Wirre Rede, kurzer Sinn

Von Dirk C. Fleck

Die einzige Möglichkeit, die Unvernunft zu überwinden, ist, alt zu werden, hat Orson Welles einmal gesagt. Ich bin alt geworden, 77 Jahre, um genau zu sein. Aber wenn ich mich, was allerdings immer seltener geschieht, auf eine Diskussion einlasse, oder auch nur auf ein Gespräch unter Bekannten, rede ich unvernünftig und wirr, wie meine Gesprächspartner nicht müde werden zu betonen. Dass erschreckt mich, denn immer wenn dieser Vorwurf erhoben wird, bin ich der Meinung, besonders überzeugend gewesen zu sein. Auf Nachfrage sagt man mir häufig, dass ich nicht bei der Sache bleibe, immer wieder abschweife, mir selbst widerspreche, um das eigentliche Thema schließlich ganz in den Hintergrund zu rücken. Wow! Das kann nicht unbeantwortet bleiben.

Wirr. Oder auch verworren, chaotisch, konfus, unübersichtlich, verwickelt, durcheinander. Das Substantiv von wirr ist übrigens Wirrnis, es ist feminin, was mich ein wenig beruhigt. Es wird mit Verworrenheit im Denken in Bezug gebracht, die wiederum nur dem Wirrkopf zu eigen ist, der seiner Wirrsal erliegt, also dem Wahnsinn schlechthin, welcher für alle Tragödien und Mythen der Weltliteratur unabdingbar war. Im Gegensatz zu meinen Mitmenschen muss ich aus diesem Napf einige Löffelchen zu viel zu mir genommen haben, anders ist das Unverständnis nicht zu erklären, auf das die meisten meiner Worte inzwischen treffen.

Momentan ist doch Corona-Zeit, richtig? Also rutschten mir vor ein paar Tagen bei einem Maskenball in der U-Bahn folgende nicht gerade leise gesprochenen Sätze gegenüber einer Freundin hinaus: Mir ist unerklärlich, mit welcher Arroganz die Spezies Mensch, die im entkleideten Zustand auf dem ästhetischen Niveau von Nacktmullen anzusiedeln ist, sich über alle anderen Lebewesen erhebt. Das kann nur mit ihrem Unverständnis gegenüber dem filigranen Netzwerk der Natur zu tun haben. Und da der Mensch die Natur nicht versteht, begreifen ihn seine Viren und Parasiten besser als er sich selbst …“

Kess und provokant, zugegeben. Ich schaute in die mühsam gezähmten Gesichter der Umstehenden und empfand so etwas wie Mitleid.

Die Unbewussten gehören immer zur Mehrheit und dieses Wissen reicht aus, damit sie ihrer Arroganz und ihrem Zynismus lustvoll freien Lauf lassen können, was sie, die Reihen fest geschlossen, nun auch reichlich tun. Corona sei Dank. Würde man sie auch nur für einen Tag aus ihrer fürchterlichen „Solidargemeinschaft“ reißen und sie unter sensible, mitfühlende Menschen stecken, sie würden vor Angst zerbröseln. Dabei ist jeder Einzelne von ihnen viel mehr, als das, was er in der Gesundheitsdiktatur darzustellen versucht. Jeder von uns hat eine Vorstellung von sich selbst. Wir definieren uns über Eigenschaften wie schüchtern, großzügig, eifersüchtig, ehrgeizig, galant, abergläubisch, tierlieb, zärtlich, treu, flatterhaft, pedantisch, vergesslich, gutgläubig, verantwortungsbewusst und was uns sonst noch alles einfallen mag. Nichts davon ist in den Laboren der Wissenschaft beweisbar. Nach den Regeln der Vernunft („Ich glaube nur, was ich sehe“) gibt es uns gar nicht. Und trotzdem haben wir eine genaue Vorstellung von unserem Wesen, obwohl es sich jedem wissenschaftlichen Beweis entzieht. Der Mensch besitzt nichts, weder seinen Körper, der ihm jederzeit genommen werden kann, noch irgendeine Wahrheit, die ihm beim nächsten genaueren Hinsehen ohnehin wieder abhandenkommt. Wir sagen, dass unser Herz blutet, wenn wir traurig sind. Und wenn wir glücklich sind, sagen wir, dass es überfließt vor Freude. Alles, was auf uns Eindruck macht, jede Idee, „die uns kommt“, gehört uns nicht, es sind flüchtige Leihgaben. Wir sind Gespenster, die sich über ihre Einbildungen definieren …

Ich bin der Tage überdrüssig, ich ertrage sie nicht mehr, diese ewig gleichen Impressionen, aus denen sich die sogenannte Realität zusammensetzt. Ich ertrage die Abstand haltenden maskierten Figuren in den Läden der Stadt nicht mehr und auch nicht die „Ereignisse“, die das Straßenbild prägen: Ein Mann schlägt den Kofferraumdeckel zu, ein Hund pinkelt dahin und dorthin, ein Flugzeug, nein zwei am Himmel, „und ich sag noch zu Erwin, nee, sag ich …“, ein Bus hält, ein Kind tritt gegen die Litfaßsäule und andere kauen lustlos auf dem Stück Zeit herum, das ihnen zugeworfen wurde. Ich möchte mir die Tage ausziehen wie ein schmutziges Hemd, ich möchte der Mann sein, der seinen Kopf durch das Himmelszelt steckt und verzückt ins Nichts starrt …

Wir gehen hindurch, wir nehmen es an, das große Stirb und Werde, schrieb Max Frisch in seinem zwischen 1941 und 1943 entstandenem Roman „Die Schwierigen“, es fallen die schillernden Schleier der Wehmut; es kommt eine kühle, klare Härte in alles, hinter alles. Man spielt nicht mehr mit dem Schrecken, mit dem Grauen vor dem Tod. Es öffnet sich über allem ein ganz anderer Raum. Was hilft uns der Rausch? Er hat keine Flügel, er trägt nicht in Gottes kühler Geräumigkeit. Es tut nichts, ob einer schwärmt, ob einer stehen bleibt wie ein störrischer Esel und ohne ein Wort nicht weiter will. Es trägt nicht, sowenig wie der Schrei der Verzweiflung, wie das Grinsen des Spötters. Man tritt in den Dienst von Leben und Tod; gemeint ist ein Leben, das über uns ist, das auch in Herbsten nicht trauert, ein außerpersönliches.“

