The Wolff of Wall Street: Neue Seidenstraße

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Neue Seidenstraße“.

China hat eine in der Wirtschaftsgeschichte einmalige Entwicklung hinter sich. Nach der Revolution von 1949 wurde es jahrzehntelang planwirtschaftlich organisiert. In den 80er und 90er Jahren hat die Führung des Landes eine Kursänderung vollzogen: Sie hat schrittweise die Marktwirtschaft eingeführt, den Zentralismus der Planwirtschaft aber beibehalten und so einen Turbo-Kapitalismus geschaffen, wie ihn die Welt zuvor nicht gesehen hat.

Dieses rasante Wirtschaftswachstum hat allerdings auch ein großes Problem mit sich gebracht – eine kontinuierlich zunehmende Überproduktion, die einen ständig wachsenden Nachschub an Rohstoffen und die Erschließung immer neuer Absatzmärkte erfordert.

Um sich beides langfristig zu sichern, hat China 2013 das bisher größte Wirtschaftsprojekt in der gesamten Geschichte der Menschheit begonnen – den Bau der „Neuen Seidenstraße“. Der Name geht auf die historischen Karawanenstraßen der frühen Seidenhändler zurück, deren Route vor vielen Jahrhunderten von Ostasien über Zentralasien bis in den Mittelmeerraum verlief.

Das Projekt „Neue Seidenstraße“ sieht vor, durch den Bau von Verkehrswegen, Kraftwerken, Staudämmen, Pipelines und digitalen Netzen eine Land- und Seeverbindung zwischen Asien und Europa herzustellen und so zusammen mit dem Nahen und Mittleren Osten einen riesigen interkontinentalen Wirtschaftsraum zu schaffen. Mehr als 60 Länder sollen in das Projekt einbezogen werden, das bis 2049 – zum 100. Jahrestag der chinesischen Revolution – fertig gestellt werden soll.

Zur Finanzierung der „Neuen Seidenstraße“ hat China 2013 die „Asian Infrastructure and Investment Bank“ (AIIB) und 2014 einen staatlichen Investmentfonds – den Seidenstraßenfonds – gegründet. Die Kosten des Projekts werden nach Berechnungen der Großbank Morgan Stanley allein bis 2027 $ 1,2 bis $ 1,3 Billionen betragen.

Welche Folgen hat der Bau der Seidenstraße für die betroffenen Länder, deren Bürger und vor allem – für den Rest der Welt?

Beginnen wir mit den betroffenen Ländern: Da die Infrastrukturprojekte oft sehr teuer sind und die Staatshaushalte oft überfordern, müssen diese Länder in vielen Fällen chinesische Kredite in Anspruch nehmen. Auf diese Weise geraten sie häufig in eine finanzielle Abhängigkeit, die China nutzt, um sich wirtschaftliche, politische und geostrategische Vorteile zu sichern.

Für die arbeitende Bevölkerung der beteiligten Länder bringt die Neue Seidenstraße keine Verbesserung ihrer Lage, im Gegenteil: Da China bei den Bauprojekten fast ausschließlich eigene Firmen und chinesisches Personal einsetzt, entstehen in diesem Bereich kaum neue Arbeitsplätze. Dafür aber sind mehr als 50 Sonderwirtschaftszonen nach dem Muster der chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen geplant.

Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen spezielle Bestimmungen gelten, die sie für Investoren besonders attraktiv machen sollen. In Shenzhen heißt das: Zu Niedriglöhnen zu arbeiten, auf Gewerkschaften zu verzichten und sich damit abzufinden, dass Proteste gegen zu harte Arbeitsbedingungen im Keim erstickt werden.

Was aber bedeutet die Neue Seidenstraße für den Rest der Welt? Vor allem eins: Den vermutlich größten Unsicherheitsfaktor unserer Zeit – und zwar aus folgendem Grund: Die USA, seit dem 2. Weltkrieg größte Wirtschaftsmacht der Erde, haben es ja auf dem Weltmarkt mit 2 großen Konkurrenten zu tun: China und der Europäischen Union.

Wenn diese beiden nun auf Grund der Neuen Seidenstraße miteinander zu einem Wirtschaftsraum verschmelzen, dann ist es mit der Vormachtstellung der USA vorbei. Das heißt: Wenn die USA auch weiterhin die globale Nr. 1 bleiben wollen, dann kann die politische Führung in Washington gar nicht anders als alles zu unternehmen, um das Projekt zu torpedieren.

Und genau das tut sie – indem sie einen Wirtschafts- und Währungskrieg gegen China führt, aber auch, indem sie mit militärischen Mitteln versucht, die Neue Seidenstraße zu verhindern, insbesondere durch die Destabilisierung des Iran.

Der Iran nimmt nämlich eine besondere strategische Stellung ein: Im Norden durch das Kaspische Meer und im Süden durch den Persischen Golf begrenzt, stellt er eine Art Landenge und damit das für Störungen anfälligste Glied in der Kette der Länder der Neuen Seidenstraße dar. Außerdem soll er wegen seiner riesigen Erdöl- und Erdgasvorkommen der größte Energielieferant des Projekts werden.

Die ständigen Aggressionen der USA gegen den Iran dienen also auch dazu, die Verschmelzung der Wirtschaftsräume Asien und Europa zu verhindern. Da das für die USA die einzige Möglichkeit darstellt, ihre Vormachtstellung zu erhalten, China aber zur eigenen weiteren Entwicklung auf diesen Brückenschlag nicht verzichten kann, dürfte es sich bei der Neuen Seidenstraße nicht nur um das größte, sondern auch um das gefährlichste und möglicherweise folgenreichste Wirtschaftsprojekt in der Geschichte der Menschheit handeln.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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37 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Neue Seidenstraße

  1. Herr Wolff verwechselt hier was – der IWF, also USA und Co. hat viele Länder in eine Schuldenfalle gebracht, von ihm selbst ausführlich beschrieben, also müssen die Chinesen es auch so machen, das nennt man dann Übertragung, bis jetzt reine Phantasie.
    Die andere Möglichkeit: Die neue Seidenstrasse ist die Chance für viele Länder, sich aus der Abhängigkeit vom Dollar zu befreien. Unsere Chance für Frieden.

