Zündeln in Hongkong

Von Rüdiger Rauls.

Seit Wochen liefern die Proteste in Hongkong die Schlagzeilen für die westlichen Medien. Welche Teile der Bevölkerung sich an dem Protest beteiligen und welche Interessen außer denen der Hongkonger Geschäftswelt im Spiel sind, kann im Moment noch nicht klar gesagt werden (1). Besondere Bedeutung scheinen westliche Kräfte dem Verhalten der Hongkonger Mittelschicht beizumessen. So schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass die Protestierenden „die Sympathie von großen Teilen der Hongkonger Mittelschicht“ genießen (2). Andererseits scheint das Wohlwollen der Bevölkerung nicht so eindeutig zu sein, wie die FAZ den Eindruck zu erwecken versucht.

So hatte sie bereits Anfang Juli nach der Besetzung des Hongkonger Parlaments durch Vertreter der Protestbewegung von „Rissen in den Reihen der Demonstranten“ gesprochen (3). Schon damals hatte man befürchtet, dass die Bilder von beschmierten Wänden, zerschmetterten Scheiben und zertrümmerten Sicherheitskameras „die Protestbewegung in der Bevölkerung einige Sympathien kosten und der Regierung in die Hänge spielen“ könnte (4).

Als dann Mitte August von „Demonstranten in der Nähe von Polizeistationen Brandbomben geworfen worden“ (3) und der Flugverkehr durch die Besetzung des Hongkonger Flughafens über Stunden stillgelegt worden war, hatte Peking die Hongkonger Bevölkerung aufgefordert, „sich von allen gewaltbereiten Elementen zu distanzieren“ (4). Anscheinend passte diese Aufforderung Pekings zur Stimmungslage in der Stadt.

Denn am Tag danach sahen sich die Aktivisten gezwungen, sich für ihre Gewalt gegenüber chinesischen Polizisten während der Flughafenbesetzung öffentlich zu entschuldigen. Nachdem sich eine Flut von Kritik über jene Demonstranten in den Foren ergossen hatte, stand zu befürchten, „dass hässliche Szenen wie jene vom Dienstagabend sie die Unterstützung der Bevölkerung kosten können, ohne die die Bewegung schnell am Ende wäre“ (5). Zudem scheinen Befürchtungen zuzunehmen, „eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage könnte der Bewegung die Unterstützung durch die Mittelschicht entziehen“ (6)

Es scheint also nach Einschätzung der FAZ sehr viel von dieser Mittelschicht abzuhängen, der sich die Zeitung besonders verbunden zu fühlen scheint. Denn wie in den westlichen Medien selbst so sieht die Frankfurter in der an „freie Rede gewöhnte Hongkonger Mittelschicht“ (12) einen Verbündeten im Kampf gegen die Kommunistische Partei Chinas.

In ihr sehen die westlichen Medien mehr noch als das westliche Kapital selbst den Hauptfeind trotz aller wirtschaftlichen Verflechtungen und Vorteile für deutsche und westliche Unternehmen. Denn während den westlichen Industrien der chinesische Markt offen steht, ist er den westlichen Medienunternehmen weitgehend verschlossen und damit auch der Werbemarkt des Riesenreiches. Das erklärt die Feindseligkeit der westlichen Medien gegenüber China, aber auch gegenüber Russland, Iran und anderen, die nicht nur deren Vorstellung von Meinungsfreiheit unterdrücken sondern ganz besonders auch deren Wunsch nach Werbefreiheit.

Von der Stimmung anderer gesellschaftlicher Gruppen außerhalb der Geschäftswelt, des Mittelstands und des intellektuell-akademischen Milieus berichtet die FAZ dagegen nicht. Nur einmal erwähnt sie den Stadtteil North Point, den sie als Hochburg von pro-Pekinger Kräfte bezeichnet, die in Loyalität zu Peking eine Flaggenparade abhalten. Es scheint also auch Kräfte zu geben in Hongkong, die nicht in das Bild zu passen scheinen, das die FAZ von der Lage vorort zeichnet. Vermutlich hat sie keine Kontakte zu Menschen dieser Kreise oder ihr ist an deren Interessen und Sichtweise nicht gelegen.

Außerchinesische Kräfte

Bekannt wurde in der Zwischenzeit, dass „die amerikanische Stiftung National Endowment for Democracy (NED) prodemokratische Kräfte in Hongkong finanziell“ (7) unterstützt. Sehr aufschlussreich ist die Haltung der FAZ zu dieser Tatsache, die man über mehrere Zeile zuvor noch in die Nähe von Verschwörungstheorien und Propaganda zu bringen versucht hatte. Denn dann gibt die Zeitung unumwunden zu, dass die Unterstützung, die man wenig zuvor noch zu leugnen versucht hatte, „freilich für eine politische Stiftung, die sich der Förderung politischer Werte verschrieben hat, nicht ungewöhnlich ist“ (8).

