White Helmets: Helden oder Verbrecher?

Von westlichen Regierungen hochgelobt, ausgezeichnet und finanziert, und von ihren Kriegsgegnern in Syrien als „Humanitäre-Fakes“ mit illegalen bewaffneten Gruppen gleichgestellt. 

Von Jochen Mitschka.

Das Narrativ der von westlichen Regierungen gegründeten und finanzierten Organisation White Helmets, die ausschließlich in von „Rebellen“ kontrollierten Gebieten Syriens präsent sind, besagt, dass es sich um uneigennützige Freiwillige handelt, die als Zivilschutz in nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten agieren. Syrien, Russland und Kritiker des Krieges im Westen erklären seit Jahren, dass die White Helmets in erster Linie zu Propaganda-Zwecken vom Westen gegründet und unterstützt wurde, um den Regime-Change in Syrien zu rechtfertigen. Tatsächlich, so die Behauptung, untermauert von Fotos und Videos, wären die White-Helmets eine Hilfsorganisation von Al-Kaida-Terrorgruppen und anderen Terrororganisationen. Nun hat ein russisches Forschungsinstitut eine systematische Datenerhebung durchgeführt und erhebt ungeheuer erscheinende Anschuldigungen in einer Anhörung im UNO Hauptquartier in New York am Donnerstag, den 20. Dezember.

Der folgende Text basiert auf der Live-Übertragung der Präsentation im UNO-Hauptquartier bzw. dem daraufhin erstellten Video, das über   YouTube abrufbar ist.

Die Organisation und Methodik

Maxim Grigoriew: „Unsere Organisation, die ‚Foundation for the study of Democracy‘ beurteilt Menschenrechtsangelegenheiten und analysiert terroristische Ideologien in der ganzen Welt. Wir sind Mitglied des globalen Anti-Terror-Netzwerkes, das vom Exekutivdirektorat der UNO für Antiterrorismus eingerichtet wurde, und uns wurde ein beratender Status beim UNO Rat für wirtschaftliche und  soziale Fragen eingeräumt. (…) Als wir Garantiegeber für das Buch (Anmerkung des Übersetzers: „countering the terrorist propaganda“, das im Jahr 2016 bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates vorgestellt worden war) waren,  überraschte uns, dass hunderte von Facebook-Konten von Weißhelmen Daesh / ISIS Propaganda enthielten. Nachdem wir das festgestellt hatten, begannen wir einen Faktencheck der Aktivitäten der White Helmets. Ich werde beginnen mit einer Beschreibung unserer Methoden.

Wir haben über 100 Augenzeugen interviewt, mehr als 40 Mitglieder der White Helmets, 50 ehemalige Kämpfer von illegalen bewaffneten Gruppen, 50 Personen im Gebiet der von illegalen bewaffneten Gruppen kontrolliertem Gebiet, wo die White Helmets aktiv waren. (Anmerkung des Autors: Alle Interviews wurden auf Video festgehalten und werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.) Wir führten auch zwei soziologische Umfragen in Aleppo und Dara mit der Hilfe von Freiwilligen durch.  In jeder Stadt wurden mehr als 500 Bewohner befragt.“

Freiwilligkeit, Unabhängigkeit und Neutralität

Grigoriew erklärte, dass auch in dem preisgekrönten Film der White Helmets, diese als eine Freiwilligen-Organisation bezeichnet würden. Dass jedoch kein einziger der White Helmets tatsächlich ein unbezahlter Freiwilliger wäre. Alle wären monatlich bezahlte Angestellte gewesen, die außerdem regelmäßig signifikante Nahrungsmittelhilfe erhalten hatten. Manche der Mitglieder wären gleichzeitig Mitglieder in illegalen bewaffneten Gruppen. Einige wären der Organisation beigetreten, um zum Beispiel jene auszurauben, die Hilfe benötigten, andere wurden Mitglied, um ihre Familien vor dem Hungertod zu bewahren.

