Turbokapitalismus

Von Susan Bonath.

Umverteilung nach oben geht weiter: Deutsche Mittelschicht schrumpft so stark wie in den USA.

»Die Einkommensmittelschichten schrumpfen in Deutschland genauso schnell wie in den USA.« Dies ist weder eine Horrormeldung der Linkspartei noch eine Warnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Nein, ausgerechnet die neoliberale Ideenfabrik DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) konstatierte jetzt in einer Studie [1] das wenig Überraschende: Während die Einkommen einer kleinen Gruppe Reicher wachsen, rutscht ein immer größerer Teil der Mittelschicht ab.

In der DIW-Studie verglichen die Autoren des Papiers, Markus M. Grabka, Jan Goebel, Carsten Schröder und Jürgen Schupp vom DIW Berlin, sowohl die Höhe mittlerer Einkommen sowie deren Anteil am Gesamteinkommen in Deutschland und den USA. Danach sank der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung seit 1991 in beiden Staaten um sechs Prozent.

Als Mittelschicht deklarieren die Forscher Bezieher von Erwerbseinkünften, die 67 bis 200 Prozent des mittleren Einkommens betrugen. Als letzteres ermittelten sie den Durchschnittswert aller Brutto-Haushaltseinkommen pro Jahr, inklusive Renten und Sozialleistungen. In Deutschland hätten danach alle Menschen im Jahr 2013 im Schnitt 29.500 Euro verdient. In den USA habe dieser Wert 2014 bei rund 74.000 US-Dollar (knapp 65.000 Euro) gelegen. Dieser hohe Wert sei den noch größeren Vermögen und Einkommen einiger Superreicher geschuldet.

Die Armutsschwelle wird hingegen in den USA niedriger beziffert als in der BRD. 2013 galt dort als arm, wer als Alleinstehender mit weniger als 11.500 US-Dollar (gut 10.000 Euro) netto übers Jahr kommen musste. Davon sind derzeit knapp 50 Millionen US-Bürger betroffen, also 15,6 Prozent der gut 321 Millionen US-Bürger. In Deutschland lag der Prozentsatz derer, die unterhalb der Armutsschwelle lebten, im vergangenen Jahr laut Paritätischem Wohlfahrtsverband mit 15,4 Prozent fast genauso hoch. Hier gilt als arm, wer als Alleinstehender über weniger als 11.767 Euro jährlich (980 Euro monatlich) netto verfügt.

Dabei wird in beiden Ländern von Jahr zu Jahr mehr produziert. In Deutschland stieg das Bruttoinlandsprodukt von 1991 bis 2015 von 1,58 auf 3,03 Billionen Euro. Auf jeden der 81,6 Millionen in der BRD Lebenden – vom Säugling bis zum Rentner – kämen davon 37.100 Euro. Allerdings: Laut einer Untersuchung desselben Instituts (DIW) vom September 2015 verfügen die 40.000 reichsten Familien über etwa 17 Prozent des Gesamtvermögens. Das obere eine Prozent – 800.000 Menschen – besitzen 33 Prozent des Reichtums. Die ärmere Hälfte in Deutschland (über 40 Millionen) geht hingegen mit einem Anteil von gerade noch 2,5 Prozent fast leer aus.

In den USA kletterte das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2006 und 2015 ebenfalls, und zwar von 14 auf 18 Billionen US-Dollar beziehungsweise von 12,27 auf 15,78 Billionen Euro. Demnach kommt auf jeden US-Bürger ein erwirtschafteter Wert von 56.000 US-Dollar, umgerechnet etwa 49.100 Euro.

In der Bundesrepublik, so vermeldete das DIW, seien vor allem eingebürgerte Migranten aus der Mittel- in die Unterschicht gerutscht. Die Forscher resümierten, der »in den vergangenen Jahren zu beobachtende Beschäftigungsabbau« habe »nicht zu einer Stabilisierung der mittleren Einkommen beigetragen«. In den USA seien insbesondere Zuwanderer aus Lateinamerika abgestiegen, und dies durchschnittlich zum Teil viel drastischer als in Deutschland. »Weiße US-Bürger schafften hingegen überdurchschnittlich oft den Sprung in die Gruppe hoher Einkommen«, so die Studienautoren.

Damit sank in beiden Ländern auch der Anteil der mittleren Einkünfte am Gesamteinkommen. In den USA lag dieser laut DIW im Jahr 1980 bei 60 Prozent, 1990 bei 54 Prozent und schließlich 2014 bei nur noch 43 Prozent. In Deutschland schrumpfte der Lohnanteil der Mittelschicht demnach von 67 Prozent im Jahr 1991 um ebenfalls über zehn Prozent.

Die Vermögenden steckten sich hingegen jährlich immer mehr ein, in den USA zuletzt 49 Prozent. In Deutschland kassierten die Reichen 2013 demnach etwa 33 Prozent aller Einkommen, 1991 waren es noch 23 Prozent. In beiden Ländern, so die Forscher, seien vor allem 30- bis 44jährige aus der mittleren Einkommensklasse herausgefallen. In der BRD habe die Mittelschicht seit 1983 um 15 Prozent abgenommen. »Auffällig ist, dass der Bevölkerungsanteil der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren in den unteren Einkommensschichten zunahm.«

Die Umverteilung von unten nach oben beschränkt sich allerdings nicht nur auf die beiden Exportnationen USA und Deutschland. Sie ist so global, wie der Turbokapitalismus. Laut Statistik lag das weltweite Bruttoinlandsprodukt 2015 bei 74,5 Billionen US-Dollar, umgerechnet rund 65,34 Billionen Euro. Danach käme auf jeden der ungefähr 7,4 Milliarden Erdenbewohner ein erwirtschafteter Wert – also alle verfügbaren Produkte und Dienstleistungen – von 10.100 US-Dollar (8.860 Euro) pro Jahr. Im Jahr 2005 lag das globale BIP noch bei gut 47 Billionen US-Dollar (41,2 Billionen Euro). Damals leben zirka 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde, auf jeden von ihnen wären bei gleicher Verteilung 7.200 US-Dollar beziehungsweise gut 6.300 Euro entfallen.

