The Wolff of Wall Street: Europäische Zentralbank (EZB)

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12:00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Europäische Zentralbank (EZB)“.

Die EZB nimmt unter allen Zentralbanken der Welt eine Sonderstellung ein. Sie legt nämlich die Geldpolitik einer Währung fest, die nicht nur in einem Land offizielles Zahlungsmittel ist, sondern in insgesamt 19 Ländern – der sogenannten Eurozone. Sie ist also im Grunde Teil eines Experiments, das es so in der Geschichte des Geldes noch nicht gegeben hat.

Welche Bedeutung die EZB für das globale Finanzsystem hat, erkennt man daran, dass der Euro in der Rangliste der weltweit gehandelten Währungen hinter dem US-Dollar an zweiter Stelle steht.

Die EZB wurde 1998 – also 3 Jahre vor der Einführung des Euro – gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Seit 2015 residieren ihre etwa 2.500 Bediensteten in einem Gebäude, das eigens für sie gebaut wurde – mit Steuergeldern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro.

Die Leitung der EZB liegt in der Hand eines Direktoriums, das nicht gewählt, sondern von den Finanz- und Wirtschaftsministern der EU-Staaten vorgeschlagen und von den amtierenden Staats- und Regierungschefs der EU eingesetzt wird. Die EZB ist also einer Kontrolle durch die Wähler entzogen.

Offiziell bestehen die wichtigsten Aufgaben der EZB in der Festlegung der Leitzinsen, der Verwaltung der Währungsreserven des Euro-Raums, der Genehmigung der Ausgabe von Banknoten, der Beobachtung der Preisentwicklung und der Kontrolle der Geldmenge und der Inflation.

Inoffiziell besteht ihre Hauptaufgabe aber seit über zehn Jahren darin, ein eigentlich totes Finanzsystem zusammen mit den übrigen Zentralbanken künstlich am Leben zu erhalten. Da nach der Weltfinanzkrise von 2007/08 die Staatshaushalte wegen der Rettung des Systems durch die Regierungen riesige Löcher aufwiesen, mussten nämlich anschließend die Zentralbanken in das Geschehen eingreifen.

Im Zuge dieser 2. Rettungsaktion hat die EZB nicht nur Unmengen an Geld aus dem Nichts geschaffen und den Leitzins bis auf Null gesenkt, sondern unter Missachtung ihrer Satzung Dinge getan, die man früher nicht für möglich gehalten hätte.

So hat sie ab 2009 Pfandbriefe gekauft, ab 2010 dann auch Staatsanleihen. Ab 2014 hat sie begonnen, forderungsbesicherte Wertpapiere zu kaufen – also genau solche Papiere, die bei der Weltfinanzkrise als Brandbeschleuniger gewirkt haben. Von März 2015 bis Ende 2018 hat sie Staatsanleihen für über 2 Billionen Euro erworben, ab 2016 dann auch Unternehmensanleihen und Aktien.

Bis Anfang 2019 hat die EZB auf diese Weise mehr als 2,6 Billionen Euro neu geschaffenes Geld ins System gepumpt und einen großen Teil davon zu Nullzinsen vergeben – und zwar nicht an die arbeitende Bevölkerung, sondern an die Finanzindustrie, also genau die Akteure, die die Weltfinanzkrise verursacht hatten.

Aber das ist noch nicht alles: Im Zuge der Eurokrise hat die EZB mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds die Troika gebildet und den am schlimmsten betroffenen Krisenstaaten durch Kredite ermöglicht, ihre Schulden bei internationalen Banken zu begleichen. Diese Kredite wurden aber an Bedingungen geknüpft, die nicht etwa die Profiteure betrafen, sondern die arbeitende Bevölkerung und vor allem die sozial Schwachen, die Armen und die Alten.

Die EZB hat so – vor allem in Südeuropa – mitgeholfen, Gesundheits- und Ausbildungssysteme zu zerstören, Mindestlöhne und Renten zu senken, die Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen auf Rekordwerte zu treiben und Armut, Hunger und Obdachlosigkeit zu alltäglichen Erscheinungen werden zu lassen.

Und nicht nur das: Als im Januar 2015 die Syriza-Bewegung in Griechenland an die Macht kam und einen Anti-Austeritätskurs ankündigte, akzeptierte die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für ihre Kredite, erhöhte aber gleichzeitig die Notkredite für griechische Banken. Während sie der Finanzindustrie so unter die Arme griff, zwang sie eine Regierung, deren Programm ihr nicht passte, in die Knie.

Die schlimmste Folge der EZB-Politik aber besteht darin, dass die Vergabe von Billionen Euro zu Niedrig- und Nullzinsen den größten Schuldenberg aller Zeiten erzeugt hat. Da dieser ständig bedient werden muss, ist eine Rückkehr zu einer „normalen“ Geldpolitik ausgeschlossen.

