Wagenknecht stellt Machtfrage

Und keiner will es mitbekommen.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Hermann Ploppa.

So kennen wir sie, unsere Heilige Johanna des Bundestags: Am Rednerpult, im schicken roten Kleid, stilgerecht vor dem knallroten Hintergrund. Der Jubel eilt ihr voraus. Sahra Wagenknecht, die elegante Exotin zwischen lauter grauen Ärmelschonern.

Frau Wagenknecht ist der unangefochtene Top-Act beim politischen Jahresauftakt der Linkspartei im Berliner Kino Kosmos am 14. Januar 2018. Die Massen füllen den Saal, und vor dem Saal sind auch noch Massen. Das ist ein Pfund, mit dem die Linkspartei gegen ihre politischen Mitbewerber wuchern könnte, wenn sie es nur wollte: nämlich einen gewissen Bewegungscharakter an den Tag zu legen(1).

Und die Aufregung ist groß. Denn tags zuvor hatte die rote Sahra in einem Interview geäußert, sie könne sich die Gründung einer neuen politischen Sammlungsbewegung vorstellen. Die immer auf Hauen und Stechen geeichte Mainstreampresse machte daraus, Wagenknecht und ihr Gatte Oskar Lafontaine wollten quasi die Linkspartei von außen her zerschlagen. Bereitwillig nahmen Sahras innerparteiliche Lieblingsfeinde den von außen zugeworfenen Ball auf, um sich von allen gefühlten Spaltungstendenzen abzugrenzen.

Spannung also im kosmischen Kinosaal. Und dann kommt die Zeremonienmeisterin auf die angedachte Sammlungsbewegung zu sprechen. Die Linkspartei sei ja ganz toll, und dass man bei der letzten Bundestagswahl 500.000 Stimmen hinzugewinnen konnte, sei ja wohl auch nicht schlecht, oder? Das stimmt. Und jeder weiß, dass die Linkspartei diesen Zuwachs nur der tapferen Sahra zu verdanken hat. Denn im Osten war die Linkspartei ganz erbärmlich abgeschmiert. In Westdeutschland dagegen konnte Frau Wagenknecht durch ihre unermüdlichen Talkshow-Auftritte von Martin Schulz angewiderte SPD-Stammwähler erstmals für ein Kreuzerl bei der Linkspartei gewinnen. Das ist ja wohl hoffentlich auch den anwesenden Linksparteibürokraten klar.

Und dann sagt die elegante Rotgekleidete etwas, das man im Saal und an den Parteistammtischen sicher gerne zum einen Ohr rein- und zum anderen Ohr wieder rauslassen möchte: zehn Prozent für die Partei sind ja ganz toll, aber – damit kann man doch keine andere Politik erzwingen! Und dann hat sie noch Jean-Luc Mélenchon mitgebracht, den Mann, der in Frankreich um ein Haar in die Stichwahl zur Präsidentschaft gekommen wäre, wenn nicht rein zufällig terroristische Attentate Law-and-Order-Themen nach vorne geschoben und auf diese Weise die mit diesen Themen eher vertraute Kandidatin Marine Le Pen bevorteilt hätten…

Um Gotteswillen! Will die Wagenknecht womöglich nicht nur auf hohem Niveau jammern, sondern tatsächlich die Machtfrage stellen? Sollen wir etwa die Ärmel aufkrempeln und zupacken?

