Willy Wimmer: „Wir sind eigentlich nur einen Wimpernschlag von einem Krieg entfernt“

US-Kongress will eine neue berüchtigte „BIll“ – Gesetz über Sanktionen gegen Russland – verabschieden. Wohin wird uns das führen?

+++ Ein Interview von Prof. Dr. Alexander Sosnowski (Chefredakteur World Economy) mit Willy Wimmer (Staatssekretär a.D.) +++

Willy Wimmer: Das einzige was zwischen uns und einem Krieg steht, das sind eigentlich zwei Dinge. Zum einen ist es Trump – immer noch. Und das zweite ist, dass wir jetzt eigentlich aus den Sanktionen insgesamt aussteigen müssten.

WE: Wie so ein Ausstieg aus den Sanktionen aussehen könnte?

Willy Wimmer: Indem die Europäische Union die Sanktionen aufgibt und keine neuen mehr einrichtet.

WE: Haben Sie nicht vielleicht den Eindruck, dass diese Sanktionen, die der Kongress jetzt verabschieden will in erster Linie eher gegen Trump gerichtet sind?

Willy Wimmer: Ja, sie sind gegen Trump gerichtet, aber sie haben eine ziemlich breit gefächerte Wirkung. Sie sind gegen Trump gerichtet, um ihn einzumauern, sie sind gegen die Europäer gerichtet, um sie wie eine Kolonie zu behandeln und sie sind gegen Russland gerichtet, um Ziele zu erreichen, die schon seit langem verfolgt werden.

WE: Könnte die Bundestagswahl im September die Situation in Europa ändern?

Willy Wimmer: Ich glaube, so viel Zeit haben wir gar nicht mehr und es hängt ja auch nicht alles von der Bundestagswahl ab. Wenn in den USA jetzt das, was der Kongress will, beschlossen wird, dann steht die Frage über Krieg und Frieden direkt vor der Tür und muss beantwortet werden.

WE: Gestern gab es ein Telefonat zwischen dem Normandie-Quartett. Aus der Presse wurde ersichtlich, dass es wieder ohne Ergebnis verlaufen ist. Die Ukraine spielt eine Schlüsselrolle bei dieser ganzen Geschichte mit den Sanktionen. Kann man das irgendwie lösen? Wohin führt uns die Ukraine-Krise?

Willy Wimmer: Wir müssen ein zentrales Interesse daran haben von den inner-ukrainischen Entwicklungen völlig unabhängig zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Wir haben den Eindruck, dass jedes gute Bemühen, das von Frankreich, Deutschland oder auch von der Russischen Föderation an den Tag gelegt wird, in der Ukraine, aus irgendwelchen Gründen, die wir nicht kennen, unterlaufen wird. Und in diese Abwärtsspirale dürfen wir uns nicht hinein ziehen lassen.

Ich kann nur hinzufügen, dass ich es sehr begrüße, wenn es der Russischen Föderation gelingt, die Eigenständigkeit der Stromversorgung auf der Halbinsel Krim herzustellen und für ein funktionsfähiges Stromnetz zu sorgen. Es geht nicht an, dass die gesamte Bevölkerung der Krim zur Geisel einer ukrainischen Embargo-Politik wird, was die Strom- und Wasserversorgung betrifft.

WE: Herr Wimmer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., am Telefon im Gespräch mit Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur World Economy

Dieser Beitrag erschien am 25.7.2017 bei World Economy.

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33 Kommentare zu: “Willy Wimmer: „Wir sind eigentlich nur einen Wimpernschlag von einem Krieg entfernt“

  1. Das größte Problem und gleichzeitig die grundlegende Chance, den niederträchtigen Kurs der verbrecherischen Machthaber zu verändern, sehe ich einzig und allein in unser aller Psyche.
    Das Problem liegt darin, dass die Wirklichkeit so schrecklich ist, das reale agieren dieser idiotischen Weltverbrecher in Sachen militärische Vormacht und industrieller Profit den meisten immer noch so unglaubwürdig erscheinen will, dass die Mehrheit das alles lieber weiter ignoriert, als sich dieser seelisch niederschmetternden Wirklichkeit zu stellen.
    Es gibt ja diesen Spruch: „Wer nicht an den Teufel glaubt, gibt ihm noch zusätzlich eine Chance“.
    Wie aber soll die Psyche allgemein so gestärkt werden, dass sie diese Wirklichkeit voll wahrzunehmen bereit ist und trotzdem noch guter Hoffnung bleibt bzw. wieder Hoffnung schöpfen könnte?
    Man braucht sich ja nur selbst daraufhin genau beobachten. Ich glaube, da gibt es niemanden, der nicht ständig irgend etwas gedanklich verdrängen muss, weil er sonst die innere Contenance verliert. Es geschehen ja Dinge in der Welt(Beispiel Satanismus, ritueller Kinsmissbrauch in den obersten Macht- und Politkreisen, unaufgeklärte Affäre Dutroux), Sach-Buch: „Transformation of America“), kaum jemand überhaupt aussprechen möchte, wenn er ihnen denn überhaupt Glauben schenkt und sie nicht lieber in das Reich der „Unmöglichkeit“ oder „Esoterik“ verdammt, weil es zu sehr quält, darüber nachzudenken. Mit 9/11 und der gewalttätigen Wettermanipulation(ein Symptom davon sind die Chemtrails) ist es genau das selbe. Im öffentlich sichtbaren politischen Geschehen ist es ebenso. Es herrscht in allen Wahrnehmungsbereichen heute die selbe Vertuschungs-und Bedrohungstechnik. Wer zu viel weiß und dies öffentlich macht und zusätzlich noch eine Person mit weitreichendem Einfluss ist, wird einfach kalt gemacht. So oder so. Ich glaube im Fall Dutroux z.B. waren es 17 Zeugen, die vor ihrer öffentlichen Aussage vor Gericht ums Leben kamen. Es stehen von da her alle Zeichen auf Untergang. Das Spaltbeil in Form von Verheimlichung und Lügen, false Flag-Operations usw., Beeinflussung durch Erpressung, Bedrohung oder Belohnung seitens der „Satanisten“(so nenne ich sie mal) tut unaufhörlich seine wirkungsvolle Arbeit in allen Bereichen.
    Dabei ist der Ausdruck „Esoterik“ für alles, was Leute nicht auf Anhieb verstehen, oder sich vorstellen können, heute genauso eine Abwehrwaffe gegen Erkenntnis der Wirklichkeit wie das Wort „Verschwörungstheorie“.
    Wer oder was soll uns also allen noch helfen? Mir fällt zur Zeit da nichts mehr ein.

    • Sie haben es noch immer nicht begriffen: Es geht nicht um Schuldzuschreibungen, sondern um die Erkenntnis, daß die charakterliche Verfaßtheit nahezu aller Menschen, die sich in starker Gehorsamsneigung und Unterwerfungsbereitschaft äußert, anderen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit verschafft, Macht über alle anderen auszuüben. Sie jedoch benötigen dringend immer irgend ein Feindbild, auf das Sie Ihren Haß projizieren können. Das vernebelt Ihnen die Sinne auf die tatsächlichen Gegebenheiten. Sie glauben an einen Teufel, der hinter allem stecken soll, nur damit Sie Ihren eigenen Anteil an der Misere nicht wahrnehmen müssen. Ihre durchaus seichte Darstellung der Zusammenhänge ist daher wenig überzeugend. Mit Ihren esoterischen und unbelegten Behauptungen (Chemtrails, Wettermanipulation, technisch erzeugte Polkappenabschmelzung) machen Sie sich zunehmend unglaubwürdig. Doch ich glaube, darum geht es Ihnen gar nicht. Sie ertragen keine Kritik. Das ist der Punkt. Sie fühlen sich sofort angepißt, wenn man Ihre Äußerungen hinterfragt. Doch statt in sich zu gehen und damit zu beginnen, sich selbst zu erkennen, erheben Sie sich über alle anderen, um ihre eigenen Defizite weiterhin nicht erkennen zu müssen. Es geht nicht darum, die Psyche zu „stärken“, wie immer das aussehen sollte, sondern um das einst Abgetrennte zu reintegrieren, indem man sich dem eigenen Schmerz stellt. Dem weichen Sie wie die meisten Menschen konsequent aus. Konfliktvermeidungstaktiken weisen jedoch einen großen Nachteil auf: Der innere Konfliktdruck nimmt unaufhaltsam zu, weil die Konflikte ja nicht wirklich vermieden, sondern lediglich ausgeblendet werden – wie beim Kleinkind, das sich die Augen zuhält und sagt: „Such mich!“

    • Übrigens, Ihre unbegründete Behauptung, die Welt würde immer kälter werden, wird ständig widerlegt:

      Im Mittelmeerraum kommt die nächste Hitzeglocke, in Süddeutschland wieder eine Hitzewelle. Auf der nördlichen Halbkugel haben sich die Sommertemperaturen seit 1980 drastisch verändert

      Aktuell sagt der Deutsche Wetterdienst für die nächsten Tage eine Hitzeglocke für den Mittelmeerraum voraus. Die Hitzewelle werde länger andauern. An den Küsten werde es mit bis zu 27 Grad zwar „kühl“ sein, im Landesinneren könne es aber 40-45 Grad heiß werden. Für trockene und schon jetzt unter Brandgefahr stehende Regionen wird es problematisch bleiben. In Süddeutschland werden nächste Woche Temperaturen bis 35 Grad erwartet. Während es in Deutschland im Juli wieder mehr Stark- und Dauerregen gegeben hat, war ansonsten deutlich weniger Niederschlag als normal gefallen, im Mittelmeerraum verschärfte sich die Dürresituation weiter, schreibt DWD. Dazu kommt, dass Deutschland wärmer wird. Seit 1980er Jahren werden Hitzewellen häufiger: „Zuletzt ist eine markante Hitzewelle im Sommer 2015 aufgetreten, dem drittwärmsten Sommer in Deutschland, als im fränkischen Kitzingen mit 40,3°C ein neuer Hitzerekord für Deutschland gemessen worden war.“

      Quelle und weiterlesen:

      https://www.heise.de/tp/features/Die-Sommer-werden-heisser-3786301.html

      Erkenntnisresistenz? Mit Sicherheit!