Es wird also als das selbstverständliche Recht westlicher „pro-demokratischer“ Kräfte angesehen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und gewaltbereite Kräfte zu unterstützen. Es sei hier erinnert an die Empörung im Westen, als der Verdacht aufkam, dass Russland die US-Präsidenten-Wahlen beeinflusst haben könnte. Was bis heute nicht bewiesen werden konnte, ist im Falle der Einmischung vonseiten des Westens in Hongkong unzweifelhaft.

Da nun nicht mehr leugnen schien, was lange verheimlicht worden war, wird nun als Vorrecht des Westens dargestellt. Nicht wer mit zweierlei Maß misst, wird der Heuchelei bezichtigt, sondern wer es offenlegt. So wurde zudem wird auch noch gemeldet, dass die amerikanische Diplomatin Julie Eadeh, sich „vergangene Woche mit dem Demokratieaktivisten Joshua Wong getroffen hatte“ (9)

Auch die Deutschen mischen mit. Bei seiner Chinareise hielt sich Christian Lindner von der FDP zunächst in Hongkong auf, „wo er ein Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung eröffnete und Gespräche mit Oppositionspolitikern führte“ (10). Aber es blieb nicht nur bei der Eröffnung, sondern er hielt darüber hinaus eine öffentliche Ansprache, bei der er klar stellte, dass aus seiner Sicht „wirtschaftliche Freiheit und gesellschaftliche Freiheit zusammengehören“ (11) Das erinnert doch sehr stark an die Ereignisse auf dem Kiewer Maidan, als sich dort westliche Politiker die Klinke in die Hand gaben, um mit ihren Erklärungen politischen Einfluss auf die Ereignisse zu nehmen.

Nun wäre es realitätsfremd, die Hongkonger Ereignisse alleine auf die Einflussnahme externer Kräfte zurückführen. Es scheint ernsthafte Konflikte in Teilen der Bevölkerung zu geben im Verhältnis zu Peking. Diese tieferen Ursachen und Hintergründe werden aber aus den Berichten der westlichen Medien nicht erkennbar. Dort beschränkt man sich auf das lieb gewonnene Erklärungsmuster des Kampfes einer Bevölkerung, die Demokratie fordert, gegen den übermächtigen Druck der kommunistischen Partei Chinas.

Dass der Westen diese Unruhen für die eigenen Interessen nutzt und versucht, Einfluss in Hongkong zu gewinnen oder auszubauen, dürfte nicht auszuschließen sein. Schon im Vorfeld hatten die westlichen Medien den dreißigsten Jahrestag der Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking umfassend in Erinnerung gerufen. Inwiefern die Vorgänge in Hongkong mit der Erinnerung an die Geschehnisse vor dreißig Jahren zusammenhängen, kann hier nicht festgestellt werden. Was aber erkannt werden kann, ist die doppelzüngige Einstellung westlicher Medien zur Gewalt.

Wenn auch die Teilnehmer der Bewegung in Hongkong Straßen und den Zugang zu Gebäuden blockieren, sogar das Hongkonger Parlamentsgebäude und den Flughafen besetzen, und den Flugverkehr über Stunden lahm legen, also Sachschäden anrichten und Gewalt anwenden, werden sie dennoch von der FAZ sehr wohlwollend als „prodemokratische Kräfte“ bezeichnet. In diesen Ruf kamen die Besetzer des Hambacher Forstes bei der FAZ und dem Rest der deutschen Medien nie. Auch die französischen Gelbwesten wurden in erster Linie als Gewalttäter dargestellt, ihre politischen und wirtschaftlichen Forderungen gingen in den Medien unter.

Aber es geht nicht um Demokratie oder sonstige westliche Werte. „Das Aufbäumen in Hongkong ist zugleich der sichtbarste Beleg für die mangelnde Strahlkraft des chinesischen Traums.“ (13). Wenn schon der amerikanische Traum keine Strahlkraft mehr hat in der Welt, dann soll er nicht noch überstrahlt werden vom chinesischen.

Wenn der wirtschaftliche Aufstieg Chinas schon nicht verhindert werden kann, dann soll doch wenigstens nicht auch noch das chinesische Gesellschaftsmodell sich dem westlichen überlegen zeigen. Darum geht’s.

Quellen:

(1) Siehe dazu: https://ruedigerraulsblog.wordpress.com/2019/08/12/facebook-revolten/

(2) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.8.2019: Die Drohungen scheren die Demonstranten nicht.

(3) FAZ vom 2.7.2019: Risse in den Reihen der Demonstranten

(4) ebenda

(3) FAZ vom 13.8.2019: Drohung aus Peking: Hongkong hat kritischen Moment erreicht.