Dennoch: Laut der UN-Organisation »World Food Programme« leiden noch immer 800 Millionen Menschen unter akutem Hunger. Jährlich sterben etwa 3,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung. Die Organisation geht davon aus, dass weltweit jedes vierte Kind chronisch mangelernährt ist.

Andersherum besitzen laut einer Oxfam-Studie die 62 reichsten Menschen so viel wie die ärmere Hälfte der gesamten Weltbevölkerung (KenFM berichtete). Das reichste eine Prozent, also 70 Millionen Menschen, verfüge über mehr Reichtum als die restlichen 99 Prozent zusammen – laut Oxfam Tendenz steigend. Zudem hätten neun von zehn Großkonzernen Niederlassungen in einer Steueroase, heißt es weiter. Das koste alleine die afrikanischen Staaten jährlich 14 Milliarden Dollar. Mit diesem Geld, so Oxfam, »ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen.«

Quelle: [1] https://www.diw.de/de/diw_01.c.100319.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen.html?id=diw_01.c.533184.de

 

Kommentar

Bonzen enteignen!

Um zu merken, dass die Mittelschicht in Deutschland schrumpft, braucht es keine gutbezahlten Ökonomie-»Experten«. Wer ab und an in Großstädten an Bahnhöfen, Parks und unter Brücken entlang spaziert und die wachsende Zahl an Bettlern und Obdachlosen nicht registriert, kann nur blind oder ignorant sein.

Letzteres scheint bei der politischen Klasse der Fall zu sein. Und die «Superkoalition« aus CDU, CSU und SPD schraubt munter weiter an der Umverteilungsspirale: Hartz IV wird verschärft, EU-Zuwanderern wird jeglicher Zugang zu Sozialleistungen gestrichen, anerkannte Flüchtlinge sollen zwangsintegriert und in Ein-Euro-Jobs versklavt werden, der Mindestlohn wird ein Minilohn bleiben, Schwangere sollen bald bis 22 Uhr und sonntags arbeiten »dürfen«, Behinderte sollen weiterhin für die ihnen zuerkannten notwendigen Hilfen zur Bewältigung des Alltags bis in die Nähe des Sozialhilfesatzes geschröpft werden, das Rentenniveau sinkt weiter bis auf 43 Prozent und die Reichen freuen sich weiterhin über niedrige Spitzensteuersätze.

Jedem, der noch mehr als drei Gehirnzellen hat, sollte klar sein, dass die Umverteilung indes nur gestoppt werden kann, wenn die Vermögenden zur Kasse gebeten werden. Natürlich geht das über hohe Erbschaftssteuern auf leistungslos weitergereichte milliardenschwer Besitztümer und Unternehmen. Dringend müssen die Abgaben auf Kapitalerträge heraufgesetzt und eine hohe Vermögenssteuer eingeführt werden.

Viele werden jetzt schreien: Das sei Enteignung. Aber ohne Enteignung wird es nicht gehen. Nebenbei: Vermögen gerecht zu verteilen, käme auch im Kapitalismus den Besitzenden zu Gute: Denn was haben die Konzernherren davon, wenn die Zahl der Armen wächst und immer weniger ihr Zeug überhaupt kaufen können? Genau, nichts. Und das erleben wir zurzeit: Der Kapitalismus krankt an einer permanenten Absatz- und damit Überproduktionskrise. Dies führt, das wissen wir aus der Geschichte, früher oder später zu großen Kriegen, in denen es um nichts anderes geht, als darum, neue Märkte und Ressourcen zu erobern. Und um weitere Gewinne durch Rüstungsexporte in alle Welt.

Das Problem ist aber noch ein anderes: Ein derzeit wieder in vielen Ländern zu beobachtender Drift nach rechts. Das heißt: Apologeten, die einfache Feindbilder liefern, haben leichtes Spiel bei vielen Wütenden. Was früher für den christlichen Abendländler »der Jude« war, sind heute Muslime, Araber oder Ausländer allgemein. Vergessen wird, dass die Christenheit in der Geschichte die grausamsten Verbrechen begangen hat, von brutalen, eigens angezettelten Glaubenskriegen bis hin zur Hexenverbrennung.

Böse könnte man attestieren: Die Unterschicht lässt sich mal wieder gegen die Unterunterschicht aufhetzen. Sie schreit mit im AfD-Chor nach mehr Polizei und mehr Militär und liegt einer Partei zu Füßen, die behauptet, eine »Alternative« zu sein, in Wahrheit aber die Erbschaftssteuer komplett abschaffen und die Vermögen der Superreichen nicht mal ein bisschen antasten will. Und bei Pegida und Co ereifert sich die von Abstiegsangst gebeutelte Mittelschicht über eine Kanzlerin, die so austauschbar ist, wie ein Paar Winterhandschuhe. Und dann sei noch die »Lügenpresse« schuld, die tatsächlich eben nur ein Produkt der fortgeschrittenen Kapitalakkumulation (die macht auch vor Verlagen nicht halt) ist.

So verständlich Wut und Angst sind, so richtig die Einschätzung ist, dass die Verteilungskämpfe am unteren Ende mit den Flüchtlingsströmen wachsen werden, so abstrus ist der Glaube daran, in einem globalen Markt könne durch Nationalismus und Abschottung irgendwas verbessert werden.

Letztendlich gibt es nur einen Weg: Die Bonzen gehören enteignet. Die Wertschöpfung darf nicht länger in den Händen von Privateignern bleiben. Das Produzierte muss, wie die Arbeit, gerecht verteilt werden. Ansonsten wird es kein Ende der Kriege geben. Ansonsten geht der Kampf um Besitz und Marktbeherrschung weiter. Und ein dritter Weltkrieg würde uns alle treffen, arm und reich gleichermaßen.