  2. Hallo Peter Pan,

    interessante Beiträge.
    Mit einigen Inhalten bin ich allerdings nicht einverstanden, insbesondere, was die „Schadenfreude“ anbelangt. Beruht nicht ein grosser Teil dessen, was uns als „Witz“ zum Lachen bringt, darauf? Ist nicht Lachen etwas besonders positives?

    Natürlich werden alle Menschen praktisch ab Geburt sozusagen „konditioniert“, mit grösserer Wahrscheinlichkeit zuerst durch die Eltern, später Schule, Umfeld usw. Das siehst Du völlig richtig.
    Meine Frage: Wie willst Du das denn ändern? Das ist doch gar nicht möglich. Beispielsweise hat die „sozialistische“ Erziehung auch nicht zweifelsfrei „bessere“ Menschen hervor gebracht. Gilt für andere Modelle auch.

    Noch ein Punkt: Ist Selbstlosigkeit bzw. Altruismus eine Haltung, die anerzogen ist bzw. wird, oder gehört die bis zu einem gewissen Umfang nicht zu unserer instinktgelenkten Grundausstattung – selbst tippe ich auf letzteres. Eigenutz bzw. Egoismus gehört doch ebenso zur Grundausstattung.Wenn den Menschen wirklich etwas Nutzen, genauer Vorteile, bringt, sind sie bereit, sich weitaus mehr einzubringen; nach der Masche funktionieren doch alle Ideologien und die meisten Religionen.
    Ein funktionierendes Staatswesen zeichnet sich dadurch aus, mittels Regelungen diese Urtriebe in einer Gemeinschaft für möglichst viele erträglich zu machen.

    • Deinem, wie ich anhand deines gesamten Kommentars vermuten darf, aufrichtigen Interesse an meinen Beiträgen gebührt Dank, denn aus meiner Sicht ist ein solches Interesse nicht selbstverständlich. Und natürlich hast du vollkommen Recht damit, daß zahlreiche der kursierenden Witze auf Kosten anderer gemacht werden. Die Einteilung von Lachen oder Gelächter in »positiv« oder »negativ« bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Meines Empfindens nach drückt aber nicht jedes Lachen Freude aus, wie das beim höhnischen oder spöttischen Lachen wohl jeder selbst schon empfunden haben mag, ob er jetzt der Ausgelachte oder Spötter war. Spotten hängt etymoligisch womöglich mit Spucken zusammen, mein „Kluge“ schweigt sich darüber jedoch aus (Herkunft unbekannt). Der Spötter spuckt aber tatsächlich verbal auf den Verhöhnten, er drückt damit seine geballte Verachtung aus mit dem Ziel, ihn seelisch zu vernichten. So mancher Verhöhnte konnte den Spott, den man über ihn ausschüttete, nicht länger ertragen und hat sich daraufhin selbst das Leben genommen.

      Ich weiß nur einen Weg, wie man den Teufelskreis der frühkindlichen Konditionierung durchbrechen kann: Unermüdliche Aufklärung. Wir leben heute in einer Zeit, die einerseits durch gewaltige Informationsflugen gekennzeichnet ist, die dazu beitragen, die Menschen noch weiter zu verwirren und auseinander zu dividieren. Andererseits bietet die Vernetzung eben auch die Chance der Weitergabe wertvoller Informationen. Ich selbst kann tatsächlich nur mich selbst ändern. Andere mögen zwar auf die eine oder andere Weise auf mich oder auf die zahlreichen Texte und Hinweise reagieren, aber ändern kann ich sie nicht, weshalb ich das auch gar nicht erst versuche. Ein Religiöser würde jetzt vielleicht sagen: Ich hoffe und bete. Ich bescheide mich darin, zu verbreiten, was ich für richtig halte. Mehr kann ich mit meinen bescheidenen Mitteln nicht tun.

      Daß die Einrichtung der sozialistischen Staaten in der damaligen UdSSR oder DDR irgend einen Schritt Richtung Nicht-Konditionierung der Kinder gegangen sein soll, wäre mir neu. Anspruch und Wirklichkeit bildeten hüben wie drüben stets schier unüberbrückbare Klüfte. Anders formuliert: Die Menschen wurden ja nicht plötzlich über Nacht zu Empathie und Menschlichkeit gebracht, zumal gerade in der DDR genau dieselben Nachkommen aus der Nazi-Zeit lebten wie hier im Westen. Die autoritäre Erziehung ist noch heute weltweit verbreitet, völlig unabhängig von der jeweiligen Kultur, Religion, Sprache oder Staatsform, wenngleich die Methoden, zumindest wenn man entsprechenden Pressemeldungen glauben darf, ein wenig sanfter geworden sein sollen. In Deutschland z.B. wurde erst im Jahre 2000 ein Gesetz eingeführt, das es Eltern verbietet, ihre Kinder zu züchtigen. Auch Ohrfeigen sind demnach strafbar. Gibt es irgendwo eine Statistik, die dokumentiert, ob die Zahl der prügelnden Eltern seither zurückgegangen ist? Ich kenne nur eine österreichische Studie aus dem Jahr 1975, die 1980 als Buch erschien: Günter Pernhaupt & Hans Czermak, Die gesunde Ohrfeige macht krank – Über die alltägliche Gewalt im Umgang mit Kindern. Schon damals war in Österreich die Züchtigung durch Erzieher und Pädagogen grundsätzlich untersagt, wohl aber nicht, was Eltern ihren Kindern antaten (ich weiß es nicht).

      Du fragst, ob Selbstlosigkeit bzw. Altruismus anerzogen sei oder vielmehr bis zu einem gewissen Umfang zu unserer instinktgelenkten Grundausstattung gehöre. Auch das weiß ich nicht. Ich weiß nur soviel, daß wir alle gut neun Monate älter sind, als auf unseren Papieren verzeichnet ist, und das wir bereits in dieser Zeit, die offiziell noch nicht zum Leben und Älterwerden gerechnet wird, Erfahrungen sammeln und bis nach der Geburt erst einmal ganz Gefühl und Empathie sind. Wir befinden uns vor der Geburt in einer mehr oder weniger vollkommenen Symbiose mit unserer Mutter, fühlen alles mit, was sie fühlt, und wir hören auch schon sehr früh und verstehen sogar auf einer uns Erwachsenen weitgehend unerklärlichen Gefühlsebene, worum es bei Gesprächen geht. Dazu gibt es zahlreiche Literatur, die sich genau mit diesen Dingen befaßt. Ich habe aber keine Titel zur Hand, da ich von dieser Literatur nur über die Literaturverzeichnisse in anderen Büchern weiß und mich bislang noch nicht mit allem, was allem zusammenhängt, befassen konnte.

      Den Begriffen Altruismus und Egoismus liegen meiner Auffassung nach komplexe Gedankengebäude zugrunde. Soweit ich aus einigen wenigen Texte herauslesen konnte, ist uns eher eine Neigung zur Kooperation angeboren als eine zum Konkurrenzverhalten und zum Egoismus. Die von dir angeführte „Masche“, nach der alle Ideologien funktionieren, stellt aus meiner Sicht das Resultat frühkindlicher Indoktrination dar. Gerald Hüther weiß hierzu ein hervorragendes Beispiel zu erzählen, wie kürzlich eine Userin hier geschrieben hatte:

      https://kenfm.de/petra-plininger/#comment-119209

      Egoismus gehört doch ebenso zur Grundausstattung.Wenn den Menschen wirklich etwas Nutzen, genauer Vorteile, bringt, sind sie bereit, sich weitaus mehr einzubringen; nach der Masche funktionieren doch alle Ideologien und die meisten Religionen.
      Ein funktionierendes Staatswesen zeichnet sich dadurch aus, mittels Regelungen diese Urtriebe in einer Gemeinschaft für möglichst viele erträglich zu machen.

