The Wolff of Wall Street: Hedgefonds (Podcast)

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag um 12:00 Uhr Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Hedgefonds“.

Fonds sind Unternehmen, die das Geld von Investoren einsammeln, um es für sie anzulegen und auf diese Weise zu vermehren. Hedgefonds tun genau das, unterscheiden sich aber in mehreren Punkten von den übrigen Fonds:

Der erste Unterschied betrifft ihre Klientel. Während gewöhnliche Fonds auch Normalverdienern offen stehen, ist das bei Hedgefonds nicht der Fall. Wer als Privatperson in einen Hedgefonds investieren möchte, muss ein extrem hohes Vermögen nachweisen. Die meisten Menschen, die ihr Geld in Hedgefonds anlegen, gehören zu den sogenannten „Ultra High Networth Individuals“, also den Ultrareichen dieser Welt.

Der zweite Unterschied betrifft die Strategie. Fonds konzentrieren sich in den meisten Fällen auf bestimmte Anlagebereiche, also zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Immobilien. Hedgefonds dagegen haben keinen fest umrissenen Anlagebereich. Ihre Manager durchkämmen die Finanzmärkte ständig auf der Suche nach Gelegenheiten, um ihr wichtigstes Ziel zu erreichen – in möglichst kurzer Zeit möglichst hohe Gewinne zu machen.

Häufiger Schwerpunkt der Hedgefonds-Strategie sind Wetten auf Kurs- oder Preisschwankungen, und zwar nicht nur auf Ausschläge nach oben, sondern auch nach unten. Hierzu dienen insbesondere Leerverkäufe.

Bei einem Leerverkauf von Aktien zum Beispiel setzt der Anleger auf fallende Kurse: Er kauft die Aktien nicht, um sie später mit Gewinn zu einem höheren Preis zu verkaufen, sondern leiht sie sich, verkauft sie sofort, wartet dann ab, bis der Kurs gefallen ist, kauft sie dann wieder auf und gibt sie an den Eigentümer zurück. Auf diese Weise lässt sich sogar aus dem Kursrückgang einer Aktie Gewinn schlagen.

Ein weiteres von Hedgefonds häufig angewandtes Mittel ist das Leveraging, zu deutsch: die Hebelung. Das klingt kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach. Ein Hedgefonds schließt hierzu eine Wette ab und leiht sich anschließend Geld, um den eigenen Wetteinsatz zu erhöhen, oft bis zum 30- oder 40fachen. Anders ausgedrückt: Leveraging heißt nicht anderes als – spekulieren auf Kredit.

Damit wären wir auch schon beim dritten großen Unterschied zwischen Hedgefonds und den übrigen Fonds: der Risikobereitschaft. Mit der Hebelung ihrer Einsätze gehen Hedgefonds hohe Risiken ein, können also nicht nur sehr hohe Gewinne machen, sondern bei Fehlspekulationen auch sehr hohe Verluste erleiden.

Wie gefährlich das werden kann, hat sich schon zweimal sehr eindrücklich gezeigt: 1998 hat sich ein amerikanischer Hedgefonds namens Long Term Capital Management im Währungsbereich verspekuliert und dadurch fast das globale Finanzsystem zum Einsturz gebracht. 2008 waren Hedgefonds mit ihren Wetten entscheidend daran beteiligt, dass das System nur durch das Eingreifen der Regierungen und der Zentralbanken gerettet werden konnte.

Kommen wir zum vierten Unterschied, der Aggressivität von Hedgefonds. Aufgrund ihrer Marktmacht und ihrer kurzfristig gewinnorientierten Strategie greifen sie gern zum Mittel der „feindlichen Übernahme“. Dabei schlucken sie Unternehmen gegen den Willen von Inhabern und Mitarbeitern, führen sie aber nicht langfristig weiter, sondern weiden sie aus, verkaufen die profitabelsten Teile mit Gewinn… und hinterlassen einen Scherbenhaufen…

Der fünfte und sechste Unterschied zwischen Hedgefonds und normalen Fonds besteht in der Steuervermeidung und der Intransparenz. Hedgefonds haben ihren Sitz zumeist an den Off-Shore-Finanzplätzen dieser Welt – den Steuerparadiesen, wo sie keinen Cent an Steuern zahlen müssen und wo ihnen außerdem ein Höchstmaß an Diskretion entgegengebracht wird, was wiederum dazu führt, dass die Vermögensverhältnisse oft äußerst undurchsichtig sind.

Historisch gesehen sind Hedgefonds eine sehr junge Erscheinung. Der erste Hedgefonds wurde Ende der vierziger Jahre gegründet, danach spielten Hedgefonds mehr als drei Jahrzehnte so gut wie keine Rolle, bevor ihre Zahl in den 80er und 90er Jahren explosionsartig zunahm. Die Ursache für diesen Aufschwung liegt in der seit den Siebziger Jahren praktizierten Deregulierung des Finanzsystems. Dadurch, dass dem Finanzsektor immer mehr Zugeständnisse gemacht wurden, konnten Hedgefonds wie Pilze aus dem Boden schießen und immer mächtiger werden.

Sind Hedgefonds zu einer Konkurrenz für die Großbanken geworden? Nein, im Gegenteil: Da Hedgefonds wie Banken operieren dürfen, deren Einschränkungen aber nicht unterliegen, haben zahlreiche Großbanken entweder eigene Hedgefonds gegründet oder sie lassen all die Geschäfte, die ihnen nicht erlaubt sind, über Hedgefonds erledigen. Im Grunde haben Hedgefonds so zu einer Erweiterung der Macht der Banken beigetragen.

Aber nicht nur das: Hedgefonds haben die Machtkonzentration im Finanzsektor erheblich vorangetrieben, das Vermögen der Ultrareichen erhöht und die soziale Ungleichheit weltweit verschärft – und zwar ganz legal, aber auf eine Art und Weise, die sowohl wirtschaftlich als auch sozial erheblichen Schaden angerichtet hat.

Während klassische Spekulanten immerhin noch versucht haben, am Erfolg von Unternehmen teilzuhaben, ist Hedgefonds deren Wohlergehen vollkommen gleichgültig, im Gegenteil: Wenn es ihnen nützt, führen sie deren Niedergang sogar vorsätzlich herbei. Hedgefonds erfüllen sowohl volkswirtschaftlich als auch gesellschaftlich keinerlei nützliche Funktion, sondern dienen einzig und allein der Bereicherung von Spekulanten.

Kein Wunder also, dass man sie auch als Heuschrecken oder Aasgeier bezeichnet.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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