TREE.TV 4 mit Gunther Holtorf

Man stelle sich einmal vor, man befindet sich irgendwo im afrikanischen Nirgendwo, nachts fernab jeglicher Zivilisation, in Gesellschaft umhergrasender Nilpferde unter sternenklarem Himmel in der eigens gespannten Hängematte. Man döst friedlich vor sich hin, bis man auf einmal abrupt aus dem Schlaf gerissen wird. Doch nicht etwa durch das nervtötende Geräusch des Weckers – nein, sondern durch den ungebetenen Besuch eines Nachbarn: Einer braungefleckten Hyäne.

Was sich für den normalen Europäer wie der vielversprechende Beginn einer Survival-Doku anhört, ist für Gunter Holtorf nur eine von unzähligen Erinnerungen eines Lebens in der unendlichen Weite der wilden Natur. Kaum vorstellbare 26 Jahre hat Holtorf „on the road“ gelebt. Zusammen mit seiner Frau und „Otto“, einem umgebauten Mercedes 300D, bereiste er mehr Länder als die Vereinten Nationen Mitgliedsstaaten zählen. Von Argentinien über den Kongo bis nach Nordkorea – kaum ein Erdteil, den der gebürtige Göttinger ausgelassen hätte. Noch heute ist „Otto“ das einzige ausländische Fahrzeug, das je die nordkoreanische Grenze passiert hat. Bei Holtorfs Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2014 wies der Tacho des Autos einen Stand von 900.000 Kilometern auf.

TREE.TV steht für Weitsicht. Das Format wurde u. a. dafür geschaffen, um den recht entwurzelten Homo Sapiens des 21. Jahrhunderts auf seine in Vergessenheit geratenen Ursprünge hinzuweisen. Menschen sind Entdecker, Pioniere und Abenteurer. In jedem von uns steckt ein kleiner Vasco da Gamma. Und es könnte sich kein besserer Gast finden als Gunter Holtorf, um uns dies in Erinnerung zu rufen.

Inhaltsübericht:

00:44 Gunther Holtorf – 26 Jahre lang um die Welt

12:52 Über die Lufthansa zum Reisefieber

22:43 Virtuelle Realitäten vs. Realität

46:27 „Otto“ – Ein Haushalt auf Rädern

58:58 Massentourismus und Überbevölkerung

1:12:20 Kuba und Nordkorea – Reisen in die Tabuzonen

1:31:02 Der globale Wandel

1:45:32 Was ist Freiheit?

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14 Kommentare zu: “TREE.TV 4 mit Gunther Holtorf

  1. Dieses Interview macht mich ratlos. Worum geht es hier? Letztlich will Holtorf nicht den Winter in Deutschland verbringen, wenn das Wetter „shitty“ ist. So etwas konnte man vor 30 Jahren ja irgendwie auch machen. Aber was ist heute daran interessant? Ich müsste wohl um die 1000 Jahre alt werden, um Holtorfs Energieverbrauch zu erreichen. Natürlich verbraucht dieses Art des Reisens extrem viel Energie. Das lässt sich in weniger als fünf Minuten ausrechnen. Zwei Personen in einem älteren Einfamlienhaus brauchen pro Jahr etwa 2000 Liter Heizöl (= Diesel). Die 900.000 Kilometermit dem guten Otto entsprechen also rund 45 Jahren Heizen. Hinzu kommt der Energieverbrauch für das Verschiffen, die Flüge und die innerdeutschen Autostrecken. So viel Heizen könnte man wohl nicht mal am Nordpol.

    Was erfahren wir über die Kulturen, die Sitten, die Menschen in den Ländern, die das Ehepaar besucht hat? Nicht viel. Und warum erscheint der Beitrag auf tree.tv? Weiter entfernt von der Idee des nachhaltigen Bauens könnte die Story von Holtorf doch kaum sein.

    Es ist auch völlig abwegig anzunehmen, dass diese Art des Reisens irgendwie günstiger sein könnte als ein Leben zuhause. Vermutlich hat Holtorf sehr gute Konditionen bei den Flügen bekommen. Für Otto Normalverbraucher wäre das kaum zu stemmen gewesen.

    Es ist verständlich, dass Holtorf den Massentourismus bedauert. Aber warum sollten nur Priviligierte solche Reisen unternehmen dürfen? Ich bin gegen Flugreisen. Aber sie sollten auch nicht ein Vorrecht der Reichen sein.

