KenFM im Gespräch mit: Wolfgang Herles („Die Gefallsüchtigen“)

„Der Kaiser ist nackt!“

Politische Journalisten hatten schon immer zwei Probleme. Auf der einen Seite traten sie bei ihren Recherchen den Mächtigen auf die Füße, auf der anderen Seite zerstören sie durch die Veröffentlichung der recherchierten Fakten das Weltbild derer, die die jeweiligen politischen Eliten als Führung akzeptiert hatten.

Die meisten Menschen – auch in sogenannten aufgeklärten Gesellschaften, Demokratien – wollen systematisch belogen werden. Für das konsequente Wegsehen der Bevölkerung, z.B. auf wessen Kosten der angebliche Wohlstand erzeugt wird, wählt der so zum Komplizen gemachte Bürger eine Führung, die nicht mit Fragen nach Ethik oder Verantwortung eine Art Aufwachprozess einleitet. Dauerkoma auf beiden Seiten.

Diese Form der Stabilität basiert auf dem unsichtbaren Deal beider Ebenen – Herrscher und Beherrschte – die entsprechenden Tabu-Themen zu erkennen und im täglichen Leben zu umschiffen. Dies geschieht jedoch erst im zweiten Step, durch Leugnung. Am Anfang steht immer das konsequente Unsichtbarmachen offensichtlicher Lügen vor dem eigenen Intellekt.

Der politische Journalist stört diesen Prozess der chronischen, aber eben ausgeglichenen Ignoranz und er hat dabei einen Partner auf seiner Seite, den auf lange Sicht niemand betäuben kann. Das Gewissen eines jedes Menschen.

Politische Journalisten stören den Seelenfrieden. Vor allem den all jener Personen, deren Zurechtkommen mit der Wirklichkeit ausschließlich auf Selbstbetrug und Selbsttäuschung beruht. Politische Journalisten erklären in aller Öffentlichkeit: „Der Kaiser ist nackt“.

Für das Zerstören des so süchtig machenden Trugbildes werden sie im Anschluss von fast allen gehasst. Wobei die Herrschenden sich wiederum der Beherrschten bedienen, und über die von ihnen massiv manipulierten Massenmedien das gemeine Volk dazu aufzustacheln, den Überbringer der Botschaft zu ächten, zu verunglimpfen oder zu attackieren, was den großen Vorteil hat, dass die vielen Spielarten der Menschenjagd keinen Platz mehr für die Frage lassen, was konkret hat denn der in Ungnade gefallene Journalist eigentlich recherchiert?

Die Masse sehnt sich nach einem väterlichen Diktator. Dieser erinnert sie an die Zeit der eigenen Kindheit. Familiäre „Sicherheit“ in einem autoritären Umfeld. Ähnlich süchtig nach sektenhafter Führung lechzt der embeddete Journalist nach Anerkennung durch die Mächtigen. Er tut alles, um sich als loyaler Schüler vor ihnen bemerkbar zu machen. Der Kotau vor der Macht scheint deutlich attraktiver zu sein, als die eigentliche Aufgabe des Journalisten – das Suchen nach der Wahrheit und die Kontrolle der Macht.

Wolfgang Herles hat den größten Teil seiner beruflichen Laufbahn beim ZDF verbracht. Zuletzt leitete und moderierte er die Kultursendung „Aspekte“. Herles ist eine Art Spielverderber. Er will, umgeben von Kollegen, die an Gefallsucht leiden, nicht nur nicht mitgehen, er prangert deren Kollaboration an. Damit macht sich Herles im öffentlichen Journalismusbetrieb keine Freude, nur sieht der Mann das auch nicht als seine primäre Aufgabe. Um Noam Chomsky aus seinem aktuellen Werk „Wer beherrscht die Welt?“ zu zitieren:

„Wer sich in den Dienst des Staates stellt, wird in der Regel von den Mainstream-Intellektuellen gelobt; wer diesen Dienst verweigert, muss mit Strafe rechnen.“

Das Interview, das Ken Jebsen für KenFM mit Wolfgang Herles führte, wird erhebliche Schmerzen im System verursachen. Vor allem bei den Kollegen, die sich zu Alpha-Journalisten hochgebuckelt haben. Herles ist ein Insider, ein Whistleblower und er hat dem Dauer-Kotau der Branche vor der Politik vollkommen satt. Sein Buch „Die Gefallsüchtigen“ ist mehr als eine Abrechnung mit den Kollegen von einst, es ist ein Appell an uns, die Konsumenten dieser Presse, aber vor allem die Bürger dieses Landes. Erkennen wir endlich wieder den Wert des politischen Journalismus als Teil des Immunsystems der Demokratie. Verteidigen wir diese Demokratie. Sie ist unser Eigentum – und Eigentum verpflichtet.

