The Wolff of Wall Street: Marktwirtschaft

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Marktwirtschaft“.

Unter dem Begriff Marktwirtschaft wird heute meist die Marktwirtschaft unserer Zeit, also die kapitalistische Marktwirtschaft, verstanden. Tatsächlich aber sind Märkte und Handel, die zusammen die Marktwirtschaft ausmachen, bereits mehrere tausend Jahre alt.

Unsere Vorfahren haben ja in grauer Vorzeit als Nomaden vom Sammeln und von der Jagd gelebt, sind dann nach und nach sesshaft geworden, haben einzelne Dorfgemeinschaften gebildet und anschließend begonnen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.

Da sie mit der Zeit mehr produzieren konnten als sie selbst benötigten, haben sie irgendwann begonnen zu tauschen. Und weil sich ihr Lebensstandard durch diesen Tausch verbesserte, haben sie von da an nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern auch ganz gezielt für den Tausch produziert.

Auf diese Weise entstanden die ersten Märkte, dann der erste Handel und später das erste Geld. Die Grundzüge dieser frühen Marktwirtschaft haben sich bis in unsere Zeit erhalten, aber ihre Mechanismen haben sich im Verlauf der Geschichte gewaltig verändert.

Den größten Schub und die größte Veränderung hat die Marktwirtschaft durch die Industrialisierung erfahren, die in Europa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzte und mit der Entstehung der Nationalstaaten und der Einführung nationaler Währungen einherging.

Die Industrialisierung führte zur kapitalistischen Produktionsweise, in der Geld, das in die Produktion floss, zu Kapital wurde und fortan eines forderte: Wachstum – und zwar unbegrenztes Wachstum. Das aber brachte Probleme mit sich: Da die Warenproduktion immer größere Ausmaße annahm und ständig neue Rohstoffe und neue Absatzmärkte gebraucht wurden, stieß die Marktwirtschaft schon bald an die neu geschaffenen nationalen Grenzen.

Das Ergebnis dieses Konflikts war der Kolonialismus. Um weiter zu wachsen, wurden Länder erobert, deren Rohstoffe geplündert und deren Einwohner zu billigen Arbeitskräften und zu Konsumenten gemacht.

Aber auch der Kolonialismus stieß an seine Grenzen, denn irgendwann waren die infrage kommenden Länder alle vergeben. Nun begann unter den Industriestaaten ein Kampf um die Neuaufteilung der Kolonien, der im Ersten Weltkrieg mündete und später im Zweiten Weltkrieg seine Fortsetzung fand.

Begleitet wurde dieser Prozess von einer immer stärkeren Monopolisierung und Kartellbildung, die dazu führte, dass das Grundprinzip der Marktwirtschaft, das Spiel von Angebot und Nachfrage, immer mehr der Manipulation durch die großen Marktteilnehmer wich. Außerdem führte die durch den steigenden industriellen Output zunehmende Sättigung der Märkte zur Verschleißproduktion, ohne die die Marktwirtschaft schon lange nicht mehr funktionieren würde.

Ab 1948 kam es dann zum sogenannten Nachkriegsboom, der ein Vierteljahrhundert anhielt und die Illusion von der „sozialen Marktwirtschaft“ aufkommen ließ. Der Boom war aber nur die Folge des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg und der Überflutung des Weltmarktes mit US-amerikanischen Waren und dem zur globalen Leitwährung erkorenen US-Dollar.

Als dieser Boom Mitte der Siebziger Jahre zu Ende ging, stieß die Marktwirtschaft erneut an ihre Grenzen. Um trotzdem weiteres Wachstum zu ermöglichen, griffen die Verantwortlichen zu einem neuen Mittel, nämlich der Deregulierung, also dem fortschreitenden Abbau von Gesetzen, die den Finanzsektor bis dahin geregelt und eingeschränkt hatten.

Das Ergebnis war, dass die Finanzmärkte förmlich explodierten und die Warenmärkte schon bald bei weitem übertrafen. Da sie aber auch auf dem Prinzip unendlichen Wachstums basieren, stießen sie ebenfalls bald an ihre Grenzen:

Zum ersten Mal 1998, als ein US-Hedgefonds zusammenbrach und das globale Finanzsystem durch mehrere Großbanken vor dem Zusammenbruch bewahrt wurde. Zum zweiten Mal 2007/08, als Regierungen und Zentralbanken eingreifen mussten, um die Finanzmärkte und damit die Marktwirtschaft zu retten.

Seit 2008 leben wir nun in einer historisch einmaligen Situation, denn die Marktwirtschaft lässt sich nur noch durch extreme Manipulation durch die Zentralbanken am Leben erhalten. Sie pumpen immer mehr Geld ins System, vergeben es zu immer niedrigeren Zinsen, kaufen Aktien und Anleihen und halten marode Unternehmen und bankrotte Staaten über Wasser.

Das Problem dabei ist, dass alle diese Maßnahmen das System untergraben und letztendlich zerstören. Das heißt: Wir leben in der Endphase eines Systems, das auf unendlichem Wachstum basiert und damit in einem unlösbaren Widerspruch zur Wirklichkeit steht, denn die Welt, in der wir leben, ist endlich.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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4 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Marktwirtschaft

  1. Bei der Beschreibung der Entstehung des Marktes kommt immer eine Phase zu kurz: Bevor die Menschen Tauschhandel betreiben konnten haben sie erst mal nicht getauscht sondern geteilt (innerhalb der Familie oder Sippe), erwähnt bei Ernst Wolff eingangs nur kurz "haben einzelne Dorfgemeinschaften gebildet". Sobald der Umstand des Teilens aus den Augen verloren wurde, wurde der Markt asozial. Die Zeit wird wieder reif für eine soziale Marktordnung.