  2. By the way, lieber Herr Wolff, weil gerade in der breiten Diskusion und weil ich selbst nicht so richtig durchblicke, wenn nicht sowieso schon geplant, einen Beitrag zum Thema Schuldenbremse würde ich und sicher viele andere auch gerade jetzt sehr begrüßen. – Dank & Gruß!

  3. Na endlich ist es heraus, wie das „neue“ demokratische Geldsystem ausschauen soll, das Herrn Wolff vorschwebt: der amerikanische Atombombenstandard, der jede alternative wirtschaftliche Entwicklung mit Bombenteppichen verhindert.
    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Glanzleistung.

    • Sorry ,dass ich versuche einen forensischen Ueberblick zu bekommen.
      Denn nur der Hilft innerhalb der Wirkmechanismen an den Hinchpointen
      (Tuer und Angelpunkt) noch etwas im Gesamtkonstrukt ausbalancieren.
      Gewicht koennen wir Menschen innerhalb des Gesamtkonstruktes nur bekommen ,
      wenn wir uns geistig zusammen schliessen und nicht als human Kapital
      herabwuerdigen lassen.
      Aber daran duerften die Herrschenden nun nicht wirklich interessiert sein.
      Wie sagte Stalin doch so krude:“Je weniger Menschen ,desto weniger Probleme!“

    • Forensischer Überblick?

      Überblick haben evtl. die Kryptoanalytiker, die den Man-in-the-Middle-Angriff – auch Janusangriff genannt – anwenden (JANUS: Gott der Ein- und Ausgänge, der Hinchpoints, der Türen und Tore) „innerhalb der Wirkmechanismen“.

      Wie gegenwärtig doch die Antike ist! Alle Wege führen nach Rom.

    • Das würde man als Aggression auslegen. Bereitschaft zur Unterstützung wurde jedoch wiederholt signalisiert.
      In letzter Konsequenz wären sowohl China als auch Russland Verbündete des Iran. Darüberhinaus..

      China and Iran flesh out strategic partnership

      China will invest $280bn developing Iran’s oil, gas and petrochemicals sectors.
      https://www.petroleum-economist.com/articles/politics-economics/middle-east/2019/china-and-iran-flesh-out-strategic-partnership?fbclid=IwAR309Nipk7r-5c61aXOmgsvYs8mQx2SdAkNxRalKa8KMERH63C10W1dGeJY

  4. @U.West vom 7. September 2019 at 11:44

    Zitat des Autors: „900 Millionen Chinesen aus der Armut zu lassen wäre ja nicht so verwerflich, hätte man auf der anderen Seite nicht mindestens ebensoviele Andere parallel dazu in die Armut geführt. Ein Thema für tausende von Seiten.“
    Eine sehr interessante und aufschlussreiche Wortwahl. Sie besagt nämlich, dass es eigentlich schon ein bisschen verwerflich ist „900 Millionen Chinesen aus der Armut zu lassen…“, wenn auch nicht so verwerflich, wie wenn man nicht noch andere 900 Mio wieder in Armut geschickt hätte. D.h. Der Autor scheint es nicht so sehr zu schätzen, dass so viele der Armut entronnen sind. Weshalb? Weil es Chinesen sind oder ist es ihm insgesamt nicht so recht, wenn so viele Menschen nicht mehr in Armut leben müssen?
    Aber zum Glück hat der Autor dieses manipulativen Textes noch ein Ass im Ärmel: die andere Seite. Demnach hat China „mindestens ebenso viele andere parallel in Armut geführt“. Frage: Wer sollen denn diese mindestens 900 Millionen sein? Und wo soll das gewesen sein? Das mag zwar ein Thema für „tausende von Seiten“ sein. Aber da ich hier nur zwei konkrete Fragen gestellt habe, dürfte es ja nicht so schwierig sein, diese auf vllt einer Seite zu beantworten. Wenn’s keine Mühe macht, vllt noch unter Angabe von Quellen.
    Aber ich bin noch fertig mit der Analyse des Zitats. Sehr aufschlussreich auch diese Wortwahl, dass man diese 900 Mio Chinesen aus der Armut GELASSEN hat. Auch das ist eine sehr interessante Sichtweise. Denn sie beinhaltet ja den Vorwurf, dass „man“ es zugelassen hat, obwohl „man“ es eigentlich nicht so recht wollte. Aber es ging halt nun mal eben nicht anders. Vermutlich will der Autor damit sagen, dass die Kommunistische Partei, die ja die Entscheidungen in China weitgehend trifft, das eigene Volk nur widerwillig aus der Armut führte, es quasi notgedrungen zuließ. Eigentlich, so die unterschwellige Behauptung, hätte die KP das eigene Volk ja lieber weiterhin in Armut gehalten und geknechtet. Klar, nicht anderes kann man ja auch erwarten von den Herrschern der Welt, dass es ihnen in erster Linie darauf ankommt, die eigene Bevölkerung zu drangsalieren, und bei den Kommunisten erst recht.
    Nur, und nun muss ich auf den inneren Widerspruch der Aussage im Zitat kommen, kann das gar nicht möglich gewesen sein. Selbst wenn die chinesische Führung 900 Mio aus der Armut entlassen hat, kann sie nicht parallel dazu 900 in die Armut geschickt haben. China verfügt NICHT über 1,8 Mrd Menschen. Und es kann sich bei dieser Behauptung nur um Chinesen handeln, denn über die Bewohner anderer Länder oder Gebiete entscheiden nicht chinesische Machthaber sondern die der jeweiligen Länder. Wenn also tatsächlich in anderen Ländern der Welt 900 Mio in die Armut geschickt worden sein sollen, dann nicht durch China sondern durch die Regierenden der betreffenden Länder. Das kann man aber nicht China anlasten, es sei denn, dass es einem mit der Wahrheit nicht ernst ist und alles erlaubt zu sein scheint, was die Leser verwirrt und China ins Unrecht setzt.

