The Wolff of Wall Street: Schattenbanken

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12:00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Schattenbanken“.

Um eine Bank zu betreiben, muss man diverse Bedingungen erfüllen: Man braucht eine Banklizenz, muss sich der Bankenaufsicht unterstellen und bestimmte Regeln wie zum Beispiel die Eigenkapitalvorschriften und die Veröffentlichungsvorschriften für Banken einhalten. Dafür erhält man u.a. das Recht, Geld zu schöpfen, bekommt direkten Zugang zu dem von der Zentralbank geschöpften Geld und kann seinen Kunden gewisse staatliche Garantien wie zum Beispiel den Einlagenschutz bieten.

Um eine Schattenbank zu betreiben, braucht man keine Banklizenz, muss sich von keiner Behörde beaufsichtigen lassen und den für Banken geltenden Regeln nicht unterwerfen. Dafür erhält man zwar nicht das Recht zur Geldschöpfung, hat auch keinen Zugriff auf das von der Zentralbank geschöpfte Geld und kann seinen Geschäftspartnern keine staatlichen Garantien bieten, darf aber zum Beispiel Kredite vermitteln, sich im Investmentgeschäft engagieren, Eigenhandel betreiben und mit Derivaten spekulieren – und zwar im Schatten des Bankenwesens, also unbehelligt von Aufsicht und Regulierung.

Zu den Schattenbanken zählen u.a. Finanzunternehmen wie Broker-Firmen, Hedgefonds, Private-Equity-Firmen (Firmen, die Unternehmen außerbörslich Eigenkapital zur Verfügung stellen) und Zweckgesellschaften – Firmen, die zur Abwicklung besonderer Geschäfte gegründet und danach wieder aufgelöst werden.

Die meisten Schattenbanken sind in Steueroasen angesiedelt und deshalb schon ihrer Struktur nach intransparent. Sie verfügen im allgemeinen über geringes Eigenkapital und greifen daher auf das Prinzip der Hebelung zurück, das heißt: Sie leihen sich das Kapital von Großinvestoren, um damit ihr Geschäftsvolumen und ihre Rendite zu steigern. Mit diesem Kapital spekulieren sie dann – weltweit über alle Landesgrenzen hinweg, ohne dass irgendjemand sie überwacht oder kontrolliert – und das mittlerweile in mehrstelliger Billionenhöhe.

Die Aktivitäten der Schattenbanken haben in den vergangenen drei Jahrzehnten explosionsartig zugenommen. Grund dafür ist die Deregulierung, also die fortschreitende Abschaffung von gesetzlichen Hindernissen im Finanzwesen. Sie hat dafür gesorgt, dass in dieser rechtlichen Grauzone ein gigantisch großer, fast vollständig unregulierter Raum entstehen konnte.

Profiteur dieser Entwicklung sind in erster Linie die internationalen Großbanken. Sie haben die neuen Regelungen nämlich genutzt, um mit ihrer Hilfe all die Geschäfte abzuwickeln, die ihnen eigentlich untersagt sind. Es gibt heute keine Großbank mehr, die nicht entweder eine oder mehrere Schattenbanken betreibt oder ihr verbotene Geschäfte durch eine Schattenbank erledigen lässt. Umgekehrt sind Schattenbanken häufig Großaktionäre regulärer Banken.

Auf diese Weise ist ein undurchsichtiges Geflecht entstanden, das sich jeder wirksamen Kontrolle entzieht. Stresstests für Großbanken haben angesichts dieser Verflechtung keinerlei Aussagekraft und dienen im Grunde nur dazu, die ahnungslose Bevölkerung von einer Gefahr abzulenken, die durch das Schattenbankwesen entstanden ist und die uns alle existenziell bedroht: Die globale Schuldenlawine.

Noch nie waren Staaten, Unternehmen und Privathaushalte so hoch verschuldet wie in unserer Zeit. Da konventionelle Banken seit der Krise von 2007/2008 kaum noch bereit waren, Kredite zu vergeben, sind die Schattenbanken eingesprungen – und vergeben mittlerweile weit mehr als die Hälfte der von den Schuldnern aufgenommenen Kredite.

Da dieses Geschäft umso lukrativer ist, je weniger Sicherheiten der Schuldner bieten kann, wird ein Großteil des Geldes in Form von Ramschkrediten vergeben, das heißt: an im Grunde kreditunwürdige Staaten, Unternehmen oder Haushalte.

So etwas geht so lange gut, wie die Wirtschaft einigermaßen läuft und die Finanzmärkte keine größeren Einbrüche erleben. Kommt es aber zu einer Rezession – also einem kräftigen Wirtschaftsrückgang – oder zu einem Einbruch an den Börsen, dann ändert sich das Bild. Aus Angst, ihr Geld nicht zurückzubekommen, werden dann die unsichersten Kredite zuerst zurückgefordert – mit der Folge, dass den Märkten Geld entzogen wird, sich Rezession und Börsenturbulenzen verschärfen und es schlussendlich zu einer Rückforderung von Krediten auf breiter Front kommt.

Um gegenzusteuern, blieben den Zentralbanken nur zwei Maßnahmen: die Geldschöpfung und die Zinssenkung. Da beides aber seit der Krise von 2007/2008 bereits extensiv betrieben wurde, wird die Wirkung im Falle der nächsten Krise schnell verpuffen – mit der Folge, dass alle in der Vergangenheit erfolgreichen Rettungsversuche vergebens sein werden.

