Zeit für die Revolution!

Lehren wir den Herren der Menschheit das Fürchten. Exklusivabdruck aus „Kampf oder Untergang!“

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beitrat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Emran Feroz und Noam Chomsky.

„Pessimismus sollten wir dem Intellekt und Optimismus dem Willen überlassen“, schreibt Antonio Gramsci in seinen Gefängnisheften. Ich teile diese Meinung. Doch auch der Pessimist muss sich entscheiden: Er wird entweder feststellen, dass ohnehin keine Hoffnung besteht, und das Schlimmste einfach geschehen lassen — oder er wird erkennen, dass es gewisse Möglichkeiten gibt, die gegenwärtigen Umstände irgendwie zu verbessern und handeln. Letztlich kann es nur den Weg des Handelns geben, denn alle großen Probleme, die hier aufgezeigt wurden, können gelöst werden“, meint Noam Chomsky. Emran Feroz hat ihn hierzu interviewt.

Emran Feroz: Trotzdem machen Sie sich große Sorgen um die Zukunft unseres Planeten. Wie nahe am Abgrund stehen wir wirklich?

Noam Chomsky: Ich denke, dass das menschliche Überleben auf dem Spiel steht. Die ersten Opfer sind — wie so oft — die Schwächsten und Verletzlichsten. Das wird auf den Klimagipfeln immer wieder deutlich. Die Aussichten diesbezüglich sind schlecht. In der Zukunft — falls es eine geben wird — werden sich Historiker erstaunt fragen, was hier los gewesen ist.

Jene, die etwas gegen die Katastrophe unternehmen wollen, gelten als „primitive“ Gesellschaften: Es sind die indigenen Bevölkerungen Kanadas und Südamerikas und andere Völker der Welt. Wir sehen den Kampf für die Umwelt und deren Schutz, wenn wir nach Griechenland blicken, wo die Einwohner von Skouries in Chalkidiki heroischen Widerstand leisten gegen Eldorado Gold, einem typischen multinationalen Megakonzern, und die Polizeikräfte, die vom Konzern mobilisiert werden.

Jene, die unermüdlich damit beschäftigt sind, uns in den Abgrund zu stürzen, sind die reichsten und mächtigsten Gesellschaften der Welt, und sie haben unvergleichbare Vorteile gegenüber den Schwachen, wie man am Beispiel der Vereinigten Staaten und Kanada sieht. Sie handeln nicht rational, sondern tun das Gegenteil. Es hat am ehesten mit der verrückten Rationalität in einer „wahrhaftig existierenden kapitalistischen Demokratie“ zu tun.

Dass Sie selbst in diesen dunklen Tagen einen derartigen Optimismus an den Tag bringen, ist für viele Menschen erstaunlich. Woher nehmen Sie diese Haltung?

Ich bin fast 90 Jahre alt. Während meiner Kindheit fanden die große Depression sowie der Aufstieg des Faschismus statt. Als ich zehn Jahre alt war, schrieb ich meinen ersten Artikel für eine Schülerzeitung. Es ging darin um den Aufstieg des Faschismus in Europa. So sah die Welt damals aus. Ich erinnere mich an Hitlers Reden, die im Radio gesendet wurden. Ich verstand sie nicht, doch die Reaktion des Publikums konnte man nicht missverstehen. Es war erschreckend.

In meiner Nachbarschaft waren wir die einzige jüdische Familie. Die Gegend war typisch katholisch, voll mit Iren und Deutschen. Sie waren keine radikalen Antisemiten, doch sie waren offene Unterstützer der Nazis. Das war die Welt der 1930er-Jahre. Der Faschismus und die Nazi-Ideologie waren kein Witz.

Was gegenwärtig passiert, ist in vielerlei Hinsicht hässlich, doch es ist kein Vergleich zur damaligen Zeit. Was seitdem geschah, ist eine komplizierte Geschichte. Es gab Höhen und Tiefen. Es gab den zivilisierenden Effekt des Aktivismus und die neoliberale Regression. Doch wenn man in Betracht zieht, was durch die Anstrengungen des Aktivismus in Anlauf gebracht und erreicht wurde, gibt es Grund genug, optimistisch zu sein.

Warum Optimismus angebracht ist

In den letzten fünfzig Jahren sind die Gesellschaften der Gegenwart — unsere Gesellschaften — um einiges zivilisierter und fortschrittlicher geworden. Dies betrifft verschiedene Bereiche und lässt sich nicht von der Hand weisen.

