Die Ukraine, der Kapitalismus und die Kriegsgefahren

Von Bernhard Trautvetter.

So richtig der Satz des französischen Sozialisten Jean Jaures ist, der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen, so sehr ist es wichtig, den antikapitalistischen Blick auf das System als Ursache des Übels mit der konkreten Analyse der jeweils gegenwärtigen Lage quasi diagnostisch konkret zu verbinden. Wolfgang Bittners Buch über die US-Machtpolitik am Beispiel der Ukraine leistet hier Wichtiges.

Es reicht allerdings nicht, sich gegen strategische Machtpolitik des Imperialismus zu wenden. Was der Soziologe Max Horkheimer einst zum Faschismus sagte, gilt auch für den Krieg: „Wer …vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen.“ Doch: In der Tat reicht es nicht, sich alleine dafür einzusetzen, dass der Kapitalismus als Grundübel von der Weltbühne der Geschichte verschwindet, sonst existiert die Kriegsgefahr fort. So richtig das ist, befähigt die rein antikapitalistische Position alleine noch nicht dazu, in einer gegebenen konkreten Situation der internationalen Beziehungen zu analysieren, was geschieht und welche politischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Ich beziehe mich hier grundlegend auf Brzezińskis „Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (Untertitel) Im Buch >>Die einzige Weltmacht<<.

Er schreibt: „Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre bloße Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Russlands beiträgt. Ohne die Ukraine ist Russland kein europäisches Reich mehr. … Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutsamen Bodenschätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Russland automatische die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden. Verlöre die Ukraine ihre Unabhängigkeit, so hätte das unmittelbare Folgen für Mitteleuropa und würde Polen zu einem geopolitischen Angelpunkt an der Ostgrenze eines vereinigten Europas werden lassen.“ (S. 74f.)

Diese Schachbrett-Sicht findet ihren Ausgangspunkt in Brzezińskis Einleitung, die er ‚Supermachtpolitik‘ nennt: „Mit dem Scheitern und dem Zusammenbruch der Sowjetunion stieg ein Land der westlichen Hemisphäre, nämlich die Vereinigten Staaten, zur einzigen und im Grunde ersten wirklichen Weltmacht auf. …Amerikas Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte.“ (S. 15f.) Das kulminiert im Kapitel ‚Schlussfolgerungen‘: „Kurz, die Politik der USA muss unverdrossen und ohne Wenn und Aber ein doppeltes Ziel verfolgen: die beherrschende Stellung Amerikas für noch mindestens eine Generation und vorzugsweise länger zu bewahren…“ (S. 306) Schlusssatz des Buches: Ein geostrategischer Erfolg dieser Zielsetzung wäre dann die durchaus angemessene Erbschaft, die Amerika als erste, einzige und letzte echte Supermacht der Nachwelt hinterlassen würde.“ (S.307)

Diesen strategischen Ansatz muss die Friedensbewegung kennen und als Bezugsrahmen US-Amerikanischer Macht-, Militär- und Geopolitik ernst nehmen. Sonst wird sie anfällig für eine transatlantische Blauäugigkeit, wie wir sie in Spektren beklagen müssen, die in den 80er Jahren noch teilweise unseren Protest gegen die Kriegstreiber mitgetragen haben.

Um jetzt nicht in einen vereinfachenden Antiamerikanismus zu verfallen, wie wir das auch bei Nazis erleben, die Deutschland über alles heben, ergänzt sich diese Analyse notwendig mit der Kritik am deutschen Militarismus, der im 20. Jahrhundert die größten Menschheitstragödien ausgelöst hat, die beiden Weltkriege inklusive des industrielle organisierten und durchgeführten Massenmordes an circa sechs Millionen Juden und mit einer Gesamtopferzahl von knapp 80 Millionen Toten und ungezählten weiteren körperlichen und seelischen Opfern. Was die seelischen Opfer betrifft, können wir uns selbst mit hinzuzählen. Denn die militärischen Zukunftsgefährdungen und die Wunden der Geschichte lasten zumindest unmerklich auf unserer Seele.

Brzeziński schrieb dazu: „Bemerkenswert ist, dass es bei internationalen Konflikten und Akten von Terrorismus bisher nicht zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen gekommen ist. Wie lange diese Selbstbeschränkung noch anhält, lässt sich natürlich nicht vorhersagen, aber da Kriegsgerät mit enormer Zerstörungskraft – etwa Atom- oder bakteriologische Waffen – … zugänglich ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass solche Waffen eingesetzt werden, unweigerlich zu.“ (S. 303)

Hier steht also das Überleben der Menschheit auf dem Spiel. Der nukleare Winter, der alles menschliche Leben beendet, setzt ein, wenn ein Bruchteil (1.000) der vorhanden nuklearen Sprengköpfe zur Explosion gekommen ist. 2.000 Sprengköpfe befinden sich laufend in ‚hoher Alarmbereitschaft‘ (ntv.de, 07. Juni 2011). 5.000 werden als ‚jederzeit einsatzbereit‘ benannt. (ebd.)

Statt dass das zur Konsequenz einer unbedingten Friedenspolitik mit Kriegsprävention durch Interessensausgleich und internationale Kooperation führt, erlebt der deutsche Militarismus, wohl im Windschatten des militärstrategischen Denkens in der US-Elite weitere Blüten bis ins Bundespräsidialamt: Beim Antrittsbesuch bei der Bundeswehr verlautbarte Joachim Gauck: „Gewalt, auch militärische Gewalt, wird ja immer ein Übel bleiben. Aber sie kann – solange wir in der Welt leben, in der wir leben – eben nicht in einer geheilten, sondern in einer tief gespaltenen Welt, sie kann in einer solchen Welt notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden. Deshalb: „Ohne uns“ als purer Reflex kann keine Haltung sein, wenn wir unsere Geschichte ernst nehmen. Darum ist ja auch die Bezeichnung „Staatsbürger in Uniform“ so gut, wir wollen sie bewahren: Sie sind eben nicht nur Bürger, sondern auch Staatsbürger, diesem Land verpflichtet.