 

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

23 Kommentare zu: “Turbokapitalismus

  1. Bei Marx findet sich in der „Kritik des Gothaer Programms“ der treffende Satz, dass Steuern der Motor der Regierungsmaschinerie „und von sonst nichts“ seien. Damit hat er recht. Die Interpretation, dass Steuereinnahmen für soziale Zwecke, für Subventionen und den Ausbau des öffentlichen Sektors herangezogen werden können, wird dadurch nicht falsch. Starke sozialdemokratische und Arbeiterparteien haben es aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht hinbekommen, die horrende Ungleichverteilung der Vermögen abzuflachen. Selbst Schweden, das lange als Musterland der wohlfahrtstaatlichen Umverteilung galt (inzwischen ist das aber auch überholt) konnte die Vermögenskonzentration nie nennenswert absenken. Gleichwohl ist die Perversion, die heute in den USA vorherrscht, in der das vermögendste eine Prozent der Sozialhierarchie über beinah 80 Prozent der gesamten Privatvermögen verfügt nur durch eine drastische Besteuerung zu nivellieren. Roosevelt gelang indes nur am Vorabend des Zweiten Weltkriegs eine enorme Erhöhung der Grenzsteuersätze in der persönlichen Einkommensteuer sowie der Erbschaftsteuer. Damals wurden sogar Schwellenwerte eingeführt, ab der jeder Dollar sofort an den Staatshaushalt zu fließen hatte.

    Prinzipiell sollte man zwar differenzieren in der Analyse, in der Polemik stimme ich Frau Bonath aber zu. Ein Satz „Enteignet die Bonzen“ ist als Parole zumindest gut brauchbar, er regt die Diskussion an. Dabei darf man sich nicht wieder von den bezahlten Lakaien aus Industrie und Wirtschaft (z.B. IW Köln, Stiftung Familienunternehmen usw.) die argumentative Butter vom Brot nehmen lassen. Die steuerpolitische Umverteilung ist im Grunde eine Rückverteilung der Enteignung, die im Betrieb und während des Produktionsprozesses stattfindet. Über Steuern kann sich die lohnarbeitende und arbeitslose gewordene Gesellschaft etwas von dem zurückholen, das sie selbst geschaffen hat. Dabei muss Steuerpolitik stets von der Lohnpolitik flankiert werden. Besonders gilt das in Deutschland, wo der Binnenkonsum durch eine äußert starke Exportorientierung geschliffen worden ist. Und ja, wer die Obdachlosen, Flaschensammler, Cipher usw. nicht sieht, der muss tatsächlich durch den Alltag schlafwandeln. Aber es gibt sie wohl noch: die wohl behüteten kleinen Sozialräume, in der es homogene Innenstädte gibt, die nichts anderes kennen als denselben Bierkeller, das alte Sägewerk, das Metallunternehmen und die Reihenhaussiedlung. In diesen Regionen kann sich Schwarz-rot noch immer problemlos mit Grün-schwarz abwechseln, wenn nicht blau der Dauerzustand ist.

    @ Der Souverän: Absurd ist, dass in Fragen der Umverteilung sofort die Arbeitgeberdenke durchkommt: „Ja, da kann man nichts machen. Steuern dürfen nicht erhöht werden.“ Mit dem AfD-Steuerprogramm, in dem Papst Kirchhof hofiert wird, dürfte dabei genau das richtige Votum gegen Erbschafts- und Vermögensteuer und für einen Abbau der Sozialabgabenquote getroffen werden.

    @ Michaela

    Ich würde behaupten, dass der Staat noch ganz gut funktioniert, erst recht dann, wenn er entscheidet, seine Grenzen nicht protektionistisch abzuschotten. Was er im Loblied auf den Freihandel seit 100 Jahren fährt, hat mit dem freien Personenverkehr ja nur seine Vollendung gefunden. Zu dessen Anwalt muss man sich nicht machen, aber „Merkel“, Grenzen und Umverteilung in einen Hut zu schmeißen, bedarf schon gewisser Anstrengungskraft. Richtig ist, dass die Parteien, die Regierungen wie die von Merkel tragen, sich beständig für eine Absenkung der Unternehmen- und Kapitalsteuern eingesetzt haben. Dafür wurden sie auch mal mit kleinen wie großen Posten im Nachhinein versorgt. Wie „der Staat“, den es so nicht gibt, und der in Duisburg anders aussieht als auf der Schwäbischen Alb, seine Aufgaben definiert, kann noch immer abhängig gemacht werden, von Personen und Organisationen, die ihre Interessen darin durchzusetzen suchen. Wenn ich Frau Bonath richtig verstanden habe, geht es darum, dass endlich einmal die Arbeitnehmer, Arbeitslosen und anderweitig vom Wirtschaftssystem Angeschissenen ihre materiellen Interessen formulieren und durchsetzen. Ein paar Gesetze begründen noch keine neue Bürokratenkaste. Und wenn, den Versuchs wäre es angesichts eines permanent drönenden „alternativlos“ allemal wert.