Hier wird’s problematisch. Mit DIESER Linkspartei ist kein Machtwechsel in Deutschland durchführbar. Oder glaubt das jemand im Ernst? Die Linkspartei ist eine verlangsamte politische Stimmungsbremse. Das liegt an ihrem Patchwork-Charakter. In der Linkspartei gibt es die seniorischen ehemaligen SED-, KPD- und DKP-Kämpfer. Sie sind zwar bewegungsmotiviert, aber müde und können sich den Stress des politischen Kampfes nicht mehr selber zumuten. Dann gibt es die West-Einsteiger aus der ehemaligen WASG – ausgestiegene Sozialdemokraten und Gewerkschaftsfunktionäre. Sie sind eher gewohnt, im Sitzen am Schreibtisch zu kämpfen. Und schließlich die jungen Karrieristen. Als jungem Menschen stehen dir bei der Linkspartei alle Türen offen. Da die Partei hoffnungslos überaltert ist, werden junge Mitglieder schnell in die Vorstandsposten hinauf gewunken, denn von den Wahlplakaten sollen junge Gesichter für die Linke werben.

Leider wird weniger auf die politische Grundüberzeugung geschaut als auf das Alter. So wurden ganze Jugend- und Ortsverbände von USA- und Netanyahu-Fans übernommen, die mit den Ursprüngen der Linken rein gar nichts mehr am Hut haben. Harte Abwehrkämpfe z.B. im Linkspartei-Jugendverband solid Niedersachsen dokumentieren das ganze Dilemma.

Und Nachwuchsaufsteiger wie Stefan Liebich oder Klaus Lederer gefallen sich darin, eine Politik in Berlin zu unterstützen, die zum Verkauf von 65.000 kommunalen Wohnungen an Heuschrecken geführt hat.

Für diese Politiker gehört die Mitgliedschaft in transatlantischen exklusiven Clubs wie Atlantikbrücke zum guten Ton.

Es dürfte klar sein, dass Sahra Wagenknecht in dieser Partei eigentlich fehl am Platz ist. Das Links-Establishment duldet die Überzeugungstäterin zähneknirschend und mit geballten Fäusten im aschgrauen Sakko. Einstweilen noch, denn ohne die Heilige Johanna, die alle gut finden, würde man wahrscheinlich bald im politischen Nirwana enden. Es stellt sich die Frage, ob Sahra Wagenknecht gut beraten ist, jetzt die Machtfrage zu stellen? Wenn die Linkspartei-Bürokraten sie aus ihrer Organisation herausmobben, steht sie dann nicht selber vor dem politischen Aus?

Es gibt nämlich noch immer keine politische Sammlungsbewegung. Noch nicht einmal andeutungsweise. Noch immer wird nämlich auf hohem Niveau gejammert, aber immer noch kommt keiner auf die Idee, die Machtfrage zu stellen: das heißt, einen konsistenten Gegenentwurf zum marktradikalen Wahnsinn zu versuchen. Tatsache ist auch, dass wir noch nicht einmal ein klares Bild darüber haben, wer uns hier eigentlich mit welchen Tricks in immer tiefere Enteignung und Entmündigung führt. Erst so langsam dämmert uns, dass unsere Zivilgesellschaft von kriminellen Netzwerken so richtig gekapert wurde und wird. Leute, die im Dunkeln arbeiten, weil sie genau wissen, dass sie für ihre Agenda niemals eine demokratische Mehrheit erlangen können. Netzwerke, die seit Jahrzehnten Generationen übergreifend an der vollständigen Durchdringung und feindlichen Übernahme öffentlichen Eigentums arbeiten und feilen (2).

Den Enteigneten und Entmündigten wird so langsam klar, dass sie sich wehren müssen. Und diesmal, im Jahre 2018, ist die Basis des Widerstandes viel, viel breiter als im Jahre 1968, vor nunmehr einem halben Jahrhundert. Damals stellte der Soziologe Herbert Marcuse zutreffend fest, dass nur noch Randgruppen wie ethnische und sexuelle Minderheiten sowie Studenten in der Lage seien, über die Logik der kapitalistischen Sachzwänge hinweg zu schauen und eine grundsätzlich andere Gesellschaftsordnung zu entwerfen.

