Wenn sich die Logik des Verstandes mit der Logik des Herzens vermählt

Von Dirk C. Fleck.

Schmeiß das Wort KLIMAWANDEL in den Ring der Sozialen Netzwerke und du wirst ein Schauspiel erleben, das dir den Schrecken in die Glieder jagt. Kaum ist das Wort nämlich gepostet, springen sie von allen Seiten herbei, die Rechthaber jedweder Couleur. Wie ausgehungerte Kojoten stürzen sie sich auf den Begriff, der schon als Totgeburt auf die Welt kam, da er jedes Vorstellungsvermögen überstieg. Aber totes Fleisch ist ihre Lieblingsspeise, auch im mentalen Bereich, und so zerren sie am Wortkadaver – laut, aggressiv, beleidigend, erschreckend dumm und ungemein schlau. Jetzt sind sie beschäftigt, jetzt müssen sie sich nicht mehr kümmern. Immerhin diesen Spaß hält unsere bis ins Mark manipulierte Zivilgesellschaft am Ende der Zivilisation kurz vor dem Ökozid für uns bereit.

„Im Grunde weisen alle aktuellen Erkenntnisse über den Klimawandel darauf hin, dass die Situation noch schwieriger ist, als vor wenigen Jahren angenommen. Ich fürchte, dass wir eines baldigen Tages aus der Phase der Verharmlosung des Klimaproblems direkt in die Phase des Entsetzens übergehen“. Das sagte der ehemalige Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, im Gespräch mit dem verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, wie dieser mir kurz vor seinem Tod verriet. Benutzt man dieses Zitat jetzt beispielsweise auf Facebook, wird Schellnhuber auf eine Art niedergemacht, dass man glauben könnte, er hätte sich an jedem einzelnen seiner Hater sexuell vergangen.

Festgemacht wird die Diskussion um den Klimawandel meist an der „CO2-Lüge“. Vergesst doch endlich die CO2-Debatte. Der Wissenschaftsstreit ist so alt wie die Wissenschaft selbst. Ersetzen wir in Schellnhubers Zitat das Wort Klimawandel durch das Wort Ökokrise. Dann liest es sich anders und treffender, nämlich so: „Im Grunde weisen alle aktuellen Erkenntnisse über die Ökokrise darauf hin, dass die Situation noch schwieriger ist, als vor wenigen Jahren angenommen. Ich fürchte, dass wir eines baldigen Tages aus der Phase der Verharmlosung dieser Krise direkt in die Phase des Entsetzens übergehen“. So wird ein Schuh draus, so stellt man sich dem Problem.

Was mich bei dieser gesamten Klimadiskussion stört, ist die Tatsache, dass zu viele Leute sich zu schnell Absolution erteilen wollen. Es ist viel die Rede von der „Klimaindustrie“ und davon, dass man doch der Spur des Geldes folgen solle, um die „Klimahysterie“ zu verstehen. Es müsste eigentlich bekannt sein, dass zum Beispiel einer der größten Global Player, Koch Industries, wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben hat, die den Klimawandel vehement leugnen sollten. Die Spur des Geldes führt eben mal da hin, mal dort hin.

Das sagt aber doch nichts darüber aus, in welch verheerendem Maße unsere Spezies auf diesem Planeten wütet. Und wer angesichts der katastrophalen Verhältnisse, die wir bereits hergestellt haben, und die ja nicht besser, sondern immer schlimmer werden, so tut, als sei unser gigantisches Vernichtungswerk (auch an uns selber übriges) noch in irgendeiner Weise zu rechtfertigen oder zu entschuldigen, wer nicht in seinem tiefsten Herzen betroffen ist von dem erbarmungslosen Krieg, den die Menschheit gegen ihre Mitwesen auf diesem Planeten, ja gegen die gesamte Erde führt, kann mir nur herzlich leidtun. Er lebt nicht mehr, er ist erkaltet …

Viele dieser Erkalteten berufen sich unter anderem gerne auf den Bestseller „Die kalte Sonne“ von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning.  Fritz Vahrenholt war von 1991 bis 1997 Umweltsenator in Hamburg und wechselte, nachdem der Senat nicht wiedergewählt wurde, direkt in den Vorstand der Deutschen Shell. Daraufhin bezeichnete ihn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung als den „frechsten Öko-Manager Deutschlands“. Auf wen könnte man sich als Klimaleugner besser berufen als auf diesen kompetenten Mann?