Im folgenden Teil der Vorstellung der Studie wurde eine Folie gezeigt, die einzelne Aussagen hervorhob. So zum Beispiel die von Mohamed Baha Al-Shihadi, einem ehemaligen Mitglied der White Helmets. Er erklärte, dass alle Mitglieder der Organization Geld erhalten hätten. Es gab keine Freiwilligen, die kostenlos arbeiteten, sagte er aus. Abdul Neulu, einer der Anführer der White Helmets in Aleppo hätte sie regelmäßig besucht, und immer gesagt, dass wir gut arbeiten sollten, wenn wir wollten, dass die Bezahlung weiter erfolgte. Aiman Al-Haj Omar erklärte: „Die Menschen kamen in der Regel zu den White Helmets, um Geld und humanitäre Hilfe zu erhalten. Es war schwer zu überleben“.

Mohamed Bashir Biram, ebenfalls Mitglied der Weißhelme erklärte, dass, als die Kämpfer Ost-Aleppo unter ihre Kontrolle gebracht hatten, er in ein Gefängnis der Jabhat Al-Nusra eingesperrt und verprügelt worden wäre. Im Gefängnis gab man ihm die Wahl al-Nusra oder den White Helmets beizutreten. Wenn er nicht eine der beiden Optionen gewählt hätte, so erklärte er, wäre er getötet worden … „Nachdem ich in die White Helmets eingetreten war, verließ ich eigenmächtig die Organisation und versuchte meinen Vater zu evakuieren, den ich zum Al-Bayan Krankenhaus brachte, das von den White Helmets betrieben wurde. Da mein Vater kein Kämpfer war, weigerten sich die Ärzte im Krankenhaus ihm zu helfen und er starb. Die White Helmets bedrohten mich und strichen mir die Hälfte meines Gehaltes, als Strafe die Organisation eigenmächtig verlassen zu haben“.

Es handelte sich bei den White Helmets keineswegs um eine Organisation, die vergleichbar wäre mit einer Nicht-Regierungs-Organisation, erklärte Grigoriew. Es wäre eine zentralisierte Struktur gewesen, und die Anführer der Zentren benutzten Tarnnamen, um ihre Identität zu verschleiern, und sie verwandten Codes bei Ihren Funksprüchen, so wie militärische Einheiten. Befehle von Vorgesetzen wären verpflichtend. Es hätte verschiedene Arten von Bestrafungen gegeben. Von Geldstrafen über physische Bestrafungen, sogar bis zu Exekutionen.

Auf einer weiteren Folie kann man eine ebenfalls beispielhafte Aussage lesen, nach der Hatem Uyn, 31, der früher ein Mitglied des Sicherheits-Service der Terrororganisation Jaysh al-Islam war, erklärte, dass die White Helmets in seinem Distrikt unter der vollen Kontrolle seiner Organisation gewesen wären. Grigoriew ergänzte, dass der Zeuge beschrieben hätte, wie er schriftliche Befehle der Anführer der Terrororganisation den White Helmets überbracht hätte.

Ebenso wären ausreichende Beweise gesammelt worden, erklärte Grigoriew, die nachwiesen, dass die White Helmets Hilfe verweigert hatten, wenn vermutet wurde, dass es sich bei den Hilfesuchenden nicht um Unterstützer der bewaffneten Gruppen handelte. Regelmäßig mussten die White Helmets auch Positionen der Kämpfer von Terrororganisationen befestigen, teilweise wären sie durch Gefängnisstrafe oder vorgehaltener Waffe dazu gezwungen worden.

Gefälschte Propaganda

In einem Bericht der White Helmets hatten diese erklärte, dass syrische Truppen den Distrikt Jub al-Quba in Aleppo angegriffen hatten, und die Menschen getötet hätten. Zeugenaussagen, so Grigoriew, hätten ergeben, dass Menschen von den „Rebellen“ selbst ermordet worden waren. „Ich sah mit meinen eigenen Augen was 100 Meter vor meinem Haus passierte. Menschen wollten durch den Korridor in den von der Regierung kontrollierten Distrikt Tariq al-Bab. Die Kämpfer verboten ihnen, das Gebiet zu verlassen, aber die Zivilisten wollten nicht gehorchen, worauf die Kämpfer die Menge mit Minen angegriffen hätten.“ Der Zeuge, dessen Aussage auf einer Folie erscheint, konnte sich nicht verkneifen hinzuzufügen: „Die Mitglieder der White Helmets retteten niemanden. Im Gegenteil nahmen sie nur ihr Geld und Gold.