Im Gegenteil: Die EZB wird die Zinsen in Zukunft weiter senken und noch mehr Geld ins System pumpen müssen – mit dem vorhersehbaren Ergebnis, dass es am Ende zu einer Hyperinflation kommen wird, die zwangsläufig den Zusammenbruch des gesamten Systems nach sich zieht.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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4 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Europäische Zentralbank (EZB)

  1. Der Fehler ist die Tatsache, dass Geld letztlich aus den Schulden anderer Leute besteht.

    Wie bei einem Zoo, wo sämtliche Käfigtüren offen stehen, versuchen es bei unserer Wettbewerbswirtschaft die großen Wettbewerber, dass sie irgendwo die Schulden anderer Leute immer schneller einkassieren.

    Gleichzeitig legen die Banken ständig neues Geld nach, indem sie Geld aus dem Nichts verleihen. Aber es sind doch meistens immer reiche Bankkunden, die von diesem betrügerischen Geldverleih profitieren und alle anderen Personen werden dadurch über die Hintertür schleichend enteignet.

    Jedenfalls gibt es in den Medien immer wieder Überschriften wie "Geschönte Zahlen" – Deutschland steuert auf ein Schulden-Fiasko zu.

    Die Geldvermögen der Deutschen steuern also immer neue Rekordmarken an. Aber Geld kann es doch nur mit den spiegelbildlichen Schulden anderer Leute geben, weil Geld doch als solches eine Schuld ist.

    Wenn aber immer mehr gespart wird und die Ungleichheit sich wegen der mit der Zeit immer ungleicher verteilten leistungslosen Einkommen insofern auch immer mehr verschärft, dann bricht auch der Konsum immer mehr ein und es fehlt wegen der immer mehr wegbrechenden Konsumausgaben im System auch immer mehr Verschuldung. Der Konsummotor kommt also immer mehr ins Stottern, wodurch dann irgendwo auch die Konjunktur einbricht.

    Schließlich benötigen wir doch sowohl für das Sparen der Einzelperson als auch für jede Einkommenserzielung die Schulden anderer Leute. Aber diese vielen Schulden kann es aber allein durch den ständigen Konsum gar nicht geben.

    Daher muss die Allianz von Politik und Banken ständig neue Schulden künstlich generieren.

    Die fehlenden Schulden kann der Staat dann möglicherweise einige Jahrzehnte lang, notfalls auch mit sinnlosen Staatsschulden künstlich generieren.

    Nach der Lehmann Pleite konnte der Staat aber die wegen ständigen Schuldenpraxis stark angestiegenen Zinslasten irgendwann gar nicht mehr bezahlen.

    Daher haben die Politik und eben auch die EZB entschieden, das System mit einer Öffnung sämtlicher Geldschleusen zu fluten, um es auf diese Weise zu retten. Herr Draghi sagte seinerzeit seinen berühmten Satz "whatever it takes".

    Die Zentralbank bringt jedenfalls insbesondere dadurch Geld in Umlauf, indem sie den Banken ihre betrügerischen Kreditvergaben aus dem Nichts erleichtert, wodurch aber ausgerechnet reiche Bankkunden von diesen etwas fragwürdigen Geldmengenausweitungen profitieren. Diese erwerben mit dem billigen Geld der Banken immer mehr Anlagewerte wie etwa auch Immobilien, während für alle anderen Personen, vor allem auch das Wohnen, immer teurer wird.

    Ebenso entschuldet die EZB mit ihren Anleihekäufen die Staaten, wodurch gleichzeitig immer mehr Geld ins System gelangt. Selbst Unternehmensanleihen werden inzwischen von ihr erworben.

    Aber das viele neu gedruckte Geld kommt bei der arbeitenden Bevölkerung nie an, sondern es gelangt stattdessen nach kurzer Zeit in irgendwelche Banktresore.

    Der Nullzins hat eben auch den Nebeneffekt, dass die Banken es kaum noch nötig haben, dass sie sich von den Bürgern Geld ausleihen, wodurch das Zinsniveau sinkt.

    Dadurch muss der Staat dann insofern für seine vielen Schulden auch kaum noch Zinsen mehr bezahlen.
    Dadurch gibt es für ihn kaum noch Sparzwänge und er kann daher immer schneller irgendwelche Milliardenbeträge, etwa auch für die Rüstung oder für die Spitzengehälter der EU-Beamten ausgeben.

    Jedenfalls sind die Staatsschulden die spiegelbildlichen Sparguthaben der Bürger. Dabei werden regelmäßig allen Bürgern die Schulden angelastet, obwohl diese doch in vielen Fällen selbst gar kein Geld haben.

    Allerdings werden die Normalbürger durch die Geldpolitik trotz der für den Finanzminister gesunkenen Zinsausgaben enteignet, weil die Geldexpansion doch nur deshalb funktioniert, weil ausgerechnet Ultrareiche die billigen Kredite der Banken für lau bekommen.

