The Wolff of Wall Street: Weltbank

Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Weltbank“.

Mit dem Zweiten Weltkrieg ging eine historische Ära zu Ende: Großbritannien, das die Welt mit seinem Empire mehrere Jahrhunderte lang beherrscht hatte, wurde durch die neue Supermacht USA abgelöst.

Zur Festigung ihrer Macht schufen die USA 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods ein neues globales Finanzsystem. Sie erklärten den US-Dollar zur Leitwährung – etwas, dass es vorher noch nie gegeben hatte – und banden alle übrigen Währungen zu festen Wechselkursen an den Dollar.

Außerdem wurde auf dieser Konferenz die Gründung mehrerer Organisationen beschlossen, die zugunsten der neuen Finanzordnung weltweit aktiv werden sollten. Dazu gehörten u.a. der Internationale Währungsfonds IWF und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung IBRD, die später mit vier weiteren Organisationen zur „Weltbankgruppe“ zusammengefasst wurde.

Diese Weltbankgruppe oder kurz Weltbank hat ihren Sitz in Washington, gegenüber vom IWF. Ihr gehören fast alle Länder der Welt an, wobei deren Stimmrecht an die Höhe ihrer Kapitalanteile gebunden ist. Tonangebend sind die USA, die seit der Gründung der Organisation so viele Stimmanteile halten, dass Beschlüsse nur mit ihrer Zustimmung gefasst werden können.

Zwar wurde das System von Bretton Woods mit der Abkoppelung des Dollars vom Gold 1971 und der Freigabe der Wechselkurse 1973 beendet, aber der IWF und die Weltbank – also die beiden wichtigsten Finanzorganisationen der Welt – blieben weiter bestehen.

In ihrer Anfangszeit war die Weltbank vor allem in Europa aktiv und hat den Wiederaufbau finanziert – durch Kredit- und Auftragsvergabe, die vor allem US-amerikanische Banken und Konzerne begünstigten.

Danach hat sich die Weltbank den etwas wohlhabenderen unter den Entwicklungsländern zugewandt und Kredite für Infrastrukturprojekte wie den Bau von Straßen, Brücken, Kraftwerken und Staudämmen vergeben. Durch die Zusammenarbeit mit den oft korrupten nationalen Regierungen wurden diese gefestigt und ihre Länder gleichzeitig in immer stärkere Abhängigkeit von der Weltbank und damit von den USA gebracht.

In den Siebziger und Achtziger Jahren wandte sich die Weltbank dann auch ärmeren Staaten, vor allem in Afrika, zu. Dabei übernahm sie immer stärker die Philosophie des Neoliberalismus und die Konditionalität des IWF. Das heißt: Sie band ihre Kredite an Bedingungen. Hier einige Beispiele dafür:

Die betroffenen Länder wurden gezwungen, ihre Märkte unter dem Schlagwort der „Liberalisierung des Handels“ für internationale Konzerne zu öffnen. Das führte zum Zusammenbruch vieler mittelständischer Unternehmen im Agrar- und Industriebereich, da diese mit den Preisen der übermächtigen Konkurrenz nicht mithalten konnten.

Staatliche Betriebe zum Beispiel im Bereich der Wasser- und Stromversorgung mussten privatisiert, Subventionen, insbesondere bei Nahrungsmitteln oder auch beim Kraftstoff, mussten gestrichen werden.

Dazu wurden Einsparungen im Staatshaushalt verlangt, die zu Entlassungen im öffentlichen Dienst und zu Kürzungen im Sozialbereich, also im Gesundheits- und Ausbildungsbereich, sowie bei den Renten führten.

Die Aufhebung von Beschränkungen für ausländische Investitionen lockte finanzstarke internationale Investoren an, die sich die lukrativsten Marktsegmente sicherten, und die Öffnung des Finanzsektors dieser Länder führte dazu, dass nationale Finanzinstitute von internationalen Großbanken übernommen wurden und ausländische Investoren die Börsen zu beherrschen begannen.

Die Abwertung der Landeswährung zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit führte zu einem Kaufkraftverlust, der vor allem die unteren Einkommensschichten traf, internationalen Finanzprofis aber oft hohe Spekulationsgewinne einbrachte.