In einem anderen Bericht der White Helmets, der beispielhaft dargestellt wurde, ging es um den angeblichen Angriff von syrischen Truppen gegen Jisr al-Haj in Aleppo. Ein ehemaliges Mitglied der White Helmets erklärte, wie er selbst an einer für den Film gestellten Rettungsaktion teilgenommen hatte. Auf der Folie liest man seine Aussage: „Im Sommer 2015 erhielt ich über Funk den Befehl nach Jisr al-Haj zu fahren. Dort war ein Verkehrsunfall, die Kämpfer zündeten die Wracks an und brachten Tote von der Leichenhalle und Verwundete aus dem Krankenhaus zur Location des Films. (…) Einige Tage später nach Fertigstellung des Films, erhielt jeder Teilnehmer eine Belohnung in Höhe von 50 Dollar.“

Auch ein weiterer Zeuge, Radvan Hasera erklärte, dass er persönlich gesehen hätte, wie die gefälschten Rettungsaufnahmen gemacht wurden. „Ich stand auf dem Balkon und sah alles. Ich sah einen Plastikeimer mit Farbe, den die White Helmets benutzten um die Menschen anzumalen und dann das Video zu machen. Sie gaben vor dass die syrischen Behörden den Distrikt, den die White Helmets begonnen hatten zu evakuieren, beschossen hätten. Das Gebäude war ohne Dach und sie hatten selbst eine Wand zum Einsturz gebracht.“

Ein anderer Zeuge, Mohamed Saber, ein ehemaliges Mitglied der White Helmets berichtete, dass zwei Autos in der Horshi Street zusammen gestoßen waren, dass die White Helmets diese dann gefilmt und erklärt hätten, dass die syrische Armee sie zerstört hätten, um Geld zu erpressen. Grigoriew erklärte, dass hunderte solcher gefälschter Vorfälle dokumentiert worden wären.

Chemiewaffen

Fälschungen von Chemieangriffen war ein essentieller Teil der Aktivitäten der White Helmets“, erklärte Grigoriew.

Auf einer Folie werden Aussagen beispielhaft aufgeführt. Suleiman Mohamad Darwish, ein ehemaliges Mitglied der White Helmets in Sqba erklärte, dass die White Helmets teilweise mit, teilweise ohne Gasmaske gearbeitet hätten. Dass man ihnen gesagt hatte, dass ein Hubschrauber eine Stahlgasflasche abgeworfen hätte. Erstaunlicherweise wäre der Gaszylinder intakt geblieben.

Abdurozak Nassan sagte gegenüber den Forschern aus, dass „Mitglieder der White Helmets waren ohne Gasmasken am Ort des Geschehens. Sie versammelten Menschen aus der Umgebung, schütteten Wasser über sie, und begannen zu rufen, dass das Regime Chemiewaffen eingesetzt hätte“. Ahmad Zaino Mohamed aus Aleppo erklärte, dass Kämpfer sie warnten dass Chemiewaffen genützt werden würden, und dass am nächsten Tag die White Helmets begonnen hätten Wasser auf die Straße zu schütten und sie zu reinigen. Menschen legten sich hin und Wasser wäre auf sie geschüttet worden. In Wirklichkeit hätte es aber kein Chlorgas gegeben.

Omar Al-Mustafa erzählte von einem anderen Vorfall: „Ich sah wie sie Kinder lebend brachten, sie auf den Boden legten, als ob sie bei einem Chemieangriff gestorben wären. Sie setzten Menschen Gasmasken auf und schütteten Wasser über sie.

Auf der nächsten Folie ging es um die allgemeine Fälschung von Berichten. Auf der Folie zeigte er einige beispielhafte Aussagen aus dem Bericht dazu. Abduljabar Bodaka zum Beispiel, ein ehemaliges Mitglied der White Helmets, sagte, dass es in Aleppo eine spezielle Gruppe innerhalb der Organisation gegeben hätte, die vor dem Erstellen des Filmes dazu bestimmt war, die Szenerie auszustatten, mit toten Körpern und verwundeten Menschen aus Krankenhäusern. Sie setzten Abfall und Reifen in Flammen und benutzten Drohnen zum Filmen.