  5. 一带一路 Yi Dai Yi Lu
    lost in translation..
    Da steckt schon etwas mehr drin in diesen Worten als ein Begriff.
    Der Schwerpunkt liegt auf Verbindung und Weg so wie Einheit.
    Als Kritiker will ich hier das Vorgetragene nicht einmal in Frage stellen.
    Um ein umfassenderes Bild zu erlangen muss man die Entwicklung im historischen Verlauf auf den jeweiligen Stufen auf jeweilig lokaler und globaler Ebene allerdings sehr viel offener und genauer betrachten.
    Die marxistische und non monetäre Sichtweisen eingeschlossen.
    Ich. meine man sollte nüchtern sehen, was hat der Kommunismus vom Hunger und Elend nach der Russische Revolution bis zur Aufgabe tatsächlich geleistet. 900 Millionen Chinesen aus der Armut zu lassen wäre ja nicht so verwerflich, hätte man auf der anderen Seite nicht mindestens ebensoviele Andere parallel dazu in die Armut geführt.
    Ein Thema für tausende von Seiten.
    Daher beschränken wir uns doch einmal darauf zu resümieren, was das Projekt bisher hervorgebracht hat.
    Brücken wurden gebaut, Transportwege optimiert, Länder wurden verbunden, Infrastruktur stabilisiert.

    • @Tony
      Die andere Seite ist der imperiale Westen.
      Wohl nur noch wenige Jahre bis auch in der EU Foodstamps eingeführt werden.
      Das Konzept der Destabilisierung gepaart mit Marktradikalismus und Schwerpunkt für Investitionen und Entwicklung auf Militärindustrie, hat derartig negative Wirkung hervorgebracht.bzw. erzwungen.
      Ganz zu schweigen von denen die vom Kartellimperium bombardiert und enteignet werden.
      Die 900Mio. die nun Chinas Wirtschaftsmacht mittragen würden ohne dem wohl kaum so ins Gewicht fallen.

    • @U.West vom 7. September 2019 at 15:35 zu @Tony

      Meine Güte, was für ein wirres Zeug. Verstehen Sie selbst, was Sie da von sich geben? Vllt sollten Sie mal gelegentlich ihre Theorien und Ansichten an der Wirklichkeit messen und überprüfen, ich meine an der wirklichen Wirklichkeit, die außerhalb der eigenen Gedankenwelt. Intellektuelle halten ja immer ihre Gedankenwelt für die Realität. Verfolgen Sie doch mal die Zeitungsmeldungen, gerne auch die des Mainstream (so verkehrt sind die manchmal gar nicht), ob es dort Hinweise gibt, die Ihre krausen Phantasien bestätigen.

    • zu @U.West vom 7. September 2019 15:35
      Auch ich fürchte das U.West mit seiner Vorhersage bezüglich Europa leider nicht falsch liegt. Die uns regierenden Machteliten sind extrem gierig und dekadent geworden. Ihr introvertierte Sicht der Welt fokussiert nur noch auf die Steigerung Ihrer Profite und Ihrer Macht und hat keinerlei zukunftsorientierte Visionen, Ziele mehr. Sie sägen den Ast auf dem Sie, aber auch wir , sitzen, langsam aber sicher ab.

    • @ Jochen Herrmann

      „…keinerlei zukunftsorientierte Visionen, Ziele mehr. Sie sägen den Ast auf dem Sie, aber auch wir , sitzen, langsam aber sicher ab….“

      Ja, und so gaukeln sie (manchen von) uns vor, wir hätten (müssten haben) eine Zukunft – auf dem Mars z.B. – oder sonst wo da draußen. Dabei dienen diese unglaublichen Summen, die für dieses Projekt verwendet werden – anstatt für unsere Probleme auf der Erde – vor allem dazu, Reichtum zu vernichten, damit die Sklavenherrschaft beibehalten werden kann – wie die Ägypter für den Bau der Pyramiden.
      Ich begreife nicht, dass die Leute, die wegen Klimawandel und Umweltverschmutzung ernsthaft engagiert sind – nicht die Gretas! – die für diese Projekte einer zweiten Erde im Weltraum verwendeten ungeheuren finanziellen Mittel nicht für unsere Probleme auf DIESER ERDE requirieren – und dafür auf die Strasse gehen!

    • @Rüdiger R.
      Sorry ich lebe halt seit mehr als 20 Jahren mit einem Bein im Westen mit dem anderen in Fernost bzw. Südostasien.
      Habe mich hier daher wohl zu sehr aus meiner Sicht geäußert, ohne eingangs genauer zu erklären, was ich mit den zwei Seiten meine. Sehe nun auch das man das so missverstehen konnte..Tut mir aufrichtig leid.

    • @ Rüdiger R.
      ´´Meine Güte, was für ein wirres Zeug. Verstehen Sie selbst, was Sie da von sich geben?´´
      LOL
      Ehrlich gesagt nicht immer. Weil ich gebe nur das wieder, was die Summe aller Medien der unterschiedlichen Seiten in Angleichung mit der wahrgenommenen Realität ergibt. Man versteht es wohl auch nur vor dem Hintergrund, das wir es allgemein mit UNTERGANGSMANAGEMENT zu tun haben, weil das Verfallsdatum dieses Finanzsystems abgelaufen ist.

    • @Jochen H.
      Die Dekadenz entwächst großteils aus der der Topologie der Machtstrukturen und ihrer Institutionen.
      Böswilligkeit ist da kaum im Spiel.
      Auch die Gier ist als solches nicht entscheidend.
      Es reicht dann schon, dass Geld ein derart überbegehrter Attraktor Ist.
      https://www.amazon.com/Giants-Global-Power-Peter-Phillips/dp/1609808711

      PS. wäre mir natürlich lieber, ich könnte hier auf den internen Bookshop verlinken.

  6. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß die chinesische Bourgeoisie, ihr ur-eigenstes Claqueurtum hervorgebracht hat. In jeder Pyramide, gibt es wohl Jene, die nicht wollen und/oder nicht anders können, da sie auf die Eine oder andere egomane Weise profitieren. Denn wie bereits erwähnt, zunächst hier:

    Massenproteste in Hong Kong – zwei Dokumente zur Debatte

    Ein Artikel von: Jens Berger & Marco Wenzel

    Farben-Revolution oder Sozialproteste? Die andauernden Massenproteste in Hong Kong stellen auch uns vor stetig neue Fragen und es ist schwer, diese Fragen abseits pauschaler Schnellschüsse zu beantworten. Jens Berger und Marco Wenzel haben versucht, für die NachDenkSeiten eine zarte Einordnung der Proteste vorzunehmen. Dieser Versuch erhebt freilich nicht den Anspruch, die universelle Wahrheit gepachtet zu haben. Vielleicht helfen unsere Zeilen Ihnen ja bei Ihrer eigenen Einordnung der Lage.

