Unvermeidlich, aber nicht vorhersehbar – die Welt verbessert sich

Von Heiko Schröder.

Pflanzen, Tiere, Menschen verändern sich ständig, stetig aber sehr langsam. Eine Kombination aus Kopieren und Modifizieren des Erbguts, die Genetik, bestimmt die Veränderungsprozesse.

Memetische Verbesserung der Menschheit

Die Gesellschaft ändert sich auch ständig. Besitz, Strukturen, Verhaltensweisen, Wissen, Deutungsmuster und Ideen werden vererbt – dieser Vererbungsvorgang wird durch Meme bestimmt; Meme, wie sie Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ [1] 1976 definiert hat, die seit geraumer Zeit diskutiert werden [2].

Während die Gene sich nur sehr langsam über viele Generationen hinweg verändern und vererben, können sich Meme schnell vererben und auch verändern; denn ein Mem wird vererbt, indem es von Menschen kopiert wird, was oft nur Informationsfluss erfordert.

Während das Gen automatisch – und bis auf Mutation – identisch kopiert wird, spielt bei der Kopie der Meme eine aktive Zustimmung der Menschen, die sie kopieren eine Rolle. Wenn ich mich bei der Begrüßung entscheide, einem Bekannten die Hand zu reichen, wenn ich eine Melodie summe, wenn ich eine bestimmte Partei wähle oder mir Sportschuhe kaufe, immer ist mein Gehirn mit seinem Bewusstsein und auch mit seinem Unterbewusstsein beteiligt, es kann sich dagegen entscheiden, es kann die Entscheidung beeinflussen.

Veränderung in kurzer Zeit

Gene werden sehr langsam übertragen – es braucht wenigstens eine Generation um auch nur ein bisschen zu verändern. Aber das Mem, wenn es eine Idee ist, kann als Text oder Video via Internet in Sekundenschnelle übertragen werden; es braucht nur etwas Zeit, bis die Idee überzeugt und übernommen wird.

Jedes Jahr machen viele Menschen (wie ich jetzt auch) Sommerurlaub am Strand und sonnen sich. Dieses Mem gibt uns eine „gesunde“ und attraktive Hautfarbe, erhöht aber auch das Hautkrebsrisiko. Wenn ich dieses Mem für mich übernehme, es kopiere, sollte ich mir wenigstens überlegen, ob die angenehmen oder die unangenehmen Nebenwirkungen überwiegen.

Solche Entscheidungen können etwas dauern, bis für mich klar ersichtlich ist, ob es sich lohnt diese Verhaltensweise zu kopieren. Aber Meme brauchen keine Generation, um sich durchzusetzen. Die Meme, mobile Telefone zu nutzen, E-Mail, Facebook, Twitter zu nutzen haben sich in sehr kurzer Zeit durchgesetzt. Moden setzen sich sehr schnell durch, aber zum Beispiel die Art, wie wir Kinder behandeln, ändert sich langsamer.

… alles Meme!

Meme können (im Gegensatz zu Genen) erschaffen werden. Ob eine neue Idee oder eine Verhaltensweise aber zu einem erfolgreichen Mem wird, ist schwer oder gar nicht planbar. Die Entstehung eines Mems beinhaltet einen kreativen Prozess: Jemand hat eine Idee, hat etwas entdeckt, probiert etwas Neues aus und teilt es anderen mit. Wenn viele diese Information teilen, mag es zu dem „Tipping Point“ [3] kommen und ein Mem ist entstanden.

Meme scheinen oberflächlich eher Zufallsprodukte zu sein: Die Verbreitung des Fahrrads, des Autos, des Containers, des Computers. Die Verbreitung demokratischer Prinzipien, die gesetzliche Verankerung der Verbrechensbekämpfung, der nach oben gestreckte Daumen, das Nicken (in vielen Kulturen), die Sprachen, die Musikinstrumente, das Singen, eine einprägsame Melodie – alles Meme.

Gene und Meme unterliegen im Verbreitungsprozess bestimmten Auswahlkriterien. Meme – noch mehr als Gene – können zudem modifiziert werden, durch einen ungenauen Kopiervorgang beispielsweise, aber genauso durch absichtliche kreative Manipulation.

Meme und der (fast) freie Wille 

Richard Dawkins hat den Begriff „The Selfish Gene“ (Das egoistische Gen) geprägt, was dem Gen eine Absicht und ein Eigenleben unterstellt. Dies war sicher unter anderem als Provokation gedacht.

Das Gegenstück zum egoistischen Gen, das „egoistische Mem“, scheint mir weniger angemessen, insbesondere weil es immer Menschen sind, die die Meme bewusst, also aus freier Entscheidung heraus wählen.

Auch wenn der freie Wille [4] ein komplexes Konstrukt ist, deren Existenz von vielen zu Recht angezweifelt wird – es ist aber wenigstens zum Teil unsere Entscheidung, welche Partei wir wählen, welche Zeitung wir lesen, ob wir nicken, ob wir Musik hören und ins Konzert gehen, ob wir Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Selbst wenn jeder von uns viel von anderen kopiert, hat unser eigenes Verhalten auch Vorbildfunktion und führt zu Nachahmung. So kann ein neues Mem entstehen und das Mem vermehrt sich. Meme werden also auch neu erfunden und diese Erfindung beruht auf Kreativität, vielleicht auch mal auf Zufall. Ob und wie weit und wie sich ein Mem durchsetzt hat Malcom Gladwell in „The Tipping Point“ beschrieben.

Mehr Bildung, weniger personelle Gewalt

Eine der wichtigsten Meme für die Entwicklung der Menschheit ist sicher das Bildungssystem. Weltweit wird die Bildung stärker, weltweit wachsen die Einschulungsraten, die Zahl der Universitäten nimmt zu. Auf der ganzen Welt geht die personelle Gewalt gegen Kinder und Frauen zurück. Steven Pinker hat dies in seinem Buch „The Better Angels of Our Nature: Why Violence Has Declined“ (Deutscher Titel: „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit) 2011 herausgestellt [5]. 2018 wurde in einem Interview von Spektrum.de mit Steven Pinker [6] auf die Entwicklung der Tötungsdelikte in Westeuropa reflektiert:

Tötungsdelikte in Westeuropa | Die Anzahl an Tötungsdelikten in Westeuropa geht seit dem 13. Jahrhundert stetig zurück. Französische, englische oder deutsche Bürger laufen statistisch gesehen 60-mal weniger Gefahr, von einem Mitmenschen erschlagen zu werden, als im Jahr 1300.

Das Wissen der Menschheit insgesamt und der Bildungsgrad der einzelnen Menschen sind beständig gestiegen. Parallel dazu nahm die personelle Gewalt ab. Die Erfindung des Buchdrucks hat die Ausweitung des Bildungssystems möglich gemacht. Dies war anfänglich noch ein recht langsamer Prozess; denn es war sehr aufwendig, ein Buch zu schreiben, zu drucken und zu verbreiten. Bücher mit einer Druckauflage in Millionenhöhe gibt es noch nicht so lange.

