Wer schrieb das Drehbuch für die G20-Proteste in Hamburg?

Die Proteste gegen die G20 waren größer und politisch banaler als alle vorherigen gegen G7 oder NATO-Gipfel zusammen. Gerade die Linke blamierte sich dabei durch die profillose Reproduktion von medial vorgekauten Inhalten. Ein Marxist zieht schonungslos Bilanz.

Meinung von Rainer Rupp.

Wieso waren die Demonstrationen gegen den G20-Gipfel in Hamburg so ungleich stärker und gewalttätiger als beispielsweise die gegen die G7 oder gegen die Kriegstreiber auf den NATO–Gipfeln? Wussten die Demonstranten überhaupt, gegen wen sie in Hamburg demonstriert haben? Haben womöglich die Mainstream-Medien das Drehbuch für Hamburg geschrieben?

All die Fragen sind berechtigt, denn angesichts der hochschlagenden Emotionen der Demonstranten fällt auf, dass so gut wie keine Proteste z.B. gegen die deutsche, gegen die britische oder gegen amerikanische Regierungen gerichtet waren, obwohl diese beispielsweise allesamt islamistische Gewaltextremisten und Kopfabschneider von al-Nusra bis ISIS entweder auf direktem Weg oder auf Umwegen über Saudi-Arabien, Katar oder die Türkei mit modernste Kriegswaffen beliefern. Oder warum hat man nicht gegen Frau Merkel demonstriert, etwa wegen ihrer fortwährenden Unterstützung der Putschisten und nationalistischen Gewaltextremisten in der Ukraine?

Stattdessen haben ausgerechnet Linke und Leute, die sich für solche halten, in unpolitischer Banalität gegen den G20-Gipfel als Versammlung der „reichsten Staaten“ der Welt mobilisiert. Diesen Unsinn hat nicht nur attac endlos wiederholt. Aber wie dumm oder zynisch muss man sein, um z. B. das G20-Mitglied Indien zu den reichsten Ländern der Welt zu zählen? Vielleicht kannten und kennen die meisten G20-Demonstraten bis heute noch nicht die Zusammensetzung der G20. Umso dringlicher wäre die Pflicht der Organisatoren gewesen, ihr Fußvolk aufzuklären.

Schwellenländer erzwangen G20 unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise

Alle neun dieser G20-Entwicklungsländer stehen dem neoliberalen, westlichen Wirtschaftsmodell, das die Grundlage der auch in Deutschland viel beschworenen, so genannten „liberalen Weltordnung“ bildet, zumindest kritisch, wenn nicht ablehnend gegenüber. Bei dieser Sachlage braucht man keine Intelligenzbestie zu sein, um zu verstehen, dass der G20-Gipfel in Hamburg nicht die Zusammenkunft einer wie auch immer gearteten „Weltregierung des Kapitals“ war, um sich einvernehmlich über die weitere globale Ausbeutung der Arbeiterklasse zu verständigen. Weit gefehlt.

Andreas Wehr, einer der beiden Leiter des Marx-Engels-Zentrums in Berlin, hat in seiner Analyse des Hamburger G20-Gipfels darauf hingewiesen, dass „ganz anders als in Deutschland die Sicht auf die G20 in Ländern wie China, Indien, Russland oder Japan als wichtiger Schritt hin zu einer multipolaren Weltordnung verstanden und gewürdigt wird“. In seiner Analyse, die unter dem Titel „Wieso dieser Hass auf die G20?“ auf seiner Webseite zu finden ist, dokumentiert Wehr beispielsweise, dass die Japanische Kommunistische Partei in der Etablierung der G20 sogar einen Beitrag zur „Demokratisierung der Weltwirtschaft“ sieht. Und um solch ein verwerfliches Ansinnen zu verhindern, mussten deutsche Linke natürlich in Hamburg unbedingt mit viel Getöse gegen die G20 als Ganzes vorgehen.

