The Wolff of Wall Street: Modern Monetary Theory

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12:00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Modern Monetary Theory“.

Die Volkswirtschaftslehre wird seit Jahrzehnten von 2 Strömungen beherrscht – dem Keynesianismus und dem Neoliberalismus. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden besteht in der Einschätzung der Rolle des Staates.

Die Keynesianer verlangen, dass der Staat in wirtschaftlichen Krisenzeiten in das Geschehen eingreift, indem er zum Beispiel den Bau von Straßen, Brücken oder öffentlichen Gebäuden finanziert. Durch solche Infrastrukturprojekte würden Arbeitsplätze geschaffen, die Beschäftigten würden dem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen und könnten außerdem durch ihren Konsum die Wirtschaft wieder ankurbeln.

Die Neoliberalen dagegen verlangen, dass sich der Staat so weit wie möglich aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushält. Ihre Grundforderungen sind die Deregulierung, also die Abschaffung einengender Regelungen für den Wirtschafts- und vor allem den Finanzsektor, und eine rigorose Sparpolitik des Staates.

In jüngster Zeit hat nun eine weitere Strömung zahlreiche Anhänger gewonnen – die Modern Monetary Theory, kurz MMT. Sie vertritt die grundsätzlichen Positionen des Keynesianismus, geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Die MMT verquickt nämlich die Rolle des Staates mit der der Zentralbank.

Der MMT zufolge schafft die Zentralbank Geld, während der Staat es in Gestalt von Steuern wieder einzieht. Das wichtigste Argument der MMT-Befürworter lautet: Zwischen beiden Vorgängen muss kein Gleichgewicht bestehen, die Zentralbank kann wesentlich mehr Geld schöpfen als der Staat anschließend einzieht.

Als Beleg für die Richtigkeit ihrer Thesen verweisen die MMT-Anhänger auf das Beispiel Japan: Dort hat die Zentralbank seit der Jahrtausendwende mehr Geld ins System gepumpt als in irgendeinem anderen Land der Erde – ohne dass es zu einer nennenswerten Inflation gekommen ist.

Diese Argumentation aber hat einen Haken. Das von der Zentralbank geschaffene Geld ist nämlich – so wie in allen anderen Ländern – nie bei der arbeitenden Bevölkerung angekommen, sondern auf direktem Weg in die Taschen von Finanzspekulanten geflossen – und die haben es nicht in die Realwirtschaft gesteckt, sondern in die Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkte. Und an denen haben wir es sogar mit einer gewaltigen Inflation zu tun – nur, dass man sie dort nicht so nennt, sondern stattdessen von „Blasen“ spricht.

Außerdem lässt die MMT die historische Situation, in der wir uns zurzeit befinden, völlig außer acht: Wir haben es nämlich seit dem Beinahe-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems 2007/08 an den Finanzmärkten auf Grund der Geldinjektionen und der Zinssenkungen der Zentralbanken mit einem künstlich erzeugten Dauer-Boom zu tun, der nicht ohne Folgen geblieben ist: Wir leben heute mit der höchsten Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten, die es jemals gegeben hat.

Sollten die MMT-Anhänger ihre Pläne tatsächlich umsetzen, dann würden sie nicht nur die Staatsverschuldung auf immer neue Rekordwerte treiben. Da das neu geschaffene Geld nicht, wie die Geldspritzen seit 2007/08, in den Finanzsektor, sondern in die Realwirtschaft und in der Form von Löhnen an die arbeitenden Menschen ginge, würden diese eine höhere Nachfrage nach Konsumgütern erzeugen – und die würde von der Industrie mit absoluter Sicherheit zu einer Erhöhung der Preise genutzt werden.

Das heißt: Sollte es tatsächlich zu einer Geldpolitik auf der Grundlage der MMT kommen, bekämen wir es schon bald mit einer Inflation zu tun. Und nicht nur das: Um ihr entgegenzuwirken, bliebe den MMT-Anhängern nichts anderes übrig als noch mehr Geld ins System zu speisen. Auf diese Weise würde ein Kreislauf in Gang gesetzt, der nicht mehr zu stoppen wäre und der zwangsläufig über die Geldentwertung zu einer fortschreitenden Enteignung der arbeitenden Bevölkerung führen würde.

Die MMT löst also keines der Probleme, sondern schiebt sie nur vor sich her, schafft andere – neue – und schadet schlussendlich der Mehrheit der Bevölkerung.

Warum aber erhält die MMT dann zurzeit solchen Zulauf? Aus einem einfachen Grund: Das gegenwärtige globale Finanzsystem ist in sein Endstadium eingetreten. Sein finaler Zusammenbruch kann nicht mehr verhindert, sondern nur noch aufgeschoben werden. Dabei hat die Finanzelite die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: Die erste besteht darin, den bisherigen neoliberalen Kurs zu verschärfen und eine noch härtere Sparpolitik des Staates durchzusetzen.

Da ein solcher Kurs aber wegen des zu erwartenden Widerstands der Bevölkerung schwer durchzusetzen sein dürfte, muss man damit rechnen, dass die internationale Finanzelite in nicht allzu ferner Zukunft auf die MMT setzen wird. Wie man derzeit sehen kann, springen politische Opportunisten aller Art momentan auf diesen Zug auf – und leisten der Finanzelite als Wegbereiter dieser Geldpolitik einen wertvollen Hilfsdienst.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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23 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Modern Monetary Theory

  1. Zitat aus dem obigen Kommentar:

    Herrn Wolffs Kritik an der MMT ist ungerechtfertigt und kontrafaktisch. Wer sich ernsthaft mit dieser Theorie befassen will, dem empfehle ich sich auf der Internetseite von Makroskop (Herausgeber Flassbeck und Steinhart) umzusehen. Dort wird neben vielen anderen auch das Thema MMT auf hohem fachlichem Niveau und oftmals kontrovers diskutiert.

    Makroskop hat jedenfalls in Genial daneben von Paul Steinhardt am 22.08.2019 folgendes kommentiert:

    So hat sich der von vielen Progressiven als „renommierter und kritischer Finanzjournalist“ apostrophierte Bestsellerautor Ernst Wolff nicht gescheut, seine Ignoranz über die MMT mit einem Video öffentlich zu machen.

    Seine Darstellung und Kritik der MMT basiert paradoxer Weise auf neoliberalen Märchen über die Funktionsweise moderner Geldsysteme.

    Etwa Wikipedia schreibt über die MMT:

    Grundpfeiler der MMT sind die Theorie der sog. „endogenen Kredit- oder auch Geldschöpfung“, nach der Banken gegen Sicherheiten Kredite gewähren, ohne dass sie dafür auf Ersparnisse zurückgreifen, sowie die Theorie des „Chartalismus“ gemäß Georg Friedrich Knapp, nach der ein Staat erst Geld in Umlauf bringt, bevor er es „durch Steuern wieder vernichtet“.

    Selbst wenn Makroskop nur für Abonnenten ist, gibt es etwa bei YouTube Videos über den Makroskop Kongress 2018, wo diese Themen besprochen werden.

    am 21.03.2013 schrieb Zeit online

    Ökonomie
    :
    „Es braucht eine neue Wende“
    ……
    Flassbeck: Es geht um die Frage, ob staatliche Eingriffe in die Lohnfindung nötig sind. Wenn die Löhne nicht steigen, kann die Welt nicht konsumieren, und wenn nicht konsumiert wird, wird nichts produziert. Ich bin gespannt, ob wir die intellektuelle Freiheit haben, wieder umzudenken.

    Hüther: Höhere Löhne sind nicht die Lösung, wir haben ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit.

    Flassbeck: Die Welt insgesamt kann ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verbessern!