Ein anderer Zeuge, ehemaliges Mitglied der White Helmets in Kafr Batna, erklärte, dass es ein Spezialteam von ca. 20 Personen gegeben hätte, die für das Filmen von Rettungsaktionen bestimmt waren. Wieder ein anderes Mitglied aus Ost Ghouta erklärte: „Alle zwei Tage wurden gefälschte Informationen angefordert, und ihr Zentrum hatte einen speziellen Informations-Raum für die Produktion von gefälschten Informationen, geleitet von Abdulkarim Al-Hafi, ein Jabhat Al-Nusra-Kämpfer.“ Ein weiteres ehemaliges Mitglied der White Helmets aus Ost Ghouta, Husein Talal Hajiko, sagte aus, dass er Zeuge war, wie der Chef der White Helmets von Ost-Ghouta Kinder instruierte, die syrische Regierung zu beschimpfen und ihnen dafür ein gutes Essen versprach. Und Omar Al-Mustafa zufolge wurden die gedrehten Filme zur Vertonung an eine spezielle Stelle geschickt.

Betrug, Diebstahl, Organhandel

Grigoriew berichtet, was NGOs ihm erzählten, die in Gebiete vorgedrungen waren, aus denen die „Rebellen“ vertrieben wurden, und die Menschen in kritischen gesundheitlichem Zustand vorfanden. Diese Menschen hätten den Sozialarbeitern erklärt, dass sie sich nicht gewagt hätten, in ärztliche Behandlung bei den White Helmets zu begeben, aus Angst, dass ihnen Organe entnommen werden könnten.

Auf einer Folie werden auch hierzu beispielhaft Aussagen aus dem Bericht erwähnt. So sagte zum Beispiel Ahmad Al-Omar, Leiter des Pflegedienstes vom Ibn Rushd Krankenhaus in Aleppo: „Die White Helmets nahmen meinen Nachbarn, der als Fahrer arbeitete, in die Türkei zur Behandlung mit. Als sie seinen Körper aus der Türkei zurück brachten, half ich ihn zu tragen. Der Körper war sehr leicht, nur 30-45 Kilo. Ich kannte ihn seit langer Zeit. Er wog 70 Kilo. Ich hob die Abdeckung hoch und sah eine große Wunde vom Hals bis zum Magen. Die Haut war eingefallen und berührte fast die Haut des Rückens. Ich berührte ihn und stellte fest, dass sicher keine Organe mehr vorhanden waren.“

Amal Amino aus Aleppo, die Mutter eines Jungen, dessen Organe entnommen worden waren, berichtete, das hinter dem Krankenhaus ein Zelt gewesen wäre, in dem sie die Körper aufbewahrten, dort hätte sie ihren Sohn gesehen. Aber ein Mitglied der White Helmets hätte ihr verboten, den Leichnam zu sehen. Dann hätten sie ihr doch erlaubt, den Körper, der vollkommen eingewickelt gewesen wäre, so dass man nur Kopf und Hals sah, zu betrachten. „Jeder hier weiß, dass man seine Organe entnommen hatte. Ich habe bei dem Krankenhaus mehrere Male den Antrag gestellt, den Körper zu bekommen, und beim  letzten meiner Versuche drohten sie mir, mich zu töten.“

Auf der nächsten Folie sagte Omar Al-Mustafa, 41, Kleinunternehmer, aus, dass Menschen, die von den White Helmets evakuiert worden waren, oft nicht zurückkehrten. Er berichtete ein Beispiel, als eine Person kleinere Verletzungen erlitten hatte, gerettet und evakuiert worden war, und dann mit aufgeschnittenem Bauch und fehlenden Organen zurück gebracht worden wäre. „Ich hörte, dass ein kleines Kind verletzt worden war. Sie brachten es in die Türkei und dann drei Tage später zurück, tot und ohne innere Organe. Die Menschen hatten Angst. Wenn jemand verletzt wurde, hatte er Angst die White Helmets um Hilfe zu bitten.