Tatsächlich trafen auf früheren G20-Gipfeln, genau wie jetzt wieder in Hamburg, unterschiedliche wirtschaftliche und geopolitische Interessen sowie teils konträre gesellschaftspolitische Vorstellungen aufeinander. Toll wäre es gewesen, wenn die Linken hier im Vorfeld des Gipfels die anstehenden Probleme beleuchtet und während des Gipfels die berechtigten Anliegen der Entwicklungsländer mit Protesten und Demos unterstützt hätten. Aber das ist bei dem hoffnungslos verwahrlosten Zustand der organisierten deutschen Linken, die sich inzwischen mit Vorliebe Träumereien über einen grenzenlos offenen, Merkel-kompatiblen „Mutter-Teresa-Kommunismus“ hingibt, sicherlich zu viel verlangt.

Gewollte Gleichsetzung mit G7

In der sehr lesenswerten Analyse verweist der mehrfache Buchautor Wehr, der u. a. 15 Jahre lang bis 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordisch Grüne Linke (GUE/NGL) im Europäischen Parlament umfassende Erfahrungen sammeln konnte, darauf, dass die G20 in Deutschland „fälschlich oft als eine bloßer Ausbau der G7 angesehen wird“, also als Erweiterung des „seit Mitte der 70er Jahre existierenden Zusammenschlusses der imperialistischen Kernländer USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada“.

Diese Gleichsetzung von G7 und der G20 sei „gewollt“, so Wehr weiter. Damit sollte in den Augen der deutschen Öffentlichkeit „eine Kontinuität zwischen den Demonstrationen gegen die Treffen der G7/G8 (von Seattle 1999, Genua 2001, Heiligendamm 2007 und 2015 auf Schloss Elmau) und dem Gipfel der G20 in Hamburg hergestellt werden“. An diese wollte man in Hamburg offenbar anknüpfen.

Doch anders als beim Format der G7 seien die westlichen Länder in der G20 nicht unter sich: „Mit am Tisch sitzen auch seine größten Kontrahenten: Russland und China sowie weitere Schwellenländer.“ Die G20 sei daher keine Erweiterung der G7. Dass das G20-Format entstanden ist, sei auch „kein Geschenk des Westens an die übrige Welt“. Die G20 sei vielmehr „aus der Not in der Weltwirtschaftskrise 2008 entstanden“, die man ohne Mithilfe Chinas und anderer Schwellenländer alleine nicht mehr habe bewältigen können. Zwar seien mit der Etablierung der G20 die globalen Verhältnisse nicht umgestürzt worden. Wie hätte das auch möglich sein sollen? Aber auf diesem Wege sei „ein wichtiger Schritt in Richtung einer multipolaren Weltordnung getan“ worden, heißt es in der Wehr-Analyse.

Unpolitische Lagerfeuerparolen ohne Tiefgang

Stattdessen habe der zentrale Anti-G20-Aufruf „Für grenzenlose Solidarität statt G20“ linker Organisationen die wirklichen Verhältnisse und Verantwortlichkeiten in der Welt völlig negiert, stellt Wehr fest. Selbst die parteipolitisch organisierten Linken hätten damit „die Täter und Opfer der westlichen imperialistischen Politik unterschiedslos auf eine Stufe gestellt“.

Von derlei Protesten und dem abstrakten Verlangen nach einer „Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität“ hätten die in Hamburg anwesenden Repräsentanten des Westens bzw. der NATO nichts zu befürchten gehabt. Zwar habe es bei den Demonstrationen in Hamburg – vor allem von Aktivisten der Friedensbewegung vorgetragene – Forderungen gegeben, die sich eindeutig gegen die NATO und gegen die Politik der Bundesregierung gerichtet haben, doch diese Stimmen seien im Einheitsbrei des „Alle sind gleichermaßen schuld“ untergegangen.

