„Von Krieg zu Frieden“ – Vortrag von Dr. Eugen Drewermann im Rudolf-Steiner-Haus Hamburg

„Man muss mit dem Frieden beginnen, sonst wird man nie bei ihm ankommen!“

Wir leben jeden Tag mit dem sogenannten „Gleichgewicht des Schreckens“, sprich der Möglichkeit, uns gegenseitig nuklear auszulöschen. Dass wir überhaupt noch leben, bis heute überlebt haben, ist reiner Zufall. Zahlreiche atomare Fehlalarme wurden nur deshalb vereitelt, da der Soldat, der den finalen Knopf drücken sollte, den Befehl verweigerte. Es war und ist pures Glück, dass wir als Menschheit noch existieren und nicht die Genialität der Militärs, die vorgeben die Lage vollkommen unter Kontrolle zu haben.

Versetzen wir uns in ihre Lage:

Die Herren in Uniform lernen wie man tötet, möglichst effektiv. Das ist ihr Job und sie haben den Drang zu zeigen, dass sie es können. Nur ohne Krieg, offen oder verdeckt, geht das nicht. Frieden bedeutet für die Strategen des Krieges Frust. Wo Frieden gelebt wird werden sie arbeitslos und können die immer neuen Waffensystem nicht unter realen Bedingungen testen. Es muss ja nicht gleich die Atombombe sein. Chemische und biologische Waffen tun es auch.

Das Geschäft mit Tötungsgerät läuft weltweit bestens und Deutschland ist mit seinem „Maschinenbau“ ganz vorne mit dabei. Jeder Krieg wird von der dahinterstehenden Industrie als „Präsentationsfenster“ verstanden. Hier herrscht auch unter Partnern an der Front der Konkurrenzgedanke. Jeder Waffenhersteller hat das Ziel, sein Produkt als das beste am Markt in Szene zu setzen. Ein Bombengeschäft.

Das nötige Personal wird auch von der Bundeswehr längst über hippe YouTube-Clips akquiriert. Krieg ist wieder „cool“, nur dass das Morden auf Befehl jetzt als friedenssichernde Maßnahme, „robustes Mandat“ oder „humanitärer Intervention“ umbenannt wurde. Tarnen und Täuschen fängt bei der Sprache an! Orwell lässt grüßen.

Warum ist der Mensch, seit es ihn gibt, irgendwie süchtig nach Krieg? Warum sucht er den Tod im Kampf gegen die eigene Spezies um sich zu beweisen? Warum kommt trotzt zweier Weltkriege „Heldentum“ heute immer noch in Uniform um die Ecke?

Kriege führen zu Flucht und Elend und haben immer Gier als Ursprung. Nur wenn wir diese Gier überwinden, können wir ein Gefühl dauerhaft leben, das Krieg unmöglich macht. Wahre Solidarität die auf selbstloser Liebe fußt. Wenn der Mensch nicht lernt als Spezies zu denken wird er von der Erde verschwinden. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Dem Theologen, Kirchenkritiker, Schriftsteller, Psychoanalytiker und Friedensaktivist Dr. Eugen Drewermann gelingt bei seinem Vortrag in Hamburg der ganz große Wurf. Spielerisch verknüpft er aktuelle Nachrichten von den Kriegen der Gegenwart mit den mahnenden Worten großer Denker. Er spannt als Psychoanalytiker den Bogen von Jesus Christus über Sokrates, Kant, Albert Schweizer zu Frau von der Leyen und Jens Stoltenberg. Er stellt den Auftrag der NATO dem von Ärzten zur Verhinderung des Atomkrieges gegenüber. Er spricht über Nordkorea, Drohnen und den Hang des Menschen, sich selber abzuschaffen.