Abdurozak Nassan, ein ehemaliges Mitglied von Ahrar Al-Sham erklärte, dass er Menschen gefragt hätte, deren Verwandte in die Türkei zur Behandlung gebracht worden waren, und dass sie ihm erklärt hätten, dass die Körper ohne innere Organe zurück gebracht worden wären. „In Ahrar Al-Sham arbeitete ich unter Shadi Kadik, dessen Codename Abu Adel Al Halabi war. Ich fragte ihn warum sie ohne innere Organe zurück aus der Türkei gekommen wären. Er erklärte mir, dass sie es absichtlich getan hätten, um Behandlungen für ihre Kämpfer zu erhalten.

Grigoriew erklärte, dass seine Organisation mehrere dutzende solcher Fälle alleine in Aleppo identifiziert hätte. Allerdings hätten die Verbrechen der White Helmets was Diebstahl und Betrug anging, die Zahl der Organdiebstähle deutlich überstiegen. Davon wären alleine in Aleppo mehrere hundert berichtet worden.

Betrug und Diebstahl

Zum Thema Betrug und Diebstahl wies eine Folie auf drei Beispiele hin. Ali Mohamed Al-Mardini, ein ehemaliges Jaysh al-Islam Mitglied erklärte, was passierte, als das Haus einer reichen Familie am Sahat al Jamiya Platz in Saqba von Granaten getroffen worden war. „Im Verlauf der Rettungsaktion trugen die White Helmets einen Sack mit Geld und Gold weg. Ich sah es mit meinen eigenen Augen. Einmal fiel eine Granate auf ein Goldgeschäft in der Quwatli Straße. Nachdem die White Helmets dort hin gegangen waren, waren 60.000 US-Dollar und 1,5 Millionen syrische Pfund und einiges an Gold verschwunden.

Omran Makia, 21, ehemaliges Mitglied der White Helmets in Douma erzählte, dass die Helfer, wenn sie in ein Haus kamen und Gold oder Schmuck fanden, es beschlagnahmten. „In einer Wohnung war eine Frau erkrankt, und wir kamen zur Hilfe, fanden einiges an Gold und stahlen es.“

Mohamed Al-Nassan, 49, erklärte, dass einmal eine Granate in der Nähe einer Moschee eingeschlagen wäre, wobei eine Frau verletzt worden war. Als die White Helmets kamen und sahen, dass sie Goldschmuck trug, hätten sie den Schmuck genommen und die Frau liegen gelassen.

Grigoriew erklärte, dass der Hauptteil der beraubten Hilfsbedürftigen Frauen gewesen wären. Außerdem hätten ehemalige White Helmets ausgesagt, dass es ein System der Fälschung von Gehaltszahlungen, und anderen Ausgaben gegeben hätte, um den Erwartungen von Sponsoren zu entsprechen.

Auf einer weiteren Folie erklärte Saif Ad-Din Khubia, ein Arzt aus Douma, dass Mohamed Masarwi Abu Salama ein korrupter Beamter gewesen wäre. Er hätte viel Geld verdient und Autos und ein Sommerhaus für sich gekauft. „Mohamed Masarwi war bekannt und reich. Er versteckte sein Geld in einem seiner Bauernhöfe. Als die syrische Armee einen Angriff startete, wollte er sein Geld holen, das er versteckt hatte, aber Jaysh al-Islam Militante töteten ihn“. Was bedeutet, dass sie auch sein Geld raubten.

Suleiman Mohamed Darwish, ein weiteres ehemaliges Mitglied der White Helmets berichtete über weit verbreitete Unterschlagung. Die Führung der White Helmets in Sqba, so behauptet er, stahlen viel Geld. Wenn zum Beispiel ein Kran (Anmerkung des Übersetzers: möglicherweise ist eine Halterung für eine schwere Waffe gemeint.) auf ein Auto installiert wurde, kostete das 100.000 syrische Pfund. Sie schrieben aber eine Million Pfund ab, behauptete er. In einem anderen Fall hätten sie berichtet, einen neuen Minibus gekauft zu haben, aber stattdessen hatten sie nur einen alten aufgebessert. Dann berichtete er über den Erhalt von 4.300 Dollar für Diesel und Benzin, wobei aber nur 1.000 Dollar dafür ausgegeben wurde.