Das sieht jetzt ganz anders aus, denn jeden Tag werden von der Monstermaschine des real existierenden Kapitalismus immer mehr Menschen ausgestoßen und erniedrigt. Es betrifft nicht nur die bulgarischen LKW-Fahrer, die als moderne Lohnsklaven in ihren Kabinen vor sich hin vegetieren. Es betrifft auch die mittelständischen Unternehmer, denen durch die Zerschlagung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken der Saft des Lebens, nämlich die Vorfinanzierung ihrer Unternehmungen, gewaltsam entzogen wird. Es betrifft ausgebildete Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitsbereich, die zu immer niedrigeren Gehältern immer schlechtere Arbeit ausführen müssen. Der Marktradikalismus will den Menschen zur eierlegenden Wollmilchsau degradieren. Das heißt: das Widerstandspotential reicht einmal quer durch die Gesellschaft, durch alle Schichten und alle politischen Milieus. Ein explosives Potential. Die Angst der Enteigner, dass sich Paketbote und Dachdeckermeister, Leiharbeiter und Lehrer so gut verstehen könnten, dass sie die Usurpatoren mal eben abschütteln, findet ihren beredten Ausdruck in dem ebenso diffamierenden wie demagogischen Schmierwort von der „Querfront“.

Kurzum, allen ist klar: wenn es einfach so weitergeht wie jetzt, rasen wir geradewegs mit Hundertachtzig gegen die Wand. Die Frage ist nur, wie wir mit dieser erschreckenden Tatsache umgehen. Kopf in den Sand stecken geht nicht mehr.

Wenn man so vom Gegner zu Boden geschlagen worden ist, wie es uns nun gerade passiert ist, sollte man sich anschauen, wie der Gegner diese Leistung vollbracht hat. Und wenn man sich die nunmehr siebzigjährige Machtergreifungstaktik anschaut, kann das nur heißen: wir müssen jene versprengten Wissenschaftler endlich zusammenbringen in einem Netzwerk, die nicht einverstanden sind mit dem Marktradikalismus. Wir müssen außeruniversitäre Denkfabriken gründen, denn die Unis sind jetzt von den Marktradikalen okkupiert. Die zahlreichen, aber versprengten Initiativen müssen an diese Denkfabriken angeschlossen werden, so dass nicht das Rad ständig neu erfunden werden muss. Wenn sich das Dorf Jühnde erfolgreich von Energieeinfuhren unabhängig gemacht hat, können andere Kommunen diese Erfahrungen für sich nutzbar machen. Neue Wege werden überall beschritten, und es ist wichtig, diese Ansätze zu systematisieren und durch professionelle Medienleute den Menschen draußen im Lande zu vermitteln.

Es ist auch nicht zu verstehen, warum Frau Wagenknecht so wenig konstruktive Vorschläge einfallen. Ein Mindestlohn von zwölf Euro ist zwar wünschenswert. Aber ein wirklicher Systemwechsel sieht anders aus. Es geht unter anderem darum, das gestohlene öffentliche Eigentum der Öffentlichkeit zurückzugeben, und genossenschaftliche, öffentlich-rechtliche und staatliche Einrichtungen, die sich so wunderbar bewährt haben über die letzten 150 Jahre, wieder instand zu besetzen. Der Schienenverkehr muss mindestens wieder auf das Vernetzungsniveau des Jahres 1900 zurückgeführt und eng getaktet werden. Zudem muss der öffentliche Verkehr kostenlos angeboten und steuerfinanziert eingerichtet werden. Außenpolitisch werden wir uns dem Seidenstraßenprojekt zuwenden, und uns von dem absolut zerstörerischen NATO-Abenteuer verabschieden. Eine Steuerreform sorgt dafür, dass alle Steuern zentral eingezogen werden und sodann gerecht an Bund, Länder und Gemeinden verteilt werden, anstatt dass die lukrativen Steuern vom Bund abgegriffen werden.