    Ob wir jetzt aber höhere Löhne benötigen oder ob wir möglicherweise sogar noch wettbewerbsfähiger werden könnten, ändert dies nichts daran, dass unser Geld einer fehlerhaften Schuldscheinlogik folgt.

    Der Staat kann bei der derzeitigen Praxis mit unserem Schuldschein-ähnlichen-Geld ständig sehr bequem Geld in Umlauf bringen, indem er Schulden sozialisiert, weil allein durch die Schuldenaufnahme Geld entsteht.
    Hier gibt es jedoch das Problem, dass der Staat seine sozialisierten Schulden, mit denen er doch dermaßen bequem ständig Geld in Umlauf bringt, später fast gar nicht wieder abbauen kann. Vielmehr benötigt das System sogar immer schneller neue Schulden, die durch die Allianz von Politik und Banken künstlich generiert werden.

    Unsere vermeintliche Wettbewerbswirtschaft ist zudem in Wirklichkeit ein reiner Machtwettbewerb, der unter wenigen großen Akteuren der Wirtschaft ausgetragen wird. Aber das viele Geld, das doch von den großen Akteuren der Wirtschaft eingenommen wird, ist doch für alle anderen Personen eine Schuld gegenüber den Banken, die das Geld aus dem Nichts verleihen.

    Die Welt versinkt immer mehr in Schulden und sie kann diese vor allem auch nie wieder zurückzahlen. Diesen immer schneller ansteigenden weltweiten Schulden stehen die Guthaben vergleichsweise weniger extrem reicher Menschen spiegelbildlich gegenüber.

    Zitat aus dem obigen Kommentar:
    Kanada ist ein klassisches Beispiel für so eine Konstellation. Denn dort ist die Zentralbank verfassungsmäßig verpflichtet jegliche Staatsausgabe durch (neu geschaffenes) Zentralbankgeld zu finanzieren.

    Über das Geldwesen in Kanada gibt es etwa den Aufsatz:
    Über das Geldwesen in Kanada
    von Ulrich von Beckerath

    In diesem Aufsatz wird es erklärt, wie weit das kanadische Bankensystem von unserem abweicht.

    Habe jedenfalls heute gelesen:
    Jetzt gibt es auch innerhalb der EZB Zweifel an der Geldpolitik:
    Robert Holzmann, neues EZB-Ratsmitglied, sieht das anders und geht auf Konfrontationskurs.

    • Hi Ralf Becker,
      vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar. Zu folgender von Ihnen gemachten Aussage
      >>> „Ob wir jetzt aber höhere Löhne benötigen oder ob wir möglicherweise sogar noch wettbewerbsfähiger werden könnten, ändert dies nichts daran, dass unser Geld einer fehlerhaften Schuldscheinlogik folgt.“
      hätte ich eine Frage.
      Könnten Sie bitte präzisieren worin diese fehlerhafte Schuldscheinlogik besteht?
      Ich kann sie jedenfalls nicht erkennen. Die staatliche Schaffung von „Geld aus dem Nichts“ ist nichts anderes als die Ausstellung von Gutscheinen. Solange dieser Prozess einer demokratischen Kontrolle unterliegt und Missbrauch verhindert werden kann erscheint mir dies ein sehr gutes Instrument zu sein, um die Teilnehmer einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft in die Lage zu versetzen ihr kreatives Potential unabhängig von vorhandenen eigenen finanziellen Ressourcen zu entwickeln und sich gegenseitig die Produkte ihrer Arbeitsteilung abkaufen zu können.
      Natürlich können nicht endlos Gutscheine verteilt werden. Sie müssen auch wieder eingesammelt werden. Das Gegenstück zur Schaffung von „Geld aus dem Nichts“ ist das aus-dem-Verkehr-ziehen dieser Gutscheine durch die Eintreibung von Steuern. Auch dieser Prozess bedarf natürlich einer demokratischen Kontrolle im Sinne des Gemeinwohls. Vernünftige Kriterien für die Steuererhebung sollten meines Erachtens sein: die Förderung gesellschaftlich erwünschter und die Behinderung gesellschaftlich unerwünschter Tätigkeiten, die Korrektur überbordender finanzieller Ungleichheitstendenzen und die Verhinderung überbordender Inflation.
      >>> „Hier gibt es jedoch das Problem, dass der Staat seine sozialisierten Schulden, mit denen er doch dermaßen bequem ständig Geld in Umlauf bringt, später fast gar nicht wieder abbauen kann.“
      Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die staatliche Schaffung von „Geld aus dem Nichts“ nur Hand in Hand mit staatlicher Verschuldung gehen kann. Das Geld kann auch geschaffen werden, ohne dass der Staat sich bei irgendjemand verschulden muss. Der Weg der Verschuldung kann gewählt werden, wenn es opportun erscheint anderen Marktteilnehmern als dem Staat temporär als Ausgleich für die Schaffung des neuen Geldes Liquidität zu entziehen um inflationäre Tendenzen zu zügeln. Für einen souveräner Staat mit einer souveränen Währung ist dies eine Ermessensfrage. Er kann sich im Zuge der Neuemission seiner Gutscheine verschulden oder auch nicht.
      Die Schaffung von „Geld aus dem Nichts“ durch Geschäftsbanken bedarf natürlich rigoroser Reglementierung um Missbrauch zu verhindern, wie er heutzutage an der Tagesordnung ist. Stichwort: Trennbankensystem. Die Funktion der Banken in diesem Zusammenhang sollte es sein, unternehmerische Ideen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit zu beurteilen. Im Falle von Fehlurteilen muss dies natürlich ausschließlich zu Lasten der Bankeigentümer gehen. Eine Sozialisierung auf dieser Basis entstandener Schulden ist auf jeden Fall zu unterbinden. Eine geeignete regulatorische Maßnahme hierzu wäre unter anderem ein geeignetes Kartellrecht, das die Entstehung von Giganten verhindert, die too-big-to-fail sind und somit das Gesamtsystem gefährden.
      Ein Verbot der Schaffung von „Geld aus dem Nichts“ durch Geschäftsbanken wäre meiner Meinung nach gleichbedeutend mit der Installierung einer Planwirtschaft anstelle einer Marktwirtschaft mit freiem Unternehmertum.
      Was wäre die Alternative zu der Emittierung solcher Gutscheine durch den Staat aus dem Nichts? Der Staat müsste sich bei Finanzgiganten verschulden mit all den Schreckensszenarien, die Sie hier irrtümlicher Weise für das gegenwärtige Finanzsystem an die Wand malen („sozialisierte Schulden“). In so einem System wäre natürlich jede Staatsschuld eine sozialisierte Schuld. Und das so zwangsverschuldete Staatsvolk würde über die Zwangsmaßnahme Steuereintreibung zur Begleichung dieser Schulden gezwungen. Ein souveräner Staat mit einer souveränen Währung braucht keine Steuereinnahmen um seine Schulden oder neue Projekte zu finanzieren.

    • @W Schürer

      Ich habe themenverwandte Zusatz-Kommentare geschrieben u.a. unter:
      KenFM im Gespräch mit: Peter H. Grassmann („Zähmt die Wirtschaft!“)
      Der Grüne Schwindel,
      Tagesdosis 16.9.2019 – Die EZB verzweifelt: Wann kommt das Helikoptergeld?

      Außerdem mache ich auf meine Gruppe "Liberale Ideenwerkstatt" im sozialen Netzwerk "Meine Freiheit" aufmerksam.
      Die Anmeldung dort erfolgt über Twitter oder Facebook.
      Die Webseite funktioniert nur mit dem Microsoft Browser. Sie war in der letzten Zeit immer wieder eine Baustelle und nicht immer zu benutzen.