Drewermann seziert den täglichen Irrsinn. Dennoch schafft er es, Hoffnung zu verbreiten, indem er immer wieder subtil zum Widerstand gegen jede Form von Krieg aufruft. Alles, was ein Mensch dafür benötigt, ist Mut und sein Gewissen. Die Zeit ist reif für die Globalisierung des Friedens. Die vollkommene Ächtung von Gewalt. Auf den Schlachtfeldern und im Alltag. Überall. Wir brauchen einen Systemwechsel und der beginnt im Kopf eines jeden Einzelnen und kann nur von ihm selber gelebt werden.

Inhaltsübersicht:

00:11 Zweierlei Anekdoten über die Unsinnigkeit des Krieges

16:33 Nationale Grenzen, Einflusszonen und Wirtschaftsräume als Demarkationslinien der Menschlichkeit

22:15 Der Arzt als innerer Friedensstifter

33:21 Gewaltfreie Kommunikation als Ausgangspunkt für die Verbreitung des Friedens

43:40 Die Unvereinbarkeit blinden Gehorsams mit der Wiederentdeckung des unterdrückten Ichs

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

24 Kommentare zu: “„Von Krieg zu Frieden“ – Vortrag von Dr. Eugen Drewermann im Rudolf-Steiner-Haus Hamburg

  1. Ich drehte mich um nach der Stimme zu schauen, die zu mir sprach.
    Und ich sah jemanden, der einem Menschen glich.
    Und er sprach:
    Schreibe auf, was Du gesehen hast, was ist, was war und was geschehen wird.

  2. So hoffnungsvoll sowie der Seele lindernden Worten von Herr Drewermann, in Mitten der Zeiten von totalem Chaos, sind, so müssen wir, wie auch die alten Griechen damit abfinden, dass die Menscheitsgeschichte nur so durchsät ist mit Tragödien.
    Der einzige Hoffnungsschimmer der noch funkelt, ist der, dass die Tragödie nicht alle in den Untergang schickt.

  3. „Wir leben in einer Plutokratie nicht in einer Demokratie“ diagnostiziert Eugen Drewermann. Wo alle dem Spruch „Geld regiert die Welt“ zustimmen, müssten doch die demokratisch und friedlich gesinnten Menschen sich für dieses Phänomen GELD in einer allumfassenden Weise interessieren und es beflissentlich studieren. Nicht die von den Plutokraten zu ihren Nutzen auf gestülpte Vernebelungsökonomie, sondern das gesellschaftliche emanzipatorische Potential einer eigenen Währung. Dann wären die Menschen in der Lage ein GUTES GESPRÄCH über ihre wahre Situation zu führen, in der sie immer noch verdammt sind auf Befehl Kriege zu führen. Wäre Demokratie nicht das selbstverständliche Resultat eines schulden- und zinslosen aus der Gemeinschaft geschöpften „Bottom-up“ Geldes? Würden wir solch ein Geld schaffen, lägen die Freiheiten insbesondere Kriege zu verweigern vielleicht zum ersten male wirklich bei den Menschen. Solange wir ein „Top-down“ Geld haben zur Herstellung einer quasi göttlichen Gewalt einiger weniger größenwahnsinniger Profiteure und Machtfreaks, führen die Menschen im Kleinen wie im Großen dumme, dumme, dumme Kriege. Das Resultat ist die zunehmend kannibalische Gesellschaft. Ein Horrorkabinett. Ein globales Sado-Maso-Studio.