Aber das war längst nicht der Gipfel der Dummheit. Mitglieder der Bundestagsfraktion der Linken verschickten über die sozialen Netzwerke sogar Cartoons, auf denen die Staatschefs von China, Russland und der Türkei als die Hauptschuldigen für die Krisen und Ungerechtigkeiten in der Welt ausgemacht wurden. Damit unterschieden sich die linken Aktivisten in ihren G20-Protesten nicht mal mehr von den neoliberalen Mainstream-Medien.

Linksliberale Medien „genehmigen“ Parolen

Dies sei keine Überraschung, legt Andreas Wehr nahe. Vielmehr hätten die Mainstream-Medien am meisten für die Mobilisierung linker und pseudo-linker Aktivisten gegen die G20 getan:

Man fragt sich, woher dieser Hass auf die G20 stammt, der sich in den Straßen Hamburgs sowohl friedlich artikulierte als auch gewalttätig austobte. Worin liegt der tiefere Grund für die unbestreitbare Breite der Ablehnung des Gipfels, selbst unter sonst unpolitischen Menschen? Diese prinzipielle Gegnerschaft steht im Gegensatz zu den mageren Mobilisierungserfolgen bei Ereignissen, die allemal Proteste verdienen. Zwar wurde auch gegen den NATO-Gipfel vor wenigen Wochen protestiert, doch in Brüssel kamen weit weniger als jetzt in Hamburg zusammen, und auch für Randale sah niemand eine Notwendigkeit. Selbst die Ratsgipfel der EU, auf denen die weitere Drangsalierung Griechenlands beschlossen wird, laufen regelmäßig ohne Proteste ab, ganz zu schweigen von den Friedensdemonstrationen, die gegenwärtig nur wenig Zulauf haben.

Die Organisatoren der Hamburger Proteste täuschten sich, so Wehr, sollten sie glauben, es wäre ihre eigene Agitation und Propaganda gewesen, die zu dieser Mobilisierung geführt hat. Dafür seien ihre Organisationen und Medien viel zu einflusslos. Der Schub wurde vielmehr von der breiten liberalen bzw. linksliberalen Öffentlichkeit, von Medien wie Zeit, Spiegel, Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Rundschau, Freitag, taz, Stern, Neue Zürcher Zeitung und auch von einigen öffentlich-rechtlichen Medien erzeugt. Dort fand man bereits vor Monaten die in Hamburg pflichtschuldigst reproduzierten Vorwürfe gegen die G20: Das Format handele selbstherrlich, geriere sich als Weltregierung, missachte die UN, sei schlicht illegitim. Vorwürfe, die man dort niemals gegenüber der G7 erheben würde.

Wehr macht sich auf diese Zusammenhänge seinen eigenen Reim:

Es ist ganz offensichtlich, dass diesen Medien (und den Kräften, die dahinterstehen) die ganze Richtung nicht passt. Es ist die Institution G20 als solche, die stört, weil in ihr mit Russland und China und anderen Schwellenländern Mächte an Einfluss gewonnen haben, die auch der deutsche Imperialismus unbedingt in seine Schranken zurückverweisen will. Ganz konkret stört Russland die unter deutscher Führung stehende Expansionsstrategie der EU in der Ukraine, Georgien und auf dem Westbalkan. Und was China angeht, so soll dem wachsenden ökonomischen Einfluss des Landes in Afrika Einhalt geboten werden.

„Wertegemeinschaft“ als Neuauflage der „Volksgemeinschaft“

Als Beispiele für diese Medienkampagnen zitiert Wehr Texte aus Spiegel und taz, aus denen hervorgeht, dass „die Proteste der Zehntausenden in Hamburg ganz im (neo)liberalen Mainstream lagen“.