(5) FAZ vom 15.8.2019: Wenn der Hass die Kontrolle übernimmt.

(6) FAZ vom 16.8.2019: Im Gleichschritt durch das Stadion.

(12) FAZ-Kommentar vom 15.8.2019: Chinas Moment der Wahrheit

(7) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.8.2019: Die Legende von den fremdgesteuerten Protesten

(8) ebenda

(9) ebenda

(10) FAZ vom 27.7.2019: Für Lindner war nicht einmal ein Handschlag drin

(11) ebenda

(13) FAZ-KOMMENTAR vom 15.8.2019: Chinas Moment der Wahrheit

Zur Person Rüdiger Rauls: Buchautor, Vortragsredner und Journalist mit den Schwerpunkten Politik, Soziales und Wirtschaft unter anderem für Medien wie Sachwert Magazin, Linke Zeitung, Rubikon, Contra-Magazin, Deutscher Freidenker Verband, scharf-links, The Intelligence und andere. 

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

+++

Bildhinweis: Photoshop studio one/ Shutterstock

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

31 Kommentare zu: “Zündeln in Hongkong

  1. @ Rüdiger Rauls – Causa Esser/Twitter/Troll

    Herr Esser ist in erster Linie Bankkaufmann. Das hat er gelernt.
    Das ist einerseits nicht unbedingt ehrenrührig, andererseits aber auch keine Referenz.

    ‚Historiker‘ ist kein geschützter Begriff.
    Aber das Fehlen eines Studiums zum Thema bedeutet keine Expertise im wissenschaftlichen Arbeiten vermittelt bekommen zu haben.
    Ich meine explizit auch an der Art und Weise wie Herr Esser Fakten vermitteln möchte und anhand von Form wie Inhalt seiner privaten Exegese ablesen zu können, dass ‚wissenschaftliche Expertise‘ in diesem Falle autodidaktisch nicht erworben wurde.

    Das Vermitteln echter wissenschaftlicher Expertise schließt nämlich dezidiert und unmissverständlich jegliche unsachliche, emotionale wie ‚ad hominem‘ gerichtete Einlassung aus.

    Da Herr Esser nach offiziellem Bekunden vorrangig für den Boulevard-Journalismus tätig war –

    Zitat:
    „Karl Bernd Esser( 45 )enthüllte als Journalist für die Magazine QUICK, STERN, BUNTE, MÜNCHNER MERKUR und FOCUS verschiedene brisante Topthemen aus Politik & Wirtschaft. Fernsehmagazine wie RTL-Explosiv, ZDF-Frontal, FOCUS-TV und die ARD mit PANORAMA wie Monitor, sowie der ORF profitierten in der Vergangenheit von Essers akribischen Recherchen und seinem umfangreichen privaten Archiv. Seit 1987 liefert Esser Brisantes aus Politik & Wirtschaft.“ – Zitatende
    (Quelle: h ttps://www.buecher.de/shop/hitler-adolf/hitlers-gold-devisen-und-diamanten/esser-karl-bernd/products_products/detail/prod_id/22014905/ – Link: Autorenportrait)

    – darf man nicht unbedingt erwarten, dass er die dadurch sich angeeignete Form der Übermittlung journalistischer Inhalte bedingungslos und vollständig abgelegt hat, als er sich entschied, weltpolitische Themen zu recherchieren, medial aufzubereiten und als wissenschaftliche Tatsachendarstellung zu verbrämen.
    Seien Sie also nachsichtig – jeder hat sein Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen.

    Was Twitter angeht – DER Troll-Tempel schlechthin.
    Was immer hier rausposaunt wird, kann NIE als Faktenbasis gewertet werden, da aufgrund der lächerlichen Zeichenanzahl und der Notwendigkeit sich gegen Myriaden anderer Belanglosigkeiten Gehör zu verschaffen reinste Plakativität praktiziert werden muss – was bekanntlich IMMER zu Lasten der Wahrheit geht.

    Wenn Herr Esser jetzt ‚Meinungsmache‘ der Chinesen beklagt, dann ist das in mehrerlei Hinsicht nur urkomisch.
    Aber jedem seine Mission. Aber dann bitte nicht mit dem Etikett ‚Tatsachenroman’…

    • Ihr Kommentar liest sich wie Trivial-Literatur. Sie sind einer der wenigen auf KenFM, welche in Kommentaren stets versuchen, durch übertriebene zwanghafte Femdwörterbenutzung besonders intelligent zu wirken. Ihre Fremdwörter stellen aber keine besondere Intelligenz dar. Ihre Sprache ist nicht klug, sondern für die meisten unverständlich. Durch den Einsatz möglichst vieler dieser entbehrlichen Wörter, versuchen Sie als DEAGEL BEAGLE auf sich aufmerksam zu machen, indem Sie einfach anders sein wollen wie der „normale“ Mensch. Dabei hat man manchmal das Gefühl, dass Sie als Anwender dieser „gehobenen“ Sprachfloskeln selbst nicht so genau wissen, was die Bedeutung dieser Lehnwörter ist. Rhetorisch ist Ihre Xenologophilie (zwanghafte Fremdwörterbenutzung) eher hinderlich, weil sie die Kommunikation im Allgemeinen erschwert und schlimmstenfalls in bares Unverständnis mündet. Ich glaube auch nicht, dass Sie die Bildung haben, die Sie uns hier ständig vorgaukeln.