White Helmets: Destruktiv und inkompetent

Der Bericht an die UN enthält auch die Aussage von Nur Al-Farhan, einem 12-jährigen Schüler der Gaza Schule in Aleppo. Er berichtete was passierte, als die White Helmets in die Schule kamen. „Sie warfen jeden aus der Schule und sagten, dass es keinen Unterricht mehr geben würde. ‚Wenn du lernen willst, gehe in eine Moschee‘. Da wir nicht mehr in die Schule gehen konnten, gingen wir in die Moschee.“ Auch ein Kindergarten wurde von den White Helmets besetzt und die Kinder nach Hause geschickt, berichtete der Direktor des Kindergartens.

Bassam Az Ad-Din Hadi Al-Najib war ein Journalist, der eingebettet in die White Helmets war. Er berichtete, dass ungefähr 10 der 26 Zentren der Organisation in Ost-Ghouta in Schulen untergebracht waren und ein Zentrum in einem Kindergarten. „Sie verboten Kindern in Schulen zu lernen“.

Zeugenaussagen zufolge wurde den Lehrern unter Androhung der Todesstrafe der Befehl gegeben, die Kinder in Religionsschulen zu schicken, was eine verheerende Wirkung auf das syrische Bildungssystem gehabt hätte.

Grigoriew erzählt dann als weiteres Beispiel die Geschichte eines Mannes, der über 25 Jahre als Feuerwehrmann gearbeitet hatte. Ramadan Kurdi berichtete, dass die syrische Regierung auch nach der Übernahme der Region durch die „Rebellen“ weiter Gehälter und Zahlungen geleistet hätten. Er erzählte, dass er auch nach der Übernahme weiter als Feuerwehrmann gearbeitet hätte. Aber eines Tages wären drei Personen erschienen und hätten ihm gesagt, dass das Gebäude durch die White Helmets übernommen werden würde. „Sie verhafteten mich und der Chef des White Helmets Zentrums verhörte mich. … Ich verkaufte das Goldarmband meiner Frau, gab Geld und ging nach Latakia.

Mohamed Bashir Biram, ein ehemaliges Mitglied der White Helmets in Aleppo berichtete, dass in seinem Zentrum 15 Fahrzeuge standen, dass die Mehrzahl aber nicht genutzt worden wäre, sondern nur als Reserve dienten.

Omran Makia, ein ehemaliges White Helmets Mitglied aus Douma berichtete, dass er niemals eine medizinische Ausbildung erhalten hätte, aber trotzdem verantwortlich gewesen wäre für die Versorgung von Verwundeten. Er erklärte, dass er die Schule nicht abgeschlossen hätte und keine Kenntnisse oder Fähigkeiten hätte.

Grigoriew machte deutlich, dass die White Helmets ein effizientes System der Feuerwehr zerstört hatten, und den Versuch machten, es durch ein eigenes System zu ersetzen, was aber wegen fehlenden Sachverstandes wenig effizient war, und die Bediener der Systeme aus Kämpfern und inkompetenten Menschen bestanden.

Pionierarbeiten, Nachschub für Kämpfer und Sanitätsdienst

Neben der Propagandaarbeit waren Pionierarbeiten, Nachschub und Sanitätsdienst für die illegalen bewaffneten Gruppen wichtige Aufgaben der White Helmets, ergaben die Aussagen zahlreicher Zeugen. Bei der Präsentation wurde beispielhaft auf einer Folie die Aussage von Ahmad Buweidani, einem ehemaligen White-Helmets-Mitglied aus Douma wieder gegeben: „Wir erbauten Erdhügel, gruben Schützengräben, transportierten Kämpfer, Waffen und Munition für die Kämpfer.“

Mohamed Saber, ein ehemaliges White Helmets Mitglied aus Saqba erklärte, dass die White Helmets Bulldozer nutzten, um Positionen für die Kämpfer zu bauen und Erdhügel aufzuschütten. Seiner Aussage nach nahmen die White Helmets auch an Tunnelbauarbeiten teil. Sie halfen Positionen in den Städten al-Salhia, Utaya, al-Rihan, al-Shaifuniya und Mesraba einzurichten, erklärte er.