Das beste Beispiel hierfür sind Frauenrechte, die sich in den letzten Jahrzehnten weltweit verbessert haben. Dies betrifft vor allem westliche Gesellschaften wie die Vereinigten Staaten. Als die Gründungsväter die Unabhängigkeit der USA von den Briten erkämpften, übernahmen sie auch die britische Gesetzgebung. Laut dieser wurden Frauen in erster Linie als Besitz und nicht als Individuen betrachtet.

Eine Frau gehörte dem Vater und wurde dann dem Ehemann übergeben. Das änderte sich mit der Zeit, doch es geschah sehr langsam. Erst im Jahr 1975 wurde Frauen in den USA das Recht garantiert, in Geschworenengerichten als gleichwertige Personen zu agieren. Das liegt nur einige wenige Jahre zurück, und das ist nur eine von vielen Veränderungen.

Ein weiteres Beispiel ist der Widerstand gegen außenpolitische Aggressionen. Das, was man in diesen Tagen sieht und erlebt, gab es in den 1960er-Jahren in dieser Form noch nicht. Wenn man den Vietnamkrieg mit der Invasion des Iraks vergleicht, wird das besonders deutlich. In der Geschichte des westlichen Imperialismus war es im Fall des Irakkriegs das erste Mal, dass es massenhafte Demonstrationen gab, bevor mit der Invasion überhaupt begonnen wurde.

Als die USA in den Süden Vietnams einmarschierte, geschah dies ohne nennenswerte Proteste. Natürlich war der Irakkrieg schlimm genug, doch der Widerstand der Bevölkerung hatte auch eine gewisse Wirkung. Bush, Blair und ihre Komplizen dachten nicht einmal im Traum daran, jene Verbrechen zu begehen, die Kennedy und Johnson in Vietnam verübten, ohne jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Ein weiteres Beispiel ist der Umgang mit Atomwaffen. Es gibt weltweit eine große Opposition gegen den Gebrauch und die Entwicklung von Atomwaffen. Die Bedrohung eines Atomkriegs ist meiner Meinung nach realer, als es sich viele Menschen vorstellen können, doch es gibt auch den Widerstand dagegen, und dieser könnte weiterhin wachsen und einflussreiche Formen annehmen.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Umweltkatastrophe, von der wir nun permanent sprechen. Vor vierzig Jahren wurde dies nicht einmal als Problem wahrgenommen. Doch nun hat sich die Wahrnehmung vollkommen geändert. Viele Menschen wissen, dass der Klimawandel ein Problem ist und dass dagegen etwas unternommen werden muss. Natürlich ist all dies noch nicht genug, doch das könnte sich ändern.

Wie der Wandel zu schaffen ist

Der Grund, warum sich Dinge verändern, hat mit der Tatsache zu tun, dass es Menschen gibt, die ständig daran arbeiten. Sie arbeiten innerhalb ihrer Gemeinschaften, an ihren Arbeitsplätzen oder anderswo. Damit schaffen sie die Basis für Bewegungen, die mittels ihres Aktivismus letztendlich Veränderungen herbeiführen.

Auf diese Weise nahm so ziemlich alles, was im Laufe der Geschichte geschehen ist, seinen Anfang. Egal, ob dies das Ende der Sklaverei oder demokratische Revolten betraf. In den meisten Geschichtsbüchern wird uns das auch so vermittelt. Doch in diesen Büchern gibt es immer gewisse Führer, die hervorgehoben werden, wie etwa George Washington oder Martin Luther King. Ich will nicht behaupten, dass derartige Persönlichkeiten nicht wichtig gewesen sind. Natürlich spielte King in der Geschichte eine wichtige Rolle. Doch die Bürgerrechtsbewegung war weitaus mehr als eine Person.

Der Name Martin Luther King steht in den Geschichtsbüchern, weil viele Menschen, deren Namen nie erwähnt oder vergessen wurden, die Voraussetzungen für den Wandel geschaffen hatten. Jene Menschen, die in den Südstaaten teils gefoltert oder getötet wurden, waren das Fundament der Bürgerrechtsbewegung.

Erst wenn es Aktivisten gibt, Menschen, die eine soziale und politische Veränderung herbeiführen wollen und sich dafür einsetzen, können Menschen wie ich in Erscheinung treten. Wir können prominent werden, weil jemand anderes die Arbeit macht und die Grundsteine legt. Meine Arbeit richtet sich nicht in erster Linie an Intellektuelle oder Politiker, sondern an jene, die man als das einfache Volk bezeichnet.

