KenFM zeigt: „Wir weigern uns Feinde zu sein“ & Gespräch mit den Autoren

Bürgermeister in Nürnberg boykottiert den Film „Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen – Deutsche Jugendliche begegnen Israelis und Palästinensern“ und verhindert seinen Einsatz an städtischen Schulen.

Mitteilung von Stefanie Landgraf und Johannes Gulde, den Autoren des Films:

„Dr. Klemens Gsell, Schulbürgermeister von Nürnberg, und der freikirchliche Pastor Hansjürgen Kitzinger verhindern mit einer Boykott- und Diffamierungskampagne, dass unser Film „Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen“ an den städtischen Schulen im Unterricht gezeigt werden darf.

Um ihre Kampagne zu rechtfertigen, scheuen beide Herren auch nicht davor zurück, mit falschen Behauptungen – oder genauer – Diffamierungen zu arbeiten. So verbreiten die beiden Verhinderer, unser Schulfilm fördere „Antisemitismus und Antisraelismus“. Er unterstütze „die Neo-Nazi-Szene und andere israelfeindliche Gruppierungen mit vorhandenem Gewaltpotential“ in Deutschland.

In Deutschland gelten bekanntlich Informations- und Meinungsfreiheit, „eine Zensur findet nicht statt“. Dieser Satz aus Artikel 5 des Grundgesetztes scheint recht dehnbar. Je nachdem wer ihn auslegt. Das empört uns.

Unser Film, den das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg für den Gebrauch im Unterricht empfiehlt (Prädikat „Gelber Daumen“) zeigt dokumentarisch, wie deutsche Jugendliche in der Krisenregion Nahost Israelis und Palästinensern begegnen.

Eine Begegnung auf Augenhöhe. Eine Begegnung, die auf Verständigung und Dialog setzt. Ziel ist es die jahrzehntelange Feindschaft beider Völker zu überwinden.

Begleitet wird die Gruppe auf ihrer Reise von einem gemischten Duo: von Lotty, einer Israelin, deren Eltern Überlebende des Holocaust sind, und von Ali, einem Palästinenser, der als „Kämpfer gegen die Besatzer“ jahrelang in israelischen Gefängnissen saß. Beide arbeiten heute in einer Organisation für Demokratie und Frieden. Sie arbeiten zusammen statt wie in der Region allgemein üblich einander zu bekämpfen. Unser Film zeigt diese Zusammenarbeit. Ein gutes Zeichen. Ein Zeichen der Hoffnung.

Für die Verwendung im Unterricht bietet unsere DVD, Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen“ (Film und Medienpaket) aber noch eine Fülle an didaktischen Begleitmaterialien. Wir wollten ganz bewusst Lehrern und Lehrerinnen den Unterricht mit der komplexen Geschichte in Israel/Palästina erleichtern. Das Feedback war immer hervorragend.

Warum ist an allen anderen Schulen diese Art der Geschichtsvermittlung erlaubt und in Nürnberg nicht?

Was fürchtet der Nürnberger Schulbürgermeister? Warum versucht er mit allen Mitteln zu verhindern, dass Schüler unseren Film „Wir weigern uns Feinde zu sein- den Nahostkonflikt verstehen lernen“ zu sehen bekommen? Sich eine eigene Meinung bilden? Warum läuft die Kampagne gegen den Film in der „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ über das Büro von Arno Hamburger, dem Vorsitzenden der „Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg“?

Wir müssen erkennen, dass der Bürgermeister mit seiner Boykott- und Diffamierungs- kampagne vor allem eines verhindern will. Und sei es auch nur in Nürnberg. Der Nürnberger Schulbürgermeister will mit allen Mitteln verhindern, dass Schüler einen neuen, differenzierten und damit eigenen Blick auf den Nahostkonflikt erhalten. Ihm geht es nicht um die Bildung einer eigenen Meinung. Ihm geht es um Bevormundung.

Denn unser Medienpaket beinhaltet auch ein Buch. Es zeigt einen Weg der Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern. Einen Weg zum Frieden. Ein Dokument.

„Die Geschichte des Anderen kennen lernen – Israelis und Palästinenser“, geschrieben von israelischen und palästinensischen Wissenschaftlern vom Friedensforschungsinstitut PRIME (Peace Research Institute in the Middle-East) in Jerusalem. Kern des Buches ist, den Konflikt mit den Augen des jeweils anderen zu sehen. Ein neues Geschichtsbuch. Dieses Werk setzt sich völlig anders mit der Entwicklung im Nahen Osten auseinander. Auf der linken Seite wird die israelische Sichtweise erzählt, auf der rechten Seite die der Palästinenser. Einander zuhören, als Basis, um füreinander Verständnis zu entwickeln. Ein Prozess. Für Frieden. Ein Friedensprozess.