      Jedenfalls wird es im Wirtschaftsstudium meistens gar nicht besprochen, was Geld überhaupt ist.
      Gerade weil das Wirtschaftsstudium an den Hochschulen fehlerhaft auf der Neoklassik aufbaut, die irrig die Existenz von Märkten unterstellt, ist meine Gruppe mit der nach Themen sortierten Linksammlung mit Schwerpunkt auf das Finanzwesen insofern nützlich.

      Geld ist in Wirklichkeit kein Tauschmittel, sondern eine Schuld.
      Geld kann nur als Schuld entstehen.
      Bei Staatsschulden gibt es die Besonderheit, dass diese für die Politik zwar ein bequemes Mittel sind, um neues Geld zu erzeugen. Aber der Abbau der Staatsschulden funktioniert nicht, weil sich das viele Geld, mit dem dies allenfalls nur möglich sein könnte, inzwischen zum großen Teil im Besitz weniger Suprreicher befindet, die selbst nicht mehr konsumieren und sich mit ihrem vielen Geld insofern nicht mehr verschulden.

      Das Geld zum Abbau der Staatsschulden fehlt deshalb im Geldumlauf, weil doch in diesem neues Geld wiederum nur als Schuld entstehen kann.

      Das viele Geld, das doch meistens kurze Zeit später zu einem großen Teil von großen Unternehmen und von wenigen großen Akteuren eingenommen wird, besteht zum großen Teil aus dem ursprünglich als Schuld der öffentlichen Hand in Umlauf gelangtem Geld.

      Jedenfalls gibt es im Geldsystem regelrechte Schneeballeffekte, wodurch sich über den Umweg von immer mehr Schulden die Geldmenge immer mehr ausweitet, was es dann letztlich zur Folge hat, dass Geld gar nicht den Wert von Gütern und Dienstleistungen abbilden kann.

      Vielmehr ist bei unserem Geld vermutlich nur der Wert der einzelnen Geldeinheiten "stabil".
      Dieser Umstand allein reicht aber für ein funktionierendes Geldwesen nicht aus.

      Jedenfalls kann es nicht funktionieren, wenn die Banken das Recht zur Geldschöpfung aus dem Nichts bekommen und damit kaum nachvollziehbare Geschäfte machen. Vor allem haben Nationalregierungen keinerlei Kontrolle über das weltweite Bankgeschäft.

      Vor allem finanzieren die weltweiten Banken doch die Wahlkämpfe von ihnen nahestehenden politischen Parteien mit dem aus dem Nichts geschöpftem Geld der Banken. Außerdem schicken sie Finanz-Lobbyisten in die Parlamente, weil sie es ganz einfach erreichen wollen, dass sie ihr Geldschöpfungsprivileg nicht verlieren.

      Politiker wie Sebastian Kurz, Emanuel Macron etc. sind doch alle vom Finanzkartell gekauft. Im EU Parlament sitzen zudem ca. 1.700 Finanzlobbyisten.
      Eine „Liste der Soros“ nennt angeblich 226 Abgeordnete in Europa, die unter der vollständigen Kontrolle von Investmentbankers George Soros stehen würden.

      Es ist jedenfalls der Fall, dass wir von Politikern regiert werden, die gar nicht die Absicht haben Gemeinwohlinteressen zu verfolgen. Ähnlich wie vor dem Zweiten Weltkrieg haben wir inzwischen wegen einiger schwerer Logikfehlers bei unserem Geld dermaßen viele Schulden, dass das Finanzkartell es versuchen könnte, dieses extrem große Problem mit einem Dritten Weltkrieg zu beseitigen.

      Es gibt jedenfalls Aufsätze wie
      Friederike Habermann – das „gute Leben für alle“ muss tauschlogikfrei sein

      Soweit sie recht hat, was ich für wahrscheinlich halte, wird sich insofern auch nicht mehr die Frage stellen, ob Banken Geld aus dem Nichts "verleihen" sollten.

    • Hallo Ralf Becker,
      vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ihre liberale Ideenwirtschaft würde mich wirklich sehr interessieren. Allerdings müsste ich dazu gleich drei Abneigungen überwinden: Twitter, Facebook und Microsoft. Das ist mir dann doch zu viel.
      Sind Sie zufällig auch im sozialen Netzwerk „Human Connection“ unterwegs? Dann könnten Sie ja vielleicht diese interessante Linksammlung dort einstellen.
      Jedenfalls entnehme ich auch schon Ihrem hier eingestellten Kommentar, dass es offenbar doch vieles an unserem Geldsystem gibt, was wir ähnlich beurteilen. Ich teile Ihre Kritik, dass im Wirtschaftssystem das Thema Geld vernachlässigt wird, sowie Ihre Einschätzung zu Geld als Schuld und nicht als Tauschmittel.
      Der Punkt allerdings, in dem ich Ihnen widersprechen muss ist, dass der Abbau der Staatsschulden nicht funktionieren würde. Da verkennen Sie die Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems. Für einen souveränen Staat mit einer souveränen Währung sind Schulden in der eigenen Währung überhaupt kein Problem. Das sollte eigentlich unmittelbar einleuchtend sein, weswegen ich hier nicht näher darauf eingehe.
      Dass sich inzwischen eine so große Menge an Geld in den Händen der Superreichen befindet stellt allerdings ein Problem der aktuellen Situation dar. So weit hätte es gar nicht kommen dürfen. Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger verfehlter Geld- und Finanzpolitik zugunsten des Finanzsektors und zulasten der Allgemeinheit.
      Soweit die schlechte Nachricht.
      Die gute Nachricht ist, dass dies kein zwangsläufiges Ergebnis unseres aktuellen Geldsystems ist. Sondern das Ergebnis ignoranter Finanzpolitik. Insofern ist das auch wieder korrigierbar.
      Und die noch bessere Nachricht ist meiner Meinung nach, dass das Geldsystem, das alle Voraussetzungen hat um diese Fehlentwicklung zu korrigieren schon längst existiert. Es ist nämlich unser aktuelles Geldsystem. Das kann man auch so verwenden, dass es dem Allgemeinwohl dient und nicht den Interessen der Finanzgiganten. Darin unterscheidet es sich von all den unausgegorenen Vorschlägen, die selbsternannte „Reformer“ ins Spiel bringen, die noch nicht einmal das aktuelle Geldsystem verstanden haben.
      >>> „Das Geld zum Abbau der Staatsschulden fehlt deshalb im Geldumlauf, weil doch in diesem neues Geld wiederum nur als Schuld entstehen kann.“
      Hier begehen Sie – mit Verlaub – meines Erachtens den ersten Denkfehler. Neues Geld kann der Staat auch in Form von Schulden gegenüber sich selbst (bzw. der Zentralbank als Bestandteil des Staates) in Umlauf bringen. Das ist der Knackpunkt, der den Finanzsektor entmachtet. Der Finanzsektor hat bei vernünftig betriebener Geld- und Fiskalpolitik, die auf dem Verständnis makroökonomischer Zusammenhänge basiert und am Gemeinwohl orientiert ist überhaupt nichts zu sagen. Dass die reale aktuelle Situation eine ganz andere ist, nämlich ein Heer von Finanzlobbyisten die Politik korrupter Laiendarsteller kaufen kann, ist ein ganz anderes Problem. Um das muss man sich zweifelsohne kümmern und diesen Sumpf muss man lieber heute als morgen austrocknen. Dabei unser Geldsystem für irgendwelche Hirngespinste von Leuten zu opfern, die das aktuelle Geldsystem nicht verstanden haben wäre der größte Fehler, den man dabei machen könnte. Denn man gäbe damit ein Werkzeug aus der Hand, das bei vernünftiger Verwendung bestens geeignet ist das angestrebte Ziel zu erreichen.
      Was Sie in den vier auf das Zitat folgenden Absätzen beklagen ist in der Tat beklagenswert. Aber kein grundsätzliches Problem unseres aktuellen Geldsystems. Ganz im Gegenteil. Unser aktuelles Geldsystem bietet die Möglichkeit hier steuernd so einzugreifen, dass diese Fehlentwicklungen wieder korrigiert werden. Dazu muss man vor allem wissen, dass der Zins in unserem aktuellen Geldsystem nicht von den Finanzmarktakteuren, sondern einzig und allein von der Zentralbank bestimmt wird. Im Zusammenwirken mit einer geeigneten Fiskalpolitik sind die entstandenen gigantischen Fehlentwicklungen wieder behebbar. Dass so eine Politik unmittelbar das geballte Aufheulen der Mainstreampresse provozieren würde ist ein anderes Kapitel. Das liegt daran, dass dieser Sektor längst seine Bedeutung als 4. Säule der Demokratie verloren hat, da er vom Finanzsektor aufgekauft worden ist. Insofern wird eine Korrektur kein Kinderspiel und erfordert extrem mutige Politiker. Und das ganze auch noch vor dem Hintergrund, dass die makroökonomisch ungebildete Masse sich von der Mainstreampresse bereitwillig mit Horrorszenarien ins Bockshorn jagen lassen wird. Dass da geeignete Politiker die nötigen Mehrheiten bekommen wird schwierig werden. Das bedeutet aber anders herum betrachtet, dass wir nicht ein Geldsystemproblem haben, sondern ein Demokratieproblem.
      Die restlichen in den folgenden Absätzen Ihrer Ausführung angeführten Probleme sehe ich auch so. Mit der Ausnahme, dass dies alles nicht mit einem schweren Logikfehler unseres aktuellen Geldsystems zu tun hat.
      Ob man die Geldschöpfungsmacht der Bank abschaffen müsste ist ein anderes Thema. Das würde ich in dieser Diskussion erstmal lieber außen vor lassen um das alles nicht noch weiter zu verkomplizieren. Dass dieser Sektor rigoros reglementiert werden muss und als allererstes die von der Clinton-Maffia eingefädelte Rücknahme des Trennbankensystems rückabgewickelt werden muss, da würde ich Ihnen auf jeden Fall zustimmen. Das Trennbankensystem wurde ja seinerzeit eingeführt um die in der damaligen Weltwirtschaftskrise aufgetretenen Verwerfungen zu korrigieren und zu unterbinden. Mit welcher Mafiapolitik so etwas wieder rückgängig gemacht werden konnte, das sagt schon alles darüber aus in welch erbarmungswürdigem Zustand sich unser demokratisches System aktuell befindet.
      Wohlgemerkt: unser Demokratiesystem, nicht unser Geldsystem. Dort ist der Ansatzpunkt zu suchen, wenn man diesen Saustall wirklich ausmisten möchte.