Das, was ich von diesen Menschen erwarte, erfüllen sie bereits, indem sie versuchen, die Welt zu verstehen und so handeln, wie sie es als richtig empfinden. Nur so kann der Wandel zu einer besseren Welt gelingen.

Ich versuche lediglich, eine Art der intellektuellen Selbstverteidigung näherzubringen. Ich meine damit gewiss kein akademisches Studium an der Universität. Dort wird so etwas nämlich nicht gelehrt. Es geht mir vielmehr um die Entwicklung unabhängigen Denkens, und das ist gar nicht so einfach, wenn man alleine ist.

Unser vorherrschendes System ist nämlich besonders gut darin, die Menschen voneinander zu isolieren. Jeder ist allein, man ist wie ein Hamster im Rad. Diese Umstände erschweren es, eigene Ideen zu entwickeln und kreativ zu sein.

Man kann die Welt nicht alleine ändern. Jene, die diesen Weg beschreiten, tun das, indem sie sich organisieren und zusammenarbeiten. Die intellektuelle Selbstverteidigung, die ich meine, findet stets in einem sozialpolitischen Kontext statt, der für positive Veränderungen absolut notwendig ist.

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Emran Feroz, Jahrgang 1991, arbeitet als freier Journalist mit Fokus auf Nahost und Zentralasien unter anderem für Die Zeit, taz, Al Jazeera und die New York Times. Er berichtet regelmäßig aus und über Afghanistan und den US-amerikanischen Drohnenkrieg und ist Gründer von „Drone Memorial“, einer virtuellen Gedenkstätte für zivile Drohnenopfer.

Noam Chomsky, Jahrgang 1928, gilt als Begründer der modernen Linguistik und ist einer der meistzitierten Wissenschaftler der Moderne. Seit 1955 lehrte der US-Amerikaner als Linguistik-Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Inzwischen ist er emeritiert. Chomsky gehört zu den einflussreichsten kritischen Intellektuellen der Welt. Er hat mehr als 100 Bücher geschrieben, sein aktuelles ist „Requiem for the American Dream: The 10 Principles of Concentration of Wealth & Power“. Chomsky ist ein scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik, der US-Ambitionen auf geopolitische Vorherrschaft und des globalen Kapitalismus neoliberaler Ausprägung, den er als Klassenkampf von oben gegen die Bedürfnisse und Interessen der großen Mehrheit bezeichnet.

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Dieser Beitrag erschien am 18.11.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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14 Kommentare zu: “Zeit für die Revolution!

  1. Revolution? Nicht wirklich oder?

    Nach der französischen Rev kam Napoleon.
    Nach der russischen Rev kam Stalin.
    Nach der deutschen Rev kam der Gröfaz.

    Immer wieder das Gleiche tun und auf andere Ergebnisse hoffen ist Wahnsinn. Da hat der alte Einstein was kluges erkannt.

    Es wird Zeit für ne GUTE Idee.

    • Tja,Revolutionen-Seltsam,nach jeder Revolution war es für das Volk immer schlimmer als vorher.

      Die Rakowskij-Protokolle zeichnen ein Bild von Ereignissen der jüngeren Weltgeschichte,und sollten diese Protokolle echt sein,dann müßte die Geschichte umgeschrieben werden. …Neja,das kann man sich denken-auch so.

      In diesen Protokollen legt ein Zeitzeuge der russischen Revolution und Weggefährte Trotzkis und Lenins dar,dass alle Revolutionen von den Illuminaten orchestriert bzw. inszeniert wurden,um ihre Macht und ihren Einfluss auszubauen.
      Bekanntlich sollen diesem und anderen Geheimbünden ja die mächtigsten Leute aus allen Bereichen wie Banken,Großindustrie und Politik angehören.
      In dem Buch „Die 13 satanischen Blutlinien“erklärt der Autor,dass mittlerweile alle Geheimbünde der Welt vereint sind unter einem Banner um ihre Eine-Weltregierung zu verwirklichen.

    • Blomberger
      Wir interessieren uns für dieselben Bücher, stell ich fest. Habs aufm Rechner (die 13. sat Blutlinien), bin aber noch nicht dazu gekommen es zu lesen.