    @ M. Kanellos

    Ich sehe das kapitalistische Wirtschaftssystem durchaus als ursächlich an. Alles Nationaleinkommen speist sich aus kapitalistischer Produktion – selbst öffentliche Betrieben arbeiten auf Basis der Wertrechnung. Steuern und Abgaben sind abschöpfende Mittel der Sekundärverteilung. Die Primärverteilung zwischen Kapital und Arbeit ist dauerhaft konfliktiv und wurde zumindest bis 1990 durch relativ starke Gewerkschaften in einer Pari-Situation gehalten. Seitdem ist durch die scheinbaren Verheißungen des Neoliberalismus („Du kannst alles und brauchst keine Organisation!“) ein konstanter Abbau von Arbeitsschutzrechten, Lohnniveau und Sozialstandards zu erkennen, was sich in einer wachsenen Gewinnquote der Unternehmen ausdrückt. Dass der Antei der Top-Einkommensbezieher überproportional gestiegen ist – und damit der „Rest“, also 90 bis 99 Prozent der Lohnempfänger ärmer geworden ist -, kann nicht allein durch Lobbyismus erklärt werden. Es geht immerhin um Milliardenbeträge, die umverteilt worden sind. Ein wichtiger Faktor ist die Finanzialisierung der kapitalistischen Produktion: Ausweitung von Derivaten, Durchsetzung der Managerherrschaft in börsennotierten Unternehmen sowie eine Marktvermachtung. Oligopole kommen in der Lehre der freien Marktwirtschaft nicht vor; Eucken wollte sie durch Wettbewerbs- und Kartellrecht eindämmen, bisweilen zerschlagen. Aber die Marktaufsicht wird im Interesse des Exporterfolgs deutscher Konzerne zurückgestellt. Der Befund lautet daher: Absenkung der Lohnquote im Inland um den betriebswirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen zu erhöhen (die Agenda 2010 als Programm von BDI, BDA und Gesamtmetall), Stärkung der Position der Kapitalseite, Dotierung der Verträge über Aktienoptionen und Inflationierung der Preise für Immobilien und Unternehmenswerte.

    Zu guter letzt: Kommunistische Umverteilung, die hier so oft gegeißelt wird, hatte ja zum Ziel, die Produzenten selber wieder zu Eignern der Produktionsmittel zu machen. Das war aber nur eine Zwischenstation, da die Kategorie des Privateigentums an Produktionsmitteln nur dann Sinn macht, wenn eine kleine Gruppe von Personen, andere anstellen und für den eigenen Geschäftserfolg arbeiten lassen will. Aufgrund der negativen Besetzung des Begriffs „Kommunismus“ wird ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem daher den Aspekt der Wirtschaftsdemokratie im Mittelpunkt haben: Weitreichende Mitbestimmung in der Produktionsplanung, Abbau von sozialen Schranken der Produktion, Minimierung menschlichen Verschleißes durch Arbeit, Übertragung der Mitbestimmung auf die regionale Wirtschaftsstruktur. Das setzt informierte Mitarbeiter und also Gesellschaftsmitglieder voraus, weshalb Ausbildung und Arbeit in neue Wege geleitet werden. Auf kurz oder lang wird es einen solchen Bruch geben; er wird zumindest von Jüngeren stärker gefordert und kann momentan noch durch neoliberales Framing und Ego-Zentrierung abgefangen und kanalisiert werden.

    • @ Ignaz
      Dass das ‚Nationaleinkommen‘ sich aus kapitalistischer Arbeit und entsprechender Produktion (wobei ich hier auch die Dienstleistung noch gesondert nennen würde) speist, kann man dem Kapitalismus schlecht anlasten, denn in kapitalistischen Systemen ist nun einmal die Arbeit privatwirtschaftlich organisiert. Wo sollen in einem kapitalistischen System die Steuereinnahmen sonst herkommen?
      Zum Thema ‚Neoliberalismus‘ oder was dafür gehalten wird: Ich wiederhole mich hier jetzt genauso wie das Wort ‚Neoliberalismus‘ regelmäßig als Sammelbegriff für alles, was aus linksalternativer oder linkssozialistischer Sicht irgendwie (teils sogar meiner Meinung nach zu Recht) kritisiert wird, herhalten muss, obwohl die Mißstände weder etwas mit Liberalismus noch etwas mit ’neo’=neu zu tun haben, sondern ‚Erfolge‘ eines reaktionären, bestenfalls ’neo‘-konservativ (nicht liberal!) zu nennenden Klassenkampfs von Reichenlobbyisten und ihren Helfern (die bis in die Gewerkschaftsführungen gehen) sind.
      Die genannten Gewerkschaften sind ein gutes Beispiel:
      1) Es waren und sind die großen ‚Branchen‘-Gewerkschaften des DGB in Deutschland, die die Schlechterstellung der Zeitarbeiter bewusst unterstützt haben und de facto erst ermöglicht haben (IG Metall, IG BCE usw.).
      2) Die echten Gewerkschaften, also die Berufsgewerkschaften wie die GDL, akzeptieren keinerlei Schlechterstellung von Zeitarbeitern und streiken für solche Dinge sogar, während die DGB-‚Gewerkschaften‘ absichtlich die Zeitarbeiter massiv schlechter stellen. Der massive Streit zwischen GDL und EVG bei der BAhn kam auch daher, dass die EVG Zeitarbeits-Billiglokführer für 7,50 EUR/ Stunde tarifieren wollte, worauf die GDL 2007 in den ersten großen Lokführerstreik Streik ging und der EVG komplett (und völlig zu Recht gerade im Sinne der Arbeitnehmer) die Tarifmacht über Lokführer abnahm. Sowas wird von Hetzmedien und der SPD(!!) als ‚Gruppenegoismus‘ verleugnet – wohlgemerkt nicht das Verhalten der EVG, sondern das der GDL, die einfach nur die Arbeitnehmer vertritt und für gleiche Löhne für gleiche Arbeit kämpft!
      3) Das sogenannte ‚Tarifeinheitsgesetz‘ ist gegen Berufsgewerkschaften gerichtet, und zwar frontal. Es konnte nur beschlossen werden, weil die SPD statt der FDP an der Regierung ist.
      Liberale unterstützen echte Gewerkschaften und Tarifautonomie (im Sinne der Arbeitnehmer). Es sind Sozialisten und Kommunisten, die Gewerkschaften regelmäßig entmachten oder gar verbieten oder durch Pseudogewerkschaften ‚ersetzen‘ wollen.
      Dass Kommunisten Produktionsmittel ’später‘ wieder den Leuten rechtmäßig zurückgeben wollen, glaube ich nicht und ich kenne dafür auch keinerlei Beispiel. Ich bin auch dagegen, und zwar kategorisch, dass der Staat ‚temporär‘ das Grundrecht auf Privatbesitz an Produktionsmitteln zerstört.