Eben rief ein Freund an und teilte mir mit, dass er etwas später als verabredet kommen würde. Im Haus gegenüber löscht jemand die Kerze auf dem Klavier und schaltet den Fernseher ein. Ein Kind tobt um den Tisch. Warum habe ich plötzlich das Bedürfnis, die Menschen in Schutz zu nehmen? Und gegen wen? Angesichts der Tatsache, dass wir in jeder Sekunde gemeinsam von diesem Planeten gefegt werden können, heben sich die Feindbilder auf, sind wir allesamt Staub vor dem Wind. Der kollektive Tod, das Aus für alle, für Opfer UND Peiniger, für Gerechte UND Ungerechte, für Reiche UND Arme – das ist der Orgasmus, auf den die Geschichte hinausläuft. Warum mache ich mich plötzlich zum Anwalt der Banalität, der Dummheit, des unnützen Zeitvertreibs, des kleinen Alltags? Ganz einfach: weil es ihn noch gibt, den kleinen Alltag. Er ist meine Heimat, mein Leben. Zwar ist bereits die Lunte an ihn gelegt worden und nichts von ihm wird übrig bleiben, aber er atmet noch. Noch sind in ihm alle Missverständnisse geborgen, noch wird in ihm gelogen und betrogen, gehasst und manchmal sogar geliebt. An Tagen wie diesen reicht das aus, um mit ihm Frieden zu schließen. Um die Wunden zu kühlen, die ich mir im Umgang mit ihm bisher zugezogen habe. An Tagen wie diesen liebe ich unser aller Entsetzen in meiner kleinen Straße, in der sich jeden Abend zur Tagesschau der Widerschein aus den Fernsehapparaten in den Zweigen der kranken Kastanien bricht.

Ich rede wirr, nicht wahr? Ist nicht schlimm, ich bin in guter Gesellschaft. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875 -1961) sprach aus, was auch für mich zutrifft: Ich bin über mich erstaunt, enttäuscht, erfreut. Ich bin betrübt, niedergeschlagen, enthusiastisch. Ich bin das alles auch und kann die Summe nicht ziehen. Ich bin außerstande, einen definitiven Wert oder Unwert festzustellen, ich habe kein Urteil über mich und mein Leben. In nichts bin ich ganz sicher. Ich habe keine definitive Überzeugung – eigentlich von nichts. Ich weiß nur, dass ich geboren wurde und existiere, und es ist mir, als ob ich getragen würde. Ich existiere auf der Grundlage von etwas, das ich nicht kenne. Trotz all der Unsicherheit fühle ich eine Solidität des Bestehenden und eine Kontinuität meines Soseins.

Wissen Sie, wie man die Aufgeregtheit einer gesellschaftspolitischen Debatte entschärfen kann? Man betrachte alles, was wir Menschen darzustellen versuchen, denken oder tun vor der Folie der Vergänglichkeit. Dann wird mit einem Schlag unbedeutend, wenn nicht lächerlich, worüber wir uns die Köpfe eingeschlagen haben. Wir sind nicht mehr. Garantiert. Unsere Spuren werden ausgelöscht wie Fußabdrücke am Strand, wenn die Flut kommt.

Stellt man sich alle Ereignisse, die auf der Erde stattfinden, als einen lebendigen „Ereigniskörper“ vor, käme man zu der Erkenntnis, dass die Struktur dieses Körpers in jedem Augenblick aus dem Fundus sich endlos wiederholender Handlungen erwächst. Die Messer, die in diesem Augenblick in Hälse gerammt werden, sind immer in Aktion, wenn auch nicht ganz so häufig wie die Nationalhymnen, die in diesem Augenblick gesungen werden oder die Masken, die sich Menschen aller Glaubensgemeinschaften jetzt rund um den Globus aufsetzen.  Jedes Ereignis hat ein ganz bestimmtes Volumen, ein bemessenes Potential, mit dem es zu jeder Zeit zum allumfassenden Leben beiträgt. Dieses allumfassende Leben bleibt in seiner wahren Dimension unerkannt, was natürlich nichts an seiner Vollkommenheit ändert. Wir Menschen gewinnen lediglich einen extrem beschränkten Eindruck von der Wirklichkeit. Das fatale daran ist, dass wir diesen Eindruck für die Realität halten. Aber unsere sogenannte Realität hat den Tiefgang einer Badeente.

Wir leben in einer Zeit, in der die Mediengesellschaft das Wort Krieg prüfend in ihren Händen wiegt wie einen Kohlrabi auf dem Gemüsemarkt, in der man das Denunziantentum hoffähig macht und den Maulkorb zum Accessoire erhebt. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, uns gegenseitig wieder mehr Geschichten zu erzählen. Schließlich gibt es noch ein Leben außerhalb des politischen Ränkespiels, dem die alternativen Medien so gerne analytisch auf den Grund gehen, obwohl es unsere Seelen immer mehr zu vergiften droht. Dabei braucht es über den riesigen Misthaufen, den das von Gier gesteuerte System permanent produziert, weder weitere Informationen noch Aufklärung – wir wissen doch seit Jahrhunderten, nach welchen Gesetzen das menschen- und naturverachtende System funktioniert.

Die Kraftspeicher für die Wachgebliebenen in unserer narkotisierten Zivilgesellschaft sind fast leer. Jetzt gilt es, angesichts des globalen Treibens einer durchgeknallten Finanz- und Politelite nicht den Verstand zu verlieren. Vergessen wir ihr dämliches Spiel, bleiben wir bei uns selbst, das lohnt sich. Es ist das einzige, was sich noch lohnt. Vor allem dann, wenn wir füreinander in Liebe da sind. Davon haben die seelenlosen Killer und Psychopathen aus Wirtschaft und Politik nämlich nicht die geringste Ahnung.

Ich hoffe, dass Ihnen der kleine, etwas wirr geratene Ausflug in meine Gedankenwelt gefallen hat. Schließen möchte ich mit einem Zitat von Emile Cioran (1911 – 1995), dem radikalsten Kulturkritiker der Nachkriegszeit. Derjenige, der weiß, hat sich von allen Fabeln getrennt, die die Begierde und das Denken schaffen, er hat sich aus dem Stromkreis ausgeschaltet, er willigt nicht mehr in den Trug ein.

PS: Nach der Sprache kommt das Schweigen. Ich versuche mich sprachlich schon seit längerem zu reduzieren, fast in die Poesie hinein. Über die Dichtung, oder besser Verdichtung, in das Schweigen. Das mühsam erkämpfte Schweigen soll uns eine Erquickung sein und kein Schrecken.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Uhryn Larysa / Shutterstock

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45 Kommentare zu: “Wirre Rede, kurzer Sinn

  1. Hallo Herr Fleck,
    danke für Ihre Antwort – schön zu wissen, daß man in diesen "Foren" nicht immer ins Leere schreibt…
    Ich wußte garnicht, daß der Mann (ich nehm an Callenbach) zum Zeitpunkt des Erscheinens Ihres "Tahiti-Projekts" noch am Leben war (oder ist?) – mit dem hätte ich auch gern mal gesprochen…
    Im Grund finde ich im "Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" nichts Schlimmes an Wieder- oder Weiter-Verwendung: Sie haben das sogar sehr gut gemacht (bloß Callenbach´s "Pocahontas"-artige Liebesgeschichte hätten Sie besser nicht nachahmen sollen – die hat schon "Ökotopia" etwas trivialisiert…).
    Aber bei der augenfälligen Parallelität von "Ökotopia" und "Tahiti" wäre meines Erachtens mehr als die zitierte Erwähnung von Callenbach (die ich schon beim ersten Lesen "wohlwollend" zur Kenntnis genommen hatte, wie ich mich erinnere: "Aha, er kennt immerhin Callenbach!" – dann aber zunehmend fand: "Aha, ein Callenbach-Remake!") angebracht gewesen, z.B. in Form einer kurzen Vorbemerkung zum Vorbild…
    Aber wie gesagt kein großes Ding – ich bin immer noch froh, daß ich aus irgendeinem Grund auf Ihr "Tahiti-Projekt" gestoßen bin, es hat einen festen Platz in meinem Regal und ich werd es (wie Callenbach´s Bücher) meinem Sohn hinterlassen.
    Bleiben Sie am Ball, alles Gute,
    Antti (= finnisch: "Andreas")