    Warum stellt Ken Jebsen keine kritischen Fragen? Und was genau soll uns das Interview überhaupt sagen?

    • Ist schon o.k., wenn KenFM auch solche Themen bringt, getreu seiner eigenen Devise eines breiten Meinungsspektrums.

      Allerdings kann auch ich mir nicht vorstellen, wie man wirklich etwas „über die Kulturen, die Sitten, die Menschen in den Ländern, die das Ehepaar besucht hat“, erfahren kann, wenn man die ganze Zeit bei seinem Auto bleibt, anstatt Restaurants zu besuchen, die verschiedensten Orte aufzusuchen, zu erwandern und dort auch mal länger zu verweilen, usw. Die sich immer wieder wiederholenden Szenen von Einheimischen in fernen Ländern, die sich johlend um solch ein exotisches Gefährt scharen, das sie noch nie gesehen haben, gleichen sich wohl und müssten einen eigentlich schon bald langweilen.

  2. War das noch eine glückliche Generation, die von Holtorf. Die konnten noch wie die Kinder spielen, einfach mit dem Auto sich 26 Jahre lang auf 900.000 km die Welt ansehen, es sich nett machen, harmlos freundlich mit allen möglichen Leuten unterwegs Kontakte knüpfen in Ländern, von deren Erkundung sie heute abraten müssen, weil es zu gefährlich geworden ist. Nur eine Generation später ist nun alles so furchtbar ernst geworden und mussten wir viel zu schnell erwachsen werden angesichts der Probleme, es ist zum Kotzen.

    • Da ist es gut, wenn Leute wie Holtorf einen gelegentlich daran erinnern, dass es auch noch eine andere Welt gibt als den ganz normalen Horror. Danke KenFM auch dafür!

    • ja citoyen invisible, schon recht aber haben Sie bedacht, aus welcher Zeit diese "glückliche Generation" aufgebrochen ist? Aus Trümmern und Kriegsschuld, gönnen Sie ihnen doch das Aufatmen in Frieden und Freiheit.