    Kanarienvogel in der Kohlemine des chinesischen Systems
    Ein Vorwort von Jens Berger

    Im Frühjahr wurde Hong Kong zum 25. Mal in Folge von der neoliberalen Heritage Foundation zur „freiesten Volkswirtschaft der Welt“ ernannt. Der Preis für diese „Freiheit“ ist eine massive Teilung der Gesellschaft in eine besitzlose Masse und eine kleine, extrem reiche Oberschicht, die mit der Stadtregierung und der Zentralregierung in Peking bestens vernetzt ist. Verlierer dieser Entwicklung sind vor allem die gut ausgebildeten jungen Hong-Kong-Chinesen, die ins Prekariat abstürzen und ihre Hoffnungen begraben. Zahlreiche Experten bezeichneten Hong Kong schon länger als „Schnellkochtopf“ oder „tickende Zeitbombe“.

    In den letzten fünfzehn Jahren haben sich die Immobilienpreise in Hong Kong etwa verdreifacht. Zehn-Quadratmeter-Verschläge für eine Miete von 1.400 US$ pro Monat sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Wer nichts besitzt, wird auch künftig nichts besitzen können. Die Preise sind jenseits von Gut und Böse und das Gros der Immobilien ist ohnehin in der Hand einiger weniger Superreicher. „Investitionen“ vom Festland heizen die Lage zusätzlich an. Hong Kong ist die teuerste Stadt der Welt mit Penthouse-Paradiesen für Milliardäre und Käfigwohnungen für die Massen. Die 21 reichsten Bewohner der Sonderwirtschaftszone besitzen zusammen übrigens 206 Milliarden Euro – mit starker Tendenz nach oben, da die Stadtverwaltung getreu dem neoliberalen Mantra eine der weltweit geringsten Steuerquoten aufrechterhält.
    (…)
    Massenproteste in Hong Kong – Der Versuch einer Einordnung
    Von Marco Wenzel

    Seit dem 9. Juni gibt es, wie bereits mehrmals in der Vergangenheit, fast täglich Massenproteste gegen die Regierung in Hong Kong. Auslöser ist diesmal ein Gesetzesvorhaben über eine geplante mögliche Abschiebung von Kriminellen nach China, Taiwan und Macau. Aber es geht um mehr: es geht um den Status von Hong Kong und es geht um die Macht, die China über HK ausübt. Nicht von ungefähr war auch das Verbindungsbüro Chinas in HK eines der Hauptziele der Proteste. Aber es geht auch um Armut, Arbeitsbedingungen und Wohnungsnot in einer der reichsten Städte der Welt.
    (…)
    Klar, dass diese Situation viele Arbeiter anzieht, die sich in der Region ihr Brot verdienen wollen. Insbesondere aus China kommen viele Wanderarbeiter. Oft leben sie in Slums ohne Festanstellung mit geringen, an Ausbeutung grenzenden Löhnen. Aber auch in HK ist die Situation der Arbeiterschaft alles andere als rosig. In HK hat sich die Lage in den letzten Jahren für die meisten Lohnabhängigen verschlechtert. Und mit dem Handelsstreit zwischen China und den USA und dem Boykott von Huawei ist die Wirtschaft der Region eingebrochen und die Lage droht sich noch weiter zu verschlimmern.
    (…)
    Fazit:

    In der Millionenmetropole HK sind über 1,3 Millionen Menschen an den Rand gedrängt. Die Leute, die hinter der aktuellen Protestbewegung stehen, sind, bisher wenigstens, schwer auszumachen. Mit Sicherheit gibt es auch Einflüsse aus dem Ausland, die die Bewegung finanziell und logistisch unterstützen, um den Einfluss Chinas zu unterminieren und ihre eigenen Leute in der Legco zu positionieren. Und damit eine schrittweise Abkehr von HK zu China einzuleiten, mit dem Ziel, die Übernahme Chinas von HK im Jahre 2047 zumindest zu erschweren und evtl. neue Übergabebedingungen mit einem geschwächten China auszuhandeln.

    Die konkreten Ziele der Bewegung sind zwar noch undurchsichtig, haben ihren Ursprung aber mit Sicherheit in der sozialen Lage und der damit verbundenen Unzufriedenheit der Bevölkerung von HK. Die Region bleibt weiterhin ein Pulverfass, in dem sich jederzeit neue Proteste entfalten können. Proteste, die sich demnächst vielleicht konkreter auf die soziale Lage der Beschäftigten konzentrieren werden. Aus Studentenprotesten können schnell Arbeiterproteste werden.

    Diese Entwicklung wollen sowohl die USA und ihre Verbündeten als auch die chinesische Führung verhindern. Das Anheizen des Konflikts ist ein Spiel mit dem Feuer. Denn ein unabhängiges HK unter Kontrolle einer Arbeiterregierung wollen weder der Westen noch China. Nicht auszudenken, wenn sich Arbeiterproteste über HK hinaus auf die Greater Bay Area und sogar auf ganz China ausdehnen würden. Oder wenn sich HK unter einer pro-westlichen Regierung mit Macau und Taiwan zusammen zu einem neuen unabhängigen Staat erklären würde.

    Zukunftsmusik, Spekulationen? Ja. Die Situation ist zurzeit noch unübersichtlich. Bis 2047 sind es zwar nur noch 28 Jahre, dann wird der Kuchen endgültig verteilt. Aber bis dahin wird noch viel Wasser den Perlfluss hinunterfließen. Genug Zeit für alle Anwärter, sich neu zu positionieren.
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=54247

    Oder hier:

    China: Innen Hui, Außen Pfui
    15. Juni 2019 Gilbert Kolonko

    Ein Blick in die Nachbarländer Chinas zeigt: Für die Erde ist das „System China“ bisher nicht gesünder als der „freie Markt“ des Westens

    Fünf erschossene Demonstranten im April 2016 in Bashkhali bei Chittagong. Ein weiterer getöteter Demonstrant im Februar 2017 an gleicher Stelle. Wieder hatte es Proteste gegeben, gegen ein von China finanziertes Kohlekraftwerk.