    • Ergänzung: Höhnisches Lachen wie auch dargestellte Schadenfreude sind nichts weiter als herablassende Posen, um den jeweiligen Adressaten zu demütigen, und zwar aus einer tief empfundenen Angst heraus, einmal selbst in die Lage des Verhöhnten kommen zu können. Wie bei zahlreichen Fällen, wo Homosexuelle, um den Eindruck ihrer eigenen Homosexualität zu verwischen, andere Homosexuelle im vorauseilenden Gehorsam denunziert haben, wehrt der Schadenfreudige die eigenen Ängste dadurch ab, indem er sie bei anderen, denen er sich überlegen glaubt, bekämpft. Auch die allgemein übliche Ächtung von Gefühlen, insbesondere der als „weibisch“ kategorisierten, die man häufig bei sich im Männlichkeitswahn suhlender Waschlappen beobachten kann, gehört zu diesem Reaktionsmuster. So versichert man sich und seinesgleichen, von solchen schwächlichen Gefühlen frei zu sein.

    • Das Deutschland über eine Neidgesellschaft verfügt wird wohl nun auch bestritten werden müssen, denn die Schwester vom Neid, ist die Schadenfreude!

  3. Wie recht Willy Wimmer hat..Aus NDS

    Der Tod kommt aus Amerika. 100.000 Tonnen schwer. Eine Botschaft für die Welt.
    Die Rheinpfalz 24. juli 2017

    Stellen Sie sich vor, der russische Präsident Putin würde auf einem Flugzeugträger erscheinen, ihn in Dienst stellen und Ähnliches sagen wie US Präsident Trump: „Amerikanischer Stahl und amerikanische Hände haben eine 100.000 Tonnen schwere Botschaft an die Welt konstruiert: Amerikas Macht ist allen überlegen, und mit jedem Tag unter meiner Regierung werden wir größer und besser und stärker.“ Albrecht Müller.

    „Russischer Stahl und russische Hände …“. Da wäre was los in den deutschen Medien. So nicht im Falle der USA. Das sind die Guten. Ein bisschen versteckte Kritik an Trump, weil er sich mit dem neuen Flugzeugträger inszenierte. Das ist alles. Keine bundesweite Empörung, obwohl darin eine grundlegende Änderung unserer Sicherheitslage sichtbar wird.

  4. Nach den Worten einiger hiesiger Kommentatoren wie auch dem gängigen Paradigma zufolge, daß jeder seines Glückes Schmied sei, müßte man im Grunde alle Menschen, die sich in einer Zwangslage befinden, ob selbstverschuldet oder nicht, als schwächliche, lebensunwerte und daher zu verachtende Wesen kategorisieren, z.B. die Millionen von Menschen, die seit dem 2. Weltkrieg allein durch die Kriege der US-Administration getötet wurden, und all die in Elend und Not gebombten Menschen im Nahen Osten. Was da alles zerstört wurde, zeigt dieses Video auf eindrucksvolle Weise:

    https://www.youtube.com/watch?v=zfv3trbexYs

    Diese Verachtung entspricht in weiten Teilen der Haltung der Bundesbürger und womöglich überhaupt der meisten Menschen, die in den bestehenden Verhältnissen, egal wie korrupt, menschenfeidlich oder von struktureller Gewalt getragen, noch irgend einen Vorteil für sich auszumachen wissen: Sie fühlen sich all jenen, denen es auf irgend eine Weise schlechter geht als ihnen selbst, aber auch jenen, von denen sie das lediglich annehmen, überlegen – aber auch allen, denen es weit besser geht als ihnen, unterlegen, was sie aber kaum eingestehen würden.

    Die Frage, wie es eigentlich zu diesen Zuständen gekommen ist, wird, wenn sie überhaupt gestellt wird, meist mit gängigen Voruteilen beantwortet, weil diese erstens billig zu haben sind und weil zweitens kaum konkurrierende Erklärungsmodelle greifbar scheinen.

    Gestern hat hier ein Leser über einen Text von mir gestöhnt, er wäre ihm zu lang. Verstanden hat er ihn, seinen Fragen nach zu urteilen, kaum. Wahrscheinlich mein Fehler, ich müßte mich eigentlich jedem Leser individuell anpassen. Was aber würde dieser Leser oder viele andere, die kaum noch die Ausdauer für ein Buch aufbringen, mit so einem bedruckten Blätterpaket, das zwischen zwei Kartons eingezwängt ist, überhaupt anzufangen wissen? Würde er es tatsächlich in die Hand nehmen oder gar darin zu lesen beginnen? Bei vielen, mit denen ich in anderen Foren schon diskutiert habe, gelten Menschen, die Bücher lesen, als regelrechte Schwächlinge, als Bücherwürmer, die mal raus gehen sollten an die frische Luft. Als richtiger Mann liest man keine Bücher, man reißt auf oder macht Karriere oder spielt oder guckt zumindest Fußball, damit man einen anerkannten Grund für gelegentliche Brüllanfälle hat. Oder etwa nicht?

    Doch ich schweife ab, mein Bett ruft. Eigentlich möchte ich mich damit befassen, wie Menschen dazu gebracht werden, daß sie das wollen, was sie sollen, kurz: Wie werden Menschen zu gehorsamen Untertanen gemacht. Mit Sicherheit kommen sie nicht als Sklaven auf die Welt. Einige kluge Antworten gibt Prof. Mausfeld, der sich mit diesen Zusammenhängen intensiv befaßt. Mausfeld ist kein esoterischer Spinner, der uns rät, wir sollten vielleicht meditieren oder in uns gehen oder diese und jene Rituale nach seinen Anweisungen ausführen, um das Problem zu lösen. Nein, er – und viele andere – den meisten eher unbekannte – Sozial- und Menschenforscher suchen und finden konkrete Wirkzusammenhänge, die jeder ohne Abitur oder Studium nachvollziehen kann, wenn er sich denn darauf einzulassen wagt.

    Aus Sicht des Volkes, also gleichsam von ‚unten‘ betrachtet, ist ‚Demokratie‘ attraktiv, weil wir von Natur aus über eine Konzeption von ‚Zwang‘ und damit auch von ‚Freiheit‘ verfügen. Wir wollen uns autonom fühlen; wir wollen nicht dem Willen eines anderen unterworfen sein. Bereits 1549 hatte Etienne de la Boétie (1530-1563) dies zum Gegenstand seiner Streitschrift Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen gemacht. Boétie betonte, „dass wir nicht nur im Besitz unserer Freiheit, sondern auch mit dem Trieb, sie zu verteidigen, geboren werden“. Noam Chomsky ist, aus der Perspektive der modernen Kognitionsforschung, davon überzeugt, dass wir über einen „instinct for freedom“ verfügen, über ein angeborenes Bedürfnis nach Freiheit. Genau darin liegt
    für uns die Faszination der Idee von Demokratie.

    Was aber könnte Demokratie für die Mächtigen attraktiv machen, deren Macht sie ja gerade einschränkt und bedroht? Die Antwort ist ganz einfach: Nichts! Denn Demokratie bedeutet gerade, die Machtbedürfnisse der Mächtigen und Reichen einzuschränken, woran sie naturgemäß kein Interesse haben. Damit ergibt sich nun ein Spannungsverhältnis zwischen den Bedürfnissen der Herrschenden, ihren Status zu stabilisieren, und unserem Bedürfnis, uns gesellschaftlich autonom und hinsichtlich unserer gesellschaftlichen Situation als selbstbestimmt zu fühlen. Dieses fundamentale Spannungsverhältnis hat sich in der Geschichte häufig in Form von Revolutionen entladen. Wie läßt sich aus Sicht der Herrschenden dieses Spannungsverhältnis entschärfen, wenn man blutige Revolutionen vermeiden möchte?

    Die Lösung liegt darin, das Freiheitsbedürfnis der Bürger mit einem Surrogat zu ‚stillen‘, es mit einer Ersatzdroge zu befriedigen, nämlich der Illusion von Demokratie. Um eine solche Illusion von Demokratie zu schaffen, benötigt man vor allem – und genau hier kommt die Herden-Metapher wieder ins Spiel – eine Rechtfertigungsideologie, die begründet, warum das Volk unmündig sei und einer Führung bedürfe. Ferner muß die für das Volk so attraktive Idee von Demokratie so entleert werden, dass sie nur noch auf einen Wahlakt beschränkt ist. Und schließlich benötigt man ein kontinuierliches Demokratiemanagement, damit das Volk bei dem Wahlakt auch so will, wie es wollen soll.

    Der Vortrag wurde von KenFM dokumentiert und ist dort zu finden:
    https://kenfm.de/rainer-mausfeld-die-angst-der-machtelite/
    Das komplette Script des Vortrags kann man dort herunterladen:
    http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

    Zu dem, was Mausfeld in diesem Vortrag zu vermitteln versuchte, kommen noch etliche weitere Wirkfaktoren, die den Menschen systematisch verdummen. Einiges davon habe ich bereits in den letzten Tagen darzustellen versucht: Wir werden alle mehr oder weniger in unserer Entwicklung gehemmt, und zwar bereits sehr früh in unserem Leben. Das geschieht mittels Ablehnung unerwünschter Selbstanteile durch unsere Eltern, die zwar glauben, es gut zu meinen, weil sie uns ja auf diese böse Welt vorbereiten müssen, damit wir ihr in unserer Naivität nicht an ihr zerbrechen. In der Hauptsache aber bestehen die allermeisten Eltern darauf, daß sie so gesehen werden, wie sie sich selbst sehen, mit allen eingebildeten Vorzügen und selbstverständlich ohne alle verdrängten eigenen Defizite. Elter machen grundsätzlich keine Fehler, und wer das Gegenteil behauptet, den lassen sie ihren gerechten Zorn spüren. Niemand läßt sich von anderen in seine persönlichen Erziehungsmethoden reinreden, die sind und bleiben seit Jahrtausenden Privatsache.