  4. Nun, schön und gut was Herr Drewermann zu berichten weiss, es mag auch guit sein, dass er sein zu berichtendes auf einen Gott anlehnt; ich brauche jedoch keinen Gott oder sonst irgendetwas im Außen, an dem ich mich anlehnen muss. Ich brauche nur Mensch zu sein. ich will nicht gläubige von ihrem Glauben abbringen. ich denke für mich!!!! dass ich!!!! keinen Glauben brauche, um das Leben voranzutreiben. denn das sollen, so denke ich, Worte wie „Man muss mit dem Frieden beginnen, sonst wird man nie bei ihm ankommen!“ ausdrücken. wenn ich Frieden will, darf ich keinerlei kriegerische Handlungen, wie z.B. den bedingten Tausch durchführen.
    Jede Art des bedingten Tausches führt Schlussendlich zum Krieg. In der Folge von bedingtem Tausch wird irgendwann irgendjemand der Tauschpartner unzufrieden – er wird mehr für seine geleisteten Dienstleistungen, Güter oder sonstwas haben wollen; dies ist der Zeitpunkt der scheinenden Ungerechtigkeit. die Folge wird Krieg, in welcher Form auch immer, sein. Gott „fordert“ Gerechtigkeit. solange der Mensch Gerechtigkeit als 1:1 Tausch versteht, wird es nichts mit dem Frieden…

    • Dieser 1: 1 Tausch ist nicht zu bewerkstelligen!!!
      es wird sich über kurz oder lang immer eine Partei benachteiligt fühlen.

    • Ein 1 zu 1 Tausch führt nicht zum Krieg. Aber ein gefühlter 1 zu 2 Tausch kann zum Streit führen.
      Prinzipiell haben Sie natürlich recht. Man sollte geben, wenn man es kann, ohne zu fordern.
      Aber wer kann das schon? Wer will das schon?
      Wir werden zum Egoismus erzogen, nicht zum Altruismus, was besser wäre. Der Kapitalismus fordert viele Opfer. Die Opfer wissen es nur nicht, weil sie vom Kindergarten an verdummt werden. Sie dürfen sich keine andere Welt vorstellen, dafür sorgen die Medien. Jesus Christus, dieser langhaarige Freak, kann uns nicht mehr helfen. Er ist tot. Wir müssen uns selber, und wenn wir es können, auch anderen helfen. Nur Sklavenarbeit, unter Bedingungen, die der Sklaventreiber vorgibt, sollten wir nicht verrichten. Dann lieber streiken und sich gegenseitig helfen.

    • Die Frage stellt sich gar nicht, ob man sich als Atheist bezeichnet oder als Christ, oder Moslem, oder was auch immer. Wenn es Gott gibt, dann gibt es ihn, unabhängig davon, was ich empfinde. Auch der Teufel existiert, oder eben nicht, unabhängig von meiner Empfindung.
      Zweifelsohne aber gibt es Bemächtigung und die Unterscheidung von Gut und Böse, wie sie jeder Mensch auf dieser Welt unabhängig von seinem Glauben trifft. Die Machtgeber sagen „Wir sind die Guten!“, doch ein gewissenhafter, kluger Mensch wird ihr Handeln, nicht ihre Worte beurteilen und vielleicht zur Erkenntnis gelangen, dass er einer Täuschung aufsäße. Und schon haben wir ein biblisches Bild vor Augen, den Teufel als Herren der Welt und raffinierten Täuscher, und auf der anderen Seite Gott in Form eines intakten persönlichen Gewissens.
      Drewermann hat die geistige Welt in dieser Weise begriffen und damit den Teufel herausgefordert. Der Teufel hat ihn mittels seiner Vasallen weitgehend mundtot gemacht. Doch Gott findet Gefallen an ihm, da bin ich sicher.

    • „Gott in Form eines intakten persönlichen Gewissens“. Zum Beispiel jenes des Jesus von Nazareth.

    • Das Wort Gott kommt nach meinem Verständnis von Gut.Und wir Menschen können durch die
      Dualität unseres Daseins aus Geist und Materie(Haben und Sein) unmöglich absolut Gut sein.
      (Es ist sogar für uns ausgesprochen schädlich absolut Gut sein zu wollen)
      Aber wir können durch geschicktes ausbalancieren um absolut Gut=Gott kreisen wie die Erde
      um die Sonne und uns dabei als Menschheitsfamilie angenehm wärmen(L(i)ebenskraft generieren)
      Dabei kontrolliert der Geist in einer Wechselwirkung immer die Materie.
      Denn in Jeden von uns steckt auch eine kleine Sonne wie in einer Fraktale.Sie ist oft nur durch Eifersucht,Habsucht,Streitsucht,Geltungssucht,Gelbsucht,Geldsucht,Machtsucht unseres inneren Affen
      verblendet und kann dadurch ihre göttliche Wirkung nicht vernünftig entfalten und ausbalancieren.
      Aber immer mehr Menschen entdecken die Fähigkeit im warmen Aufwind der göttlichen Wirkung
      fast mühe-und schwerelos wie ein Vogel in der Thermik durchs Leben und lieben zu gleiten.