All das sind nur einzelne Maßnahmen, aber ihnen allen ist eins gemeinsam: Sie haben vor allem internationalen Investoren genützt, in den Empfängerstaaten durchgehend die Wohlhabenden begünstigt, den Lebensstandard der Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung aber gesenkt und vor allem die Armen und die Wehrlosen hart getroffen.

Darüber hinaus aber haben sich die Empfängerstaaten der Weltbankkredite in einem Netz der Verschuldung verfangen, aus dem es für sie unter den gegenwärtigen Umständen so gut wie keinen Ausweg gibt. Um nicht von den internationalen Kapitalströmen abgeschnitten zu werden, müssen diese Länder sich immer wieder aufs Neue verschulden – mit dem Ergebnis, dass auch in Zukunft mehr Geld aus ihnen heraus als ihn sie hineinfließen wird.

Die Zeit ist reif für ein demokratisches Geldsystem!

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6 Kommentare zu: “The Wolff of Wall Street: Weltbank

  1. Unsere Politik versteht es nicht, dass unsere vermeintliche Marktwirtschaft in Wirklichkeit ein fehlerhafter Debitismus ist.

    Frau Merkel verlangte etwa in 2017 von der SPD eine Absage an rot-rot-grün.
    Es sei keine Zeit für Experimente.

    Dann warf Merkel Trump veraltetes Denken über den Handel vor.

    Jedenfalls hielt auch Ludwig Erhard nichts von einem überbordenden Wohlfahrtsstaat.

    Unser Wirtschaftssystem ist aber mit oder ohne Wohlfahrtsstaat zum Scheitern verurteilt, weil die großen Akteure der Wirtschaft das billige und aus dem Nichts geschöpfte Geld der Banken für lau bekommen, wodurch sie doch auch sehr "wettbewerbsfähig" werden, was dann dazu führt, dass sie dann zwar auch viele Abnehmer finden und eben auch günstige Preise anbieten können. Dies funktioniert jedoch leider nur mit immer schneller ansteigenden Schulden für die breite Bevölkerung, weil die Profite der großen Akteure doch gar nicht anders möglich sein könnten.

    Die Politik nimmt also immer schneller neue Schulden auf, weil auch immer schneller neues Geld benötigt wird, und es ist doch nur die Politik, die diese vielen Schulden überhaupt machen darf und die großen Akteure der Wirtschaft nehmen das meiste von dem neu in Umlauf gebrachten Geld immer schneller ein und es kommt uns insofern so vor, als hätten wir Wohlstand.

    Selbst Friedrich Merz behauptet es, dass unser Wohlstand gefährdet ist, aber die Kanzlerin weiß es doch besser.

    Jetzt wurde doch unsere GroKo jüngst sogar von der N.Y. Times als „Zombie-Koalition“ bezeichnet. Die Kanzlerin sei „unfähig zu handeln und nicht willens zu sterben“.

    Bundeskanzlerin Merkel sei die „lame duck“ – und Emmanuel Macron mache sich auf, um das Führungsvakuum in Europa auszufüllen.

    Jedenfalls sprechen doch unsere Ökonomen, wie auch Hans Werner Sinn, immer wieder von Märkten oder etwa über die Arbeitslosigkeit. Dann spricht er bei seiner Weihnachtsvorlesung 2019 über die CO2-Reduktion oder etwa über den Handel.

    Er kommt übrigens gebürtig aus einem Ort, der nur 9 km von meinem Elternhaus entfernt liegt.

    Anstatt aber wie er ständig von Märkten zu sprechen, müssen wir über Schulden, was Geld doch letztlich ist und über die Schuldensystematik bei unseren vermeintlichen Handelsbeziehungen bzw. über die Unmöglichkeit des späteren Schuldenabbaus nachdenken und dann hätten wir es schnell verstanden, dass die Marktwirtschaft ohnehin gar nicht funktioniert.

    Etwa Makroskop beginnt jetzt zunehmend, etwa auch Gemeinwohlökonomie, von Günter Grzega, in die Themen einzubeziehen.

    In 2016 schrieb Heiner Flassbeck doch noch:
    Der Staat muss in dieser Welt aus logischen Gründen immer mehr Schulden machen, weil er sonst in jedem Augenblick die Wirtschaft destabilisiert und Arbeitsplätze unwiderruflich vernichtet.

    Ebenso tutet die Abgeordnete der Linken, Gesine Lötzsch, ins selbe Horn: "Schuldenbremse sei zur Zukunftsbremse geworden". Bei den Investitionen führe die Bundesregierung mit angezogener Handbremse. Dies sei neoliberal.