    • @ Ignaz: “ „Kommunistische Umverteilung,…( )..hatte ja zum Ziel, die Produzenten selber wieder zu Eignern der Produktionsmittel zu machen.“

      Müssen wir nicht den Baum an seinen Früchten erkennen ? Die Früchte bzw.Wirkungen dieser materialistischen Denkweise waren Staatskapitalismus und sowohl geistige als auch wirtschaftliche Entmündigung der Privaten.
      Etwas Besseres könnte doch den Bankenkartellen gar nicht passieren, als aus Europa eine kommunistisch regierte Zone zu machen, wo die „Ware Mensch“ bei der Beamtenklasse (!) es im Sonderangebot gibt.
      Da laufen dann – wie zu „DDR“ Zeiten – die Geschäfte zwischen Kapitalisten im Westen, die Private sind, und Parteibonzen, die Beamte sind. Der Westen lässt dann in solcher Zone billig arbeiten und kann woanders die Produkte deswegen günstig vermarkten. Wahrscheinlich in Russland, das dann von dieser „Zone“ abgetrennt wird.
      Da ist ja ein gigantischer Markt ! Und wenn diese „Eurozone“ dann zur Billiglohnzone verkommen ist, wie es in der „DDR“ der Fall war, wo kein Geld vorhanden war, um Häuser zu streichen usw., wo das aussah wie bei Hempels unterm Bett, dann wird im Pazifischen Raum die neue Hochkultur aufblühen.

      Sie schrieben an M. Kanellos: „Ich sehe das kapitalistische System durchaus als ursächlich an.“
      Ich sehe dieses System als Symptom einer oberflächlichen materialistischen Denkweise. Materialisten gehen ja nun davon aus, dass das materielle Gehirn der „Produzent“ der Gedanken sei. Das ist eine ganz entgeistigte Sicht auf den Menschen. Es ist das Leben, der Lebensgeist des Menschen, der sich den materiellen Leib aufbaut, der sich die Organe aufbaut, die er braucht. Das schöpferische Prinzip ist der Geist. Die Materie ist die Mutter.Mater = Mutter.
      Marx leugnet den Vater, leugnet den schöpferischen Geist.
      Selbst der Plazeboeffekt ist ein Beweis dafür: Durch den Geist entsteht Wirkung.
      Und seit Heisenberg ist der Begriff der Materie höchst umstritten. ( „Teilchen“ und „Wellen“)
      Dr.Rudolf Steiner hat vieles zu diesen Dingen gesagt.
      Der Kommunismus basiert aber auf der Idee des Materialismus, des dialektischen und des historischen Materialismus. Ich halte diese „Basis“ für einen Abgrund von Nullität.
      Wer einen sozialen Organismus auf einen Abgrund stellen wollte, müsste den sozialen Organismus in den „freien“ Fall bringen. Und schon heute faseln die Bankensozialisten samt deren EU Bürokraten von „Rettungsschirmen“.
      The whole damned thing`s in doubt. Es bräuchte bestenfalls eine Art von „Sozialismus“ im Sinne von Kooperation zwischen Produzierenden und Konsumierenden, eine Brüderlichkeit als Basis des Wirtschaftens an der Stelle, wo heute der Konkurrenzkampf tobt, der zum Wirtschaftskrieg mutiert.
      Dieses Konkurrenzkampf – Wirtschaften ist typisch Angloamerikanisch. Beispiel: Es gibt im TV die Sendung mit Namen: “ Storage Wars“. Container – Kriege. Container werden versteigert. Gekauft wie gesehen. Näher prüfen darf man die Inhalte erst nachher. Das ist ein Krieg jeder gegen jeden. Man treibt den Preis für einen Container mit in die Höhe, damit der Konkurrent beim nächsten Container weniger bieten kann und man den selber billig kriegt.
      Hauptsache man macht die Konkurrenz arm ! Und wenn wir in Europa nicht bald kapieren, dass wir die Konkurrenz der Angloamerikaner selber sind, die sie arm machen wollen, um sie ausschalten zu können, dann landen wir bald in einer durch Bankensozialismus verarmten neuen dritte Welt – Zone und schauen aus der Ferne zu, wie woanders die Wirtschaft hochkommt-auf unsere Kosten. Das ist meine Sicht auf diese Dinge. Die muss ja keiner teilen.

    • Ignaz sagt: 10. Mai 2016 at 14:45
      „@ Der Souverän: Absurd ist, dass in Fragen der Umverteilung sofort die Arbeitgeberdenke durchkommt: „Ja, da kann man nichts machen. Steuern dürfen nicht erhöht werden.“ Mit dem AfD-Steuerprogramm, in dem Papst Kirchhof hofiert wird, dürfte dabei genau das richtige Votum gegen Erbschafts- und Vermögensteuer und für einen Abbau der Sozialabgabenquote getroffen werden.“

      Ich blicke nicht durch. Du sprichst mich an und ich kann nicht erkennen das ich angesprochen werde. Hast Du da irgend etwas oder irgend wen durcheinandergeschmissen?

      Mit Sicherheit. Denn ich sage nirgendwo „Ja, da kann man nichts machen.“ noch sage ich an irgend einer Stelle „Steuern dürfen nicht erhöht werden.“ Das ist auch in keinem meiner Texte reinzuinterpretieren.

      Aber ich sag Dir etwas zu Steuern. Steuern sin nicht nur nicht nötig und überflüssig, sie sind extrem kontraproduktiv!

  2. „Jedem, der noch mehr als drei Gehirnzellen hat, sollte klar sein, dass die Umverteilung indes nur gestoppt werden kann, wenn die Vermögenden zur Kasse gebeten werden.“

    Als bekennender ca. 23 Milliarden-Gehirnzeller der mit den Leistungen seines Gehirns sehr zufrieden ist, sage ich das mir völlig klar ist, das genau dieser proklamierte Weg der falscheste aller möglichen Wege ist, die gegangen werden könnten.