Die Diskussion um den Klimawandel passt den Verantwortlichen am Ausverkauf der Natur bestens in den Plan. Auch der Hype um die weltweite Schülerbewegung „Fridays for Future“ spielt ihnen in die schmutzigen Hände, weil er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu ihren Gunsten verschiebt. Es sind nun nicht mehr ihre Verbrechen, die im Focus stehen, sondern der Klimawandel, über den sich so trefflich und andauernd streiten lässt. Auf diese Weise gewinnen sie Zeit, um ihr profitables Vernichtungswerk ungestraft weiter zu betreiben. Fast, aber auch nur fast, wären wir ihnen auf die Schliche gekommen …

Und so kämpfen die Mahnwesen weiterhin ihren hoffnungslosen Kampf. Könnte man zumindest meinen. Ist aber nicht so. Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Das Leistungsideal, wie wir es kennen, verliert an Reiz. Geld und Status erscheinen immer weniger lohnenswert. Das belegen jüngste Testergebnisse in den USA, über die Spiegel-Online am 9. Februar dieses Jahres unter der Überschrift „Was nach der Leistungsgesellschaft kommt“ berichtete. Die Ideale der Leistungsgesellschaft wie etwa die Werbesprüche „Mach dein Ding“ (Hagebaumarkt), „Just do it“ (Nike) oder „You can“ (Canon) glorifizieren den Erfolgsmenschen. Dies, so suggerieren sie, sei das eigentliche Ziel, nach dem wir streben sollen. Den aktuellen Testergebnissen zufolge befindet sich gut ein Zehntel der Bevölkerung in den westlichen Gesellschaften aber bereits auf einem Entwicklungsniveau, das sich radikal von dem beherzigen Bewusstsein unterscheidet.

Zehn Prozent. Das ist viel. Und täglich erkennen immer mehr Menschen, dass die bislang vorgegebenen Strukturen, Institutionen und auch Werte nicht mehr verwendbar sind. Die Logik des Verstandes scheint mit der Logik des Herzens immer besser zu kommunizieren, wie der Kulturforscher Marco Bischof vermutet. „Wirkliche Veränderungen,“ so Bischof in einem Gespräch mit Geseke von Lüpke für das Buch ZUKUNFT ENTSTEHT AUS KRISE, „sind immer langfristig, denn sie geschehen in einem fast unsichtbaren Bereich. Deshalb sind sie nur für wenige Menschen wahrnehmbar. Irgendwann aber wird eine Schwelle überschritten, mit der ein bislang verborgener Wandlungsprozess plötzlich sichtbar wird. Ich glaube, wir sind jetzt an einem solchen Punkt. Dieser Umbruch ist nicht mehr die Angelegenheit einer Minorität, sondern betrifft schon ziemlich breite Kreise in der Gesellschaft“.

Wenn das jetzt auch noch den verbissenen „Klimaleugner“ auffallen würde, wären wir bereits ein Stück weiter.

Nicht der Gedanke, sondern die Verantwortungsbereitschaft ist der Ursprung der Tat. – Dietrich Bonhoeffer

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

11 Kommentare zu: “Wenn sich die Logik des Verstandes mit der Logik des Herzens vermählt

  1. Der Umstand, dass EU-Parlaments-´Wahlen´ anstehen, mag vor Augen führen, dass kopfschüttelnd immer abgewandtere, aber in Ängsten vor Zusammenhalts-Verlusten gehaltenen Zuschauerrollen mit Sicherheit nicht das sind, was wir uns vorgeben lassen sollten…

    Es ist an uns, den Bürger/innen, uns endlich darauf zu besinnen, was w i r in und mit diesem Europa, der EU in ihr, mit Deutschland und der Welt wollen – und es zu artikulieren, und sei es durch unübersehbar ausdrückliche Wahlverweigerung … ! ??