    Diese bereits erwähnte Entwicklungsstörung hat viele Seiten. Eine davon, verkürzt dargestellt, besteht darin, daß man den Kindern, die gerade damit beginnen, die Welt spielend zu erkennen und zu begreifen, ihre eigene Wahrnehmung auszureden versucht, indem unerwünschte Wahrnehmungen nicht unterstützt, nicht geduldet oder gebilligt werden. Damit kann im sich gerade entwickelnden Bewußtsein kein Vertrauen in die eigene Wahrnehmung entstehen, denn als Kleinkind kann man es noch nicht einmal in Erwägung ziehen, zu widersprechen, denn man würde damit die notwendige Zuwendung aufs Spiel setzen. Der daraus resultierende Gehorsam ist die Basis aller gesellschaftspolitischen Machtstrukturen. Ich lasse hier Arno Gruen zu Wort kommen, der in seinem Buch Wider den Gehorsam schreibt:

    Wir sind immer schon gehorsam – aber das wird uns nicht bewusst

    Gehorsam ist die Unterwerfung unter den Willen eines anderen. Dieser Andere übt Macht über den Unterworfenen aus. Bereits in frühester Kindheit beginnt diese Unterwerfung, lange bevor Sprache und Denken sich ordnen, so dass der Gehorsame später seine Unterwerfung während der Kindheit gar nicht wahrnimmt und sie erduldet, ohne sich dessen bewusst zu sein.

    Aus diesem Grund entwickeln sich etliche Kulturen wie die unsrige: Fest verankerte Konventionen verführen zu reflexartigem Gehorsam, veranlassen uns, Obrigkeiten nicht in Frage zu stellen, verleiten uns zur Hingabe an vorgegebene Programmierungen, zu Gruppendenken und machen uns schließlich unfähig, selbst zu denken und selbstbestimmt zu handeln.

    Kiyoshi Kurokawa, der Vorsitzende der Untersuchungskommission des Japanischen Unterhauses und Wissenschaftsberater der japanischen Regierung, stellte bei seiner Untersuchung der Atomkatastrophe von Fukushima (11. März 2011) fest, dass der Unfall sich ereignet habe, weil die Einstellungen der japanischen Aufsichtsbehörden mit denen des Kraftwerksbetreibers Tepco übereinstimmten: »Der kritiklose Gehorsam gegenüber Autoritäten und Obrigkeiten sei zutiefst in der japanischen Kultur verwurzelt.« (Koelling 2012)

    Das Milgram-Experiment und der globale Gehorsam

    Obwohl wir diese Form von Gehorsam sofort in der japanischen Gesellschaft und Kultur erkennen, sehen wir dennoch nicht, wie sehr sich andere Formen von Gehorsam in unserer westlich geprägten Kultur manifestiert haben. Aus den Experimenten und Arbeiten von Stanley Milgram (1963, 1975) geht in erschreckender Weise hervor, dass blinder Gehorsam in unserer Kultur eine viel größere Rolle spielt, als wir es wahrhaben möchten. Milgram führte seine Untersuchungen in Conneticut durch, einem der Bundesstaaten der USA, der 1776 als eine der ersten Kolonien gegen England revoltierte und schon immer als sehr demokratisch galt.

    Milgram wollte Erklärungen dafür finden, wie es zu Auswüchsen an Kadavergehorsam während des Dritten Reichs kommen konnte. Die Vorarbeiten von Theodor W. Adorno et al. (The Authoritarian Personality, 1950) und Erich Fromm (Die Furcht vor der Freiheit, 1941) hatten ihn zu seinen Experimenten inspiriert. Zu seiner eigenen Überraschung zeigten sich auch seine Versuchspersonen – amerikanische Mittelklassebürger – zu grausamen Taten bereit, wenn eine Respektsperson von ihnen Gehorsam einforderte. 65 Prozent von Milgrams Versuchsteilnehmern folgten ohne große Einwände und ohne Widerrede den Anweisungen eines Versuchsleiters, der als wissenschaftliche Autorität ausgewiesen wurde. In einem vermeintlichen Forschungsprojekt ließen sie zu angeblich pädagogischen Zwecken einen Menschen mit elektrischen Stromstößen bestrafen, der daraufhin unter Schmerzen zusammenbrach, wenn er den Anweisungen nicht folgte oder ihm Fehler unterliefen. Zwar stellte ein Schauspieler das »Opfer« dar; aber selbst die Schreie und Ohnmachtsanfälle des Gepeinigten brachten die meisten Versuchspersonen nicht davon ab, den Anordnungen des Leiters Folge zu leisten. Nur einer von drei Probanden weigerte sich, die Quälerei fortzusetzen. Milgrams Experiment wurde in vielen Ländern, auch in Deutschland, wiederholt – stets mit denselben Resultaten.

    Uns selbst halten wir keineswegs für gehorsam.

    Wir glauben, wir könnten durch rationales Denken dem kritiklosen Gehorsam entgegenwirken. Dabei merken wir nicht, dass es eigentlich nicht um das Denken oder Überlegen geht. Vielmehr dreht es sich um eine Knechtschaft, der wir uns unterwerfen mussten, die tief in unsere früheste Kindheit zurückreicht und die durch die überwältigende Macht unserer Mütter oder Väter hervorgerufen wurde. Die Macht der Eltern über uns erkennen wir nicht, denn in unserer Kultur gelten Mutter und Vater als allwissend, als wohlwollend, weil sie nur das Beste für uns wünschen.

    Ich möchte hier nicht das komplette Buch zitieren und empfehle es daher als dringende und wichtige Lektüre, weil es uns etwas über uns selbst zu offenbaren hat, das wir eigentlich gar nicht wissen wollen. Doch eine Sache möchte ich noch erwähnen:

    In der Schule werden uns allen, zumindest was Geschichte, insbesondere unsere eigene, betrifft, vollkommen in die Irre geführt. Uns wird ein Staatsmodell erklärt, das so nicht existiert. Wir werden mit dem von Mausfeld erwähnten Surrogat bereits in der zweiten oder dritten Klasse gefüttert, um später nicht so leicht bemerken zu können, daß vieles ganz ganz anders ist. Denn um das zu bemerken, muß man schon extra hinschauen. Es genügte noch nie, nur die TV-Nachrichten und die Zeitung zu lesen, denn dort wird gewöhnlich auf der Schein-Grundlage des Schulwissens berichtet. Auch bezüglich unserer unrühmlichen Nazi-Vergangen werden wir nach Strich und Faden belogen und verarscht. Wir erhalten z.B. eine äußerst fragwürdige Faschismusdefinition, die vor allem einem ausweicht: Was Faschismus wirklich ist. Daher wissen die meisten, wenn man sie fragt, nicht viel mehr darauf zu antworten als mit den wohlfeilen Allerweltsbegriffen Judenvergasung, Welteroberung und Kriegstreiberei. So können sie auch nicht erkennen, daß wir bereits heute wieder schnurstracks auf faschistoide Zustände zusteuern. Wir haben doch Demokratie, das kann doch kein Faschismus sein. Nicht, daß ich auch nur das Geringste für gewaltbereite Neonazis übrig habe, aber dieses ganze Brimborium von den Neonazis, die im Grunde nur prügelnde Jugendliche aus vollkommen zerrütteten Familien sind und sich deswegen diesen niedere Instinkte favorisierenden Gruppen anschließen oder sie bilden ist nicht viel mehr als ein Ablenkungsmanöver von den wahren Faschisten in der Regierung und in den globalen Konzernen und Banken. Joel Bakan hat in seinem Buch über die selbstzerstörerische Kraft der Unternehmen geschrieben, daß sich diese Konzerne wie Psychopathen verhalten. Tatsächlich aber sitzen diese Psychopathen aber in Fleisch und Blut in den Managersesseln. Ein interessanter Vortrag mit anschließender Diskussion über die Schein-Faschisten, die sich lediglich der verbotenen Symbole bedienen, aber nichts im Kopf haben und als Ablenkung installiert werden, obwohl sie niemals in der Lage wären, auch nur für einen Tag die Macht im Lande zu übernehmen … dieser Vortrag ist dort zu finden … echt hörenswert und informativ:

    https://www.youtube.com/watch?v=s0QqU4nU2-E

    Der Sinn und Zweck meiner aufdringlichen Art und Weise, hier in rascher Folge umfangreiche Texte zu veröffentlichen, besteht vor allem darin, euch tief betroffen zu machen, so daß ihr in die Lage versetzt werdet, über das empathische Erspühren der Schmerzentstehung in vielfältigen Lebenssituationen euren eigenen verdrängten Schmerz wiederzufinden, den eure verhaßten Selbstanteile aus den Untiefen eures Unbewußten nach oben in das Licht eures Bewußtseins zu brüllen versuchen. Nachdem ihr sie in euer Bewußtsein reintegriert habt, müßt ihr nicht mehr euren Selbsthaß auf andere projizieren und auch nicht mehr eure vergrabenen und gefürchteten Selbstanteile in anderen bekämpfen. Ich mache das schon eine ganze Weile, und ihr dürft mir glauben, ich fühle mich euch allen kein bißchen überlegen, denn ich kämpfe noch immer jeden Tag um meine Vollständigkeit und bin daher auch nicht besser oder schlechter als jeder andere.