Ihr Werbespruch „Wir. Dienen. Deutschland.“ trifft es auf den Punkt – das heißt, mit gleich drei Punkten nach meinem Geschmack fast zu viel, aber Sie haben ja etwas beabsichtigt mit dieser Punktierung. Er trifft, nicht allein, was das „dienen“ betrifft. Er lässt eben auch einen Patriotismus aufscheinen, der sich – frei nach Johannes Rau – darin zeigt, dass man sein Heimatland liebt, die Heimatländer der anderen darum aber nicht verachten muss.“ (http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2012/06/120612-Bundeswehr.html)

Man verachtet nicht nur die Heimatländer der anderen nicht, sondern man hat auch höchste Wertschätzung für deren Rohstoffe: Die Bundeswehr, eine Einrichtung mit dem ursprünglich deklarierten Auftrag reiner Landesverteidigung gegen einen Angriff, gibt sich unter dem offiziellen Begriff ‚Neuausrichtung‘ immer offener als Interventionsarmee, auch um >>unsere<< Handelswege zu verteidigen, zu erkennen: „Freie Handelswege und eine gesicherte Rohstoffversorgung sind für die Zukunft Deutschlands und Europas von vitaler Bedeutung.“ (Broschüre der Bundeswehr: „Die Neuausrichtung – der Bundeswehr Nationale Interessen wahren“)

Hier wird wie im allgemeinen NATO-Sprech statt von „Friedenspolitik“ von „Außen- und Sicherheitspolitik“ gesprochen, Das ist strategische Kommunikation, um zu verbergen, was man tut, und um für die Militarisierung des Denkens und Handelns die Unterstützung derer zu gewinnen, die sich mit Begriffen leicht erreichen lassen und dadurch das Nachdenken ersetzen.

Fassen wir zusammen:
Die Kräfte des Friedens geben sich erst beruhigt, wenn die systemische Ursache für Krieg im System, das die Konkurrenz im Markt mitunter selbst „Wirtschaftskrieg“ nennt, Geschichte ist. Das wird nicht so einfach, muss aber sein.

Auf dem Weg sind konkrete Zwischenschritte wie bei einer Bergbesteigung angesagt:
Die Achillesfersen der Militaristen in der Öffentlichkeit für eine Verbreiterung des Friedensengagements nutzen, die Völkerrechtsbrüche, die Dohnen-gestützten außergerichtlichen Tötungen, die atomare Aufrüstung, Angriffskriege, Propagandalügen der Herrschenden zur Verschleierung ihrer Absichten (siehe Ukraine), Ressourcenverschwendung, … all das ist zu geißeln und konkret vor Ort, in Ramstein, Kalkar, Büchel… zu skandalisieren.

Und die Friedensbewegung umfasst ein breites Spektrum, das auch Konservative, also AnhängerInnen des Systems mit dem Wirtschaftskrieg in die Aktion und in den Meinungsaustausch einlädt und einbezieht. Wir haben viel vor uns, an Diskussion, Aufklärung und gemeinsamer Tat… gegen die NATO-Osterweiterung, die aktuell auch ein neues Kapitel in Ex-Jugoslawien schreibt, die atomare Bedrohung, Kriege, … denn unser „Nein“ zum Krieg ist ein „Ja“ zum Leben.

Jetzt erst einmal Ramstein, dann Hiroshima-/Nagasaki-Mahngedenken Anfang August, dann Antikriegstag 76 Jahre nach dem Beginn des 2. Weltkrieges durch die Nazis mit der Lüge „…seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“, dann am 3.10. Kalkar/Essen und die Woche darauf in der Bundeshauptstadt… usw.

Und immer zuhause, da, wo wir den Frieden – auch – leben, denn es gibt keinen Weg dorthin.

 

Foto: Brzeziński, Kleinschmidt MSC 2014 (CC BY 3.0 DE)

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

29 Kommentare zu: “Die Ukraine, der Kapitalismus und die Kriegsgefahren

  1. Lieber „Der Souverän“,
    hier die Definition von Wettbewerb aus dem Duden: „1. etwas, woran mehrere Personen im Rahmen einer ganz bestimmten Aufgabenstellung, Zielsetzung in dem Bestreben teilnehmen, die beste Lösung zu erzielen, Sieger zu werden
    2. (Wirtschaft) Kampf um möglichst gute Marktanteile, hohe Profite, um den Konkurrenten zu überbieten, auszuschalten“
    Wie der wirtschaftliche Definitionsteil zeigt, birgt der Kapitalismus den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen.
    Wie der erste Definitionsteil zeigt, ist Krieg nicht gleich -im Sinne von >identisch< mit Wettbewerb. Allerdings hat nur die Gesellschaft eine Zukunft, die Kooperation zugrunde legt, wie ja auch das U Thant-Zitat von 1969 zeigt.

    • Lieber Bernhard

      Natürlich sind Krieg und Wettbewerb nicht identisch. Das zu erkennen bedarf es keinen Duden, den ja auch nur irgendwer irgendwann geschrieben im Sinne von bestimmt hat. ich gehe längst nicht mit den (oktroyierten) „Dudenbestimmungen“ konform.

      Wettbewerb ist in seinen Auswirkungen verheerender als Krieg. Weil er eben so permanent und vehement geführt wird und die Verheerungen durch künstliche Verkomplizierung verschleiert werden. Und weil er nicht regional begrenzt ist wie Kriege in der Regel, sondern global alle Menschen betrifft – jedenfalls die 99%.

      Das war es was ich rausarbeiten, ausdrücken wollte.

    • Ich denke: Kapitalismus birgt den Krieg NICHT per se in sich.
      Ein gutes Beispiel dafür ist die EU. Die EU ist verfassungsgemäß marktwirtschaftlich-kapitalistisch und eine Friedensunion, die es geschafft hat, die jahrhundertelangen sinnlosen und zerstörerisch-mörderischen Kriege zwischen starken europäischen Nationen wirklich erstmal (und hoffentlich dauerhaft) zu beenden.
      Sicherer Frieden zwischen Deutschland, England, Frankreich und Spanien (und Österreich-Ungarn, Schweden Jugoslawien, Italien etc, etc.) ist eine neue und bedeutende Errungenschaft, die alles andere als selbstverständlich ist und eindeutig und direkt mit dem Etablieren kapitalistischer Systeme in allen betroffenen Ländern einhergeht.
      Außerdem ist Marktwirtschaft das einzige System, das es geschafft hat, die Wehrpflicht, die ein militaristisches Diktaturinstrument gegeüber denen ist, die nicht zu einer Armee (auch nicht zur ‚eigenen‘) wollen, wirklich auszusetzen oder bestenfalls abzuschaffen. Meines Wissens haben hingegen kommunsitische Staaten ausnahmslos Wehrpflicht und Militarismus. Eher trägt meines Erachtens Kommunismus den Krieg in sich als echter Kapitalismus (nicht zu verwechseln mit den lobbygesteuerten Kriegen, die für marktwirtschaftsferne Monopole geführt werden!).

    • @ ‚Der Souverän‘

      Zitat:
      Wettbewerb ist in seinen Auswirkungen verheerender als Krieg.

      Kommentar:
      Das ist eine absurd falsche und den Krieg völlig verharmlosende Behauptung.
      Von Ihnen wird das ganz normale Bestreben von Dienstleistern oder auch z.B. Sportlern, ihre Sache gut zu machen (und eben ggf. besser als andere), mit mörderischem Krieg gleichgesetzt, der unschuldige Opfer hervorbringt und ganze Länder verwüstet. Schlimmer noch, Sie behaupten sogar, das, was Anbieter tagtäglich in der Wirtschaft machen, wäre ‚verheerender‘ als z.B. die Zerstörung ganzer Staaten mit zahlreichen Todesopfern.