Zum Schluss macht Wehr auf eine Ausarbeitung des ehemaligen Diplomaten und heutigen Journalisten Klaus von Raussendorff aufmerksam, der diese neudeutsche Protestkultur scharf, polemisch und treffend beschrieben hat:

In Hamburg haben wir erneut, aber so drastisch wie nie zuvor gesehen, was dabei herauskommt, wenn wohlmeinende Aktivisten so genannter sozialer Bewegungen in unmittelbarer Auseinandersetzung mit einer diplomatischen Staatenkonferenz ‚auf Weltebene‘ erreichen wollen, was sie in direkter Konfrontation mit den ‚Eliten‘ im eigenen Land zu erkämpfen zu mutlos, zu feige, zu bequem oder zu denkfaul sind. So kam zum G20-Treffen in Hamburg als Protest nur ein ‚Event‘ heraus, und zwar je nach Geschmack in zwei Versionen, einerseits in Form von musikalisch umrahmter, harmlos-aktivistischer Selbstinszenierung, andererseits in Form blanker Zerstörungswut, sowohl ideologisch vonseiten der raffinierten Provokateure vom Zentrum für politische Schönheit als Stichwortgeber als auch organisiert martialisch auf der Straße vom Schwarzen Block. So bot Hamburg ein lehrreiches Bild der derzeit in Deutschland grassierenden ‚Protestkultur‘: Regierung und Volk vereint gegen die ‚Diktatoren‘ dieser Welt, ein original faschistisches Konzept von ‚Volksgemeinschaft‘, allerdings bis zur Unerkennbarkeit neu drapiert als ‚Wertegemeinschaft‘ zur Verteidigung ‚unserer‘ Zivilisation.


Dieser Artikel erschien zuerst bei RT-Deutsch.

Hier der link zum Beitrag von Rainer Rupp: https://deutsch.rt.com/meinung/54225-volksgemeinschaft-statt-klassenstandpunkt-neoliberales-drehbuch/

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12 Kommentare zu: “Wer schrieb das Drehbuch für die G20-Proteste in Hamburg?

  1. Aus der relativ unbedarften Perspektive eines Aussenstehenden wie mir ein schlüssig und zutreffend geschriebener Beitrag. Umso erschreckender die Erkenntnis, dass viele Demonstranten auf der Basis völlig unzureichenden Wissens um die Hintergründe der G20 ihre Energie verschwenden. Ganz zu schweigen von der (wie auch immer gesteuerten) Fraktion krimineller „Söldner“, die im Auftrag irgendwelcher Möchtegerneliten für endgültige Verwirrung sorgen.
    Rainer Rupp, besten Dank für Ihre Arbeit.

  2. Bei allem gebotenen Respekt, ich halte es doch für ziemlich hanebüchen, ausgerechnet Indien als eine Art ‚kapitalismuskritisches Land‘, gegen das ‚echte Linke nicht demonstrieren sollten‘ hinzustellen.
    Indien ist von krassen Klassenunterscheiden und von einem völligen Mangel an Arbeitnehmerrechten und Sozialstaat gekennzeichnet. Zudem haben in Indien mächtige Wirtschaftslobbyisten (sowie deren europäische und amerikanische Profiteure!) übelstes Dumping durchgesetzt. Die indische Regierung tut nichts gegen diese wirklich üblen Auswüchse eines Vülgärkapitalismus. DAs ist nicht nur Überfroderung, das ist mit Sicherheit auch Absicht. Ein wirklich schwerer Skandal ist aktuell die Einleitung hochgefährlicher ungeklärter Abwässer aus der Antibiotikaherstellung in Gewässer. So werden multiresistente Keime erzeugt. Das ist für die ganze Welt eine Katastrophe, besonders aber natürlich für die ärmeren Bewohner der entsprechenden Regionen.

    Wenn es eine Regierung gibt, gegen die ZU WENIG protestiert wurde und wird, ist das – neben dem Dauerkandidaten Suadi-Islamdiktatur, über die aber immerhin gelegentlich diskutiert wird, die indische Regierung. Und zwar genau auch aus authentisch linker Sicht. Dien indische Regierung handelt im Sinne einer arroganten und völlig ignoranten ‚Oberschicht‘ (den höheren Kasten und Reichen dort) und tut nichts für die Rechte Arbeitnehmer und der breiten Bevölkerung.