Das fällt mir jetzt nur mal so spontan ein. Natürlich werden Wissenschaftler dann sagen: das geht nicht. Wirklich nicht? Das sollten wir doch mal von unabhängigen Wissenschaftlern überprüfen lassen…

Die Geschichte lehrt: es gab immer eine Pendelbewegung. Das Pendel schwang einmal mehr zu Gunsten jener „Schule“ die sagte: Solidarität ist schlecht, hin zu jener Richtung, die sagte: nur solidarisches Handeln bringt gute Ergebnisse. Jetzt ist das Pendel lange Zeit in Richtung Egoismus und Darwinismus ausgeschlagen. Es ist höchste Zeit, das Pendel wieder in die andere Richtung schlagen zu lassen.

Wir sollten, um darauf mal zurück zu kommen, vielleicht doch versuchen, für die nächste Bundestagswahl im Jahre 2021 den Bernie Sanders-, Jean-Luc Mélenchon- oder auch Jeremy Corbyn-Effekt für Deutschland anzuwenden. Nicht, um die Illusion zu nähren, man könne mit Wahlsiegen Systemwechsel erzwingen. Das geht nicht.

Aber erstens könnte man am Beispiel der USA, Frankreich oder Großbritannien zeigen, dass vernünftige Positionen durchaus mehrheitsfähig sind. In diesem Prozess der kollektiven Bewusstwerdung würden en passant auch neue Verbindungen und Vernetzungen gestiftet, die man für die außerparlamentarische Veränderung der Gesellschaft wunderbar einsetzen könnte. Und da kommt eventuell auch wieder Sahra Wagenknecht ins Spiel. Wenn wir endlich in die Pötte gekommen sind und die dringend notwendige Sammlungsbewegung auf die Beine gestellt haben, wäre eine so begabte Politikerin wie Sahra Wagenknecht die wertvolle Ergänzung.

Anstatt sich jetzt politisch mit dem verfrühten Versuch einer Sammlungsbewegung zu verbrennen, sollte Sahra Wagenknecht vielleicht noch ein bisschen im Intrigantenstadl der Linkspartei ausharren, bis die Zeit wirklich reif ist für eine starke Sammlungsbewegung.

Quellen und Anmerkungen:

(1) Es ist nicht nachzuvollziehen, wie wenig die Linkspartei aus ihrem großen Erfolg im Berliner Kosmos-Kino macht. Die Video-Mitschnitte werden weder groß aufgearbeitet noch beworben. Die Rede von Mélenchon wird nicht übersetzt, obwohl die Übersetzung im Saal auf Großleinwand projiziert wird. Angesichts der durchaus erwähnenswerten finanziellen und personellen Mittel der Linkspartei kann man nur schließen, dass das Ereignis so schnell wie möglich der Vergessenheit überantwortet werden soll.

(2) Erste Einführungen ins Thema Kaperung der Zivilgesellschaft durch kriminelle Netzwerke: Ullrich Mies/Jens Wernicke (Hg.): Fassadendemokratie und tiefer Staat – Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter. Wien 2017. Oder: Hermann Ploppa: Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern. Frankfurt 2014. Oder Naomi Klein: Die Schock-Strategie – Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt 2009.

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Dieser Beitrag erschien am 18.1.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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13 Kommentare zu: “Wagenknecht stellt Machtfrage

  1. Danke an Herrn Ploppa für den Hinweis auf die grosse Rede von Jean Luc Mélenchon. Klar, dass die deutsche Synchronisierung spät oder gar nicht kommen wird. Leider war die Rede von Sahra W. nicht annähernd so gut, da liegen Welten dazwischen (Berücksichtigt man Ihren Versprecher von „Jean Luc, dem Begünstiger der Steuerhinterzieher“, tun sich gar Abgründe auf).