    Warum die Polizei gegen Anwohnerproteste tatkräftig unterstützt wird, zeigt, wer da Pekings Geschäftsinteressen durchsetzt: Selbst die konservative Bertelsmann Stiftung hat das wirtschaftlich aufstrebende Bangladesch zur Autokratie erklärt. Wohl auch wegen ihres besonderen Auslesesystems bei Wahlen.

    Obwohl die Opposition die Wahlen zwischen 2013 und 2017 boykottiert hat, kam es in dieser Zeit zu mehr als 1000 Toten politischer Gewalt und 53.000 Verletzten, weil sich vorwiegend Anhänger der Regierungspartei mit der Partei der Awami-Liga bekämpften. So ist garantiert, dass der Kandidat mit der besten Schlägertruppe vorort das Rennen macht.

    Später können diese Schlägertrupps Anwohner-Proteste gegen „Entwicklungs-Projekte“ niederknüppeln – dafür wird der gewählte lokale Kandidat der Awami Liga mit Aufträgen in Zusammenhang mit dem Projekt bedacht. Anschließend können die Schläger von der regierungstreuen Presse als Gegendemonstranten bezeichnet werden.

    Kohlekraftwerke „Öko“

    Ein weiteres chinesisches Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 1320 Mw wird am Andharmanik Fluß im Patuakhali Distrikt gebaut, in dem zwei der großen Laichplätze des Hilsa liegen, des geschützten Nationalfisches des Landes.

    Da die Kohle für das Kraftwerk auch hier per Schiff transportiert wird, sind Verschmutzungen des Flusses vorprogrammiert, selbst ohne eines der häufigen Schiffsunglücke mit Kohlefrachtern. Ein Rundgang am Hafen in Gabtoli bei Dhaka zeigt, was Kohle schon vor der Verbrennung anrichtet: Im Umkreis von einem Quadratkilometer sind die Wege und das Ufer schwarz – der Fluss sowieso.
    (…)
    Auch in Sachen Sprache hat China vom Westen gelernt. So nennt es billige und dreckige Müllverbrennungsanlagen einfach „Öko“ und verkauft sie dann nach Indien, das unter Narendra Modi angeblich made in India produziert.

    In Bangladesch sind China und Hongkong zu den größten Einkäufern der Gerbereien Dhakas geworden, eine der schlimmsten Verschmutzungsindustrien des Landes. Nach einer Studie leiden 63 Prozent der Arbeiter des neuen Gerbereiparks in Savar-Dhaka unter Gesundheitsproblemen.

    Selbst die chromverseuchten Lederreste der Gerbereien werden noch zur Steigerung des Wirtschaftswachstums benutzt, indem sie zu Tierfutter verarbeitet werden. Deutschlands Einkäufer wandern nach Indien ab, wo die Ledergerbereien eine Idee sauberer arbeiten.

    Wie der Westen, muss China mittlerweile Wachstum im Ausland erwirtschaften, um die steigenden Konsum-Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu befriedigen – dass Chinas Einkommensungleichheit so stark steigt, wie in keinem andern Land, gibt einen Hinweis, warum das so ist.

    Peking ließ Sri Lanka mit Krediten einen Hafen bauen, den das Land nicht brauchte. Als Sri Lanka die Kredite nicht zurückzahlen konnte, riss sich China nicht nur den Hambantota Hafen für 99 Jahre unter den Nagel, sondern ließ sich als Zins auch noch ein Stück Küste überschreiben.

    Natürlich ist China nicht das erste Land, das Sri Lanka Kredite für fragwürdige Projekte aufschwatzt, doch Peking scheint einen Plan zu haben: Da die Regierung in Kenia chinesische Kredite nicht zurückzahlen kann, soll es den Hafen in Mombasa an China abtreten.
    Wasserkraftwerke

    In Nepal baut China jetzt große Wasserkraftwerke, deren Dämme die Flüsse stauen. Ein Blick nach Pakistan zeigt, was Fluss-Stauungen auf lange Sicht anrichten: In der südlichen Region Sindh ist mittlerweile das Indus Delta gefährdet, inklusive der Mangrovenwälder, mit schwerwiegenden Folgen für Natur und Mensch.

    Ein Blick nach Bangladesch gibt einen Einblick, wie Nachbarländer unter Fluss-Stauungen leiden. Während der Regenzeit öffnet Indien die Schleusen seiner Staudämme, so dass noch mehr Wasser nach Bangladesch fließt und die Felder zum Teil für Monate überschwemmt. Wenn die bengalischen Bauern dann in der Trockenzeit das Wasser dringend benötigen, schließt Indien die Schleusen. Dadurch drückt Meerwasser in die Flüsse hoch und fördert die Versalzung.
    (…)
    „Nicht anders als die westliche Konkurrenz“

    Die Weltbank ist Nepals größter Kreditgeber. Das chinesische Gegenstück zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfond ist die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB). „Sie arbeitet nicht anders als die westliche Konkurrenz – nur drückt sich China gewählter aus“, sagt der Menschenrechtler Hasan Mehedi und fährt fort:

    „Die chinesischen Verantwortlichen luden mich sogar nach Peking ein, wo ich meine Kritik gegen einige ihrer Projekte in Bangladesch vortragen durfte. Über eine Stunde nickten sie verständig und gelobten Besserung… nichts ist seitdem besser geworden. Zurzeit arbeite ich an einem Handbuch mit vielen Beispielen für den Umgang mit China, damit meine Kollegen wissen, dass sie sich nicht von den schönen Worten einlullen lassen dürfen. Unter dem Strich geht es auch Peking nur um Einfluss und darum, die Entwicklungsländer durch Kredite in die Schuldenabhängigkeit zu treiben.“
    Hasan Mehedi

    Auch Pakistan hilft China mit Kohlekraftwerken auf die Sprünge. In Islamabad plant die Regierung die Stromgewinnung aus Kohle von unter Ein-Prozent auf über 50 Prozent zu steigern. Alleine aus der Wüste Thar sollen durch chinesische Firmen jedes Jahr 3,8 Millionen Tonnen abgebaut werden – die gesamten Kohlevorkommen in der Wüste Thar reichen aus, um die nächsten 100 Jahre jährlich 200.000 MW Strom zu produzieren.