    ´Abgekartete Schaukämpfe´ der Polit-Akteure eröffnen keine ´Wahl´ ! Und sie kosten Unmengen der Erträge unserer Erwerbsarbeit …!

    Mit abgekarteten Umweltbesorgnis-Kampagnen zur Vermeidung von … ist es nichts anderes… – ganz recht, Ihr alle hier…

    Fangen wir endlich an, zu erdenken und zu erörtern, w a s denn zur Wahl stehen sollte, w e n n planeten- wie menschen-verträgliche Organisationsformen von Staatenverbünden wie denen der EU zustandekommen sollen !

    Kritik, die sich nicht irgendwann dazu aufmacht, endlich überschaubare Alternativen zu formulieren, zu diskutieren und auf geeignet neuen Wegen zu artikulieren, bleibt ihrerseits so etwas wie ein Schaukampf – – – ohne ´stechende´ Spielkarten freilich ….

    Mein ´Manifest einer EU-Bürgerin´ dazu, w a s – i c h – bei den vor uns liegenden Wahlen wenigstens debattiert, am besten zu einem richtigen Politikum gemächt sähe, gäb´s für Interessierte hier:

    https://diskursblickwechsel.wordpress.com/2019/03/20/in-ein-n-e-u-tragendes-morgen-manifest-einer-e-u-buergerin/

    Ich hoffe auf Zweifel ebenso wie auf Bestätigendes, in jedem Falle Anregendes zu neuer politischer Lebendigkeit…

  2. Das Gleiche erlebt man, wenn Kritik an Monolkulturen und genttechnisch veränderten Lebenmitteln geäußert wird.
    Wie die Geier kommen sie aus allen Ecken und sind nur noch damit beschäftigt, das Thema auszuschlachten und den Nächsten kleinzumachen, um für eine halbe Minute vermeintlich zu glänzen oder einfach nur eigene Interessen zu wahren.
    Das eigentliche Problem wird komplett ausgeblendet.

    Leider ist es aber nicht mehr wegzuleugnen, dass dies in den letzten Jahrzenten zu einer massiven Reduzierung der Nährstoffe in Obst, Gemüse, Kräutern etc. geführt hat. Welch Segen für die Pharmaindustrie und allen die an diesem Geldtropf hängen.
    Endiviensalat, der massiv an Bitterstoffen verloren hat und somit schmeckt wie jeder andere Salat, sollte nicht als Errungenschaft sondern Körperverletzung verstanden werden. Trotz dollster medizinischer Errungenschaften sind wir im Schnitt nicht gesünder, sondern kränker geworden.
    Schlechte Ernährung, schädliche Umwelteinflüsse und Verbrennung von Herz und Hirn.
    Ja, ja *seufz es geht uns gut und immer besser.

  3. Hallo Herr Fleck,

    Bitte recherchieren Sie bezüglich Greta Thunberg und deren Familienherkunft, wirtschaftliche Herkunft und Hintergründe, dann werden Sie die Marketingkampagne dahinter erkennen.

    wahre Herausforderung:
    – Umweltzerstörung in jeglicher Form (Plastik, Gifte, Reduktion der natürlichen Regenerationsressourcen)
    – Steuerpolitik und damit fortschreitende Vermögensverschiebungen auf sehr wenige Gruppen
    – Unterwerfung des Sozialen/Kulturellen und der Umwelt dem Diktat Wachstum und Rendite
    – Digitalisierung und deren soziale Konsequenzen
    – Umbau der Energiesysteme auf erneuerbar

    Klima:
    – hat sich immer gewandelt und wir müssen uns anpassen
    – CO2 ist vollkommen bedeutungslos und hat keinerlei Klimarelevanz (bitte nicht Religion mit Wissenschaft verwechseln)

    Ja, der Umbau auf erneuerbare ist richtig, bin selbst seit 17 Jahren darin aktiv. Aber lassen Sie bitte das CO2 da raus.