Darüber hinaus, so die Folie, versorgten die White Helmets die Kämpfer mit Trinkwasser und Nahrungsmittel und evakuierten Verwundete.

Grigoriew erklärte, dass Zivilisten den Forschern dutzende von Personen mit vollem Namen genannt hätten, die sowohl für die White Helmets als auch illegale bewaffnete Gruppen gearbeitet bzw. gekämpft hatten. Personen aus diesem Kreis hätten auch an Repressionen, Verhören und Misshandlungen von Zivilisten und der Tötung von syrischen Soldaten teilgenommen. Als Beispiel nannten die Forscher die Aussage von Zakaria Mustafa aus Aleppo.

Omar Sheihu Farhodi war ein Scharfschütze in der Alaa al-Hadrami Moschee und ein Mitglied der White Helmets gleichzeitig. Er spazierte offen mit seiner Waffe auf der breiten Straße in unserem Distrikt Sahur. Alle Bewohner und ich sahen ihn. Er war es, der mich verhaftete und mich in der Saif Mohamed Schule, die ihr Zentrum war, für über eine Woche inhaftiert hatte. In der Schule zogen sie mich nackt aus und schlugen mich. Auch Mitglieder der Familie Shobak, die ursprünglich aus der Stadt Kafr Naha kamen, arbeiteten für die White Helmets. Sie arbeiteten für die White Helmets aber ebenso für die Ahrar al-Sham Miliz. Eines Tages verhafteten sie mich, brachten mich in einen Keller und schlugen mich.“

Omar Al-Mustafa, dessen Aussage auch auf der Folie erscheint, meinte, dass fast alle Menschen, die in dem nahe gelegenen White Helmets Zentrum gearbeitet hätten Al-Nusra Kämpfer gewesen wären oder mit ihnen verbunden gewesen wären. Er gab zu, selbst einmal versucht zu haben, Mitglied der White Helmets zu werden, aber als er erklärte, nicht von der Al-Nusra zu kommen, hätten sie erklärt ihn nicht annehmen zu können. Jede Person, so sagte er aus, die in das White Helmets Zentrum seines Distriktes gekommen wäre, hätte ein Dokument besessen, das vom Al-Nusra Scharia-Komitee zertifiziert worden war.

Auf einer Folie wird die Aussage von Bassam Az Ad-Din Hadi Al-Najib, 31, wiedergegeben, der als Journalist mit den White Helmets zusammen gearbeitet hatte. Er sagt aus, dass, nachdem Ost-Ghouta in Sektoren eingeteilt worden war, die Gruppen sicherstellten, dass ihre Mitglieder auch Mitglieder der White Helmets in jedem Sektor wurden. Jedes Zentrum der White Helmets war der Gruppe unterstellt, die das Gebiet dieses Sektors kontrollierte. „Feilaq al-Rahman war im zentralen Sektor, Jaysh al-Islam im nördlichen Sektor. Die Anführer dieser Gruppen arbeiteten bei den White Helmets. Ich kenne Abu Sayyah, der einer der Anführer in Feilaq al-Rahman also in dem Gebiet al-Shaifuniya war, ich kenne Abu Omar al-Rihan vom Zentrum der White Helmets in der Stadt al-Rihan. Mohamed Katado war in der Stadt Harasta. Bashar al-Hafi war der Vertreter von Jabhat al-Nusra.“ Er fuhr damit fort zu erklären, dass ungefähr 100 bis 150 Personen der White Helmets in Ost-Ghouta Mitglieder verschiedener Gruppen waren. „Ich kenne eine Menge Leute, die Mitglieder der White Helmets waren und gleichzeitig Kämpfer“.

