The Wolff of Wall Street SPEZIAL: Corona-Pandemie – Hedgefonds und das Ende des Mittelstands (Podcast)

Heute ist Sonntag, der 5. April 2020, und während die Welt wie gebannt auf die Ausbreitung der Corona-Pandemie starrt, ereignen sich im globalen Finanzsystem Dinge von großer Tragweite.

Seit einigen Wochen können wir beobachten, wie Hedgefonds ihre Marktmacht ausspielen und das bestehende System mit Hilfe von Regierungen und Zentralbanken zu ihren Gunsten auspressen, wie sie ihrem größten Konkurrenten – der mittelständischen Wirtschaft – den Boden unter den Füßen entziehen und jede denkbare Maßnahme ergreifen, um vom inzwischen unvermeidbaren Wirtschafts- und Finanzcrash maximal zu profitieren.

Sofern niemand sie stoppt, werden wir sehr wahrscheinlich schon bald erleben, wie die Hedgefonds uns allen – unterstützt von Politik und Zentralbanken – ein auf die Finanzelite und ihre Bedürfnisse zugeschnittenes neues System aufzwingen.

Um die Hintergründe dieses historischen Umbruchs zu verstehen, ist es wichtig, sich von dem zurzeit am meisten verbreiteten und von den Medien am stärksten geförderten Irrtum zu lösen, all das habe ursächlich etwas mit dem neuartigen Corona-Virus zu tun.

Tatsache ist: Die Probleme im Finanzsektor haben lange vor der Pandemie bestanden und hätten auch ohne sie fatale Folgen gehabt. Das Virus dient denjenigen, die den Finanzsektor beherrschen, nur als willkommener Helfer. Es zieht seit einigen Wochen alle Aufmerksamkeit der Menschen auf sich und ermöglicht der Finanzelite so, die eigene Agenda weitgehend ungestört zu verfolgen.

Um diese Agenda zu verstehen, muss man einen Blick auf die jüngere Entwicklung unseres Finanzsystems werfen: Begonnen hat alles mit der Deregulierung, also der fortschreitenden Abschaffung von rechtlichen Einschränkungen für die Banken. Im Zuge dieser Deregulierung wurden Hedgefonds zugelassen, also Vermögensverwaltungen, deren Kundschaft fast ausschließlich aus sogenannten „High Networth Individuals“ besteht – den Ultrareichen dieser Welt.

Diese Hedgefonds dürfen wie Banken arbeiten, unterliegen aber nicht deren rechtlichen Beschränkungen. Ihre Zulassung war ein historisches Geschenk an das Bankgewerbe, denn sie ermöglichte es den Banken, selbst Hedgefonds zu gründen und auf diese Weise alle ihnen auferlegten rechtlichen Einschränkungen zu umgehen.

Das so eingeläutete neue Zeitalter im Finanzsystem wird auch als das „Zeitalter der Heuschrecken“ bezeichnet. Hedgefonds verfolgen nämlich keine festgelegte Strategie, sondern durchforsten das Wirtschafts- und Finanzsystem ständig nach Gelegenheiten, um in möglichst kurzer Zeit möglichst hohe Gewinne zu machen und gehen dabei extrem rücksichtslos vor. Auf diese Weise sind sie seit der Jahrtausendwende immer größer und mächtiger geworden und übertreffen an Finanzkraft heute sogar die Großbanken, die sich mittlerweile zu einem wesentlichen Teil in ihrer Hand befinden.

Diese historisch einzigartige Macht bringt aber auch ein Problem mit sich. Dadurch, dass die Hedgefonds sich einen großen Teil des Systems unterworfen haben, sind sie selbst in hohem Maße von ihm abhängig geworden und das bedeutet: Wenn das System wackelt, dann auch die Hedgefonds.

Und genau das erleben wir gerade.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat es eine Ballung von Krisen gegeben, die das globale Wirtschafts- und Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttert haben. Zunächst hat in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in vielen Ländern eine Rezession eingesetzt. Normalerweise ist das keine Tragödie, aber in diesem Fall ist die Rezession auf ein überaus zerbrechliches System getroffen, das seit etwa 12 Jahren künstlich am Leben erhalten wird.

Dann ist im Januar mit China auch noch der wichtigste Motor sowohl der Weltwirtschaft als auch des Welthandels ausgefallen und hat Liefer- und Handelsketten rund um den Globus unterbrochen. Schließlich hat Saudi-Arabien Anfang März auch noch dafür gesorgt, dass der Ölpreis drastisch eingebrochen ist.

Zusammen genommen waren das drei Schläge, die jedes normale Wirtschafts- und Finanzsystem wie einen Boxer zu Boden geschickt hätten. Da das gegenwärtige System aber wegen der lockeren Geldpolitik der Vergangenheit besonders anfällig ist, gleicht es zurzeit eher einem Boxer, der nicht nur auf die Bretter geschickt wurde, sondern angezählt wird und trotz aller Zurufe seines Trainers vergebens versucht, wieder auf die Beine zu kommen.

