KenFM im Gespräch mit: Tommy Hansen (Free21.org)

Am 18. August 2018 verstarb der dänische Journalist Tommy Hansen nach schwerer Krankheit. Anlässlich seines Todes möchten wir auf ein Interview hinweisen, das KenFM im Dezember 2014 mit ihm geführt hat.

Tommy Hansen war Gründer der Internetplattform Free21.org. In seinem Kampf für freie und unabhängige Medien setzte er sich insbesondere für eine Aufklärung der Ereignisse um die Anschläge am 11. September 2001 ein. Mit Tommy Hansen verliert der freie investigative Journalismus einen großer Mitstreiter in der Medienrevolution. Das Projekt Free21 wird weiterleben!

Anmoderation zum Interview:

Bevor der Otto-Normal-Bürger etwas wirklich glaubt, will er es schwarz auf weiß lesen. Diese Feststellung, so simpel sie klingt, ist elementar, denn sie lässt erkennen, dass es weniger die Nachricht selber ist, der der Leser vertraut, als eher das Medium, auf dem diese Nachricht kommuniziert wird. Das Medium ist die Botschaft, wusste schon Marshall McLuhan. In unserem Fall genießt bedrucktes Papier die höchste Stufe der Glaubwürdigkeit. Daran konnte auch weder das Radio, das Fernsehen oder noch aktuell das Internet etwas ändern.

Letzteres unterscheidet sich dann im Wesentlichen von seinen vorherigen Pressekanälen dahingehend, dass das Netz keine Einbahnstraße ist. Es gibt immer eine direkte Rückleitung zwischen Verfasser und Konsumenten einer Nachricht. Dieses Feedback wird dann in Echtzeit erbracht, was nicht nur Vorteile hat.

Das Netz ist extrem Schnelllebig. Diese Schnelllebigkeit hat den Journalismus als solchen verändert. Die Zeit für Gegenrecherche wird zunehmend knapper. Immer häufiger nehmen auch etablierte Nachrichtenmagazine in ihren Onlineausgaben grobe Fehler billigend in kauf, nur um eine Top-Nachricht noch vor der Konkurrenz melden zu können. Nachrichten sind zum Geschäft geworden. Was aber sagt das Wort Nachrichten im Kern aus?

Eine Nachricht ist eine Information, nach der ein Mensch sich richten kann. Sie gibt vor, verbindlich zu sein. Der Wahrheit zu entsprechen. Im Netz ist das leider oft nicht der Fall, und so wundert es nicht, dass klassische Zeitungsleser auch weiter nur glauben, was sie schwarz auf weiß auf Papier lesen können.

Tommy Hansen, ein investigativer Journalist aus Dänemark, hat diesen Umstand erkannt und sich die Frage gestellt, ob es nicht möglich sein sollte, auch das Internet auszudrucken. Natürlich nur in Teilen.

Um diese Idee zu verwirklichen, gründete Hansen das Presseportal Free21.org. Hier werden zahlreiche Artikel zu unterschiedlichsten Themen von den verschiedensten Autoren nicht nur in diversen Sprachen veröffentlicht, sondern vor allem in einer Form präsentiert, dass sie im PDF-Format jederzeit und von Jedermann ausgedruckt werden können. Alles, was man benötigt, ist ein handelsüblicher Din-A4-Drucker.

Tommy Hansen ist nicht nur Journalist, sondern auch Schriftsetzer, und so hat er das weltweit etablierte und einheitliche Format von Zeitung für Free21.org adaptiert.

Netzbeiträge auf Free21.org sehen aus wie in einer Zeitung. Umbrüche, Schrifttyp, Spalten und Fotos. Alles so vorhanden, dass es dem Leser vertraut erscheint. Ein später so auf Papier ausgedruckter Artikel genießt eine völlig andere Glaubwürdigkeit bei der Durchschnittsbevölkerung.

Wir trafen Tommy Hansen erneut. Diesmal in Berlin, denn er hat für seine Idee Dänemark verlassen, um in der deutschen Hauptstadt die ersten Ausgaben eines eigenen Magazins zu realisieren. Ein Magazin, dass Netzbeiträge haptisch werden lässt, so dass jeder sie auch dann lesen kann, wenn er mal keinen Rechner zur Hand hat. Etwa in einem Café.

Der Journalismus aus dem Internet attackiert seit 2014 den Zeitungsmarkt im Print-Bereich. Eine Entwicklung, die eine Revolution bedeuten kann. Nicht embeddeter Netz-Journalismus macht den alteingesessenen Zeitungen Konkurrenz, indem jeder Bürger zum Drucker und Kiosk zugleich werden kann. Der Informationskrieg geht in eine neue Runde.

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12 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Tommy Hansen (Free21.org)

  1. Im Interview sagt er noch „(…) Also, wir haben so etwas ja noch nicht erlebt, Zensur, aber in Großbritannien gibt es ja bereits (…)“
    und schon erfahren wir von den geplanten Änderungen am Medienstaatsvertrag, mit welchen auch Portale wie dieses gezwungen werden sollen, eine Rundfunklizenz zu BEANTRAGEN. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt diesen Antrag abzulehnen, was einer Zensur gleich käme.
    So schnell kann einen die Wirklichkeit einholen.