Bildungssysteme

Das Drucken von Zeitungen, Radio, Fernsehen und Telefon, haben diese Entwicklung beschleunigt. Das Internet mit Wikipedia, YouTube und Facebook macht es heute möglich, neues Wissen innerhalb von Sekunden über die ganze Welt zu verteilen. So steht nun auch das Wissen darüber, wie am effektivsten gelehrt und gelernt wird weltweit zur Verfügung.

Bildungssysteme entwickeln sich. Sie werden getrieben durch Parteien und Politiker, die – selbst getrieben durch die Formel des ewigen Wachstums – von der Wirtschaft wissen (und diktiert bekommen), was dort gebraucht wird. Getrieben von Eltern und Schülern, die Berufe anstreben, welche ein gutes Einkommen versprechen. Und getrieben von Lehrern, die gerade solche Fächer lehren wollen, die die Wirtschaft verlangt, weil sie darin für sich selbst die besten Anstellungschancen und somit eine Zukunft sehen.

Kritisches Denken

Schon immer hat die Wirtschaft geklagt, dass es nicht genug Fachkräfte gibt, entsprechend sind weltweit die Einkommen der besser gebildeten (und ausgebildeten) Menschen im Durchschnitt höher als die der weniger gebildeten. Dabei geht es der Wirtschaft vor allem um Fachwissen und Teamfähigkeit. Fachwissen wird immer komplexer: Computer müssen genutzt, Regelkreise und Chaostheorie müssen verstanden werden und Teamfähigkeit verlangt das Verstehen psychologischer, pädagogischer und soziologischer Vorgänge. Unser Bildungssystem kommt nicht darum herum, kritisches, also vernünftiges reflektierendes Denken zu lehren.

Kritisches Denken ist aber vielleicht aus der Sicht der Wirtschaft und großer Teile unserer Gesellschaft ein „zweischneidiges Schwert“.

Kritisches Denken oder vernünftiges reflektierendes Denken – oder auch wissenschaftliches Denken – heißt, zu hinterfragen statt zu akzeptieren, was einem gesagt wird. Es kollidiert mit allen Systemen, die auf Autorität aufgebaut sind. Dies gilt für große Teile unserer Bildungssysteme genauso wie für den großen Teil unserer Industrie. Das gilt für die Religionen und für politische Parteien und Regierungen. Es gilt auch für die Familie.

Antiautoritäre Erziehung und freies Denken

In Familie und Schule gab es schon in den 60er Jahren die antiautoritäre Erziehung (siehe: A. S. Neill zu antiautoritärer Erziehung [7] sowie „Freie Kindererziehung in der Familie“ von Paul und Jean Ritter [8]), die Kinder ernst nahm, an Entscheidungen teilnehmen ließ und sie damit zu vernünftigem reflektierenden, also wissenschaftlichem Denken und Argumentieren anhielt.

Die antiautoritäre Bewegung hat sich zwar nicht völlig durchgesetzt, sie hat aber die Diskussion im und um das Bildungssystem bereichert. Die Denkweisen an Universitäten sollten längst überall kritisch, also vernünftig reflektierend und wissenschaftlich sein (sind dies aber selbst an den Stätten des freien Denkens noch nicht uneingeschränkt, sodass Studenten noch vieles auswendig lernen, ohne es wirklich zu verstehen).

Everybody is a Leader

In der Industrie gibt es mittlerweile Firmen, die keinen Chef mehr haben. Flache Organisationsstrukturen setzen sich mehr und mehr durch. Diese verlangen, dass alle Mitarbeiter mitdenken und Entscheidungen treffen. Selbst in modernen Armeen entfernt man sich langsam von streng hierarchischen Befehlsstrukturen, vor allem, weil die hoch technisierte Armee so komplex ist, dass einzelne Befehlshaber oft nicht genug Überblick über mögliche Konsequenzen ihrer Entscheidungen haben.

Bücher wie „Everybody is a Leader“ [9] und „Multipliers“ [10] machen klar, dass man Menschen gut motivieren kann, wenn sie auch Teil der Entscheidungen in einer Firma sein können. Nur dann erfolgt „Buy-In“ [11] und Menschen setzen sich für die Gemeinschaft ein.

Es gibt Webseiten, die helfen, kritisches Denken zu trainieren. Zum Beispiel www.kialo.com, auf der kritisches Denken praktiziert wird oder www.kursfinder.de. Es gibt Techniken, die der Entscheidungsfindung dienen, wie beispielsweise „Six Thinking Hats“, eine von Edward de Bono entwickelte Methode zur Entscheidungsfindung. Es ist zu erwarten, dass die Industrie auch langfristig nach besser ausgebildeten Mitarbeitern sucht, Mitarbeiter die mitdenken, die kritisch und wissenschaftlich denken können.

Mehr Gerechtigkeit

Kritisches Denken oder wissenschaftliches Denken in demokratischen Systemen führt wohl zwangsläufig dazu, dass Utilitarismus, der Kant’sche Imperativ und Konsensieren genauso unterstützt werden, wie das kritische Denken selbst. Damit führt es die Menschen automatisch zu der Frage, was gerecht ist, und zu hinterfragen, wer unter einer Entscheidung leiden und wer davon profitieren würde.

Kritisches Denken angewandt in politischen Überlegungen in einem demokratischen System, würde wohl ebenfalls automatisch zur Gemeinwohl-Ökonomie führen, weil ständiges Wachstum unserer Umwelt zu sehr schadet und unser Streben nach Gerechtigkeit verlangt, dass wir uns um das Gemeinwohl kümmern. Diese Entwicklung scheint mir unvermeidlich, aber unvorhersehbar [12]. Kritisches Denken würde Chancengleichheit in Bezug auf Bildung und Wohlstand erfordern und Bildung und Wohlstand fördern.

Ausprobieren. Kopieren. Modifizieren.

Ich sehe die Verankerung des kritischen Denkens in allen Bereichen unserer Gesellschaft als genetischen Prozess. Kritisches Denken kann gelernt und trainiert werden. Es wird von einigen praktiziert, und wenn es zu guten Ergebnissen führt, wird es von vielen kopiert.

Meine Erwartung ist, dass alle Prozesse, die die menschliche Gemeinschaft verbessern, durch kritisches Denken gefördert werden. Somit nehmen alle Verbesserungsprozesse den Charakter genetischer Algorithmen an: Sie werden von wenigen ausprobiert, sie zeigen Erfolge, sie werden von einigen kopiert, modifiziert, ausprobiert, zeigen mehr Erfolge und werden von vielen kopiert. Dies führt zu einer aufsteigenden Spirale, zu einer exponentiellen Verbreitung.

Wissen. Fähigkeit. Persönlichkeit.

In der Behandlung unserer Kinder hat sich die Anwendung von Gewalt schon erheblich verringert, die Ernährung und Gesundheitsversorgung haben sich verbessert, Kinder werden sehr viel ernster genommen als noch von früheren Generationen. Die Entwicklung geht in Richtung Unterstützung ihrer Kreativität und ihrer Talente. Sie lernen, vernünftig reflektierend mit ihrer Umwelt und ihrem Umfeld umzugehen und sich zu integrieren ohne sich dabei zu verlieren.