Die Rolle des Trainers fällt dabei der US-Zentralbank Federal Reserve zu, die in den vergangenen Wochen und Monaten alles versucht hat, das System zu stabilisieren, deren Bemühungen aber erfolglos geblieben sind und die jetzt nur noch solche Mittel einsetzen kann, die es langfristig zerstören werden. Konkret gesprochen: Die FED ist gezwungen, immer mehr Geld ins System zu pumpen, obwohl diese Geldflut mit Sicherheit in einer Hyperinflation enden und das bestehende Geldsystem zerstören wird.

Von alledem erfährt die internationale Öffentlichkeit so gut wie nichts. Stattdessen lenken Medien und Politik die Aufmerksamkeit der Menschen ausschließlich auf die Corona-Pandemie und verschaffen den Hedgefonds damit die Gelegenheit, die aktuelle Krise trotz gewaltiger Verluste zum eigenen Vorteil zu nutzen und das taumelnde System mit aktiver Unterstützung der Zentralbanken zu plündern.

Wie sonst erklärt es sich,

  • dass Hedgefonds, die durch hemmungslose Spekulation in Not geraten sind, von den Zentralbanken mit Billionen und Aberbillionen gestützt werden?
  • dass die Federal Reserve und die EZB einen Hedgefonds – nämlich BlackRock – als Berater und Organisator dieser Verteilung verpflichtet haben?
  • dass große Teile des Mittelstandes durch den Shutdown vorsätzlich ruiniert und vor die Alternative gestellt werden, entweder Konkurs anzumelden oder sich Plattform-Unternehmen anzuschließen, hinter denen große Hedgefonds stehen?
  • dass von Hedgefonds getragene Großkonzerne wie Amazon trotz Shutdown weiter arbeiten, Neueinstellungen vornehmen und riesige Gewinne einfahren dürfen, während Kleinunternehmern die Berufsausübung untersagt wird?
  • dass Konzerne, die ihre Aktienkurse in der Vergangenheit durch Aktienrückkäufe in die Höhe getrieben und den Hedgefonds dadurch Riesensummen eingebracht haben, jetzt Milliardenhilfen aus Steuergeldern erhalten?

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und würde immer wieder zur gleichen Erkenntnis führen: Keine dieser Maßnahmen dient der Mehrheit der arbeitenden Menschen und keine trägt dazu bei, das gegenwärtige System zu stabilisieren. Im Gegenteil: Die Maßnahmen beschleunigen seinen Untergang und verhelfen denjenigen, die es zurzeit plündern, dazu, bei seinem Neustart in der ersten Reihe zu stehen.

Da dieser Neustart aber mit Sicherheit Massenarbeitslosigkeit, das Ende großer Teile des Mittelstands, eine drastische Senkung des Lebensstandards der Bevölkerungsmehrheit und eine weitere Explosion der sozialen Ungleichheit mit sich bringen wird, muss man auf Seiten der Betroffenen mit Widerstand rechnen und – als Antwort darauf – von Seiten der Politik mit repressiven Maßnahmen.

Es sollte einem zu denken geben, dass genau solche Maßnahmen – Kontaktsperren, Versammlungsverbote, Reisebeschränkungen und Grenzschließungen – bereits eingeführt worden sind – unter dem Vorwand des Schutzes der Bevölkerung vor einer Pandemie, bezeichnenderweise aber von genau den Politikern, die in der Vergangenheit alles dafür getan haben, unsere Gesundheitsversorgung durch immer neue Sparmaßnahmen zu untergraben.

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Ein Kommentar zu: “The Wolff of Wall Street SPEZIAL: Corona-Pandemie – Hedgefonds und das Ende des Mittelstands (Podcast)

  1. Seit längerem schwebt mir diese Idee im Hirn, einmal auf zwei Seiten die Disruptionen zu notieren, die mit dem Virus und den betreffenden Massnahmen verbunden sind, jetzt halt als Kommentar.

    Beginnen möchte ich damit, dass das Natomanöver Defender vorerst abgebrochen wurde! Naturlich wäre ersatzloses Streichen besser gewesen, aber immererhin (++)
    Es fällt auf, dass das noch im Januar geschmähte China die Corona Krise vergleichsweise gut weg gesteckt hat, sogar um Hong Kong ist es ruhig geworden. Statt dessen haben die USA mit dem "Wuhan Virus" ziemlich zu kämpfen und schlagen um sich. Sogar Verbündete wie Brasilien aber auch Frankreich werden vergrault, indem die USA bestelle Ware zu Kampfpreisen wegkaufen und damit zu Vertragsbruch anstifften, wobei sie offenbar die Strafen in den überhöhten Preis einkalkulieren. Der Zweck heiligt hier wohl die Mittel, mal sehen, wie die "westliche Wertegemeinschaft" und letztlich auch die hirntote Nato das Ganze überlebt.