    • W. Schürer

      Der ehemalige Ifo-Chef H. W. Sinn sagt, dass die Bürger durch die EZB-Geldpolitik enteignet werden.

      Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass er mit dieser Behauptung recht hat.

      Wenn Banken infolge einer veränderten Niedrigzinspolitik der Zentralbank jetzt ihr billiges Geld aus dem Nichts nicht mehr an Ultrareiche, sondern an Normalbürger verleihen würden, dann würde es zu einer Hyperinflation kommen.

      Schließlich gibt es doch beim heutigen Geld deshalb Geld, weil es Schulden gibt.

      Zudem ist auch die Entschuldung der Eurozone durch die Anleihenkäufe der EZB problematisch.

      Etwa die Zeitung "Welt" schreibt:
      Die große Gefahr dieser Geldpolitik ist jedoch, dass die EZB nun kaum noch aussteigen kann.

      Damit steigt das Interesse der Staaten, sich weiter zu verschulden.

      Beim heutigen Geld und insbesondere bei den Staatsschulden gibt es jedenfalls in bestimmten Bereichen die Unmöglichkeit des Schuldenabbaus.

      Der Staat sozialisiert also ständig Schulden, weil er so ein wenig zu bequem Geld in Umlauf bringt, aber dann gelangt das viele Geld, das etwas Ähnliches ist wie ein Schuldschein, in den Besitz von vergleichsweise wenigen reichen Personen, die selbst nicht mehr konsumieren.

      Außerdem ist es doch etwas komisch, dass wir deshalb Geld haben, weil andere Leute Schulden haben.

      Wer jedenfalls gerade kein Geld hat, der kann seine Schulden meist nur mit normaler Arbeit begleichen. Er ist vom Nutzen des Kapitals ausgeschlossen.

      Die öffentliche Hand löst jedenfalls ihre Schuldenprobleme dadurch, dass sie ihre Schulden immer weiter umschuldet und das finde ich sehr bedenklich.