Kitas, Schulen und die Orte der Berufsausbildung werden sich weiterentwickeln zu Stätten, an denen sich die Persönlichkeit genauso entwickeln kann wie die Ausweitung des Wissens und der Fähigkeiten. Auch das wird eher ein genetischer Prozess sein, der von kritischem Denken beschleunigt wird.

Arbeit. Geschick. Teamwork.

Die Arbeitsplätze werden sich so entwickeln, dass der Angestellte mehr Verantwortung erhält und gleichzeitig Miteigentümer der Firma sein kann, die ihn bezahlt. Unangenehme Arbeiten werden zunehmend von Robotern und Computern erledigt, Arbeitszeit wird sich verkürzen. Die Menschen werden zufriedener mit ihrer Arbeit sein und außerdem mehr Zeit haben, sich außerhalb der Arbeitsstelle kreativ zu betätigen.

Unsere technisierte Gesellschaft funktioniert mit Arbeitsteilung und Ausbildung. Fast hinter jedem Gegenstand, den wir in die Hand nehmen, steckt ein Entwicklungsprozess, der über mehrere Generationen erfolgt ist. Es stecken wissenschaftliche Erkenntnisse in ihm, er beruht auf Teamwork und Spezialisation, er verlangt für jeden seiner Produktionsschritte – und für Werbung und Vertrieb sowie für die spätere Entsorgung – Wissen und Geschick vieler Personen.

Was treibt die Entwicklung der Gesellschaft voran, was bremst sie?

Warum wird Gewalt weniger statt mehr? Die Frage, ob der Mensch gut oder schlecht ist, ist viel diskutiert worden und, dass der Mensch zu guten und zu schlechten Taten fähig ist, ist bekannt. Für den einzelnen Menschen gibt es ständig Gelegenheiten, sich selbst einen Vorteil durch egoistische Verhaltensweise zu verschaffen.

Aber wenn Menschen sich an einen Tisch gesetzt und darüber nachgedacht haben, welche Regeln sie aufstellen wollen, dann haben sich überwiegend Regeln durchgesetzt, die zum Frieden beitragen. Das gilt für die christlichen Zehn Gebote genauso wie für viele unserer Gesetze, unserer Verfassungen und der Menschenrechte.

Es ist für die meisten von uns günstig, wenn wir uns darauf einigen, uns nicht gegenseitig zu verletzen, zu töten, zu bestehlen oder zu betrügen. Für die Menschheit ist es günstig, wenn wir uns gegenseitig helfen. Es ist also durchaus egoistisch, solche Regeln anzustreben. Zusätzlich sind wir genetisch mit Empathie behaftet und wir wissen heute, dass unsere Spiegelneuronen dazu führen, dass wir mitleiden und uns ebenfalls leicht gemeinsam freuen können.

Gegenkräfte

Dagegen gibt es aber auch Kräfte, die bestehendes Unrecht aufrechterhalten wollen. Wer besitzt, wird dies nicht aufgeben wollen; denn die Angst vor Verlust, also Verlustangst [13] ist stärker als die Freude über Gewinn.

Die Freude am Besitz, das Bestreben „besser“ zu sein und mehr haben zu wollen, ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Es drückt sich aus in den vielen Filmen, die von reichen Leuten handeln und vor allem in den vielen Übertragungen von Sportereignissen.

Ich vermute, dass Wettkampf, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt, nicht genetisch in uns verankert ist, sondern nur memetisch. Wir müssen also viele unserer Meme ändern. Meme können aber kaum von außerhalb durch Gesetz oder Befehl geändert werden. Meme wachsen langsam und werden langsam wieder vergessen, sie kommen von innen aus der Gesellschaft, sie entstehen in uns.

Über-Ich, Ich, Es und die Angst

Die Frage, welche Bedeutung Meme letztlich haben, aufgezeigt in „Hast du Meme? Oder haben Meme dich?“ [14], hat viel Ähnlichkeit mit der Frage nach dem freien Willen in Free Will von Sam Harris.

Wir werden durch Meme gelenkt und unser Wille ist auch nicht total frei – der freie Wille wird eingeschränkt durch unseren Charakter, unser Über-Ich, unser Ich und unser Es [15], was auf uns zum Teil von unserer Umwelt mit Hilfe von Memen übertragen wurde. Es sind Meme, die uns lenken (Religionen sind Meme genauso wie Erziehungsstile). Andererseits können wir aber auch Meme entwerfen und Meme formen. Wir sind in der Lage, darüber zu reflektieren, welche Meme uns nützen und welche für uns schädlich sind.

Besonders die Situation unserer heranwachsenden Kinder ist so, dass sie oft hinterfragen, ob wir Erwachsenen ihnen die richtigen Muster vorleben und vorgeben. Oft blicken wir kritisch auf die „angepassten“ Menschen herab. Es gibt also Spielraum für uns zwischen Anpassung und Rebellion, zwischen Kämpfen und Aufgeben, zwischen Progressiv und Konservativ – und in diesem Spielraum verändert sich die Menschheit, verändern sich ihre Meme.

Es gibt eine Balance für die Geschwindigkeit von Veränderungen, die durch unsere Angst vor Veränderung und unsere Angst vor Stagnation bestimmt wird (siehe: Grundformen der Angst [16]).

Mehr Gerechtigkeit – eine Doppelsieg-Strategie

Den großen Veränderungen der Gesellschaft hin zu mehr Gerechtigkeit, zu mehr Chancengleichheit, zu mehr Kooperation und weniger Wettkampf steht eine mächtige Opposition gegenüber. Es sind nicht nur diejenigen, die von den jetzigen Ungerechtigkeiten profitieren. Es sind jene, die übertriebene Angst vor Veränderungen haben – konservative Kräfte der Gesellschaft.

Diejenigen, die eine Vormachtstellung besitzen, also viele der besonders reichen Menschen – sie alleine sind in einer recht kleinen Minderheit, werden aber von den konservativen Teilen der Gesellschaft unterstützt. Die konservativen Kräfte in der Gesellschaft neigen dazu, solche Veränderungen nur zu befürworten, wenn sie in kleinen Schritten geschehen. Aber kleine Schritte in dieser Richtung werden diese Konservativen unterstützen.

Einkommen, Vermögen und Verteilung

Würde in Deutschland das Einkommen umverteilt, und zwar zum Beispiel so, dass der Quotient aus Maximaleinkommen und Minimaleinkommen 10 beträgt (siehe: Gemeinwohl-Ökonomie [17]), wobei das Minimaleinkommen mit 1500 Euro definiert ist, so läge in Deutschland das Jahreseinkommen einer Person zwischen 18.000 Euro und 180.000 Euro – bei einem jährlichen Durchschnittseinkommen von etwa 40.000 Euro. Eine so große Veränderung könnte in unserem politischen System vermutlich nur in mehreren kleineren Schritten eingeführt werden.