Inhaltsübersicht:

00:05:46 Fernsehkultur: Wie sich technische Änderungen auf Sendungsinhalte auswirken und Quotenwahn die heutige TV-Landschaft regiert

00:19:14 Islam, Religion und Wissenschaft, Bildungsstolz und das „Pathos der Leistung“

00:28:05 Kindheit, Jugend und Beginn journalistischer und literarischer Tätigkeit von Wolfgang Herles

00:34:48 Journalismus unter Druck: zwischen Zeitungssterben, Fußball und marktkonformer Berichterstattung

00:53:30 Vom Verfall der Lese-und Schreibkultur: Wie das Netz Medien und Mediennutzer verändert

01:02:48 Bildung vs Kapitalismus: Gebildeter Bürger oder bloß „Fit für den Arbeitsmarkt“?

01:07:03 Beschäftigung mit Kultur vermittelt Fähigkeiten: Wie Urteilsvermögen, Überzeugungen und Haltung herausgebildet oder verhindert werden können

01:22:48 Globale und Nationale Eliten: Geistige, materielle und kulturelle Spaltung macht Verantwortung medialer Vermittlung innerhalb der Gesellschaft notwendig

01:31:28 Zukunftsvision Bildungsfernsehen: Umstrukturierung des gebührenfinanzierten Fernsehens

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30 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Wolfgang Herles („Die Gefallsüchtigen“)

  1. Herr Herles sagt etwas sehr Schönes, am Ende des Gesprächs (ab 1:39:45). Nämlich, dass er sich heute für ein Filmstudium entscheiden würde, nicht für den Journalismus, weil sich das Publikum durch dieses Medium besser erreichen lässt. Das ist so, und das wissen auch diejenigen, welche für Zuschüsse und die Verbreitung der Filme verantwortlich sind. Es ist heute viel schwieriger, mit einem Film an die Zuschauer zu gelangen, als mit einem Buch oder der eigenen journalistischen Arbeit, v.a. dann, wenn es sich um ein anspruchsvolles und/oder kritisches Produkt handelt. In ein grösseres Kino kommen wir nur in der Sommerpause oder am Samstag Nachmittag ‚rein, wobei i.d.R. zwanzig, dreissig Eintrittskarten verkauft werden. Unabhängig produzierte Filme haben null Publicity, und wenn sie dann noch EU-kritisch sind, geht selbst bei den kleinen Sälen nichts mehr, weil die von den Regionen und den Banken ihre Zuschüsse erhalten. Genauso verhält es sich mit den Festivals – und kein Distributor auf dieser Welt akzeptiert einen Nicht-Genre-Film ohne Festivalbeteiligung. Im Dokumentarfilmbereich geht ein bisschen mehr, aber auch da blockiert selbst arte, wenn das Produkt vom Mainstream abweicht. Herr Herles spricht natürlich nicht vom unabhängigen Kino. Das industrielle hingegen produziert schon lange nichts mehr, was in irgend einer Weise wertvoll wäre für die Allgemeinheit. Anderes findet schlicht keine Finanzierung, über welche heute eine Art Vorab-Zensur praktiziert wird.

    Ich danke Herrn Herles für seine Anmerkung, möchte ihn aber bestärken in seiner damaligen Entscheidung. Das Kino ist das althergebrachte Propagandamedium schlechthin, und es wird alles getan, damit das auch so bleibt. Der Druck ist immens grösser als im Journalismus, schlicht, weil das Produkt um Vieles komplexer und teurer und somit anfälliger ist auf äussere Einflüsse. Schafft man es, die Hürden zu umgehen, so wird der ungebetene Film einfach ignoriert und dann mit allen z.V. stehenden Mitteln vom Markt gedrängt. Die Zeiten als Rainer Werner Fassbinder noch Die Liebe ist kälter als der Tod in Berlin oder Angst essen Seele auf in Cannes zeigen konnte, sind definitiv vorbei. Und dass irgend eines dieser kommerziellen Streamingportale dafür einspringen würde, können wir vergessen. Netflix zeigt in Italien lieber My Way, dieses Machwerk von vor drei Jahren, das Berlusconi dazu hätte verhelfen sollen, wieder in die Politik einzusteigen.