    • Indien ist ein Beispiel für eine Gesellschaft , die in Fragen der Gleichberechtigung nicht funktioniert. 1,3 Milliarden Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion. Ein interessantes Multikulti für alle Privilegierten, aber ein brutaler Überlebenskampf für die große Mehrheit der Bevölkerung.
      Jeder gegen jeden .
      Ein Vorgeschmack auf das Neoliberale Europa unter der demokratieheuchelnden Diktatur des Kapitals . Unter dem Kapital ,politisch repräsentiert durch Parteien von der CDU bis zu den (gekauften-das sind praktisch alle Öffentlchkeitsrelrvanten) Linken .

  3. Dem guten Beitrag des Hr. Rupp noch einen weiteren Aspekt :
    Die Antifa wird breit und von allen Parteien , von der CDU bis zu den Linken finanziert .
    Die Antifa ist praktisch staatsfinanziert und folglich wahrscheinlich staatsgelenkt .
    Hat der Hr. Rupp schon auf die außenpolitischen Zusammenhänge hingewiesen ,
    so haben die Ausschreitungen , wie die Demonstrationen von Politik und Medien reduziert werden ,
    die Wirkung , dass eigentlich demokratisch elementare Demonstrationen von der breiten Bevölkerung als Mittel einer gewalttätigen Minderheit wahrgenommen werden und in Folge die Bereitschaft sinkt an Demonstrationen teilzunehmen, als auch die Demonstration als Sprachrohr des Volkes delegitimiert wird .

    Ein weiterer Aspekt ist sie Schulung der Poizei und der weitere Ausbau des Polizeistaates . Aus Österreich kam polizeiliche Unterstützung nach Hamburg . Es ist unwahrscheinlich , dass diese Anforderung österreichischer Polizei aus dem Akutfall kam und nicht schon längerfristig geplant war .
    Diese Ausschreitungen in Hamburg können auch unter dem Aspekt der realitätsnahen Übung zwischen zwei staatsfinanzierten Gruppen , Polizei und Antifa , gesehen werden .

    • Die Finanzierung der AntiFa durch Parteien und parteinahe Institutionen ist bekannt und, soweit ich weiß, auch nachgewiesen. Nicht bekannt dürfte den meisten die eigentliche Funktion der AntiFa als Ablenkung vom wahren Faschismus sein, nämlich dem der bürgerlichen Herrschaft über die Produktionsmittel und der Ausbeutung der Arbeiter und Angstellten. In seinem Vortrag, dem eine hitzige Debatte folgt (insg. fast 3 Stunden) weist Freerk Huisken nach, daß die Faschismusdefinition der AntiFa so stark verkürzt wurde, daß sie letztlich völlig wirkungslos geworden ist. Nicht die eigentlichen und wirklichen unheilvollen Einflüsse auf das Leben der Menschen im Staate sollen bekämpft werden, sondern einzig die Neonazis, die die herrschenden Verhältnisse aber gar nicht zu verantworten haben. Die Neonazis sind im Grunde ein saudummer Haufen traumatisierter und gewaltgeschädigter Dummköpfe, die sich wegen ihrer Traumatisierungen nicht weiter entwickeln konnten als bis zu diesem bedauerlichen Stand ihrer derzeitigen Existenz. Die wahren Faschisten findet man nicht bei den Neonazis, die haben lediglich aus Dummheit und Angst die Symbole übernommen bzw. wurden bereits in entsprechende Kreise hineingeboren und entsprechend „erzogen“: Schläge von den Eltern, Alkohol, sexueller Mißbrauch, Prügeleien usw.

      Um diese Leute zu bekämpfen, genügt der bestehende Polizeiapparat durchaus, wie die zahlreichen Verhaftungen nach den Brandanschlägen auf Asylbewerberheime (nicht nur) im Osten gezeigt haben. Dazu brauchen wir nicht die AntiFa, die sich häufig illegal an Schlägereien beteiligt oder diese gar anzettelt. Ein paar hundert Nazi-Demonstranten bei sog. Aufmärschen sind zu verkraften, die ernten sowieso nur Abscheu und Mißbilligung, die holen keinen Hund hinterm Ofen vor. Und genau diese Grüppchen wählte sich die AntiFa als ihren bevorzugten Feind. Billigst!