Im Vergleich zur jetzigen Realität würden Einkommen soweit sinken, dass sich kaum jemand einen Ferrari oder eine Luxusjacht leisten könnte. Große Villen würden nicht mehr gebaut und einige Hersteller von Luxusartikeln würden ihre Produktion wohl erheblich umstellen müssen. Sie würden dabei möglicherweise aber gewinnen, denn die Gemeinwohl-Ökonomie wird im Durchschnitt mehr Wohlstand schaffen. Dies wird viel mehr Menschen die Möglichkeit geben, sich zum Beispiel ein iPhone zu kaufen, aber niemand wird mehr nach einem mit Diamanten besetzten iPhone verlangen.

Die positiven Effekte

Fraglich ist nicht, ob eine derartige Angleichung der Einkommen negativen Einfluss auf die Zufriedenheit vieler Menschen hätte. Aktuell haben weniger als 1,5 % der Bevölkerung überhaupt ein Einkommen, dass über 180.000 Euro im Jahr liegt. Obige Zahlen sollten daher unter verschiedenen Modellvorgaben nachgerechnet werden. Unter utilitaristischen Maßstäben wäre zu erwarten, dass sich die Situation für die überwältigende Masse der Menschen erheblich verbessert, weil es weit mehr Gewinner als Verlierer gebe.

Die Änderung der Einkommensverteilung und auch des Vermögens (Erbschaftsteuer) muss einhergehen mit der Änderung der Chancengleichheit in der Bildung, zusammen mit einer Ausweitung der Bildung; denn wir müssen besser lernen, die Zusammenhänge zu verstehen.

Selbst diejenigen, die im Rahmen dieser Veränderungen finanziell etwas abgeben, werden vielleicht zufrieden mit diesen Veränderungen sein. Denn mehr Gerechtigkeit [18] und ein verstärktes Gefühl, dass wir alle in einer gerechten Welt leben, führen zu geringerer Kriminalität, besserer Gesundheit für die Allgemeinheit, weniger Neid und höherer Zufriedenheit.

Mehr Freiheit für jeden

Ich habe ein paar Jahre als Hochschullehrer umgeben von armen Menschen gelebt – für sie war ich reich. Bettler saßen auf meinem Weg zur Universität. Ich fühlte mich nicht gut in der Rolle reich zu sein und ich glaube das geht den meisten Menschen so. Deshalb schotten sich viele Wohlhabende ab. Sie errichten hohe Mauern um ihr Haus und an dem Tor zum Grundstück steht ein bewaffneter Wächter. Das bedeutet aber auch weniger Freiheit für die Bewohner des Hauses.

Wenn diese Ungerechtigkeiten verringert werden können, müssen sich Wohlhabende weniger mit hohen Mauern und Bodyguards umgeben. Sie würden somit Freiheit hinzugewinnen, die ihnen die Möglichkeit zu einem größeren und vielleicht interessanteren Freundeskreis eröffnet.

 

Quellen und Anmerkungen

[1] Richard Dawkins: Das egoistische Gen (Original: The Selfish Gene; 1976). 

[2] Spektrum.de (01.12.2000): Evolution – Die Macht der Meme. Auf https://www.spektrum.de/magazin/die-macht-der-meme/827031 (abgerufen am 11.09.2019)

[3] Malcolm Gladwell: The Tipping Point – How Little Things Can Make a Big Difference (2001). 

[4] Sam Harris: Free Will (2012). Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Free_Will_(book) (abgerufen am 11.09.2019)

[5] Steven Pinker: The Better Angels of Our Nature: Why Violence Has Declined (2011). Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Better_Angels_of_Our_Nature (abgerufen am 11.09.2019). Das Buch wurde in Deutsch unter dem Titel „Gewalt – Eine neue Geschichte der Menschheit“ (Verlag S. Fischer, 2013) veröffentlicht

[6] Spektrum.de (19.04.2018): „In der Welt herrscht immer weniger Gewalt“. Auf https://www.spektrum.de/news/immer-weniger-gewalt-in-der-welt/1559618 (abgerufen am 11.09.2019)

[7] Alexander Sutherland Neill: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Das Beispiel Summerhill (Rowohlt, Reinbek 1969).

[8] Paul und Jean Ritter: Freie Kindererziehung in der Familie – Selbstbestimmung als Erziehungsprinzip (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1987)

[9] trainingmag.com (13.09.2016): Everybody is a Leader, Auf https://trainingmag.com/everybody-leader (abgerufen am 11.09.2019

[10] Liz Wiseman und Greg McKeown: Multipliers – How the Best Leaders Make Everyone Smarter (Kindle, 2010)

[11] John P. Kotter: Buy-In – Saving Your Good Idea from Getting Shot Down (Kindle, 2010)

[12] Journal of Democracy: China at the Tipping Point? (2013). Auf https://www.journalofdemocracy.org/wp-content/uploads/2013/01/Nathan-24-1.pdf (abgerufen am 11.09.2019)

[13] Ulrike Sammer: Verlustangst und wie wir sie überwinden (Fachratgeber Klett-Cotta, 2018)

[14] Gen-ethisches Netzwerk: Hast du Meme? Oder haben Meme dich? Auf https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/hast-du-meme-oder-haben-meme-dich(abgerufen am 11.09.2019)

[15] Strukturmodell der Psyche. Auf https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche (abgerufen am 11.09.2019)

[16] Fritz Riemann: Grundformen der Angst (42. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag, 2017)

[17] ecogood.org: Gemeinwohl-Ökonomie – Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft. Auf https://www.ecogood.org/de/idee-vision (abgerufen am 11.09.2019)

[18] Alfie Kohn: Punished by Rewards – The Trouble with Gold Stars, Incentive Plans, A’s, Praise and Other Bribes (2000)

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Dieser Beitrag erschien am 14.09.2019 bei Neue Debatte.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Triff / Shutterstock

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24 Kommentare zu: “Unvermeidlich, aber nicht vorhersehbar – die Welt verbessert sich

  1. Nachtrag:
    Ich finde auch die Ergebnisse recht unlauter dargestellt. Mag sein, dass die moderne repressive Ordnung des Leviathan-Staates dazu führt, dass die Untertanen sich weniger oft untereinander die Köpfe einschlagen. Als Referenzpunkt aber hier das Jahr 1300 anzusetzen ist eine methodisch krasse Fehlleistung, denn das Mittelalter gehört zu einer gänzlich anderen Formation menschlicher Zivilisation mit Kriegern und deren Eroberungen als Form der Ökonomie und Alimentation.
    Verschwiegen wird hier auch, dass das Sterberisiko des einzelnen damit keineswegs zurückgegangen ist. Denn seit Anbeginn der Moderne wird durch staatliche Kriegsmaschinen und deren Soldaten unter Befehlsgewalt (im Unterschied zum mittelalterlichen Krieger) ein immer höherer Blutzoll bei den Nichtkombattanten verursacht. Vergleiche hierzu insbesondere Michel Foucault in vielen seiner Bücher.