  2. Nochmal! Alles richtig und doch verkehrt.
    So traurig es klingt, erst die tatsächliche Verlelendung der Massen wird eine Veränderungsbereitschft überhaupt entstehen lassen.
    So lange auch nur die Illusion aufrechterhalten werden kann das man ja noch ‚mitmacht‘ in dieser Gesellschaft, wird gar nichts passieren.
    Erst die existetielle Not noch vieler Tausende mehr, kann dazu führen, dass nicht nur eine Abkehr von der cleveren neoliberalen Argumentation statt findet, sondern das sich auch breite Teile der Bevölkerung zum Widerstand durchringen können.
    Wir feiern hier die Abkehr der Menschen vom Mainstream, dies ist aber noch lange keine Widerstandsbereitschaft. Diesem Irrtum sollten wir uns schleunigst stellen.
    Natürlich sind die angeführten Werke von Mies, Ploppa und KenFM unglaublich wichtig, nur es gilt noch immer; die Kette bricht am schwächsten Glied und dies ist, im Moment, noch nicht die BRD.
    Fussball und Tatort wird die Leute erst dann nicht mehr ablenken, wenn sie schmerzlich feststellen, dass sie es sich nicht mal mehr leisten können.
    Dazu kommt die, wie von Herrn Ploppa und U. Mies, Prof. Mausfeld, Ken Jebsen usw. nachgewiesene Lähmung und Lethargie die bewusst kultiviert wird.
    Mit Evolution wird hier nichts mehr, hier hilft meines Erachtens nur warten, bis das System die Massen ins Elend treibt. Dann Revolution und diesmal leider gegen eine Macht, die kampf-und gewaltbereit ist bis zum Inferno.
    Wer sich dem nicht stellen will, wird enden wie Pastor Niemeyer.
    Ihnen alles Gute

    • Sehr wahrscheinlich ist das so, ist aber doch kein Grund, selbst nichts mehr zu tun und die Verelendung Platz greifen lassen, oder? Mir macht auch Angst der Resourcenverbrauch des Kapitalismus, sollen wir den einfach zulassen? Ich bin immer positiv aufgelegt, optimistisch, d.h. nicht, daß ich nicht auf das Schlimmste vorbereitet bin.

  3. Nur 4 Kommentare bis 10:00h, das ist wirklich erstaunlich. Kann das sein, daß da kaum einer eine Meinung zu hat?

    Ich finde den Beitrag eigentlich ganz gut, er stößt zumindest neues Denken an und der Autor hat Recht, wenn er sagt: „Kurzum, allen ist klar: wenn es einfach so weitergeht wie jetzt, rasen wir geradewegs mit Hundertachtzig gegen die Wand. Die Frage ist nur, wie wir mit dieser erschreckenden Tatsache umgehen. Kopf in den Sand stecken geht nicht mehr.“

    Das gilt selbst dann, wenn ich mich über folgenden Satz aufrege: „Und wenn man sich die nunmehr siebzigjährige Machtergreifungstaktik anschaut,…“ Aber dann wenigstens: „Nicht, um die Illusion zu nähren, man könne mit Wahlsiegen Systemwechsel erzwingen. Das geht nicht.“ Danke, so isses.

    Die Frage, ob und wie Systemwechsel unter den jetzigen internationalen Bedingungen (die heutige Arbeiterklasse sitzt eigentlich in der 3. Welt, uns bleibt nur das Lumpenproletariat, die prekären Abgehängten etc.) überhaupt möglich ist, muß ja auch noch beantwortet werden.

    Zu mehr Gegenöffentlichkeit könnte auch eine linke Sammlungsbewegung beitragen, wenn sie denn von Figuren wie SW entscheidend mitgetragen wird. Die alternativen Medien alleine sind da doch ein wenig zu wenig, habe ich den Eindruck.

    Wenig erwarte ich da von den Schlafmützen, die immer noch in der SPD sind. Aber es ist andrerseits schon erstaunlich, wieviele Intellektuelle wieder das Wort „Kapitalismus“ in den Mund nehmen. Es gibt möglicherweise auch in den Mittelklassen ein geschärftes Bewußtsein für die Widersprüche des Kapitalismus. Ewiges Wachstum geht eben nicht!