      Huisken weist nach, daß die Faschismus-Definition und das gewählte Feindbild der staatsfinanzierten AntiFa vom eigentlichen Faschismus, der Umfragen zufolge einen Großteil der deutschen Bevölkerung erfaßt hat, ablenken soll. Diese Umfragen haben laut Huisken ergeben, daß sich über 50 Prozent der Befragten zu Themen der NPD positiv geäußert haben, u.a. Ausländerfeindlichkeit oder Arbeitslose seien Sozialschmarotzer und dergleichen bejahten. Das korreliert mit meinen eigenen Beobachtungen sowie mit den Thesen meines Lieblingsautors, Arno Gruen, daß die meisten Menschen durch die frühkindlichen und geleugneten Traumatisierungen an einem uneingestandenen Selbsthaß leiden, den sie zwangsläufig auf andere projizieren müssen. Durch die Medien wird dieser Haß gezielt auf bestimmte Gruppen gelenkt und somit die Bevölkerung immer tiefer gespalten: Alte gegen Junge, Dicke gegen Dünne, Ausländer gegen Deutsche, Raucher gegen Nichtraucher usw. Je mehr Gegensatzpaar sich hier finden lassen, desto größer die Spaltung, so daß eines mit Sicherheit vermieden werden kann: Die Einigkeit der deutschen Bevölkerung in bestimmten Fragen, die die Machtansprüche der herrschenden Elite bedrohen könnte.

      Faschismus & Gegner – Freerk Huisken

      Ich habe kürzlich mit Antifa-Leuten gesprochen. Auf meine Frage, wie sich linke Antifaschisten eigentlich aufstellen, wie sie ihren Antifaschismus politisch begründen würden, wurde zunächst unverständlich reagiert: Wieso man denn das extra begründen müßte, hieß es. Das sei doch selbstverständlich, daß die Neofaschisten bekämpft gehören. Auf meine Erwiderung, daß dies für mich gar nicht so selbstverständlich, daß aus meiner Kritik am Faschismus etwas ganz anderes folgen würde als Parolen wie Kein Fußbreit den Faschisten oder Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen, wurden einige Begründungen nachgeliefert.

      Weiterhören: https://www.youtube.com/watch?v=s0QqU4nU2-E

    • Muss man diese Antifa ernstnehmen? Das sind doch nur ein paar verwirrte Spinner, die auf den Befehl „Fass den Nazi“ oder schon beim Wort „Nazi“ losgehen wie Nachbars Lumpi. Von kritischem Hinterfragen ist bei denen doch nichts zu sehen. Ich hab ein Video gesehen, wo sie einer Vortrag von Jebsen massiv gestört haben, aber keinen Bock zeigten, mitzudiskutieren oder sich wenigstens normal zu äussern. Die haben da von hinten rumgebrüllt, das war nicht mehr feierlich. In der Schule lernt man ja auch bei uns in der Schweiz nicht, was Faschismus wirklich ist, dort begnügt man sich damit zu sagen, Faschismus ist demokratiefeindlich und Faschismus ist Judenvergasung und Faschismus ist Weltkriegsvorbereitung. Als ob Nichtfaschisten keine Mitmenschen vergasen oder ausrotten, man denkt an die Ureinwohner von Amerika, die heute noch verfolgt werden. Man hat denen virenverseuchte Decken gegeben, um sie auszurotten, man baut in ihren Reservaten Uran ab, um sie zu verseuchen. Man hat ihre Männer sterilisiert, um sie zu dezimieren. Und man hat ungezählte Ureinwohner erschossen, massakriert, skalpiert, vergewaltigt, gefolter und was sonst noch. Und das sind dann die Guten? Dass ich nicht lache.

