Verlogene Milliardäre

Die Lebensversicherer generieren mit ihrem legalen Betrug am Kunden gigantischen Profit.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Holger Balodis.

Es gibt Skandale, die scheinbar endlos und ungestraft weitergehen. Ein solcher ist das Treiben der Lebensversicherer und ihr Umgang mit den Kunden. Bereits 1983 bestätigte das Landgericht Hamburg, dass es sich bei den Verträgen der Lebensversicherungen um legalen Betrug handele. Seitdem muss die Branche mit diesem Makel leben, doch geändert hat sich so gut wie nichts. Die zweite Folge unserer Rubikon-Serie hat die unglaublichen Gewinne der Lebensversicherungskonzerne zum Thema.

Der frühere Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer verkündete nach Einführung der Riester-Rente: „Es ist so, als ob wir auf einer Ölquelle sitzen. Sie ist angebohrt, sie ist riesig und sie wird sprudeln.“ Diese Aussage gilt nicht nur für die Riester-Rente, sondern generell für private Rentenversicherungen.

Seitdem der damalige Kanzler und Maschmeyer-Vertraute Gerhard Schröder zusammen mit Walter Riester die gesetzliche Rente demontierte und dem Volk die private Rente quasi als Pflicht verordnete, wurden vermutlich über 100 Millionen solcher Verträge verkauft (viele wurden längst wieder mit hohen Verlusten gekündigt!). Ein sensationelles Konjunkturprogramm für die Verkäufer von Lebensversicherungen, denn dazu gehören auch die privaten Renten:

Seit 2001 floss die unglaubliche Summe von rund 130 Milliarden Euro an sogenannten Abschlussaufwendungen. Das Geld stammt letztlich von den Kunden. Sie zahlen mitunter viele Tausend Euro Abschlusskosten für einen einzelnen Vertrag. Also dafür, dass sie sich über viele Jahre verpflichten, regelmäßig Geld in eine schlecht verzinste Altersvorsorge zu stecken, die ihnen im schlimmsten Falle sogar riesige Verluste beschert.

Die überzogenen Kosten sind einer der Gründe, weshalb viele Versicherte am Ende „Miese“ machen.

Denn Lebensversicherungen lohnen sich vor allem für den, der sie verkauft.

Sie sind eine sichere Einnahme für Versicherungsvertreter, Makler, Banken und sogenannte Strukturvertriebe wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), für die der beliebte Fußballtrainer Jürgen Klopp in TV-Spots kräftig wirbt. Ein lukratives Geschäft: Allein 2016 flossen für den Abschluss von Lebensversicherungen 7 Milliarden Euro. Geld das für die spätere Alterssicherung der Kunden fehlt.

Doch auch der laufende Betrieb einer Renten- und Lebensversicherung ist für die Konzerne höchst lukrativ. Zwar jammern sie stets, dass die Niedrigzinspolitik das Produkt unattraktiv mache, doch das gilt nur für die Kunden. Die Branche häuft Jahr für Jahr mehr Kapitalanlagen an und kassiert hierfür erstaunlich hohe Zinsen. In Zeiten, in denen Spar- und Tagesgeldkonten bei Banken praktisch nichts mehr abwerfen, ist eine Nettoverzinsung von 4,36 Prozent im Jahr 2016 geradezu sensationell. Auch in den Vorjahren lag die Verzinsung immer über 4 Prozent mit einem Spitzenwert im Jahr 2013 von 4,68 Prozent.

Mit anderen Worten:

Die deutschen Lebensversicherer haben sich vom niedrigen Zinsniveau weitgehend abgekoppelt.

Das brachte ihnen 2016 Zins- und Kapitaleinnahmen in Höhe von 47,06 Milliarden Euro ein. Im Jahr davor waren es sogar 51,01 Milliarden Euro.