Gefahr durch White Helmets

Grigoriew erklärte, dass es ebenfalls Beweise gäbe, dass eine signifikante Anzahl von Mitgliedern der White Helmets eine militärische Ausbildung erhalten hätte, auch das Verlegen von Minen gelernt hätten. Alle Interviewten erklärten, dass die Mitglieder der White Helmets nur dann die Verbindung zu bewaffneten illegalen Gruppen verheimlichten, wenn sie von westlichen Medien interviewt wurden. Bei allen anderen Gelegenheiten verzichteten sie nicht nur auf die Verheimlichung, sondern sprachen stolz darüber, Mitglied einer bewaffneten Gruppe zu sein und an Kämpfen teilgenommen zu haben. Diese Fakten wären nun über jeden Zweifel erhoben. Man müsse auch nur die Facebookseiten von vielen Mitgliedern der White Helmets anschauen, wo sie hunderte von Fotos mit Waffen in ihren Händen abspeicherten.

Ebenso sind, erklärte Grigoriew, die Seiten von White Helmets Mitgliedern voll von Werbung für Terrorgruppen, darunter auch al-Kaida, Lob für Osama bin Laden, für Gruppen, die in der Liste der Vereinten Nationen als Terrorgruppen genannt werden. Im Jahr 2018, so Grigoriew, wären hunderte dieser Mitglieder in westliche Länder gekommen. Diese Menschen wüssten, wie man tötet. Sie sind geschult und erfahren in der Nutzung von Waffen, und sie sind voller religiöser und anti-westlicher Ideologie.

Die Bedrohung wäre noch gestiegen, so Grigoriew, nachdem der Anführer der White Helmets, Raed Saleh im Jahr 2016 keine Einreisegenehmigung am Flughafen Washington in die USA erhalten hatte, und sein Visum widerrufen wurde, weil er in eine Liste Verdächtiger aufgenommen worden war, die eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika darstellten.

Nach den Erklärungen von Grigoriew und den Folien, wurden einige der über hundert Aussagen gezeigt, die die Erklärungen bestätigen und verstärken sollten.

Das erste Video zeigte die Aussagen von Bassam Az Ad-Din aus Ost-Ghouta. Er hatte als Reporter für den Kanal Orient gearbeitet und für das regionale Programm Kimonex, das vom US-Außenministerium überwacht worden wäre. Er behauptete, dass die meisten Mitglieder der White Helmets dort arbeiteten, um ihre Familien und sich finanziell über die Runden zu bringen. Seine Aussagen bestätigten die bereits erwähnten Behauptungen des Berichtes.

Wahrheit oder Fake-News?

Die Texte auf den Folien erschienen manchmal schlecht übersetzt und ließen Fragen offen. Insbesondere ist unklar, inwieweit die Aussagen der Zeugen überprüft wurden. Waren sie dort, wo sie behaupteten, wer hat die Beobachtung noch gemacht usw.. Wenn man die Budgets der Öffentlich Rechtlichen Sender anschaut, sollte es möglich sein, ein Team von investigativen Journalisten nach Syrien zu schicken, um die Aussagen, die in dem Bericht genannt werden, zu verifizieren, und festzustellen, ob es „alle vom Regime erpressten oder bestochene“ Zeugen waren, die dort ausgesagt hatten. Es müsste möglich sein, durch den Versuch eine Bestätigung der jeweiligen Aussagen aus zweiter Quelle zu erhalten, die Aussagen zu verifizieren, soweit das in dem vollständigen Bericht der „Foundation for the Study of Democracy“ noch nicht erfolgt war. Ich wäre gerne Teil eines solchen Teams, denn auch ich glaube, dass einige Aussagen zu hinterfragen sind. Interessant wäre aber insbesondere die große Linie festzustellen, um ein Bild zu erhalten, inwieweit die Aussagen durch persönliche Ansichten gefärbt wurden. Aber da die Öffentlich Rechtlichen Medien durch die Parteien beherrscht werden und diese sich entschlossen haben, das Narrativ der „Guten White Helmets“ nach Millionen Euro Spenden nicht in Gefahr bringen zu lassen, wird eine solche „Faktenfinder“-Mission wohl leider nicht stattfinden. Vermutlich wird der Vorgang einfach totgeschwiegen und ausgesessen.

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