      Nein, Faschismus ist ein Resultat, eine Gesinnung, die sich aus gequälten Seelen entwickelt, die gar nicht begreifen können, was mit ihnen geschehen ist. Man erinnere sich an die von Hannah Arendt geschilderte Normalität des Herrn Eichmann, der sich keiner Schuld bewusst war,obwohl er doch den Transport von Millionen ins Gas organisiert hat. Der Mann wirkte echt total normal, da war nichts Monströses an dem, der hatte Kinder, wie Himmler auch. Hitler selber war ein Durchgedrehter, Fromm bescheinigt ihm Nekrophilie, die Liebe zum Toten. Alice Miller zeichnet Hitlers Jugend nach und folgert daraus, wie er so werden musste. Ich glaub fast, dass es nur wenig Menschen gibt, die nicht so wurden, wie sie mussten. Was, wenn wir alle gequälte Seelen wären und in uns den Samen des Hasses und der wutschnaubenden Vernichtung trügen. Sollten wir nicht versuchen, uns selber besser kennenzulernen? Das sage ich immer meinen Schülern, wenn sie mal wieder mit dem Finger auf andere zeigen. Splitter und Balken, sag ich nur.

    • @Peter Pan und Lila .

      Der Faschismus ist ein Diktat von Oben . Wenn die ökonomische Macht auch die Staatsmacht ist
      und diese das Volk zur Umsetzung ihrer Machtpläne mißbraucht .
      Diese politisch starke und skrupellose Macht findet ihre Diener , aus dem einfachen Grund weil Menschen materiell überleben wollen oder weil Schwache am Starken teilhaben wollen oder weil das Regime einzelnen ermöglicht ihre Machtfantasieen auch gewaltsam auszuleben .

      Zu Eichmann auch den von KenFM schon vorgestellten Beitrag von Gabi Weber .
      Die offiziellen Erzählungen zu Eichmann könnten von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten doch etwas abweichen .
      Aber sicher sind , gerade auch heute (Neoliberalismus)
      Menschen in Entscheidungspositionen , denen moralische Fragen fremd sind und der Gewinn , der Sieg, alles ist .

    • Der Neoliberalismus ist aber gar kein System, dem moralische Fragen fremd sind. Und wenn da noch so sehr von Linkspopulisten ein Feindbild aufgebaut wird. Der Neoliberalismus nimmt die zentralen moralischen Fragen des Staates ernst: Was darf der Staat, was muss der Staat sogar – und was darf der Staat nicht?
      Der Neoliberalismus führt zu einer geregelten Marktwirtschaft UND zur möglichst guten sozialen Absicherung, und hat das auch in der Zielsetzung. Das ist von moralischen Grundwerten geprägt.

    • @ wasserader
      Ich bin kein Fan von Jutta Ditfurth und der platt und bestenfalls im Bildzeitungsstil („linke Variante“) argumentierenden und verdummenden Antifa. Aber in einem Punkt, und zwar in einem wichtigen, muss ich diesen Leuten recht geben: Faschismus ist KEINESFALLS nur ein ‚den armen Deutschen (oder anderen) von oben durch üble Machenschaften der Politik aufgedrücktes Modell‘, die es darzeit viele Rechtsesoteriker hinstellen wollen.
      Um Faschismus aufzuziehen, braucht man in erster Linie Faschisten in ‚ausreichender‘ Anzahl.
      Man ‚braucht‘ für Faschismus Leute, die
      – bereit oder gar motiviert sind, Andersdenkenden oder Leute, die einer anderen Herkunft oder einem anderen Glauben angehören, Grundrechte abzuerkennen, bis hin zum offenen Rassismus
      – als ‚kleine Leute‘ das faschistische System als ‚Chance‘ ansehen, Karriere zu machen und bereit sind, für eine derartige ‚Karriere‘ im wörtlichen Sinn über Leichen zu gehen.
      Die aktuellen Rechtsesoteriker und Rechtspopulisten versuchen, sich genau an diese Leute zu wenden, deren sehr zahlreiche Vorgänger in Deutschland die Nazidiktatur erst möglich gemacht haben. EIne der Pseudo-Argumentationslinien ist ‚Das ist doch alles nur eine Verschwörung, Rothschild oder andere amerikanisch/jüdische Kapitalisten haben die Nazis unterstützt etc.‘. Natürlich gibt/gab es solche skandalösen Dinge wie Unterstützung der Nazis durch US-Amerikaner oder sogar durch „Juden“ (also Figuren, die auf dem Papier den jüdischen Glauben stehen hatten). Das ist aber in keinster Weise Hauptursache der Nazi-Regierung. Ohne Faschisten gibt es keinen Faschismus, Wirtschaftslobbyisten können keinen Faschismus erzwingen.