      Sie sind einfach nur ein „Klugscheisser“ oder „Wichtigtuer“, sagt man im Allgemeinen bayerischen Volksgebrauch.

      Weil das aus Ihren Kommentaren so hervorgeht, ist das auch keine Beleidigung, sondern eine Tatsache. Personen, welche sich so ausdrücken wie Sie, wollen mit Ihrer Eloquenz angeben und denken ernsthaft, dass der normale Leser nicht merkt, dass Sie nur Wissen und Intelligenz vortäuschen und ihn, den Leser, dadurch dümmer einschätzen und bewerten, als er vielleicht schon ist. Zusätzlich verstecken Sie sich auch noch hinter einem US-Pseudonym, und das macht nur jemand, der es nötig hat und nicht erkannt werden will. Wenn Sie aber ein so wahrheitsliebender und gescheiter Mensch sind, warum maskieren Sie Ihre Identität hinter DEAGEL-BEAGLE?

      Wer sich von anderen Personen abheben bzw. über ihnen stehen möchte hat eine Profilneurose. Es handelt sich um eine besondere Geltungssucht und damit um eine narzisstische Persönlich-keitsstörung im weitesten Sinne. Jemand der zwanghaft Fremdwörter verwendet, will damit den Eindruck erzeugen, er sei gebildeter bzw. höher stehend als Andere. Er ist ein klassischer Profilneurotiker, wie Sie das auch sind. Vielleicht gehen Sie mal zum Arzt Ihres Vertrauens.

      Im Übrigen habe ich nie behauptet, dass meine Kommentare eine wissenschaftliche private Auslegung sind. Jedenfalls waren und sind meine Beiträge immer gut recherchiert und meine Auftraggeber waren ausnahmslos zufrieden.

      Beste Empfehlung an den „Möchtegernintelligentwirken“.

  2. Chinesische Manipulationskampagne zu Hongkong aufgedeckt

    Sie sollten Ihre abgeschriebenen FAZ-Berichte ergänzen und neue Tabletten kaufen. Twitter hat nach eigenen Angaben eine groß angelegte Kampagne aus China aufgedeckt, die die Proteste in Hongkong diskreditieren sollte. Der Kurznachrichtendienst machte 936 Accounts aus, über die koordiniert „politischer Streit in Hongkong gesät werden sollte“. Zusätzlich sei ein Netzwerk aus rund 200.000 Accounts (das ist ja nicht gerade wenig) gesperrt worden, bevor es nennenswerte Aktivität entwickeln konnte, teilte Twitter am Montag mit. Die Informationskampagne sei „staatlich unterstützt“. Twitter ging noch einen Schritt weiter und nimmt künftig keine Werbeanzeigen mehr von Chinas staatlichen Medien an. Mit den Werbeprodukten von Twitter kann man zum Beispiel Beiträge auch in den Newsfeed der Nutzer bringen, die einem nicht folgen. Vom Steuerzahler finanzierte Medien wie unabhängige öffentliche Sender sind von dem Verbot ausgenommen, wie Twitter in einem Blogeintrag betonte. Twitter ist in Festlandchina blockiert. Laut dem Kurzbotschaftendienst wurden hier virtuelle private Netzwerke genutzt, um den tatsächlichen Standort des Nutzers zu verschleiern. Facebook entfernte mit ähnlicher Begründung fünf Accounts, sieben Seiten und drei Gruppen. Mindestens einer der Seiten seien rund 15.500 Facebook-Profile gefolgt. Von „Täuschungstaktiken“ und falschen Nutzerkonten war die Rede. Beide Dienste zeigten Beispiele von Beiträgen, in denen die Demonstranten in Hongkong zum Beispiel als gewalttätig dargestellt wurden.

    China hat die Sperrung von Konten bei Facebook und Twitter nach den Protesten in Hongkong kritisiert, schreibt die FAZ. Im Ausland lebende chinesische Bürger und Studenten hätten das Recht, ihre Sicht der Dinge darzustellen, sagte Geng Shuan, Sprecher des Außenministeriums in Peking am Dienstag, ohne die amerikanischen Konzerne beim Namen zu nennen. „Die Leute urteilen natürlich selbst darüber, was in Hongkong passiert und was die Wahrheit ist.“ Auch müsse man sich fragen, warum die offizielle Darstellung Chinas in den Medien negativ oder falsch sein solle.