  5. Eugen Drewermann, die letzte große Seele und glaubhafte geistig-moralische Instanz in diesem Land.
    Besser kann man die Widersprüchlichkeit unseres sozialen Miteinanders und die pathologischen Folgen für die heute vermeidlich als alternativlos postulierte Existenz kaum beschreiben.
    Vielen Dank, dass er hier zu Wort kommt!

  6. Eugen Drewermann ist sachlich sehr gut informiert, bringt die Dinge auf den Punkt und vermag in einer Art und Weise zu sprechen wo ich nur mehr sagen kann: Ich wünsche mir mehr und öfter solche gebildete, sensible und engagierte Menschen zu sehen und zu hören. Im TV, im Fernsehen, im Internet.

    Mir wird SPEIÜBEL, wenn ich diese Kriegshetzer höre!

  7. Jimmy Carter wusste es, er sagte ‚diejenige die Kriege verursachen, erwarten nicht dadurch selbst geschädet zu werden‘.
    Und er sagte noch etwas Anderes ‚es ist in einem Krieg völlig unwichtig wer als erste Schoss, Kriege fangen an viele Jahre dafür‘.
    Ich fürchte das wir jetzt in die viele Jahre dafür sind.

  8. Herr Drewermann ist für mich einer besten, rührendsten Redner, die ich kenne. Er vermag es, mir als Atheist, die Bibel näher zu bringen. Bibel ganz nah an der gräßlichen Realität. Und die Botschaft trägt den einzigen Ausweg vor der Vernichtung. Selbstliebe, -bewusstsein und Frieden, der Frieden in mir. Frieden mit dem Islam, den Juden, Russen, USA, Trump, SPD und AfD, Merkel, Kim, ja auch Hitler. Eine Entkräftung der Angst, durch die alle in allen Schichten im Tun getrieben sind.

  9. Warum kommen mir bei einem Vortrag Drewermanns irgendwann immer die Tränen?
    Bin ich nicht hart genug? Vielleicht deshalb, weil ich nicht beim Bund war.
    Empathie ist da das Schlüsselwort. Wenn ich mich hineinversetze, in die Beweggründe des potenziellen Gegners, wird er bald kein Feind mehr sein können. Das zu lernen und zu lehren, müsste die Hauptaufgabe unserer Schulen sein. Davon sind unsere Bildungsstätten weit entfernt.
    Vielen Dank an KenFM, dass es Drewermanns Vorträge ins Netz stellt.

    • Warum wird es an den Schulen, mindestens in der Abschlussklasse nicht zur Pflicht gemacht, zwei Mal im Halbjahr aus Sicht des politischen Gegners einen Konflikt bzw. Krieg zu beschreiben?
      Mögliche Titel, bzw. Fragestellungen können sein:
      Beschreibe die NATO- Osterweiterung aus der Sicht des russischen Präsidenten Putin und in dem Zusammenhang den vom „politischen Westen“ geprägten Begriff: „Putinversteher“.
      oder:
      Wie sieht und beurteilt ein syrischer Vater, dessen Sohn gerade durch einen Bombensplitter getötet wurde, die Politik der Regierung der USA in Washington?
      oder:
      Was beanstanden Kritiker an dem von der US-Regierung heraus gegebenen Commission Report zum Terroranschlag am 11. September 2001 in den USA?

Hinterlasse eine Antwort