  5. Bezug nehmend der Kommentierenden mit der Äußerung „die Mehrheit der Wähler agiert wie ein Urnenpöbel“: Ist Ihnen vielleicht schon einmal in den Sinn gekommen, dass auch in Deutschland Wahlen manipuliert werden und das nicht erst nach der Erfindung des Computers? Wie war das nochmal bei den Landtagswahlen in NRW im Mai 2017? Wie äußerte sich auch Kurt Tucholsky „Wenn Wahlen etwas änderten, wären sie längst verboten“? Sie glauben doch nicht das die Eliten das Volk abstimmen lassen und sich auch noch daran halten? Sie sehen doch was aktuell überall auf dieser Welt passiert und wie Politiker ausgetauscht werden durch das Imperium wenn diese nicht nach ihrer Musik tanzen. Unsere sogenannte Demokratie ist ein rein fiktives Gebilde deren angebliche Existenz uns seit Schultagen indoktriniert wurde, nichts von dem ist im entferntesten real und die sogenannten Wahlen sind nur ein funktionsloser Knopf in einem Pappkarton der nichts bewirk wenn man ihn drückt. Denken Sie mal über diese Möglichkeit nach…

    • Vollkommen korrekt. Doch will das wirklich irgend jemand wissen? Es ist schon seltsam, wenn man sieht und liest, wie Menschen sich auf System berufen, das so, wie sie sich das vorstellen, niemals existiert hat, und dennoch darauf beharren, das eigentliche System mit den Mitteln des illusionierten ändern zu wollen. Vollständig verborgen bleibt ihnen zudem die Tatsache, daß sie selbst täglich dieses angeblich verhaßte System füttern und am Laufen halten, indem sie weiterhin gehorsam sind. Offenbar stellt ihre Pseudo-Kritik lediglich ein Ventil für ihren aufgestauten Ärger dar. Nach dem Dampfablassen ist dann wieder alles für eine Weile in Ordnung.

  6. EU und NATO üben für diverse Szenarien, teilweise Schattenboxen, teilweise reale Möglichkeiten:

    Der Westen probt den hybriden Aufstand
    27. Juli 2017 Matthias Monroy

    In drei aufeinander abgestimmten Übungen trainieren die EU und die NATO ihre gemeinsame Krisenreaktion. Die simulierte Gefahr droht durch Russland, Hacker, das Kalifat, Migranten und Globalisierungskritiker
    https://www.heise.de/tp/features/Der-Westen-probt-den-hybriden-Aufstand-3784080.html

    Und gerade wurde wieder einmal eine obligatorische Drohung in Richtung China versandt:

    US-Kriegsmarine erklärt sich zum Atomschlag gegen China auf ersten Befehl bereit

    Der Befehlshaber der US-Pazifikflotte, Scott H. Swift, hat erklärt, dass seine Schiffe bereit sind, einen Atomangriff gegen die Volksrepublik China auszuüben, sobald eine entsprechende Anordnung vom US-Präsidenten Donald Trump erlassen wird. Darüber informierte die Nachrichtenagentur Associated Press am Donnerstag.
    https://deutsch.rt.com/newsticker/54750-us-kriegsmarine-erklart-sich-zum/

  7. Die Sanktionen sind ein Schuss ins eigene Knie. Durchgeknallt. Es regt sich international Widerstand, der dazu führt den Dollar zu verlassen, und sich damit von US Gesetzgebung zu befreien. Wer in Landeswährung statt Dollar handelt, muss sich diesen Sanktionen nicht beugen.

  8. Wirtschaftskriege hin oder her. Letztendlich sind die Globalisten sowie Oligarchen doch alle unter sich.
    Wenn Großkonzerne trotz Sanktionen immer noch mit dem sog. „Feind“ Geschäfte machen (Bsp. Siemens, Mercedez)
    oder, wenn der IWF sagt er verlagere seinen Hauptsitz in 10 Jahren nach Peking, dann passt doch da die Narrative von bösem China Vorne und Hinten nicht.
    Während militärisch die Völker aufeinander gehetzt werden und den Nationalismus in den Köpfen der Nichtsahnenden hineingehämmert, können Globalisten sich ungeniert ohne Grenzen bewegen.
    Wenn mal in den USA oder Europa mal unruhig wird, dann kann ja immer noch schön in Russland oder China leben, Hauptsache man hat die passende Zahl an Fiatmoney auf dem Kontostand.
    Das ist ja die Ironie, die Globalisten haben dieses nationale Denken an Grenzziehungen schon längst abgelegt, während der Rest dem noch hinterjagt wie ein Tollwütiger auf Crack.

    • Ja. Das Großkapital ist sich in seinem Vorgehen ziemlich einig, jedoch bedeutet dies nicht, daß der Eine dieser Klasse, dem Anderen dieser Klasse, bei Gelegenheit, nicht alles wegnehmen würde.
      Es ist klar daß Russland und China gleichfalls kapitalistische Nationen sind, mit ebenfalls dem dem System innewohnenden Potential zur Profitmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste und damit zur Selbstvernichtung.
      Finanzinstitutionen wie zum Bsp. der IWF sind dabei wie die Remoras, welche sich an die Haie heften.

      Herr Ploppa befand bereits vor einiger Zeit, daß der euphemistisch genannte Neoliberalismus nicht geografisch fix ist, ebensowenig sein Gravitationszentrum.

      Auf jeden Fall bin ich bereits sehr gespannt wie diese Meldung von RTdeutsch zu deuten sein wird:

      Ein Jahr vor der Präsidentenwahl: Putin wird letzte Amtszeit für umfassende Reformagenda nutzen

      Im März 2018 wählt Russland wieder seinen Präsidenten. Alles deutet darauf hin, dass Wladimir Putin noch einmal antreten und deutlich gewinnen wird. Der Kreml will jedoch vor allem eine hohe Wahlbeteiligung, um Rückhalt für eine Reformoffensive zu erlangen.
      (…)
      „Ab 2018 wird es schmerzhafte Wirtschaftsreformen geben, die einen großen Teil der Bevölkerung betreffen werden. Um diese durchzusetzen, darf niemand die Legitimität des Präsidenten infrage stellen. Die Zahlen müssen für sich sprechen.“
      https://deutsch.rt.com/russland/48150-jahr-vor-prasidentenwahl-putin-wird/

  9. ttps://www.youtube.com/watch?v=-njHGSy_Bp0
    „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

    Hätte ich auch nicht gedacht, daß ich Ihnen Volland/Eyquem noch mal zustimme:
    „Putin ist nicht dumm genug.“
    Yeah!

  10. Erfreulich, dass Herr Wimmer völlig unmissverständlich ausspricht, dass sich diese neuen Sanktionen nicht so sehr gegen Russland, als vielmehr gegen die europäische Wirtschaft und in der US Innenpolitik gegen Trump richten.

    Eigentlich ein lächerlicher banaler Versuch Politik zu machen, auf üblichem, primitiv-brutalen amerikanischem Niveau halt.
    Leider sind allerdings auch diesseits des Atlantik „normale“ Menschen in der Politik nicht mehr vorzufinden.
    Diese würden noch heute eine sofortige, vollständige Aufhebung aller Sanktionen einleiten und die Russen massiv in eine eurasische Wirtschaftspolitik einbinden und diese in eine zum Frieden geradezu zwingende Situation bringen. Im Gegensatz zu den Amerikanern ist Putin nicht dumm genug einen Krieg als profitabel zu sehen und möchte sein Geld lieber auf anderen Gebieten anlegen.

    Leider hat man die dazu nötigen Politiker nicht im Angebot, denn bei dem an den Urnen des realen Deutschlands nun mal entscheidenden Urnenpöbel, wäre deren Chance gewählt zu werden ungefähr so gross wie Wahl einer Kanzlerin Wagenknecht mit Vize Trittin.

    Im Gegensatz zu Euch habe ich das Vergnügen dies von weit, weit weg mit einer grossen Portion Schadenfreude beobachten zu können.

    • Schadenfreude ist grundsätzlich immer ein Ausdruck aktuell fehlender Emapthie. Der Schadenfreudige möchte in den Adressaten (seiner dargestellten Freude über ihr Unglück) Schuldgefühle hervorrufen. Deinen Zeilen ist eine tiefe Verachtung für alle Menschen in Europa zu entnehmen, zudem eine tief empfundene Freude darüber, daß du nicht betroffen sein mußt, da du ja weit weit weg in einem glücklichen Land lebst. Dazu bedienst du dich weiterer herabsetzender Etiketten wie Urnenpöbel. Was wirklich in den betroffenen Menschen abläuft, bleibt dir fremd.