    Derweil zeigt sich London besorgt über eine mutmaßliche Festnahme eines Mitarbeiters des britischen Konsulats in Hongkong. „Wir sind äußerst besorgt über Berichte, wonach ein Mitglied unseres Teams bei seiner Rückkehr von Shenzhen nach Hongkong festgenommen wurde“, teilte das britische Außenministerium am Dienstag mit.

    Die chinesische Regierung hat den Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zuletzt immer unverhohlener gedroht. So brachte sie die Demonstranten mit „Terrorismus“ in Verbindung und schickte Truppen an die Grenze. Inzwischen wächst die Sorge vor einem chinesischen Militäreinsatz.

    Wenn Sie einen so einseitigen PRO-China Beitrag hier verfassen, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Sie als chinesischer TROLL verdächtig werden. Ein TROLL muss nicht zwingend Geld aus China erhalten. Im Übrigen werfe ich China gar nichts vor, China beginnt nur die USA zu kopieren.

    • werter Herr Esser. Ich glaube, Sie brauchen auch ein paar von meinen Beruhigungspillen. Nun überschlagen Sie sich mal nicht mit dem Ausspucken von Fakten, sonst beginnen Sie noch zu hyperventilieren und es bleiben Ihnen einige vor lauter Eifer im Halse stecken.
      Sie sind doch Historiker, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Benutzen Sie da nicht auch Textstellen aus anderen Werken? Das nennt man zitieren. Und gerade als Historiker kommt man doch nicht umhin, Quellen zu benutzen. Denn wer von uns hat schon in der Römerzeit gelebt? Die meisten historischen Werke leben von dem, was Sie bei mir als „abgeschrieben“ bezeichnen. Und was ist mit all dem, was ich dazwischen geschrieben habe? Das ist doch nicht abgeschrieben, oder? Aber egal. Seis drum, wollen wir mal nicht in Haarspalterei verfallen.
      Dieser ganze erste Abschnitt, in dem Sie sich über die Machenschaften aus China auslassen, ist doch nichts anderes als die Berufung auf Quellen. Oder waren Sie persönlich dabei, als all diese chinesischen Machenschaften bei Twitter festgestellt wurden? Ich mache mit den Zitaten aus der FAZ doch nichts anderes als Sie mit Ihren Fakten, die Sie von Twitter weitergeben. Sie zitieren genau so wie ich oder haben Sie selbst das alles aufgedeckt? Was ist denn daran verwerflich? Außer dass ich vielleicht in der Lage bin, Zusammenhänge aus diesen Fakten zu entwickeln. Das fehlt mir bei Ihren Tiraden. Außer dass China die Ausgeburt der Hölle zu sein scheint, kann ich da keinen Gedanken finden, der Erhellendes zur Lage in Hongkong bringt oder Erklärungen für die Vorgänge.
      Hätten Sie meinen Text vorurteilsfrei gelesen und nicht in missionarischem Eifer, dann wäre Ihnen vllt aufgefallen, dass es darin den ketzerischen Ansatz gibt, dass nicht alleine mit dem Einfluss externer Kräfte erklärt werden kann, dass so viele Menschen in HK demonstrieren. Ich weiß nicht, ob das ein chinesischer Troll schreiben würde? Zumindest würde es da sicher einen Anschiss aus Peking geben. Das hätte Ihnen aufgefallen sein können, hätten Sie versucht zu verstehen, was in meinem Text drin steht anstatt hinein zu lesen, was NICHT drin steht.
      Und glauben Sie allen ERnstes, dass China es nötig hat, mich als Troll einzusetzen? Wofür denn? Um Leute wie Sie zu überzeugen oder zu beeinflussen, die doch gar kein Interesse haben am Verstehen der Dinge, die da vor sich gehen. Und wieso sollte ich mich zum Troll machen lassen, wenn dabei noch nicht einmal was für mich rausspringt? Würden SIE sich zum Troll machen lassen, (was auch immer das sein mag)? Können Sie es sich einfach nicht vorstellen, dass es unterschiedliche Meinungen zu einem Thema geben kann? Oder können Sie es nicht ertragen?
      Zitat: „Im Übrigen werfe ich China gar nichts vor, China beginnt nur die USA zu kopieren.“ Das hat sich in Ihren Texten bisher aber anders angehört. Und selbst wenn es so wäre? Darf China das nicht? Dürfen das nur die anderen? Dürfen nur die USA erfolgreich sein? Dürfen nur die westlichen Staaten ihre Interessen vertreten und absichern gegenüber den Angriffen anderer? Was Sie als kopieren bezeichnen, ist etwas anderes. China lernt vom Westen – im Guten wie im Schlechten. Und China war sich auch nie zu fein oder zu eitel, das zuzugeben. China lernt, das ist nicht jedem gegeben, und noch seltener sind die, die das zugeben. Das zum einen. Zum anderen: Nicht alles, was gleich aussieht, ist auch gleich. Oder kopiert etwa das Salz den Zucker, nur weil beide weiß und feinkörnig sind?