Doch die Versicherer haben noch weitere sichere Einnahmen. Zum Beispiel Risikogewinne. Die sind nicht etwa eine Belohnung für riskantes unternehmerisches Handeln, sondern ein sicheres Geschäft für die Branche: 7,2 Milliarden Euro brachte ihnen das allein 2016. Zum Beispiel weil die Versicherer das Sterbealter ihrer Kunden auf dem Papier extrem hoch ansetzen. Leben die Kunden dann in Wirklichkeit nicht so lange, was der Normalfall ist, streicht die Versicherung einen Risikogewinn ein. Vereinfacht gilt: Je unrealistischer das kalkulierte Sterbealter, desto höher fällt der Risikogewinn aus.

Ähnlich verhält es sich mit den Kostengewinnen: Auch hier kalkulieren die Versicherer die in die Versicherungsprämien eingerechneten Verwaltungs- und Abschlusskosten besonders vorsichtig. Soll heißen, sie verlangen vom Kunden deutlich mehr, als tatsächlich an Kosten anfallen. Die Folge sind Kostengewinne von jährlich mindestens 1 Milliarde Euro seit 2009.

Die Versicherungen machen also ein prächtiges Geschäft mit den Lebensversicherungen, auch wenn sie sich gegenüber der Politik gerne als notleidende Branche darstellen, die dringend vor ihren Kunden geschützt werden muss.

Sie erzielten im Jahr 2016 einen Rohüberschuss in Rekordhöhe: 22,7 Milliarden Euro. Die Ratingagentur Assekurata ermittelte eine Umsatzrendite von 20,56 Prozent. Das ist rund doppelt so hoch wie bei den sehr erfolgreichen Autobauern Daimler, Audi oder BMW und es wird Jahr für Jahr besser. Seit dem Krisenjahr 2008 (9,00 Prozent) hat sich die Umsatzrendite bei den Versicherern mehr als verdoppelt. Notleidend sieht anders aus.

Das bleibt den Kunden vorbehalten: Sowohl die versprochene als auch die tatsächlich verbuchte Verzinsung der Einzahlungen ist seit Jahren auf Talfahrt. Wer einen neuen Vertrag abschließt, kann derzeit branchenweit nur noch mit einer durchschnittlichen garantierten Beitragsverzinsung von 0,16 Prozent rechnen. Wie viel Überschussbeteiligung noch dazukommt, weiß niemand.

Selbst wenn der Kunde den Vertrag durchhalten sollte, sind reale Verluste wahrscheinlich. Wenn er den Vertrag vorzeitig kündigt – und die Mehrzahl der Kunden tut das – sind Verluste nahezu sicher. Selbstverständlich nicht für den Versicherer, denn der streicht bei vorzeitiger Kündigung einen hübschen Stornogewinn ein. Wohl bekomms.

Wer alle Einzelheiten über den legalen Betrug mit Lebensversicherungen lesen will, findet die Studie hier.

Wer als Pressevertreter Kontakt mit dem Verfasser der Studie aufnehmen will, erreicht diesen über den Informationsdienst für Rente und Alterssicherung, Holger Balodis, balodis@vorsorgeluege.de.

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Dieser Beitrag erschien am 04.07.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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7 Kommentare zu: “Verlogene Milliardäre

  1. Es gibt da eine ganz einfache Möglichkeit …. keine Lebensversicherung abschließen und für die Leute, die schon eine oder mehrere haben …. keine weitere Lebensversicherung abschließen.
    Die Lebensversicherer spekulieren mit Geldern, die wir bzw. deren Kunden ihnen geben …. und hoffen dafür Gewinne in form von Zinsen zu erhalten.
    Wenn wir als Kunden Geld erhalten ohne dafür Leistung zu erbringen, muss irgendwo jemand Leistung erbringen ohne dafür Geld zu erhalten …. Geld arbeitet nun mal nicht …. nur menschliche Arbeit kann Gewinne im Sinne des bestehenden Wirtschafts- und Finanzsystems erbringen …. jeglicher Zins ist meiner Meinung nach Betrug, mag er nich so wenig sein ….

