The Wolff of Wall Street: Eurokrise

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag um 12:00 Uhr Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Eurokrise“.

Das globale Finanzsystem war nach der Weltfinanzkrise von 2007/2008 eigentlich am Ende. Dass es trotzdem weiter existiert hat, verdankt es in erster Linie dem Eingreifen von Regierungen: Sie haben damals zahlreiche Finanzinstitute mit Hilfe von Steuergeldern am Leben erhalten.

Die Rettungsaktion hatte allerdings Folgen: Die Haushalte der betroffenen Staaten wiesen anschließend gewaltige Löcher auf. Deshalb dauerte es nicht lang, bis es in einigen Ländern der Eurozone zu ersten Zahlungsausfällen kam.

Diese Ausfälle zogen sehr schnell ein noch viel größeres Problem nach sich: Die betroffenen Länder waren nämlich bei europäischen und US-amerikanischen Banken hoch verschuldet. Da diese Schulden auch noch über Kreditausfallversicherungen bei weiteren Banken abgesichert waren, hätte der Staatsbankrott dieser Länder einige dieser Banken in große Schwierigkeiten bringen können. Das hätte möglicherweise einen Domino-Effekt ausgelöst und das globale Finanzgefüge ins Wanken gebracht.

Was also tun?

Zunächst wurde der Vorschlag gemacht, einzelne Länder aus dem Euro zu entlassen. Das aber wurde umgehend verworfen, denn eine solche Maßnahme hätte das Vertrauen der gesamten Finanzwelt in den Euro erschüttert. Kein Investor der Welt wäre bereit gewesen, einem Land der Eurozone weiterhin Geld zu leihen, wenn es sich bei Zahlungsproblemen einfach aus seiner Währung verabschieden konnte.

Damit aber war klar: Der Euro musste gerettet, die Löcher in den Haushalten der betroffenen Länder mussten irgendwie gestopft werden. Also wurden umgehend Notmaßnahmen ergriffen. Diese wurden in ihrer Gesamtheit als „Euro-Rettungsschirm“ bezeichnet und sahen folgendermaßen aus:

Es wurde eine Troika gebildet, die aus Vertretern der Europäischen Zentralbank EZB, der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds IWF bestand. Dann wurden die betroffenen Länder unter die Zwangsverwaltung dieser Troika gestellt. Das heißt: Gewählte Regierungen mussten die Ordnung ihrer Staatsfinanzen den nicht gewählten Technokraten von EU, EZB und IWF überlassen.

Zudem wurden die provisorische Europäische Finanz-Stabilisierungs-Fazilität EFSF und dann der provisorische Europäische Finanz-Stabilisierungs-Mechanismus EFSM gegründet, die beide ab 2013 durch den ständigen Europäischen Stabilitäts-Mechanismus ESM ersetzt wurden.

Das alles ist bei weitem nicht so kompliziert wie es klingt. Hinter diesem Bürokraten-Deutsch verbirgt sich nämlich nichts anderes als die Gründung einer EU-Bank, deren Hauptzweck darin besteht, den Euro in Krisenzeiten zu stützen.

Und da eine Bank Geld braucht, haben sich alle Eurozonenländer – ihrer Wirtschaftskraft entsprechend – verpflichtet, Geld in diese EU-Bank einzuzahlen. Und weil die eingezahlten Summen im Krisenfall möglicherweise nicht ausreichen, haben die Eurozonenländer auch noch Bürgschaften geleistet – und zwar ebenfalls entsprechend ihrer Wirtschaftskraft. Das heißt: Die großen Länder müssen für hohe Summen garantieren, die den in Schwierigkeiten steckenden kleineren Ländern notfalls als Kredite zur Verfügung gestellt werden.

Auf diese Weise wurden die Probleme einzelner Eurozonenländer über die gemeinsame Währung – den Euro – zum Problem aller Eurozonenländer – und das mit erheblichen politischen Folgen:

Da die Kredite, die anschließend an Länder wie Griechenland vergeben wurden, offiziell als „Hilfszahlungen“ bezeichnet wurden, erzeugten sie eine Welle der Empörung gegenüber den Empfängerländern, die aber vollkommen unberechtigt war:

Das Geld kam ja nicht diesen Ländern zugute, sondern wurde von deren Regierungen umgehend an ihre Gläubiger-Banken in Europa und den USA weitergeleitet. Außerdem waren diese Kredite unter dem Schlagwort der „Austerität“ an harsche Bedingungen geknüpft: Sie bürdeten die Last der Krise nämlich nicht etwa denen auf, die sie verursacht hatten – also internationalen Finanz-Spekulanten – sondern… der arbeitenden Bevölkerung.