  4. Werter und geschätzter Herr Rupp,

    ich danke Ihnen für den ersten fundierten Artikel zum küzrlichen G20-Treffen in Hamburg, den ich seither gelesen habe – und ich hab sie fast alle gelesen, mehr oder weniger gelangweilt und unberührt. Auch mir war zuerst aufgefallen, daß weitaus mehr über die Tumulte und so gut wie gar nichts über das eigentliche Treffen berichtet wurde. Cui bono?

    Seit ich die Ausführungen des zumindest hier bekannten Psychologieprofessors Rainer Mausfeld gesehen, gehört und verstanden habe – Teile davon waren mir nicht wirklich neu, wurden Manipulationsmechanismen doch schon in den 68ern von verständigen Geistern thematisiert – z.B. von Karlpeter Arens in seinem Buch Manipulation. Kommunikationspsychologische Untersuchung mit Beispielen aus Zeitungen des Springer-Konzerns. Das durfte ich bereits in den 80ern lesen, als die damalige Friedensbewegung gerade begann, an Einfluß und Stärke zu gewinnen.

    So richtig aufgewacht bin und interessiert an diesem ganzen Schlamassel wurde ich jedoch erst durch die Anschläge am 11. September 2001. Seither hatte jeder Mensch mit einem Internetzugang die Möglichkeit, sich über alternative Sichtweisen zu informieren, die in krassem Kontrast zu den verschiedenen offiziellen Versionen stehen. Eigentlich könnte und sollte jeder, der einigermaßen wach durch die Gegend läuft, erkennen können, daß mit den offiziellen Darstellungen von Attentaten etwas gewaltig stinkt. Doch offenbar können sich die Mächtigen dieses Planeten noch immer auf den weit verbreiteten Unterwerfungs- und Gehorsamsreflex der Menschen verlassen, denn ich habe bislang nicht den Eindruck, daß sich Meinungen abseits des Mainstreams durchzusetzen beginnen, obwohl ihre Verbreitung zweifellos zunimmt. Dazu tragen nicht zuletzt auch Sie wesentlich bei, und genau deshalb tun sie das wohl auch.

    Halten Sie auch weiterhin durch. Ihre Aufklärungsarbeit lohnt sich, Ihr Engagement ist zumindest bei jenen willkommen, die nicht selbst in der Lage sind, umfangreiche Recherchen zu betreiben.

    • Ein fundierter Artikel würde wohl kaum die krasse und vulgärkapitalistische Haltung der aktuellen indischen Regierung, die üblem Lobbyismus Tür und Tor öffnet. derart umdeuten.
      Die Politik der indischen Regierung ist ein klassisches Beispiel, wie Marktwirtschaft nicht funktioniert – weil keine bzw. die falschen Regeln gesetzt werden. Gerade aus authentisch linker Sicht wäre sehr viel mehr Protest gegen diese und andere derartige Regierungen angebracht. Die EU hingegen ist im positiven SInne neoliberal, und zeigt, dass das Wort neoliberal sich in Wahrheit gar nicht als Kampfbegriff oder gar Feindbild der Linken eignet.
      Siehe auch mein anderes Posting.

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