  2. Lieber Herr Fleck,

    ich las Ihren Artikel mit viel Gewinn! Uns trennen schon noch ein paar Jährchen, dennoch freue ich mich, in Ihnen offenbar einen Leidensgenossen oder positiv ausgedrückt einen Seelenverwandten zu sehen. Auch Ihre Idee mit dem Einander-Vorlesen regte meine Phantasie an in dieser praktisch kulturfreien Epoche.
    Ich würde mich freuen, an dieser oder anderer Stelle wieder von Ihnen zu hören oder zu lesen.

    Alles Gute!

  3. Liebe Ania,
    darf ich Sie auch Relotia nennen? In Ihren Artikeln schwingen Elemente mit, die das Sachliche "menschelnd" unterwandern. Ist das Methode? Warum machen Sie das? Vieleicht sollten Sie, statt das "Eingebundensein in die menschliche Gemeinschaft" in den Vordergrund zu stellen, liebevoller mit sich selbst umzugehen lernen? Was hat Gandhi dazu gesagt? Ach – das können Sie selbst herausfinden!

    • Lieber Norbert Voß,
      was ist denn „Relotia“? Das einzige, was ich dazu finde, sind Hinweise auf einen Claas Relotius, der offenbar gefälschte Reportagen verfasst hat.
      Wollen Sie mir unterstellen, dass ich die Erlebnisse, über die ich geschrieben habe, gar nicht erlebt habe?
      Ja, in dem Fall frage ich dann auch: Warum machen Sie das?
      Eingebundensein in die menschliche Gemeinschaft und liebevoller Umgang mit sich selbst ist kein Widerspruch.

    • Liebe Ania,
      natürlich ist das Leben für eine Solidargemeinschaft das Gegenteil von "mit sich selbst liebevoll umgehen". Sei Du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Solidargemeinschaft. Das hat Kant in seinem kategorischen Imerativ ähnlich auch gesagt.
      Ich unterstelle gar nichts, es hört sich konstruiert an, es ist das gleiche frame. Können Sie denn beweisen, dass sie ihre Rahmenhandlungen wirklich erlebt haben?

    • Lieber Norbert Voß,
      gleiches Frame wie was?
      Und was meinen Sie mit Solidargemeinschaft? Ich sprach von menschlicher Gemeinschaft, und das ist etwas Grundlegenderes, Tiefergehenderes als die Lager der Befürworter oder Gegner der Corona-Maßnahmen.

  4. Hallo Dirk Fleck,

    Ich habe Ihren Text, den ich schön geschrieben finde, nochmal gelesen und mir Gedanken dazu gemacht.

    Zeiten wie diese bringen Widersprüche hervor – innerhalb der Gesellschaft, zwischen Menschen und in den Individuen selbst, ihrem Denken und Fühlen. Diese Widersprüche sind nicht so einfach auflösbar, und ich finde es gut, dass Sie sie stehenlassen und in Worte fassen. Allerdings würde sich manches vielleicht doch in Richtung einer Auflösung bewegen, würde man bedenken, dass die eigene Wahrnehmung des Verhaltens anderer Menschen eine Interpretation ist, die nicht immer zutreffend sein muss.

    Haben Sie zum Beispiel bedacht, dass nicht jeder weiß, was Nacktmulle sind? Ich zum Beispiel musste es erst nachschlagen: „Der Nacktmull (Heterocephalus glaber) ist die einzige Art der Gattung Heterocephalus und der Familie Heterocephalidae innerhalb der Ordnung der Nagetiere“. Nacktmulle leben in großen unterirdischen Bauten in den Halbwüsten Ostafrikas, speziell im Süden Äthiopiens, in Kenia und Somalia. Kann nicht jeder hierzulande kennen, oder?

    Vielleicht drückten die Gesichter der Umstehenden, die Sie als „mühsam gezähmt“ empfanden, ja einfach Unverständnis aus. Oder die Leute rätselten über Ihre Bemerkung die Viren und Parasiten betreffend. Denn Viren sind keine possierlichen kleinen Lebewesen, die niemandem was tun. Sie können nützlich sein. Sie können aber auch töten. Menschen, oder auch zum Beispiel Wildschweine (wie gerade durch die Afrikanische Schweinepest).

    Es gibt für den Gesichtsausdruck der Fahrgäste in der U-Bahn also vielleicht andere Erklärungen als „Arroganz und Zynismus“, die es Ihrer Meinung nach rechtfertigen, von einer „fürchterlichen Solidargemeinschaft“ zu sprechen – der Sie „sensible, mitfühlende Menschen“ gegenüber stellen (meinen Sie damit die Corona-Skeptiker per se)?

    Im weiteren Text wollen Sie dann „die Aufgeregtheit einer gesellschaftspolitischen Debatte entschärfen“, und raten dazu, das, worüber wir uns die Köpfe einschlagen, vor der Folie der Vergänglichkeit zu betrachten. Ja, im kollektiven Tod heben sich Feindbilder wohl auf. Aber wer sagt Ihnen, dass diese Feindbilder nicht noch bis zum letzten Atemzug weiterbestehen würden? Können wir die Aufgeregtheit nicht im Diesseits entschärfen, vor der Folie des Lebens, Werdens und Wachsens, damit beginnend, dass wir das Verhalten von Menschen nicht vorschnell interpretieren und so davon absehen, Dichotomien ohne Schnittmengen zu schaffen?

    Viele Grüße
    Ania

    • Da Sie es für notwendig halten, uns gegenseitig wieder mehr Geschichten zu erzählen, hier noch eine Geschichte eines Konfliktes ums Maskentragen, bei dem ich versucht habe, dem Verhalten auf den Grund zu gehen:

      Ich sitze an einem Tisch vor einer Bäckerei, an die ein Schreibwarengeschäft angeschlossen ist, und trinke einen Kaffee, den Blick auf die Straße gerichtet. Ich achte nicht darauf, was hinter meinem Rücken vor sich geht. Ein dunkelhäutiger Mann, ein dunkelhäutiges kleines Mädchen an der Hand, tritt an meinen Tisch und fragt, ob ich für ihn eine Briefmarke kaufen könne. Die Frau, der die Bäckerei und der Schreibewarenladen gehört, habe sich geweigert, ihn reinzulassen, da er seine Maske vergessen hat. Und mit dem Kind nochmal nach Hause laufen und wieder zurück, könne er nicht.