  2. Dass auch auf den Vermittlern rumgehauen wird ist nicht ganz fair. Die meisten kämpfen Tag für Tag ums Überleben. Wenn die Kunden wenigstens so schlau wären und sich von einem Makler unabhängig beraten lassen würden wäre schon etwas gewonnen. Aber man geht lieber zum Versicherungsvertreter, den Papi schon 20 Jahre kennt und der an Wihnachten ne Flasche Wein vorbeibringt. Und der Allianzvertreter wird niemals sagen, dass die Konkurrenz ein besseres Produkt hat. Der Makler vrgleicht für den Kunden und zeigt ihm die Vergleiche. Dann sind Kunden auch noch so dumm und kündigen die Verträge oft schon nach 2-3 Jahren weil lieber ein neues Handy gekauft wird. Auch da ist der Kunde dumm. Der Makler wird dadurch auch geschädigt, weil er die Provision im Falle der Kündigung des Vertrages zurückzahlen muss. Gewinner sind nur die Finanzunternehmen. Die stecken sich die Beiträge UND die Provision wieder ein. Der Kunde bekommt nix raus und der Makler steht oft kurz vor der Pleite. Auch muss man mal klar sagen, dass die Versicherungmakler i.d. R. sehr gute Arbeit leisten, aber immer unter dem Damoklesschwert stehen, ihr sauer verdientes Geld wieder zurückzahlen zu müssen (Gibt es in KEINER anderen Branche!) oder sogar in den Knast zu wandern, wenn der Kunde eine „Falschberatung – nach 6 Stunden Beratungsgespräch! vermutet und sich einen windigen Anwalt nimmt. Es gibt gute Verträge mit geringen Kosten. Die Freibiermentalität der Kunden sollte auch aufhören. Wenn man Beratungsleistung in Anspruch nimmt muss man auch dafür bezahlen. Aber kein Kunde ist bereit 1000 – 2000 Euro Beratungshonorar zu zahlen (das ist nicht viel, wenn man sich überlegt, dass ein guter Makler 60-70 Stunden arbeitet, bis der Vertrag-wenn überhaupt- unterschrieben wird). Deswegen wird das halt von den Beiträgen abgezogen. Für ein Handy werden aber mind. alle 2 Jahre 1000 Euro zum Fenster rausgeworfen. Das ist einfach heuchlerisch. Auch der Kunde will von seinem Chef bezahlt werden und geht nicht kostenlos arbeiten. Und zurückzahlen muss er sein Gehalt auch nicht- selbst wenn der Chef unzufrieden ist. Mich kotzt es an, dass immer der Berater Schuld sein soll.

    • Das deutsche Zins-Vieh

      Nach der Zins-Okkupation und Zinses-Zins-Gruppenvergewaltigung unseres Heimatlandes wurde das Deutsche Volk in kürzester Zeit durch den Zins-Soli in den Preisen aller Produkte und Dienstleistungen komplett ausgelutscht und verarmt.

      Der Deutsche Zentralrat gegen Zinswucherer hat jüngst herausgefunden, daß die Zinsen sowohl deren Dynamik mit der Evolution des Lebens durch die göttliche Schöpfung in keiner Weise in Einklang zu bringen wären, sondern wohl eher das Werk des Satans seien.

      In der Studie heißt es, daß selbst deutsche Zinsopfer im besten Zinsaderlass-Alter der exponential ansteigenden Zinslast der zinswütigen Schuldgeld- und Zinses-Zins-Sekte maximal vier Generationen standhalten können bis der Zinstod eintritt.

      Unter dem Zinstod verstehen die Zinsräuber den Zeitpunkt ab dem die Zinsvergewaltigten die Zinsen nicht mehr bedienen können und die Sicherung in das Eigentum der Zinsvampire übergeht. Zur Zinsablenkung hatte die Zinschefin der Zinshölle den Zinssatz öfters abgesenkt, doch nun wieder angeboben.