    So, das musste ‚mal ‚raus.

  2. Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor, Ich bin nicht so naiv zu verstehen, das man seinen Arbeitsplatz nicht riskieren will. Aber alleine die Tatsache, das sich jemand verbiegen muß und
    seinem Journalistischen Gewissen nicht folgen kann, ist doch höchst bedenklich. Ich kann mich gut in die Situation versetzen ein Vorstadthäuschen in guter Lage einen Porsche Cheijen eine Golfclubmitgliedschaft, den 6Wöchigen Jahresurlaub und das 14Monatsgehalt aufs Spiel zu setzen, aber wenn diese besser dotierte Tätigkeit erfolgreich zu Ende geführt wurde, warum dann Nestbeschmutzung.
    Die Aussagen die in dem Interview gemacht werden, sind doch auch nur Allgemeinplätze und Selbstverständlichkeiten. Die muß man doch nicht in einem Buch explizit anprangern.
    Schlimmer ist die Tatsache, das Gymnasiasten mit schlechter Ausbildung in die Welt entlassen werden, und dass dijenigen die einen Bildungsauftrag haben, diesem Auftrag nicht gerecht wurden.
    Und zu Diesen vermeintlichen Bildungsträgern darf sich auch Herr Herles zählen.
    Da brauch er jetzt nicht die Whistle zu blowen.

  3. schon komisch.
    ein systemkonformer „journalist“ geht offenbar in rente und plötzlich reißt dieser die klappe auf!!!
    nun ja. den einzigen geistigen erguß hat er zwischen 1.16 stunde und 1.18 stunde.
    zum rest kann man nur folgendes sagen: wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.
    viel erfolg beim buchverkauf

    • Er erklärt doch selber, warum er erst jetzt die Klappe aufreißt. Aber klar, du hättest dich natürlich ganz anders verhalten, das glaube ich dir sofort… nicht. Im Übrigen einfach mal richtig zuhören, ansonsten kann so ein Pseudonym auch mehr über einen selber verraten, als einem lieb ist. Wenn das alles intellektuell zu anspruchsvoll ist, gibt es ja andere Möglichkeiten des Zeitvertreibs. Das einzig Komische ist, dass die Kritik an dem Interview kein bisschen begründet ist. Da wird so viel Wichtiges gesagt, das kann man nicht mit einem hingerotzten Satz einfach wegwischen, dessen Sinn sich nur dem Verfasser erschließt und bei dem nicht einmal die (falsche, aber offenbar „hippe“) Schreibweise in kleinen Buchstaben konsequent durchgehalten wird. Das hat halt auch mit dem Bildungsniveau zu tun, aber das wollen viele, die davon betroffen sind, einfach nicht wahrhaben. Endgültig schäbig ist dann der Hinweis auch den Buchverkauf. So wird dann die fehlende Argumentation ersetzt.

      KenFM-Macher: Lasst euch davon nicht beirren. Manche – viele wohl sogar – wollen nichts dazulernen, weil sie vermeintlich schon alles wissen. Sie meinen, weil sie ein paar alternative Blogs kennen, könne man ihnen nichts mehr vormachen. Aber eben nicht alle – viele wissen genau solche Interviews sehr zu schätzen. Leute, die aus dem ÖR-Bereich kommen und aus erster Hand berichten können, sind ganz wichtige Zeugen. Die Erfahrungen eines Herles lassen sich nicht einfach beiseite wischen. Und um diese Erfahrungen geht es in erster Linie, wir müssen sie kennen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie dieser Laden läuft und was wir tun müssen, um das zu ändern. Es geht nicht um die Person Herles, die den Mist viel zu lange mitgemacht hat und viel zu spät darüber berichtet. Aber zu spät ist halt viel besser als nie. Die persönlichen Anfeindungen sind daher völlig unangebracht. Und am Montag kuschen diese Leute alle wieder vor ihren Chefs und Vorgesetzten und machen ihren Scheißjob, weil sie das Geld brauchen. An der Ladenkasse, im Büro, auf der Baustelle – überall. Um hier die Klappe aufzureißen über jemanden, der die Klappe aufreißt. Ausgesprochen sinnlos, sowas.