    Richtig ist, daß meine Elterngeneration sich noch gequält hat, damit wir es einmal besser haben. Unsere Kinder und Enkel quälen sich heute, damit sie nicht abrutschen. Der Postillon hat es neulich schön beschrieben: „Praktikant wird anerkannter Ausbildungsberuf“! In dieser Situation darf Merkel immer noch blubbern: „Deutschland geht es gut“

    Also ok, sammeln wir, aber vor allem auch auf der Straße, nicht nur im Parlament und in der Talk-Show. Die Machtfrage stellen wir leider damit immer noch nicht. Da müssten wir uns schon auf Gewalt der Herrschenden einstellen.

  4. Nach dem Verhalten von einigen Links Vorständlern kann man den Glauben an das wirkliche Wollen einer Veränderung bezweifeln.
    Allerdings hab ich das alles schon einmal bei der Wahl 98 erlebt. Große Zustimmung in der Bevölkerung, ein Oskar ein Gerhard, und ein Rudolf, die mit Nelken Winken.
    Und dann, der Auseinanderfall.
    Ich frage mich, ist es wirklich so, dass bei erstarken des Linken Spektrums in der Gesellschaft,
    und das ist ja auch jetzt wieder der Fall, immer wieder eine Schwächung des Sammelbeckens erfolgen muß. Wer ist der Verursacher, dass der aufgezeigte Weg, immer wieder verlassen wird, weil irgendwer immer Steine in den Weg legt.
    Wird nicht zu schnell von Ausstieg und neuem Anfang gesprochen.
    Das war die Demontage der SPD und nun der LINKEN. Aber wer hat was davon?
    Sicher nicht die, welche sich ein Umdenken wünschen. Gewinner wahren immer die neoliberalen Kräfte. Ich schau mir die Hofierung von Frau Wagenknecht an, sehe wie sie in Wirtschaftsmedien als Kompetente Fachfrau aufgebaut wird, wie sie ach so respektiert wird.
    Mag ja stimmen, aber genauso gut wird sie auch wieder fallen gelassen.
    Meines Erachtens ist eine Einzelperson, die die Hoffnung und Sehnsucht von vielen Menschen ausdrückt, immer eine schlechte Wahl.
    Es muß eine breite Basis hinter den Forderungen stehen, sonnst sehe ich auch in Zukunft kein weiter kommen. Manchmal hege ich den Verdacht, das Oskar und Sahara das genau wissen, wir das Spiel aber nicht durchschauen wollen, weil das ja der perfideste Verrat wäre.
    Na dafür setzt es jetzt aber ein paar heiße Ohren.

    • Hallo Socke4612

      **“Wird nicht zu schnell von Ausstieg und neuem Anfang gesprochen.“**

      Da Du kein entsprechendes Satzzeichen benutzt, sehe ich das als Feststellung.

      Da frage ich mal, hätte ein Verbleib Lafontaine’s in der SPD Sinn gemacht?
      Oder war der Ausstieg richtig und wichtig…

      „**Meines Erachtens ist eine Einzelperson, die die Hoffnung und Sehnsucht von vielen Menschen ausdrückt, immer eine schlechte Wahl.“**

      Das ist nicht nur (D)eine Meinung, das ist empirisch bewiesen. Vermeintlich Paradox ist, das der Mensch eben nicht ohne diese Leitfigur-en auskommt. Er ist schlicht (noch) nicht in der Lage sich selbst so zu organisieren, das ein wirksames, breites gemeinschaftliches handeln entsteht.

      Es ist leider nicht entscheidend wie man etwas sagt oder/und was man sagt, sondern WER etwas sagt – egal was er sagt…

      Bislang sehe ich nur eine Möglichkeit diesem ewigen wieder-mal-reingefallen Kreislauf zu entrinnen.
      Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, das die Menschen dafür zu oberflächlich sind.