  2. Mich gruselt es beim Lesen dieses Artikels. Kritik kann ihren Gegenstand nicht übersteigen, alles bleibt wie es ist, nur die Möbel wurden einmal umgestellt.
    Und dieser immer wieder auftauchende positive Bezug auf Kant, den obersten Dunkelmann der Moderne. Niemand hat ihn gelesen, jeder kocht sich sein Gedankensüppchen aus ein paar aufgeschnappten Bruchstücken und legt sich die Dinge zurecht.
    Nach Kant besteht die Kompetenz "des Menschen" nicht etwa darin, mit anderen Menschen ein soziales Gefüge herzustellen, sondern in der einsamen – dem männlichen Geschlecht vorbehaltenen – Erkenntnis der Natur und deren Vernunft. Die Vereinzelten tragen dann ihre "Gedankendinge" in konkurrenter Weise anderen vor und fordern diese auf, sich ihrer Erkenntnis zu unterwerfen. Nach Kant besteht die Freiheit "des Menschen" in der Unterwerfung unter widerspruchsfreie Erkenntnis. Dies ist im Übrigen die einzige Freiheit, die es geben kann. Ansonsten gilt: Räsoniert, aber gehorcht. Der vielgelobte Kant liefert entgegen der Fama um ihn die philosophische Legitimation für Faschismus jeder Art. Der Inhalt der Erkenntnis ist völlig beliebig, fordert aber über die Widerspruchsfreiheit die Unterwerfung aller anderen unter diesen gewillkürten Inhalt. So war denn auch Rassenlehre wissenschaftlich und widerspruchsfrei und somit in aller Konsequenz anzuwenden.
    Im Hinblick auf Fundstellen, siehe mein Essay "Dem Kant sein Ding" www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=202

    • Ich denke ein weiterer Schwachpunkt beim Sich-auf-Kant-berufen/beziehen' ist, dass Kant ein Geschöpf seiner Zeit ist und diese nur geringe Schnittmengen zu den aktuellen Problematiken und Größenordnungen aufweist.
      'Niemand hat ihn gelesen…' – doch ich schon.
      Aber ich musste mich ausgesprochen durchquälen, weil dem Kerl jede Seele fehlt.
      Ich bin sehr für die Inanspruchnahme von Rationalität, aber diese hat naturgegeben nun mal absolute Grenzen, die sie nicht zu überschreiten vermag.
      Indem man die 'ratio' als ultimative Urteilspriorität versteht und postuliert, killt man im selben Augenblick jegliche trans-rationale Intelligenz, die aber unverzichtbar ist bei der Bewertung und Bewältigung der akuten Probleme.

      Oder einfacher: man wird den Verhältnisse nicht gerecht durch das unverhältnismäßige Maß der Verhältnis-Mathematik der 'reinen Vernunft'.

  3. Ich habe hier auf KenFm noch nie einen solchen verkopften Schwachsinn gelesen oder gehört.
    Ich will nur ein Punkt heraus greifen. Immer wieder, nicht nur in diesem Artikel, wird behauptet man denke mit dem Gehirn.
    Das ist nicht nur eine Hypothese sondern wahrscheinlich auch falsch. Um das mal ganz materialistisch, also beschränkt, zu durchdenken: Das Nervensystem mit dem wir denken ist nicht nur das im Schädel liegende Gehirn sondern ebenso das Rückenmark mit den Nervenknoten neben der Wirbelsäule sowie das Nervengeflecht im Bauch. Wenn ich mein Denken beobachte so mache ich recht oft die Beobachtung das ich mit meinem ganzen Körper denke.
    Diese Tatsache nicht zu bemerken erfordert ein jahrelanges Training in Schulen und Hochschulen!
    Nur wenn man so entsprechend „geschult“ ist kann so ein Unsinn herauskommen wie in oben stehend Artikel, den ich zugegeben erweise nicht vollständig gelesen habe. Lohnte sich einfach nicht.

  4. Immer dasselbe alberne Missverständnis…

    "Memetische Verbesserung der Menschheit"

    Evolution hat NICHTS mit Verbesserung zu tun, und schon gar nicht mit dem was Spiessbürger für Verbesserung halten.
    Die Evolution begünstig schlicht und einfach diejenigen Mutationen, die an die gegebene Realität am Besten angepasst sind.
    Nicht mehr und nicht weniger
    Selbst wenn man davon ausgeht, dass bei der Evolution selbst Intelligenz nicht unbedingt von Vorteil sein muss, so ist doch kaum anzunehmen, dass ausgerechnet Gut-Menschen im Vorteil sein könnten, wenn man es bedenkt, oder?

    Derzeit ist auf diesem Planeten der Typus gefragt, der gut mit heissen Temparaturen umgehen kann und möglicherweise weniger Wasser benötigt. Auch ein Atmungs System, das gut mit grösserem CO2 Gehalt in der Luft umgehen kann, wäre ebenfalls bei der natürlichen Selektion hilfreich.

    Was mit Sicherheit keinerlei Bedeutung haben wird sind die Werte von Spiessbürgern, oder Leuten die sich immer noch nicht von dem christlichen Bibel Schwachsinn emanzipiert haben, der Mensch habe die Macht sich die Erde Untertan zu machen und habe daher irgendwelche Lösungen für den Planeten anzubieten.

  5. Endlich bringt mal wieder jemand auch das Positive, Hoffnungsvolle zur Sprache. Man könnte fast übersehen, dass es das auch noch gibt, wenn man den Dingen wirklich auf den Grund gehen will und sich dazu alternativ informiert.

    Auch ich will einfach nicht glauben, dass wir tatsächlich bösen Mächten für alle Zeiten hilflos ausgeliefert sind, dass wir von bösen, reichen Menschen und ihren Handlangern so total beherrschbar sind, wie man es befürchten mag, wenn man z.B. KenFM im Gespräch mit Heiko Schöning über Anthrax usw. hört oder am 6.6.2019 mit Norbert Häring („Schönes neues Geld“) über Bargeldabschaffung und Totalüberwachung. Man muss nicht einmal an eine höhere Macht glauben, die schon dafür sorgen wird, dass am Ende alles seine Richtigkeit hat, ja man kann sogar Atheist sein, um zu erkennen, dass Menschen eben nicht allmächtig sind und auch gar nicht sein können, aber auch wiederum nicht so ohnmächtig, dass sie gar nichts tun können. Menschen, und das heißt alle Menschen, einschließlich aller eitlen Mächtigen und verwöhnten Superreichen, sind vor allem eines: derart unvollständig, unterliegen dauernd Irrtümern und machen ständig Fehler, so dass es ihnen schon deshalb nicht gelingen wird und auch gar nicht gelingen kann, die ganze Welt zu beherrschen. Welcher Megacomputer sollte denn über die irrwitzigen Speicherkapazitäten verfügen, welches Superhirn sollte sich die perfekten, allumfassenden Algorithmen ausdenken und was man sonst noch alles braucht, um 7.600.000.000 (!) Menschen vollständig seinem Willen zu unterwerfen? Und selbst wenn es gelänge: wenn Superreiche und Mächtige sich nicht selbst schaden wollen, müssen sie, wenn schon nicht auf andere, so doch wenigstens auf sich selbst Rücksicht nehmen. Sie werden deshalb schon dafür sorgen, dass sie sich ihre Hotspots nicht selbst zerstören durch Kriegshandlungen oder klimatische Katastrophen. Sie wollen in ihren Superyachten (die immer mehr Kriegsschiffen ähneln) über die Weltmeere fahren und dabei nicht in popeligen Teppichen von Plastikabfällen einen ganz banalen Motorschaden erleiden oder kläglich an einer atomar verseuchten Trauminsel stranden. Sie haben ebenso wie wir realistischerweise und auf absehbare Zeit nur diesen einen Planeten.