Die Schaffung des Schattenbanken-Sektors, der das globale Finanzsystem jahrelang am Leben erhalten hat, muss also auf Grund seiner inneren Logik am Ende zwangsläufig zu seinem Zusammenbruch führen.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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4 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Schattenbanken

  1. „Die Schaffung des Schattenbanken-Sektors, der das globale Finanzsystem jahrelang am Leben erhalten hat, muss also auf Grund seiner inneren Logik am Ende zwangsläufig zu seinem Zusammenbruch führen.“
    WIESO? Aufgrund welcher Logik denn? Was soll denn die innere Logik der Schattenbanken sein? Dass es zu einem Zusammenbruch des Finanzwesens kommen kann, soll hier nicht bestritten werden. Aber das ist keine Gesetzmäßgkeit wie das regelmäßige Wiederkehren des Haley`’schen Kometen. Es kann geschehen, ist aber nicht zwangsläufig. Und auch das würde nicht das Ende des Geldsystems bedeuten, sondern nur sein Ende in seiner derzeitigen Form. Im Moment ist noch kein Wirtschaftssystem erkennbar, das ohne ein Geldsystem auskommt. Alles andere sind Wunschträume. Und solche Träume können sehr schnell zu Alpträumen werden. Man denke an die Lage der Menschen in Zypern und Griechenland, als die Bankautomaten plötzlich kein Geld mehr ausspuckten. Das hatte dann auch nicht zu einem „demokratischen“ Geldsystem geführt. Aber die Not und Panik waren gewaltig. Nicht auszudenken, zu welchen gesellschaftlichen Folgen ein Ausfall des Geldsystems führen würde. Die Menschen würden sich die Köpfe einschlagen. Denn das von vielen gering geschätzte und verachtete Geld ist der Blutkreislauf einer jeden Gesellschaft. Es ist ein naives Spiel mit dem Feuer, wenn Idealisten glauben, aus ihren Studierstuben heraus eine Welt schaffen zu können, die nach ihrem Glauben und ihrer Vorstellung eine bessere sein müsste. Meistens fehlt den Idealisten der Sinn für die Wirklichkeit. Denn letztere richtet sich nicht nach den Grundsätzen, die Idealisten für richtig halten. die Wirklichkeit hat ihre eigenen Gesetze, und die gilt es zu erkennen, statt sie glauben durch andere ersetzen zu können, ohne zu verstehen, wie die alte Wirklichkeit eigentlich funktioniert.

    Und was soll ein demokratisches Geldsystem sein? Wie soll es sich vom bestehenden unterscheiden? Wenn Demokratie als Teilhabe und Teilnahme am politischen Gestaltungsprozess einer Gesellschaft verstanden wird, dann ist das Geldsystem genau so demokratisch wie das politische System. Jeder kann daran teilnehmen. Wer ein Wahlrecht hat, kann wählen und sich am politischen Prozess beteiligen im Rahmen der bestehenden Ordnung. Und jeder, der Geld hat, kann sich am Geldsystem beteiligen. Im Gegenteil ist das Geldsystem sogar noch demokratischer als das politische. Denn am politischen Prozess sich zu beteiligen, ist eine aktive Entscheidung. Man geht z.B. wählen oder nicht, man wird Mitglied einer Partei oder nicht. Am Geldsystem ist man beteiligt in dem Moment, wo man über Geld verfügt. Also, was daran ist im Moment undemokratisch. Und was müsste anders werden, damit es demokratischer wird. Das wichtigeste an dieser Frage aber ist, wie wird der Begriff „demokratisch“ verstanden. Erst dann kann man über ein demokratisches Geldsystem reden und sinnieren.
    „Grund dafür ist die Deregulierung, also die fortschreitende Abschaffung von gesetzlichen Hindernissen im Finanzwesen.“ Das ist noch die Frage. Wenn die Regeln im Bankwesen aufgelöst worden wären, was mit Sicherheit für die Zeit vor der Dotcom-Krise stimmte, bräuchte es keine Institute, die versuchen die Regeln zu umgehen. Denn da die Regulierung des Finanzwesen wurde abgebaut wurde, wären die Hindernisse für Finanzgeschäfte nicht mehr so hoch, dass sie über Schattenbanken hätten abgewickelt werden müssen. Vielmehr ist die Zunahme von Schattenbanken eher darauf zurück zu führen, dass die Regulierung nach dem Platzen der Dotcom-Blase und besonders nach der Lehman-Pleite wieder zugenommen hatte. Dafür stehen die Vereinbarungen, die unter dem Begriff Basel 1-3 für das gesamte Finanzwesen geschaffen wurden. Denn nun wurden Geschäfte eingeschränkt, die durch die Basel-Vereinbarungen nicht mehr gedeckt waren.

  2. ja Herr Wolff, eine lehrreiche Serie, ich bin ein treuer Schüler, aber frage michjedesmal: Wie soll das funktionieren mit dem „Demokratischen“ Geldsystem? Wir haben nirgendwo eine Demokratie, kommen wir dann nicht vom Belzebub zum Teufel?ich warte auf den Beitrag „Demokratisches Geldsystem“ oder habe ich es nicht verstanden?

    • Kreditinstitute in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft, oft als Selbsthilfeorganisationen gegründet , verfolgen diese Idee seit mehr als 150 Jahren.

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