  3. Nur als weiterer Gedanke:
    Im übrigen sollte man, wenn man sich mit China befasst, sich auch über die große und reiche Kultur dieser wirklich alten und wundervollen Nation befassen. Die Tradionen und Denkweisen sind ganz anders.
    Der Buddismus, ist eine friedfertige, ich meine damit auch friedfertig und nicht nur friedlich, Religion, oder Pholosophie, wie man sie betrachten mag.
    China hat bisher niemals einen Krieg bekonnen.
    Dies muss man einfach – in Anbetracht einiger Kommentare, die in diesem Forum zum besten gegeben wurden – zur Kenntnis nehmen.

    • Das stimmt nicht ganz, was Sie hier vorbringen.

      Die Volksrepublik China ist ein laizistischer Staat und die Mehrheit der Chinesen bekennt sich offiziell zu keiner Konfession. Für die Chinesen ist eine Religion eine Lehre unter vielen anderen Lehren. Sie schließt andere Lehren nicht aus und kann kein Vorrecht als Lehrmeinung oder unfehlbare Gültigkeit beanspruchen. Auch kann ein Chinese mehreren Religionen gleichzeitig anhängen.

      Diese Verfassungsgarantie der Religionsfreiheit aus 1982 bezieht sich nur auf die fünf anerkannten Religionen, nämlich Buddhismus, Daoismus, Islam, Protestanten (die in China „Christen“ heißen) und Katholiken, und zwar in ihren offiziellen, staatlich anerkannten und durch sogenannte „Patriotische Vereinigungen“ agierenden Strukturen. Die im Jahr 1992 gegründete Organisation Falun Gong wurde im Jahr 1999 verboten und Tausende ihrer Mitglieder wurden verhaftet. Die chinesische Regierung wirft Falun Gong vor, eine Geheimorganisation aufgebaut zu haben, mit der die chinesische Regierung unter Druck gesetzt werden soll. Dies sei ein Missbrauch der Freiheit der Religion.

      China betrachtet sich als einen laizistischen Staat und schützt legale religiöse Aktivitäten. Die Grundhaltung des chinesischen Staates zur Religion wurde im sogenannten „Dokument Nr. 19“ (shijiuhao wenjian, 19号 文件; „Die grundlegende Sicht und die Politik in der Religionsfrage während der sozialistischen Periode unseres Landes“) aus dem Jahr 1982 begründet. Das Dokument formulierte die „fünf Kennzeichen“ einer anerkannten Religion. Es sind dies: Komplexität, Massencharakter, Langlebigkeit, Ethnizität und Internationalität. Diese Kennzeichen werden seither zur Charakteristik der religiösen Phänomene und zur Feststellung ihrer Orthodoxie in der VR China benutzt. Um den Begriff „legale religiöse Aktivitäten“ zu präzisieren, wurden zum 1. März 2005 Vorschriften über religiöse Angelegenheiten und später Ausführungsbestimmungen dazu erlassen.

      Aufsehen erregte eine Studie der Professoren Tong Shijun und Liu Zhongyu der Shanghaier Lehreruniversität von 2005. Die Daten dieser Studie beruhten auf eigenen Umfragen und wurden in den staatlichen Medien veröffentlicht. Dadurch, dass diese Daten auf der Politischen Konsultativkonferenz des Jahres 2007 erwähnt wurden, bekamen sie eine halboffizielle Bedeutung.

      Nach diesen Daten gibt es 150–200 Mio. Buddhisten, 25–35 Mio. Protestantische Christen, 11–18 Mio. Muslime, 8,5–13 Mio. Katholiken und 5,5 Mio. Daoisten. Die chinesische Volksreligion hat ungefähr 130 Mio. Anhänger. Diese Untersuchung kommt auf eine Gesamtzahl von ungefähr 300 Millionen Gläubigen anstelle der bisher offiziell angegebenen Anzahl von nur 100 Millionen