    Die Linke schreibt zudem auf ihrer Webseite: "Die Schuldenbremse muss weg!", womit sie es jedoch dokumentiert, dass sie unser Geld nicht versteht.

  2. Der römische Staatsmann Cato soll jede Rede mit dem Satz beendet haben: „Übrigens glaube ich, dass Karthago zerstört werden muss.“ Bei Wolff endet jeder Artikel mit der Behauptung, dass die Welt reif sei für ein demokratisches Geldsystem.
    Um die Notwendigkeit eines solchen Geldsystems, das seinen Idealvorstellungen entspricht, unter Beweis zu stellen, versucht er in jedem seiner Beiträge nachzuweisen, dass das bestehende undemokratisch ist. Dieser Nachweis steht bei seinen Betrachtungen im Vordergrund. Dementsprechend nörglerisch kommen viele seiner Beiträge daher. Da macht er keinen Unterschied zwischen den Entwicklungen in China und seinem Infrastrukturprojekt Seidenstraße und der Weltbank. Alles hat einen „undemokratischen“ Beigeschmack. Wer aber alles an den eigenen Idealvorstellungen misst, wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Denn dazu muss man die Bedingungen herausarbeiten, unter denen Entwicklungen ablaufen.
    Da ist es nicht hilfreich z.B. die Gründung der Weltbank alleine als ein US-amerikanisches Instrument zur Unterdrückung der restlichen Welt darzustellen. „Zur Festigung ihrer Macht schufen die USA … ein neues globales Finanzsystem“. Natürlich hatten die Amis ihre speziellen Interessen, aber auch all die anderen Staaten, die dieser Weltbank beigetreten sind. Die sind ja nicht alle unter vorgehaltener Waffe gezwungen worden, und die sozialistischen Staaten beteiligten sich gar nicht daran. Und hatten die USA dann auf einmal kein Interesse mehr an der „Festigung ihrer Macht“, als wenige Jahre später das System von Bretton Woods begraben wurde? Das widerspricht der Behauptung, dass es den USA nur um die Festigung ihrer Macht gegangen wäre.
    Es wäre natürlich naiv, den USA bei der Gründung der Weltbank und anderer global wirkender Institutionen ein Helfersyndrom zu unterstellen. Aber es ging um mehr als nur amerikanische Interessen. Europa lag in Trümmern. Und sollte eine Entwicklung vermieden werden wie nach dem 1.WK, so musste ein Wiederaufbauprogramm her, damit der Sozialismus nicht weiter an Boden gewinnen konnte. Denn die Völker der Welt hatten vom Kapitalismus und seinen Kriegen die Schnauze voll. Es ging also um das Überleben des Kapitalismus.
    Im Gegensatz aber zum 1.WK stand in den USA ausreichend Kapital zur Verfügung, um den Wiederaufbau zu finanzieren, denn die US-Kriegsindustrie hatte die Haushalte und Dollarbestände gewaltig aufgebläht. So war also der Wiederaufbau Europas auch ein Investitionsprogramm für die US-Wirtschaft. (Siehe dazu Rüdiger Rauls: Wie funktioniert Geld?). Darin lag auch der Grund für die US-Dominanz beim Wiederaufbau. Sie verfügten über die Geldmittel und auch über eine funktionsfähige Industrie im Gegensatz zu der zerstörten europäischen. Da war nicht nur nicht nur Begünstigung amerikanischer Banken und Konzerne im Spiel. Denn nach dem Wiederaufbau Europas kehrte sich die Investitionstätigkeit um. Wieso haben die USA das dann nicht verhindert, um ihre begünstigte Stellung zu halten? Die Exporte besonders der wieder erstarkten deutschen Wirtschaft in die USA nahmen stärker zu als umgekehrt. Heute exportieren Deutschland und die EU mehr nach Übersee als umgekehrt.
    In dieser Veränderung liegt auch die Änderung des Investitionsschwerpunkts begründet. Europa brauchte kein Geld mehr von der Weltbank. Aber die Bilanz der Weltbank war angewachsen und suchte nach Investitionsfeldern.
    Schwellenländer kamen nun in den Genuss dieser Gelder. Dass die Fortschritte nicht so hoch waren wie in Europa, liegt nur in zweiter Linie in den von Wolff angeführten Gründen. Bei ihm hören sich diese erfolglosen Bemühungen an wie der hinterhältige Plan von „korrupten nationalen Regierungen“, die in Tateinheit mit Weltbank und USA nichts anderes im Sinn haben, als die eigene Bevölkerung in Armut und Abhängigkeit zu halten. Dazu hätten sie sich aber nicht von der Weltbank Geld leihen müssen. Armut bestand auch ohne die Weltbank und die USA. Das Problem dieser Staaten war vielmehr ihre Rückständigkeit und eine Vorstellung von Entwicklung, die für uns heute fremd ist, damals aber nicht nur von diesen Völkern sondern auch von den westlichen Staaten geteilt wurde. Alle glaubten, dass es ausreicht, moderne Werke in diesen Ländern zu errichten, um damit dann wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Erst später kehrte die Erkenntnis ein, dass moderne Werke nicht von Analphabeten bedient werden können. So baute Afhganistan den Helmandstaudamm in der guten Absicht, damit neues Ackerland für seine wachsende Bevölkerung bereitstellen zu können. Das Projekt wurde auch von der Weltbank unterstützt, weil man darin eine sinnvolle Lösung sah (Siehe dazu Rüdiger Rauls: Die Entwicklung der frühen Gesellschaften). Aber niemand hatte damit gerechnet, dass der Staudamm zu einer Versalzung der Böden führen würde. Heute wüsste man das und würde vorher Machbarkeits-Studien darüber anstellen. Afghanistan saß auf den Schulden und konnte nicht die Erträge aus der Landwirtschaft heben, um die Kosten des Projekts abzutragen. Und solche Fälle gab es oft in den Entwicklungsländern. Das hat aber nichts mit korrupten Eliten zu tun. Das ist die Sichtweise westlicher, intellektueller Eliten, die geprägt sind vom idealistischen Denken und nicht von der Wirklichkeit.