    Viele Grüße
    Andi

  4. Fleck liegt richtig: „Klimawandel“ ist Ablenkung Von Attack bis Medien springen alle drauf.
    Hier das wahrscheinlich zutreffendere Scenario:
    Klimawandel ist keine Ursache, sondern Folge. Nein, nicht vom CO2 aus Auspuff oder Schornsteinen.
    Sondern vom Gifteintrag der Industrie in die Weltmeere.
    Ohne diesen Gifteintrag haetten wir keine Klimaerwaermung.Trotz aller CO2- Schleudern nicht.
    Siehe Vortrag von Howard Dryden, auch hier ueber Kenfm ababrufbar.
    Allerdings bedeutet das nicht, dass man weiter lustig Braunkohle verrbrennen sollte. Denn der Gifteintrag in letztendlich die Meere durch die Kohleverstromung ist so verheerend, dass das bloede CO2 dagegen Kasperkram fuer Annewill-Tittitainment ist.
    Stoppen wir Gift und Plastik nicht sofort, roechelt der letzte Wal in 10 Jahren und alle von uns, die jetzt noch nicht 60 Jahre alt sind, roecheln sich mit dem Handy in der Hand in 25 Jahren zu Tode, weil Sauerstoff alle ist.
    Wissen uebrigens neuerdings sogar schon behinderte Kinder.
    Nicht aus der Schule, sondern, weil sie manchmal eben nicht mehr hingehen.
    Unsere Moerder sind eindeutig die Geldmachtverbrecher und deren bestallten Henker aus Medien, Politkomikerparteien und Juristerei.
    Aber vielleicht bewahren uns diese Verbrecher mit ihren Kumpanen aus der Ruestungsindustrie rechtzeitig noch vor dem Erstickungstod mit ein paar kleinen Nukes aus Natobestaenden.

  5. Zitat: Die Ideale der Leistungsgesellschaft wie etwa die Werbesprüche „Mach dein Ding“ (Hagebaumarkt), „Just do it“ (Nike) oder „You can“ (Canon) glorifizieren den Erfolgsmenschen.
    „Werbung“ auf den Punkt gebracht!

    Das Erreichen dieser Ziele ist eine Mamutaufgabe, der sich die Menschen stellen müssen um auf diesem Planeten überhaupt noch das Überleben ihrer Art zu sichern.

    „Erfolg und Glorie“ sind da noch ganz weit weg, denn an dieser „Leistung“ ist Homo Sapiens bisher kläglichst gescheitert, von „Erfolgsmensch“ … keine Spur…..

  6. Lobenswerte Einsicht! Ich glaube, Herr Fleck hat es verstanden, worum es bei dem Geplänkel zwischen Liliputanern und Blefuskanern wirklich geht. Das Thema Klimawandel und CO2 ist eine perfekte Ablenkung von wirklichen Missständen und Problemen in der Gesellschaft und der Welt. Am Klimawandel sollten doch irgendwie alle jedoch keiner konkret verantwortlich sein und alle dürfen sich dabei schuldig fühlen, wie es aus Volksempfängern verkündet wird. So ähnlich wie bei den Opfern angeblicher Marktkräfte. Nur jene, die es eingefädelt haben und hochpushen, scheren sich einen Sch…dreck darum, weil sie den wahren Wert der „Bedrohung“ und des Geplänkels drumherum kennen.

    Gefahren, Feinde und Bedrohungen herbeizureden ist doch das älteste Harrschaftsinstrument.

  7. Ein guter Artikel – danke, Herr Fleck.

    Bzgl. „Fridays for Future“: Meine Sympathie haben die Kinder. Es mag sein, dass die Bewegung bisher zu oberflächlich ist, auch mehr auf den Klimawandel abhebt, statt auf die umfassende Ökokrise – und dass der Protest wieder abebbt.

    Nichtsdestotrotz: Alle Argumente, die hier von einer gesteuerten Aktion ausgehen und sich mit der Frage „cui bono?“ beschäftigen, überzeugen mich bisher nicht. Auch die kurze Passage hier im Artikel. Das macht für mich keinen Sinn. Nochmal: Wer (aus „der Elite“) profitiert davon?

    Weniger wichtige Zusatzfrage: Gehört es auch zur Inszenierung, dass Merkel zunächst von „hybrider Kriegsführung“ sprach? Und dass Christian Lindner arrogant und gewohnt verblödet über die Kinder geurteilt hat?

Hinterlasse eine Antwort