    • genau….
      den zustand der ö. rechtlichen hat Peter scholl latour schon vor jahren beschrieben!
      man braucht sich auch nicht über den heutigen stand der medien zu wunder, wenn man die historische Entwicklung seit 1945 kennt. noch besser, wenn man die Beziehung zwischen Herrschaft und medien seit Buchdruck nachliest.
      genau das hätte Thema sein sollen! da lass ich mich doch lieber, hin und wieder von der „aktuellen kamera“
      -YouTube- berieseln. ist witziger

  4. Da Herr Herles sich in der selben Altersgruppe mit mir bewegt, haben wir natürlich viele gemeinsame Erfahrungen des täglichen Lebens gemacht.

    So weit könnte ich mit ihm über die guten alten Zeiten mit träume.

    Sollte nicht bei Herrn Herles direkt mal die Glocken läuten. Schließlich war er ja ach eine treibendes Kraft in der Entwicklung unserer Medienlandschaft.

    Sich nun über verblödete Abiturienten aufzuregen wäre wohl seine Aufgabe als Medienschaffender speziell im kulturellen Bereich des ZDF gewesen.

    Sich hier als gelangweilter ZDF Mitarbeiter zu gerieren, der durch Quotenvorgaben in seiner Schaffenskraft eingeschenkt wurde, ist doch sehr billig.

    Auch erscheint mir die Aussage, Menschen die sich im Netz ihre Meinung bilden und dadurch in einer Endlosschleife der Algorithmen gefangen sind, auch für gelinde gesagt Überheblich.

    Das er sich genau dieser „Endlosschleife“ bedient, um seine literarischen Ergüsse zu vermarkten, zeigt eigentlich wes geistes Kind er ist. Er ist wohl der Meinung, dass Jeder der sich bei KNF einloggt mit Scheuklappen versehen ist und seinem Gewäsch auf den Leim geht.

    • Herles eine „treibende Kraft“? Na ja… Dazu war er schon alleine durch sein Ressort viel zu unbedeutend. Und wenn er erzählt, er sei oft gelangweilt gewesen, dann darf man das ja auch einfach mal so zur Kenntnis nehmen. Wundern würde mich überhaupt nicht, wenn es stimmte. Dass die Abiturienten immer mehr verblöden, liegt auch auf der Hand, dafür gibt es mehrere Gründe („Zeitalter der Massenverblödung“ – Scholl-Latour – und jede Menge fürchterlich stupide „Reformen“ des Bildungssystems würden alleine schon genügen). Herles erzählt ja eben, dass es nicht möglich war, hierauf irgendeinen Einfluss zu nehmen. Er schildert doch, wie das Geld, das für Kultursendungen dringend gebraucht würde, lieber an Fußball-„Experten“ verschwendet wird, die in der Tat nur das erzählen, was jeder mittelmäßige Fußballfan am Stammtisch auch erzählen kann. Und ja, sich Bildung im Netz zu holen, kann und darf nicht der (einzige) Weg sein. Bildung holt sich da eh keiner, wir holen uns allenfalls Informationen. Damit umgehen können wir nur, wenn wir gebildet sind bzw. wurden. Ansonsten wird mit den Informationen nämlich Schindluder betrieben, die Leute glauben z.B., durch Wahl der AfD würden ihre Probleme gelöst, oder sie lassen sich gegeneinander ausspielen, nach dem ewigen „Teile und Herrsche“-Prinzip.

      Ach, ich lasse es gut sein, es fehlt halt vielen an der nötigen Bildung, um solche Gedanken nachvollziehen zu können, und wenn das jetzt arrogant klingt, dann ist es halt so, es ist aber eher ein Ausdruck der Verzweiflung.

    • Möglich, das ich etwas zu harsch in meinen Ansichten bin, aber wenn ich im System mitmache, dann sollte ich anschließend nicht so tun, als wäre da nichts zu machen gewesen. Schließlich kommt Herr Herles auch aus einer Zeit, in der von Rückrad und aufrechtem Gang viel geredet wurde, in der wir unseren Eltern Blindheit vorwarfen.
      Jetzt als Altersweise daher kommen, und auf einen Zug aufzuspringen, der noch ein paar Tantiemen abwerfen könnte, macht Herrn Herles in meinen Augen unglaubwürdig.
      Diese Opportunisten hängen ihr Mäntelchen immer in den Wind und da man jetzt das Brot eines Verlages beißen muß, sorgt man rasch für Leserschaft. Da sind mir Journalisten vom Schlage Krone Schmalz lieber.
      Bei Herles schimmert mir zu viel Berechnung durch.