  3. Lieber Herr Wolff,

    abermals vielen Dank für Ihre kompakten Erläuterungen!

    Diese sind einerseits wirklich erhellend, würden sie nicht andererseits gleichzeitig das üble Dunkel beleuchten.
    Dennoch: Bitte auch weiterhin mehr Informationen.
    Da halte ich es ausnahmsweise mal gerne mit dem altbekannten "Fishermans Friend" Werbeslogan: "Sind sie zu stark, bist Du zu schwach."
    Jeder kann mit Ihren Informationen etwas anfangen, etwas tun, wenn auch zunächst evtl. nur im Kleinen.

    Die Zeit ist wahrlich überreif für ein demokratisches Geldsystem. Denn jede "Stimme" – damit jedes Verhalten – zählt (noch), solange es "die Demokratie" gibt.
    Die ist aber eben keine "heilige Kuh", die in ihrer Existenz konsensuell in Ruhe gelassen wird.
    Ich denke, dass das Bargeld deswegen auch als letzte Bastion des direkten, autarken Verhaltens vernichtet werden soll.

    Aus "Grün" wurde ja auch bereits das Greenwashing, aus den "Grünen" wurden die NATO-olivgrünen Psychopathen (… wobei ich mich schon jetzt bei dem letzten verbliebenen, dem anständigen kleinen Rest der ehemaligen Partei, die mal Panache besaß, entschuldigen möchte). "Sozial" ist heute asozial.

    Und kaum keiner merkt, wie wir hinterlistig umgeframed, auseinander dividiert werden.
    Speziell die gebildeten, arroganten Idioten dieser Republik fallen auf die vermeintliche politische "Korrektheit", par Orde du Mufti (den Unbekannten), nur zu gern herein. Man weiß ja tagtäglich immer, was "geht", was "angesagt" ist! … aber kapieren, was uns damit langfristig betrachtet tatsächlich eingerührt wird, will keiner.

    Geld will auch weiterhin die Welt regieren.

    Wissen und Verstehen werden entmagnetisiert … die Ströers & Konsorten in dieser Welt sorgen dafür. Und sogar die zwangsgebührenfinanzierten ÖR-Sender würgen die selbe üble Framing-K0tze über uns aus. Finde den Fehler: Es ist zwar K0tze, die riecht aber nicht mehr danach, toll. Also, Mahlzeit!

    Horror. 1984 ist 35 Jahre her. 1948 mehr als 70 Jahre her.
    Alarmstufe Rot.

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