Westliche Werte als Rohrkrepierer | Von Rüdiger Rauls

Seit Jahrzehnten missbraucht der Westen die Menschenrechte für seine politischen und wirtschaftlichen Interessen. Nun drohen gerade diese, die eigenen Gesellschaften von innen aufzulösen.

Ein Standpunkt von Rüdiger Rauls.

Rückblick

Am 30.4.1975 endete der Vietnamkrieg mit dem Einmarsch des siegreichen Vietkong in Saigon. Die Amerikaner waren geschlagen und verließen fluchtartig das Land. Damit endete nicht nur der Indochina-Krieg. Etwa zur gleichen Zeit zerbrach auch das portugiesische Kolonialreich in Afrika. Sein Zerfall brachte nicht nur sozialistisch orientierte Staaten hervor, sondern mit der Revolution der Nelken im portugiesischen Mutterland drohte erstmals ein westliches Land, sozialistisch zu werden.

Der Versuch, den Sozialismus militärisch zu besiegen, war gescheitert. Die Armen der Welt hatten keine Angst vor dem Kommunismus. Sie fürchteten viel mehr die Kriege derer, die vorgaben, sie vor dem Sozialismus schützen zu wollen. Mit diesen Niederlagen endete die westliche Strategie des militärischen Anti-Kommunismus. Es musste eine neue Strategie zur Eindämmung des Sozialismus gefunden werden.

Ende der 1970er Jahre entstand unter dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter in einer eigens dafür gegründeten Denkfabrik die Strategie der Menschenrechte. Sie war die Reaktion auf das Scheitern der militärischen Niederlagen gegen die Befreiungsbewegungen, aber auch auf den Friedenswillen der Menschen weltweit(1). Diese Strategie war erfolgreicher. Sie war einer der Gründe für den Zusammenbruch des Sozialismus sowjetischer Prägung.

Die Neuordnung der Welt

Mit der Menschenrechtsstrategie war es dem Westen gelungen, aus einem politischen Konflikt einen moralischen zu machen, indem er die Deutungshoheit hatte an sich reißen können. Er erklärte, wer zu den Guten gehörte und wer zu den Schurkenstaaten. Interessen verschwanden immer mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung. Das Reich des Bösen, als das der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan die Sowjetunion bezeichnet hatte, war weiterhin Ziel westlicher Politik, nun aber unter moralischen Gesichtspunkten, nicht mehr unter politischen.

Mit dem Untergang der UdSSR war der mächtigste politische Gegner des Westens von der Weltbühne verschwunden. Fortan stellte der Sozialismus stellte keine Gefahr mehr dar. Zwar wurde die chinesische Gesellschaft weiterhin von einer kommunistischen Partei geführt, weil das Land sich aber gerade im Öffnungsprozess für westliches Kapital befand, war der Westen milde gestimmt. Zudem hoffte man auf eine ähnliche Entwicklung wie im Osten Europas: Wandel durch Annäherung, Zusammenbruch durch Öffnung.

Da sich aber die Menschenrechtsstrategie bewährt hatte, wie das Beispiel der Sowjetunion gezeigt hatte, hielt man auch weiterhin daran fest. Denn die Umstände waren günstig, weitere Neuordnungen im eigenen wirtschaftlichen und politischen Interesse durchzusetzen. Es gab keinen Gegenspieler mehr, der hätte Widerstand leisten können und auf den man hätte Rücksicht nehmen müssen.

Menschenrechte als Kriegsgrund

Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak folgten unter dem Vorwand, dort den Menschenrechten Geltung verschaffen zu wollen, ja, zu müssen. Unliebsame Staatsmänner wurden als Diktatoren gestürzt. Dagegen genossen die willfährigen weiterhin den Schutz des Wertewestens – wenn auch unter den kritischen Appellen, die Menschenrechte zu achten.

Besonders in den Staaten des Nahen Ostens und den ehemaligen Sowjetrepubliken wurden gesellschaftliche Konflikte vor Ort genutzt, um im Namen der Menschenrechte jene Kräfte zu unterstützen, die für die westlichen Interessen genutzt werden konnten. In Libyen erhielten die Gegner Gaddafis, in Syrien diejenigen Assads alle erdenkliche Hilfe bis hin zu Waffenlieferungen und Unterstützung in Form von Luftüberwachung und militärischer Ausbildung.

Die Menschenrechtsstrategie war zu einem Mittel der Neuordnung der Welt im kapitalistischen Sinne geworden. Und selbst in den Hochburgen der Länder, die diese Strategie verfolgten, waren viele, die sich für fortschrittlich und kritisch hielten, Teil dieser Ideologie geworden.

Dabei war das Engagement einer breiten Öffentlichkeit für die Einhaltung der Menschenrechte ehrlich. Es war frei von Heuchelei oder Heimtücke. Die meisten Menschen wollen gut sein und sie wollen, dass es allen anderen auch gut geht, nicht nur ihnen allein und den eigenen Kindern. Deshalb verfing bei ihnen auch der ehrliche und ernstgemeinte Einsatz für die Menschenrechte, für das Wohlergehen aller.

Nach den großen Weltkriegen, den vielen regionalen Kriegen, angesichts der atomaren Bedrohung zwischen Ost und West schien mit der Ausrufung der Menschenrechtspolitik ein Ende dieser Gefahren und Katastrophen greifbar. Das traf den Nerv der Zeit, denn die Menschen waren der Konflikte überdrüssig. Deshalb ließen sich viele vor einen Karren spannen, dessen Fahrtrichtung sie erst später erkennen sollten, einige auch nie.

Aber die Kriege endeten nicht. Es änderten sich nur die Gründe. Fortan wurden sie im Namen der Menschenrechte geführt, unterstützt von denen, die sich für die Menschenrechte einsetzten. Als ehemalige Anti-Kriegs-Partei trugen die Grünen in Deutschland den Überfall auf Jugoslawien und Serbien. Auch gegen den Afghanistan-Krieg hatten sie keine Einwände. Auch der immer häufigere Einsatz deutscher Truppen in Krisengebieten fand ihre Zustimmung. Es ging ja um die gute Sache.

Faschistoide Züge

In der Folge forderten prominente Vertreter der Grünen und sogenannte Menschenrechtsaktivisten gar den Einsatz deutscher Soldaten in Libyen und Syrien zum Schutze von Verfolgten. Die Risiken ihres Idealismus sollten aber nicht sie selbst tragen sondern diejenigen, die sie in den Kampf schicken wollten. Deren Menschenrechte schienen bei diesen Überlegungen im Kampf für das „Gute“ keine Rolle zu spielen. Waren das die Opfer, die für die gute Sache gebracht werden mussten?

Großzügig ging man auch über die Menschenrechte der Bewohner von Belgrad, Tripolis und Mossul hinweg, die im Bombenhagel westlicher Angriffe ihr Leben verloren. Sollten sie überhaupt um Befreiung gebeten haben, dann aber sicherlich nicht in dieser Form. Tausende verloren Leben und Besitz im Stahlgewitter derer, die vorgaben, im Interesse der Menschenrechte zu handeln. Aber galten diese nicht auch für die Opfer auf der Gegenseite? Oder ist deren Schutz nur begrenzt auf diejenigen, die der Westen als schützenswert ansieht?

Unter der westlichen Menschenrechtspolitik haben diese ihre universelle Geltung als Schutzrechte verloren. Sie sind von einem allgemein gültigen Recht zu einem Auswahlverfahren geworden. Westliche Menschenrechtspolitik unterscheidet in ihrer Umsetzung zwischen schützenswertem Leben und solchem, dem nur unter bestimmten Bedingungen Schutz zusteht.