  2. Liebe DiskursteilnehmerInnen,
    ich warne auch vor der vereinfachenden Gleichsetzung von Wettbewerb und Krieg. Das verharmlost den Krieg und schwächt die Friedenskräfte somit. Wettbewerb in der Ökonomie kann sich bis zu etwas auswachsen, was Fachleute „Wirtschaftskrieg“ nennen. Der kann sich zum Krieg auswachsen, wie die 250 Jahre Kapitalismusgeschichte immer wieder offenbart haben. Aber deshalb ist das eine nicht mit dem anderen identisch. Ich empfehle Genauigkeit auch in der Benutzung der Begriffe. Dann erst nehmen wir uns und die DiskursteilnehmerInnen ernst.
    Hier eine interessante Betrachtung des Themas Wettbewerb:
    http://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/article/949.wettbewerb-und-wirtschaftsmacht-theorie-und-realitaet.html

    • Ich würde einmal vermuten, dass ein großer Teil der Kriegsrhetorik von Leuten wie Brzezinski und Co. darauf abzielt, der Allgemeinheit die teilweise skandalöse lobbygesteuerte Kriegspolitik, die die NATO leider seit einiger Zeit praktiziert, in gewisser Weise als ’normal‘ zu verkaufen.
      Es ist weder marktwirtschaftlich noch normal im Sinne westlicher Werte wie Demokratie und Religionsfreiheit, wenn westliche Mächte mit extremistischen Diktaturen paktieren und ganze Länder zu Kriegsgebieten machen, um wirtschaftliche Monopolisten dort zu etablieren. Aber mit solchen Wortschöpfungen wie ‚Wirtschaftskrieg‘ oder einer Gleichsetzung von Wettbewerb mit Krieg versuchen die Lobbyisten hinter dieser Politik, der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass skandalöse ‚Teile-und-Herrsche‘-Politik, die Staaten als ‚Territorien‘ betrachtet, die man gegeneinander abschotten und ausspielen kann, ’natürlich‘ oder sogar ‚wissenschaftlich fundiert‘ sei.
      Für diese PR-Strategie gibt es Bezeichnungen wie ‚pre-programming‘ (die Leute sollen auf Szenarien ‚eingestellt’/’programmiert‘ werden, um die Reaktionen in die von den Lobbyisten gewünschte Reichtung zu manipulieren. Es ist allerdings natürlich zu hoffen, dass das nicht so funktioniert, Menschen sind ja keine programmierbaren Computer.

    • @ Bernhard Trautvetter: “ Ich warne vor der vereinfachenden Gleichsetzung von Wettbewerb und Krieg.“

      Wenn man die Wurzeln des Seins nicht im Geistigen suchen will , muss man so denken, wie Sie denken.
      Doch die Dinge beginnen im Geistigen. Z.B. Hausbau: Zuerst ist da die Idee, ein Haus zu bauen. Dann macht der Architekt diese Idee dadurch sichtbar, dass er gemäss der Idee einen Bauplan erstellt. Und zuletzt wird gemäss dieser Idee (!) das Haus materiell realisiert. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass Dinge im Geistigen beginnen.

      Und Kriege beginnen genauso im Geistigen, wie Hausbau und Gartengestaltung im Geistigen beginnen. Zuerst ist da die Idee des Konkurrenzkampfes als Prinzip des Wirtschaftens. Zunächst ist das der Krieg in geistiger Form.
      Ein Misstrauen in den anderen Menschen, wie Adam Smith formulierte: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers,Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“
      Dass im eigenen Interesse eines Bäckers liegen kann, seine Kunden zufriedenzustellen, kommt bei Smith gar nicht vor. All das will nur ausgehen vom krassesten Egoismus Privater, und was Marxismus betrifft, so gipfelt dann schlussendlich alles darin, das Privateigentum an Produktionsmittel dem Staatsbeamtentum zu übereignen, d.h. der Politik das zu geben, was vorher Privaten gehörte. Schon das IST ein Krieg, den die politische Klasse (!) den Privaten erklärt, die sie enteignen will.

    • Bernhard Trautvetter
      „…ich warne auch vor der vereinfachenden Gleichsetzung von Wettbewerb und Krieg.
      Das verharmlost den Krieg und schwächt die Friedenskräfte somit.“

      Ich warne vor der künstlichen Verkomplizierung durch Auf-Spaltung von Wettbewerb versus Krieg.

      Die Ziele sind exakt die gleichen. Sieg über den Angegriffenen oder Unterwerfung dessen.
      Einzig die Mittel sind andere, wobei Kriege auch unblutig begonnen und beendet werden können. Auch durch Wettbewerb gibt es immer wieder etliche indirekte Tote.

      Tatsächlich schwächt der unsachliche VORWURF ( Das verharmlost den Krieg und schwächt die Friedenskräfte somit) die Friedenskräfte – wenn überhaupt.

    • Nachtrag

      Die Toten die direkt und indirekt durch Wettbewerb/Konkurrenz zu beklagen sind, übersteigen die Zahl der Kriegsopfer höchstwahrscheinlich bei weitem.

      Wieviel Menschen durch Glyphoset und die anderen tausenden Gifte durch Krebs etc pp verstorben sind, vermag zwar nicht eruiert werden, aber sie erreicht weltweit sicher locker die Millionengrenze.

      Denn nicht nur die paar indischen Bauern die das Zeug aus Verzweifelung trinken und daran sterben sind Opfer dieses mörderischen Wettbewerbs, sondern auch die sich aufgrund der Schulden umbringen, weil sie das Gift nicht mehr bezahlen können usw usf. Die Zusammenhänge sind so breit gefächert, das sie nicht überschaubar und schon gar nicht verifizierbar sind.

      Auch das ist natürlich willkommen und gewollt in der Welt des mörderischen Wettbewerbs.

      Was sind die durch Verbrennung von Diesel begangenen Betrügerreien und Gesundheits-Schädigungen Milliarden von Menschen anderes als das Ergebnis von Wettbewerb?

      Krieg ist eigentlich ein zu schwaches Wort dafür.

    • P.P.S.

      Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, wird es eine Kette ohne Ende. Was ist mit dem bei und subventionierten Gammelfleisch das wir Kilotonnenweise in afrikanische Länder schicken?
      Heimische Bauern können ihre Produkte nicht zu „Marktpreisen“ verkaufen. Wieviele Können ihre Kinder dadurch nicht mehr ernähren die dadurch verhungern? Wieviele nehmen sich das Leben aufgrund dessen?