      Eine-Welt Regierung haben wir bereits. Nennt sich UNO. Fehlt jetzt noch die Währung und die Religion… Dafür brauchts Religionskriege und nen großen Wirtschaftscrash. Beides in Arbeit würd ich sagen. 🙁

    • Außerdem trau ich dem Chomsky nicht so wirklich übern Weg. Der ist mir zu anerkannt vom Establishment und sagt zu kluge Dinge, die alle Menschen unterschreiben würden.

      Würde er dem System wirklich gefährlich werden, wär er schon nicht mehr unter den Lebenden.

    • Ich habe auch ein Buch von Chomsky gelesen,und hatte immer viel von ihm gehalten.Als Sprachwissenschaftler hat er bestimmt großes geleistet.
      Aber seit den letzten zwei Jahren sind die Schleier vollends gefallen,bezüglich der Mainstream-Medien.
      Nun ist klar,dass die nur das berichten,das sie wollen,was die Menschen wissen sollten.Und Chomsky wird ja auch vom Mainstream hochgehalten.

      Was auch seltsam ist,dass die meisten Intellektuellen nichts handfestes sagen und nie wirklich an der Wurzel rütteln,-und das ist das Geldsystem. Darüber verliert ein Chomsky kein Wort.

      Auch in den Büchern von Marx wird nicht einmal das Wort Bank erwähnt. Sehr seltsam.

    • Kristana,Du hast recht,was Du bezüglich der UNO sagst.
      Das Buch „Die 13 satanischen Blutlinien“habe ich verborgt. Steht vieles drin an Vermutungen ,was diese Satanisten planen ,und heute tatsächlich versucht wird umzusetzen. Die Abschaffung des Bargeldes zum Beispiel und die Flüchtlingswelle und Migration-Durchmischung der Völker,Abschaffung der Nationalstaaten…

    • „Es wird Zeit für ne GUTE Idee.“

      Die Idee und Lösung gibt es . Ganz ohne Gewalt .
      Wenn Du das Buch „Das Ubuntu-Prinzip“ liest,dann weißt Du die Lösung.

    • Blomberger
      Das Ubuntu-Prinzip ist dieser „eine Welt ohne Geld Gedanke“ oder? Hab mal was davon gehört. Muss mich da echt mal dahinter klemmen. Fände diese Idee extrem gut. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken, Das wächst.

      Hab mich am Freitag schon gefreut, als der no-buy-day ausgerufen wurde. Könnte eine Bewegung werden. Hat ja bei den Veganern auch geklappt.
      Bin schon seit 3 Monaten auf Komsumverzicht. Hätte nie gedacht, dass das so schwer wird. Gerade als Frau – keine Schuhe, kein Parfum. 😉 Aber es geht! Ist auch nur ne Sucht, die man überwinden kann.

  2. Revolution ist ein beliebiges Produkt . War Revolution nicht der Name eines Parfums ?
    Umsturz machen heute Merkel und Guterres und Juncker und Soros und Goldman Sachs die EZB …. .
    Sie Konstruieren die Neue Gesellschaft mit dem Neuen Menschen nach ihrem Profit .
    Die Kritik eines Noam Chomsky trifft die Realität nur mehr am Rande .
    Diese „Revolution“ wird die notwendige Masse nicht mehr finden, denn die Masse ist erfolgreich atomisiert . Der Weg aus dieser atomisierten Gesellschaft wird lange und vermutlich finster .
    Die Kristallisation neuer Gesellschaften, die die Natur und die Gesamtheit des Lebens erfassen und respektieren braucht Zeit . Nimmt man die Massenmigration beim Zusammenbruch des römischen Reiches als Maßstab kann es 1000 Jahre brauchen, bis eine Kultur wie die Renaissance geformt ist .

    • „Völkerwanderung“: Migration und das Ende des Römischen Reiches“ –> in Suchmaschine eingeben.
      (Walter Pohl | 24. Mai 2016)
      von der Uni Wien mal lesen – oder in der eigenen Blase verharren.

      Ausschnitt:

      Kein König der Goten, Vandalen oder Franken, auch nicht Odoaker, hat es gewagt, selbst den Kaisertitel anzunehmen – es gab ja noch den Kaiser des mächtigen oströmischen Reiches in Konstantinopel. Die Nachkommen der „barbarischen“ Militärs, die nach Volkszugehörigkeit unterschieden wurden, bildeten nun die herrschende Schicht. Dadurch entstand in Westeuropa eine neue politische Ordnung mit einer Mehrzahl von Staaten, die zumeist ethnisch benannt wurden.