    Jedenfalls genossen unsere Abgeordneten doch immer schon ihre Immunität.

    Außerdem muss unsere Polizei die EZB im Zweifel zwar schützen, aber sie kann sie für ihr fehlerhaftes Wirken gar nicht belangen.

    Rein formal befindet sich die EZB auch gar nicht in Deutschland.

    Verfassungsrichter bemängeln mitunter das Demokratie-Defizit der EZB.

    Dann überschlagen sich doch unsere Kartellmedien mit ihrer Berichterstattung über die EZB-Geldpolitik mit Halbwahrheiten.
    Die Medien werden sich meist im Besitz der Banken befinden, weil diese doch schließlich den Goldesel besitzen, und daher haben die Bürger daher auch keinen Zutritt zur bequemen Meinungsverbreitung.

    Bei Reuters lesen wir:
    Draghi bekämpft entschlossen Mini-Inflation

    Über die wirklichen Gründe für die Geldpolitik werden wir durch die Medien jedoch im Unklaren gelassen.

    Die Kartellmedien verbreiten auch bei der sonstigen Wirtschaftsberichterstattung in einem seltenen Ausmaß ständig Halbwahrheiten.

    Ebenso lobt doch die Kanzlerin ständig den Herrn Draghi, aber gleichzeitig wird sie vom CDU-Wirtschaftsrat für dieses fehlerhafte Lob dann wieder scharf kritisiert.

    Irgendwann werden wir aber für die Fehlpolitik, die wegen der Fehlkonstruktion unseres Geldes und insbesondere auch des Euros auch gar nicht anders möglich wäre, in irgendeiner Form zur Kasse gebeten.

    Es könnte etwa Zwangshypotheken oder eben den großen Crash geben.

    • Lieber Ralf Becker

      zu deinem Kommentar möchte ich gerne speziel zu 2 Sätzen am Anfang etwas ergänzen:

      `Der Fehler ist die Tatsache, dass Geld letztlich aus den Schulden anderer Leute besteht.`
      dito!

      `Gleichzeitig legen die Banken ständig neues Geld nach, indem sie Geld aus dem Nichts verleihen.`
      dem will ich widersprechen, denn der bei der Kreditvergabe `entstehene` (gutgeschriebene) `Wert` entsteht eben nicht aus dem `Nichts` sondern aus einem gesetzlich UNgeregelten `BIALNZIERUNGs-Privileg`(*)
      😉

      zur Kreditvergabe:

      – NACH der Unterzeichnung eines Kreditvertrag wird Buchgeld erzeugt
      – diese Buchgeld war VORHER nicht dem `Geber` eigen, es wird jedoch nicht! aus dem `Nichts` geschöpft
      – das Finanzinstitut hat ein gesetzlich UNgeregeltes Privileg(*), bzw erfüllt die vom Recht vorausgesetzte `Fähigkeit`, die im Kreditvertag durch den `Kreditnehmer` (mit dinglicher Sicherheitsgarantie) zugesicherten Zahlung in Höhe von … über eine Zeit von … als Wert zu bilanzieren und schreibt daraus einen Anteil dem `Nehmer` ; ) auf einem Konto o.ä. gut

      Grundlage für diesen Geldschöpfungsprozess ist `nur` der Vertragsabschluss zwischen 2 `Parteien`.

      Im Kreditvertrag einigen sich die Vertragspartner auf eine Leistung und die entsprechende Gegenleistung.

      1) Leistung des `Kreditgebers`:

      – das Erzeugen bzw. zur Verfügungstellen des (Buch-)Geldbetrages auf dem Konto des Kreditnehmers
      (also keine tatsächliche `Leistung`, denn diese (Buch-)Geldmenge hat es vorher nicht gegeben ; ) )
      – das `normativ faktische`, jedoch nicht auf einer gesetzlichen Grundlage stehende `Privileg`,
      die Rückzahlungsverpflichtung des Kreditnehmers in ein Wertpapier umzuwandeln

      2) Gegenleistung des `Kreditnehmers`:

      – Verpflichtung zu Rückzahlungsraten mit Zugriffsrecht auf dingliche Sicherheiten im Nichtrückzahlungsfalle

      Oder?

      (zu (*)
      1 _ siehe web.cache der Bundesbank
      …LINK… https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:dbqFRIPBgpoJ:https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/haeufig-gestellte-fragen-zum-thema-geldschoepfung+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de
      2 _ Screebshot der entsprechenden Site + twitter-kommentar der Bundesbank
      …LINK… https://twitter.com/rhabarbeer/status/1187359978463645698)

      Viele Grüße in die Runde

    • Das genau muss der interessierte Laie auch. Glauben.
      Für mich ein bischen Einleitung, viel Behauptung, wenig Erklärung. Und wo ist die Hyperinflation im €uronen-Raum eigentlich.

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