    Das da ausgerechnet Brasilien düppert wurde, das noch jüngst beim Putsch gegen Evo Morales für die USA die Strippen gezogen, dürfte noch den USA noch sauer aufstoßen. Dies zumal Brasilien bei der Entwicklungsbank der Shangheier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) mit von der Partie ist und so mithilft das US dominierte Weltfinanzsystem infrage zu stellen.

    Es wurde zu Anfang der Krise spekuliert, ob China hier durch Biologische Waffen getroffen werden sollte. Kann sein, wer andern eine Grube gräbt….

    Ich will nicht falsch verstanden werden, es gibt eine ganze Negatives zu bilanzieren, der Krieg gegen das Bargeld feiert Urstände, Google Liefert erste Bewegungsprofile, immerhin ist die Überwachungsapp nur freiwillig.
    Die Mahnwachen zur Freilassung von Julien Assange finden nicht mehr statt und dies isteine Katastrophe, zumal auch die zuletzt immerhin auch einmal kritsche Berichterstattung in den Systemmedien zugleich damit kassiert wurde. Ich will mich jetzt nicht verzetteln, das öffentliche Leben liegt in der Agonie und kritische Berichterstattung hat es schwer, schwerer noch als sonst. Man kenne keine Parteien mehr heisst es (in einem Interview Christian Lindner quasi in den Mund gelegt), bei solchen Tönen muss man aufhorchen.

    Immerhin forderte Hubertus Heil dieser Tage den Gesundheitsminister Jens Spahn auf, die kleinen Krankenhäuser auskömmlich zu finanzieren, so dass sie ihrer Aufgabe nachkommen können. Bei dem Wort wird man die SPD nehmen müssen, ob was bringt wird man sehen müssen. Die Bertelsmann Studie, die nachweisen wollte, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gebe, hatte Spahn noch mit folgenden Worten kommentiert: "Nicht jeder muss alles machen!". Also eher keine Krankenhäuser der Maximalversorgung auf dem Land, puh, diese Rumpfkrankenhäuser hätten dann eher keine Intensivstation und auch keine Beatmungsplätze, da haben wir aber noch mal Glück gehabt. Ganz schön disruptiv, dieser Virus entlarvt die neoliberalen Lebenslügen, lüpft die knapp gesparte Finanzierungsdecke der öffentliche Daseinsvorsorge – und macht Krankenhäuser plötzlich systemrelevant. Die Gelegenheit wäre da, die Angelegenheit jetzt von Kopf auf die Füsse zu stellen. Neugierig sein alleine ist zu wenig, wir werden es fordern müssen!

    Nur, dazu müssen wir einig sein und etwa um unsere Kreiskrankenhäuser kämpfen. Es gibt viele Argumentationsketten rund um die Einschränkungen und Überwachungsphantasien rund um Corona, da entsteht schon mal Streit vor allem dann, wenn die Bedrohungslage unterschiedlich gesehen wird. Weil der Satz wichtig ist, wiederhole ich ihn: Wir müssen einig sein und um unsere Kreiskrankenhäuser kämpfen, sonst wird es schwierig im Land und prekär.

    Und die Zeiten werden ohnehin nicht einfach, wenn diese Kriese bezahlt ist, werden wir alle ärmer sein. Denn all dieses Geld, dass jetzt in die Hand genommen wird um die Kriese zu bezahlen, wird auf die Preise drücken. Denn Geld das keine Waren kauft, bezahlt nichts, es zockt nur-damit ist es jetzt vorbei.

    Zum Schluss erzähle ich eine Geschichte, mehr nicht, denn ich war nicht dabei, weder bei den Bilderbergern noch beim Weltwirtschaftsforum. Es ist ja spätestens seit der Finanzkrise 2008 klar, dass die Schuldenkrise nicht gelösst, sodern in die Zukunft verschoben wurde. Es wurde Zeit gekauft. Und das was heute Zukunft ist, wird morgen Gegenwart genannt. Wie, so hätte man bei den Bilderbergern und beim Weltwirtschaftsforum gefragt, wie bekommen wir es hin, dass dieser Systemzusammenbruch in geordneten Bahnen verläuft ohne Plünderungen und unschöne Szenen auf der ganzen Welt. Wer soll das Ganze orchestrieren, bis am Ende eine Weltwährungsreform ein logischer, wenn auch schmerzlicher Schritt ist. Denn z.B. 210 % des BIP sind als Schulden nicht tragbar, nach einer Währungsreform von 3:1 verbleiben hiervon aber nur noch 70 %, was immerhin tragbar ist. Wie gesagt, nur eine Geschichte, keiner hat vor hier eine Mauer zu bauen, das ist auch gar nicht nötig: die Preisinflation nach einem Wiederanziehen der Konjunktur erfüllt den selben Zweck.

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