  3. Naja, ein bisschen selbstheroisierend….

    war selbst jahrelang in der ganzen Welt und speziell in Afrika (mehr als 20 Länder ebendort) als Naturfilmer unterwegs. Alles halb so gefährlich wie man es schildern kann vor Leuten die das nicht erlebt haben. Speziell die Geschichten über Begegnungen mit wilden Tieren kommen bei uns immer gut an. Logisch, in einer Gesellschaft die nur Hunde, Hauskatzen, Hamster und Tauben kennt erweckt das ein archaisches Reaktionsmuster. Abgesehen davon gibt es die Einsamkeit über hunderte (!!!) Kilometer nicht. Auch nicht in der Wüste. Es sind immer irgendwo Leute unterwegs, die man aber nicht wahrnimmt. Handyempfang ist auch in dünn besiedelten Gebieten fast immer flächendeckend vorhanden. Das Auto der Wahl ist auf jedenfall Toyota Landcruiser, uu. auch Landrover Defender. Mich mit einen Mercedes dort fortzubewegen fiele mir nicht im Traum ein. Deshalb musste er ja auch eine halbe Werkstatt mitnehmen. Bei einem Toyota oder auch Landrover gibts dort ALLES. Hatte oft mechanische Gebrechen. Alle waren binnen Stunden mit Hilfe von Einheimischen so repariert, dass man es in die „Zivilisation“ in eine Werkstatt geschafft hat. Speziell ein dort zwangsläufig hochauffälliger Mercedes ist die beste Garantie, dass er einem nicht gestohlen wird. Die Verhaftetheit mit dem Auto und das Ausschlagen von Einladungen der Menschen dort eben aus diesem Grund ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Gerade das Übernachten in kleinen Guesthouses oder Familien bringt einem die Kultur und das Denken der Leute dort viel näher als im Heck meines Autos zu schlafen und einsam irgendwas zu kochen. Insbesondere kann man sich sicher sein, dass der Gastgeber sich auch für die Sicherheit des Fahrzeuges verantwortlich fühlt. Im Afrikanischen Busch oder der sibirischen Taiga sind abgeschottete 5-Sterne Hotelburgen sowieso eher „dünn gesät“. Das hier verkaufte „im Kontakt mit den Leuten Sein“, indem man im Auto schläft und beim Auto kocht ist genau das Gegenteil. Elektrische Fensterheber um hineingreifende Arme abzuwehren ist sowieso paranoid hoch drei. Wenn man schon davor Angst hat, dann lässt man halt nix in Reichweite dieser Arme rumliegen oder man KURBELT das Fenster hinauf. Klimaanlagen sind generell Luxus, trotzdem haben dort alle Geländeautos eine eingebaut. Es wurde aber nie eine kaputt und das obwohl man mit einem Leihwagen nicht so pfleglich umgeht wie mit seinem „Otto“ – speziell wenn es zum Offroad fahren kommt. Es stimmt, dass das Kartenmaterial der GPS Geräte ungenau ist, logischerweise aber ebenso ungenau wie die Karten, aus denen sie erstellt wurden selbst, aber es gibt viele Funktionen dieser Geräte, die sehr hilfreich sind. z.b. bei Nacht und Regen im Busch um sich nicht zu verirren falls man überhaupt weiterfahren will. Papierkarten hat man sowieso dabei. Die helfen aber unter den obigen Bedingungen überhaupt nicht. Auch das Orientierungsvermögen kann nicht so gut sein, als dass es in speziellen Situationen reicht. Falls man tage- bzw wochenlang in Gebiete fährt, wo es keinen Telefonempfang gibt, hat man als vernünftiger Mensch ein Satellitentelefon dabei und wenns eine Panne gibt ist innerhalb von maximal 1 bis 2 Tagen Hilfe zur Stelle. Natürlich kann man sich den Kick geben, wenn man ein Richtiger Kerl ist 😉 und auf all das verzichten. Wenn man jedoch nicht alleine unterwegs ist, trägt man auch Verantwortung für die Mitreisenden. Ich hatte immer ein Iridium Handy dabei, musste es aber nie benutzen, da alles vor Ort gelöst wurde. Alles in allem ein Abenteuer das nicht sooo aussergewöhnlich ist. Habe einen Bekannten, der Afrika alleine mit dem Fahrrad durchquert hat – allerdings mit Smartphone, also vielleicht gilt das dann ja nicht. Ein anderer Freund fährt gerade mit dem Motorrad alleine diese Tour allerdings sogar noch mit GPS dazu. Komisch nur, dass Ken, der ja sonst extrem gut ist im Einschätzen und Einordnen von Gedanken und Taten, hier nicht über mehr Wissen über Reisen verfügt als ein Otto (!) Normaltourist. Der Kontinent Afrika scheint auch auf ihn besonders zu wirken und wer sich dort eigenständig bewegt ist automatisch ein Abenteurer. Es ist aber nicht so. Wenn man Afrika durchreist und die wenigen(!) wirklich unsicheren Gebiete meidet wo z.b. Bürgerkrieg herrscht, ist das eine ganz normale Angelegenheit, die mit viel Exotik aber nicht zwangsläufig mit Abenteuer verbunden ist. Die hunderten Millionen Menschen, die sich auf diesem Kontinent OHNE einen „Otto“ tagtäglich bewegen sind es auch nicht. Es sind Menschen wie du und ich. Stichwort Menschheitsfamilie. Ein Reise, für die man wirklich Mut braucht, wäre z.B. eine Reise in die eigene Psyche (warum man z.B. mit 50 beginnt, die Welt mit einem Auto (mit elektrischen Fensterhebern wegen der Arme) zu bereisen) und die Erlebnisse auf dieser Reise verdienten das Prädikat „Abenteuer“.

  4. Ein wunderbarer Einblick in ein selbstbestimmtes Leben mit einem konsequenten Blick auf das Positive und Lebendigen, welchen 9 von 10 Menschen im deutschen Alltag gar nicht haben wollen. Leben in Freiheit mit freien Entscheidungen, Mensch und Land erkundend, an der vordersten Linie zum Weltgeschehen, dem eigenen Thema face to face mutig entgegen. Dazu gehört Verantwortung für das eigene Tun, das ausnahmslose akzeptieren von Natur und Leben in all seinen Facetten, reduziert auf ein Töff-Töff und dem Hab und Gut im Fahrzeug.

    Der ökologische Fußabdruck? Geschenkt! Ist es Gemaule und Gemecker auf sehr hohem und auch unverhältnismäßigem Niveau? Würden Produzenten von Konsumwaren, die Familie Holtorf NICHT genutzt hat, die Verantwortung für Rohstoff-Herkunft und Herstellung, die Naturvergiftung durch die Produktion übernehmen sowie die volle Verantwortung für die spätere vollbiologische Abbaubarkeit tragen müssen. Würden Menschen endlich gemeinsam im Frieden leben und 90% aller Militäraktivitäten obsolet sein, wen würde da der ökologische Fußabdruck von Familie Holtorf noch interessieren? Ernsthaft!