      Ob die Zinses-Zins-Schänder das diesjährige und die künftigen Zinsfeste noch feiern können ist mehr als fraglich, da immer mehr Zinsgeschändete plötzlich aufwachen und feststellen, daß die Zinsen im „Geldkreislauf“ gar nicht geschöpft wurden also gar nicht vorhanden sind welche sie nun begleichen sollen.

      Unter diesem Gesichtspunkt wird das Wort Zinsdiebe eine völlig neue Bedeutung bekommen müssen, nicht nur in den Zinswerkstätten diverser Zins-Metropolen auf dieser Welt, sondern auch bei so manchem „staatstreuen“ Zinszahler, der wegen des Zinsbetruges zum Zinsverweigerer konvertieren wird.

      Die Herrschaft einer jahrtausendealten Zinsmanufaktur, einer kleinen Gruppe aus notorischen Arbeitsverweigerern dauergeiler Zinsfetischisten mit einem frappant niedrigen Intelligenzquotienten geht zur Ende und mit ihnen auch der weltweite Zins-Terror, dessen Untergang schon in der Bibel angekündigt wurde.

    • ich gebe Ihnen recht. Es ist halt so schön, wenn man auf jemanden seinen Frust abladen kann. Der Artikel ist in weiten Teilen tendenziös und wenig sachlich. Viele Versicheurngen bekommen heute noch 4% auf das Deckungskapital. Vile Versicherte bekommen lebenslang ihre Rente, obwohl das Kapital bereits aufgebraucht ist. Von denen beschwert sich keiner. Die Klugschwätzer haben alle keinerlei alternativen. Immer nur kritisieren ist halt wesnetlich einfacher.

  3. Die Niederländische verpflichtete Pension Systeme kosteten, ich weiss nicht ob es noch so ist, fünf % der Premiën.
    Die Kommerziëlle etwas zwanzig %.
    Brussel versucht die verpflichtete Systeme zu privatisieren.
    Volkswirtschafterin Barbara Baarsma, Angestellte bei RABO, eine grosse Bank, lieferde ein ‚unabhängisches‘ Gutachten zu ‚Verbesserung‘.
    Leider, sehr wenig Leute verstehen etwas von Pensione, so wird nicht verstanden das unsere verpflichte Systeme sehr reich sind, nur die Verpflichtung zu rechnen met ein % Zins verursacht den Anschein das es anders ist.
    Niederländische Betriebs Pension Systeme können rechnen mit höhere Zins, dadurch ist deutlich das sie reich sind

  4. Hallo!
    Das ist das System Geld und Betrug, was wir jeden Tag wählen. Die eigene Dummheit andern zum Vorwurf zu machen ist
    …dumm! Da das Geldsystem auf Zauberei und Lügen beruht, darf sich niemand beschweren, wenn er verzaubert und belogen wird oder werden will! Ich habe keine Versicherungen dieser Art mehr. Seit vielen Jahren!

  5. Wäre es nicht Aufgabe aller Medien diesen Betrug aufzudecken?
    Fehlanzeige!
    Da kommt man nicht umhin anzunehmen, das die Versicherungsindustrie mit den MSM in einem Bett liegt.
    Versicherungen sind wichtige Anzeigenkunden in Zeitungen und auch vor den Abendnachrichten läuft, unter anderem, Werbung für die Versicherungswirtschaft.
    Warum Klärt zum Beispiel „Die Börse um 8“ nicht über diesen Betrug auf und warum decken Gerichte noch den Betrug,
    in dem festgelegt wird:
    „Kursgewinne nur noch in einem Maß ausgezahlt werden, das die Garantiezusagen für alle übrigen Versicherten nicht gefährdet.“
    Das Geschäftsmodell der Versicherungen ist im Nachhinein legalisierter Betrug + Vertrauensbruch.
    „Verträge sind einzuhalten“ – das war einmal.
    Ist man sich eigentlich bewusst, was das für eine Gesellschaft bedeutet?

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