Damit aber nimmt diese Politik faschistoide Züge an. Sie stellt sich über die Menschenrechte und wertet das Lebensrecht unterschiedlich in ein höheres Lebensrecht für die eigenen Gefolgsleute und ein untergeordnetes für die anderen. Das universelle Menschenrecht wird dadurch zu einem Recht nach Interessenlage. Damit ist Menschenrechtsorientierung ideologisch nicht mehr weit vom Faschismus entfernt.

Dessen psychologische Grundlage war neben seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen die Vorstellung, einer Elite anzugehören und dadurch über eine höheres Lebensrecht zu verfügen, gemessen an dem anderer Menschen. Der Faschismus unterschied dieses Lebensrecht nach der Zugehörigkeit zu einer Rasse, Religion oder Volksgruppe.

Dabei stützte er sich auf angeblich wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie so oft zeigte sich auch hier die Fragwürdigkeit von Wissenschaft(2). Jedes Elitedenken trägt in sich die Gefahr, sich früher oder später ein höheres Lebensrecht anzumaßen.

Neue Werte – neue Eliten

Auch die heutigen Eliten betrachten gerade die Wissenschaft als eine der Grundlagen, aus denen sich das Bewusstsein ihrer Überlegenheit nährt. Ihre Nähe zur Wissenschaft gibt ihr den Anschein von Moderne. Sie definieren sich nicht über rassische, ethnische oder religiöse Merkmale sondern über ihre Bildung und vor allem über Werte. Diese verordnen sie nicht sich selbst als Leitlinie für ihr Handeln und Denken sondern hauptsächlich dem Rest der Gesellschaft.

Klima-Aktivisten kämpfen gegen die schädliche Wirkung des Kohlendioxid, gestützt auf die Erkenntnisse der Wissenschaft. Dabei richtet sich ihr Kampf in erster Linie gegen das vom Menschen erzeugte CO2. Dass die Natur in wesentlich höherem Maße selbst diesen Stoff produziert, wird dabei trotz wissenschaftlicher Erkenntnis weitestgehend unter den Teppich gekehrt.

Der Protest gegen das menschengemachte Kohlendioxid richtet sich aber nur scheinbar gegen das Verhalten der Menschen allgemein. Unausgesprochen richtet er sich gegen jene, die nicht nach den moralisierenden Wertmaßstäben der Klima-Elite leben.

Denn diese stellt hauptsächlich Autofahrer an den Pranger, dabei besonders den Individualverkehr, ferner Fleischesser, dabei besonders die Konsumenten von sogenanntem Billigfleisch. Weitere Zielgruppen ihrer Kritik sind die Nutzer von Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen. Sie machen also all diese gesellschaftlichen Gruppen verantwortlich für den Klimawandel, zu denen sie selbst nicht gehören oder zu denen sie sich selbst nicht zählen.

Auch in der aktuellen Debatte um Corona und die Maßnahmen, die die meisten Regierungen zu seiner Bekämpfung ergriffen haben, berufen sich die Gegner dieser Maßnahmen auf Werte. Sie betrachten sich als die Kämpfer für die demokratischen Grundrechte und damit als ihre eigentlichen Vertreter.

Den Kampf gegen die Maske sehen sie nicht nur als Kampf gegen einen Maulkorb und für Meinungsfreiheit sondern auch im weiteren Sinne als einen Kampf gegen eine Verschwörung, die von nicht näher bestimmten Kräften ins Leben gerufen worden sein soll. Viele vermuten unterhalb der Ebene des offiziellen Staates das Wirken eines Tiefen Staats, der die bürgerlichen Werte beseitigen und die Menschen ihrer Rechte berauben will.

Dass an dieser Stelle die beiden letzten stärkeren gesellschaftlichen Bewegungen hervorgehoben wurden, liegt zum einen daran, dass die Klima- und die Corona-Proteste die neusten Entwicklungen darstellen. Zum anderen werden aber gerade an diesen beiden die Grundzüge der neuen Eliten deutlicher als je zuvor.

Grundlage ihres Denkens und Handelns ist einerseits die Inanspruchnahme der Menschenrechte als ihre Domäne, neuerlich ergänzt durch ihre spezielle Form der Bürgerrechte. Hinzu aber kommt auch ein Bild von sich selbst, dass man zu den wenigen gehört, die aufgrund der eigenen Bildung, ihrer wissenschaftlichen Orientierung und eines überlegenen Intellekts gesellschaftliche Vorgänge durchschaut, die der großen Masse der Unwissenden und Ahnungslosen verborgen bleiben.

Aus all dem nährt sich ein Gefühl und Bewusstsein von moralischer Überlegenheit. Aber man bezieht sich nicht nur auf Werte, man herrscht auch über sie. Diese Werte-Elite bestimmt ihre Definition und Anwendung der Werte, und sie stellt an den Pranger, wer dagegen verstößt. Die Werteorientierung, die gerade die westlichen Staaten und ihre gesellschaftlichen Führungskräfte zum Maßstab allen Handelns erhoben haben, verleiht ihnen dabei Rückendeckung.

Wachablösung

Lange war es im Westen gelungen, die Illusion der eigenen Bürger aufrecht zu erhalten, dass dem Einsatz der Meinungsmacher das ehrliche Interesse an den Menschenrechten zu Grunde liegt. Das galt sicherlich auch für viele. Aber mit jedem Kriegseinsatz, mit jeder Farbenrevolution, mit jeder Unterstützung für zweifelhafte Rebellen waren auch die Zweifel an der Glaubwürdigkeit westlicher Werteorientierung gewachsen.

Schon bei der Begründung des Afghanistan-Kriegs war die Skepsis in der Weltöffentlichkeit groß. Aber wer wollte sich schon gegen Bush Junior stellen und damit hinter die Taliban? Die Hinweise auf deren Schreckensregiment in Afghanistan erstickten jeden Widerspruch.

Spätestens jedoch mit dem letzten Irak-Krieg war der Menschenrechtsorientierung des Westens die Maske heruntergerissen worden. Mit den erlogenen Kriegsgründen war aller Welt deutlich geworden, dass dieser Krieg nicht aus den idealistischen Gründen geführt wurde, mit denen die Bush-Regierung den Überfall auf den Irak zu rechtfertigen versucht hatte. Man wollte den Krieg, und da war jedes Mittel recht. Das war ganz offensichtlich und übersehen konnte das nur, wer es nicht wahrhaben wollte.

Je mehr jedoch die Führungskräfte der westlichen Welt an Glaubwürdigkeit einbüßten, um so mehr übernahmen gesellschaftliche Gruppen und Initiativen in den westlichen Staaten diese Rolle. Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) und sonstigen zivilgesellschaftlichen Gruppen setzten sich für die Ideale ein, die der Westen einmal vertreten hatte. Zunehmend verstanden sie sich als die Gralshüter jener Werte, und so traten viele auch in Diskussionen und der Öffentlichkeit auf.

Sie schreiben dem Rest der Gesellschaft Sprachregelungen vor und wollten gar auf den Speiseplan von Kantinen Einfluss nehmen. Sie legten fest, was rassistisch sei, sexistisch, frauenfeindlich, schwulenfeindlich, ausländerfeindlich und gegen sonstige gesellschaftliche Minderheiten gerichtet. Dabei urteilen sie immer mehr nach formalen Gesichtspunkten, nach der Wortwahl.