    In Anbetracht dessen und der Erkenntnisse, die Heiko Schröder beschreibt, müsste sich doch endlich mal eine praktikable und wirkungsvolle Strategie entwickeln lassen, die die Rücksichtslosen und Unersättlichen am Ende eben nicht als die ewigen Gewinner und die Übrigen (!) immer nur als die Verlierer dastehen lässt. Und zumal mit dem Potenzial der neuen Medien, die einen wahren Quantensprung auf dem Gebiet der Wissensvermittlung ermöglichen, lässt sich doch etwas Sinnvolles anfangen.

    • Der Gedankengang in sich ist ja folgerichtig, er lässt nach meiner Auffassung ein entscheidendes Detail außen vor:

      Ich habe selbst erlebt wie jemand, der gerade eben sein Raucherbein amputiert bekommen hat, wenige Tage später im Krankenhaus unter einer Kellertreppe sich wieder eine angezündet hat.
      Das ist völlig irrational, das weiß der Raucher auch, aber er tut es trotzdem.
      Warum?
      Weil es eine SUCHT ist.
      Leute, die reich sind oder die den Planeten beraubbauen, vermüllen, vergiften etc. tun dies, obwohl sie durchaus genau wissen können was ihr Handeln bedeutet -genau wie dieser Raucher -, weil sie einer Sucht unterliegen.
      Diese Sucht nenne ich mal subsummierend 'Defizitausgleich'.
      Empfundene Defizite (egal ob eingebildet oder tatsächlich) drängen zur Priorisierung ihrer Kompensation.
      DAS Problem ist vermutlich unlösbar, weil man nicht die halbe Welt therapieren kann…

  6. Ich grätsche jetzt mal rein in den Kessel Buntes mit fettem Wunschdenken-Dressing:

    Es gibt etwas, das wirklich kein einziger Wissenschaftler bestreiten wird – Entropie.
    Entropie bedeutet Dissipation.
    Dissipation bedeutet letztliche Auflösung von Potentialunterschieden, Formen, Strukturen etc.
    Das bedeutet, dass in diesem Universum die Optimierung darin besteht sich aufzulösen, also das Gegenteil von Organisieren.
    Wenn jetzt jemand denkt, dass sich die Dinge zum 'Besseren' wenden werden, dann hat er Recht, wenn er an Entropie denkt, denn das ist nach Maßgabe dieses Universums der bestmögliche und daher anzustrebende Zustand.
    Er hat Unrecht, wenn er denkt, dass der Mensch an diesem Umstand etwas ändern könnte, indem er sozusagen – was auch immer – unternimmt.
    Für jede Unternehmung, um Strukturen zu erstellen, zu entwickeln, zu erhalten, benötigt der Mensch auch Energie und indem er diese aufwendet, vergrößert er völlig unausweichlich die Entropie und damit die 'Un-Ordnung', besser Ungeordnetheit in Form von 'Rauschen', das sich in letzter Konsequenz selbst zum Verstummen bringt (= vollendete Entropie).
    Kurzfristig lassen sich also prinzipiell immer 'Inseln der Ordnung' in dem Meer aus Ungeordnetheit erzeugen, aber weder können diese andauern, noch das Ganze irgendwie verbessern, außer indem ihr Betreiben der Entropie durch Energieaufwendung (= Dissipation) zuarbeitet.
    Aber auch diese kurzfristige 'Verbesserung' – wie im Artikel erhofft – in Form von Gestaltetheit wird nicht eintreten, da es unmöglich ist, die dazu unerlässliche Ausrichtung ('Einnorden' wie beim Entstehen von Magnetismus) global oder auch nur national zu erstellen.
    Diejenigen Kräfte, die 'destruktiv' wirken sind um Faktor 10 häufiger und stärker als jede sogenannte 'konstruktive' Vektorisierung.
    Energie will transformiert und egalisiert werden.
    Allein das lässt keine dauerhafte Geordnetheit zu, da jede Ordnung quasi eine Art Staumauer ist, die das Fließen von Energie und damit (deren) Veränderung verhindert.
    Darum sind alle 'Konservativen' auf dem Holzweg und Heraklit hat auch noch nach über 2500 Jahren Recht.

    • Heraklit und Laotse (Lǎozǐ)

      "Für jede Unternehmung, um Strukturen zu erstellen, zu entwickeln, zu erhalten, benötigt der Mensch auch Energie und indem er diese aufwendet, vergrößert er völlig unausweichlich die Entropie und damit die 'Un-Ordnung'"

      Tja ":Der Weise verweile im Wirken ohne Handeln."

      Das Daodejing (chinesisch 道德經 / 道德经)

      Das Dao, von dem man sprechen könne, sei nicht das ewige Dao.
      …zweier gegensätzlicher, jedoch komplementärer Prinzipien.
      Was du schwächen willst, das musst du erst richtig stark werden lassen… Wem du nehmen willst, dem musst du erst richtig geben.
      Dao, was die Wesen erhalten, um zu entstehen. Der Weise verweile im Wirken ohne Handeln (Wu Wei). Nicht-Eingreifen in allen Lebensbereichen beruht auf der Einsicht, dass das Dao, welches aller Dinge Ursprung und Ziel ist, von selbst zum Ausgleich aller Kräfte und damit zur optimalen Lösung drängt. Tun ist für Lǎozǐ ein (absichtliches) Abweichen vom natürlichen Gleichgewicht durch menschliche Maßlosigkeit. Jede Abweichung hat darum eine (absichtslose) Gegenbewegung zur Folge, die das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen sucht.
      Ein Mensch, so Lǎozǐ, der von gewolltem Tun ablässt, wird nachgiebig und weich. Er stellt sich an die unterste Stelle und erlangt dadurch den ersten Platz. Weil er weich und biegsam ist wie ein junger Baum, überlebt er die Stürme der Zeit. Weil er nicht streitet, kann niemand mit ihm streiten Ist der SINN [Dao] verloren, dann das LEBEN [De]. … dann die Liebe. … die Gerechtigkeit. … die Sitte.

    • Unter Gültigkeit der Hauptsätze der Thermodynamik hat das weitgehend geschlossene System (nur Energieaustausch) Erde innerhalb von 4,6 Mrd. Jahren eine Stabilitätsinsel mit Leben bis zur Organisationsstufe "Meme-Evolution" (Zivilisation) hervorgebracht. Da bleibt noch viel Luft nach oben, wenn wir unsere evolutionär erworbenen Fähigkeiten nur richtig anwenden. Pessimistisch stimmen mich höchstens die vielen esotierisch ins "Innere Nirvana" gekehrten Meme. Trotzdem!