      Alles eine Folge des Wettbewerbs.

      Europäische Megafangflotten fischen in afrikanischen Gewässern. Dadurch haben heimische Fischer kein Einkommen und Nahrung mehr. Wieviele davon sterben aufgrund dieses Wettbewerbs in dem sie nur Verlierer sien können?

      Wie gesagt, diese Kette des mörderische, menschenleben vernichtenden Wettbewerbs spannt sich rund um den Globus und fordert weit mehr Opfer als alle Krieg.

      Man siegt und hört nur keine Bomben. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Leidenden nicht. Weil man sie nicht hören und sehen will.

      DAS WÜRDE DEN WETTBEWERB STÖREN!

    • @ Michaela
      Zitat von Ihnen:
      ‚Zuerst ist da die Idee des Konkurrenzkampfes als Prinzip des Wirtschaftens.‘
      ‚Zunächst ist das der Krieg in geistiger Form.‘

      Und genau das ist völlig falsch. Sie verharmosen damit insbesondere den menschenrechtswidrigen ‚modernen‘ Krieg, der aus sogenannten ‚wirtschaflichen Interessen‘ vom Zaun gebrochen wird, aufs Gröbste.
      Marktwirtschaftliche wirtschaftliche Konkurrenz bedeutet, dass Dienstleister ihre Arbeit und ihre Leistungen besonders gut machen wollen und sich dabei auch mit anderen vergleichen (auch in bezug auf Marktanteile).
      Wenn zum Beispiel ein Restaurant oder ein Handwerkjsbetrieb sich um gute Qualität bemühen, ist das gelebte Marktwirtschaft im Konkurrenzprinzip. Und Sie setzen das allen Ernstes und vöölig absurderweise mit Krieg gleich!

      Das ist mit dem zestörerischen, mörderischen ‚Teile-und Herrsche‘-Krieg, der einzelnen Wirtschaftsteilnehmern dazu ‚dient‘, auf machtmißbrauchende Art Konkurrenten auszuschalten, nicht zu vergleichen. Sondern ganz im Gegenteil: Die ‚geistige Idee‘ hinter dem Lobbyismus, der solche Kriege will, ist die, wirtschaftliche Konkurrenz zu VERHINDERN. Stattdessen wollen die Kriegslobbyisten Monopole für ihre ‚Kliente‘ oder für sich selbst, mit denen sie Preise diktieren können (aktuell: den Ölpreis via Saudi-Arabien, wenn die Saudis da nicht mitmachen würden, würden die von den Thinktanks ganz schnell zum ‚Schurkenstaat‘ geschrieben, dass die eine kriegstreibende islamistische Diktatur sind, ist hingegen den Lobbyisten völlig egal, ich denke, sogar genehm!).

      Sie liegen also auch völlig falsch, wenn Sie meinen, dass hinter Marktwirtschaft und der aktuellen Kriegs-‚Interventionspolitik‘ die gleichen geistige Idee stecken würde. Im Gegenteil: die geistigen Ideen sin diametral entgegengesetzt!

    • und nochmal korrigiert:

      @ Michaela
      Zitat von Ihnen:
      ‚Zuerst ist da die Idee des Konkurrenzkampfes als Prinzip des Wirtschaftens.‘
      ‚Zunächst ist das der Krieg in geistiger Form.‘

      Und genau das ist völlig falsch. Sie verharmlosen damit insbesondere den menschenrechtswidrigen ‚modernen‘ Krieg, der aus sogenannten ‚wirtschaftlichen Interessen‘ vom Zaun gebrochen wird, aufs Gröbste.
      Marktwirtschaftliche wirtschaftliche Konkurrenz bedeutet, dass Dienstleister ihre Arbeit und ihre Leistungen besonders gut machen wollen und sich dabei auch mit anderen vergleichen (auch in bezug auf Marktanteile).
      Wenn zum Beispiel ein Restaurant oder ein Handwerksbetrieb sich um gute Qualität bemühen, ist das gelebte Marktwirtschaft im Konkurrenzprinzip. Und Sie setzen das allen Ernstes und vöölig absurderweise mit Krieg gleich!

      Das ist mit dem zestörerischen, mörderischen ‚Teile-und Herrsche‘-Krieg, der einzelnen Wirtschaftsteilnehmern dazu ‚dient‘, auf machtmißbrauchende Art Konkurrenten auszuschalten, nicht zu vergleichen. Sondern ganz im Gegenteil: Die ‚geistige Idee‘ hinter dem Lobbyismus, der solche Kriege will, ist die, wirtschaftliche Konkurrenz zu VERHINDERN. Stattdessen wollen die Kriegslobbyisten Monopole für ihre ‚Klientel‘ oder für sich selbst, mit denen sie Preise diktieren können (aktuell: den Ölpreis via Saudi-Arabien, wenn die Saudis da nicht mitmachen würden, würden die von den Thinktanks ganz schnell zum ‚Schurkenstaat‘ geschrieben, dass die eine kriegstreibende islamistische Diktatur sind, ist hingegen den Lobbyisten völlig egal, ich denke, sogar genehm!).

      Sie liegen also auch völlig falsch, wenn Sie meinen, dass hinter Marktwirtschaft und der aktuellen Kriegs-‚Interventionspolitik‘ die gleichen geistige Idee stecken würde. Im Gegenteil: die geistigen Ideen sind diametral entgegengesetzt!