    Wir können gegen diese Änderungen Einspruch einlegen und uns noch wehren https://www.rlp.de/de/landesregierung/staatskanzlei/medienpolitik/beteiligungsverfahren-medienstaatsvertrag/kontaktformular/
    und wir sollten dies so vielzählig tun, dass den Verantwortlichen klar wird, dass sie damit nicht unbeobachtet davon kommen.

    Und davon einmal abgesehen, ist es JETZT allerhöchste Zeit, dass wir alternative Zugänge und Strukturen etablieren, so lange das Netz noch frei zugänglich ist.

  2. Ruhe in Frieden. Ich habe immer so ein komisches Gefühl wenn Menschen wie Tommy Hansen, die sich einsetzen für eine bessere Welt, sterben. So wie Hugo Chavez, Krebs heute weiß man es war Mord. Bei 9/11 gibt es eine ganze Liste mit verdächtigen Todesfällen, von Lincoln über Kennedy weiter bis Herrhausen und womöglich auch Haider und Ulfkotte usw.

    WIR können diese Technik nicht anwenden weil wir uns nur selbst zu Mördern machen würden und der nächste Verbrecher schon in den Startlöchern steht, anders herum wird sie aber von den Verbrechen sehr erfolgreich angewendet, wenn jemand wirklich lästig wird und gefährlich oder eben bedrohlich dann wird er beseitigt, so gut wie möglich unauffällig, die Kriege sind da nicht mehr so unauffällig aber ob und wieviele Menschen sterben ist den Verbrechern egal, sie werden dafür ja nicht bestraft.

    • Gefällt mir, Ihr Kommentar, Kodohama.
      Ich möchte lediglich den allerletzen Worten widersprechen: „…sie werden dafür ja nicht bestraft.“
      Seien Sie sicher: die Strafe erfolgt. Der Ausgleich. Die karmische Retribution.

      Ich behaupte das nicht aus einem blinden Glauben oder aus angelernten Konzepten heraus. Ich sage das aus meiner direkten Erfahrung innerhalb des gigantischen Kreislaufes zirkulierender Seelen, die sich immer wiederverkörpern. Mit dem Ablegen des Körpers ist überhaupt nichts an Erlösung erreicht. Gar nichts. Das, was den Körper belebt hat, existiert weiter. Und darüberhinaus nimmt es die Eindrücke und Auswirkungen all seiner Taten mit sich.
      „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sind nicht die Worte es wütenden, rächenden, frühtestamentarischen Gottes.
      Sie beschreiben ein universelles Gesetz, nach dem nichts verlorengehen kann und nichts ungesühnt und unausgeglichen bleiben kann, was von uns angerichtet wurde.
      Mit anderen Worten: Für jede üble Tat an einem anderen Wesen, wir Dir genau dasselbe widerfahren, was Du dem Wesen angetan hast.
      Unwausweichlich!

      Nur in diesem gigantisch großen Rahmen macht das Konzept von Gleichheit und Gerechtigkeit für alle einen Sinn. Innerhalb dieser paar irdischen Jahre, an die wir uns erinnern, findet Gerechtigkeit nicht statt.
      Können wir vergessen.

  3. Das Interview mit Tommy Hansen hat mir 2014 noch mehr die Augen geöffnet. Ein inspiriender Mensch, mit viel Ehrlichkeit, Enthusiasmus & Engagement. Free21.org unterstütze ich seit Langem monatlich, weil diese Arbeit so wichtig ist & ich hoffe, dass sie im Sinne von Tommy Hansen weiter gemacht wird.
    Herzliche Grüße auf die andere Seite, lieber Tommy. Dankeschön. Power to the paper!

  4. Es gibt Gesichter, die nicht den geringsten Zweifel an den menschlichen Qualitäten ihres Trägers zurücklassen.
    Wenn so ein Mensch diese Welt verlässt, ist es traurig, beruhigend und erhebend gleichzeitig, denn er ist ja jetzt erlöst. Er hat es geschafft. Bis dann, Tommy! Vielleicht trifft man sich ja nochmal irgendwo, würd mich freuen!

    • Jou, vielleicht trifft man sich.. irgendwann geht ja jeder diesen Weg..
      Es gibt wenige Tatsachen, die man selber schaffen kann. Tommy Hansen hat meinen Respekt. Viel mehr hab ich ja auch nicht. Nächstenliebe? Hätte sehr wahrscheinlich auch geklappt, wenn wir uns in diesem Leben mal begegnet wären. Vielleicht im nächsten.
      Meinen Respekt hat er. Das hat *er* geschafft. Ganz viel davon. Das ist das einzige, was ich zu geben habe. Ich hab sonst nix.
      Ok, da ist noch Trauer, aber das hilft niemandem.

  5. Danke für die Wiederholung des Interviews!
    Was für ein kluger und angenehmer Mann, warum musste er so früh sterben?!
    Ich bedanke mich für sein wichtiges Lebenswerk und seine hinterlassenen Spuren und wünsche ihm eine gute Reise.

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