      Schadenfreude ist aber immer auch eine Abwehrreaktion: Mit euch dummen Menschen möchte ich nichts zu tun haben, habe ich nichts gemein. Doch gerade durch die von dir „freiwillig“ gewählte Ausdrucksform gestehst du unbewußt ein, daß es da in dir selbst etwas gibt, was dich mit diesen „dummen“ Menschen verbindet. Denn ohne dieses abgewehrte Etwas, das du in anderen glaubst bekämpfen zu müssen, hättest du diese spezielle Abwehrreaktion gar nicht erst nötig. Worin unterscheidet sich dein Vergnügen an dem Unglück anderer von dem Vergnügen, das z.B. neoliberale Geldmächtige empfinden, wenn sie sagen, daß der Pöbel selbst an seiner Situation schuld sei, weil ja angeblich jeder seines eigenen Glückes Schmied ist? Die meisten Superreichen wurden in ihren Reichtum hineingeboren oder sind durch Beziehungen reich geworden, gebährden sich in der Öffentlichkeit aber immer so, als hätten sie ihren unermeßlichen Reichtum durch eigener Hände Arbeit ehrlich erworben.

      Nicht zuletzt dient Schadenfreude, insbesondere der dargestellten (im Gegensatz zur heimlichen) immer auch der Selbsterhöhung durch Erniedrigung anderer.

    • Peter Pan,

      Wir sind alle nur Menschen und reagieren dementsprechend!
      Wenn man einmal aus dem Dunstkreis getreten ist, sieht man viel klarer was geschieht, oder geschehen müsste.
      Stellt man dann fest ,dass sich Fehler wiederholen und das schon über Jahre, wird einem bewusst wie dumm und unreflektiert Menschen reagieren können.
      Nun, reagieren Bürger die hier leben nicht ebenfalls, wie Sie wohl meinen egoistisch, wenn sie sich sagen, mir geht es gut, was interessieren mich Andere?
      Denen wird man keinen Vorwurf machen, warum, weil sie sich nicht so ehrlich artikulieren! Dass aber Denkende mit in den Schlamassel gezogen werden weil sie sich nicht von Deutschland absetzen können, scheint wohl egal zu sein.
      Schadenfreude ist nun einmal auch eine Freude, die man anders ausdrücken könnte, wie in etwa: Ihr habt es nicht anders verdient, denn die Mehrheit der Wähler agiert wie ein Urnenpöbel, die Selbstdenker haben noch zu geringen Einfluss.
      Doch so lange man Wahrheiten ausblendet, ändert sich nie etwas!

    • Glaubst du, Annette, tatsächlich, daß ein empathiefähiger Mensch zur Freude über das Unglück anderer Menschen fähig wäre?

      Glaubst du wirklich, daß die Menschen hier allein von einem „mir geht es gut, was interessieren mich Andere“ davon abgehalten werden, sich in welcher Form auch immer für eine bessere Gesellschaft einzusetzen? Angenommen, du antwortest: Ja, das glaube ich, dann würde ich dich fragen, wieso sie sich nur um ihre eigenen Dinge scheren und wieso ihnen alle anderen egal sind. Darauf würdest du dann sagen, weil sie eben Egoisten sind. Und ich würde wieder fragen, ob sie denn als Egoisten auf die Welt gekommen seien.

      Oder ich würde auf einen anderen Teil deines Textes eingehen und bestreiten, daß „man“ ihnen keinen Vorwurf wegen ihres Egoismus machen würde. Kann man einem echten Egomanen überhaupt seinen Egoismus vorwerfen? Macht das Sinn, ist er für einen solchen Vorwurf überhaupt empfänglich? Doch die eigentliche Frage lautet noch immer: Wie wurde er überhaupt erst zu einem Menschen, der das Wohl alle anderen auszublenden gelernt hat? Glaubst du gar, die Charakterstruktur eines Menschen sein angeboren und daher unveränderlich? Wäre das nicht fatal, denn dann bestünde kein Grund mehr zur Hoffnung auf Besserung.

      Da kann ich mir wohl weitere Hinweise auf die Zusammenhänge, wie ich sie sehe und in den letzten Tagen bemüht war darzulegen, schenken, nicht wahr? Du würdest es ja doch nicht lesen, stimmt’s? Du weißt nämlich schon alles, da kann ich mich eigentlich nur noch unbeliebt machen … mach ich ja auch ständig, nicht wahr?

    • @Peter Pan,

      “ Du weißt nämlich schon alles, da kann ich mich eigentlich nur noch unbeliebt machen … mach ich ja auch ständig, nicht wahr?“

      In einem bin ich mir sicher, ich weiß das ich nicht viel weiß, das wurde mir immer bewusster je mehr ich mich informierte!!
      Mehr bleibt nicht zu sagen, denn Sie lesen nicht unvoreingenommen…2. lebe ich nicht nach dem Motto:Vornehm geht die Welt zugrunde. 3. Sympathie-Punkte sammelte ich nie.!

    • Oder vielleicht auch:

      Wir sind alle nur Menschen und reagieren dementsprechend!

      Wenn sie denn wenigstens alle vollständig Mensch wären! Ist man ein vollwertiger Mensch, wenn man wesentliche Teile seines Selbst ein Leben lang zu unterdrücken gezwungen ist? Du verteidigst die Schadenfreude von Michel mit dem Hinweis, daß das mehr oder weniger alle so machen würden, sie reagieren einfach mit erlernten Mustern auf diese oder jene Situation. Ist aber nicht der Lustgewinn, den Michel offensichtlich aus der Not anderer gewinnt, schon ein Zeichen von Umenschlichkeit? Wieso hat er das nötig, wenn er doch angeblich ein freier, vollkommener Mensch wäre? Und wieso muß er das dann, wenn er schon Schadenfreude empfindet, auch noch auf eine äußerst überhebliche Weise öffentlich kundtun?

      Schadenfreude ist nun einmal auch eine Freude, die man anders ausdrücken könnte, wie in etwa: Ihr habt es nicht anders verdient, denn die Mehrheit der Wähler agiert wie ein Urnenpöbel, die Selbstdenker haben noch zu geringen Einfluss.

      Nein, Schadenfreude ist keine echte Freude, sondern vielmehr ein höhnisches Gelächter über die, denen man sich weit überlegen glaubt. Die anderen, dieser Urnenpöbel, dieses verachtenswerte Dreckspack, oder auch diese dreckigen Sozialschmarotzer, oder auch diese dummgeilen Türken oder Italiener, die uns unsere Frauen ausspannen wollen, oder auch diese gewaltbereiten Syrier, die sich hier nur den Wanst vollhauen wollen, oder die nur rauchenden und saufenden Sozialhilfeempfänger, die sich wie die Kaninchen vermehren (Sarazzin) usw. etc. pp.

      Aber eigentlich habe ich oben in meiner Erwiderung an Michel bereits alles gesagt, was es dazu zu sagen gäbe. Doch ich will nich eines hinzufügen:

      Menschen sind erst einmal, wie sie sind, wahrzunehmen. Damit meine ich nicht irgendwelche Etikettierungen, sondern vielmehr den Ausdruck ihres aktuellen Selbst in ihren Handlungen, in ihrem Sprechen und Schreiben. Das nehme ich wahr, und das analysiere ich und stelle meinen ganz subjektiven Eindruck zur Diskussion. Dabei stellt es sich fast immer heraus, daß ich die Menschen nicht so wahrnehme, wie sie gerne gesehen werden wollen. Denn die Posen des anderen nicht anzuzweifeln gebietet der gesellschaftlich verordnete Anstand, die Sitte und die Höflichkeit. Waldbaer hatte mir einmal verraten, er hielte die Menschen in meiner Ecke für ehrlicher als die in seiner Ecke. Schmeichelhaft, nicht? Nachdem ich ihm aber eine Kostprobe meiner persönlichen Ehrlichkeit gegeben habe, war er nicht wirklich erfreut darüber. Das war natürlich auch nicht Sinn und Zweck, denn wenn Aufrichtigkeit sich danach richten sollte, ob sie auch angenehm rüberkommt, kann man sie auch gleich in die Tonne treten.

      Michel möchte gerne als überlegen angesehen werden, deshalb erhebt er sich in seinem unbewußten Hochmut über alle anderen und freut sich darüber, wenn’s denen dreckig geht. Kannst du aus seiner dargestellten Schadenfreude etwas anderes herauslesen? Oder ist es nicht eher so, daß du die Schadenfreude verteidigst, weil du ihr ebenfalls hin und wieder verfällst?

    • Peter Pan

      Ich denke wir gehen eine große Gefahr ein, die , dass wir uns missverstehen, welche immer gegeben ist, wenn man sich schriftlich Argumente um die Ohren haut, die auch noch falsch interpretiert werden können.Würde man sich gegenüber sitzen, wäre diese Gefahr nicht gegeben.

    • Alles klar, Frau Annette, Sie sind ganz anders, als man sie wahrnimmt. Sie schreiben Gewaltausdrücke, die gar nicht so gemeint sind. Und sie weichen meiner Kritik gnadenlos aus. Schön, daß es Sie gibt, Frau Annette, wir brauchen noch mehr solcher Menschen mit Ihrem großartigen Verständnis und ihren umfangreichen Kenntnissen über die herrschenden Zusammenhänge und Zustände. Weiter so, bravo, Sie Sind eine echte Heldin, sie verteidigen sogar die ansonsten vollkommen unbeliebte Schadenfreude. Mir fehlen die Worte ob dieser hemmungslosen Selbstgefälligkeit.