    Allein der Versuch diesen Weg zu gehen, führte nicht nach Rom, sondern geradewegs in die Hölle.

    • Warum???

      Nu bitt ich Dich. Das steht doch dran!

      Natürlich habe ich ein besseres Konzept – ein sehr viel besseres. Das erscheint aber nicht hier an dieser Stelle, da es dann umsonst wäre. Und umsonst gibt es (von mir) gar nichts – kostenlos immer.

    • Ich werde mich der Schreiberei in Foren weitestgehend entziehen. Es ist nicht nur ein mühsames und zeitraubendes Geschäft, sondern auch noch witzlos.

      Du willst also das Vermögen derjenigen die

      die Regierungen, die Gerichte bis hin zum BVerfG, das Militär, die Polizei, kurzum und schlicht Alles befehligen, kontrollieren und/oder in all diesen „Einrichtungen“ entweder die höchsten Stellen besetzt oder willfährige Vasallen installiert haben die zu 100% gehorsam handeln

      mal eben so enteignen, respektive deren Vermögen zu ihrem eigenen Wohl umverteilen.

      Und Du denkst die bedanken sich und sagen: Klasse, genau darauf haben wir schon lange gewartet. Warum nur sind wir nicht selbst auf diese geniale Idee gekommen?

    • Wenn wir den Reichen die Macht kampflos überlassen wird in 100 Jahren nicht mehr viel da sein worum man kämpfen könnte. Im Übrigen beruht die Macht der Reichen größtenteils darauf dass sich die Bevölkerung nicht gegen sie zusammentut, sondern sich gegenseitig bekämpft, und auf Angstmacherei so wie du sie betreibst.

    • Wenn man dir Mächtigen auf so dumme plumpe Art entmachten will wie Du dir das vorstellst, dann wird Warren Buffett recht behalten. Das hat mit Angst machen nichts zu tun, sondern mit Logik und Erfahrung.

      Es gibt nur den intelligenten, gwitzten, gewaltlosen NICHT kämpferischen Weg der zum Erfolg führen wird.

  3. @ Susan Bonath: “ Die Bonzen gehören enteignet.“

    Wer sollte das denn Ihrer Meinung nach tun ? Es bräuchte ja wieder neue Bonzen, welche die alten Bonzen enteignen.
    Und welche alten Bonzen lassen sich – ohne sich zu wehren – durch neue Bonzen enteignen ?
    Ob das wohl ein Weg ist, der zum Frieden führte ?
    Und denken wir diese „Enteignung“ mal zuende durch. Wenn dann die alten Bonzen enteignet wurden, dann hat nur materielles Vermögen die Eigentümer gewechselt. Warum sollten die neuen Bonzen dann diese Besitztümer freiwillig an andere abgeben und aufteilen ?
    Es reicht nicht aus, Frau Bonath, über nichts weiter nachzudenken als über materielle Eigentumsverhältnisse.
    Geben Sie einem Idioten eine Million. Er wird sie binnen kürzester Zeit verlieren. Geben Sie einem Weisen hundert Tausend. Er wird binnen kürzester Zeit zehn Millionen daraus machen.
    Ich glaube nicht an die „Robin Hood“ Mentalität neuer Bonzen. Das linke Experiment Bolschewismus und Stalinismus ist restlos gescheitert. Das musste zusammenbrechen, weil das geistige Konzept namens Materialismus nicht taugt, um die sozialen Verhältnisse zu stabilisieren.

    • Von welchen „neuen Bonzen“ reden Sie? Bei einer stärkeren Besteuerung Reicher würde das Geld in den Staatshaushalt fließen.

    • @ Pingu: “ Von welchen „neuen Bonzen“reden Sie ? “

      Wenn das Geld – wie Sie formulieren – „in den Staatshaushalt“ fliessen würde, bräuchte es Leute, die das verwalten. Und die nenne ich dann die „neuen Bonzen“. Das wären dann Beamte. Und mein Vertrauen in die Klasse der Beamten ist sehr erschüttert worden. Was gar nicht bedeutet, dass ich die bestehenden sozialen Verhältnisse als „Rechtsstaat“ betrachte ! Die Politik – d.h. die Klasse der Beamten – IST der Krieg !
      Und Sie wollen – so mein Eindruck zumindest, bin belehrbar, kann auch irren – die Kasse dieses Krieges füllen !

    • Die Staatskasse ist nur eine Zwischenstation. Mehr Steuern für Reiche muss natürlich auch heißen weniger Steuern und mehr Rente für den Rest. Und wenn noch Geld übrig bleibt kann man damit zur Abwechslung auch mal ein paar Schulden zurückzahlen.

      Die Kriegskasse muss nicht gefüllt werden, dafür gibt’s immer reichlich Kredit.

    • @ Pingu: “ Die Staatskasse wäre nur eine Zwischenstation.“

      Welchen Staat meinen Sie ? Der deutsche Staat löst sich derzeit ja auf wie ein Stück Würfelzucker in der Tasse Tee.
      Oder sehen Sie da noch Staatsgrenzen ? Ich sehe da nur noch „grünen Tee“. Grenzschutz war gestern.
      Wie war das noch gewesen mit dem deutschen Grundgesetz ? Merkel hat das de facto ausser Kraft gesetzt.
      Di Fabio hat dazu ein Gutachten geschrieben. Meinen Sie diesen zentralistisch von Brüssel aus regierten „Bundesstaat Eurozone“ ? Diese Fata Morgana ? Man sagt auf gut Deutsch: Die Sache ist getürkt ! Ja ?