Aus diesem Grund muss die Mehrheit der Menschen in den betroffenen Ländern heute damit leben, dass Renten gekürzt, Sozialleistungen gestrichen, Mindestlöhne gesenkt, Steuern und Abgaben insbesondere für Mittelständler dagegen erhöht wurden. Das heißt: Die Eurokrise hat den Lebensstandard vor allem der unteren und mittleren Einkommensschichten drastisch gesenkt.

Gelöst wurde dadurch aber keines der Probleme. Da Länder wie zum Beispiel Griechenland bisher gar nicht in der Lage sind, ihre Kredite zu bedienen und sich das in absehbarer Zeit auch nicht ändern wird, sind Zinszahlungen und Tilgung auf Jahre und Jahrzehnte hinaus aufgeschoben worden.

Politik und Finanzindustrie haben es auf diese Weise geschafft, einen Teil der Folgen der Eurokrise auf Menschen abzuwälzen, die, als die Krise stattfand, noch gar nicht geboren waren.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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16 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Eurokrise

  1. Selbstredend @W. Schürer, sind mir Antworten von allen Seiten absolut willkommen – leider gibt´s sie gerade auch auf Kenfm nicht allzu häufig…
    Umso erfreuter bin ich über die Ihre.

    Ich verstehe unter ´Monetative´ eine zusätzliche Staatsgewalt, die mit verfassungsgemäß genau umrissenem exklusivem Auftrag Geld schöpft – mit Blick auf eine Ballace zwischen Geld- & Gütermenge.
    Der Vorstand dieser Monetative dürfte nicht von der Exekutive abhängen. Er wäre in meinen Augen am besten paritätisch vom Parlament und den Bürger/innen direkt zu wählen: damit hätten wir ein in meinen Augen demokratisch zu nennendes Geldsystem.
    (MMT dagegen, wenn ich es recht verstehe, kreist einfach um den staatlichen Souveränitätsbegriff, der aber ja gerade nicht ein völlig absurdes Geldsystem wie das gegenwärtige ausschließt)

    Als Geldmengen-Regulator fungierte aber doch im von mir erwogenen Vollgeld-System, wäre man hier konsequent, das Kreditwesen:
    Die ZB schöpfte gemessen am Vorjahres-BIP Jahr für Jahr zu 2/6 ein BGE, zu 1/6 den Staatsetat und zur Hälfte Kreditgeld, das über die Geschäftsbanken, aufgeschlüsselt nach deren Kundenkontigenten in Umlauf käme.
    – vgl überarbeitete Grafik: http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//0-DEBATTENRAUM-D/BK/gwos2.jpg
    Klare, lenkungseffektive Kreditbefristungs-Regeln in Händen der ZB sorgten für geeignet ausballancierbare Geldmengen-Volumina.
    Und das für alle wunderbar überschaubar.

    Wenn wir ernst nehmen, dass allein Aufwands-Minimierungen auf allen Ebenen uns in den Stand setzten, weniger schädlich mit unserem Palneten wie mit uns selbst und unseren Mitmenschen umgehen zu lernen als derzeit, böte ein Geldschöpfungssystem wie das hier vorgeschlagene zudem die Chance, unser G e l d w e s e n im Z i n s b e r e i c h endlich gedeihlich, statt zerstörerisch zu gestalten:
    Die jährliche Basis-Geldschöpfung durch die ZB unterläge weder den Bürger/innen, noch dem Staatshaushalt, noch den Geschäftsbanken gegenüber einer Zinspflicht.

    Die Geschäftsbanken dürften (so mein Vorschlag) allein auf Basis ihrer Giro- & Spareinlagen sowie ihres kundenbasierten ZB-Kredit-Volumen-Anteils ihre Kreditgeschäfte betreiben – zu maximal festen 2 % Kredit-Zins. Im Gegenzug verzinste sich keine Bank-Einlage für die Einleger, der Zahlungsverkehr wäre gebührenfrei zu gewährleisten.
    Erst wo die ZB sich aufgrund bestimmter Wirschaftslagen zu einem fallweise erhöhten Kreditvolumen entschlösse, hätte sie dafür festgelegterweise 1% Zinsen zu erheben – den Banken stünden für die kreditweise Vergabe dieses Geldes ihrerseits feste 1% Zinsen zu – diese zusätzlichen Zentralbankrdite würden also fest gegen 2% Zinsaufschlag bei den Geschäfts-Banken einzukaufen.

