Wenn Präsident Hollande geht …

Was wird dann aus seinem Coiffeur?

Eine Glosse von Wolfgang Bittner.

Wenn es um seine Schönheit geht, kennt der ansonsten völlig unauffällige französische Präsident François Hollande keine Verwandten. Er gönnt sich einen privaten Friseur, selbstverständlich auf Staatskosten. Wie kürzlich durchsickerte, verdient dieser Privatcoiffeur namens Olivier monatlich 9.895 Euro. Dafür steht er dem Herrn Präsidenten Tag und Nacht zum Waschen, Massieren, Föhnen und Stylen zur Verfügung. Das Pariser Enthüllungsblatt „Le Canard Enchainé“ brachte in Erfahrung, dass Olivier jeden Monat 45 Euro mehr verdient als ein Minister aus dem Kabinett Hollande. So sehr schätzt seine Exzellenz, die Zuwendung, die ihm sein privater Figaro zukommen lässt.

Olivier soll dem Vernehmen nach sogar an den Staatsgeschäften teilhaben, indem er seinen noblen Gönner mit wertvollen Informationen versorgt. Auch soll der Präsident gelegentlich, wenn er sich von seinen Referenten genervt fühlt, gesagt haben: „Erzählen Sie das bitte meinem Friseur.“ Das scheint durchaus positive Auswirkungen auf die französische Politik zu haben, wie in höchsten Regierungskreisen vermutet wird.

Mit seinen Schönheitsambitionen steht François Hollande übrigens nicht allein. So beschäftigte sein ehemaliger Chefberater Aquilino Morelle einen persönlichen Schuhputzer. Inwieweit die ansehnlichen Schneiderrechnungen der Pariser Politikerkaste, ihre Aufwendungen für erlesenes Schuhwerk und edle Kopfbedeckungen sowie die Dienste ihrer Visagisten aus der Staatskasse beglichen werden, ist derzeit noch nicht bekannt, aber mehrere investigative Journalisten sind bereits mit der Recherche befasst.

Ob derlei Enthüllungen allerdings in irgendeiner Form Konsequenzen haben werden, ist sehr fraglich. Während die Plebejer ihre Arbeit verrichten, Schuhe putzen und Haare schneiden, sitzt der Pariser Sozialismus noch einige Monate im Sattel. Das ist Elite, eine neue Nobilitas, an der sich andere europäische Staatenlenker von Berlin bis Warschau ein Beispiel nehmen können, zum Teil sogar schon genommen haben. So steht der deutschen Bundeskanzlerin diskret, aber wirkungsvoll sowohl im Kanzleramt als auch auf Reisen eine angemesse dotierte Visagistin für die Frisur und das Make-up zur Seite. Ehre, wem Ehre gebührt, und Schönheit, wem die Macht gehört!

Was aber wird aus Dienern, Domestiken und sonstigen Hilfskräften der regierenden Nobilitäten, wenn sie abtreten? Dieses Problem beschäftigt schon seit Monaten Tausende der gefälligen Helfer und Millionen mitfühlender Bürger. Was wird aus Angela Merkels Visagistin, falls die Kanzlerin nicht wiedergewählt wird, was aus Hollandes Coiffeur, wenn der Präsident im April sein Amt abgibt? Ihre dienstbaren Geister werden sich künftig wohl mit weniger gut dotierten Jobs behelfen müssen, denn bekanntlich hat jeder unserer Starpolitiker seine eigene Entourage, die er mit ins Amt bringt oder sich dann leisten kann. Das ist an den Höfen schon seit Jahrhunderten so und wird sich in nächster Zeit kaum ändern.

Wolfgang Bittner, Schriftsteller und Jurist, ist Autor des Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“, Westend Verlag 2015. Siehe auch www.wolfgangbittner.de sowie KenFM im Gespräch: https://kenfm.de/wolfgang-bittner/

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