Mit diesem Buch haben sich die Jugendlichen im Film auf ihre ungewöhnliche Reise in die Krisenregion vorbereitet. Dabei haben sie erfahren, dass es nicht nur eine geschichtliche Wahrheit gibt. Gleichzeitig hat sich ihnen eine Perspektive eröffnet, nämlich den scheinbar unlösbaren Nahostkonflikt aus dem Blickwinkel beider Seitenwahrzunehmen. Im Film sagen sie: „Eine Reise in zwei Wirklichkeiten – gerade mal 4 Stunden von Deutschland entfernt. Israelis und Palästinenser – zwei Völker, eine Geschichte – zu unserem Erstaunen von beiden Seiten völlig unterschiedlich erzählt. Wie zum Beispiel das Jahr 1948 – für die Juden ein Traum, sie bekommen ihren eigenen Staat – Für die Palästinenser das Jahr der Katastrophe – die Naqbah – Flucht und Vertreibung aus ihrer Heimat“.

“Wir weigern uns Feinde zu sein“ folgt dem Credo vom PRIME-Insitut: „Nur wer die Geschichte seines Feindes kennt – kann sich mit ihm auch verständigen“. In Deutschland ist ein solcher Verständniszugang zum Nahostkonflikt neu. Noch. Wir die Macher des Films wollten und wollen das ändern.

Ungewohnt ist in Deutschland vor allem, dass beide Sichtweisen, die jüdisch-israelische und die palästinensische nebeneinander stehen. Gleichwertig.

Was ist daran falsch?

Die Herren in Nürnberg erleben mit unserem Film eine Annäherung zweier Völker auf Augenhöhe. Sie müssen mit ansehen wie Feindbilder verschwinden. Das macht ihnen offensichtlich Angst – oder überfordert sie. Unsere Herren in Nürnberg zählen zu denen, die jeden Versuch, die Sicht der palästinensischen Seite auch nur zu erwähnen, als Angriff gegen den Staat Israel und gegen das Judentum interpretieren. Um ihrer Sichtweise entsprechend Nachdruck zu verleihen, arbeiten auch sie mit der „Antisemitismus-Keule“. Für uns, die Filmemacher gehen ihre Diffamierungen weit über eine persönliche Meinungsäußerung hinaus. Für uns grenzt diese Art einen Film zu boykottieren an Amtsmissbrauch.

Am 7. Februar 2013 schrieb die Neue Rheinische Zeitung: „Für die Israelitische Kultusgemeinde erklärte deren Vorsitzender gegenüber der NRhZ in einem Telefoninterview am Dienstag, warum er den Film ein „verheerendes Machwerk“ genannt habe: Er stelle die israelische Seite im Nahostkonflikt „absolut negativ“ dar und stehe „völlig einseitig“ auf der Seite der Palästinenser. Deshalb sei es für ihn „unmöglich“, dass er weiter in Schulen gezeigt werden könne. Antwort der Filmemacher darauf: „Ja, der Film ist tatsächlich einseitig. Es kommen darin mehr Israelis als Palästinenser zu Wort. Was Herrn Hamburger aber wirklich plagt, ist, dass diese Israelis im Film nicht den Siedlungsbau, die Mauer und die Besatzung der Palästinenser rechtfertigen. Schlimmer noch muss für ihn sein, dass diese

 Israelis im Film für Völker- und Menschenrecht eintreten und sehr praktisch aufzeigen, dass auf einer solchen Grundlage ein Zusammenleben möglich ist und Feindschaft beendet werden kann. Zu dieser Einseitigkeit des Films stehen wir, mit ganzer Überzeugung und ganzem Herzen.“

Über 40 Medienzentren in ganz Deutschland verleihen inzwischen unseren Film. Er wurde zurecht als „Medienpaket für die Bildungsarbeit“, von der Robert Bosch Stiftung, der Ev.- Luth. Landeskirche in Bayern und dem Auswärtigen Amt gefördert. Bis auf Nürnberg hat es nie Beschwerden über unseren Film gegeben. Ganz im Gegenteil.

Damit Informationsfreiheit, Meinungs- und Bildungsfreiheit auch in Nürnberg wieder hergestellt werden – und kein Bürgermeister in der Welt kann das verhindern – haben wir unseren Film„Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen“ jetzt ins Netz gestellt. Kostenlos.

Jeder soll sich in Deutschland über alles informieren können – und dafür brauchen wir jetzt Ihre/Eure Unterstützung – und zwar vor den Gerichten!