    • @Peter Pan:
      Ich fand Ihre(n) Kommentar(e) sehr gut. Man kann angesichts der Situation, in der wir uns befinden, ab und an verzweifeln – und auch an der Trägheit der Masse. Sie zu beschimpfen oder sich an deren Elend zu ergötzen, ist aber menschlich schwach und dem Fortschritt in der Welt, dem man sich ja angeblich so verpflichtet fühlt, natürlich ebenso wenig zuträglich.

    • Benjamin, ich danke Ihnen für die ausgesprochene Anerkennung, auch wenn ich gewiß nicht deshalb schreibe und kommentiere. Die von Ihnen angeführte Trägheit der Massen wird durch die meinst uneingestandene Angst der Individuen zementiert und somit aufrechterhalten. Diese Angst kennen wir alle mehr oder weniger, auch wenn wir sie uns nur selten, wenn überhaupt einmal eingestehen. Sie wirkt dennoch, denn sie droht dem Individuum, das sich bislang fest in der Gesellschaft veranktert glaubte, mit Isolation, Ablehnung und Verlust des Einkommens. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen sich nicht trauen, an einer Demonstration für oder gegen was auch immer teilzunehmen, weil sie befürchten, der Arbeitgeber könnte das irgendwie herausbekommen. Oder sie gehen nicht hin, weil sie Angst haben, dabei in Prügeleien hineingezogen zu werden. Noch größer allerdings ist die Angst vor den eigenen vergrabenen Regungen, wie ich in meinen langen, meist Abwehrreaktionen provozierenden ellenlangen „Tiraden“ versucht habe darzulegen.

      Die sogenannte Schadenfreude – es handelt sich dabei nicht wirklich um echtes Erfreutseit – ist Ausdruck einer maskierten Abwehrreaktion gegen das Leid und die Not anderer. Menschen, die das Leid ihrer Mitmenschen empathisch wahrnehmen, empfinden keine Schadenfreude. Spätestens an dieser Stelle verweigern die meisten Menschen weitere Aufmerksamkeit und winken ab: »Psychokram, damit will ich nichts zu tun haben, wer über Psychokram schwafelt, der muß ein Spasti sein, ein irrer Freak. Psychologen haben doch selber alle einen an der Klatsche.« Manche sagen das dann auch so, andere versuchen, ihre Verurteilung mit Blumen zu garnieren, um nicht gegen gesellschaftlich etablierte Formen, Sitten und Anstand zu verstoßen. Letztlich zählt aber der Inhalt und nicht die Form.

      Ich würde hier nicht von einer menschlichen Schwäche reden wollen, denn der Begriff »Schwäche« wurde schon lange vergiftet. Schwäche ist dem Durchschnittsmenschen nahezu alles, was ihn an seine abgespaltenen Selbstanteile erinnert: Gefühle nicht nur verbal (d.h. symbolisch) zu äußern, sondern sie zu zeigen. Doch meist erschöpfen sie sich in erlernten Darstellungen, den sogenannten Posen, und glauben dabei fest daran, daß ihre gedachten Gefühle echte Gefühle seien. Gedacht werden Gefühle je nach Anlaß, weil die Gesellschaft, um die innere Spaltung ihrer Mitglieder zu verbergen, stets die als Tugenden bekannten Haltungen hochhält, in Wirklichkeit aber die Untugenden belohnt. Kann man als empathischer Mensch Milliardär werden? Könnte es ein aufrichtiger Mensch in den Bundestag schaffen oder sogar ins Kabinett? Kann man sich als Manager eines globalen Konzerns Gefühle überhaupt leisten?

      Durch meine intensive Befassung mit Geschichte, wie sie nicht in den Schulbüchern zu finden ist, bin ich mir darüber klargeworden, daß all die verschiedenen Bewegungen, Änderungsvorschläge, Verhaltensempfehlungen, Aufforderungen zum Arschhochkriegen und Eierwachsenlassen, Demonstrationen, Wahlen und sonstigen scheinbaren Mitbestimmungsspielen absolut nichts bringen – außer Frust und Ablenkung vom Wesentlichen. Das Wesentliche besteht eben nicht darin, wer da und dort in der Regierung sitzt, sondern das Wesentliche sind wir selbst, alle, jeder einzelne. Das Wesentliche an jedem einzelnen Individuum ist der Grad seiner Abspaltungen und somit der Grad der Autonomie seines Selbst. Das Wesentliche ist der Grad unserer Selbstbelügerei, der Grad unserer Aufrichtigkeit und Charakterstärke. Autoritäre Charaktere sind schwache Charaktere, deshalb müssen die autoritären Menschen zum Ausgleich ständig Gewaltbereitschaft demonstrieren, damit sich möglichst keiner an sie herantraut und erkennt, wie schwach sie eigentlich sind, vor allem aber, um in ihren eigenen Augen als stark und unerschütterlich erscheinen zu können. Die angeblich schwachen Charaktere, die sich wenig bis gar nicht verstellen, auch wenn sie das einmal gelernt haben, das sind die starken Charaktere. Von denen gibt es aber nur sehr wenige, denn die meisten überleben bzw. überstehen ihre Aufrichtigkeit nicht. Hierzulande wird man „nur“ ausgegrenzt, doch in vielen anderen Teilen der Erde wird man dafür getötet.

      Gehorsam wird nicht als das wahrgenommen, was er ist. Ein Großteil der Menschen fühlt sich gerade dann besonders bedroht, wenn sie mit der Wahrheit über ihren Gehorsam konfrontiert werden. Diese Bedrohung erinnert an die eigentlichen Umstände unserer frühkindlichen Entwicklung, die aufs Engste mit dem Gehorsam verbunden sind. Diese Umstände müssen daher unterdrückt werden, weil sie sonst Angst und Terror auslösen würden. Es ist schon merkwürdig, dass ein Mensch, wenn er bedroht und terrorisiert wird, dazu neigen kann, sich mit demjenigen zu identifizieren, der ihn terrorisiert. Mehr noch, der Bedrohte verschmilzt sogar mit dem Bedroher und gibt seine Identität zugunsten der ihn terrorisierenden Instanz auf. So erhofft der terrorisierte Mensch – was nie gelingen kann –, sich retten zu können. Treue in Beziehungen, in denen einer den anderen dominiert, wird ebenfalls nicht als Gehorsam wahrgenommen. Ich durfte in meinem Leben mehrfach erleben, wie Frauen, die von ihren Männern geschlagen wurden, immer wieder zu diesen zurückkehrten. Aber auch Beziehungen, in denen einer den anderen „nur“ psychisch terrorisiert, und sei es nur in Form von Gefühlskälte, scheinen eben wegen dieser gegenseitigen Abhängigkeit lange anzudauern. Doch es ist noch schlimmer: Die meisten Menschen, die es geschafft haben, sich von einem sie terrorisierenden Lebensabschnittspartner zu trennen, suchen sich schnurstracks wieder einen, der sie dominiert und qält: Aber ich liebe ihn doch!

  11. Das ist erschreckend und leider auch realistisch, aber nicht verwunderlich. In einem Punkt aber irrt Herr Wimmer: Deutschland und die EU sind keine Kolonie, sondern Vasall der USA. Ein Vasall war im Mittelalter ein Herr, der sich freiwillig als Gefolgsmann in den Dienst eines anderen Herrn stellte und für diesen politische und kriegerische Dienstleistungen verrichtete. Als Kolonie wäre Deutschland Opfer, aber die Deutschen und EU-Europäer sind subalterne Mittäter, die mit verantwortlich dafür sind, dass die Welt sich dem Abgrund eines Krieges nähert. Herr Wimmer stellt die richtigen Forderungen, bei dieser politischen „Elite“ muss man zweifeln, dass sie gehört werden.

    • Sehe ich weitgehend auch so. Allerdings kann man bei Personen, die schon lange ihren eigenen Willen grundsätzlich aufgegeben haben, ohne sich dessen auch nur im Ansatz bewußt zu sein, nicht wirklich von Freiwilligkeit reden. Vielmehr muß man davon ausgehen, daß es gerade jene sind, die ihr eigenes Selbst aufgrund früh erfolgter Abspaltungen aufgeben mußten, die nach Anteil an der Macht eines vermeintlich Größeren streben und zu diesem Zweck allerlei Täuschungsmanöver erlernt haben, wie der Schauspieler lernt, vorgegebene Rollen darzustellen.

      Jene zum Beispiel, die keinen Zugang zu ihrem eigenen Schmerz haben, weil sie ihn in ihrer eigenen Entwicklung verneinen mußten, werden ihn nicht wahrnehmen können, werden ihn auch verneinen müssen und werden Erscheinungsformen, die nicht verleugnet werden können, auf anderen Ebenen erklären müssen als jene Wissenschaftler, die Schmerz auf neurologischer und genetischer Basis angeblich »erklären«. Sie können nicht beobachten, was sie einst aus ihrem Bewußtsein ausgeklammert haben. Deshalb glauben Forscher, über Schmerz etwas aussagen zu können, ohne diesen in ihrem eigenen Leben erkannt und gewürdigt zu haben. Das spiegelt nur das Ausmaß der heutigen Verarmung unseres wissenschaftlichen Strebens wider. Da seelischer Schmerz nicht allen gleichermaßen zugänglich ist, vor allem in unserer Zivilisation, wirkt das Diktat, daß das, was angeblich objektiv ist und deshalb allen gleichermaßen zugänglich sein müsse, destruktiv. Die, die ihren eigenen Schmerz nicht erleben können, werden so zu Schiedsrichtern über das, was als objektiv und wissenschaftlich anzuerkennen sei.