    • @ Michael Kanellos: “ Menschen sind ja keine programmierbaren Computer.“

      Je mehr der einseitige Materialismus um sich greift, der demnächst noch alle für verrückt erklärt, die von Seele und Geist sprechen, desto mehr wächst die Gefahr, dass der Mensch zum programmierbaren Computer gemacht wird.
      Transhumanismus ist der Anfang solcher einseitigen Denkweise. Den Geist hat die Kirche schon per Konzilsbeschluss von 869 zu Byzanz abgeschafft, indem sie die Trinitätslehre abschaffte als damals autoritäre Verwaltungsinstanz der Universitäten. Vom Geist sollte nur in der Kirche überhaupt gesprochen werden dürfen, nur ja nicht in der Wissenschaft.
      Und das Nächste, was auf anderen Zusammenkünften abgeschafft werden soll, ist die Seele.
      Nur noch derjenige, der den Menschen als biophysikalische Maschine betrachtet und ausschliesslich materielle Dinge als wirklich denkt, gilt dann als „gesund“. Solche, die Seele und Geist eine Wirklichkeit zugestehen, wird man in letzter Konsequenz mit materiellen Pillen von ihrer „Krankheit“ versuchen, zu „kurieren“. Ergebnis ist der Zombie.
      Man wird dann intern „elitärer“ Kreise eine Wissenschaft von Seele und Geist pflegen und vor den Zombies geheim halten, um sie durch diesen Okkultismus – nichts anderes ist es, wenn es geheimgehalten wird – geistig und seelisch fernsteuern zu können.
      Dasselbe hatten wir schonmal im alten Aegypten, wo die Machthabercliquen ihr Herrschaftswissen vor dem Volke geheimhielt. Eigentlich sollte es mit solchem Okkultismus seit der Zeitenwende längst vorbei sein. Doch auf der 1 Dollar Note erscheint die Pyramide mit den Symbolen der Geheimgesellschaften.
      Jesuiten führten die Hochgrade in die Freimaurerei ein. Ursprünglich waren es drei Grade: Lehrling,Geselle und Meister. Der Meister gehört nicht mehr zu den Gesellen, gehört nicht mehr zur Gesell-schaft.
      Er hat sich von gesellschaftlichem Spiessbürgertum samt dessen Normen emanzipiert und ist die Norm gebende Instanz selber. DAS gilt aber NICHT für diese der Gesellschaft Zugehörigen samt deren Gesetzen !
      Nach aussen hin darf kein Katholik z.B. die Sakramente empfangen, wenn der auch Freimaurer ist.
      Aber die Spitze dieser Pyramide bilden Meister vom Stuhl und der Jesuit, der heute Papst ist, und die sind vereint im Ziel der Unterdrückung der Geistesfreiheit. Das ist wie eine Batterie mit Pluspol und Minuspol. Der Pluspol sagt über den Minuspol: Du bist so negativ ! Aber ohne den Minuspol könnte die „Batterie“ nicht Kraft entfalten.
      Ich empfehle, mal die Eidesformel der Jesuiten zu googeln.
      Und was denen derzeit im Weg steht, ist die russische Orthodoxie.

  3. Ich warne vor Vereinfachungen: Weder Linke noch Konservative können wir auf diese ihre Eigenschaft reduzieren. Bei Konservativen gibt es z.B. auch Willy Wimmer, Jürgen Todenhöfer, Richard von Weizsäcker und Rita Süßmuth…. Freie Geister.
    Ken Jebsen hat zu dieser Frage auch einmal einen irrigen weil pauschalisierenden Beitrag geliefert. Meine Antwort:
    https://kenfm.de/vielleicht-und-radikal/
    Zur Frage von Kooperation und Konkurrenz: Die Definition von Liberalismus fällt je nach Anschauung auch unterschiedlich aus. Es gibt nicht nur die Theorie, die gegen Regeulation und für Freiraum ist. Die Freiburger Thesen zum Liberalismus von 1971 orientierten auf die Menschenrechte und Demokratisierung der Gesellschaft.
    Ein Schüler sagte mir einmal, er mache sich Sorgen, wenn eine Gesellschaft von Konkurrenz und Egoismus ausgeht, ehe dann die unsichtbare Hand des Marktes daraus Wohlergehen für alle machen soll. „Was macht das mit den Menschen?“
    UNO Generalsekretär U Thant schrieb im Club of Rome Bericht über die Grenzen des Wachstums 1969: „Wenn eine … weltweite Partnerschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht zustande kommt, so werden, fürchte ich, die …Probleme derartige Ausmaße erreicht haben, dass ihre Bewältigung menschliche Fähigkeiten übersteigt.“ Seit 1979 hoffe und arbeite ich daran, dass er sich geirrt hat. Wir haben keine andere Chance, als Kooperation der Zivilisation, wenn wir Barbarei und Abtreten der Menschheit vom Planeten Erde verhindern wollen.

    • @ Bernd Trautuvetter

      Zitat:
      Ein Schüler sagte mir einmal, er mache sich Sorgen, wenn eine Gesellschaft von Konkurrenz und Egoismus ausgeht, ehe dann die unsichtbare Hand des Marktes daraus Wohlergehen für alle machen soll. „Was macht das mit den Menschen?“

      Antwort:
      Meines Erachtens ist diese sogenannte ‚unsichtbare Hand des Marktes‘ schlicht ein real nicht existenter Propagandabegriff (sogar Lügenbegriff) von denen, die massiv gegen den Sozialstaat Politik machen wollen, und dadurch ein völlig verfälschtes Bild der Marktwirtschaft und des Liberalismus darstellen wollen.
      Ich halte freien Markt und Marktwirtschaft für sehr wichtig, aber ich denke, dass es eigentlich ziemlich evident ist, dass Markt alleine keinen sozialen Ausgleich liefern kann. Markt ist wichtig für individuelle Freiheit und auch für Diskriminierungsfreiheit und Markt ist sehr hilfreich für die Entwicklung eines materiellen Wohlstandes für die, die arbeiten und Geld verdienen (also nicht im Fokus des Sozialstaats stehen (müssten)).

      Markt kann aber niemals nach sozialen Gesichtspunkten ausgerichtet sein.

      Daher passt ein sozialer Ausgleich mittels eines funktionierenden Sozialsystems sehr gut zu liberaler und auch gerade zu neoliberaler Politik und ist sogar nötig und wünschenswert.
      Es gab aber leider in den letzten Jahrzehnten eine absichtliche Fehlinterpretation dessen von Lobbyisten, die den Sozialstaat am liebsten abschaffen wollen.
      Diese Lobbyisten sind meines Erachtens und nach meiner Beobachtung nahezu immer gar keine Liberalen, sondern meistens gesellschaftlich intolerante (Neo)konservative – aber die haben sich meistens selbst als ’neoliberal‘ bezeichnet und damit auch den Begriff des Liberalismus – meines Erachtens als zweite Absicht neben der Hetze gegen den Sozialstaat – schlecht geredet und verzerrt.

      Die Finanzkrise 2009 zeigte, dass die auch inhaltlich völlig falsch lagen. Nicht die Staaten, die einigermaßen liberale Wirtschaftspolitik mit einem einigermaßen funktionierenden Sozialsystem haben, sind in schwere Probleme gekommen (Deutschland, Schweiz, Norwegen etc.), sondern genau die Staaten, die keine ‚Wohlfahrtsstaaten‘ sind und/oder den Sozialstaat geschleift haben (USA, Griechenland, Spanien *) etc.).
      Das hat die jahrelange Anti-Sozialstaats-Propaganda der Neokonservativen, die sich als ’neoliberal‘ bezeichnet haben, völlig Lügen gestraft. Die haben jahrelang behauptet, Deutschland und Norwegen würden ihre Systeme ’nicht finanzieren‘ können und wären wegen ihres Sozialstaatsansatzes (‚Wohlfahrtsstaat‘) ‚wirtschaftlich instabil‘ oder Ähnliches. Das Gegenteil trat ein – genau die Wohlfahrtsstaaten standen wirtschaftlich gut da.
      Da es außerdem liberal ist, jedem ein Existenzminimum zuzugestehen **) (da das natürlich die Leute auch unabhängiger macht, ist klar geworden, dass echte sozialstaatliche Politik sich sogar gut mit Liberalismus verträgt, sowohl wirtschaftspolitisch als auch inhaltlich gesehen.