    • @Yaronimo
      @Karl Bernd Esser
      Abgesehen von der Frage, ob China jemals einen Krieg begonnen hat oder nicht (letzteres hätte mich sehr gewundert in Anbetracht dieses Riesenreiches und der Macht seiner schon früh existierenden Hochkultur):
      Soweit ich buddhistische Kultur kennen lernen konnte, erschien sie und erschienen mir insbesondere ihre Mönche und religiösen Lehrer auch immer auffallend friedfertig – wohltuend friedfertig im Gegensatz zu den monotheistischen Religionen, die im Lauf der Geschichte immer wieder recht unduldsam auftraten (um eine äußerst milde Formulierung mit dem unangreifbar kleinsten gemeinsamen Nenner dieser drei Religionen zu gebrauchen). Anscheinend ist es etwas zutiefst Friedfertiges, als Buddhist seinen Mitmenschen Gutes tun und ihnen hilfreiche Lebensregeln an die Hand geben zu wollen. Monotheisten hingegen, die so ganz genau zu wissen glauben, was ihr einziger Gott von den Menschen verlangt, neigen offenbar dazu, sich selbst mit diesem Gott zu verwechseln und ihrerseits ihre Mitmenschen Regeln zu unterwerfen, die sie als die göttlichen Regeln ausgeben oder für solche halten, obwohl nur sie selbst es sind, die diese Regeln gemacht haben.
      Und ja, Yaronimo, China ist uns sehr fremd, aber gerade deshalb erst recht interessant und es wert, dass wir uns mit diesem Land befassen. Ich erhoffe mir da einen ersten Einstieg von dem hier bei Ken-FM besprochenen Buch „China verstehen“ von Robert Fitzthum.

  4. Ja, liebe Mitkommentatoren, schön und treffend ausgeführt. An den Argumenten kann man jedenfalls nicht so ohne weiteres vorbei, auch wenn man teilweise anderer Meinung sein mag.

    (Max nehme ich hiervon aus. Er möge sich zu erkennen geben, wenn er schon meint, KenFM und seine Macher derart anzugehen. Ich finde es nicht fair, sich in solcher Weise vernichtend über ihre Arbeit zu äußern, sich aber – im Gegensatz zu ihnen – nicht zu erkennen zu geben. Wenn die Macher von KenFM einem hier die Möglichkeit einräumen, anonym zu kommentieren, so ist es ein Gebot der Fairness, sich bei seinen Kommentaren ihnen gegenüber um Sachlichkeit zu bemühen, oder aber, wenn man denn wirklich draufhauen will, dann wenigstens sein Gesicht zeigen – sowie es die, auf die man draufhaut, ja auch tun.)

    Aber was machen wir denn jetzt?

    „Wenn jeder sein eigener König ist, braucht niemand der König eines Anderen sein“, sagt Box.

    Wie wird man denn sein eigener König? Indem man nach Geld und Status strebt und dabei zwangsläufig die Gesetze derjenigen akzeptieren muss, die einem dieses Geld und diesen Status verschaffen sollen? Indem man unbedingt den angesagtesten Audi-Wahnsinns-Turbo haben muss oder, zur Freude der Familie Quandt, irgendeinen total abgefahrenen BMW (und versucht, diesen mit Mühe und Not zu finanzieren)? Indem man sich vom Marken-Wahn in seinen Bann ziehen lässt und shoppt bis zum Abwinken (oder bis zur Sperrung des Dispos)? Indem man versucht, getreu dem alten Klassenkampf auch heute noch den Reichen so viel wie möglich von ihrem Reichtum abspenstig zu machen, um es sich selbst einzuverleiben? Indem man sich – den Satz der Eltern noch im Ohr: „lerne was, dir soll es mal besser gehen als uns“ – folgsam und strebsam eingliedert in das Leistungssystem, um besser zu sein als die anderen und dann mehr zu haben als die?

    Mit anderen Worten: Wenn das Sein das Bewusstsein bestimmt, das Haben aber das Sein bestimmt, dann bestimmt das Haben das Bewusstsein.

    Vermutlich geht es auch vielen jungen Demonstranten in Hongkong vor allem um das Haben-Wollen und eigentlich nicht so sehr um das Sein-Wollen, auch wenn sie ihre Freiheit, das Freisein-Wollen betonen. Überrascht es einen denn wirklich, wenn ein Imperium wie die USA auch auf diesen Zug aufspringt mit Bestrebungen, die Demonstrationen dort in seinem Sinne zu lenken?

    Was haben die Demonstranten solchen Unterwanderungsversuchen entgegenzusetzen? Haben sie überhaupt für sich selbst die Frage beantwortet nach dem: Freiheit WOVON, Freiheit WOFÜR? Geht es ihnen vielleicht vor allem deshalb um Freisein VOM Kommunismus, um frei zu sein FÜR die kapitalistischen Segnungen wie Status und Geld? Damit man endlich auch wer ist, nämlich jemand, die/der sich endlich auch all das leisten kann, was man so schön im Internet von den etablierten Industrieländern des Westens erfährt? Dass man speziell in Hongkong die bisher noch real bestehende Chance, zu all dem Geld und Status zu gelangen, nicht von der kommunistischen Regierung in Peking verbaut kriegt? Geht es nicht letztlich darum in den „aufstrebenden Volkswirtschaften“ dieses Planeten? Ganz plump ausgedrückt: Sie wollen es endlich auch „so schön“ haben wie wir.