Ob die beanstandeten Äußerungen auch inhaltlich den Vorwürfen standhalten, die man in der Wortwahl zu erkennen glaubt, ist nebensächlich geworden. An gesellschaftliche Vorgänge und Diskussionen legt diese neue Werte-Elite die Messlatte ihrer Ideale – der eigenen Ideale. Diese bilden die Grundlage ihrer Argumentation, ihrer Forderungen und ihrer Weltsicht, aber nicht die Welt selbst.

Sie untersuchen nicht die Bedingungen, unter denen die Veränderungen in der Welt vonstatten gehen. Sie versuchen nicht, die Vorgänge zu verstehen, die inneren Triebkräfte von Entwicklungen zu erkennen. Stattdessen verurteilen sie, was sie nicht verstehen oder nicht wahrhaben wollen, und übernehmen unkritisch, was das eigene Weltbild bestätigt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen findet kaum statt. Ein Interesse an Erkenntnis ist nicht feststellbar.

Waren ihre Vorgänger in der Verwaltung der westlichen Werte noch getrieben von Interessen, die sie hinter Idealen versteckten, so ist diese neue Elite getrieben von Idealen, die mit missionarischem Eifer und unkritischem Bekennertum einhergehen. Aber ein Bewusstsein über gesellschaftliche Zusammenhänge ist nicht zu erkennen. Trotz der scheinbar politischen Forderungen ist diese Elite weitgehend unpolitisch. Für sie steht moralische Empörung im Vordergrund, verbunden mit emotionaler Aufgeregtheit.

Schwäche als treibende Kraft

Diese moderne Elite der Intellektuellen und Gebildeten schöpft ihre Kraft nicht aus innerer Stärke. Sie gewinnt nicht durch überzeugende Sichtweisen, die die Vorgänge in der Welt verständlicher machen. Sie besticht nicht durch eine Darstellung, die Entwicklungen deutlicher und nachvollziehbar werden lässt. Ihre Argumente sind nicht geprägt von kühler Sachlichkeit sondern von hitziger Empörung.

Ihre Vertreter überzeugen nicht, sondern machen unter dem Schwall ihrer Kenntnisse, Theorien und Vermutungen Andersdenkende mundtot, schüchtern ein durch moralische Entrüstung. Sie wollen nicht überzeugen, sie wollen Recht haben. Wissenschaft, auf die sie sich berufen, wird nur anerkannt, wenn sie die eigene Sichtweise bestätigt.

Andere Ansichten werden als Ausdruck von Dummheit angesehen. So kursiert im Netz unter der Melodie von Reinhard Meys „Über den Wolken“ die Abwandlung: „Hinter dem Masken muss die Dummheit wohl grenzenlos sein“. Und der Autor Rüdiger Lenz meint gar, dass die in unserer Gesellschaft festzustellende „Verbildungsdichte nur von einer Minderheit begriffen, enttarnt und dann auch selbst verändert wird.“ Das bezeichnet treffend das elitäre, ja fast missionarische Bild, das man von sich selbst hat.

Aber trotz ihrer teilweise sehr überheblichen Einstellung hat diese Elite Zulauf. Das ist aber nicht auf die eigene Überzeugungskraft zurück zu führen, sondern hauptsächlich auf die argumentative Schwäche derer, die früher die öffentliche Meinung bestimmten: die Medien, Parteien und sonstigen richtunggebenden Führungskräfte der Gesellschaft.

Diesen ist die ideologische Überzeugungskraft verloren gegangen. Das muss nicht bedauert werden, weil auch sie sich weitgehend auf die Manipulation der Medienkonsumenten gestützt hatten und immer noch zu stützen versuchen. (3) Aber den Medienkonsumenten fehlt die Orientierung eines nachvollziehbaren Weltbildes, das früher von den Führungskräften der Gesellschaft ausging.

Besonders auffällig ist dieser ideologische Verfall bei den Parteien. Sie haben weitgehend ihre meinungsbildende und meinungsstiftende Bedeutung im gesellschaftlichen Rahmen verloren. Ihre Rolle beschränkt sich immer mehr auf das Aufstellen von Forderungen, denen aber die Ableitung fehlt. Den meisten Beobachtern des politischen Geschehens erschließt sich nicht mehr, aus welchen politischen und gesellschaftlichen Erkenntnissen und Einschätzungen die vorgetragenen Forderungen erhoben werden.

Klima und Corona

Dieses Defizit soll an den bedeutenden gesellschaftlichen Bewegungen der letzten Zeit verdeutlicht werden. In der Klima-Debatte hatten sich besonders die konservativen Kräfte und Parteien weitgehend der kritischen Auseinandersetzung entzogen. Sie versuchten die Klima-Aktivisten zu beschwichtigen oder ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie sich grüner gaben als die Klimaschützer selbst.

Damit aber ließen sie diejenigen ohne Argumente und überzeugende Sichtweisen allein, die die Meinungen der Klima-Aktivisten nicht teilten, Zweifel daran hatten und die Sachlichkeit ihrer Argumente infrage stellten. Ihnen fehlte das argumentative Rüstzeug, das sie gewohnt waren, von den Meinungsmachern zu erhalten und das es ihnen ermöglicht hätte, die inhaltliche Auseinandersetzung mit jenen zu führen. Statt ihre Anhänger zu stärken und diese in der Auseinandersetzung mit den selbsternannten Klimaschützern zu unterstützen, ließen die Konservativen ihre eigentliche gesellschaftliche Basis im Stich.

Auch in der Corona-Debatte sind die herrschenden Kräfte nicht in der Lage die Widersprüche zu erklären, die sich aus ihrem heutigen Handeln und früheren Aussagen zur Pandemie ergeben. Das wurde besonders an den Einstellungen zur Maske deutlich, die von den Meinungsmachern erst über Wochen abgelehnt worden war, nun aber als alternativlos gilt.

Statt zu diesen Fehleinschätzungen zu stehen, weichen die Verantwortlichen aus, verstecken sich hinter Dementis oder leugnen die Ereignisse der Vergangenheit. Sie stellen sich nicht kraftvoll der inhaltlichen Diskussion. Damit machen sie diejenigen stark, die diese Widersprüche deuten als Teil eines Planes, der andere Absichten verfolgt.

Diese alten Eliten haben keine Kraft mehr, von ihnen geht keine Frische mehr aus. Sie sind ausgelaugt. Es fehlt ihnen das Personal, das Zuversicht ausstrahlt und Begeisterung verbreiten könnte durch die Sichtweisen, die sie vertreten. Die alten Eliten verkörpern keinen Aufbruch mehr. Sie verwalten das Bestehende, dafür stehen sie in den Augen der Öffentlichkeit. Aber das genügt nicht für eine gesellschaftliche Erneuerung.

In der Vermeidung gesellschaftlicher Diskussionen und Auseinandersetzungen, im Besänftigen von Konflikten haben sie Profil und Argumentationskraft verloren. Statt sich sachlich zu messen mit den Andersdenkenden, tapfer die Waffen der Argumente zu kreuzen, verkriechen sie sich hinter Beschwichtigungen und Beschimpfungen, wenn Beschwichtigungen nicht mehr helfen.