  2. Auweia, ich hoffe Herr Wolff hat sich mit den anderen Dingen über die er hier schreibt und spricht besser informiert als über MMT. Ich schätze nämlich seine Beiträge sehr. Sollten die allerdings auf genau so dünnem Wissen basieren wie dieser hier, dann müsste ich ja befürchten, dass Herr Wolff mir nur deswegen als Experte erscheint, weil ich noch weniger von diesen anderen Dingen verstehe als er. Nun ich will hoffen, dass dies hier nur ein Ausrutscher ist.
    >> „… MMT. Sie vertritt die grundsätzlichen Positionen des Keynesianismus, geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Die MMT verquickt nämlich die Rolle des Staates mit der der Zentralbank.“
    Was bitte ist das für ein Unsinn? Die Zentralbank IST selbstverständlich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Staatsmacht. Die bei uns geforderte und wie eine heilige Kuh verherrlichte „Unabhängigkeit“ der Zentralbank von der restlichen Staatsmacht ist die Nebelkerze hinter der verborgen wird, dass derartig ermächtigte Zentralbanken der demokratischen Kontrolle entzogen sind. Dort können dann nicht gewählte Technokraten nach Belieben die Regierungspolitik hintertreiben und konterkarieren. Die Politiker der sozialliberalen Koalition in Deutschland der 70er-Jahre können ein Lied davon singen. Wie das Verhältnis von Zentralbank zur restlichen Staatsmacht im konkreten Fall eines bestimmten Staates tatsächlich gestaltet ist, das ist in der Verfassung des jeweiligen Staates geregelt. „Verquickt“ sind Staat und Zentralbank allein aufgrund ihrer Aufgaben selbstverständlich immer.
    Die MMT nun untersucht ganz ideologiefrei mit rein logischen Überlegungen und Argumenten wie das Geldwesen in einem Staat funktioniert, in dem die Zentralbank ein Bestandteil des Regierungsapparats ist und somit nicht jenseits demokratischer Kontrolle agieren kann. Kanada ist ein klassisches Beispiel für so eine Konstellation. Denn dort ist die Zentralbank verfassungsmäßig verpflichtet jegliche Staatsausgabe durch (neu geschaffenes) Zentralbankgeld zu finanzieren. Offenbar kann so eine Konstellation funktionieren. Mir ist nicht bekannt, dass Kanada durch überbordende Inflation, wachsweiche Währung oder Investitionsblasen auffällig geworden wäre.
    Überlässt man aber die Zentralbank „unabhängigen“, demokratisch nicht legitimierten Technokraten, dann gelten die Erkenntnisse der MMT bezüglich der Handlungsfähigkeit des Staates natürlich nicht.
    >> „Der MMT zufolge schafft die Zentralbank Geld, während der Staat es in Gestalt von Steuern wieder einzieht. Das wichtigste Argument der MMT-Befürworter lautet: Zwischen beiden Vorgängen muss kein Gleichgewicht bestehen, die Zentralbank kann wesentlich mehr Geld schöpfen als der Staat anschließend einzieht.“
    Zu jedem beliebigen Zeitpunkt mit einer Staatsverschuldung von größer als Null hat die Zentralbank de facto mehr Geld geschöpft als der Staat wieder als Steuern eingetrieben hat. Das gilt mit und ohne MMT. Dass die MMT diesen trivialen Tatbestand thematisiert sollte man ihr nun wirklich nicht vorwerfen. In dem Moment, in dem der Staat so viel an Steuern eingezogen hätte wie die Zentralbank an Geld in Umlauf gebracht hat sähe sich die Volkswirtschaft dieses Staates mit der unkomfortablen Situation konfrontiert, dass keinerlei Geld mehr vorhanden wäre.
    Was bitte haben Sie sich bei der Formulierung dieses Satzes gedacht, Herr Wolff?
    Herrn Wolffs Kritik an der MMT ist ungerechtfertigt und kontrafaktisch. Wer sich ernsthaft mit dieser Theorie befassen will, dem empfehle ich sich auf der Internetseite von Makroskop (Herausgeber Flassbeck und Steinhart) umzusehen. Dort wird neben vielen anderen auch das Thema MMT auf hohem fachlichem Niveau und oftmals kontrovers diskutiert. Leider ist die Plattform kostenpflichtig. Dort publiziert aber unter anderem auch gelegentlich einer der wichtigsten Protagonisten der MMT, Bill Mitchell. Und er stellte für die Veröffentlichung seiner Artikel die Bedingung, dass sie kostenlos für alle zugänglich sein müssen. Dessen Artikel (ich glaube im Moment neun) können also auch von Nicht-Abonnenten kostenlos gelesen werden. Einfach unter „Autoren“ auf der Seite nach Bill Mitchell suchen.
    Offenbar ist Herr Wolff tatsächlich ein Monetarist, der immer noch an dem längst widerlegten Irrglauben festhält, dass es die vornehmliche Aufgabe einer „unabhängigen“ Zentralbank sei die Geldmenge zu steuern. Dass dem nicht so ist wurde inzwischen selbst in einschlägigen Publikationen aller bedeutenden Zentralbanken eingeräumt.
    Nicht zu bestreiten ist allerdings, was Herr Wolff beklagt. Nämlich, dass die Politik der Zentralbanken der letzten Jahre zu gewaltigen Spekulationsblasen geführt hat. Dies allerdings der MMT anzulasten erscheint mir mehr als absurd. Nun ist die MMT nicht so schwer zu verstehen und Herr Wolff scheint in wirtschaftlichen Fragen sehr beschlagen zu sein. Insofern schließe ich aus, dass diese Fehlleistung daran liegen könnte, dass Herr Wolff die MMT nicht richtig verstanden hat. Ich vermute eher, er hat sich mit ihr aufgrund ideologischer Voreingenommenheit (Monetarist) nur nicht ausreichend und unvoreingenommen beschäftigt.
    Tatsache ist, dass diese Geldpolitik von „unabhängigen“ Zentralbanken betrieben wurde, deren Proponenten mit der MMT ganz sicher nichts am Hut haben. Ganz im Gegenteil. Nicht nur am Ergebnis der Geldpolitik dieser Herren kann man ablesen, dass sie ausschließlich die Interessen der Finanzindustrie vertreten. Auch ein Blick auf die Drehtürkarrieren (zwischen Zentralbanken und mächtigen Finanzhäusern, allen voran Goldman Sacks) legt diese Vermutung nahe.
    Eine zentrale Erkenntnis der MMT ist ja grade, dass unter den gegebenen Voraussetzungen (souveräner Staat mit souveräner Währung – die Zentralbank ist als integraler Bestandteil des Regierungsapparats zu verstehen) die Finanzmärkte machtlos gegenüber den Staaten sind. Unter solchen konstitutionellen Verhältnissen hängen nicht die Regierungen am Gängelband der Finanzmärkte, sondern es ist genau umgekehrt.
    Insofern sind die Erkenntnisse der MMT ein Wegweiser in die Richtung in die man gehen muss um den unheilsamen Einfluss und die Machtfülle der Finanzelite zu zügeln. Ein wichtiges Instrument hierfür sind selbstverständlich die Steuern. Dass Zentralbanken volkswirtschaftlich unsinnig handeln können ist unbestritten. Eine Zentralbank, die sich durch wirtschaftliche Inkompetenz oder eine fürs Gemeinwohl schädliche Interessenlage auszeichnet ist eine Katastrophe für eine Volkswirtschaft. Deswegen muss nach Möglichkeit gewährleistet sein, dass die Handlungen der Zentralbank kompetent und dem Allgemeinwohl dienlich sind. Das kann meines Erachtens eher durch demokratische Kontrolle gewährleistet werden als dadurch, dass man ungewählten Technokraten freie Hand lässt.
    Die MMT liefert das theoretische Rüstzeug, das erforderlich ist um in Zukunft so einen Saustall zu verhindern, wie ihn zur Zeit „unabhängige“ Zentralbanken in Zusammenarbeit mit korrumpierten Regierungen verursacht haben.
    Diesen Kommentar hatte ich fast identisch schon mal am 12.05.19 unter der Tagesdosis von Herrn Wolff eingestellt, in der er die gleichen unsinnigen Behauptungen über MMT verbreitete. Leider ohne Reaktion. Und offenbar auch ohne Wirkung.

    • W. Schürer

      Zur MMT gibt es jetzt neuerdings bei Wikipedia folgende Beschreibung:

      Sie geht zurück auf den „Chartalismus“ von Georg Friedrich Knapp und das Konzept der „Functional Finance“ des britisch-amerikanischen Ökonomen Abba Lerner.

      Es taucht bei Wikipedia dann etwa auch der Name Randall Wray auf.

      Im Zusammenhang mit dem Herrn Lerner gibt es zudem das "Faktorpreisausgleichstheorem" bzw. das "Lerner-Samuelson-Theorem".

      Dann gibt es wie etwa mit dem Heckscher-Ohlin-Theorem einige Theorien der Außenwirtschaftslehre.

      Der derzeitige Außenhandel kann jedenfalls mit dem heutigen Geld und Bankensystem so nicht funktionieren.

      Ob Georg Friedrich Knapp bzw. Abba Lerner etc. etwas daran ändern, lasse ich zunächst einmal offen.

  3. Die Professorin Stephanie Kelton zählt zu den prominentesten Vertretern der MMT.
    Die Befürworter der MMT behaupten es, dass man doch nur noch mehr Geld drucken müsste und dieses Geld müsste man dann so in Umlauf bringen, dass es nicht zu Inflation führt.

    Schließlich seien (Staats-) Schulden kein Problem und allenfalls sei die Inflation ein solches. Der Staat könne doch gar nicht pleite gehen.

    Die Befürworter argumentierten, dass die EZB damit zwei Ziele erreichen könne: Die Bürger würden das zusätzliche Geld ausgeben, und diese zusätzliche Nachfrage würde wie ein Konjunkturprogramm wirken und das Wachstum in den Krisenstaaten der Euro-Zone anschieben.

    Jedenfalls sollen wohl durch die MMT die Grenzen der öffentlichen Verschuldung verschoben werden.

    Hierzu gibt es themenverwandte Aufsätze von Cashkurs (Dirk Müller) mit dem Titel „Die Option unbegrenzter Staatsschulden“.

    Ein ähnlicher Vorschlag mit zusätzlichem, aber doch verändertem Gelddrucken war das Helikoptergeld.
    Dieser findet jedoch meistens kein positives Echo.

    Cyrus de la Rubia schreibt in der WirtschaftsWoche am 29.04.:
    Die einen sehen in dem Ansatz (der MMT) einen Turbo zur Ankurbelung der Wirtschaft, die anderen geißeln die Theorie als brandgefährliches Rezept für die nächste Hyperinflation.