      *) Griechenland und Spanien haben entgegen der Propaganda nur sehr schwache Sozialsysteme, die viel weniger für Bedürftige leisten als z.B. Hartz4 es tut. Die USA haben die Abschaffung sozialstaatlicher Leistungen teilweise durch wahllose Kreditvergaben ‚ersetzt‘, was wirtschaftlich gar nicht funktionierte. Während die sogenannten ‚Wohlfahrtsstaaten‘ entgegen der Anti-Sozialstaats-Propaganda finanziell sehr gut durch diese Krise kamen.

      **) Grundsicherung (also die Garantie eines Rechts auf individuelles Existenzminimum) ist etwas ganz Anderes und viel Besseres als das sogenannte ‚Grundeinkommen‘, das für Beürftige oft nicht reicht und Millionären Sozialhilfe hinterherwerfen würde.

    • Korrektur, jetzt mit richtigem Namen (sorry 🙂 ):

      @ Bernhard Trautvetter

      Zitat:
      Ein Schüler sagte mir einmal, er mache sich Sorgen, wenn eine Gesellschaft von Konkurrenz und Egoismus ausgeht, ehe dann die unsichtbare Hand des Marktes daraus Wohlergehen für alle machen soll. „Was macht das mit den Menschen?“

      Antwort:
      Meines Erachtens ist diese sogenannte ‚unsichtbare Hand des Marktes‘ schlicht ein real nicht existenter Propagandabegriff (sogar Lügenbegriff) von denen, die massiv gegen den Sozialstaat Politik machen wollen, und dadurch ein völlig verfälschtes Bild der Marktwirtschaft und des Liberalismus darstellen wollen.
      Ich halte freien Markt und Marktwirtschaft für sehr wichtig, aber ich denke, dass es eigentlich ziemlich evident ist, dass Markt alleine keinen sozialen Ausgleich liefern kann. Markt ist wichtig für individuelle Freiheit und auch für Diskriminierungsfreiheit und Markt ist sehr hilfreich für die Entwicklung eines materiellen Wohlstandes für die, die arbeiten und Geld verdienen (also nicht im Fokus des Sozialstaats stehen (müssten)).

      Markt kann aber niemals nach sozialen Gesichtspunkten ausgerichtet sein.

      Daher passt ein sozialer Ausgleich mittels eines funktionierenden Sozialsystems sehr gut zu liberaler und auch gerade zu neoliberaler Politik und ist sogar nötig und wünschenswert.
      Es gab aber leider in den letzten Jahrzehnten eine absichtliche Fehlinterpretation dessen von Lobbyisten, die den Sozialstaat am liebsten abschaffen wollen.
      Diese Lobbyisten sind meines Erachtens und nach meiner Beobachtung nahezu immer gar keine Liberalen, sondern meistens gesellschaftlich intolerante (Neo)konservative – aber die haben sich meistens selbst als ’neoliberal‘ bezeichnet und damit auch den Begriff des Liberalismus – meines Erachtens als zweite Absicht neben der Hetze gegen den Sozialstaat – schlecht geredet und verzerrt.

      Die Finanzkrise 2009 zeigte, dass die auch inhaltlich völlig falsch lagen. Nicht die Staaten, die einigermaßen liberale Wirtschaftspolitik mit einem einigermaßen funktionierenden Sozialsystem haben, sind in schwere Probleme gekommen (Deutschland, Schweiz, Norwegen etc.), sondern genau die Staaten, die keine ‚Wohlfahrtsstaaten‘ sind und/oder den Sozialstaat geschleift haben (USA, Griechenland, Spanien *) etc.).
      Das hat die jahrelange Anti-Sozialstaats-Propaganda der Neokonservativen, die sich als ’neoliberal‘ bezeichnet haben, völlig Lügen gestraft. Die haben jahrelang behauptet, Deutschland und Norwegen würden ihre Systeme ’nicht finanzieren‘ können und wären wegen ihres Sozialstaatsansatzes (‚Wohlfahrtsstaat‘) ‚wirtschaftlich instabil‘ oder Ähnliches. Das Gegenteil trat ein – genau die Wohlfahrtsstaaten standen wirtschaftlich gut da.
      Da es außerdem liberal ist, jedem ein Existenzminimum zuzugestehen **) (da das natürlich die Leute auch unabhängiger macht, ist klar geworden, dass echte sozialstaatliche Politik sich sogar gut mit Liberalismus verträgt, sowohl wirtschaftspolitisch als auch inhaltlich gesehen.

      *) Griechenland und Spanien haben entgegen der Propaganda nur sehr schwache Sozialsysteme, die viel weniger für Bedürftige leisten als z.B. Hartz4 es tut. Die USA haben die Abschaffung sozialstaatlicher Leistungen teilweise durch wahllose Kreditvergaben ‚ersetzt‘, was wirtschaftlich gar nicht funktionierte. Während die sogenannten ‚Wohlfahrtsstaaten‘ entgegen der Anti-Sozialstaats-Propaganda finanziell sehr gut durch diese Krise kamen.

      **) Grundsicherung (also die Garantie eines Rechts auf individuelles Existenzminimum) ist etwas ganz Anderes und viel Besseres als das sogenannte ‚Grundeinkommen‘, das für Beürftige oft nicht reicht und Millionären Sozialhilfe hinterherwerfen würde.

    • @ Bernhard Trautvetter: „..an die Wurzeln dessen, was ist.“

      Schön gesagt. Nur: Was ist damit von Ihnen gemeint ? Die anthroposophische Geisteswissenschaft spricht vom lebendigen Geist als Urquelle allen Seins, und der Materialismus des Freimaurers Karl Marx stellt das auf den Kopf und hält eigentlich die Ideen für weiter nichts als Symptome materieller Prozesse. („Ueberbau“)
      Dr.Steiner sagte etwas, das mir ganz einleuchtet: “ Geld und Arbeit sind keine austauschbaren Werte, sondern nur Geld und Arbeitserzeugnis. Gebe ich daher Geld für Arbeit, so tue ich etwas Falsches. Ich schaffe einen Scheinvorgang. Denn in Wirklichkeit kann ich nur Geld für Arbeitserzeugnis geben.“

    • Bernhard Trautvetter sagt: 23. Mai 2016 at 07:01
      „Ich warne vor Vereinfachungen:“

      Ich warne eindringlich vor Verkomplizierung. Verkomplizierung wird meist künstlich „herbeigeredet“ um Verwirrung zu stiften, zu spalten, eigene Vorteile zu generieren, zu betrügen, alles in einem Nebel aus künstlicher Verkomplizierung zu verschleiern.