Es war ein Zeichen von ideologischer Schwäche, sich seinerzeit nicht den Anhängern von Pegida zu stellen, ihre Argumente zu hören, zu wiegen und ihnen mit überzeugenden Sichtweisen die Stirn zu bieten. Sie aus dem Hintergrund als Nazis in Nadelstreifen oder als Pack zu bezeichnen, hat an Ansehen und Glaubwürdigkeit gekostet, vermittelte den Eindruck von Feigheit.

Dieses unsachliche Auftreten hatte jene nicht überzeugt, die die politischen Auseinandersetzung in der Gesellschaft interessiert verfolgen. So hat auch die inflationäre Verwendung des Nazi- oder Antisemitismus-Vorwurfs eine Zunahme des Antisemitismus in der Gesellschaft nicht verhindern können. Hierin offenbart sich nur die Hilflosigkeit derer, die damit um sich schlagen.

Ausblick

Die alten Wertmaßstäbe verlieren ihre Aussagekraft und Gültigkeit. Der Westen stellt sich in seinen Handlungen immer weniger als eine Gemeinschaft dar, die tatsächlich von Werten getragen ist. Das erleben diejenigen immer öfter, die einmal daran glaubten und davon überzeugt waren. Sie bleiben ratlos zurück und wenden sich enttäuscht ab.

Andererseits kollidieren die Weltbilder der neuen Eliten zu oft mit der alltäglichen Wirklichkeit der meisten Gesellschaftsmitglieder. Denn die Weltsicht der ersteren ist geprägt von rigorosem Moralismus und idealistischen Wertmaßstäben, die mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen wenig zu tun haben. Diesen erscheinen deren Ideale als weltfremd und gegen sie gerichtet. Sie bieten keinen Ausblick in eine freundliche Zukunft, auch wenn sie sich zukunftsweisend geben.

Im Spannungsfeld dieser Extreme löst sich der Zusammenhalt der westlichen Gesellschaften immer mehr auf, wie die zunehmenden Konflikte und Auseinandersetzungen zeigen. Die Werte, die diese Gesellschaften Jahrzehnte lang zusammenhielten, werden nun zum Spaltpilz. Sie befördern den Fäulnisprozess, der sich aus der Auflösung der Werte zu entwickeln scheint. Tatsächlich aber sind es nicht die Werte, die sich auflösen, sondern die Täuschung. Der Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit jedoch wird klarer.

Anmerkungen:

1 Siehe dazu Rüdiger Rauls: Die Werte-Elite

2 Siehe dazu Rüdiger Rauls: Wirklichkeit belehrt Wissenschaft

3 Siehe dazu Rüdiger Rauls: Chinesische Zustände

Rüdiger Rauls Buchveröffentlichungen:

Herausgeber von:

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle: Roman Samborskyi / shutterstock

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23 Kommentare zu: “Westliche Werte als Rohrkrepierer | Von Rüdiger Rauls

  1. Zuerst aber meinen Dank an citoyen invisible, Profiler, Klaus-Peter Kostag für Ihre positiven Resonanzen auf meinen Beitrag. Es tut gut, auch einmal wohlwollende Kritiken zu erfahren.

    Ania sagt: 6. August 2020 at 10:53
    ich finde, Sie haben die Widersprüche der sogenannten Grundrechts-Bewegung sehr gut herausgearbeitet: "Wie kann man (wie hier gerade im Beitrag von Uli Gellermann) der Politik und den Medien „Wirklichkeitsverweigerung“ vorwerfen, während man selbst die Realität einer globalen Pandemie konsequent bestreitet?"

    Es stellen sich nach meiner Meinung zwei grundlegende Widersprüche heraus:
    1. Wenn man die Zahlen der WHO über die Toten akzeptiert, wie kann man dann die Pandemie leugnen? Oder sind 700.000 eine unbedeutende Größe für die Verteidiger der Grundrechte?
    Oder aber: Wenn man die Zahlen nicht akzeptiert, dann muss man schon darstellen können, wo denn die Zahlen der WHO herkommen sollen? Sind diese von vorne bis hinten manipuliert? Wenn man das so sieht, dann muss man auch den Vorgang der Manipulation zumindest einmal in seinem Ablauf beschreiben können. Gehen die Leugner davon aus, dass alle Ärzte der Welt gefakte Zahlen an die übergeordneten Behörden weitergegeben haben? Das würde aber bedeuten, dass alle Krankenhäuser weltweit sich abgesprochen haben, falsche Angaben über ihre Toten zu machen. Aber warum? Kommen diese falsche Angaben aber nicht aus den Krankenhäusern der gesamten Welt, dann muss man davon ausgehen, dass sie in den nationalen Behörden manipuliert worden sind. Nur stellt sich dann die Frage, warum sollten Leute wie Trumpo, Bolsonora und die anderen Corona-Leugner Zahlen an die WHO weitergeben, die belegen, dass gerade in ihren Staaten die Werte am höchsten sind. Werden aber die Zahlen bei der WHO gefälscht, ist nicht zu erwarten, dass die Staaten der Welt es zulassen würden, dass die WHO mit falschen Angaben die jeweiligen Gesellschaften in Panik versetzt. Also verehrte Grundrechts-Aktivisten und Corona-Leugner: Wer manipuliert die Totenzahlen und wie?
    2. Die Grundrechts-Aktivisten berufen sich auf das Grundgesetz, das sie durch die Maßnahmen des Staates ausgehebelt sehen. Sie sehen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit bedroht, obwohl sie in Berlin demonstrieren durften, aber zuvor auch in Stuttgart und andern deutschen Städten. Diese Versammlungen waren wenn auch unter Einschränkungen und Auflagen genehmigt. Darüber hinaus sehen sie aber auch die Meinungsfreiheit bedroht, obwohl bisher auf diesem Forum und allen anderen alternativen Foren Kritiker ihre Meinung unbehindert durch staatliche Einschränkungen veröffentlichen durften. In weiten Teilen der Öffentlichkeit herrscht wenig Verständnis für diese Sichtweise.
    Unter dem allgemeinen Geschrei entsteht aber der Eindruck, dass das Grundgesetz alleine zum Schutz IHRER Rechte geschaffen wurde. Dabei stellt das GG in seinem Art 2 ausdrücklich und unmissverständlich fest: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“
    Das GG garantiert also nicht nur das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit, sondern auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das scheint aber den sogenannten Kämpfern für die Grundrechte gar nicht bewusst zu sein oder aber es interessiert sie nicht. Anscheinend suchen sie sich aus dem GG nur die Passagen heraus, die ihren individuellen Sonderinteressen dienen. Die Interessen der anderen scheinen für sie keine Rolle zu spielen. Sind deren Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit weniger wert, weil es sich hier um die Dummen handelt? Wird hier schon eine Auswahl einer selbst ernannten Elite vollzogen, die das Lebensrecht nach dem Maß der Intelligenz einordnet?
    Hier sei ausdrücklich das Recht jener bestätigt, die gegen die Maßnahmen der Regierung protestieren. Das Verhalten besonders der westlichen Regierungen in der Corona-Krise ist von anfang an sehr widersprüchlich gewesen, wie ich selbst in verschiedenen Beiträge dargelegt habe. Aber die Regierung muss dafür kritisiert werden, dass sie aus den Erfahrungen Chinas aus ideologischen Gründen nicht lernen wollte. Sie muss dafür kritisiert werden, dass sie sich überheblich in falscher Sicherheit wiegte und nicht für genügend Schutzmittel sorgte, als die Chinesen am 31.12.19 über das neue Virus die Welt informiert hatten. Sie muss für ihre Leichtfertigkeit kritisiert werden, dass sie nicht die Einreisenden auf eingeschleppte Viren kontrollierte und Massenversammlungen in geschlossenen Räumen nicht untersagte, als China schon längst entsprechende Maßnahmen ergriffen hatte. Aber sie darf nicht dafür kritisiert werden, dass sie NUN alles daran setzt, das Leben ihrer Bürger zu schützen, wozu sie von Verfassung und Gesetz verpflichtet sind.
    Wer vorgibt, die Verfassung zu verteidigen, aber andererseits das eigene Versammlungsrecht und das der freien Meinungsäußerung über das Lebensrecht anderer Gesellschaftsmitglieder stellt, macht sich unglaubwürdig. Wer, wie oft zu hören, beklagt, dass Menschen gerettet werden, die ohnehin bald gestorben wären, der hat mit dem Geist des GG nichts zu tun und schon gar nicht mit den Menschenrechten. Der ist solchen Ideologien näher, die von einem höheren Lebensrecht für eine bestimmte Gruppe von Menschen reden, die die Menschen einteilen in Herren- und Untermenschen, die sich zum Richter machen über das Lebensrecht der anderen. Aus welchen Gründen auch immer, seien es rassische, moralische Gründe oder gar die Höhe des IQ, es gibt kein höheres Lebensrecht.