    • Das ist richtig – seine Erkenntnisse und seine Bekenntnisse kommen reichlich spät. Aber deshalb sind sie ja noch nicht falsch. Ich finde es jedenfalls wichtig, dass KenFM ihn zu Wort kommen lässt. Aber klar, ein bisschen mehr Selbstkritik würde dem Mann durchaus gut zu Gesichte stehen – und sie würde ihn auf jeden Fall noch glaubwürdiger machen.

    • Ich bin froh über jeden der den Mund aufmacht.
      Nur leider gab es schon einige Menschen denen ich auf den Leim gegangen bin.
      (Schröder,Fischer, Schieli, Con Bendit….ec. ) Ich werde bei Lippenbekenntnissen mittlerweile mistrauisch.
      Wenn jemand eine Gesinnung hat, dann glaube ich nicht das er sie sein ganzes Leben so gut verstecken kann.
      Im Arbeitsleben unterfordert, sich langweilen und das als Journalist.
      Worauf hat der Mann gewartet um seinen Mund aufzumachen.
      Oder hatte er nichts zu sagen,?
      Dann frag ich mich, warum jetzt, die Probleme mit den Medien sind doch nicht erst diese Woche entstanden.

    • Er war ja kein politischer Journalist. Er leitete kein „Studio Washington“, machte keine dieser absurden politischen Talkshows und moderierte nicht das „heute-journal“. Wenn du ein Redakteur im kulturellen Ressort bist, dann bist du erstmal froh, überhaupt einen Job beim ZDF zu haben. Lies mal „ADR & Co – wie Medien manipulieren“. Da schreiben weitere ehemalige Angestellte der ÖR-Anstalten. Dort wird auch erklärt, wie heutzutage die finanzielle Situation von Journalisten ist. So schwer ist das alles nicht zu verstehen. Ich glaube vor allem aber nicht, dass es viele in anderen Berufen gibt, die ihren Job riskieren, indem sie das Maul aufmachen und z.B. lautstark gegen die Entlassung von Kollegen protestieren.

  5. Ich bin einigermaßen überrascht, dass sich einige hier und vor allem auf der YouTube-Seite sehr kritisch zu diesem Interview äußern. Ich gebe offen zu, den Herles früher beim ZDF gar nicht gemocht zu haben. Aber er ist ein sehr kluger und intelligenter Mann, mit Ansichten, die meine persönliches Denken durchaus noch bereichern (und ich bin schon jenseits der 50). Wobei ich feststelle, dass sich viele meiner Ansichten und Erkenntnisse aus der Lebenserfahrung heraus decken, insbesondere auch was Religionen betrifft. Bei YouTube ist genau das teilweise der Aufhänger, und man kann wieder einmal sehen, dass die Leute gar nicht zuhören. Herles ist ja nicht intolerant gegenüber den Religionen, im Gegenteil, er beklagt die Intoleranz gegenüber denen, die nicht gläubig sind. „Die Nichtreligiösen werden unterdrückt, dürfen nicht über Religion reden, Religion ist politisch korrekt“ – und damit hat er glatt einen Volltreffer gelandet! Genau so empfinde ich das seit vielen Jahren auch.

    Mir imponiert außerdem, dass er nicht lange um sein früheres Dasein als Mainstream-Journalist herumredet. Er bekennt sich quasi schuldig. Er gibt zu, dass er erst jetzt so redet und reden kann, wie er wirklich denkt. Respekt, auch eine späte Einsicht ist allemal besser als gar keine, und wer von uns nicht die bequeme Karriere beim ZDF vorgezogen hätte, wenn sich die Chance ergeben hätte, der werfe den ersten Stein!

  6. Ach etwas vergessen
    Leider muss ich mit dem Märchen aufräumen das die Bevölkerung was in den Mainstrammedien steht
    nichtt mehr glauben bzw. anzweifeln.
    Leider stimmt das nicht so, Außer von den urdemokraten von der Pegida die von Lügenpresse schwatzen, weil das nicht ihre Meinung ist und keine andere Meinung akzeptieren.
    Der große Rest (Außer auf ein paar wenige)der Bevölkerung keine Lust auf kritische Berichte/Sendungen haben .Lieber Fußball 24 Stunden sehen möchten oder oder leichte Medieninhalte konsumieren möchten.
    Das sind nur zum Teil schuld der öffentlichen TV Anstalten.
    Interessenlosigkeit ganz einfach !!!!!!!!!!!!!!