    Hat Herr Holtorf die 450 Atomreaktoren weltweit gebaut?
    Hat Herr Holtorf beruflich und später privat Kriege geschürt, angezettelt, Menschen getötet?
    Hat Herr Holtorf die Obsoleszenz erfunden und Produkte auf Massenkonsum getrimmt?

    Eher nicht. Er hat den unglaublichen Mut gehabt und hat ihn noch immer, direkt und ohne Furcht, in die Kräfte der Natur, Land und Ungewissheit hinaus zu fahren. Zu erfahren und erleben, was das Leben und der Planet in tatsächlicher Form und Farbe zu bieten hat. Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, vor Ort zu sein, analog statt digital.

    Das Beeindruckendste ist das schon sehr frühzeitig erkannte Gefühl der Selbstbestimmtheit zu einer Zeit, wo die Kriegsnachwehen noch präsent, Hunger bekannt und der gesellschaftliche Zeitgeist in Perversion auf Hörigkeit und Gehorsam gezüchtet war.

    Das alleine schon ist eine kleine, innere und dennoch riesige Revolution, dessen sich jeder eine Scheibe abschneiden kann. Es ging immer um das Ablegen von Fremdbestimmung, die Übernahme der Verantwortung für das eigene Tun und das Re-integrieren als Teil des Ganzen in die Natur, als Erfahrung und eigene, innere Befreiung.

    Und ja, Menschen vor Ort auf dieser Erde, egal wie arm, sind weit, weit, weit hilfsbereiter und freundlich als jedes Täuschungsmedium in Europa zu vermitteln versucht. Ob in Afrika oder Südeuropa, überall traf ich Menschen, die ganz anders waren als das Bild zuhause vermittelt wurde. Selbst Naturvölker, die für mich in meinem Leben am beeindruckendsten waren, sind ganz anders als ich zuvor angenommen hatte. Mitten im Leben ohne die technischen Hilfskrücken, sprich auf Augenhöhe mit dem Leben ohne technische Vorteile, DAS ist jedem empfohlen erlebt zu werden. Unvergesslich

    ein wertvoller Impuls und danke für das Interview Ken!

  5. Recht interessantes Gespräch mit einem offenbar glücklichen Menschen.

    Sein CO2-Fußabdruck ist aber natürlich eine Katastrophe. Nicht so sehr wegen dem Autofahren, aber wegen den Flügen und Verschiffungen.

    Kann das nun also ein Vorbild sein…? Wohl kaum.

    Kens Appell am Ende zu mehr Selbstbestimmtheit im eigenen Leben kann ich in diesem Zusammenhang auch aus folgendem Grund nicht nachvollziehen: Diese Weltreise war ja nur möglich, weil er schon mit 50 finanziell ausgesorgt hatte, mehr oder weniger.

    • Das Fliegen hat er ja aufgegeben und sein Lebenswandel war sicher in der Summe viel ökologischer als das eines normlen Deutschen. Allein die Einsparung von Heizung und heißem Wasser für die Dusche, aber auch die ganzen Konsumgüter, die wir hier brauchen und auch die Verschiffung der Nahrungsmittel, die zu uns kommen und ihre Kühlung, insbesondere Tiefkühlkost, und vieles mehr. Das alles sind „indirekte ökologische Kosten“.
      Ganz abgesehen von dem Verpackungsmüll, den err nicht braucht. Sind seine Nahrungsmitel von Kleinbauern landschonend hergestellt worden oder auf überdüngten, vergifteten und durch Großmascchinen ruinierten Böden? Das weiß ich nicht.

      Wie Roberto schon schreibt, wäre Hern Holtoffs Art zu reisen mir auch zu weit entfernt von den Menschen. Das ist doch schade, wenn man schon da ist. Aber wenn einem Tiere und Einsamkeit mehr liegen, warum nicht?

  6. Reisen ist der Weg zu sich selbst

    und zum anderen. Wenn man nicht mehr vom jugendlichen Reisefieber und der Gier nach neuen fremden Eindrücken getrieben wird, sondern einfach nur den Horizont erweitern möchte verbindet das Reisen die beiden miteinander Reisenden auf besondere Weise. Wenn man ihn nicht schon hat, scheint mir den richtigen Reisepartner zu finden ein besonderes Glück. Per Anzeige gelungen!

    Schönes Thema und informativ! Danke.

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