    ´Steuern zur Geldvernichtung´ (eine phänomenale Formulierung wie Denke im übrigen !) baucht es, denke ich. nun wirklich nicht.

    Kredite wären jeweils zügig zu tilgen, über die Volumina entschiede die volkssouverän verankerte Monetative gemäß den sie betreffenden Verfassungsbestimmungen – und Geld bliebe stabil das Äquivalenzmittel, über das sich Produktion und Konsumption marktwirtschaftlich in Austausch bringen und halten ließen – unter geringst-möglichem und Mensch wie Planet angemessenem Aufwand.

    Die durch die Staaten eingetriebenen Gelder heißen – wie Sie ja auch am Ende in den Horizont rücken – ja wohl nicht umsonst ´Steuern´: Neutral gesprochen geht es um staatliche Verhaltensbeeinflussungen, nicht so neutral formuliert: um staatliche Lenkungsmöglichkeiten via ´Zuckerbrot und Peitsche´.

    Wo wir begännen, unseren Bürger/innen-Status ernst zu nehmen, nähmen wir in ganz Vielem vor Ort in die Hände aller (von welchen Entscheidungen immer) Betroffenen einen Austausch darüber, was regional fehlt oder fehlgeht, wie wir es erstellen bzw. korrigieren könnten, über welche Kooperationen wir an Unterstützung gelangen könnten, was an großräumigeren Konstruktionen und Konzepten erforderlich wäre und sich wie auf den Weg bringen ließe…
    … raus aus den Hinerzimmern, für alle offen und medial via Bürger-Seite im Internet ohne Wenn und Aber und mit allen Pros und Contras vermittelt… !

    Die Staatsgewalten Legislative und Exekutive hätten nichts länger aus einer ihnen zustehenden Machtvollkommenheit heraus zu steuern, zu befördern wie zu behindern also…
    Sie mutierten zu anregungs-offenen Koordinatoren dessen, was verfassungsgemäß verantwortliche Bürger/innen sich wechselseitig klar gemacht und vorgenommen haben und begriffen ihre Zusammenarbeit mit der Judikative als reine Gefahren-Minimierungs-Instrumente …

    Sie schließen: „Um das zu beseitigen müsste man Demokratie einführen.“

    Ganz recht: wir müssten anfangen, u.a. das Geld, aber auch Schadstofffragen und und und als in unsere Verantwortungs gehörend zu begreifen und auf unmittelbar von uns beratenen Wegen vor Ort wie regional bis überregional verschränkt zu bestehen.
    Nicht ´die Politik soll´s für uns richten´.

    W i r sind in der/ wir gehen in die Verantwortung und forumulieren Aufträge, wo wir politisch institutionelles Richten brauchen – und das ausdrücklich täglich deutlicher…. nicht zuletzt auf Kenfm …

    • Hallo Gabriele,
      Sie wünschen sich zwar eine Antwort von Herrn Wolff (ich übrigens auch, siehe mein Kommentar). Wollen wir mal hoffen, dass sie noch kommt.
      Ich hoffe es sind Ihnen auch Anmerkungen anderer Diskutanten willkommen.
      Ihre Überlegungen kann ich gut nachvollziehen. Trotzdem würde ich meinen, dass das alles nicht ganz bis zu Ende durchgedacht ist.
      Zu Ihrem Vorschlag einer Monetative: „KEIN STAAT WÄRE zur Erfüllung seiner Aufgaben AUF STEUER-EINNHAMEN ANGEWIESEN.“
      Dafür braucht man keine Monetative. Das gilt für jeden souveränen Staat mit einer souveränen Währung. Die MMT (Modern Money Theory) beschreibt die Funktionsweise unseres aktuellen Geldwesens und kommt u.a. zu diesem Schluss. Was aber nicht heißt, dass man auf Steuern verzichten kann. Die braucht man auf jeden Fall a) um Akzeptanz für das staatlich emittierte Geld zu erzwingen und b) um Geld wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Dem Schöpfungsakt des Geldes muss auch ein Vernichtungsakt gegenüberstehen damit wir nicht im Geld ersaufen. Genau das – Geldvernichtung – ist auch in unserem aktuellen Geldsystem (ohne Monetative) eine Funktion der Steuern. Um seine Ausgaben zu finanzieren braucht kein souveräner Staat mit einer souveränen Währung Steuern. Auch heute nicht. Das ist ein Ammenmärchen um uns für blöd zu verkaufen. Das dürfte wohl unmittelbar einsichtig sein, wenn man einmal kurz den Kopf schüttelt um sich von den Mythen zu befreien die ums Geld gemacht werden um uns hinters Licht zu führen. Des Weiteren sind Steuern noch nützlich c) als effektives Instrument zur Umverteilung und d) als effektives Instrument zur Förderung nützlicher und Erschwerung schädlicher wirtschaftlicher Unternehmungen. Wie die aktuelle Politik zeigt kann dies allerdings von korrupten Politikern, denen es nicht um das Allgemeinwohl geht auch in sein Gegenteil verkehrt werden: schädliche wirtschaftliche Unternehmungen fördern und nützliche verhindern. Das allerdings ist kein monetäres Problem, sondern ein politisches. Um das zu beseitigen müsste man Demokratie einführen.