      Konnten wir in analogen Zeiten – also als es nur ARD und ZDF schwarz weiß Fernsehen gab – nur eine vergleichsweise geringe Anzahl eigenartiger Menschen mit eigenartigen Ansichten „kennenlernen“, ist heute dank? Internet die Anzahl der dumm, dümmer, am dümmsten, Vollidioten die wir „kennenlernen“ können, auf eine schier unglaubliche Masse gewachsen, die den gefühlten Eindruck erwachsen lässt, es gäbe mehr dumme Idioten als überhaupt Menschen vorhanden sind. Und mit dumme Idioten meine ich nicht sogenannte Ungebildete, oder Bildungsunterschicht.

      Und aus diesem Dilemma gibt es meines Erachtens nur einen (friedlichen) Ausweg.

  5. **“Mit DIESER Linkspartei ist kein Machtwechsel in Deutschland durchführbar.“**

    Ganz richtig. Aber mit der nächsten, der übernächsten und allen noch kommenden Linksparteien auch nicht. Desgleichen mit allen allen anderen Parteien die es gibt und die da noch kommen.

    Solange Mensch nicht begreift das ABSOLUT KEIN PARTEI FÜR ALLE ZEITEN diesen von der Weltbevölkerung gewünschten und und erhofften Wechsel herbeiführen wird, solange KANN es diesen Wechsel hin zu Humanismus und Gleichwertigkeit nicht geben.

    Da hilft auch kein Professorennetzwerk, „wissenschaftliche“ Studien und all der andere (entschuldigung) QUATSCH der immer und immer und immer und immer und immer wieder vorgeschlagen wird.

    ich nehme alles zurüch, behaupte das Gegenteil und werde absolut überzeugter Jünger einer – welcher auch immer ist mir egal – Partei, wenn mir nur ein Mensch beweisen kann, das es seit es die erste Partei gab, bis dato, auch nur eine Partei in irgend einem Land der Welt gebracht oder ebracht hat – also das was jeder Mensch auf Erden will.

    Frieden
    Wohlstand
    Gleichwertigkeit
    Einigkeit
    Recht
    Freiheit
    Brüderlichkeit

    NICHTS DAVON, NICHT AUCH NUR EINEN EINZELNEN PUNKT DAVON, HAT JEMALS AUCH NUR EINE PARTEI IN IRGEND EINEM LAND DER WELT ERREICHT.

    Wewnn tatsächlich mal der ein oder andere Punkt TEMPORÄR in Erfüllung ging, DANN WAREN ES DIE MENSCHEN DIE ES BEWIRKT HABEN – NIEMALS „DIE“ PARTEI!

    Ich frage mich, wie zum Teufel kann auch nur noch ein Mensch auch nur noch irgend eine Hoffnung in irgend eine Partei setzen?

    Offensichtlich sind alle Menschen nicht ganz bei Sinnen bis völlig daneben.

    • **“Denn tags zuvor hatte die rote Sahra in einem Interview geäußert, sie könne sich die Gründung einer neuen politischen Sammlungsbewegung vorstellen. Die immer auf Hauen und Stechen geeichte Mainstreampresse machte daraus, Wagenknecht und ihr Gatte Oskar Lafontaine wollten quasi die Linkspartei von außen her zerschlagen. Bereitwillig nahmen Sahras innerparteiliche Lieblingsfeinde den von außen zugeworfenen Ball auf, um sich von allen gefühlten Spaltungstendenzen abzugrenzen.“**

      Es ist doch klar was da los ist. Das ist eine deutliche Warnung an die Rechten der Partei – also [zumindest gefühlt] an mehr oder minder die gesamte Linke – ihre neoliberalen Positionen zu überdenken.

      Das Kapern der Die Linke durch Figuren wie Kipping und Co, ist m.E. zu weit fortgeschritten, als das ein Verbleib authentischer Personen in der Partei noch Sinn machte. Altes aufgeben und Neues anfangen, macht oftmals mehr Sinn, ist erfolgreicher.

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