengebäude Wirklichkeit werden lassen. Oder geht es den Wolffs gar nicht um Verwirklichung, sondern viel mehr um moralische Empörung und Verurteilung? Wie sagte der große Brecht: „Es setzt sich nur so viel Vernunft durch, wie die Vernünftigen durchsetzen.“ Wer sollen Also diejenigen sein, die das demokratische Geldsystem schaffen? Die Sklavenhalter wurden vertrieben durch die, die keine Sklaven mehr sein wollten. Der Adel wurde vertrieben durch die nicht-adligen Klassen, das Bürgertum und das Proletariat. Wer soll denn dem Bürgertum in seiner heutigen Form als Investoren die Macht aus der Hand nehmen, um ein demokratisches Geldsystem zu errichten nach den Vorstellungen Wolffs?
    Ohne es zu wissen, plädiert Wolff für den Sozialismus. Denn wer die Axt anlegt an das Geldsystem, bringt den Blutkreislauf des Kapitalismus zum Stillstand und damit den Kapitalismus selbst. Aber den Begriff Sozialismus würde ein Moralist und Idealist ja niemals in den Mund nehmen. Und doch ist es das, was Wolff unwissentlich fordert.

  13. Dem kann ich nur in 2 kleinen Details zustimmen – gerechte Besteuerung und ..vergessen.

    mMn brauchen wir Demokratie und Aufklärung (= Ermächtigung der Bevölkerung). Geld ist ein Mittel zum gesellschaftlichen Zusammenleben und auf diesen Platz sollte es auch wieder verwiesen werden, so wie das auch für die Wirtschaft gilt. Nicht der Markt gestaltet die Demokratie sondern die in ihr lebenden Menschen. So sollte es jedenfalls sein.

    Wäre es so, würde die Finanztransaktionssteuer auch die Finanzspekulationen regulieren und nicht ausgerechnet diese ausnehmen womit sie zu reiner Makulatur und Falschbenennung verkommen ist.

    Das Geldsystem sollte 4te säule der staatlichen Gewalt werden, aber bitte in einem Staat, der sich den darin befindlichen Menschen andient und nicht dem "Markt".
    Der aktuelle Negativzins kann auch als Abbildung des Fließgeldes verstanden werden, so etwas beugte automatisch der Hortung und sinnfreien Machtkonzentration vor.

    Ein gerechtes Steuersystem besteuert meiner Meinung nach Vermögen und nicht Arbeit.

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