      Ich willige ein, er drückt mir Geld in die Hand, ich streife meine Maske über, betrete den Laden und erstehe die gewünschte Briefmarke. Für den Herrn vor der Tür, sage ich. Die Frau hinterm Ladentisch meint: „Das finde ich aber nicht gut, dass Sie den unterstützen! Dann lernt der ja nie, seine Maske mitzubringen!!“

      Ich gehe nach draußen, überbringe die Briefmarke und erzähle dem Mann, was die Ladeninhaberin gesagt hat. „Die macht das bloß, weil ich schwarz bin!“, sagt er. „Wäre ich ein weißer Mann, hätte sie mich reingelassen!“ „Hmm, dass das der Grund war, glaube ich nicht unbedingt!“, erwidere ich. Er ist sich jedoch sicher.

      Ich nehme die leere Kaffeetasse und trage sie in die Bäckerei mit dem angeschlossenen Schreibwarenladen. Ich berichte der Frau die Äußerung des Mannes. Mit osteuropäisch klingendem Akzent sagt sie: „Weil er schwarz ist?? Hier kommen täglich 20 Leute, die keine Maske haben. Mit denen allen muss ich mich herumärgern. Und wenn ich sie reinlasse, muss ich vielleicht 500 Euro Strafe zahlen, wie der Kiosk ein paar Straßen weiter! An der Briefmarke verdiene ich aber höchstens zehn Cent. Das ist es mir nicht wert!“

      Ich verlasse das Geschäft, schwinge mich aufs Rad. Ein Stück weiter läuft der Mann mit dem Mädchen an der Hand. Ich halte an und berichte ihm, was die Frau gesagt hat. Er meint, er könne ja verstehen, dass sie genervt sei. Aber ein bisschen freundlicher könnte sie zu ihren Kunden schon sein. Sie hätte ihm die Briefmarke ja auch rausbringen können.

      Immerhin scheint er jetzt nicht mehr zu glauben, dass ihm dies wegen seiner Hautfarbe widerfahren sei. Und winkt mir zum Abschied lächelnd zu…

    • Hallo Anja,
      sehr schöne Begebenheit über die Dummheit und dem vorauseilenden Gehorsam von Blockwarten haben Sie da aufgezeigt. Wie dumm ist diese Verkäuferin? Ist sie des Lesens überhaupt mächtig?
      Es gibt nicht ein einziges Bundesland das Ladenbesitzern eine strafe aufbrummen kann, wenn diese Menschen ohne Maske bedienen. Sie haben sie daruaf hinzuweisen, dass sie eine Maske tragen sollen – mehr müssne sie nicht tun. Selbst wenn sie es nicht tun würden, droht keine Strafe!
      Dazu ist es allerdingsn otwendig mal die Ver- und Anordnungen zu lesen und zu verstehen – klar, 90 % der Bevölkerung kann diesnicht, weil sie immer alle Informationen aus dem Mainstram entnehmen. Was ARD und ZDF sagen ist Richtig.
      Es widert mich an – erst vor 24 Stunden habei ch eine solche Diskussion mit der "Geschäftsführerin und dem Stellvertreter" eines WTB Ladens gehabt. Keine Ahnung aber die Leute anmachen und die Mitarbeiter schickanieren.
      Mich kotzen solche Lemminge an – Smartphone bedienen und hier sinnloses Zeug einstellen kann fast jeder, lesen und verstehen so gut wie niemand.
      Ich schließe mich den wütenden Worten eines nicht Maske tragenden Mannes, im geschätzten Alter von um die 80 Jahre, gerichte an eine Verkäuferin die ihm keine Semmeln verkaufen wollte, eben wegen des nichttragens einer Maske, voll und ganz an: "Gegeb sie die Semmeln her und machen sie nicht solch einen WInd – die gesamte Regierung, jeder der Politiker gehört vor ein Nürnberg 2 und diesmal sollten die Mitläufer gleich mit auf die Anklagebank – dann wäre ein für alle Mal Ruhe!"
      Ania, tragen sie ruhig eine Maske, verstecken sie sich zu Haue, leben Sie Ihr ängsliches Dasein aus…. aber verschonen Sie andere mit Ihren gefasel!

    • Hallo Germane:

      Wo haben Sie das denn her? Steht das irgendwo?

      Der Dschungel der Bußgeldverordnungen ist recht undurchsichtig, aber im Bußgeldkatalog für Corona-Verstöße in Brandenburg (Stand: 25.08.2020) beispielsweise lese ich:

      Verstoß:
      Unterlassen der erforderlichen Maßnahmen bei Versammlungen, in Verkaufsstellen, Beherbergungsstätten, Gaststätten und sonstigen Gewerbebetrieben und Einrichtungen mit Publikumsverkehr

      Bußgeld:
      250 – 10.000 €

      Wer muss das Bußgeld zahlen?
      Veranstalter, Betreiber, Anbieter, Geschäftsführung o. Ä.

  5. Herr Fleck,
    Sie sind ein offenbar em- und sympathischer Zeitgenosse, wie ich aus neueren Interviews mit Ihnen schließe…
    Nachdem ich Ihr "Tahiti-Projekt" gelesen hatte, fand ich Sie ehrlich gesagt nicht so nett, weil Sie versäumt hatten, einzuräumen, daß es im Grund (sowohl vom Thema her, als auch von der begleitenden "Liebes"-Geschichte) ein "Remake" von Callenbach´s "Ökotopia" (glaube von 1979) und "Ein Weg nach Ökotopia" ist – was ja garnicht schlimm wär, wenn man es zugeben oder zumindest darauf hinweisen würde…
    Auch "wirre" oder abschweifende Rede finde ich nicht schlimm, sondern oft eher bereichernd – aber Ihr Kokettieren mit der "alters-weisen Schweigsamkeit" auf einem verbreiteten Internet-Portal ist: tja, Koketterie.
    Ihre expressionistischen Anekdoten sind oft hübsch beobachtet und teils auch impressionant, aber es ist wenig hilfreich, sie als "poetisch" zu neutralisieren, statt sie zu politisieren, wozu Sie bekanntermaßen durchaus in der Lage wären…
    "Alters-Weisheit" besteht nicht aus schwurbeligen Reden á la den "Speaker´s Corner"-Propheten im "Leben des Brian": ich schätze, Sie könnten´s besser…
    Beste Wünsche für die nächsten 77 Jahre !