  7. Prima
    endlich mal ein Gespräch was nicht in erster Linie mit Russland zutun hat!!!!!
    Zeitweise habe ich den Glauben verloren ob es noch andere Themen gibt außer das arme von allen Seiten eingekreiste Russland gibt. Mich würde interessieren außer was die Propaganda Sender RT und anderen zahlreichen Radiomoskausender berichten über die Demokratie/Pressefreiheit in Russland ausschaut.
    Das Herles Gespräch ist interessant, weiter so.

  8. Also ich kann da oft nicht mitgehen.
    Wenn er über die „Konsumenten des Internets“ erzählt die von Algorithmen gelenkte Informationen erhalten hört es auf.
    Menschen die alternative Medien konsumieren, selber recherchieren, auch zuweilen lesen oder hören oder sehen was der Mainstream zum Thema sagt, Menschen die sich aktiv mit den Themen auseinander setzen usw. sind umfassend und wahrhaftig informiert.
    Das was die MSM bringen ist ja nur Propaganda.
    Ausserdem überrascht z.B. auch KenFm mit bestimmten Beiträgen (siehe Interview mit Wolfgang Herles) hätte ich mir selbst nie rausgesucht oder Nachdenkseiten, Propagandaschau, >AZK, Christoph Hörstel …. usw… usf… besonders die Nachdenkseiten sind sehr gut zusammen gestellt.

  9. Ich habe das Interview mit gemischen Gefühlen angeschaut und dennoch irgendwie genossen. Es gibt mehrere Punkte an denen ich Herrn Herles nur beipflichten kann – Allerdings auch welche bei denen ich komplett kontär eingestellt bin. Wie Herr Herles selbst schon anmerkte, Demokratie (und nicht nur diese) lebt vom Diskurs.
    Im alten Griechenland war die Diskussion sogar eine Kulturveranstaltung.
    Dennoch würde ich hier gene auch eine LAnze brechen für die „Konsumenten“. Wie im Interview zur Sprache kam ist eben auch das Wirtschaftssystem nicht an mündigen, selbstständig denkenden Bürgern interessiert und wir werden von kleinauf „Marktkonform“ erzogen, damit „etwas aus uns wird“, wie der Volksmund so schön sagt.
    Was dabei aber gerne vergessen wird ist, dass auch die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen und die Leistungsfähigkeit begrenzt ist. Nach acht Stunden Arbeitsstress, unzähligen Telefonanrufen, Meetings, Entscheidungsprozessen und so weiter, kann ich jeden verstehen der dann in seiner Freizeit nur noch „Berieselt“ werden möchte und harmonie sucht. Nur noch etwas bequemes konsumieren, nicht hinterfragen, nicht knobeln. Viele von uns „funktionieren“ im System tagtäglich um usneren Lebensttandard aufrecht zu erhalten, Familien zu ernähren und dergleichen. Wir tun das nicht (zumindest nicht alle) weil wir es für die tollste, intelektuellste Idee aller Zeiten halten, sondern aus Notwendigkeit.
    Das System erzewingt aber maximale Leistung zu erbringen. Wir müssten besser, schneller, dynamischer sein als alle Konkurrenten. Sogar das Schulsystem befördert das Konkurrenzdenken. Und nach 8 Stunden in einem sich immer und immer schneller drehenden, uns beinahe zermalmenden Hamsterrad, kann der Bürger einfach nicht auch noch zuhause den höchten intellektuellen Ansprüchen genügen. Wir sind ausgelaugt… Das System schützt sich dadurch selbst… es ist eine Spirale.
    Mündige Bürger sind nicht gewollt, als wird alles daran gesetzt dass es eben auch keine gibt. Angefangen beim Bildungssystem über die systematische Zerstörung der Familie als kleinste Zelle der gesellschaft, weiter über die Verunglimpfung von Menschen die es Wagen Familie über Karriere zu erheben und so weiter.
    Das sollte mit betrachtet werden bei der ganzen Diskussion. Nicht nur die Journalisten und Medien sind unter Druck sondern wir alle.
    Komplett gegenteiliger Meinung zu Herrn Herles bin ich in Sachen Internet und neue Medien aufgestellt. John Swinton hat schon vor über 100 Jahren ausgesprochen dass es eine Freie Presse nicht gibt. Mark Twain soll gesagt haben dass die die keine Zeitung lesen nicht informiert seien, aber diejenigen die Zeitung lesen, falsch informiert seien. Und beide hier soeben zitierten Personen, sind in gewissen Aspakten Kollegen von Herrn Herles.
    Ebenso lehrt uns nciht zuletzt die Berichterstattung über 9/11 und die Ukrainekrise sowie MH17, wo auch die deutsche Presse nicht nur Fotos fälscht bzw. völlig falsch zuordnet und widergibt, sondern sich nicht zu fein ist Propaganda zu betrieben indem man einzelne Frames aus Videos heraus schneidet und in komplett gegenteiligem Kontext dargestellt abdruckt, dass auch diese Form von PApier sehr geduldig ist.
    Das Internet bietet Demokratie bei den Informationen. Ein Zeitungsverlag kann gekauft sein, oder von oben herunter Diktiert, Transatlantikbrücke oder Geschäftsverinbarung / Staatsvertrag nur NATO- und USA-Freundlich zu berichten etc.
    Es sit aber wesentlich schwerer 100 Quellen zu bestechen oder zu manipulieren als eine oder zwei.
    Darum wurde die Demokratie erfunden, um die Macht auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Das gilt auch für die Macht der Information und der Deutungshoheit.
    Wissen ist Macht, also muss das Wissen ebenso verteilt werden. Und das geht eben nicht mit 5 Redaktionen die voneinander abschreiben.
    Ich persönlich glaube den Printmedien sowie dem Fernsehen nciht weiter als ich sie werfen kann und habe vor etwas über einem Jahr aufgehört klassiche Fernsehprogramme zu konsumieren. Ich bin mein eigener Redakteur und bilde mit meine Meinung selbst. – Und dafür ist man heute ein „Sonderling“.
    Dennnoch sollten wir die Hoffnugn nicht aufgeben, mein Patenkind mit seinen 2 Jahren erinnert mich mit seiner unumwundenen Neugier auf die Welt und das Leben immer wieder daran was in uns allen steckt, wäre es nur nicht so gut Systemkonform wegerzogen.