    • <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/tony/' rel='nofollow'>@Tony</a>
      Respekt vor Ihrer Bildung! Dennoch (natürlich muss jetzt ein "Dennoch" kommen, nach so einer Einleitung"😉):
      "Für jede Unternehmung, um Strukturen zu erstellen, zu entwickeln, zu erhalten, benötigt der Mensch auch Energie und indem er diese aufwendet, vergrößert er völlig unausweichlich die Entropie und damit die 'Un-Ordnung'".
      "Tun ist für Lǎozǐ ein (absichtliches) Abweichen vom natürlichen Gleichgewicht durch menschliche Maßlosigkeit. Jede Abweichung hat darum eine (absichtslose) Gegenbewegung zur Folge, die das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen sucht."
      Ach Gott! die Kunst ist lang;
      Und kurz ist unser Leben.
      Mir wird, bei meinem kritischen Bestreben,
      Doch oft um Kopf und Busen bang.
      Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben,
      Durch die man zu den Quellen steigt!
      Und eh man nur den halben Weg erreicht,
      Muß wohl ein armer Teufel sterben. (Goethe, Faust I)
      Wir können in unserem kurzen Leben wohl nicht warten, bis eine (absichtslose) Gegenbewegung das gestörte Gleichgewicht wiederherstellt. Wir sind vielmehr offenbar dazu verdammt, durch Handeln diese (oder jedenfalls eine) Gegenbewegung selbst zu erzeugen, so gut es eben geht. Wir sind meist eben leider nicht Weise, die im Wirken ohne Handeln verweilen können, und wohl gerade deshalb kaum einmal in der Lage, die rechte Wange auch noch hinzuhalten, wenn uns einer auf die linke Wange schlägt.

    • Sorry, Tony, ich weiß nicht, wie da in letzter Zeit immer diese kryptischen Zeichen vor und nach einer Anrede auftauchen, wenn ich einem Kommentator antworte. Ich hatte Sie nur als Tony angeredet. (Hoffentlich kommen sie jetzt nicht wieder vor und hinter Ihrem Namen, wenn ich dies jetzt poste.)

    • @ Regimekritiker_Dracula

      Weder Esoterik noch innere Nirvana!

      Das Prinzip ist HANDLUNG OHNE KRAFTAUFWAND / WU WEI. Vorbild ist die Natur: Bambus gibt nach und peitscht zurück, Wasser weicht aus und höhlt aus…..Wirken ohne Widerstand. Populär bekannt in asiatischen Kampfsportarten. Die Energie des anderen ins Leere laufen lassen.
      Der philosophische Daoismus wie im Kommentar kursorisch beschrieben ist zu unterscheiden vom religiösen Daoismus; der religiöse Daoist strebt nach Erleuchtung; Mikrokosmos/Makrokosmos ähnlich wie die Hermetiker.

    • @ citoyen invisible

      Selbe Antwort wie für Regimekritiker_Dracula

      …" können in unserem kurzen Leben wohl nicht warten, bis eine (absichtslose) Gegenbewegung das gestörte Gleichgewicht wiederherstellt."

      Eine Gegenbewegung, bei der der Angriff ins Leere läuft ist "absichtslos" / "energielos" im Sinne des Dao.

    • PS:

      Habe Ihren Kommentar nochmal gelesen und stieß auf: "rechte Wange/linke Wange". Gelegenheit, auf die typische Denkweise der abrahamitischen Religionen und Philosophien (Dualismus) des Westens im Unterschied zu den Religionen und Philosophien des Ostens aufmerksam zu machen.

    • TO WHOM IT MAY CONCERN

      Der Begriff Wu Wei begründet sich aus der daoistischen Auffassung vom Dao, dem umfassenden Ursprung und Wirkprinzip, das die Ordnung und Wandlung der Dinge bewirkt, so dass es nicht weise wäre, in das Walten dieses Prinzips einzugreifen. Die letzte Wahrheit ist gemäß dieser Lehre eins und handelt spontan, ohne dass der Geist des Menschen in sie eingreifen müsste. Die Rückkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen natürlich und spontan erfolgen.
      Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao entstehen. Dadurch wird das Notwendige leicht und mühelos getan und sowohl Übereifer, als auch blinder Aktionismus (die als hinderlich betrachtet werden) vermieden. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten lässt.
      Das Vollkommene wird im Daoismus als leer, weich und spontan gedacht und entsprechend sollte auch das Handeln sein, d. h. ohne ein Eingreifen des dualistischen Intellekts, sich der Situation anpassend und intuitiv. Das vollkommene Handeln erkennt intuitiv das beste Mittel und es erscheint als sinnlos, seine Energie in unfruchtbaren Handlungen um der Handlung willen zu erschöpfen, sondern das Handeln sollte sich auf die geeigneten Umstände und Mittel beschränken. Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre somit „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“, und es handelt sich um eine Art von kreativer Passivität.
      Aus dieser Haltung des Geschehenlassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Widerstandslosigkeit als natürliche Folge.
      Der Begriff Wu Wei erschien in der chinesischen Philosophie zum ersten Mal im Daodejing und blieb ein Wesensmerkmal des Daoismus.
      „Wenn du auf dem Wasser reisen willst, ist ein Boot dafür geeignet, weil ein Boot sich auf dem Wasser in geeigneter Weise bewegt. Wenn du aber an Land gehst, kommst du damit nicht weiter und wirst nur Ärger haben und nichts erreichen als dir selbst Schaden zuzufügen.“
      – Zhuangzi XIV

    • Zu "Ordnung", "Unordnung", "Gestaltung" … ein Passus zitiert aus Bertrand Russell, Wege zur Freiheit. Sozialismus, Anarchismus, Syndikalismus; Kapitel "Bakunin und der Anarchismus":

      "Anarchismus…ist keine neue Theorie; sie wurde in bewundernswerter Weise von Chuang Tzu dargelegt, einem chinesischen Philosophen, der um das Jahr 300 v. Chr. lebte:

      >>Pferde haben Hufe, die sie über Frost und Schnee tragen, Haare, die sie vor Wind und Kälte schützen. Sie fressen Gras, trinken Wasser und lassen ihre Füße über das freie Feld fliegen. Das ist die wahre Natur der Pferde. Sie brauchen keine Luxuswohnungen. – Eines Tages erschien Po Lo und sagte: "Ich verstehe es, Pferde zu verwalten." So brandmarkte er sie und schälte ihre Hufe und legte ihnen Halfter an, indem er sie am Kopf anband und an den Beinen fesselte und auf Ställe verteilte mit dem Ergebnis, daß zwei oder drei von zehn starben. Dann ließ er sie hungern und dürsten, traben und galoppieren, pflegen und striegeln – mit dem aufgeputzten Zaun vorne und der geknoteten Peitsche hinten, bis mehr als die Hälfte von ihnen tot war. Der Töpfer sagte: " Ich kann mit Ton machen, was ich will. Wenn ich ihn rund haben will, benutze ich einen Zirkel, wenn rechtwinklig, ein Winkelmaß." Der Zimmermann sagt: " Ich kann mit Holz machen, was ich will. Wenn ich es krumm haben will, benutze ich eine Rundung, wenn gerade, eine Richtschnur." Aber weshalb können wir annehmen, daß die Natur von Ton und Holz diese Anwendung von Zirkel und Winkelmaß, Bogen und Richtschnur wünscht? Dennoch preist jedes Zeitalter Po Lo wegen seiner Geschicklichkeit bei der Verwaltung von Pferden und Töpfer und Zimmerleute wegen ihrer Geschicklichkeit im Umgang mit Ton und Holz. Jene, die das Reich regieren, begehen denselben Fehler. – Jetzt betrachte ich die Regierung des Reichs von einem ganz anderen Standpunkt aus. Die Leute haben gewisse natürliche Instinkte: zu weben und sich zu kleiden, zu ackern und sich zu ernähren. Diese Instinkte sind der ganzen Menschheit gemeinsam, und alle sind sich darin einig. Man nennt sie <vom Himmel gesandt>. Und so zogen die Menschen in den Tagen, als die natürlichen Instinkte vorherrschten, ruhig umher und hatten einen festen Blick. In dieser Zeit gab es keine Straßen über die Berge und keine Brücken über das Wasser. Alle Dinge gediehen, jedes in seinem eigenen Bereich. Vögel und Vieh vermehrten sich; Bäume und Sträucher wuchsen. Die Tiere ließen sich an der Hand führen; man konnte einen Baum erklettern und in das Rabennest gucken. Damals lebte der Mensch einträchtig mit Vögeln und Vieh, und die ganze Schöpfung war eins. Es gab keinen Unterschied zwischen Bösen und Guten…>>
      (Musings of a Chinese Mystic; London 1911). …
      "….Der moderne Anarchismus, in dem Sinne, wie wir uns mit ihm beschäftigen werden, ist mit dem Konzept des Gemeineigentums an Boden und Kapital verbunden…."

    • @ Regimekritiker_Dracula:

      'Luft nach oben' würde bedingen, dass der Level der aktuellen Komplexität beliebig steigerbar wäre, was der Fall sein müsste, um noch nicht ermergente Potential zu entwickeln.
      Ich persönlich halte eine weitere Steigerung für unmöglich, zumindest solange wir uns in einem System bewegen, das diese ungeheuren Mengen an Energie raubbauen muss, um überhaupt erst mal nicht zusammen zu fallen.
      100 Milliarden Barrel/Jahr.
      Wir können zwar die Förderung für einige Jahre, vielleicht Jahrzehnte steigern, aber nicht die Reproduktion.
      Damit ist dies eine offensichtliche Sackgasse.
      Nur die Entdeckung und Nutzbarmachung einer ähnlich effektiven Energiequelle wie Öl es ursprünglich (1:10 Energieeinheiten) war, würde bedeuten, dass die Komplexität erhaltbar und eventuell steigerbar wäre.
      Aber selbst das wäre m.E. keine sinnvolle Option, da mit jedem Grad Steigerung der Komplexität die Fragilität dieser zunimmt und deshalb ist auch hier eine Grenze der Stabilisierungsmöglichkeit durch uns zu sehen.

    • @ citoyen invisible:

      <i>Wir sind vielmehr offenbar dazu verdammt, durch Handeln diese (oder jedenfalls eine) Gegenbewegung selbst zu erzeugen, so gut es eben geht.</i>

      Das würde nur Sinn machen, wenn wir genügend wüßten, um die Konsequenzen unserer Handlungen innerhalb dieser enormen Komplexität sicher abschätzen zu können.
      Das ist aber nachweislich nicht nur nicht der Fall, sondern geradezu unmöglich.
      Wer einem Hochseilartisten zusieht, der erkennt schnell, dass die Stabilisierung seines Gleichgewichtes nur dann gewährleistet ist, wenn er sich im 'unsichtbaren' Bereich permanent ausbalanciert, kompensiert.
      Sobald ein Hochseilartist mit den Armen rudern und einbeinig hantieren muss, ist der Verlust des Gleichgewichts bereits eingetreten und in 99% aller Fälle nicht wieder zu gewinnen mit der Folge des Absturzes.

      In welchem Zustand befindet sich das aktuelle komplexe System?
      Das ist die Antwort auf die Idee jetzt 'handeln zu müssen' 😉

    • @ Tony:

      'Das wahre Buch vom südlichen Blütenland' – Ja, genau.

      Das 'Ordnung-Schaffen' durch den Menschen in der Natur ist das Grundübel gewesen.
      Das, was dadurch kurzfristig für den Menschen 'besser' oder 'leichter' wurde, kostet auf der Gegenseite Wucherzinsen.
      Niemand auf dieser Welt kann Rückkopplungen außer Kraft setzen, solange er IN diesem System existiert und VON diesem System abhängig ist wie wir es sind.

      Apropos Pferdebeispiel:
      Reiter reiten Pferde angeblich um diese zu fördern, zu entwickeln.
      Das ist natürlich kompletter Nonsense, da die Pferde nie einen Menschen gebraucht haben, um Pferd zu sein.
      Das 'Nicht-belassen-Können' ist das größte Defizit der Menschheit.
      Alle Regulierung, Reglementierung stellt lediglich 'Verschlimmbesserungen' im Volksmund genannt dar.

      Wirtschaftliches Wachstum ist rein linear.
      Natürliches Wachstum ist zirkulär.
      Deshalb wird es keinen erfolgreichen Platz für diese Form des Wirtschaftens auf diesem Planeten geben.

      Ansonsten: d´accord.

  7. Mit den Erläuterungen (Meme, Gene, "freier" Wille) bin ich grundsätzlich einverstanden, mit einer Ausnahme: der Egoismus ist meiner Meinung nach Gen-getrieben, während die Gegenpole teilweise Gen- und Meme-getrieben sind. Höhere Gerechtigkeitsstufen können nur dann durchgesetzt werden, wenn der Mensch das (inhumane) Treiben seiner Gene erkennt, also mitgeteilt bekommt. "Einsicht" heißt das Zauberwort. – Um nicht zu viel zu schreiben, möchte ich gleich zu den letzten Sätzen von Herrn Schröder springen: "Viele Wohlhabende" errichten keine hohen Mauern um ihr Haus, weil sie sich in ihrer Rolle nicht "gut fühlen" (Meme), sondern aus Gründen der persönlichen Sicherheit (Gene) und weil sie 'das Elend' vor ihrer Gartenanlage nicht sehen wollen. Sie können 'das Elend' sehen (also ertragen), wollen es aber nicht. Das ist ein großer Unterschied.

    • Mein erster spontaner Gedanke, als ich Ihren Einwand, dass Sie Egoismus für Gen-getrieben halten, las war "Oh, sollte da jemand Darwin auf den Leim gegangen sein?"
      Von Natur aus sind alle Lebewesen kooperativ innerhalb ihrer Art.
      Da sich die Gefühle, mit denen wir Erlebnisse wahrnehmen, in den Genen abbilden, ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich bei einigen Menschen ein "Wohlgefühl des Egoismus" genetisch festgesetzt hat.

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