      Was meine Kohle betrifft, so verwalte ich die gerne selber. Da glaube ich weniger an „Zwischenstationen“, wo das bei einer BRD- GmbH geparkt und nachher abgeschleppt wird, um das den Bankenkartellen zu schenken.
      Hätten wir einen souveränen Rechtsstaat, statt dieser NGO GmbH mit Eintrag im Handelsregister (!), welche die Interessen der Wall Street und der City of London bedient, sähe das anders aus.
      Doch als Merkel eine Rede in der Knesset halten wollte und einige Männer unter Protest den Raum verlassen wollten, weil sie nicht aushielten, dass eine Deutsche da den Mund aufmacht, soll Netanjahu gerufen haben: „Bleiben Sie ! Die ist eine von uns !“ Merkel stammt von einer jüdischen Mutter ab, und es wird gemunkelt, dass Verwandte von ihr unter den Nazis gelitten hatten. Die Frau hasst Deutschland so sehr, dass sie selbst uns heute, die wir längst nach der Nazizeit zur Welt kamen, hasst wie die Pest.

      Es gibt keine Kollektivschuld, doch Merkel will das nicht wahrhaben. Was haben denn Sie oder ich für eine „Schuld“ an Dingen, die ganz andere Leute vor über 70 Jahren verübten ? Warum sollen wir dafür blechen ?
      Müssen wir demnächst auch noch an die Sachsen Wiedergutmachung zahlen, weil Karl der Grosse die in Massen getötet hatte ? Was ist das für eine dubiose Rechtsauffassung ?
      Thema „Schulden zurückzahlen“: Wenn diese Politiker bei dubiosen privaten Bankenkartellen in die Schuldenfalle getappt sind, meine ich zumindest, dass die dafür selber verantwortlich sind, nicht das Staatsvolk. Doch uns müssen sie in die Taschen greifen, trotzdem diese Schulden gar nicht rückzahlbar sind.
      Wer solchen Leuten vertraut, die entweder zu dumm sind, um mit Messer und Gabel zu essen oder so tun, als seien sie so dumm, dass die Schweine die beissen, sollte doch nochmal neu nachdenken, ob nicht besser wäre, Privaten zu vertrauen, bis wir einen Rechtsstaat haben.

    • Eine sinnvolle Umverteilung durchzuführen ist natürlich mit enormen Schwierigkeiten verbunden, die Merkel abzuwählen dürfte da noch das kleinste Problem sein, aber einfache Lösungen gibt es leider nicht.

  4. Zum eigentlichen Artikel:
    Ich denke, die wirkliche Ursache dieses Phänomens ist nicht Kapitalismus (wie durch die Überschrift suggeriert), sondern Sozialismus der Vermögenden.
    Zum Kommentar:
    Vermögenssteuer halte ich für grundrechtswidrig. Privatbesitz an Produktionsmitteln ist essentiell wichtig für die individuellen Grundrechte gerade der weniger Privilegierten. Die ‚Umverteilung‘ und das kommunistische Verbot privater Produktionsmittel in der Weise, wie sie im Kommentar steht, wäre willkürlich und würde eine diktatorische Staatsmacht erfordern, die gewaltsam vorgeht. Es ist kein Zufall, dass ausnahmslos alle kommunistischen Staaten brutale, militaristische und auch polizeistaatsmäßige Diktaturen waren und sind.
    Was möglich ist (und in Deutschland im weltweiten Vergleich sogar relativ gut umgesetzt ist), ist eine bedarfsorientierte Grundsicherung, die Unvermögenden das Recht auf individuelles Existenzminimum zusichert. Was gar nicht gehen würde, wäre hingegen Sozialhilfe für Reiche (und die ‚Mittelschicht‘ sind in aller Regel keine Unvermögenden).
    Außerdem kann ein freiheitlich-demokratischer Staat nicht pauschal definieren, was eine ‚Mittelschicht‘ ist und wer dazugehören darf – kommunistische Diktaturen regeln das über Systemtreue und Parteizugehörigkeit, es dürfte aber offensichtlich sein, dass das aus westlich-demokratischer Sicht in keinster Weise eine Lösung darstellen würde.
    Was der Mittelschicht hilft (bzw. helfen würde), sind meines Erachtens starke Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte.

    • Ich denke, die wirkliche Ursache dieses Phänomens ist nicht Kapitalismus (wie durch die Überschrift suggeriert), sondern Sozialismus der Vermögenden.

      Der Kapitalismus führt mit mathematischer Zwangsläufigkeit zur Vermögensanhäufung einiger Weniger und zur Verarmung immer größerer Bevölkerungsschichten.

      Vermögenssteuer halte ich für grundrechtswidrig.

      Ach, und welches Grundrecht meinen Sie?

      Die ‚Umverteilung‘ [und das kommunistische Verbot privater Produktionsmittel] in der Weise, wie sie im Kommentar steht, wäre willkürlich und würde eine diktatorische Staatsmacht erfordern, die gewaltsam vorgeht.

      Es werden jedes Jahr zig Milliarden an Steuern eingetrieben, zur Not mit Gewalt, und das ganz ohne Diktatur. Warum sollte das bei höheren Erbschafts- und Vermögenssteuern anders sein?

      Was der Mittelschicht hilft (bzw. helfen würde), sind meines Erachtens starke Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte.

      Die Superreichen manipulieren ganze Märkte, kontrollieren das Finanzsystem und lassen ihre Politmarionetten Gesetze zu ihren Gunsten schreiben. Mit ein wenig mehr „Arbeitnehmerrechten“ kommen Sie dagegen nicht an.

    • @ Pingu
      Kapitalismus führte zunächst einmal zu Wohlstand und Fortschritt insbesondere für die ‚ärmeren Bevölkerungsschichten‘, wenn auch ein Sozialsystem existiert.
      Es ist schlicht nicht wahr, dass Kapitalismus zur Verarmung führt, und schon gar nicht ‚automatisch‘. Natürlich ersetzt freier Markt kein Sozialsystem. Aber freier Markt und soziale Sicherung stehen auch nicht im Widerspruch, ganz im Gegenteil.