Wir hatten Bürgermeister und Pastor aufgefordert, ihre Diffamierungen gegen den Film künftig zu unterlassen. Das zu unterschreiben aber haben sie abgelehnt. Das heißt, sie wollen auch weiterhin behaupten können, der Film „Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen“ fördere „Antisemitismus und Antisraelismus“ und unterstütze „die Neo-Nazi-Szene und andere israelfeindliche Gruppierungen mit vorhandenem Gewaltpotential“. Deshalb haben wir vor dem Land- und dem Verwaltungsgericht Nürnberg eine Einstweilige Verfügung auf Unterlassung beantragt.

Beide Gerichte haben unsere Anträge abgelehnt !

Wie das? Die Richter sind der Auffassung, man könne einfach behaupten, unser Film fördere „Antisemitismus und Anti-Israelismus“ und „die Neo-Nazi-Szene“. Man müsse diese schweren Anschuldigungen inhaltlich nicht belegen. Solche Behauptungen, so die Richter, seien eine klassische Meinungsäusserung. Gemäss Art.5GG. Die Richter vertreten darüber hinaus die Auffassung, auch falsche Tatsachenbehauptungen seien Teil einer Meinungsäußerung. Pastor Kitzinger z.B behauptet bis heute, im Film einen Vergleich eines palästinensischen Flüchtlingslagers mit dem Warschauer Ghetto erkannt zu haben. Diesen Vergleich gibt es nicht. Nicht in unserem Film!

Wir halten das Urteil von Nürnberg für falsch. Es bedeutet, dass jeder, der sich auf geltendes Menschen- und Völkerrecht oder auf Resolutionen der Vereinten Nationen bezieht, sprich jeder der die Besatzung und Siedlungspolitik als illegal verurteilt, als „antisemitisch“ oder, wie in unserem Fall, sogar als Unterstützer der „Neo-Nazi-Szene“ diffamiert werden darf. Öffentlich!

Das Urteil von Nürnberg bedeutet, dass ein solch schwerer Vorwurf, der inhaltlich nicht einmal begründet werden muss, darüber hinaus erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen hat. Wir, die Filmemacher fragen uns ernsthaft, ist Rufmord ein Kavaliersdelikt?

Damit sachbezogene Diskussionen über den Nahostkonflikt möglich bleiben, ohne immer wiederkehrende „Antisemitismus“–Diffamierungen, haben wir Berufung beim Oberlandes- gericht sowie Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Für diesen kostenträchtigen Schritt und mögliche weitere benötigen wir Ihre/Eure Unterstützung. Jede noch so kleine (und größere) Spende wird helfen, den Weg vor den Gerichten durchzustehen. Hier geht es um ein Grundsatzurteil. Ein Präzedenzfall. Wo geht das Äussern einer Meinung in Rufmord über? Wer will mit erfundenen, nicht zu belegenden Behauptungen ein neues Geschichtsbild und damit Frieden verhindern?!

Wir können diesen Kampf nicht allein gewinnen. Wir brauchen dazu Unterstützung.

 Hier unsere Kontoverbindung unter dem Stichwort: „Projekthilfe – Nahostfilm“
Landgraf & Gulde,
GLS Bank, BLZ 430 609 67,
KontoNr. 8089 8500 00

BIC: GENODEM1GLS,
IBAN: DE 16 4306 0967 8089 8500 00.

Sollten wir am Ende gewinnen, werden wir die geleisteten Spenden selbstverständlich zurückerstatten – oder sie kommen mit Ihrem/Eurem Einverständnis Einrichtungen zugute wie dem Friedensforschungsinstitut PRIME in Jerusalem, der MUSA’ADE–Hilfe und Hoffnung für Bethlehem e.V. (Babyhospital/Waisenhaus /Behindertenwerkstatt) von Pater Rainer Fielenbach, der Stiftung „wings of hope“ (Hilfe u.a. für kriegstraumatisierte Kinder im Nahen Osten), der „Flüchtlingshilfe im Libanon“ (für Palästinenser in Lagern) von Ingrid Rumpf, oder oder oder…

Weitere Informationen über den Boykott in Nürnberg auf unserer Website http://www.terramedia-online.de/filmboykott

Ken Jebsen im Gespräch mit Stefanie Landgraf und Johannes Gulde, Autoren des Films:

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KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

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Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

2 Kommentare zu: “KenFM zeigt: „Wir weigern uns Feinde zu sein“ & Gespräch mit den Autoren

  1. Großartiger Film. Der braucht viel mehr Aufmerksamkeit! Ich hatte zwar schon andere Filme gesehen und Berichte gelesen, aber in dem Zusammenhang erschließen sich völlig neue Überlegungen und Gefühle.

  2. Es wäre schön wenn die Akteure sich bemühten, die Gehirnwäsche die an ihnen vollzogen wurde nicht so offensiv weiterzutragen. Ok, das sagt sich leicht, aber ein kleiner Faktencheck hier und da, wenn man sich die Zeit nimmt, dreht einem so einiges um, aber es ist der einzige Weg.

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