    • @Annti, nehmen Sie doch bitte noch einmal das "Tahiti-Projekt" zur Hand und schlagen Sie die Seite 15 auf (Taschenbuchausgabe). Dort steht folgendes:

      „Callenbach hatte es kommen sehen“, sagte Ed, „er hatte prophezeit, dass wir es in unserer Gesellschaft mit völlig neuen Allianzen zu tun bekommen werden, dass der Umweltschutz seine Verbündeten vor allem bei den Ureinwohnern, den Religionsgemeinschaften, unter Farbigen und Gewerkschaftern finden würde. Er hatte auch die Eskalation der Gewalt vorausgesehen — als logische Folge eines nicht mehr aufrecht zu erhaltenden Lebensstils“.
      „Callenbach?“ unterbrach Cording.
      Der Amerikaner blickte ihn ungläubig an. „Ernest Callenbach, Autor von´Ökotopia´. Nie von ihm gehört?“
      „Tut mir leid, nein.“
      „Der Mann hat schon vor fünfzig Jahren für eine internationale ökologische Bestandsaufnahme plädiert. Er appellierte an die großen Konzerne, sich von innen heraus umzustrukturieren und sich als in die Natur eingebettete Unternehmen zu verstehen. Callenbach war der Ansicht, dass die Menschheit nicht zur industriellen Produktion bestimmt sei, sondern dazu, sich einen bescheidenen Platz im ausgewogenen Gewebe des organischen Lebens zu suchen. Das würde zwar einen gigantischen Konsumverzicht bedeuten, aber zumindest ihr Überleben garantieren.“

      Liebe Grüße

    • Kleiner Nachschlag: Ich bin dem Mann übrigens in Berkeley persönlich begegnet und habe ihm bei der Gelegenheit auch ein Exemplar des "Tahiti-Projekts" überreicht, natürlich nicht, ohne ihn über den Inhalt aufzuklären.

    • Hallo Herr Fleck,
      danke für Ihre Antwort – schön zu wissen, daß man in diesen "Foren" nicht immer ins Leere schreibt…
      Ich wußte garnicht, daß der Mann (ich nehm an Callenbach) zum Zeitpunkt des Erscheinens Ihres "Tahiti-Projekts" noch am Leben war (oder ist?) – mit dem hätte ich auch gern mal gesprochen…
      Im Grund finde ich im "Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" nichts Schlimmes an Wieder- oder Weiter-Verwendung: Sie haben das sogar sehr gut gemacht (bloß Callenbach´s "Pocahontas"-artige Liebesgeschichte hätten Sie besser nicht nachahmen sollen – die hat schon "Ökotopia" etwas trivialisiert…).
      Aber bei der augenfälligen Parallelität von "Ökotopia" und "Tahiti" wäre meines Erachtens mehr als die zitierte Erwähnung von Callenbach (die ich schon beim ersten Lesen "wohlwollend" zur Kenntnis genommen hatte, wie ich mich erinnere: "Aha, er kennt immerhin Callenbach!" – dann aber zunehmend fand: "Aha, ein Callenbach-Remake!") angebracht gewesen, z.B. in Form einer kurzen Vorbemerkung zum Vorbild…
      Aber wie gesagt kein großes Ding – ich bin immer noch froh, daß ich aus irgendeinem Grund auf Ihr "Tahiti-Projekt" gestoßen bin, es hat einen festen Platz in meinem Regal und ich werd es (wie Callenbach´s Bücher) meinem Sohn hinterlassen.
      Bleiben Sie am Ball, alles Gute,
      Antti (= finnisch: "Andreas")

  6. Mein lieber Dirk.

    Ich erzähle Dir jetzt eine kurze Geschichte, die Dir gefallen oder am Arsch vorbeigehen wird.

    Der Jens und Du, Ihr habt die Folge 15 Eures Salongespräches aufgezeichnet, die ich ein paar Tage später als Postbote im rechten Ohr gehört habe… inmitten meiner bisher größten Lebenskrise voller Angst, Verzweiflung und Panik, in welche verdammte Hölle diese Gesellschaft samt mir geblasen werden würde usw…

    Und dann kam der Augenblick, in dem Du Dein Angebot direkt an uns Zuhörer unterbreitet hast, inmitten dieser "Pandemie" zu uns nach Hause zu kommen, uns kennenzulernen und uns Deine Texte vorzulesen.

    Dieser Moment hat meine Vorstellung eines allgemeinen Miteinanders komplett gesprengt, weil ich auf so viel authentische Herzlichkeit nicht im Geringsten vorbereitet war…
    Es hat mich umgeklatscht, ich musste seit Jahren für mehrere Minuten weinen, als ob ich zum ersten Mal in meinem Leben in den Arm genommen worden wäre; und war hinterher heilfroh über meine tiefschwarze, überdimensionale Ray-Ban-Sonnenbrille, soviel kann ich verraten : ]

    Dieser Tag war die Initialzündung für viele gute Entscheidungen, die ich seitdem getroffen habe und dank Mitmenschen wie Euch täglich damit weitermache.
    Ich hoffe, Du verstehst, wieviel Dank ich Dir und Jens damit zum Ausdruck bringen möchte.

    Über diesen Text hier kann ich genauso schön lachen wie ich darüber weinen kann.
    Er erinnert mich an die eigentümlichen Worte eines Warren Ellis, der mal seinen famosen Charakater sagen liess:

    "All we've actually got is each other!"

    Alles Gute
    Sven

    • Lieber Sven,
      Du glaubst gar nicht, wie sehr mich Deine Worte gefreut haben. Die Resonanz auf das Angebot, meine Leser zu Hause zu besuchen, um ihnen dort vorzulesen, ist auf sehr fruchtbaren Boden gefallen. Es liegen mir bisher 32 Einladungen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich vor. Sechs dieser Einladungen bin ich inzwischen nachgekommen. Es fühlt sich gut an, in den privatesten Bereich fremder Menschen vorgelassen zu werden und dort willkommen zu sein. Diese Intimität und dieses Vertrauen, das zwischen der Familie, deren Feunden und mir dann herrscht, ist wunderbar und etwas völlig neues für mich. Jeder der Anwesenden fühlt sich auf angenehme Weise beschenkt.
      Alles Liebe
      Dirk

    • Sauber !

      So "klein" die Geste eigentlich ist,
      so groß ist der Beweis, dass Wahrhaftigkeit funktioniert.

      Es freut mich sehr, dass Deine Begegnungen so reichhaltig sind.
      Nichts anderes war zu erwarten.

      Vielleicht wird Dich auch von hier demnächst eine herzliche Einladung erreichen.

  7. Wirr?
    Nein, Glänzend!
    Tun Sie uns bitte nur einen Gefallen: Widerstehen Sie so lange wie möglich der Versuchung, sich von Altersresignation verführen zu lassen. Genießen Sie vielmehr den Abstand zu den Dingen, den einem Altersweisheit schenkt. Und lassen Sie uns noch möglichst lange an letzterer teilhaben.

  8. "Die Kraftspeicher für die Wachgebliebenen in unserer narkotisierten Zivilgesellschaft sind fast leer. ", ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Keine Nähe, keine Liebe, keine Kultur zum Auftanken… düstere Zeiten. Danke für die Mühe, das alles niederzuschreiben, obwohl sie dem Schweigen zugeneigt sind!

