The Wolff of Wall Street: Kryptowährungen (Podcast)

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12:00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Kryptowährungen“.

Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist für uns alle seit langem eine Selbstverständlichkeit. Wir überweisen Geld, wir zahlen mit der Karte oder mit dem Handy – und das in ständig zunehmendem Ausmaß.

Seit einiger Zeit hat sich nun das Kryptogeld zu diesen bargeldlosen Zahlungs-Möglichkeiten hinzugesellt. Allerdings als Außenseiter: Die Zahlung mit Kryptogeld unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den herkömmlichen Methoden.

Zuerst einmal wird das Kryptogeld nicht in der vorherrschenden Währung, bei uns also dem Euro, gehandelt, sondern in seiner eigenen Einheit. Beim bekanntesten Kryptogeld ist das der Bitcoin.

Beim Bitcoin und den anderen Krypto-Einheiten handelt es sich um digitale Datensätze, die eine besondere Eigenschaft aufweisen: Sie sind fälschungssicher und können vom Absender direkt an den Empfänger übermittelt werden. Damit sind wir auch schon beim wichtigsten Unterschied zwischen der Zahlung mit Kryptogeld und sämtlichen herkömmlichen bargeldlosen Zahlungsweisen:

Beim Kryptogeld sind nämlich nur 2 Parteien am Zahlungsvorgang beteiligt: Der Absender und der Empfänger. Bei allen anderen bargeldlosen Geld-Transfers ist immer noch ein Dritter im Spiel, nämlich ein Finanzdienstleister – also eine Bank, ein Kreditkarten-Konzern oder ein Bezahldienst.

Dieser Dritte ist über jeden Zahlungsvorgang informiert und kann diese Informationen natürlich auch weitergeben. Beim Kryptogeld ist das ausgeschlossen. Kryptogeld ermöglicht also etwas, das bisher dem Bargeld vorbehalten war: einen anonymen Zahlungsvorgang.

Das hat viele Kritiker des gegenwärtigen Geldsystems veranlasst, im Kryptogeld DIE demokratische Währung der Zukunft zu sehen. Das aber ist ein Trugschluss, und zwar aus folgendem Grund:

Bis vor etwa 300 Jahren hatten Banken in Europa das Recht, ihr eigenes Geld herauszugeben. Mit dem Aufkommen der Nationalstaaten wurde dieses Recht abgeschafft, es wurden nationale Währungen eingeführt.

Wie die Herkunft des Wortes besagt, handelte es sich hierbei um eine Gewährleistung. Die Bank garantierte den Besitzern von Geldnoten und Münzen bei Bedarf deren Umtausch in einen Sachwert – zum Beispiel eine bestimmte Menge eines Edelmetalls. Das Geld war also an einen realen Wert gebunden.

Auch unser gegenwärtiges Finanzsystem, das nach dem 2. Weltkrieg entstand, hat zunächst nach diesem Prinzip funktioniert: Es band seit Mitte der Vierziger Jahre alle Währungen der Welt – außer denen der Planwirtschaften – an den US-Dollar und den US-Dollar wiederum zu einem festen Wechselkurs an das Gold.

Diese Goldbindung wurde allerdings 1971 aufgehoben. Seitdem sind weder der US-Dollar noch sonst eine Währung an einen festen Wert gebunden und damit sogenannte Fiat- oder Scheinwährungen. Das hatte gewaltige Folgen: Währungen sind dadurch im Finanzsektor zu einem der beliebtesten Spekulationsobjekte geworden. Am weltweiten Währungs- oder Devisenmarkt gehen seit Jahren Billionenbeträge über den Tisch – und das tagtäglich.

Was bedeutet das für Kryptogeld?

Während die herkömmlichen Währungen über eine lange historische Epoche an reale Werte gebunden waren und erst durch die Entkoppelung davon zu Spekulationsobjekten wurden, ist Kryptogeld nie an irgendeinen Wert gebunden gewesen, sondern direkt als Fiat-Währung in die Welt gekommen.

Genau deshalb ist es auch sofort zu einem Spekulationsobjekt geworden – und damit trotz aller Bedenken und Vorbehalte von der Finanzindustrie aufgenommen und in ihr Spielcasino integriert worden. Heute werden Kryptowährungen an Börsen gehandelt, von Banken und von Staaten unterstützt oder sogar selbst entwickelt.

Dennoch haben Kryptowährungen eine fast schon historische Mission erfüllt, denn ihre bisherige Entwicklung beweist: Ein Geldsystem kann nicht aus sich selbst heraus gerecht sein, selbst wenn es komplette Anonymität ermöglicht. Ein wahrhaft demokratisches Geldsystem zu schaffen, also ein Geldsystem, das der Mehrheit der Menschen nützt, ist kein rein technisches Problem, sondern eine gesellschaftliche und politische Aufgabe.

Das wiederum hat einen sehr einfachen Grund: So lange es Geld gibt, wird es die Möglichkeit geben, dass es sich ungleich verteilt. Wird diese Ungleichheit zu groß, können die, die besonders viel davon haben, es als Machtmittel gegen die, die weniger davon haben, missbrauchen. Genau da muss die Gemeinschaft regulierend eingreifen – und zwar bei jeder Art von Währung.

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau hat einmal gesagt: „Niemand darf so reich sein, dass er sich einen anderen kaufen kann und niemand so arm, dass er sich einem anderen verkaufen muss.“ Auch wenn sich dieses Ideal vielleicht nicht verwirklichen lässt – eine Gesellschaft, in der die Mehrheit und nicht eine Minderheit das Sagen hat, wird diesen Zustand immer als Ziel vor Augen haben müssen.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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