  4. Meines Erachtens redet Brzezinski mindestens über Russland und die Ukraine ziemlichen Unsinn.
    Ich weiß nicht, ob es nötig ist, diesen EIndruck noch genauer zu erklären.
    Ich kann es aber, wenn gewünscht.
    Ich habe es mir abgewöhnt, Verbalkrieger wie diesen Brzezinski möglichst zu ignorieren und mich auf die wirklich relevanten Dinge zu konzentrieren, insbesondere auch auf das, was nicht in den Mainstreammedien steht.
    Fakten sind, dass die USA auf ziemlich frappierende Weise in der Ukraine hineinregieren wollen (bewiesen auch durch die geleakten Mitschnitte von Frau Nuland) und dass dort Nazis unterwegs sind, die ggf. diekt aus westliichen Quellen unterstützt werden – aber auch, dass Russland die Ukraine militärisch angegriffen und annektiert hat. Das Zweite ist eine derart simple Tatsache, dass das häufige Leugnen dieser Tatsache schon an ideologische Pro-Putin-Verblednung grenzt. Das Erstgenannte ist zwar in der Tat auch mindestens fragwürdig bis skandalös.
    Ich habe aber den Eindruc, dass so manche sich angewöhnt haben, ‚Skandal‘ zu rufen. wenn die USA die sogenannte ‚Souveränität‘ von Staaten angreifen oder auch nur versuchen, die Politik zu manipulieren – aber bei Russland das Analoge einfach zu ignorieren.

    • Kleine Korrektur:
      ‚Ich habe es mir abgewöhnt, Verbalkrieger wie Brezinski..‘
      Korrekt ist natürlich:
      Ich habe mir das natürlich ANgewöhnt, Typen wie Brezinski zu ignorieren!

  5. Sowohl in der Friedensbewegung als auch im linken Spektrum generell sind die geopolitischen Konstanten der anglo-amerikanischen Machtpolitik weitgehend terra incognita. Das haben beide mit der akademischen Welt von Historikern und Politikwissenschaftlern in Deutschland gemein. Die rühmliche Ausnahme: der Historiker Hans-Christof Kraus von der Uni Passau

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/syrien-und-ihr-denkt-es-geht-um-einen-diktator-11830492.html

    Die strategischen Forderungen Brzezinskis fußen auf der „Heartland-Theorie“ Halford Mackinders, erstmals 1904 unter dem Titel „The Geographical Pivot of History “ veröffentlicht, sowie der ergänzenden Überlegungen Nicholas Spykmans, der Professor für Internationale Beziehungen an der Yale Universität war. Er wollte den Schwerpunkt der US-Strategie auf die Küstenzonen („Rimlands“) legen, die den eurasischen Kontinent umgeben. Mackinder und Spykman haben Generationen von Akademikern und Politikberatern im anglo-amerikanischen Raum beeinflusst. Misst man die britische Politik bis zum Ende des Empires und die US-Politik vom Kriegseintritt 1941 bis heute an diesen Konzepten, lassen sich beide unschwer als Blaupausen identifizieren. Danke an Bernhard Trautvetter, dass er über Brzezinskis „The Grand Chessboard“ darauf hingewiesen hat.

    • @ Jochen Scholz: „…geopolitischen Konstanten der angloamerikanischen Machtpolitik weitgehend terra incognita.“

      Das hat natürlich einen Grund, warum das im linken Spektrum kaum ein Thema ist. Auch beim allgemeinen (!) Akademiker ist das kein Thema, das der gerne anfasst. Hans -Christopf Kraus ist da eine rühmliche Ausnahme, die die Regel bestätigt. Man darf nicht alle Akademiker über einen Kamm scheren.
      Linke sind ja Leute, die gerne die Verwaltung der Hochschulen der politischen Klasse exklusiv überlassen wollen.
      Daher ist für viele Akademiker die linke Weltanschauung etwas, mit der sie sympathisieren.
      Leider ist heute die Meinung weit verbreitet, dass Erziehung und Bildung Staatssache seien.
      Wenn jemand als Privater eine Hochschule gründet, rümpft der allgemeine Akademiker zusammen mit dem Linken darüber die Nase. Und dann sind auch gleich die Kirchen mit dabei, darüber die Nase zu rümpfen.

      Ziel einer guten Erziehung ist, die Menschen zur Freiheit und Selbständigkeit zu bringen, also das zu entwickeln, was individuell im Menschen veranlagt ist. Ziel des Beamten des Staates ist aber, Menschen zu Untertanen zu erziehen, die ihm die Steuern zahlen ohne aufzumucken.
      Wer den Untertanen will, der muss ihn dazu erziehen, über Machtpolitik, Geostrategie und vor allem Geschichte gar nicht erst nachzudenken. Der darf auch nicht das entwickeln helfen, was im Individuum veranlagt ist, sondern der stopft die Schüler mit dem abstrakten Inhalt von „geistigen Konservenbüchsen“ voll, damit so jemand ja nicht anfängt, selbständig zu denken, bildhaft gesagt soll der die Konserven fressen, die andere ihm vorgekocht haben.
      Nur darf der ja nicht lernen, wie man selbst ein „Menue zubereitet“.

      Linke hinterfragen meist gar nicht, ob es nicht sinnvoller wäre, die Verwaltung der Bildung der Politik zu entziehen, um sie in die Selbstverwaltung zu bringen. Müssen Lehrer verbeamtet werden ? Warum eigentlich soll Bildung Staatssache sein ? Welche Kompetenz hat denn die politische Klasse, uns zu erziehen und zu belehren ? Das ist zuallererst Angelegenheit Privater, der Eltern. In der „DDR“ war Bildung reine Parteisache,Staatssache.
      Und gerade heute, wo mehr und mehr sichtbar ist, dass diese Politik nicht UNSERE Interessen sondern die der Angloamerikaner vertritt, wird die Frage existentiell, wer unsere Bildung verwaltet.
      Wer an UNSERER Freiheit und Selbständigkeit interessiert ist, der sollte meiner Meinung nach uns und unsere Kinder belehren dürfen, niemand sonst. Politik sollte sich auf ihr ureigenes Territorium beschränken, d.h. auf die Verwaltung des Rechtslebens. Da ist Gleichheit dass Ding. Freiheit ist das Ding in der wissenschaftlichen Forschung, also im Geistesleben bzw,. den Hochschulen. Brüderlichkeit sollte im Wirtschaftsleben die Basis sein zwischen Produktionsgemeinschaften und Konsumptionsgemeinschaften. Sie müsste an die Stelle des Konkurrenzkampfes gestellt werden, der immer in Krieg ausartet. Wettbewerb artet immer in Krieg aus. Das Prinzip des Konkurrenzkampfes ist Krieg !
      Leider ist es eine festgefahrene Meinung vieler, dass Konkurrenzkampf die Grundlage der Wirtschaft sein müsse, dass eine andere Idee von Wirtschaftsleben „nicht möglich“ sei, und, dass „naiv“ sein müsse, Brüderlichkeit als Basis eines neuen Wirtschaftens zu etablieren. Doch anders wird es nicht gehen, wenn wir Frieden wollen.