    Doch die Kohleförderung ist sehr wasserintensiv und schon jetzt sind Grundwasserstöcke in der Nähe der Kohlegruben leer. In Anbetracht von Pakistans schweren Wasserproblemen fördert das den „Selbstmord auf Raten“ des Landes.
    (…)
    Natürlich ist China auch nicht der Hauptschuldige am Klimawandel. 1948 entwickelte Maria Telkes in den USA ein Solarhaus, dass sich zu 75 Prozent selbst versorgte. Schon Mitte der 1950er-Jahre besaßen 80 Prozent aller Haushalte in Kalifornien einen solarbetriebenen Durchlauferhitzer.

    Doch dann setzten sich die Industriebosse der Kohle- und Stromindustrie zusammen und nahmen dabei einen Schauspieler zur Hilfe, der das in Werbespots machte, was er später als Präsident der Vereinigten Staaten mit Margarete Thatcher tat: Im Auftrag der Industrie die Bevölkerung verblöden und es freie Marktwirtschaft nennen. Beides passiert heute noch, nur die Namen der Schauspieler in Werbung, Politik und Presse wechseln, um für das Märchen vom freien Markt zu werben.

    Wenn der Westen wirklich einen freien Markt gelebt hätte, würde China wohl schon seit Jahren massenweise Solaranlagen an Bangladesch, Indien oder Pakistan verkaufen, anstatt Kohlekraftwerke. Obwohl wahrscheinlicher ist, dass China ohnehin ein sehr anderes Land geworden wäre.
    https://www.heise.de/tp/features/China-Innen-Hui-Aussen-Pfui-4442803.html?seite=all

    Ist gibt natürlich noch sehr viel mehr weiterführende links, wobei natürlich auch die „Offiziellen“ jeglicher Seite, im Laufe der Jahre entlarvend sind. Hinzu kommen persönliche Kontakte zu Menschen die Erfahrungen von hier und dort mitbringen.

    Ist es tatsächlich so wichtig, ob sie über Apple oder Huawei zugrunde gerichtet werden?

    Zum Abschluß ein Kommentar, den jemand Anderer einmal zu einem Artikel Herrn Wolffs hinterließ:

    Und was macht man mit dem schönen frisch gedruckten Geld?

    Man schafft EIGENTUM.
    Pardon, falsch formuliert.

    Man VERTEILT EIGENTUM UM.

    Mit den Billionen werden: Ackerflächen, Gewässer, Wälder gekauft.
    Bodenschätze gekauft.
    Ehemaliges Gemeineigentum gekauft (Infrastruktur, wie Strom- und Wasserversorgung, Wärmeversorgung, Transportsysteme, Straßen und Autobahnen, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten, Wohnhäuser in kommunalem Besitz – hab ich was vergessen? Bestimmt.)

    Und wenn erst mal ALLES verkauft ist und einen Eigentümer gefunden hat – dann kann es doch krachen. Die Eigentumstitel bleiben doch.

    Und die, die dann gar nichts mehr haben (Bevölkerungen und Staaten), haben dann auch nichts mehr zu sagen – und zu fressen.

    Orwell würde seinen Roman heute noch ganz anders schreiben.

    • Die Hegemonie der englischen Sprache

      Ob deutscher Wissenschaftler, Journalist oder Autor: kein Weg führt vorbei an der Hegemonie der englischen Sprache, wenn es darum geht „informiert“ zu sein.

      Deutsche Journalisten, die zudem zur englischen auch die Sprache – und damit auch die Kultur – des Landes beherrschen, über das sie berichten, und die in den Regionen leben, aus denen sie berichten: deren Berichte sind in der Lage selbst die Unbelehrbaren wenigstens zu irritieren. Einige dieser deutschen Journalisten im Format von Scholl-Latour kommen hier bei KenFM zu Wort und sind eine ernsthafte Konkurrenz für Journalisten von gleichem Format, deren erste Sprache Englisch ist.

      Aus antiamerikanischem Sentiment heraus, wie hier vor einiger Zeit im Forum geschehen, das Verwenden der englischen Sprache verbannen zu wollen und als Verrat zu sehen, das ist m. E. nicht im Sinne von KenFM.

      @ Box

      Nachdenkseiten einerseits und Heise andererseits: Spagat oder Ausgewogenheit?

      Asien und China? Tony Cartalucci (Global Research) ist EINE mögliche Quelle, vor Ort lebend -selbstverständlich wie alle Journalisten von einem Standpunkt berichtend – UND ORIGINALE LOKALE! wie ORIGINALE! englischsprachige QUELLEN (Think Tanks, NGOs, Pentagon-Papers….) nutzend : ZITAT UND QUELLENANGABE.

      Egal in welcher Sprache, Immer gilt natürlich, was der Kritiker und Gründer der Fackel sagte:

      „In die Irre geht, wer nur den einen hört.“

    • Ich kann mich noch gut erinnern wie die HKK-Übernahmen derzeit innerhalb der KP diskutiert wurde.
      Die Eingliederung ging ja schon deswegen nicht, weil man dann 100-Tausende wegen Wucherei hätte belangen müssen… Hier herrsch ein Grad der Verwerfungen, wie es nicht krasser sein kann.
      China hatte derzeit noch keine konvertible Währung, und dann einen HKK-Dollar, den sie nicht kontrollieren konnten.
      Der drittgrößte Finanzplatz ist gleichzeitig der wichtigste für die mittelständische Realwirtschaft.

    • @ U. West

      Anhand der ökonomisch-relevanten Zahlen, die ich kenne (und wenn sie stimmen), dann ist die Bedeutung von Hongkong für China verglichen mit Shenzen inzwischen „vernachlässigbar“, was diese rein ökonomisch-relevanten Zahlen betrifft (ohne die geopolitischen Aspekte). So sieht man das anscheinend in Peking.