    • … und natürlich auch in dem Sinne ins Gegenteil verkehrt werden, daß die Umverteilung von unten nach oben stattfindet statt umgekehrt. So wie aktuell bei uns.

  2. Vielen Dank Herr Wolff für die großartige und vorbildlich sachliche, unaufgeregte Aufklärungsarbeit, die Sie hier mit großem didaktischem Geschick und ohne überflüssigen Firlefanz leisten.
    Für mich ist das meiste von dem was Sie hier vortragen nichts wirklich Neues, da ich mich schon seit Jahrzehnten mit unserem Geld- und Finanzsystem sehr intensiv beschäftige. Über viele Irrwege denen ich dabei teils über Jahre nachlief (Schwundgeld, Goldstandard) bin ich schließlich zu meiner aktuellen Einschätzung unseres gegenwärtigen Geld- und Finanzsystems gekommen. Ich habe deswegen viel Verständnis für die Irrwege, auf die Leute hereinfallen, die sich das gut versteckte Wissen über unser Geld- und Währungssystem mühsam selbst zusammenrecherchieren. Die Art, wie Sie hier kompakt und mit leicht verständlichen Worten wertvolles Wissen über den Zustand unseres aktuellen Geld- und Währungssystems zugänglich machen wird (hoffentlich) viele Zuhörer davor bewahren sich lange auf Irrwege begeben zu müssen.
    Dem was Sie über unser aktuelles Finanzsystem sagen kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das ist ein einziges Betrugssystem mit dem Zweck arbeitslose Einkommen zugunsten wohlhabender Leute, die ausgesorgt haben und zulasten der wertschaffenden arbeitenden Bevölkerung zu ermöglichen. Eine TAUGLICHE Finanzwirtschaft ist ein hilfreiches Instrument für die produktive Wirtschaft, den Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft. Unsere AKTUELLE Finanzwirtschaft ist im Gegensatz hierzu ein wuchernder Krebs, der diesen drei Sektoren immensen Schaden zufügt. Das liegt an der Art wie er ausgestaltet ist – was Sie in Ihren Beiträgen hier sehr eindrucksvoll beschreiben. In Ihren Beiträgen haben Sie ja bereits diverse Maßnahmen genannt mit denen in einem jahrzehntelangen Prozess aus einem mehr oder weniger tauglichem Finanzsystem ein gigantisches kasinoartiges Betrugssystem gemacht wurde. Dass die verbrecherischen Profiteure dieses systematischen Enteignungssystems von den Politikern unserer repräsentativen Scheindemokratie zulasten der einfachen Bevölkerung gestützt werden ist ein Skandal ohnegleichen. Und macht aus diesen Politikern Komplizen von Schwerverbrechern. Ob nun aus makroökonomischer Ahnungslosigkeit oder Dummheit (P1) oder aus berechnender Komplizenschaft zwecks Selbstbereicherung (P2) sei dahingestellt und mag individuell von Politiker zu Politiker verschieden sein. Politikern der Kategorie P1 möchte man diese Aufklärungsserie ans Herz legen. Aber es hätte vermutlich wenig Wirkung denn sie würden von der P2-Fraktion in Zusammenarbeit mit den wahren Profiteuren des Systems schnell ausgemustert werden. Der wirkliche Nutzen dieser Artikelserie ist die makroökonomische Aufklärung der breiten, von diesem Betrugssystem betroffenen Bevölkerung. Aufklärung ist der erste Schritt damit man sich effektiv wehren kann. Und wie diese Abwehr letztendlich aussehen muss, das sagen Sie ja jedesmal mantra-artig zum Schluss Ihrer Ausführungen: „Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem.“ Ich nehme an dieses Mantra wird von Ihnen zum gegebenen Zeitpunkt mit Inhalt gefüllt werden. Sie werden uns also hoffentlich Ihre Vorstellung von einem demokratischen Geldsystem mitteilen. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Habe aber auch vollstes Verständnis dafür, dass dies erst der Schlusspunkt Ihrer Aufklärungsarbeit sein kann.