  2. Den Unterschied zwischen den Klima-Aktivisten und den Gegnern der Corona-Maßnahmen sehe ich darin, dass erstere ein globales Problem addressieren, während letztere das gerade nicht tun.

    Die Klima-Aktivisten thematisieren den Klimawandel, der mittlerweile nicht in weit entfernten Ländern, sondern auch im deutschen Wald oder an den Extremwetterereignissen hierzulande sichtbar ist.

    Die Corona-„Leugner“ hingegen erklären eine Pandemie für nicht existent, die hierzulande aufgrund von „nur“ gut 9000 Toten vielleicht nicht so sichtbar iust, global aber von großer Tragweite. Heute Vormittag sind es weltweit schon wieder 7000 Tote mehr als gestern Vormittag…

    Wie kann man denn 707.761 Tote (Stand gerade jetzt) einfach ausblenden? Da ist von Mega-Manipulation durch die Mainstream-Medien und die "Eliten" die Rede – aber was für eine Manipulation des Denkens spricht denn aus einer solchen Verleugnung?

    Wie kann man (wie hier gerade im Beitrag von Uli Gellermann) der Politik und den Medien „Wirklichkeitsverweigerung“ vorwerfen, während man selbst die Realität einer globalen Pandemie konsequent bestreitet?

    Bei allen Fragen, die man zur Wirksamkeit von Masken haben kann oder zur Berechtigung bestimmten Maßnahmen, oder zur einseitigen Berichterstattung der Medien – dieses Ausblenden der globalen Pandemie, diese Wirklichkeitsverweigerung ist ein erschreckender Vorgang.

    Vorgetragen wird sie mit einer Haltung, die man vielleicht, wie im Text von Rüdiger Rauls, als überheblich, moralisch rigoros oder elitär bezeichnen könnte. Am meisten fällt mir jedoch die Selbstbezüglichkeit darin auf. Auf Twitter kursiert ein Spruch, der das ironisch so aufgreift:

    „Ja, es ist alles FAKE. Die ganze Welt hat Ihre Wirtschaft geschlossen und ruiniert, nur um DICH dazu zu bringen, eine MASKE zu tragen. Weil Du so hässlich bist.“

    Man sieht sich als moralisch überlegen, zugleich aber als Opfer der Mächtigen, der Mainstream-Medien sowie der Bevölkerung, die an die „Lügenpropaganda“ zu Corona glaubt. Und dies auch ganz persönlich. Daraus entsteht eine Wut, welche sich zum Beispiel in den "Lügenpresse!"-Rufen ausdrückte, die der Journalistin Dunja Hayali auf der Demo in Berlin entgegenschallten. Das Video von Hayali wurde als "Beweis" für die Aggressivität der Demo-Teilnehmer zigfach von Mainstream-Medien weiterverbreitet. Das finde ich nicht in Ordnung, da die Demo, soweit ich das dem Livestream entnehmen konnte, über weite Strecken äußerst friedlich war. Aber diese Wut ist auch vorhanden, und auch das ist mir bei den Klima-Aktivisten in der Form nicht aufgefallen.

  3. So wie ich diesen Artikel von Rüdiger Rauls verstanden habe, macht er (zu Recht) auf ein wesentliches Problem aufmerksam: Bei aller berechtigten Kritik an Eliten und Mainstream muss man aufpassen, dass man sich nicht selbst an deren Stelle setzt und nur wieder zu einer neuen Elite wird mit genau der gleichen elitären Grundhaltung, die geprägt ist von Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit und der Unfähigkeit, die Kritik anderer zuzulassen, ja sie überhaupt als berechtigte Kritik wahrzunehmen. Ob es schon so weit mit uns gekommen ist, können wir erkennen, wenn wir uns selbstkritisch ein paar ganz einfache Fragen stellen:

    Was mühen wir uns eigentlich mit unserer dauernden Denkerei? Und für wen? Etwa doch nur für uns paar Wenige, in Selbstbespiegelung als art pour l'art? Hoffen wir dabei vielleicht insgeheim, dass die vielen anderen, wenn sie uns schon nicht folgen wollen, uns wenigstens trotzdem noch in unserer Welt leben lassen, auch dann, wenn es nicht die ihre ist und sie sich ganz woanders hin entwickeln?

    Sind alte Weisheiten immer gültig oder müssen auch sie neuen Erkenntnissen angepasst werden?
    Muss z. B. „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ nach hundert Jahren runderneuert werden in: „Die Freiheit ist immer die Freiheit der wenigen Denkenden“ – um diesen wenigstens ihr ungestörtes intellektuelles Refugium weiterhin zu sichern, wo sie in elitärer Freiheit zweckfrei vor sich hin denken können?

    „Die wenigen Denkenden“? Was ist das überhaupt für eine ungeheure Anmaßung, all den anderen zu unterstellen, dass die angeblich nicht denken? Mit welchem Recht erwarten wir von anderen überhaupt, dass sie denken (nämlich so wie wir)?

    Müssen wir es nicht irgendwann irgendwie einfach als ein Faktum zur Kenntnis nehmen, dass sehr vielen anderen schlicht egal ist, was wir uns da alles zusammendenken? Und welche Schlüsse ziehen wir dann daraus? Dass wir uns endlich auch auf die Seite derer schlagen, die die vielen anderen in Schach halten, auf die Seite der Mächtigen, weil diese uns wenigstens schätzen (vorausgesetzt, wir sind ihnen mit unserer Denkerei nützlich)? Oder aber fragen wir uns stattdessen vielleicht doch einmal, wie wir uns denen, die uns (noch) nicht verstehen, wenigstens endlich einmal verständlich machen können?

    Haben wir bei all unseren schwergewichtigen Gedanken und Erkenntnissen wirklich immer auch all die vielen anderen im Blick, für die und deren Wohl mitzudenken wir uns anmaßen? Besonders wenn wir uns diese Frage stellen, haben wir ein wichtiges Korrektiv, um eben nicht überheblich, elitär, weltfremd zu werden. Wenn wir schon "für alle" nachdenken wollen, kommen wir nicht umhin, uns erst einmal auch gründlich mit deren Befindlichkeit zu befassen und nicht nur mit unserer eigenen.