    • @Tony
      Da hast Du richtig gelesenen verstanden. HKK ist halt internationale Börse und Banken-Metropole, ähnlich wie die City of London. Die eigentliche wirtschaftliche Bedeutung ist zweitrangig.
      99 Jahre British Empire, die Leute hatten da auch nichts zu sagen.
      Die meisten Chinesen sehen die Demos gelassen, als Teil einer nötige Entwicklung die Änderung bringt.

    • Bevölkerungen und die Mehrheit der nicht militärisch gerüsteten Staaten haben schon heute nichts zu sagen….. die gesichtslosen Bosse heißen Hedgefonds und Blackrock usw.

    • Es wird immer härter
      „In seine neunminütigen Rede benutzte Xi gestern das Wort“ “斗争 „Abmühen bzw. Kampf fast 60 Mal und erinnerte unheimlich an eine Ära, von der viele angenommen hatten, dass sie lange vorbei sei.“ Kampf „war das Schlagwort, das so oft in den Reden von Mao Zedong und in einem Artikel verwendet wurde von seinen berühmtesten und oft zitierten Sprüchen: „Ich habe grenzenlose Freude daran, mit Himmel, Erde und Menschen zu kämpfen“.
      Nicht zuletzt signalisiert Xis Rede eine härtere Haltung gegenüber Hongkong, obwohl beschlossen wurde, das Auslieferungsgesetz zurückzuziehen. “
      Vom ehemaligen Redakteur des SCMP mit Sitz in Peking und sehr gut informiert.

  7. Besser hätte die Frankfurter Allgemeine Zeitung als bedeutendster China-Kritiker im deutschsprachigen Raum dessen Politik und wirtschaftlichen Erfolge auch nicht verreißen können.
    Wenn es auch in den Fingern juckt, so will ich doch nur einige wenige der gängigsten Vorurteile kommentieren.

    „Da die Infrastrukturprojekte oft sehr teuer sind und die Staatshaushalte oft überfordern, müssen diese Länder in vielen Fällen chinesische Kredite in Anspruch nehmen. Auf diese Weise geraten sie häufig in eine finanzielle Abhängigkeit, die China nutzt, um sich wirtschaftliche, politische und geostrategische Vorteile zu sichern.“
    Was rät denn da der Experte aus dem Westen, der all das in seiner Gesellschaft als selbstverständlich in Anspruch nehmen kann, was den meisten Staaten entlang der Seidenstraße bisher fehlte? Sollen sie darauf verzichten und die Unterentwicklung den Risiken der Kreditaufnahme vorziehen? Wolff kann gut reden, er hat das ja alles. Oder hält er die Regierungen dieser Länder für zu dumm, dass diese sich nicht auch Risiken bewusst wären? Übrigens auch Risiken für China. Denn im Falle einer Insolvenz liegt das Risiko bei China, wieder an sein Geld zu kommen. Er warnt vor China, dabei sind die meisten Staaten der Welt beim Westen verschuldet wie man augenblicklich bei Argentinien wieder sehen kann, das der xten Zahlungsunfähigkeit entgegentaumelt.

    „Für die arbeitende Bevölkerung der beteiligten Länder bringt die Neue Seidenstraße keine Verbesserung ihrer Lage, im Gegenteil: Da China bei den Bauprojekten fast ausschließlich eigene Firmen und chinesisches Personal einsetzt, entstehen in diesem Bereich kaum neue Arbeitsplätze.“
    Die meisten Staaten entlang der Seidenstraße verfügen weder über die Unternehmen, die solche Projekte verwirklichen können noch über die geeigneten Arbeitskräfte. Wenn Wolff schon oben die Kosten solcher Projekte kritisiert, müsste doch jedem mit wirtschaftlichem Sachverstand klar sein, dass es wesentlich teurer wird, wenn man Arbeitskräfte mit geringerer Qualifikation erst ausbildet, damit sie das auf die Beine stellen, was die Chinesen im Handumdrehen aufbauen. Die Arbeitsplätze entstehen, wenn die Einrichtungen stehen. Dann kann Personal zur Wartung und Bedienung ausgebildet werden und lokale Firmen entstehen, die Zuarbeiten leisten.

    „In Shenzhen heißt das: Zu Niedriglöhnen zu arbeiten, auf Gewerkschaften zu verzichten und sich damit abzufinden, dass Proteste gegen zu harte Arbeitsbedingungen im Keim erstickt werden.“
    Der Herr Wolff scheint nur die Seiten der Medaille zu sehen, die ihm die westliche Presse immer wieder zeigt, übrigens Gegner der chinesischen Entwicklung. Wenn die Bedingungen in Shenzhen so schrecklich sind, weshalb strömen dann die Chinesen aus allen Teilen des Landes dorthin, um dort zu arbeiten. Sind die auch dümmer als die Berichterstatter im Westen? Weshalb überholt die Stadt das angrenzende Hongkong in jeder wirtschaftlichen Beziehung? Es mag dort auch harte Arbeitsbedingungen gegen und vielleicht auch Einschränkungen der Rechte. China ist doch nicht das Paradies, das anscheinend der Herr Wolff sucht. Was erwartet er denn? Dass dort naiv-sozialistische Verhältnisse herrschen? Es können aber auch einfach nur die üblichen Propaganda-Geschichten westlicher Medien sein, denen er aufsitzt und sie hier wiederholt. Denn selbst die FAZ muss dort gelegentlich eine andere Sicht zulassen. (https://ruedigerraulsblog.wordpress.com/2019/08/28/hongkong-und-die-chinesische-bedrohung/)