    • „Ich bin mein eigener Redakteur und bilde mit meine Meinung selbst.“
      Das wird schwierig.
      Google weis, was du sehen und hören willst, dann bekommst du vor allem das von Dir gewollte.
      Du schmorst im eigenen Saft.
      Herr Herles sagte auch, dass wenn man eine Zeitung ließt, einem auch andere Themen vor die Fuchtel kommen.
      Ich will damit nicht sagen, das sich jeder eine Zeitung kaufen soll!
      Man sollte nur wissen, was im Hintergrund passiert.
      Ich bin auch der Meinung, es ist wichtig zu wissen, was über die Staatsmedien propagiert wird.
      Nicht aus 2. Hand – da wird viel durcheinander geworfen.
      Nur dann kann ich es einordnen.

    • Auch @schwarz ist weiß: Man sollte immer auch ein Mainstreamblättchen durchgehen, eines reicht, die Agenda der „wichtigsten Meldungen“ wird von den großen Agenturen gesetzt, deren sich alle bedienen. Ich setze aus reiner Gewohnheit auf SPON/Schlagzeilen. Andere Sichtweisen auf einzelne, subjektiv interessante Themen, sollte man dann gegenprüfen, mit Hilfe einer Suchmaschine der Wahl oder innerhalb bekannter Blogs. Hier kann ich „der Freitag“, insbesondere die COmmunity sehr empfehlen, dort findet man eine ganze Reihe Blogger, die sich um Themen wie Syrien, Jemen, Libyen kümmern und sogar im Gegensatz zu vielen anderen „Journalisten“-Darstellern auch in den Ländern sind/waren und über Informationen aus erster Hand verfügen. Was nicht bedeutet, dass alles stimmt, allerdings kommt denen ein Satz wie „Putins Werk – Obamas Beitrag“ nicht durch die Feder.
      Das Leseverhalten hat sich durch die neuen Medien gravierend geändert, da hat Herles recht: man kann gar nicht mehr alle Meldungen durchgehen, wie in einer Zeitung, da viele nur die obersten Schlagzeilen lesen und nicht mehr das ganze Informationsangebot vor Augen haben können. Das zurechtlegen der Suchergebnisse durch Google schränkt hier weiter ein. Ein Paar „eigene“ Blogs helfen hier weiter, meine Liste:
      http://www.spiegel.de/schlagzeilen
      http://www.nachdenkseiten.de
      http://www.hintergrund.de
      http://www.konjunktion.de
      http://www.freitag.de/community
      http://www.de.sputniknews.com
      http://www.heise.de/tp/
      http://www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de
      http://www.neopresse.com
      Für Eilige empfehle ich – natürlich immer NEBEN kenfm – die Nachdenkseiten, die haben jeden Morgen bis 09:00 Uhr eine Übersicht über die vermeintlich wichtigsten Beiträge, oft mit korrigierenden Kommentaren. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten geben stets wichtige Informationen, die nicht im Mainstream stehen und sind aus meiner Sicht die schnellsten, manchmal etwas apokalyptisch in den Überschriften, aber oft mit sonst nicht erwähnten Informationen: heute z.B. mit 3 Artikeln über den desolaten Zustand der US Gesellschaft (Rente, Gesundheit, Armut).