    Der Feri-Vorstand äußert sich über die Geldpolitik wie folgt:
    Notenbanken werden zu staatlichen „Bad Banks“ degradiert, die durch Gelddrucken ökonomische Probleme lösen sollen.

    Die Prognose von Ernst Wolff, dass es Inflation geben würde, wäre vor allem dann zutreffend, wenn man dem Geldumlauf „schuldfreies Geld“, das nicht durch Schuldenaufnahme entsteht, zuführen würde.
    Andererseits wird es demnächst irgendwann so oder so zum großen Bankencrash kommen.

  4. Die völlige Unzulänglichkeit jeglicher Geldtheorie, die im Umlauf ist, beruht auf unzulässigen Simplifizierungen, Auslassungen bzw. Axiomen.
    Wenn auf Basis hochdefizitärer Theorienbildung eine global wirksame Praxis betrieben wird, muss es nicht Wunder nehmen, dass das nicht funktioniert.

    Simplifizierung:
    monetäre Theorien vereinfachen hochkomplexe Verflechtungen, Interferenzpotentiale und Rückkopplungen, um entscheidungs- und handlungsfähig zu werden.
    Das liegt ungefähr in dem anti-intellektuellen CO²-Handlingsbereich.

    Auslassungen:
    es wird völlig unterschlagen, wie willkürlich Wertfestlegungen tatsächlich vonstatten gehen, wie manipulierbar diese sind und von wie wenigen dies instrumentalisiert werden kann, die zudem sich jeglicher Gegenkontrolle entziehen, wodurch das gesamte System bereits im Ansatz korrupt und somit unmöglich ‚gerecht'(werdend) sein kann, womit es von vorneherein destabilisierend wirksam ist.

    Axiome:
    es werden einfach Grundannahmen getätigt, die unbewiesenermaßen als Theoriefundament in Form von ‚Beweisen‘ mißbraucht werden.
    Das kann funktionieren, wenn wie bei der Akupunktur zwar die prämissiven Axiome völlig falsch sind, aber trotzdem das Richtige, weil Wirksame getätigt wird, ist aber im Fall der Geldwirtschaft völlig abwegig und vollkommen verantwortungslos.
    Akupunktur kann ich wählen und mich gewollt den Konsequenzen aussetzen – beim Geld geht das überhaupt nicht. Hier wird jeder zum Opfer gemacht und zum Spielball von Willkürlichkeiten ihm völlig Unbekannter und außerhalb jeglicher Rechenschaft Stehender.

    Die Quittung für hemmungslose Arroganz und Ignoranz sowie unbeschränkte Profitgier wird halt demnächst überreicht und wird dieses lächerliche System ad absurdum führen.
    Leider werden auch und vor allem alle diejenigen zur Kasse gebeten, die nicht das Geringste ursächlich dazu beigetragen haben.

    • Die völlige Unzulänglichkeit jeglicher Geldtheorie, die im Umlauf ist, beruht auf unzulässigen Simplifizierungen …
      Es stimt.
      Aber wie es aussieht, Herr Wolf greift sie von einer ganz falschen Position aus. Inflationsproblem!
      Es scheint, die Quantitätstheorie wäre für ihn eine richtige Theorie. Sie ist falsch – so falsch wie alles im NEO.

    • Yo.
      Als Geld mal ‚entworfen‘ wurde in Form von Wechseln, damit man nicht den ganzen Metallklumpatsch mit sich rumschleppen musste und ein Stück personenbezogen beglaubigtes Papier reichte, um es bei ebenfalls beglaubigten Treuhändern einzulösen, war das ja noch sinnvoll, solange dabei die entsprechenden Gegenwerte 1:1 irgendwo auf einer Bank gelagert waren.
      Aber bereits nach kurzer Zeit wurde daraus ja ein Zahlungsversprechen eines Schuldners auf die Zukunft, eben der Kredit, der ja dann auch personenunabhängig gehandelt werden konnte und da begann die Misere, da dies Zins erforderte und über die Wechselkurse zusätzliche Zahlungen über die eigentliche Summe hinaus erforderlich machte, also wahlweise Zusatzzahlung oder ‚Entwertung‘ der eigentlichen Summe in Form des Auslösezinses üblich wurden.

      Jede Geldtheorie, die diesen Zustand als axiomatisch ’normal‘ betrachtet und von da ausgehend eine Balance der Geldverteilung bzw. der Geldgewichtung als erzielbar betrachtet, hat von vorneherein verloren.
      Natürlich ist den dafür Verantwortlichen völlig klar, dass das so ist, wie beschrieben – aber dann würde es ja keinerlei Möglichkeit mehr geben virtuelle Werte zu schaffen, damit zu spekulieren und irrationale Gewinne abzuschöpfen – wovon diese Klientel ja schließlich lebt.

      Im ursprünglichen Sinne war ein ‚Geldschein‘ nichts anderes als ein Wechsel mit Auszahlungsgarantie auf den eingetragenen Wert, wofür jemand persönlich haftete.
      Da heute niemand mehr für den behaupteten Wert des Geldes haftet, ist es mangels Bürgen wertlos.
      Dass man mit einer solchen Wertlosigkeit dann echte Werte (Boden, Immobilien, Rohstoffe…) raffen kann ist der eigentliche Skandal und die Begründung für die Absurdität der im Umlauf befindlichen Theorien, die aber nur den Zweck der Verblendung und Verwirrung haben, damit DAS eben möglichst wenigen auffällt.

      Dass das genau so ist, kann man allein daran erkennen, dass Schulden, die nicht bedient werden, trotzdem als ‚Wert‘ verkauft werden und als Spekulationseinlage akzeptiert werden ohne dass es dafür echte Bürgen gibt.

      Wer bürgt z.B. für Facebook-Aktien? Natürlich niemand. Trotzdem werden die Aktien als Geldwerte gehandelt und es kann ‚echtes‘ Geld dafür erspekuliert werden.
      Das gleiche mit Staatsanleihen. Selbst Deutschland kann ja seine Schulden nicht bezahlen und wird dies auch nachweislich nie tun können (es sei denn die Bürger werden enteignet).
      Diese Staatsanleihen werden als Geldentsprechung akzeptiert, obwohl selbst für eine gesicherte wirtschaftliche Zukunftsleistung auf höchstem Niveau KEINE NETTO-GEWINNE zu erwarten sind, die eine Begleichung der Schulden glaubhaft machen könnten!
      Usw.usf.
      Wenn dann dieser ganze Haufen wertloser Papiere den echten Geldwert um ein 100faches übersteigt – wer soll denn da noch glauben, dass das irgendeinen Sinn ergibt, geschweige denn, dass das etwas mit echter Marktwirtschaft zu tun hätte?! lol.

    • Zinsen sind kein Problem der Marktwirtschaft.
      Aktien an sich sind manchmal ein „Haufen wertloser Papiere“ aber manchmal nicht. Genauso wie eine „echte“ Fabrik ein Haufen werloser (realer) Investitionen sein kann aber nicht immer. Ich stelle folgende Thesen auf:
      – Das Geld ist kein Problem (der Marktwirtschaft), aber ein wichtiger Teil der Lösung.
      – Das Problem (der Instabilität der Marktwirtschaft) ist der (reale) Nachfragemangel und (jeder) Nachfragemangel lässt sich auch mit Geld kompensieren.
      – Nicht gut, wenn man noch nicht theoretisch geklärt hat, warum und wann der Nachfragemangel entsteht (was Keynes nicht gelungen ist).

    • Zins ist natürlich ein Problem, aber nicht DAS Problem.
      Zins bedeutet den Zwang zur Schaffung von Mehrwert und damit ‚Wachstum‘.
      Und wie wir unschwer ersehen können, ist diese Spirale nicht auflösbar.
      Und sie führt dazu, dass mehr Geld geschaffen werden muss, denn der Zins hat einen Nennwert, der sich in Geld ausdrückt – dieses muss zu diesem Zweck also neu geschaffen werden.