    • @ citoyen invisible

      Möglicherweise ist es das, was Rüdiger Rauls mit der zweiten Hälfte seines Artikels zum Ausdruck bringen möchte.

      Aus der Geschichte wissen wir natürlich um die Gefahr, dass sich gleich der nächste Psychopath an die Spitze der revolutionären Bewegung setzt und die Verhältnisse nach der Revolution absolutistischer als je zuvor gestaltet. Das ist also keine neue Erkenntnis.

      Natürlich ist es wichtig, die Geschichte zu kennen und die Mechanismen zu verstehen. Das darf aber nicht so weit führen, dass man sich in der Geschichte verfängt. Wir leben heute und gestalten jetzt in diesem Moment unsere Zukunft. Wir sind nicht etwa schicksalhaft dazu verdammt, immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Wir sind frei! Als Souverän können wir unsere Verantwortung nichts und niemandem, auch nicht der Geschichte hinschieben.

      Diese Gefahr wird in den alternativen Medien und den angeschlossenen Foren nach meinen Beobachtungen auch immer wieder thematisiert, es wird aktiv dagegen angearbeitet. Wenn man bei der Demonstration in Berlin schon nicht vor Ort war, kann man sich die Videos ansehen, die Erfahrungsberichte durchlesen und mit Menschen sprechen, die dabei waren. Ich erkenne da nichts von dem was Du als Gefahr beschreibst. Es geht nicht darum, die neue Elite zu werden. Es geht nicht darum, die Andersdenkenden zu manipulieren und zu unterjochen. Es geht darum, dass die Widerständler wieder auf den Boden der Aufklärung, der Demokratie und des Grundgesetzes, wie es 1949 formuliert wurde, zurück wollen und es in Fortsetzung des darin enthaltenen Geistes weiterentwickeln wollen.

      Wo nimmst Du Deine Befürchtungen nur her?

    • cyberzaurus, seien wir doch ehrlich zu uns selbst: Wie sehr überzeugt auch immer man von den eigenen Ideen und Erkenntnissen ist, man muss dennoch jederzeit einkalkulieren, dass Irren menschlich ist und man auch mit der besten Absicht ganz falsch liegen kann. Ich plädiere deshalb für eine ständige kritische Grundhaltung sich selbst gegenüber, um sich nicht in seiner eigenen Gedankenwelt in die komplett falsche Richtung zu verrennen. Um dem vorzubeugen, braucht man auch den Gedankenaustausch mit anderen. Und dazu gehört, offen zu sein für deren andere Sichtweisen.

    • @ citoyen invisible

      Wie Du weißt, bemühe ich mich permanent um einen solchen Gedankenaustausch mit anderen und habe dabei eine ziemlich hohe Frustrations- und Toleranzschwelle. Daneben versuche ich mich als Wanderer zwischen den Welten, was damit einhergeht, gelegentlich von beiden Seiten Prügel zu beziehen. Dabei fühle ich mich in der Tat manchmal recht einsam. Es wäre schon toll, wenn da ein paar mehr mit anpacken würden. Insofern gebe ich Dir recht.

    • Konkret Kritik an Corona-Demonstrationen etwa ist hier gar nicht gemeint, cyberzaurus. Ich plädiere vielmehr ganz allgemein für eine jederzeit achtsame, selbstkritische Grundhaltung, sogar den eigenen Erfolgen gegenüber. Denn es ist nie ganz auszuschließen, dass es sich dabei nur um vermeintliche Erfolge handelt, eine Selbsttäuschung also.

  4. Mein erster Kommentar wurde gelöscht, ich weiß nicht, warum.
    Die Analyse beginnt gut, mit der korrekten Bennenung der Kriegspropaganda, nun im Namen der Menschrechte.
    Dann aber die Proteste gegen CO2 mit den Anti-Corona-Diktaktur-Protesten gleichzusetzen, ist ein starkes Stück.
    Man sieht doch schon an der Haltung der Medien und Politik, wer den eigentlich Mächtigen dient und wer ihnen nicht genehm ist. Die Fridays-for-Future Bewegung wird mit Schulfrei und großem Presselob gesponsert, die Million der Corona-Diktatur-Gegner hingegen zu 20.000 Rechten, Spinnern und Reichsbürgern umgelogen. Und wenn man sich dann empört, bekommt man von Herrn Rauls das Etikett "Elite" angehängt (siehe sein Kommentar vom 5. August 2020 um 12:38).
    Ich werde glauben, dass die Anti-Corona-Diktatur-Proteste zur 'Elite' gehören, wenn Dr. Schiffmann Anerkennung von Frau Merkel bekommt oder Herr Ballweg nach Davos eingeladen wird. (Und dann wäre ich aus dieser Bewegung raus, sie wäre unterwandert und umgedreht, wie die Antifa.)
    Es gibt derzeit viele gute Gründe, sich zu empören, auch gegen die selbsgerechten Zuschreibungen von Herrn Rauls!

    • Mal wieder ein Prototyp dieses moralisch Empörten, den ich in meinem Text beschreibe. Den Text nicht verstanden, aber, wie gesagt, für aufgeregte Entrüstung findet sich immer ein Anlass. Und wieder kann ich mich nur selbst zitieren, weil es so treffen ist:
      „Sie versuchen nicht, die Vorgänge zu verstehen, die inneren Triebkräfte von Entwicklungen zu erkennen. Stattdessen verurteilen sie, was sie nicht verstehen oder nicht wahrhaben wollen, und übernehmen unkritisch, was das eigene Weltbild bestätigt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen findet kaum statt. Ein Interesse an Erkenntnis ist nicht feststellbar.“
      Dieses Verhalten ist die einzige Gleichsetzung, die ich vornehme zwischen der FFF-Bewegung und denen, die sich als Grundrechte-Bewegung bezeichnen. Ansonsten nehme ich in meiner Betrachtung VERGLEICHE vor, das ist nicht dasselbe wie GLEICHSETZEN. Letzteres machen SIE. Man kann Äpfel mit Birnen VERGLEICHEN, aber das heißt nicht dass sie GLEICH sind. Gerade der Vergleich führt zu dem ERgebnis, dass beide NICHT gleich sind.