  2. Nicht die Marktwirtschaft ist das Problem, sondern die exponentiell ansteigende Fiat-Geldschwemme aus dem Nichts.

    Ich empfehle die HUMANE MARKTWIRTSCHAFT:

    https://kenfm.de/peter-haisenko-hubert-von-brunn/?fbclid=IwAR3SYLs3kZiWpIXgCJCNwvIesm4xia0K89r7BokphiLVoYhib5gN74l6AZE

  3. "das Grundprinzip der Marktwirtschaft, das Spiel von Angebot und Nachfrage“

    Ich lasse es mal dahingestellt, ob dieses „Grundprinzip“ seit der Industrialisierung und dem sog. „New Deal“ jemals marktwirtschaftliche Wirklichkeit gewesen ist. Es ist wohl eher der Mythos einer Marktwirtschaft als ihre Realität.

    "Sie pumpen immer mehr Geld ins System, vergeben es zu immer niedrigeren Zinsen, kaufen Aktien und Anleihen und halten marode Unternehmen und bankrotte Staaten über Wasser.“

    Das Problem dabei sind zunächst nicht die niedrigeren Zinsen, denn von denen profitieren ja marode wie gesunde Unternehmen gleichermaßen. Für den Kauf von Aktien und Anleihen gilt cum grano salis dasselbe. Die zeitweise drohende Alternative zum wahrscheinlichen Staatsbankrott wäre ja der reale Staatsbankrott, wie er angeblich in Griechenland kurz bevor stand. („Angeblich“ deshalb, weil ich den offiziellen Verlautbarungen der Troika und ihrem medialen Echo nur sehr geringes Vertrauen entgegenbringe…)

  4. Geld entsteht durch die Schuldenaufnahme bei den Banken.

    Jedenfalls hatte es in 2015 eine von Prof. Richard Werner durchgeführte Studie erstmals nachgewiesen, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen. Bis zu diesem Zeitpunkt vertraten die Lehrbücher weitestgehend die sog. Intermediationstheorie.

    Ebenso lassen es Gesetze und internationale Vereinbarungen wie z. B. die Basel-Kriterien, die Articles of Agreement des IWF und der ESM-Vertrag an einigen Stellen deutlich erkennen, dass man auch dort von der finanziellen Intermediationstheorie ausgeht.

    Jedenfalls sind es beim derzeit fehlerhaften Prinzip "Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren" regelmäßig alle Bürger, in deren Namen die Politik Schulden sozialisiert, weil sie doch so schließlich sehr bequem und und normalerweise auch ohne eine Kreditwürdigkeitsprüfung an Bankkredite kommen kann, aber gleichzeitig sind es vor allem die großen Akteure der Wirtschaft, die dann einen großen Teil dieser vielen Schuldscheine, was Geld doch letztlich ist, vor allem mit Marktmacht kassieren.

    Jedenfalls ist es insbesondere auch eine Folge dieses Machtwettbewerbs der Wirtschaft, dass Staaten immer mehr Schulden aufbauen (müssen), weil sich jetzt mit der Zeit immer mehr von dem vielen Geld, mit dem der Schuldenabbau doch allenfalls möglich sein könnte, vor allem auch im Besitz vergleichsweise weniger Ultrareicher befindet, die ihr Geld selbst meistens nicht mehr in ihren privaten Konsum stecken.

    Wegen des Nichtkonsums der reichen Geldbesitzer können dann mit der Zeit immer mehr Bankkredite nicht zurückgezahlt werden, wodurch es dann bei den Banken mangels Kredittilgungen insofern auch nicht mehr zur "Geldvernichtung" kommt.

    Es ist also die Macht und nicht der Markt, der entscheidet. Dadurch fehlt im Laufe der Zeit im Geldumlauf immer mehr Geld. Der Staat hat dann jetzt nur noch die Möglichkeit, dass er immer neue Schulden aufnimmt, weil er nur auf diese Weise neues Geld nachlegen kann.

    Bei dieser Praxis bauen die großen Akteure der Wirtschaft mit der Zeit eine immer größere Machtposition auf, während die Nominaleinkommen doch fast gar nicht ansteigen. Wegen der Geldillusion merken wir es allenfalls teilweise, dass wir durch den Machtwettbewerb der Wirtschaft enteignet werden.

    Den Fehler der derzeitigen Marktwirtschaft können wir dadurch besonders gut erkennen, weil wir sowohl für das Sparen der Einzelpersonen, als auch für jede Einkommenserzielung die Schulden anderer Leute benötigen. Hier kann man es sich doch schnell denken, dass es so viele Schulden gar nicht geben kann.

    Seit Ende 2011 werden die im System immer schneller fehlenden Schulden durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken künstlich generiert.

    Wegen der dermaßen angestiegenen Ungleichheit fehlt insofern der normale Konsum in einem derartigen Ausmaß, dass die Zentralbanken ihr vieles Gelddrucken auch nicht mehr beenden können.

    Jedenfalls führt das viele Gelddrucken der Zentralbanken leider auch dazu, dass unser Geld die Wirtschaft insofern auch entsprechend fehlerhaft steuert.

    Die Politik kann mit dem Nullzins auch kaum noch irgendwelche Sparzwänge, was dann dazu führt, dass sie mit ihren Ausgaben nicht sonderlich geizen muss. Sie wird es zudem auch versuchen das System mit immer mehr (sinnlosen) Schulden bis auf weiteres künstlich am Leben zu halten. Aber irgendwann wird das System dann trotzdem kollabieren.

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