  9. Interessante Gedanken, die ich an vielen Stellen nachempfinden kann. Ich bin schon vor längerer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass wohl die, die wir als geistig behindert betrachten, möglicherweise normaler sind als wir,die Normopathen.

    Kürzlich war, ich glaube bei Sputnik, ein Video zu sehen, wie Löwinnen eine Gazelle fingen. Sie fraßen sofort los, obwohl das Tier noch nicht tot war und sie machten auch keine Anstalt, das Tier zu töten. Bis dahin war ich immer davon ausgegangen, dass ein jagendes Tier, seine Beute erst tötet, bevor es anfängt zu fressen. Diese sinnlose Grausamkeit hat ehrlich gesagt mein bisheriges Weltbild erschüttert. Plötzlich neige ich dazu, die menschlichen Grausamkeiten irgendwie zu relativieren, wenn doch die Tiere offenbar auch so grausam sind. Wir sind eben auch nur empathielose Tiere, nicht immer aber eben auch.

    • Das macht eine Katze mit dem Beutetier nicht anders oder eine Schlange. Oder Gates mit uns. Oder der Krebs. Holobiont Gaia. Wer nicht das Glueck hatte, ins Leben zu kommen, erspart es sich, aus ihm zu scheiden.

  10. Das Besinnen auf den Kern unseres Seins ist das beste Mittel, um bei dem Wahnsinn um uns herum, nicht Wahnsinnig zu werden! Vielen Dank das Sie mich an ihren Gedanken haben teilnehmen lassen. Es ist ein toller Beitrag und ich konnte mich in vielen Punkten wiederfinden.

    • Heute vor dem Supermarkt. Ich lade Einkäufe auf mein Fahrrad um. Da höre ich eine freundliche Stimme: „Ihnen ist was runtergefallen“! Ich drehe mich um und erblicke einen alten Mann mit Maske, bestimmt schon Mitte achtzig, auf einen Rollator gestützt. Ich schaue nach unten und sehe eine Bund Radieschen am Boden liegen. Sie sind aus meiner Einkaufstüte gerutscht. „Oh, meine Radieschen!“, sage ich. „Vielen Dank!“ Der Mann lächelt durch die Maske hindurch und geht – langsam, ein wenig schlurfend – weiter.

      Hätte sich die Szene vor Corona anders abgespielt? Ich glaube kaum. Und ich erlebe jeden Tag solche kleinen Alltagsszenen eines ganz selbstverständlichen, freundlichen Miteinanders. Vielleicht ist das für Menschen, die Masken ablehnen, anders, vielleicht werden sie anders wahrgenommen, oder aber sie sehen selbst nur noch die Masken und nicht die Menschen dahinter? Oder nehmen Menschen mit Masken sogar nur noch als potenzielle Denunzianten wahr… Vielleicht fehlt dadurch die Erfahrung des Eingebundenseins in die menschliche Gemeinschaft? Und das erzeugt dann das Gefühl von „Wahnsinn um einen herum“?

    • An Ania: Natürlich haben sich die Menschen nicht grundlegend verändert. Der "Wahnsinn um uns herum" besteht u.a. darin, dass die Maske jetzt wie ein Alltagsgegenstand getragen wird, wie ein Schal oder eine Unterhose. Und die Leute machen sich keine Gedanken mehr darum. Die schleichende Einübung unsinniger, ich nenne sie "Unterdrückungsmaßnahmen" wird kritiklos praktiziert und nicht als Einschränkung erkannt. Ich muss die Maske arbeitsbedingt viele Stunden am Tag tragen und ich gewöhne mich nicht daran, weil es ein absurder Unsinn ist. Es ist einfach nur schrecklich!

    • #Ania – Du hast das "Es war einmal…" und das " ..wenn sie nicht gestorben sind… " vergessen.
      Der Name Ania ist höchst wahrscheinlich genau so falsch wie dein Geschwätz. Nutze die Zeit, die du für dein leicht zu durchschauendes Geschwafel verbrauchst und informiere dich einfach mal. Noch nie war das so einfach wie heutzutage! Das Zauberwort ist hinlänglich unter dem Begriff "Suchmaschine" bekannt. Der angenehme Nebeneffekt für Alle wäre dabei, dass du dich, besonders gegenüber klar denkenden Menschen, nicht so maßlos blamierst. Andernfalls überschreib doch deine Zeilen ehrlicher Weise mit "Anias Märchenstunde für Freunde der BILD-Zeitung!"

    • #Ania – Du hast das "Es war einmal…" und das " ..wenn sie nicht gestorben sind… " vergessen.
      Der Name Ania ist höchst wahrscheinlich genauso falsch wie dein Geschwätz. Nutze die Zeit, die du für dein leicht zu durchschauendes Geschwafel verbrauchst und informiere dich einfach mal. Noch nie war das so einfach wie heutzutage! Das Zauberwort ist hinlänglich unter dem Begriff "Suchmaschine" bekannt. Der angenehme Nebeneffekt für Alle wäre dabei, dass du dich, besonders gegenüber klar denkenden Menschen, nicht so maßlos blamierst. Andernfalls überschreib doch deine Zeilen ehrlicher Weise mit "Anias Märchenstunde für Freunde der BILD-Zeitung!"

    • <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/ania/' rel='nofollow'>@Ania</a>
      "..„Vielen Dank!“ Der Mann lächelt durch die Maske hindurch und geht – langsam, ein wenig schlurfend – weiter. "

      Als der Corona-Irrsinn losging, gab es in der FAZ praktisch sofort Coach-Angebote, wie man mit Maske seine Mimik gegenüber anderen Maskenträgern zum Ausdruck bringen kann. Gedacht für alle mit Kundenkontakt oder auch – da das ein direkter Kontakt zu anderen kaum noch möglich war – per Zoom, Skype usw.
      Was soll ich sagen. Das, was dabei heraus kam, war nicht mal mehr zum Lachen, es war einfach nur noch grotesk!
      Wenn ich weiterhin weiß, dass das Goethe-Institut Sprachprüfungen für Ausländer nur noch mit Abstand – was mich bei einer Prüfung nicht weiter stört – und MASKE zulässt, dann ist das nur noch unbegreiflich, um bei neutralen Worten zu bleiben. Sprache – insbesondere für Menschen, die sich in einem für sie fremden Sprachumfeld bewegen – was bei Prüfungen nun einmal der Fall ist – ist zwingend an die Mimik gebunden, wenn sie normal funktionieren soll.
      Nun schließe ich nicht aus, dass Ihre Kommunikation mit dem netten älteren Herrn dennoch zustande kam, die Situation war ja praktisch selbsterklärend. Ihre folgende Äußerung offenbart allerdings viel mehr über Sie als Sie vermuten: "Hätte sich die Szene vor Corona anders abgespielt? Ich glaube kaum."
      In meinem Erleben kamen Erlebnisse dieser Art GERADE vor, als Menschen noch keine zwangsweise Gesichtsvermummung auferlegt worden war und ein Lächeln als solches noch problemlos erkennbar war…