      Da beginnt der Beitrag doch in Ihren Augen so gut, was Sie dann auch schätzen und Ihnen vermutlich ein wohliges Gefühl bereitet. Aber dann: Die Schlussfolgerungen das Autors führen dann doch tatsächlich zu anderen ERgebnissen, als es nach IHRER Meinung sein müsste. Anstatt aber dem Gedankengang des vorher noch hochgelobten Autors zu folgen und zu versuchen, seine Sichtweise nachzuvollziehen, kommt es dann zum emotionalen Sündenfall. Der Autor sieht das Herzensanliegen des Lesers, die sogenannte Grundrechte-Bewegung, mit anderen Augen als der Leser selbst. Empörung, Zorn, hitzige Erregung. Jetzt ist der Autor ein Arschloch. So schnell kanns gehen. Eben noch hoch gelobt, dann plötzlich Arschloch. Das alles nur, weil der Autor in einem Punkt die Welt anders sieht als der Leser.
      Aber eines sollten all jene mal bedenken, die sich hier so aufplustern, wenn es um Fragen der Masken und Grundrechte geht. Wie lange wird das ganze noch Bestand haben? Wie lange hatte FFF Bestand? der ganze Hype hat nicht mal ein Jahr gedauert. Nach den Sommerferien des letzten Jahres war es vorbei mit dem Taumel. Thunberg ist in der Versenkung verschwunden. FFF gibt sich zwar alle Mühe, wieder in ERscheinung treten zu können. Aber Corona hat den CO2-Empörten die Schau gestohlen.
      Die von Aufregung und Empörung getriebenen Bewegungen haben nur kurze Dauer. Und dann? Was wird sein, wenn ein Impfstoff gefunden ist und sich die meisten Bürger freiwillig impfen? Dann ist es vermutlich vorbei. Dann ist Corona für die meisten kein Thema mehr. Dann gibt es auch keinen Grund mehr für Masken und Aufregung. Ob die sogenannte Grundrechte-Bewegung das überlebt, wage ich zu bezweifeln. Dann muss man mit all den Menschen im eigenen Umfeld, mit denen man sich villeicht wegen Corona oder seinerzeit wegen CO2 in die Haare bekommen hat, wieder versuchen klar zu kommen. Oder man geht sich für immer aus dem Weg, grollt sich wegen einer Sache die längst verbei ist.
      Das CO2 gibt es immer noch, FFF aber scheint mir schon Geschichte zu sein. Was ist geblieben von der Aufregung, die vor einem Jahr die deutsche Gesellschaft aufgewühlt hat und Freunde zu Feinden werden ließ? Nichts, außer einige Tropfen Gift mehr im Gemüts-Cocktail der deutschen Gesellschaft. Zu mehr Bewusstsein haben die beiden Bewegungen bisher nicht geführt. Vielleicht kommt es dann doch zu etwas Gutem. Vielleicht geht einigen dann doch ein Licht auf und sie merken, dass mit aufgeregter Empörung langfristig nichts zu gewinnen ist und dass man sich auf das Menschliche im Menschen besinnen und stützen muss: Vernunft, Besonnenheit und Brüderlichkeit.

  5. DerKleinePuk sagt 4. August 2020 at 17:42

    Der Volksmund würde sagen: da bellt der getroffene Hund. Denn hier meldet sich der Prototyp des neuen Elitären, des moralisch Empörten, zu Wort, der in meinem Beitrag beschrieben wird.

    "Andererseits kollidieren die Weltbilder der neuen Eliten zu oft mit der alltäglichen Wirklichkeit der meisten Gesellschaftsmitglieder.“
    Ich zitiere Ihre Reaktion auf meinen obigen Satz: „So ist es nicht. Es gibt keine neuen Eliten, die alten Eliten sind auch die Neuen, heißt es gibt keine neuen Eliten.“
    Dazu ein Zitat aus meinem Text, der so wunderbar zu Ihrer Einlassung passt: „Sie wollen nicht überzeugen, sie wollen Recht haben.“ Es wird also nicht versucht, die eigene Sicht der Dinge zu erklären. Es wird einfach behauptet, dass es nicht so ist und dass es keine neuen Eliten gibt. Wie der kleinePuk darauf kommt, kann sich der Leser selbst versuchen zu erklären. Ohnehin scheint das ein Muster in der Diskussion zu sein, dessen man sich im Kreise der moralisch Empörten sehr gerne bedient.
    So auch der nachfolgende Satz bzw. Frage: „Kennen sie vielleicht noch die Firma IG-Farben?“ Was will der kleinePuk denn damit sagen? Soll der Leser sich selbst die Frage vervollständigen? Denn so hat sie keine Aussage und schon gar nicht ergibt die Antwort des KleinenPuk darauf einen Sinn. „Sie wissen es selbst.“ Da bleibt alles im Vagen. Er selbst scheint nicht zu wissen, was der damit sagen will und überlässt es meinem Wissen in der Annahme, dass dabei nur die Antwort herauskommen kann, die seiner Meinung entsprechen müsste. Aber selbst Stellung beziehen und belastbar Aussagen machen, das scheint der KleinePuk nicht zu können. Er krittelt nur an dem herum, was andere sich als Ansicht erarbeiten.
    „Denn die Weltsicht der ersteren ist geprägt von rigorosem Moralismus und idealistischen Wertmaßstäben,“
    „Keine Ahnung wo sie, Herr Rauls, das herholen.“ Ließe sich aus dem Text erkennen, wenn man denn herausläse, was drin steht, statt hinein zu lesen, was NICHT drin steht:
    Zitat kleinerPuk: „Die Weltsicht der Elite, sprich Oligarchen, sei „ geprägt von rigorosem Moralismus und idealistischen Wertmaßstäben“, das ist Infam.“ Wo, kleinerPuk steht in meinem Text etwas von Oligarchen? Nirgendwo. Mit der Elite meine ich die Leute mit dem rigorosen Moralismus und den idealistischen Wertmaßstäben, also Leute Ihres Schlages, wenn ich mal von Ihrem Auftreten hier ausgehe. Die Gleichsetzung dieser Elite mit den Oligarchen erfolgt durch SIE.
    Das haben Sie anscheinend gar nicht gemerkt in ihrem selbstgerechten Zorn oder sind SIE ein Oligarch? Wenn man schon nicht versteht, was da gesagt wird, für moralische Empörung reicht es allemal.
    Zitat: „Oder was Moral ist und was nicht entscheide „ICH“. Das war von Ihnen bezogen auf eine Elite, die Sie bei den Oligarchen vermuten. Aber es war eine freudsche Fehlleistung. Der der Oligarch, den Sie mit ICH bezeichnen, sind in Wirklichkeit SIE. Sie schieben dem Oligarchen ihr EIGENES Denken unter. Sie haben Recht: „Oder was Moral ist und was nicht entscheide „ICH“. Auch hier ein Zitat aus meinen Text, das nach meiner Meinung die Wirklichkeit sehr gut trifft: „Sie untersuchen nicht die Bedingungen, unter denen die Veränderungen in der Welt vonstatten gehen. Sie versuchen nicht, die Vorgänge zu verstehen, die inneren Triebkräfte von Entwicklungen zu erkennen. Stattdessen verurteilen sie, was sie nicht verstehen oder nicht wahrhaben wollen, und übernehmen unkritisch, was das eigene Weltbild bestätigt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen findet kaum statt. Ein Interesse an Erkenntnis ist nicht feststellbar.“
    Naja, fürs erste will ich es mal damit bewenden lassen. Es werden ja sicherlich noch einige Einlassung von Ihnen kommen.

    • Lieber Rüdiger Rauls,

      dieser Standpunkt, von Ihnen verfasst, ist ein in sich geschlossener richtig mitdenkenswerter, ein außergewöhnlich guter, einer, geeignet, ihn nochmals anzuhören wepl er zum schlussfogern hinreißt. . Ich habe ihn zwecks nachlesen könnens gespeichert. weiter so.
      Zu Ihrer Reaktion auf DerKleinePuk spende ich ein Marshall McLuhan-Zitat: "Moralische Entrüstung ist eine Methode, Idioten Würde zu verleihen."

      Ihre Gedanken zu den gefühlten neuen Eliten treffen ins Schwarze. In meiner Rangliste kluger, verständlich Anliegen vermittelnder Autoren sind Sie deswegen jetzt gleich neben TOPAS, dem von mir geschätzten Rainer Rupp, platziert. Ich verrate aber nicht; ob über oder unter ihm.
      Gern jedoch wiederhole ich mich: "Weiter so!"