      Wäre noch kein Problem, wenn auf diese Weise letztlich immer wieder Schulden beglichen würden und nicht weltweit ins Uferlose anwachsen, denn – und jetzt kommt DAS Problem – ein Anwachsen der Geldmenge, ohne dass dieser eine faktische Wertigkeit gegenüber steht, entwertet das Geld, ungeachtet buchhalterischer Bilanzwerte, die eben als VIRTUELLE Buchung um mindestens das 100fache jeglichen existierenden Gegenwert übersteigen, aber sich Falle der Schuldhaftung an realen Werten bedienen und nicht an den virtuellen!

      Da reale Werte endlich sind und auch nicht unendlich im Wert steigen können, bedeutet die stete Ausweitung von Schuldgeld plus Zinsen, dass die Schulden realiter ab einer gewissen Verhältnisgröße zu den realen Werten unbezahlbar sind und dann ist das Geld eben so wertlos wie Aktien einer Insolvenzgesellschaft oder Staatsanleihen (ALLE Staaten beleihen ja bereits mit ‚Futures‘, die selbst im günstigsten Falle nicht ausreichen werden und die realen Werte – Boden, Immobilien, Rechte an Ressourcen u.ä. sind ja bereits alle vergeben bzw. eben in ihrer Endlichkeit erreicht).

      Im Endeffekt sind alle verzweifelt damit beschäftigt virtuelle Mehrwerte zu erschaffen, die keinen Wert per se haben, sondern überwiegend nur virtuelle Ansprüche bedienen sollen.
      Dafür wird dann Raubbau an Ressourcen und anderen realen, endlichen Gütern betrieben.

      DAS ist KEINE Marktwirtschaft, wie ICH sie verstehe oder für realistisch halte im Sinne einer dynamischen Fließgleichgewicht-Struktur.

      Und selbst wenn man hin und wieder Crashes zulässt oder initiiert, Resetknöpfe drückt, sind bis dahin eben jede Menge reale Werte (Rohstoffe, Umwelt, Boden, Wasser etc.) unwiederbringlich verloren gegangen für rein virtuelle Illusions-Spekulationssujets bzw. eben Wetten.

      ECHTE Marktwirtschaft benutzt keine Wetten und weist diese auch nicht auf.
      Wenn also der Wettenanteil des globalen Geldnennwertes die realen Werte und das 100fache oder mehr übersteigt, ist es keine Marktwirtschaft, sondern eben nur eine Zockerhölle.

    • Es ist reine Naivität, ohne Zins hätten wir eine „echte“ Marktwirtschaft
      Islam hat Zinsen verboten, ging trotzdem alles bergab
      Mit dem Wettenverbot würde man auch nichts erreichen
      Warum in China die Wetten keine Krise verursachen!?
      Jene die gegen Zins und „Wetten“ sind, haben keine Theorie der Marktwirtschaft … es sind Stammtisch-Spitzfindigkeiten

    • „jede Menge reale Werte (Rohstoffe, Umwelt, Boden, Wasser etc.) unwiederbringlich verloren gegangen für rein virtuelle Illusions-Spekulationssujets bzw. eben Wetten“
      Reale Werte sind real, weil sie nicht „verloren gehen“ können. Sie können nur von A zu B gehen
      Das ist ein Problem der Eigentumsverteilung – nicht der Aktien. Diejenigen, die heute über Eigentumsverteilung nicht diskutieren wollen, amüsieren das Volk mit den „Wetten“ und dem „Zins“.

    • Es ist reine Naivität, ohne Zins hätten wir eine „echte“ Marktwirtschaft

      Ich habe nirgends behauptet, dass wir ohne Zins eine echte Marktwirtschaft hätten.
      Ich habe gesagt, dass durch die exponentielle Spreizung der Schuldzinseffekte die Berechnungsgrundlage für den Wert von Geld zerrissen wird, weil dem keinerlei reale Werte mehr gegenüber stehen.
      Das ist ein fundamentaler Unterschied.
      Würden die Schulden + Zins innerhalb der Verrechnungsmatrix von virtueller Schuld und realen Bürgwerten regelmäßig ausgeglichen, dann wäre Zins kein Problem.
      So aber eben schon.

      Islam hat Zinsen verboten, ging trotzdem alles bergab
      Der Islam hat von Anfang an ohne Eroberung (‚Schaffung‘ von Mehrwert) und Sklavenwirtschaft keine Zukunft gehabt.
      Wenn dann noch die Schnittstelle zinsfreier Warenverkehr mit zinsbelastete Warenverkehr dazu kommt, ist klar, dass Zinsfreiheit gegenüber der zinsgestützten Wirtschaft in Nachteil gerät.
      Außerdem war die islamisch basierte Wirtschaft nie eine INNOVATIVE Wirtschaft.
      Die westliche Wirtschaft hate neben Erberung/Ausbeutung, Sklaverei noch ein drittes Standbein: Wissenschaft und Forschung auf einem ganz anderen Niveau, weil nicht durch religiöse Stagnation behindert (wenngleich auch die katholische Kirche da etliches stark behindert hat, so konnte sie nichts dauerhaft verhindern – der Islam schon)

      Mit dem Wettenverbot würde man auch nichts erreichen
      Ich habe nirgendwo ein Wettenverbot angesprochen. Lediglich das Missverhältnis virtueller Wetten gegenüber der Realwirtschaft. Das ist legitim und außerdem unzweifelhaft bestätigt in seine desaströsen Folgen.

      Warum in China die Wetten keine Krise verursachen!?
      Wer sagt das???
      China kippt aktuell genau deswegen.
      Es wurden Kredite ohne jegliches Augenmaß in exorbitantem Ausmaße ausgegeben ohne ausreichende Bürgschaften dafür.
      Alles Wetten auf eine erfolgreiche Ertragssituation aller Beteiligten.
      Enorm viele Kredite platzen nun und haben virtuelle Verrechnungsansprüche erzeugt, die nun durch nichts und niemand bedient werden können.
      Eine typische Blase also.
      Und damit ein großes Problem für China.
      Kann man lösen, aber von ‚keine Krise‘ keine Spur 😉

      Jene die gegen Zins und „Wetten“ sind, haben keine Theorie der Marktwirtschaft … es sind Stammtisch-Spitzfindigkeiten
      Nochmal: ich habe derlei nie gefordert.

      „jede Menge reale Werte (Rohstoffe, Umwelt, Boden, Wasser etc.) unwiederbringlich verloren gegangen für rein virtuelle Illusions-Spekulationssujets bzw. eben Wetten“
      Reale Werte sind real, weil sie nicht „verloren gehen“ können. Sie können nur von A zu B gehen
      Natürlich egeh sie verloren.
      Rohstoffe sind größtenteils eben weg nach der Transformation und nur Bruchteile lassen sich regenerieren (Stahl) aber auch nicht ohne hohen Energieeinsatz, welchselbiger wodurch gestützt wird? – richtig: endliche fossile Brennstoffe z.B. (Uran ist nebenbei auch keine Lösung
      – aktuell ca. 50 Jahre verfügbar).
      (Trink)Wasser wird vernichtet. jede Statistik spricht da klare Worte.
      Boden wird vernichtet – nicht als Fläche, aber z.B. als Ertragsgebiet der Landwirtschaft.
      Und außerdem wird der in der Wertbilanz wie -kalkulation aufgeführte Bden ja keinesfals MEHR.
      Also haben wir einen bestenfalls stagnierenden Bürgschaftswert gegenüber exponentiell wachsenden Forderungen.
      Ich kann mein Haus auch nicht dreimal beleihen. Punkt.