      Ich halte das Recht auf Eigentum und dessen Schutz für ein Grundrecht. Eine pauschale Vermögenssteuer verletzt dieses Grundrecht, da sie einfach eine Entnahme des Eigentums wäre ohne speziellen Grund, der auch dem Eigentümer(!) zugute kommen würde. Das unterscheidet eine Vermögenssteuer z.B. auch negativ von der Grundsteuer.

      Umverteilung müsste das Grundrecht auf Eigentum aufs Gröbste verletzen und wäre deshalb schlicht Gewaltausübung des Staates.

      Zitat von mir:
      Was der Mittelschicht hilft (bzw. helfen würde), sind meines Erachtens starke Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte.

      Antwort:
      Die Superreichen manipulieren ganze Märkte, kontrollieren das Finanzsystem und lassen ihre Politmarionetten Gesetze zu ihren Gunsten schreiben. Mit ein wenig mehr „Arbeitnehmerrechten“ kommen Sie dagegen nicht an.

      Meine Antwort:
      Das sehe ich fast genau umgekehrt. Zunächst wundere ich mich über den Defätismus, der behauptet, dass das ganze System ‚von Superreichen kontrolliert‘ sei. Das ist nicht der Fall. Es mag manche Superreiche geben, die das gerne hätten, aber ich denke, dass viele Superreiche die ‚Kontrolle des ganzen Systems‘ vielleicht sogar zu anstrengend fänden, vom fehlenden Freizeitwert ganz zu schweigen.
      Natürlich gibt es Lobbypolitik, die versucht, an wesentlichen Punkten des Gesamtsystems Einfluss zu nehmen. Ein solcher ganz wesentlicher Punkt sind die Arbeitnehmerrechte, die übrigens in sozialistischen oder gar kommunistischen Ländern oft (scheinbar erstaunlich) schlecht sind.
      Und hier sehe ich es genau umgekehrt wie Sie:
      In funktionierenden freiheitlichen Demokratien mit Marktwirtschaft, in denen die Administrationen relativ wenig korrumpiert sind, kommen die Reichenlobbyisten (denen auch nicht alle ‚Superreichen‘ angehören) nicht gegen die Festsetzung von Arbeitnehmerrechten an, da diese fester Bestandteil der demokratischen und freiheitlichen Politik sind.
      Da geht es übrigens nicht nur um Mehrheiten, sondern auch um Grundrechte für Minderheiten.
      Das ist ein weiterer Grund, warum der Reichenlobby global gesehen (Asien, Afrika) Demokratien gar nicht so passen.

    • PS: Zur Umverteilung / Recht auf Eigentum
      Es mag auch in rechtsstaatlichen Demokratien spezielle Fälle geben, wo der Staat in Eigentum eingreift.
      Der wesentliche Unterschied zur pauschalen und gewaltsamen kommunistischen Umverteilung ist hier aber, dass solche Einzelfälle jeweils sehr gut begründet werden müssen und die betroffenen Eigentümer entschädigt werden müssen. Das ist etwas ganz Anderes als eine kommunistische Umverteilung, bei der der Staat pauschal enteignet und nicht einmal die Betroffenen entschädigt.

    • Kapitalismus führte zunächst einmal zu Wohlstand und Fortschritt insbesondere für die ‚ärmeren Bevölkerungsschichten‘, wenn auch ein Sozialsystem existiert.

      Das Problem hier ist das „zunächst“, kapitalistische Systeme funktionieren anfangs wunderbar, aber irgendwann dann eben nicht mehr. Der Kapitalismus ermöglicht leistungslose Einkommen, egal ob durch Eigentum an Produktionsmittel, Zinserträge, Immobilien oder sonstige gewinnbringende Vermögensanlagen. Einkommen durch Arbeit ist naturgemäß durch die persönliche Leistungsfähigkeit begrenzt, leistungsloses Einkommen kann dagegen beliebig hoch werden. Je reicher jemand ist desto mehr leistungsloses Einkommen kann er erzielen. Dies führt bei intelligentem Vorgehen zu exponentiellem Vermögenswachstum. Da das Volksvermögen begrenzt ist und nicht ebenfalls exponentiell ins Unendliche wachsen kann, führt das reicher werden der Einen zwangsläufig zum ärmer werden der Übrigen.

      Ich halte das Recht auf Eigentum und dessen Schutz für ein Grundrecht. Eine pauschale Vermögenssteuer verletzt dieses Grundrecht, da sie einfach eine Entnahme des Eigentums wäre ohne speziellen Grund, der auch dem Eigentümer(!) zugute kommen würde. Das unterscheidet eine Vermögenssteuer z.B. auch negativ von der Grundsteuer.

      Steuern sind immer Enteignung, sie dienen allgemein der Staatsfinanzierung und brauchen nicht in jedem Fall einen speziellen Grund.

      Umverteilung müsste das Grundrecht auf Eigentum aufs Gröbste verletzen und wäre deshalb schlicht Gewaltausübung des Staates.

      Der Staat darf das, vor allem wenn es zum Selbsterhalt nötig ist, er hat schließlich das Gewaltmonopol. Superreiche können sich Medienkonzerne kaufen und damit die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten manipulieren. Das schadet der Demokratie natürlich erheblich. Wollen Sie wirklich die Eigentumsrechte Weniger über die den Erhalt der Demokratie stellen?

      In funktionierenden freiheitlichen Demokratien mit Marktwirtschaft, in denen die Administrationen relativ wenig korrumpiert sind, kommen die Reichenlobbyisten (denen auch nicht alle ‚Superreichen‘ angehören) nicht gegen die Festsetzung von Arbeitnehmerrechten an, da diese fester Bestandteil der demokratischen und freiheitlichen Politik sind.

      Das klingt zwar schön, hat aber mit der heutigen Realität eher wenig zu tun.

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