    Ich fasse mich also bezüglich der Vorstellung des benötigten demokratischen Geldsystems in Geduld. Möchte aber trotzdem schon mal ein paar Anmerkungen machen wie ich das auf Basis meines aktuellen Wissensstandes sehe. Aber zuvor noch zwei Kritikpunkte, die ich bei aller Begeisterung für Ihre Artikelserie doch anbringen möchte:
    Kritikpunkt 1:
    Gerade im heutigen Artikel vermisse ich einen Hinweis schmerzlich. Nämlich die Benennung eines der wichtigsten Gründe warum das Zusammenspiel der verschiedenen Nationen mit der gemeinsamen Währung Euro nicht funktioniert. Der Grund ist, dass einer der Mitspieler permanent grob foul spielt. Und dieser Mitspieler ist Deutschland. Die meisten Leute glauben ja, dass eine gemeinsame Währung zwischen Nationen mit unterschiedlich leistungsfähigen Wirtschaftsräumen nicht funktionieren kann. Doch das ist ein Irrtum. Das kann sehr wohl funktionieren. Aber dazu müssen sich alle Beteiligten an die (ungeschriebenen) Spielregeln halten. Und eine solche Spielregel ist, dass alle Mitglieder einer Währungsunion eine Politik betreiben müssen, die zu einer identischen Inflationsrate in der gesamten Währungsunion führt. Verstoßen einzelne Mitgliedsländer gegen dieses ungeschriebene Gesetz kommt es zu schweren Verwerfungen innerhalb des gemeinsamen Währungsraums. Denn der sonst übliche Mechanismus um unterschiedliche Inflationsraten zwischen Ländern unschädlich zu machen sind Währungsauf- und -abwertungen. Dieses Instrument steht in einer Währungsunion nicht zur Verfügung. Empirisch erwiesen ist der Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation. Leistet sich ein Land eine Entwicklung seiner Lohnstückkosten die geringer ist als die Entwicklung der Produktivität (das ist Lohndrückerei mit dem Effekt der Umverteilung von der arbeitenden Bevölkerung hin zu den Kapitalhaltern) so führt das (aufgrund der schwindenden Massenkaufkraft im Vergleich zum Produktionsfortschritt) zu Deflation. Leistet sich hingegen ein Land die Entwicklung seiner Lohnstückkosten oberhalb des Produktivitätszuwachses (das Land „lebt dann über seine Verhältnisse“), so führt das entsprechend zu Inflation. In der Folge verlieren diese Länder, die „über ihre Verhältnisse“ leben ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Lohndrückern. Das führt zu Deindustrialisierung und Arbeitsplatzverlusten in diesem Wirtschaftsraum zugunsten des nun günstiger produzierenden Lohndrückerlandes. Die „goldene Regel“ bezüglich der Lohnentwicklung besagt nun, dass die Lohnstückkosten sich so entwickeln müssen wie der Produktivitätsfortschritt plus die angestrebte Inflationsrate. Das offiziell angestrebte Inflationsziel im Euroraum ist 2%. Gemäß diesem Ziel müsste in jedem Land eine Lohnpolitik betrieben werden, welche die Löhne um (2 + Produktivitätsfortschritt im jeweiligen Land) % steigen lässt. Frankreich hat sich seit Einführung des Euro vorbildlich an diese goldene Regel gehalten. In Italien lebte man zumindest anfangs etwas über seine Verhältnisse, was aber inzwischen längst korrigiert wurde. Und Deutschland verstieß seit Einführung der gemeinsamen Währung eklatant gegen diese goldene Regel (systematische Lohndrückerei, Hartz IV). Mit dem Effekt, dass Deutschland Arbeitslosigkeit exportiert und die produktiven Sektoren der anderen Länder schrumpfen. Wieso Sie dies im Zusammenhang mit der Eurokrise nicht erwähnen ist mir unverständlich.
    Frage / Kritikpunkt 2:
    Ich vermisse in Ihren Beiträgen den Hinweis auf MMT (Modern Money Theory). Vielleicht kommt das ja noch. Aber eine gewisse Ausdrucksweise Ihrerseits lässt mich schlussfolgern, dass Sie die MMT entweder nicht kennen (was ich mir allerdings kaum vorstellen kann) oder aber ablehnen. Ich meine damit Ihre Hinweise an diversen Stellen, dass der Staat die Steuern seiner Bürger für dies oder das verwende. (z.B. im Beitrag über Zentralbanken vom 15.2. „Die Regierungen haben diverse Großbanken mit Steuergeldern vor dem Bankrott gerettet, und die Zentralbanken haben anschließend das Geld geschöpft mit dem die in den Haushalten entstandenen Löcher gestopft wurden.“)
    Die MMT ist keine Theorie in dem Sinne, dass sie ein theoretisches Konzept anbietet wie Geld funktionieren könnte. Nein, die MMT ist eine exakte Beschreibung der Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems. Und eine der Grundaussagen dieser Theorie ist, dass ein souveräner Staat mit einer souveränen Währung für seine Finanzierung keine Steuereinnahmen braucht. Der Zweck der Steuern ist ein anderer. Zum einen sind sie erforderlich um die Akzeptanz des Geldsystems bei den Wirtschaftsteilnehmern durchzusetzen. Zum zweiten sind sie ein effektives Mittel zur Umverteilung. Zum dritten sind sie ein effektives Mittel um erwünschtes wirtschaftliches Verhalten zu fördern bzw. unerwünschtes zu erschweren. Und last but not least werden Steuern benötigt um die Inflation in Grenzen zu halten. Zu seiner Finanzierung jedenfalls braucht ein Staat keine Steuern, der Geld seiner eigenen Währung aus dem Nichts schöpfen kann. Die Steuererhebung dient nur den vier genannten Zielsetzungen. Und der Akt der Steuererhebung ist nichts anderes als das Gegenstück zur Geldschöpfung aus dem Nichts. Im Akt der Steuererhebung verschwindet dieses Geld wieder im Nichts.
    Deshalb an dieser Stelle meine Frage an Sie, Herr Wolff: Halten Sie die MMT für eine korrekte Beschreibung unseres aktuellen Geldsystems oder nicht? Wenn nicht, was kritisieren Sie an der MMT?
    Demokratisches Geldsystem:
    Manche Leute träumen ja von der geldlosen Gesellschaft. Das ist aberwitzig. Geld ist nicht per se schlecht. Geld ist das was man draus macht. Geld ist eine soziale Vereinbarung. Und damit ist Geld so gut oder schlecht wie diese soziale Vereinbarung.
    Dass mit unserem aktuellen Geldsystem so viel Schindluder getrieben wird liegt unter anderem auch daran, dass die Leute noch gar nicht kapiert haben was Geld eigentlich ist. Was ganz Geheimnisvolles! Was extrem Seltenes und Wertvolles. Bullshit! Unser aktuelles Geldsystem lädt natürlich diejenigen, die über die Macht verfügen Geld aus den Nichts zu schöpfen zum Missbrauch ein. Und der geheimnisvolle mystische Schleier, der um das Thema Geld gelegt wird sorgt dafür, dass a) keiner durchblickt und sich deswegen auch b) niemand effektiv gegen den Missbrauch wehren kann.
    Ich beginne mit dem Fazit (bezüglich „demokratisches Geldsystem“), zu dem ich gekommen bin und das wird vermutlich die meisten hier überraschen (insbesondere angesichts des grade über Fiatmoney Gesagten): die Funktionalität unseres aktuellen Geldsystems ist bestens dafür geeignet den Menschen als demokratisches Geldsystem zu dienen!
    Warum ich das so sehe, das habe ich in anderen Kommentaren schon ausführlich dargelegt. Wen es also interessiert, der möge bitte meine Kommentare zu „KenFM im Gespräch mit Stefan Mekiffer („Warum eigentlich genügend Geld für alle da ist“) lesen. Dort einfach meinen Namen in die Suchfunktion eingeben.
    Vielen Dank nochmal Herr Wolff. Und ich würde mich sehr über eine Antwort auf meine Frage(n) freuen.