  6. Eine weitsichtige Vorschau: Darauf, wie es eben nicht weitergehen kann und nicht weitergehen wird. Der Kapitalismus war bereits bei seiner Geburt zum späteren Sterben an eigenen, falschen Spielregeln vorbestimmt. Das ist natürlich und das ist ein notwendiger Prozess: Geburt – Leben – Sterben. Aber da steht ersichtlich schon ein anders, ein folgendes Modell mit völlig neuen Regeln daneben. Nicht totzukriegen: Eine Genossenschaft mit völlig anderen Spielregeln, eine PGH namens HUAWEI.

    Sieht aus, als hätte dieses neue, übergreifende Modell kein solches programmiertes Verfallsdatum. Also:
    "Der König ist tot – es lebe der König!"

  7. Anmerken möchte ich noch dass er nicht die Differenzierung, zwischen einer schlüssigen Argumentation und reiner Meinung sucht. Er so lange pauschal reduziert, bis Konsens, Gegenläufigkeit und Opposition bewertet durch die passende Betrachtung einheitlich werden.

    Reine Emotionalisieung ist ein kindlicher Ansatz, mit dem er, wäre dies ein Diskurs, unglaublich schnell scheitern würde.

  8. Ich zitiere diesen Erguss der Leserlichkeit wegen.

    "Andererseits kollidieren die Weltbilder der neuen Eliten zu oft mit der alltäglichen Wirklichkeit der meisten Gesellschaftsmitglieder.“

    So ist es nicht.
    Es gibt keine neuen Eliten, die alten Eliten sind auch die Neuen, heißt es gibt keine neuen Eliten.
    Kennen sie vielleicht noch die Firma IG-Farben?
    Sie wissen es selbst.

    „Denn die Weltsicht der ersteren ist geprägt von rigorosem Moralismus und idealistischen Wertmaßstäben,“

    Keine Ahnung wo sie, Herr Rauls, das herholen.
    Die Weltsicht der Elite, sprich Oligarchen, sei „ geprägt von rigorosem Moralismus und idealistischen Wertmaßstäben“, das ist Infam.

    Ich unterstelle das sich diese „Eliten“, und ich kann das Wort kaum noch ertragen, jenseits jeglicher Moral einordnen.
    Es ist wohl eher „Ich habe die Macht und mache was ich will“.
    Oder was Moral ist und was nicht entscheide „ICH“.

    „die mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen wenig zu tun haben.“
    Dem ist wohl so.

    „Diesen erscheinen deren Ideale als weltfremd und gegen sie gerichtet.“

    Erscheinen, erscheinen – reiner verniedlichender Euphemismus.

    „Sie bieten keinen Ausblick in eine freundliche Zukunft, auch wenn sie sich zukunftsweisend geben."
    Muss man das so formulieren, aus dem Gartenstuhl heraus am sonnigen Nachmittag?
    Die Lebenswirklichkeit vieler Menschen ist bereits sehr „unfreundlich“.

    Ein weiteres Zitat:
    „Es war ein Zeichen von ideologischer Schwäche, sich seinerzeit nicht den Anhängern von Pegida zu stellen, ihre Argumente zu hören, zu wiegen und ihnen mit überzeugenden Sichtweisen die Stirn zu bieten. Sie aus dem Hintergrund als Nazis in Nadelstreifen oder als Pack zu bezeichnen, hat an Ansehen und Glaubwürdigkeit gekostet, vermittelte den Eindruck von Feigheit.“

    Herr Rauls, glaube sie das wirklich?
    Das ist nicht „ideologischer Schwäche“ sonder Absicht.

    Man kann die Verantwortlichen nicht entschulden, indem man ihre Taten verharmlost.

    Aus dem Lehrstuhl doziert, kommt bei mir nicht an.

    • Herr Rauls scheint derzeit einiges nicht richtig zu interpretieren, respektive mit Schwierigkeiten kämpfend, die Situation realistisch und angemessen einzuordnen.
      Dies ist für einen Autor der auf KenFM publiziert ein kritischer Wert.

      Folgend die "Schwierigkeiten" des gestrigen Tages im Artikel: https://kenfm.de/auf-nach-berlin-wir-bleiben-menschen-und-lassen-uns-nicht-zu-biorobotern-umprogrammieren/

      – Kommentar 22:49 h zu Beitrag von NomoreMartini 1. August 2020 at 21:07
      – Eigenbeitrag Rüdiger Rauls 2. August 2020 at 00:24
      – Eigenbeitrag Rüdiger Rauls 2. August 2020 at 11:43
      – Eigenbeitrag Rüdiger Rauls 2. August 2020 at 14:36
      – Kommentar 23:46 h zu Beitrag von Frank Rudolf 2. August 2020 at 21:58
      – Eigenbeitrag Rüdiger Rauls 3. August 2020 at 00:34

      Alarmierend? Alarmierend systemkonform? Alarmierend systemkonform unrealistisch?

      Zumindest bedenklich, doch dies nur meine Sicht der Dinge welche ich hier auch äußern darf, zumindest hierbei stimmt Herr Rauls zu.

      Man kann nur wünschen – Gute Besserung & Einsicht, danke.

    • Hier mal der Wertemaßstab der aktuell Einflußreichen. (Elite tönt in den Ohren immer so nach, wie besonders wertvoll)
      https://www.nachdenkseiten.de/?p=63484

      Der Artikel ist schwierig, schon die Anti-CO2-Bewegung mit dem Demokratischen Widerstand gleichzusetzen erschließt sich mir überhaupt nicht. Vielleicht sollte man von linker Seite aus auch sehen, daß Grundgesetzbewegung politische Mitsprache meint.

      Das die fehlende inhaltliche Auseinandersetzung mit Pegida ein Fehler war, sehe ich auch so.

  9. Mir kommt dieser Text eher wie ein Rundumschlag gegen Werte an sich vor. Doch ganz ohne geht es auch nicht, z. B. die universellen Menschenrechte, auf die sich sogar das Grundgesetz beruft. Zur Problematik der Eliten sagt Daniela Dahn ganz trocken: "Wenn der Staat Instrument der Eliten ist, dann muss das Volk elitär werden." Genau das muss unser Ziel sein, ohne Feindbilder natürlich, denn:
    Mit der Einteilung der Welt in GUT und BÖSE lässt sich jedes Verbrechen rechtfertigen.
    Genau diese positiven Seiten habe ich in diesem Text vermisst oder in der Länge überhört.

  10. Der Rüdiger Rauls hat eine grundsätzliche Differenz nicht verstanden
    wenn er die CO2 Proteste mit denen Protesten gegen die Beschränkung der Freiheitsrechte unter Vorwand Corona
    in einen Topf wirft .
    Und er irrt sich, wenn er die Machtelite für schwach hält, und dieser Machtelite abspricht einen Plan zu haben
    und die ,die einen Plan hinter der Machtpolitik sehen, diskreditiert .

    Wir kennen Bilderberger und das World Economic Forum , wir kennen die Arbeit deutscher Stiftungen
    und die Schriften des PNAC und die Aktivitäten von Milliardären wie Soros .

  11. Fast ..aber es war nicht 'die Strategie der Mencherechte', sondern die Idee dass man einfach unendlich viel Geld drucken kann, um damit alles zu kaufen, jeden zu korrumpieren, jede Oppsition in Geldscheinen zu ersäufen. Die negativen Effekte ..würden später einsetzen ..nachdem man gewonnen hatte!

    Diese Idee stammt auch aus der (von den Neoliberalen falsch verstandenen) Spieltheorie. Scharlatane sollte man, wie es Tradition ist, zu ihrem eigenen Besten Teeren und Federn und dann aus der Stadt jagen.

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