      Es gab Zeiten, in denen Wissenschaftler sich wie folgt äußerten:
      "Das Verhalten des Gesichts für die soziale Interaktion ist so zentral, dass die Erkennung von Gesichtern und die Imitation von Gesichtsausdrücken mit zu den ersten wahrnehmbaren, motorischen Fertigkeiten gehören, die Babys erwerben. Diese Fähigkeit ist notwendig zur Unterscheidung anderer und wohl auch, weil das Gesicht das primäre Zentrum der sowohl verbalen als auch nonverbalen Kommunikation ist.Das Verhalten des Gesichts für die soziale Interaktion ist so zentral, dass die Erkennung von Gesichtern und die Imitation von Gesichtsausdrücken mit zu den ersten wahrnehmbaren, motorischen Fertigkeiten gehören, die Babys erwerben. Diese Fähigkeit ist notwendig zur Unterscheidung anderer und wohl auch, weil das Gesicht das primäre Zentrum der sowohl verbalen als auch nonverbalen Kommunikation ist."
      Quelle: www.lernhelfer.de/
      Ausgehend davon stellt sich auf die Maskenpflicht zwangsläufig die Frage: Was tun wir uns da eigentlich an….?

    • Eva W.: Wenn Sie die Maske arbeitsbedingt vier Stunden am Tag tragen müssen, haben Sie mein vollstes Mitgefühl. Ich muss sie oft bei längeren Fahrten durch die Stadt tragen und kriege da schon Beklemmungsgefühle. Wieso manche Leute die Maske selbst auf der Straße im Freien anhaben, verstehe ich auch nicht. Ich denke, da spielt tatsächlich ein Gewöhnungseffekt eine Rolle.

      Jürgen Förster: Wollten Sie sich nicht auf den Kern Ihres Seins besinnen? Und gehören dazu Kommentare, wo Sie mich der Bildzeitungs-Kommentare bezichtigen?

      Beobachter: Wenn Menschen lächeln, drückt sich das nicht nur in der unteren Hälfte ihres Gesichtes aus. Sondern auch in den Augen, der Körperhaltung, dem, was sie ausstrahlen… Emotionen vermitteln sich nicht isoliert über eine Körperpartie, sondern eher ganzheitlich. Wenn ich mich zum Beispiel mit einer Nachbarin auf der Straße ein paar Worte wechsele, wo sie keine Maske trägt, ist das für mich nicht wesentlich anders, als wenn ich sie vorm Supermarkt treffe und sie ihre Maske bereits angelegt hat.
      Emotionaler Austausch ist über viele Kanäle möglich, jedenfalls wenn es um so primäre Emotionen geht wie freundliches Lächeln. Die Biologie hat uns mit vielen Antennen ausgestattet, um zumindest zu erkennen, ob einem jemand wohlgesonnen oder feindlich gesonnen ist. Das war fürs Überleben immer schon wichtig.
      Ich habe auch jetzt zu Corona-Zeiten des Öfteren Interaktionen von Babys oder kleinen Kindern mit ihren maskentragenden Müttern beobachtet, wo die Kinder sich von der Maske überhaupt nicht haben stören lassen. Die Mütter konnten trotzdem liebevolle Signale aussenden, etwa über die Stimme, die Körperhaltung…
      Ein Nachteil der Maske ist allerdings, dass man die gesprochene Sprache manchmal schlechter versteht, weil die Maske sie irgendwie verschluckt oder verzerrt. Deswegen finde ich Sprachprüfungen mit Maskenzwang auch problematisch.

    • Ania, mein letzter Kommentar an Sie, danach können Sie die Kommentarspalten vollspamen womit immer Sie wollen, ich werde die Beiträge nicht mehr lesen.

      Ein paar heruntergefallene Radieschen aufzuheben erfordert kein Strahlen über's ganze Gesicht, das wäre verdammt unnormal. Wenn Sie keinen Unterschied im Kontakt mit ihren Bekannten feststellen ob mit oder ohne Maske zeugt von gehöriger Leblosigkeit. Babies fehlt ein entscheidender Entwicklungsschritt, wenn ihre Eltern Ihnen die Mimik vorenthalten. Können Sie bereits jetzt nachschlagen unter depressive Eltern.

      Die Maske trainiert das Uniformieren. Sie ist eine Kriegsvorbereitung. (unhinterfragter Gehorsam)

    • Alcedo: Ich habe nichts von „Strahlen übers ganze Gesicht wegen ein paar Radieschen“ geschrieben und meine Freunde und Bekannten treffe ich höchstens beim Einkaufen oder in der Straßenbahn mal mit Maske. Das sind dann eher kurze Begegnungen. Intensivere emotionale Begegnungen sind jederzeit ohne Masken möglich. Und Babys sehen ihre Eltern auch nur in wenigen Situationen mit Masken, und vielen anderen Situationen ohne.

      In Ihrem Kopf und dem anderer hier scheint der Krieg schon ausgebrochen zu sein. In Form von Aggression gegen diejenigen, die Masken als Stück Stoff sehen, das unbequem ist, von dem sie aber ihre Identität nicht abhängig machen. Die werden dann als Denunzianten oder Blockwarte tituliert, oder mit sonstigen Verunglimpfungen bedacht. Und die Herrschenden freuen sich…

      Läuft doch super für sie, wenn Regimegegner nichts Besseres zu tun haben, als Verkäuferinnen zu hassen, die angewiesen sind, dafür zu sorgen, dass die Kunden sich an die Maskenpflicht halten. So entstehen Fronten in der Bevölkerung… Konflikte gegeneinander werden angeheizt… Und wenn die Krise sich verschärft, werden die Leute sich gegenseitig den Schädel einschlagen, statt gemeinsam um Lösungen zu kämpfen. Der Grundstein dafür wird soeben gelegt, mit diesen blöden Masken-Fights. Echt noch nicht gemerkt, dass das Erzeugen von Spaltung zur Strategie der Mächtigen gehört???

    • Ich teile die Meinung von Alcedo bezüglich Ania.
      Es ist viel zu ernst, um nicht dennoch dazu Stellung zu beziehen.

      Das Masketragen ist eine Form von Nichtkommunikation. Ein wesentlicher Teil des Nonverbalen aber auch Verbalen (ich sehe die Worte nicht beim Sprechen; für viele Menschen ist das wichtig) fällt völlig weg.