  3. Ein ein schreckliches Umverteilungssystem extra forciert und ohne sozialen Gedanken, von allen nehmen und sich selbst zuschanzen.

    Ein Geldsystem der Zukunft kann ja nur eines sein, was nirgends zentralisiert ist. Wie sollte es sonst funktionieren.
    ALso wäre ein Kryptogeldsystem mit verteilten Konten schonmal ein Anfang.
    Jedoch wie will man Machtkonzentration verhindern?

    Dort wo sich Geld sammelt, wird Macht entstehen und ab einer gewissen Summe X auch wieder Vorrechte und der Schutz dieser. Also würde wieder versucht werden Kontrollorgane zu infiltrieren und zum Werkzeug der eigenen Interessen zu machen.

    Dies könnte man mit Reichtumsbegrenzung verhindern. Ab festgelegten Summen wird alles zu 100% versteuert und somit der Wohlstand(Wohlstand im Sinne von Freiheit und weniger Zwänge, nicht im Sinne von mehr Verbrauch und mehr Geld) auf die Menschheit zurückverteilt, den sie ja meistens selbst erzeugt.
    Denn Reichtumskonzentration findet ja in der Regel bei einer kleinen Minderheit statt, die einfach die erzeugten Werte der breiten Masse, nicht auf diese verteilt, sondern selbst einstreicht.
    Natürlich braucht das dann Kontrollen aller Gelder und eine absolut demokratische und komplett offene Politik, die nur als ausführendes Organ dient und durch Bürgerumfragen und Volksentscheide gelenkt wird.
    Dies bedeutet aber auch eine absolut neutrale aufklärende Medienlandschaft, die keine Interessensvertretung vertritt oder bevorteilt.

    Das System müsste also eine ziemlich große Änderung hinnehmen und dafür braucht es auch eine Generation die diese Übergangszeit durchsteht. Folgende Generationen nehmen das neue System als normal auf, aber wir, die selbst eine gewisse vorgegebene Linie durchlaufen haben und entsprechend konditioniert wurden und ziemlich kaputt gemacht durch das System, haben es da sehr sehr schwer uns von gewissen Dingen zu lösen…

    • Hinsichtlich dessen, was Demokratie heisst, empfehle ich Kant „Ewiger Frieden“, Ingeborg Maus, Rainer Mausfeld. Da muss man ein paar Wochen lesen, hinsichtlich Geld den Wolff hier oder Prof. Senf oder Paul Schreyer oder Seiffert. Da finden Sie die Antworten/Klarheit zu Ihren hier gestellten Fragen.
      Anders gesagt: Auswege aus den Denkframes, die Raeuberhirne anderen Menschen permanent ueberstuelpen moechten, und Sie, gut so, Ihre Fragen deshalb formulieren lassen. Die hier zu beantworten, dazu ist ein Forum ein falscher Ort.

  4. Nun, Ich denke, dass sich demokratisch und Geldsystem in keinster Weise miteinander verbinden läßt. was am bedingten Tausch, der ja dem Geldsystem zwangsläufig immanent ist, soll demokratisch sein??? ein Geldsystem kann per se nicht demokratisch sein, da der der Geld hat nicht die Gleiche Stimme hat wie der der wenig Geld hat. Wo ist dann die Demokratie??? Vor allem wie kann dann Demokratie (in Form von Herrschaft des Volkes), als Form der Herrschaft herangezogen werden? Unter Volk verstehe ich alle Menschen einer Region. alle Menschen einer Region haben aber nicht gleich viel Geld. Die Illusion von demokratischem Geld ist daher ein Widerspruch der bei mir nur lachen auslösen kann.

    • Das sich ein Geldsystem nicht demokratisch denken liesse, ist aktuell inszeniertes framing.
      Meine Empfehlung: frame-Wechsel ueben.
      Das Mitgestaltungsrecht am Leben wird durch ins Leben kommen begruendet, das Ausmass durch Gedankenvielfalt. Nicht dadurch, wieviele Kieselsteine die erste Bettung im Leben zaehlt

  5. Besten Danke Herr Wolff fuer das Licht.

    „Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muss und welches unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können.

    Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht.“

    Johann Wolfgang von Goethe

  6. If you drive a car, I’ll tax the street,
    If you try to sit, I’ll tax your seat.
    If you get too cold I’ll tax the heat,
    If you take a walk, I’ll tax your feet.

    Don’t ask me what I want it for
    If you don’t want to pay some more
    ‘Cause I’m the taxman, yeah, I’m the taxman…
    And you’re working for no one but me.

    — George Harrison, “Taxman”

  7. Wie lange will die arbeitende Bevölkerung diese finanzielle Sklaverei noch erdulden?
    Wäre es nicht allmählich an der Zeit, keine Steuern mehr zu bezahlen?

    Mit unseren Steuern werden spekulierende Banken gerettet (Bail-in & Bail-out), die uns den ganzen Mist eingebrockt haben über ausufernde Geldschöpfung und ein krass ungerechtes Finanz-System autokratisch am Leben erhalten, Feindbilder geschaffen und laufend verstärkt, um immer mehr in Rüstung investieren zu „müssen“ – bis zum Krieg in Europa, den wiederum die Lohnempfänger führen sollen.

    Was wir wirklich bräuchten, sind aber ganz andere Dinge:
    Mehr soziale Gerechtigkeit und ein Ende der finanziellen Sklaverei im heutigen Geldsystem!
    In einer atomwaffenfreien Welt ohne Feindbilder (Annahme des TPNW), durch globale Abrüstung und ohne Subventionen für den Flugverkehr hätten wir ganz plötzlich mehr als genug Geld für einen Wandel zu erneuerbaren Energien, eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Pestizide, ohne präventiven Antibiotika-Einsatz, ohne Massentierhaltung und Monokulturen, …

    Wir sollten erst wieder Steuern zahlen, wenn die Regierungen der EU diese Forderungen umsetzen.

    • Die Plage, die Krankheit insgesamt nennt sich Zins-System.

      Und mit diesem verwachsen ist das Geschwür der bösartigen Zockerei mithilfe des Hochfrequenzhandels und den drei radikal-terroristischen US-Ratingagenturen.

  8. Dem kann ich mich nur anschließen (klitzekeine Ergänzung: … und belegbar! 😉

    Zu befürchten ist eine wachsende Angst vor Herrn Wolff’s Erläuterungen. Es herrscht ja in Deutschland spätestens seit dem Kanzlionetten-GAU Merkel ein Klima des Betrugs der Öffentlichkeit und der Informationsuntersdrückung (siehe Gertrud Höhler — Die Patin)

    Es ist also künftig übler- und üblicherweise damit zu rechnen, das wieder mal der Ruf eines herausragenden Aufklärers, wie es ein Ernst Wolff ist, von der „Qualitäts“-Dreckjournaille oder charakterlosen Rufmördern mit Schmutz beworfen wird, und sei es noch so niederträchtig.

    • Ja.
      Das Wortklingeln ist dann hier in den Kommentaren.
      Und das ist dann, bisher, wie folgt beklingelbar:
      1.
      Das Geldsystem ist derzeit privat, also illegitim. Es hat demokratisch zu sein, ohne jedes Wenn und Aber. Wolff hat Recht. Anderslautende thraeds hier sind Demokratie-Kukulores.
      2.
      Gehorsams(Steuerverweigerung) ist Mistgabeldenke: zwar nachvollziehbar aber utopisch bis anarchisch, also rein destruktiv. Destruktion ist aber kein Weg.
      3.
      Es steht jedem von uns, also allen, frei, sich mit Anderen genossenschaftlich zusammenzutun und auch innerhalb des bislang bestehenden (Staats)-Provisoriums(Kant) Strukturen zu initiieren, die demokratisch sind und Kristallisationspunkte einer Andersentwicklung werden koennen.
      4
      In den USA denkt Sanders, in England Corbyn ueber sowas nach. Der Deutsche Diesel hat sogar vor 120 Jahren schon ein hochpraktikables Rezeptbuch seiner Zeit ueber so ein System geschrieben. Das waere relatv einfach auf heute upzudaten, lokal, regional und ausstrahlend einsetzbar.
      5.
      Vorher muessen wir aber, egal wie und hier auf Biegen und Brechen, die Vergiftung der Ozeane stoppen, sonst verroecheln wir ohne Sauerstoff, bevor jede andere Massnahme noch greifen kann.

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