    • @ Michaela

      Sie behaupten:
      ‚Wettbewerb artet immer in Krieg aus. Das Prinzip des Konkurrenzkampfes ist Krieg !‘

      Kommentar dazu:
      Das ist völlig falsch und antiliberale Propaganda.
      Fakt ist, dass z.B. die EU eine konkurrenzbasierte Wirtschaft hat und dennoch oder gerade deshalb Frieden innerhalb Europas wirklich garantiert.
      Und z.B. der Leistungssport setzt einen Konkurrenzkampf voraus, der aber völlig ohne Krieg abläuft.
      Sie sollten wirklich hin und wieder mal Ihre Ausführungen darauf prüfen, ob sie elementaren Fakten und simpler Logik entsprechen.

    • Michaela
      “ Wettbewerb artet immer in Krieg aus. Das Prinzip des Konkurrenzkampfes ist Krieg !“

      Ganz richtig. Der Wettbewerb IST schon der Krieg. Es geht darum zu siegen. Den Gegner ! – Wettbewerb und Mitbewerber sind reine Euphemismen zur Verschleierung – ausbooten, plattmachen, vom Markt fegen usw.

      Würden wir statt ständigem Wettstreit ! konstruktiv und kooperativ ZUSAMMENARBEITEN, ginge es Allen besser.

    • @ Der Souverän

      Sie sehen offenbar keinen Unterschied zwischen einem Wettbewerb unter Dienstleistern oder einem Wettbewerb zwischen Sportlern in einem liberalen, sozial abgefederten Umfeld einerseits und Krieg, bei dem Leute (auch am Krieg Unschuldige) brutal verletzt und getötet werden und Staaten zu No-Go-Zonen werden andererseits.

      Was Sie schreiben, ist schlicht absurd – und/oder mehr als fragwürdige Propaganda.

    • @ Der Souverän: “ Der Wettbewerb IST schon der Krieg.“

      Eine „Nebenwirkung“ des Wettberwerbs ist dann die, dass Firmen, um konkurrieren zu können, so produzieren, dass die Produkte nach Ablauf der Garantiefrist kaputtgehen müssen, damit wir Kunden gezwungen sind, das neu nach zu kaufen. Und auf die Umwelt wird da gar keine Rücksicht mehr genommen, geschweige denn auf Menschenleben, wenn man weiter nichts will, als Bomben verkaufen. Die haben eine „Garantiefrist*“ von Sekunden und müssen immer wieder nachproduziert werden, egal ob die Empfänger das Produkt bestellt haben oder nicht, sie KRIEGen es…

    • Michaela

      So ist es. Ich würde das gar nicht als „Bebenwiekung“ ansehen, sondern als eines der veheerenden, destruktiven ZIELE des Wettbewerbs.

      Übrigens auch im sportlichen Wettbewerb. Wer wird geehrt, wer „heimst alles“ ein? Der Sieger.
      Wobei es nichtselten um Anteil hundertstel oder gar tausendstel einer Sekunde geht.

      Der Zweite, Dritte gerät schon morgen in Vergessenheit. Dabei reicht ein Windhäuchlein das in zufällig getroffen hat, ihm den Sieg zu nehmen. Das ist völlig irre und irrational. Der hat genauso oder gar härter trainiert und gearbeitet als der Sieger. Immer Jahrelang und oft auf Kosten der Kindheit. Wegen dieser hundertstel Sekunde ist dann das bis dahin aufgebaute (Leben) dann nichts mehr wert? Oder er schindet seinen Körper und Geist noch mehr, um beim nächsten mörderischen Wettkampf als Sieger auf dem trostlosen Treppchen zu stehen.

    • @ Der Souverän: „sportlichen Wettbewerb“

      Und selbst dann, wenn einer wegen Millisekunden auf dem Siegerpodest steht, kann immer noch folgendes passieren: Da wird dann nachher der Sieger gedemütigt und degradiert. Es kommt dann ein staatlicher Akademiker, so ein neunmalkluger Besserwisser, der zum Sieger sagt: “ Pipikontrolle.“ Da muss ein erwachsener Mensch sein Pipi herzeigen. Und dann rümpft der Akademiker die Nase und sagt: “ Nein, so wie dein Pipi stinkt bist du gedopt.“

      Die Musiker sind keine solchen Duckmäuser, die Dopingkontrollen hinnehmen. Nur EIN Beispiel: Die Rolling Stones sind ein milliardenschwerer Konzern mit Hauptsitz in Amsterdam. Und wenn man die Biographie „LIFE“ von Keith Richards aufmerksam liest, kann man sich wirklich fragen: “ Sind die eine Private Akademie für Dopingforschung, die sich mit Musik selber finanziert ? Oder sind das Musiker, die ihre Dopingforschung mit Konzerten finanzieren ?
      Denn diese Biographie, in der auch glaubwürdige Zeugen zu Wort kommen, die ist eigentlich eine einzige Lobhudelei auf die deutsche Firma Merck.

      Auf die Frage an Keith Richards, warum sie 25 Jahre Kokainkonsum und speziell er selber 10 Jahre Heroinkonsum „überlebten“, sagte der, dass sie nur deswegen überlebten, weil sie sich pharmazeutisch „reine“ Stoffe der „Firma Merck“ hatten leisten können. Im Gegensatz zu anderen, die den „Dreck von der Strasse“ kaufen mussten.
      Die kauften sich Apotheken und beschäftigten Aerzte Teams exklusiv, die denen sogar die Rezepte blanko unterschrieben, die sie dann beim Apotheker einlösten, dem sie in ihrer Apotheke einen Job gaben.
      „LIFE“ ist eine WERBUNG für MERCK. Das bemerkt man, wenn man das liest !
      DIESE Band ist viel zu ausgebufft, um Dopingkontrollen hinzunehmen. Wenn man die fragte: “ Warum nehmen Sie Drogen ?“ sagten die: “ Weil das verboten ist !“
      Und diese Sportler von heute gehen diesen Pipikontrollen auf den Schleim wie kleine Schuljungens von 9 Jahren…
      Bin für Freigabe ! Dann hätten Juristen anderes zu tun, als Erwachsene zu demütigen und Aerzte stünden in der Verantwortung.

Hinterlasse eine Antwort