  10. Super. Ich liebe solche Gespräche die meinen Horizont anderer Sichtweisen erweitern.

    Zu der heutigen und geistigen Spracherweiterung über diese Icons der Bild oder Symbolsprache gab es mal einen geschichtlichen Vergleich, hin zu den Urvölkern der Maya oder Ägyptens. Einer Sprache die zusammengesetzt ist aus Hieroglyphen. Also vielen Icons bzw. Piktogrammen.

    Allein das Einarbeiten des Piktogramms oder des Logos von Facebook oder Apple in einem Satz, führt sofort hin zu einer geistigen Anschauung ohne weitere Erklärung.
    Genauso wie die Icons der Verknüpfungen auf dem Desktop des PC oder den Logos der vielen Apps auf den Smartphones.

    Jeder der um diese Sprache weiß, kennt deren Bedeutung.
    Jedenfalls kam man in dem Vergleich, einer Sendung die ich vergessen habe, zu dem Schluss, dass die heutige Sprache wenn diese weiterhin diesen Weg der Icons und Logos folgt man diese am Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr lesen kann, da deren Bezug im Wissen seiner Bedeutung und geistigen Verknüpfung verloren gegangen ist.

    lg

  11. Herr Herles ist Jemand der viel erzählen kann und das auch tut. Gut so! Sehr gefallen hat mir, das hinter all seinem Streben eine aufrichtige, ja rechtschaffende Haltung durchschimmert. Das Thema Bildung halte ich jedoch für überbewertet. Jedenfalls die schulische. Wir leiden darunter, das immer Mehr viel über etwas reden, statt davon. Politik und Wirtschaft lassen sich von Think Tanks beraten. Entscheider brauchen Pläne, Strategien. Von Denkern. Aus Eliteuniversitäten. Durch große und „seriöse“ Beratungsunternehmen. Da geht es ja weit über gesunden Menschenverstand hinaus. Gewiss!
    Unterhaltung hingegen wird weit unterschätzt. Sie ist nicht nur bloßer Fun. Ken sprach mir grade zu aus dem Munde, als er die filmischen Werke aufzählte. Überhaupt sind es die Filme, die uns an Erlebnisse teilhaben lassen, die wir sonst niemals so erfahren würden. Sie erweitern nicht nur unsere Erlebniswelt, sie lassen uns auch Tränen vergießen, jauchzen, jubeln und auch anhimmeln. So viel Fantasie und enormes Können von so Vielen fließt dort ein, das man es kaum glauben mag. Und so ist es nur zu begrüßen, das es nicht nur beim geschriebenen Wort bleibt. Mir wird sowieso viel zu viel geschrieben als gesagt. Und viel zu viel gesagt als nachgeschaut. Erst danach lohnt es mit dem Meinen und Denken anzufangen.

  12. Ich war schön immer ein Fan von Herrn Herles, als er noch in ZDF arbeitete. Er ist grossartig und ein sehr intelligenter Mensch, mit einem Humor… ich habe mich sehr amüsiert bei diesem interessanten Gespräch. Und ja, wo er recht hat, hat er recht. Mehrheit von den Menschen konsumieren ohne zu denken – es ist einfach aber auch armselig. Wir sind so grossartige Geschöpfe, die leider vergessen haben, was für ein Potenzial in jedem von uns steckt. Wir dürfen nicht aufhören zu denken! Das ist es, was das System mit uns vor hat. Ich wünsche Euch allen viel Spass beim Zuhören und Zuschauen. Das Buch kaufe ich mir!

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