      Das ist in den folgenden 1.500 Jahren so geblieben, auch wenn es längere Zeit dauerte, bis sich dieses neue Staatensystem konsolidierte. Kein Imperium konnte mehr dauerhaft die Vorherrschaft übernehmen, so wie es einst Rom gelungen war.

      Was können wir aus der Geschichte der Völkerwanderungszeit lernen? Die Einwanderungsgesellschaft trägt in vielfacher Weise zu Migrationen und ihren Folgen bei. Wie sie ablaufen, liegt vor allem an ihrer Entwicklung. Einfache Gegenüberstellungen – Rom und die Barbaren, Einheimische und Migranten – sind daher nicht geeignet, um Migration zu verstehen.“

    • @schwarz ist weiß
      „Einfache Gegenüberstellungen – Rom und die Barbaren, Einheimische und Migranten – sind daher nicht geeignet, um Migration zu verstehen.“

      Von wem stammt die Äusserung von Rom und den Barbaren ?

    • Bei der zeitgenössischen politischen und ideologischen Verwendung des Wortes Revolution versteht man:
      auf radikale Veränderung der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ausgerichteter, gewaltsamer Umsturz[versuch]

      – in der Tat ein ideologisches „Produkt“.
      Etymologisch bedeutet révolution (frz.) Umdrehung, Umwälzung; revolutio (lat.) Zurückdrehen, Zurückwälzen.

      Wichtig Ihr Verweis auf das römische Reich und die Massenmigration. Einmal als historischer Vorgang, aber auch als Erbe zu uns gekommen. Auch Erbe des römischen Reiches: Der Gott Janus, rein römischer Gott ohne Entsprechung in der griechischen Mythologie, ursprünglich Licht- und Sonnengott wurde er der römische Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und Tore, zum Vater aller Dinge und aller Götter. Janus symbolisiert die Dualität von z.B. Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Licht/Dunkelheit, Anfang/Ende, Zukunft/Vergangenheit, Links/Rechts, gut/böse, jetzt/nachher…

      Die Erwartung des Revolutionärs ist, daß eine Revolution das gute Neue hervorbringt. Es war aber sicher zu allen Zeiten, und es wird zu allen Zeiten so sein, wie Anaxagoras meinte: „… kein Ding entsteht oder vergeht, sondern aus den vorhandenen Dingen findet eine Mischung oder eine Trennung statt, und so müßte man die Entstehung besser als eine neue Mischung, das Vergehen aber als eine Trennung des bisher Vereinten bezeichnen.” Anaxagoras, Fragmente
      Oder Heraklit: „Es ist immer dasselbe, Lebendes wie Totes, Waches wie Schlafendes, Junges wie Altes. Das eine schlägt um in das andere, das andere wiederum schlägt in das eine um.“ – Heraklit, 5. Jh. v. Chr.

      In der Physik das Unschärfeprinzip, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind.

      „Der Weg aus dieser atomisierten Gesellschaft wird lange und vermutlich finster.“ Dabei sind Reaktionäre wie Revolutionäre treibende wie getriebene Kräfte.

      „Die Kristallisation neuer Gesellschaften, die die Natur und die Gesamtheit des Lebens erfassen und respektieren braucht Zeit .“ Und wird nur geschehen, wenn das, was für diese Mischung notwendig ist, tatsächlich da ist.

    • @ weiß ist schwarz

      …oder in der eigenen Blase verharren.“

      Wo ist der Bezug Ihres Kommentars zum Kommentar von wasserader?

    • wasserader:

      „Von wem stammt die Äusserung von Rom und den Barbaren ?“
      Vom Schreiber des Textes, den ich empfohlen habe, Walter Pohl.

      Tony:

      „…oder in der eigenen Blase verharren.“

      Wo ist der Bezug Ihres Kommentars zum Kommentar von wasserader?“

      Meiner Meinung nach kann man „die Massenmigration beim Zusammenbruch des römischen Reiches“ nicht mit der jetzigen Situation der Migration in Deutschland oder der EU vergleichen.
      Wer das glaubt, sollte (könnte) sich mal z.B. den Text eines Historikers durchlesen.
      Nur dass man vielleicht mal erkennt, das es andere Sichtweisen gibt.
      Wer sich dem verweigern sollte, bleibt ohne andere Sichtweisen zu kennen in der eigenen Blase.
      Was der geneigte Leser mit dem Text dann macht, ist natürlich seine Sache.
      Ich glaube von W. Patzelt (Dresden) gibt es auch einen Vortrag zu dem Thema.

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