    Und dann wird’s j a noch ganz verschwurbelt, wenn es um die Gefahren geht, die von der Seidenstraße ausgehen sollen. Gefahren für wen? In erster Linie doch für den Westen. „Wenn die USA auch weiterhin die globale Nr. 1 bleiben wollen, dann kann die politische Führung in Washington gar nicht anders als alles zu unternehmen, um das Projekt zu torpedieren.“
    Achso, na dann müssen wir uns natürlich alle den Amis unterordnen. Sie waren auch eingeladen sich an dem Projekt zu beteiligen. Sie dachten sicherlich in ihrer Überheblichkeit, dass die Chinesen ohne sie solch ein Projekt nicht hinbekommen. Weit gefehlt. Und wieso soll das nicht anders gehen? Sie können sich doch immer noch beteiligen. Vllt würden sie dann die Nr 1 bleiben. Stattdessen gibt Herr Wolff ihnen einen Absolution für ihr kriegerisches Verhalten und will den geneigten Lesern einreden, dass es keine Alternative dazu gibt.
    Sachlich falsch ist auch, dass die Amerikaner einen Währungskrieg gegen China führen. Sie führen einen Wirtschaftskrieg, den sie aber im Begriff sind zu verlieren. So schrieb die FAZ, dass das Handelsdefizit der USA gegenüber China trotz aller Zölle und Sanktionen weiter gewaltig steigt. (FAZ vom 5.9.: Amerikas Handelsdefizit mit China wächst). Der Dollar steigt jedoch gegenüber den Yuan ganz Ärger der USA, die darin einen chinesischen Währungskrieg gegen die USA sehen.
    Auch die Sicht auf die Bedeutung des Iran in dieser Entwicklung ist nicht nachzuvollziehen. Die Seidenstraße ist in erster Linie eine Verbindung zwischen China durch Zentralasien nach Westeuropa. Der Weg in Richtung Iran und darüber hinaus nach Afrika ist nicht das Hauptinteresse dieser Verbindung. Es ist zwar richtig, dass er über enorme Energiequelle verfügt, aber das tun Länder wie Russland, Kasachstan und viele andere der ehemaligen südlichen Sowjetrepubliken auch. Es ist von daher sehr weit hergeholt, den Iran als wichtige Energiequelle für die Seidenstraße zu sehen.
    Dass es sich bei der Seidenstraße um „das gefährlichste und möglicherweise folgenreichste Wirtschaftsprojekt in der Geschichte der Menschheit handeln“ soll, ist nur mit sehr gewundenen Argumentationen und nicht nachvollziehbaren Ansichten zu behaupten. Aber das müsste dann noch einmal separat diskutiert werden. Ich halte es für Unsinn.

    • Besser hätte ich es nicht sagen können. Als ich meinen Kommentar unten schrieb, war ich zu faul, in die Details einzusteigen.
      In gewisser Weise stimmt die Formulierung „das gefährlichste und möglicherweise folgenreichste Wirtschaftsprojekt in der Geschichte“ schon. Aber nicht, weil das Projekt selbst gefährlich wäre. Gefährlich sind dessen Gegner. Die Seidenstrasse ist nicht das Problem für unsere Welt ; allerdings ist da die Problematik Wachstum, Umwelt, Ressourcen mit ihren damit ebenfalls zunehmenden Herausforderungen.

    • Zitat Rüdiger Rauls: „Denn selbst die FAZ muss dort gelegentlich eine andere Sicht zulassen.“ Mindestens im Wirtschaftsteil müssen die grossen Zeitungen näher an der Realität bleiben 🙂

      In der „befreiten“ und „demokratischen“ Ukraine sind die Löhne auf jeden Fall tiefer als am Perlflussdelta.

  8. Wie Ernst Wolff m. E. richtig analysiert: Die Neu Seidenstrasse ist nicht das Problem für unsere heutige Welt. Das war übrigens auch die alte Seidenstrasse zu Zeiten Marco Polos nicht für die damalige Welt.

    Sie kann aber zum Problem gemacht werden, wenn das eigentliche Thema „Property Rights“ gemäß den üblichen Doppelstandards weiterhin so behandelt wird, als hätte es z.B. keine Rattenlinien (Paperclip) von CIA, Vatikan und Rotem Kreuz etc. gegeben; und als wären keine sowjetischen Wissenschaftler abgeschöpft worden….

    Die vernetzte heutige Welt könnte dafür sorgen, dass auch die neue Seidenstrasse nicht zu einem Problem wird, indem sie die Doppelstandards abschafft: generell und insbesondere hinsichtlich Property Rights und der Entwicklung von anderen Märkten, auch wenn diese sich zu kapital-intensiven Märkten entwickeln wollen (wie die der USA und den wenigen anderen, welche die USA zugelassen hat).

    https://www.democracyatwork.info/acc_state_of_us_chinese_economies

  9. Wäre Europa stark und einig genug, würde es sich an der Seidenstrasse beteiligen, bevor China die Chance hat Russland und den anderen, vor allem asiatischen Ländern, seinen Stempel aufzudrücken. Eine „Hantel“ Europa, Russland, China hätte auf Dauer die Chance eine riesigen ausbalancierten Binnenmarkt zu schaffen, der ein Win-Win für die ganze Welt sein könnte. Das das den USA nicht schmeckt, ist keine Frage. Aber sie werden es langfristig nicht aufhalten können – die Geographie ist gegen sie. Daher wäre es auch für die USA besser, langfristiger zu denken und mit Europa zusammen für ein Gleichgewicht auf diesem Riesenmarkt zu sorgen. Leider ist aber Europa viel zu zersplittert und die Machteliten in den USA viel zu sehr auf kurz- und mittelfristige Erfolge konzentriert, als das dies umgesetzt werden könnte. China hätte dann fast freie Bahn … mit fast 1500 Millionen Menschen haben die ca. 145 Millionen Russen auf Dauer wenig gute Aussichten sich gegen China wehren zu können.

    • „Wäre Europa stark und einig genug, würde es sich an der Seidenstrasse beteiligen“

      Abgesehen von den Vasallenregierungen in den Besatzungszonen beteiligen sich die Europäer eigentlich schon an der Belt-and-Road Initiative 😉

    • „Abgesehen von den Vasallenregierungen in den Besatzungszonen beteiligen sich die Europäer eigentlich schon an der Belt-and-Road Initiative 😉“
      Naja, sie mögen hier und da publikumswirksam nach China fliegen und darüber reden, aber passiert ist da wenig. Es gibt keinen nennenswerten Projekte. Das würden das US-Imperium auch mit allen Mitteln zu verhindern wissen, was auch funktioniert, da Europa zersplittert ist. Sie könne ja noch nicht mal sich auf die Uhrzeit/Sommer/Winterzeit einigen 🙁

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