      Das ist ein Problem der Eigentumsverteilung – nicht der Aktien. Diejenigen, die heute über Eigentumsverteilung nicht diskutieren wollen, amüsieren das Volk mit den „Wetten“ und dem „Zins“.

      Tja, Eigentumsverteilung ist selbst ein Problem, ja.
      Aktien sind aber keine Eigentumsverteilung, sondern eine Wette auf zukünftige Ertragserfolge ohne Bürgschaft.
      Hier wird Geld in hohem Maße vernichtet, das an anderer Stelle den Aktieninhabern z.B. fehlt, um Verbindlichkeiten (Schulden, Rentenvorsorge o.ä.) zu bedienen.
      Dass es auch Gewinner gibt ist kein Argument, denn hier findet keine Gewinnverteilung statt, sondern eine Gewinnakkumulation mit Tendenz zum Monopolvermögen.
      Dazu wird dieses Gewinnkapital nicht rekurrierend eingesetzt, sondern dem Geldkreislauf entzogen, was zusätzliche Probleme schafft.

      Wie man es auch dreht und wendet und sich die aktuellen Marktwirtschafts-Apologeten winden – niemand kommt darum herum anzuerkennen, dass es die Spreizung zwischen der willkürlichen(!) Erzeugung virtueller Werte und der faktisch verfügbaren und maximal erwartbaren realen Wertgüter ist, die diese Form des Wirtschaftens zum Scheitern verurteilt.

      Facebook et.al. ist ein sehr brauchbares Beispiel, wie bei marginalen Realwerte das 10.000fache an virtuellen Werten erzeugt wird und so jedes Realwert-produzierendes Unternehmen marginalisiert wird am Markt, weil es da natürlich nicht mithalten kann.
      Diese de facto Wettbewerbsverzerrung bringt den Markt in eine Schieflage, aus der er sich mit seinen Mitteln unmöglich restabilisieren kann.
      Das wäre vermeidbar gewesen, war aber nicht gewollt.
      Und allein diese Tatsache, dass einige Wenige ein globales System derart korrumpieren können, spricht zu 100% gegen dieses System.
      Es besitzt außerdem keinerlei wirksame selbstregulierende Mechanismen, die dies konterkarieren könnten – im Gegenteil.

    • „Und allein diese Tatsache, dass einige Wenige ein globales System derart korrumpieren können, spricht zu 100% gegen dieses System.
      Es besitzt außerdem keinerlei wirksame selbstregulierende Mechanismen, die dies konterkarieren könnten – im Gegenteil.“
      Ich unterschereibe JEDES Wort … zwei Mal, drei Mal … Aber wie geht es weiter?

    • … Aber wie geht es weiter?

      Also so wie bisher schon mal nicht.
      Der Grad an Friktionen der durch dieses System erzeugt wurde und für die es selbst keinerlei Antworten bietet, wird diese ‚Mega-Maschine‘ an sich selbst durch die induzierten Erschütterungen zugrunde gehen, wie eskalierende Vibrationen jeden Motor zuschanden bringen.

      Es gibt radikal nichts und niemanden, welche sowohl Macht als auch Verstand als auch Mut genug hätten, um DAVOR das zu propagieren und zu implementieren, was nötig wäre, um die Fallhöhe zu reduzieren, bzw. einen Transformationsprozess geordnet zu inszenieren.

      Es gibt nicht einen einzigen Fall in der Historie, wo ein Paradigmenwechsel sanft, präventiv und weitgehend schadensfrei vonstatten gegangen wäre.

      Und damit sind wir beim Stichwort: Paradigmenwechsel.
      Ein Paradigmenwechsel schließt per definitionem Reformen, Revolten, Revolutionen aus.
      Diese wären nichts anderes als das Beibehalten des LEGO-Paradigmas – lediglich würden Steinchen ausgetauscht oder umgeordnet – das Prinzip bliebe dasselbe.

      Auch eine Propagierung eines jetzt vorausgedachten neuen Paradigmas verböte sich von selbst (egal wie schlau, wie stimmig es sich präsentierte), da es wiederum eine Form der Dogmatisierung, Indoktrination durch Spezialisten bedeutete, also eben KEINEN Paradigmenwechsel, da hier nur alte Abhängigkeiten und Machtstrukturen ausgetauscht würden.

      Die Grundlage für ein Wirtschaftssystem, das nicht von vorneherein den Keim seines Unterganges bei Installation setzen würde, ist eine drastische Reduzierung des Anspruchsdenkens.
      Im Ursprung gab es Handel bereits als sehr altes Phänomen in der Steinzeit.
      Was wurde gehandelt?
      Das, was vor Ort nicht oder nicht ausreichend verfügbar war – Minerale, Nahrungsmittel, ja auch Frauen z.B. – bzw. Produkte, deren Herstellungswissen exclusiv war.

      Würde sich eine neue Entwicklung auf diese Basis besinnen und beschränken, wäre einerseits allen gedient, denn jeder könnte prinzipiell daran teilhaben (er muss sich nur um einen akzeptablen Gegenwert als Tauschmittel bemühen) und andererseits wären virtuellen Spekulations- wie Illusionsgeschäften ein Riegel vorgeschoben, denn es zählen nur die elementar brauchbaren Güter.
      Einem Steinzeitmenschen einen Koffer voller Dollar als Zeitreisender anzubieten im Tausch gegen seine Axt hätte vermutlich die Obsidianaxt im eigenen Schädel zur Folge ;

      Würden sich ausreichend Menschen gegen jede Virtualisierung entscheiden, hätte eben ein solches System, wie es aktuell zu 99% daraus besteht, keine Chance.
      Für eine Tulpenzwiebel verkauft der Steinzeitmensch dir nicht seine Höhle.
      Für eine South-Sea-Aktie bekommt man nicht einmal eine Muschelhalskette.
      Für ein Rentenversprechen kriegt man keine einzige Mahlzeit.

      Plakativ, aber es soll ja dokumentieren, worum es konkret geht – um KONKRETES eben.
      Egal wie ein zukünftiges Wirtschafts-System aussieht – wenn es überleben soll, darf es sich von der Substantialität nicht entfernen können.

      Sobald eine Uriella von Fiat Lux auftauchen kann und ihr in Handarbeit linksgedrehtes Badewasser als Heilbrühe verkaufen kann ohne dass sie dafür geradewegs in den Orkus verbannt würde, hat man bereits verloren 🙂
      (h ttps://www.aargauerzeitung.ch/panorama/people/uriella-ist-tot-wer-quirlt-jetzt-das-heilwasser-in-der-badewanne-134131271)

    • „Auch eine Propagierung eines jetzt vorausgedachten neuen Paradigmas verböte sich von selbst (egal wie schlau, wie stimmig es sich präsentierte), da es wiederum eine Form der Dogmatisierung, Indoktrination durch Spezialisten bedeutete, also eben KEINEN Paradigmenwechsel, da hier nur alte Abhängigkeiten und Machtstrukturen ausgetauscht würden.“
      Das ist völlig falsch.
      Paradigmenwechsel in der Physik vor 1 Jh. Acho so, du sagst, es sind Naturwissenschaften.
      Also GUT.
      Paradigmenewechsel in den USA, nach der Depression zum Keynesianismus. Und es war ein gigantischer Fortschritt.
      Gegen den Paradigmenwechsel sind diejenigen:
      Die keine Idee haben
      Die das Alte behalten wollen

  5. Ich weiß gar nicht, wieso Sie sich mit dem Thema MMT beschäftigen, Herr Wolff.

    Die deutsche Konjunktur ist doch sehr robust, es gibt momentan nur eine kleine „Wachstumsdelle“.
    Daher sieht unsere ewige Kanzlerin folgerichtig auch keine Notwendigkeit für ein Konjunkturpaket. 🙂

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