      Wohin Nichtkommunikation in der Endkonsequenz führt, wollte schon der alte Preußenkönig wissen. Dazu brachte er einige Untertanenkinder kontrolliert unter und ließ es ihnen an nichts fehlen – außer an Kommunikation, um herauszufinden, welches das erste Wort sei, was der Mensch spreche… Niemand sprach mit den Kindern, niemand sang, niemand berührte und umarmte sie usw. Also mit heutigem Neusprech: Social Distancing at its best! Sie starben alle!
      Die Maske ist eine erhebliche Einschränkung der menschlichen Kommunkation, zumal sie völlig beliebig sein kann und keinen anderen Zweck erfüllt als das Bedecken des Gesichts als Unterwerfungsgeste, einen medizinischen Zweck erfüllen die "Accessoires" ja nachweislich nicht.
      Da Kommunikation ganzheitlich wirkt – Sprache, Mimik, Gestik, Körpersprache usw. – ist es nichts anderes als logisch, dass es zu Problemen kommen MUSS, wenn ein wesentliches Element der verbalen und nonverbalen Kommunikation zwangsweise und unter Androhung von zum Teil drakonischen Strafen ausgeschaltet wird! Und die Maske ist ja nur ein Teil des Wahnsinns! Ich bin schon sehr gespannt auf die Folgen des sogenannten Social Distancing… Wir sollen Abstand halten, praktisch nicht mit Fremden reden, werden bei Demos permanent vom Staat (Polizei) wieder unter Androhung von Strafen von anderen ferngehalten, dürfen nicht mehr tanzen gehen, können nicht mehr einfach so jemanden kennenlernen usw…. Eine ganze Kultur wird im Namen eines nicht validierten PCR-Tests systematisch zerstört!
      Wenn Ania so leben will, bitte schön. Ich möchte das nicht, zumal es bei ehrlicher Betrachtung der Datenlage keinen vernünftigen Grund für diese Zwangsmaßnahmen gibt!

      Ich stimme dem Autor Dirk Fleck ausdrüklich zu:
      "Die Kraftspeicher für die Wachgebliebenen in unserer narkotisierten Zivilgesellschaft sind fast leer. Jetzt gilt es, angesichts des globalen Treibens einer durchgeknallten Finanz- und Politelite nicht den Verstand zu verlieren. Vergessen wir ihr dämliches Spiel, bleiben wir bei uns selbst, das lohnt sich."
      Sehr wahre Worte!

      Ich hoffe sehr, dass wir nicht rückblickend in einigen Monaten oder gar Jahren sagen werden: Warum haben wir uns nicht gewehrt? Denn es hört ja nicht auf, es scheint, dass man Nägel mit Köpfen machen will, wo es doch gerade so gut läuft. Prof. Mausfeld fragte: Warum schweigen die Lämmer? Und seine Analyse war brutal treffend. Und so treibt die politische Elite ihre Lämmer weiter vor sich her. Wenn ich den am 10.09.2020 eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des Bundeswahlgesetzes in seinem Worst-Case-Szenario analysiere, so wird mir himmelangst und bange.
      https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw37-de-aenderung-bundeswahlgesetz-707898
      Die Maskenpflicht und das ganze drumherum zusammengebastelte Corona-Theater ist für diesen nächsten Schritt wie geschaffen…

    • Beobachter: Schauen Sie, Sie haben Ihre Nachricht angefangen mit: „Ich teile die Meinung von Alcedo bezüglich Ania.“ Da Sie ja nun Ihre Meinung über mich haben, sehe ich gerade nicht, wozu ich auf Ihre Ausführungen nochmal antworten soll. Das Schweigen der Lämmer ist oft auch einfach ein Akt des Social Distancing gegenüber Leuten, die einen respektlos als Schafherde bezeichnen – und dabei meinen, das wäre nun das Verhalten von Freiheitskämpfern. Einen schönen Abend noch.

    • Ania, ich bezog mich auf die schweigenden Lämmer im Sinne von Prof. Mausfeld, also auf diese (auch wenn das nur ein Nebenaspekt war):
      https://www.youtube.com/watch?v=-kLzmatet8w
      Ihre Deutung ist eine völlig andere, keinesfalls meine.

    • Beobachter: Ihr Satz „Und so treibt die politische Elite ihre Lämmer weiter vor sich her“ weckt aber die Assoziation zu einer Schafherde. Und impliziert, dass diese Menschen Eigentum der politischen Elite wären, dass sie nicht sich selbst gehören, keine eigenen Entscheidungen treffen, keine Ansichten haben, die man ernstnehmen muss. Man sieht sich umgeben von Mitläufern eines Unrechtsregimes oder gar von Denunzianten mit Blockwartmentalität. Schwupps, ist man im Faschismus von damals, mit einem selbst als Maskenverweigerer in der Rolle des verfolgten Juden, gleichzeitig in der Rolle des Widerstandskämpfers. Man wehrt sich ja schließlich gegen das Maskentragen.

      Nur dass Hitler damals am 30. Januar 1933 die Macht übernommen hat und am 21. März 1933 bereits das KZ Oranienburg errichtet war, einen Tag später das KZ Dachau, zeitgleich gab es zahlreiche Verhaftungsaktionen durch SA und SS. Und die Leute im Widerstand damals hatten echt andere Probleme als das Maskentragen. Das wissen nun bei aller Unwissenheit auch ziemlich viele Deutsche heute und sehen in der Maskenverweigerung keinen Akt des Widerstands, sondern eher der Unvernunft oder der Verantwortungslosigkeit in Zeiten von Pandemie und Krise. Weltweit werden wir Anfang Oktober etwa eine Million Tote im Zusammenhang mit Corona haben. Hierzulande jedoch sterben nur noch wenige; wenn sich das im Winter nicht ändert, wird die Maskenpflicht wohl abgeschafft werden. Aber was vermutlich bleiben wird, ist ein Graben des Misstrauens zwischen den Lagern.

    • Ania:
      „Und so treibt die politische Elite ihre Lämmer weiter vor sich her“ weckt aber die Assoziation zu einer Schafherde. Und impliziert, dass diese Menschen Eigentum der politischen Elite wären, dass sie nicht sich selbst gehören, keine eigenen Entscheidungen treffen, keine Ansichten haben, die man ernstnehmen muss.

      Da treffen Sie den Nagel auf den Kopf, genau so scheint es für die meisten zu sein. Sie laufen mit und glauben, was ihnen seitens der MSM gefüstert wird.

      Sie schreiben:
      "Weltweit werden wir Anfang Oktober etwa eine Million Tote im Zusammenhang mit Corona haben."
      Das glaube ich erst, wenn alle sogenannten Corona-Toten obduziert werden. Und genau das findet nicht statt. Die Lebenden und die Toten werden in aller Regel mit dem Drosten-Test und seinen Abkömmlingen als "Infizierte" definiert. Dieser Test weist Genom-Schnipsel über ein enomes Spektrum nach, keine Erkrankung. Also sind die Angaben über Corona-Tote höchst fragwürdig. Damit besteite ich keineswegs, dass Menschen an Covid-19 gestorben sind, aber mit Sicherheit nicht in den Größenordnungen, die uns das RKI u.a. glaubhaft machen wollen.

      In der gegebenen Situation Menschen für das Nichttragen von Masken – die in der Form von Alltagsmasken kein Virus irgendwie aufhalten können – zu bestrafen, ist in meinem Verständnis eine Form der Ausübung von unangemessener, grundloser Gewalt.

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