      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind-podcast/#comment-119955

    • So ganz freiwillig haben sich die Deutschen in Ost und West ja nicht als Satellitenstaaten oder Vasallen für die Hegemonialmächte angeboten. Wichtige Kernmerkmale (wirtschaftliche und politische Unterordnung) sind z.B. für einen Stützpunktkolonialismus erfüllt. Viele europäische Länder (Portugal, Spanien, GB, Frankreich, Niederlande und mit Abstrichen Deutschland, Russland und Italien etc…) waren frühere Kolonialmächte und haben ihre gesamten Kolonien mit der Zeit verloren. Ist der Kolonialstatus für den Kolonisierten erst einmal als solcher erkannt, beginnen auch schon die Absetzbewegungen von der Kolonialmacht. Sogar die „unersetzliche“ Nation USA war der einstigen Kolonialmacht England unterstellt. Vielleicht fällt es Europa deshalb so schwer ihren Kolonialstatus einzugestehen, weil die meisten selber mal Kolonialmächte waren.

  12. Und da Deutschland auch für die Amis überall mit mischt, fällt uns der Dreck, incl der der Amis vor die Füße!
    Und Merkel…sie wird uns das Fürchten lehren !
    Auf zur nächsten Schlacht mit ihr!

    • Sorry, werte Annette, aber ich verstehe die Intension nicht wirklich, die dich dazu bringt, derart gewalttätige Ausdrücke zu verwenden und zu einer Schlacht mit Merkel aufzurufen. Etwa, weil sie dir Angst macht? Frau Merkel, auch wenn ich diese Frau ebenfalls nicht leiden kann, ist doch nicht das wirkliche Problem, sondern die willfährigen Bürger, die sie immer wieder wählen. Es könnte auch jeder andere Polit-Fuzzi sein, aus jeder anderen Partei, dadurch würde sich nichts Wesentliches ändern. Nahezu alle dort sind Polit-Marionetten, die ihr eigenes Fühlen schon längst tief vergraben haben und nur noch ihren Herren gehorchen.

    • Peter Pan,
      mit Dreck meine ich den zu verabscheuenden Kriegseinsätze, der Umgang mit Flüchtlingen, die Ertrunkenen (Opfer) durch Merkels widerlichen Machtgier .
      Hinzu kommt, Sie interpretieren die Schlacht mit Merkel falsch, gemeint ist, durch sie wird es eine geben.Für diese Frau mache ich mir die Finger nicht schmutzig.
      Wenn sie nettere Worte dafür finden ist es doch schön, ich bevorzuge Klare!
      Doch erstaunt muss ich lesen, Merkel ist kein Problem, sondern die Wähler..Aha…auf einmal doch?Aber nennt man sie Urnenpöbel…haben Sie auch gegen das Wort etwas…

    • Liebe Annette, es ist immer wieder, obwohl ich es schon so oft erlebt habe, erschreckend für mich, wenn ich sehe, zu welchen Ausweichmanövern die Menschen greifen, wenn sie sich nicht stellen wollen. Ich habe mit keinem Wort den von dir – sorry, Ihnen, wir siezen uns ja, das hält auf Abstand – verwendeten Begriff „Dreck“ kritisiert, sondern vielmehr gefragt, was Sie dazu bringt, zu einer Schlacht gegen Merkel aufzurufen. In Schlachten wird abgeschlachtet, gegenseitig, hemmungslos getötet: Auf zur nächsten Schlacht mit ihr.

      Doch meine Hauptkritik betraf nicht einmal so sehr das Wort Schlacht, das, wie Sie nun erklären, ganz anders gemeint gewesen sein soll (auch das hab ich in den letzten Tagen oft zu lesen bekommen, alles nicht so gemeint), sondern vielmehr die Fixierung auf die Bundeskanzlerin. Wie Sie dann weiter erklären, halten Sie Frau Merkel, die meiner Ansicht nach nur eine willfährige Marionette darstellt, wie übrigens die allermeisten Menschen (meiner Ansicht nach natürlich), persönlich verantwortlich für das, was doch im Namen des Volkes, das nun diese Frau Merkel wiederwählen wird, geschieht. Noch dazu wollen Sie mich mit ihrer künstlich aufgebauten Dichotomie dazu zwingen, mich für eine der von ihnen wohl als alternativlos empfundenen Seiten zu entscheiden. Wenn ich nun aber, liebe Annette, keine von beiden Seiten, nicht die der willfährigen Marionetten in der Regierung noch die ebenso gehorsamen und untertänigen Bürger verurteilen will, was machen Sie dann? Erklären Sie mich dann für völlig durchgeknallt? Oder vielleicht glauben Sie auch, ich möchte Sie verarschen?

      Zudem drehen Sie mir die Worte quasi „im Munde“ herum, wenn Sie aus meiner Formulierung „Frau Merkel, auch wenn ich diese Frau ebenfalls nicht leiden kann, ist doch nicht das wirkliche Problem, sondern die willfährigen Bürger, die sie immer wieder wählen.“ die Bedeutung herausgelesen haben wollen, Frau Merkel sei kein Problem. Ich gehe mal nicht davon aus, daß es mit Ihrem Textverständnis derart hapert, daß Sie den Unterschied nicht bemerken. Natürlich ist Frau Merkel problematisch, aber das sind die Bürger, die sie wählen, auch!

      Doch erstaunt muss ich lesen, Merkel ist kein Problem, sondern die Wähler..Aha…auf einmal doch?Aber nennt man sie Urnenpöbel…haben Sie auch gegen das Wort etwas…

      Natürlich habe ich etwas dagegen, Menschen zusätzlich zu ihrer aktuellen Not noch treten, und ich erläutere das auch ausführlich: Es könnte auch jeder andere Polit-Fuzzi sein, aus jeder anderen Partei, dadurch würde sich nichts Wesentliches ändern. Nahezu alle dort sind Polit-Marionetten, die ihr eigenes Fühlen schon längst tief vergraben haben und nur noch ihren Herren gehorchen.

      Das haben Sie bei Ihrer Entgegnung vollkommen außer Acht gelassen. Sie klammern sich an Ihre geliebten Feindbilder wie der Ertrinkende an den Klodeckel, der zufällig in seiner Nähe treibt. Ist Frau Merkel etwa kein Mensch? Sind die willfährigen, manipulierbaren, desinformierten Bürger keine Menschen? Hat nicht auch eine Frau Dr. Bundeskanzlerin Merkel, die an ihren Nägeln kaut, wenn keiner hinsieht, einst gehofft und gebangt, ihrem eigenen Selbst, das sich gerade zu entwickeln begann, vertrauen zu dürfen? Wie wurde sie zu einer solchen Egomanin? Wie wurden die Bürger so willfährig? Sind sie bereits so auf die Welt gekommen? Wie wurde der Mörder so bösartig? War ihm das bereits in die Wiege gelegt? Das sind doch die Fragen, vor denen wir ständig alle ausweichen: Sobald unser Selbstbild in Frage gestellt wird, reagieren wir äußerst energisch – oder, wenn das nicht geht, weil die Strafen zu hoch wären, unterwerfen wir uns. Was anderes können sich die allermeisten gar nicht vorstellen, so wie Sie oben von mir die Unterwerfung unter Ihre persönliche Dichotomie verlangen: Entweder so oder so oder gar nicht. Ihre Denkweise erlaubt kein Drittes, denn das könnte womöglich Ihr Selbstverständnis in Frage stellen, das u.a. besagt, daß es immer einen Schuldigen geben muß, und das deshalb nichts anderes gelten lassen kann.

      Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen: Herr Jebsen sagt das auch immer wieder. Keine Feindbilder generieren. Um keinen Preis. Und genau das geschieht hier im Forum ständig. Durch die andauernde Feindbildgenese halten wir unser Mitgefühl fern und schützen uns so davor, im Leid und in der Leidabwehr des anderen unser eigenes Leid und unsere eigene Leidabwehr zu erkennen. Da jubelt ihr den Autoren hier und Herrn Jebsen ständig zu, aber ihr versteht sie gar nicht. Ihr versteht immer nur das, was euer Selbstbild bestätigt. Das, was euer Selbstbild in Frage stellen könnte, wird hochmütig ausgeblendet. Das zumindest konnte ich in den letzten beiden Wochen, seit ich hier „mitmische“, täglich erleben.

      Ich weiß, jetzt entsteht der weitverbreitete Impuls „und du!!!!“ oder „Du doch auch“ usw. Damit lenkt man wieder vom eigentlichen ab und drischt auf den Boten ein, statt sich mit dem Inhalt seiner Message auseinanderzusetzen. Viel Spaß dabei.

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