    Ist ihnen das zu verdenken? Wenn es trotz aller Anstrengungen vor allem im Westen, trotz Marx und trotz aller treffenden Analysen, bis heute noch nie und nirgends auf der Welt gelungen ist, die Kritik an den herrschenden Verhältnissen von der Theorie in die Praxis umzusetzen, in wirklich praktikable Realität und nicht nur in ein krampfhaft um seinen Selbsterhalt bemühtes Sowjetsystem?

    Wenn nach wie vor das Haben-Wollen regiert und nicht das Sein-Wollen – was haben wir dem als praktikable Lebensform und taugliche Handlungsanleitung entgegenzusetzen, damit endlich das Sein im Vordergrund steht und das Haben seine Faszination verliert? Was ist Sozialneid anderes als die Anerkennung des Kapitalismus, indem man bekennt, dass man das, was andere haben, auch gerne hätte und damit die Gier dieser anderen im Grunde nur legitimiert?

    Ich habe hier nur Fragen und keine Antwort. Denn vor allem fehlt mir die Zeit und deshalb die umfassende Ausbildung und Bildung, die man bräuchte, um ein wirklich praktikables, theoretisch gründlich durchdachtes Gegenmodell zu entwickeln. Warum stammen denn die großen Denkmodelle mit ihren bahnbrechenden (häufig jedoch nur theoretischen) Erkenntnissen alle aus Zeiten weit vor der unseren? Ich fürchte, unsere Zeit mit ihrer Schnelllebigkeit hindert uns daran, wirklich praktikable Lösungen für die Probleme zu finden, solange wir nicht einen Weg finden, uns wieder zu konzentrieren, um in aller Ruhe gründlich nachzudenken, und uns dabei die Segnungen der heutigen Informationsmöglichkeiten sinnvoll zunutze zu machen, anstatt uns dauernd ablenken zu lassen. Damit all die klugen Gedanken und Erkenntnisse, die auch hier von Kommentatoren geäußert werden, weitergedacht, weiterentwickelt werden mit dem Ziel, „die Tür zur Zukunft ganz aufzustoßen“, wie Danny sagt).

  5. KENFM scheint immer mehr KP-Trollen eine Propagandaplattform für die chinesische Regierung zu bieten. Selten las man einen so einseitigen Beitrag bei KENFM, der nur aus FAZ-Artikeln kopiert und zu einer Kommunistenpropaganda zusammengeklebt wurde.

    Zitat: Wenn der wirtschaftliche Aufstieg Chinas schon nicht verhindert werden kann, dann soll doch wenigstens nicht auch noch das chinesische Gesellschaftsmodell sich dem westlichen überlegen zeigen. Darum geht’s.

    —- Was muss der Autor eingeworfen haben, um so ein Statement zu schreiben, dachte ich mir? —-

    — Darum geht es bei den Demonstrationen in Hongkong bestimmt nicht. —

    Die Träume der Kommunisten aus Peking mit ihrem Gesellschaftsmodell sind in Hongkong in keinster Weise gewollt. Deswegen wird ja demonstriert, dass dieses Modell nicht installiert wird. Das Modell vergeht wie der Rauch der Tränengasgranaten. Es ist ein chinesisches Wunschbild von Xi, dem sich die Hongkonger Bevölkerung entgegen stemmt. 4.000 Lehrer und 100.000ende Demonstranten marschierten letzte Woche in Hongkong gegen die chinafreundliche Politik ihrer Autonomieregierung.

    Ein Viertel der Bevölkerung demonstrierte mit 1,7 Millionen Menschen am Sonntagnachmittag im Viktoria Stadtpark und in umliegenden Stadtteilen

    Seit Beginn der Massenproteste gegen das Auslieferungsgesetz im Juni hat die Polizei 748 Menschen festgenommen, 115 davon wurden bereits angeklagt. Laut der ehemaligen Justizministerin Elsie Leung ist es noch nicht an der Zeit, chinesische Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in die ehemalige Kronkolonie zu entsenden, aber selbst wenn sie eingesetzt würden, würde dies nicht Hongkong mit seinen zwei Wirtschaftssystemen beschädigen. Die derzeitige Justizministerin Teresa Cheng sagt, dass politische Faktoren bei der Entscheidung über die Erhebung von Anklagepunkten bei Demonstranten nicht berücksichtigt werden.

    Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam (Chief Executive) wird derzeit von einem 1.200-köpfigen Wahlkomitee gewählt – einem Gremium, das zum größten Teil für Peking ist und von nur 6% der Wahlberechtigten in Hongkong gewählt wird. Nicht alle 70 Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung, der Legislative Council, werden direkt von den Wählern in Hongkong ausgewählt. Die meisten nicht direkt gewählten Sitze werden von pro-Pekinger Politikern besetzt. Lam ist eine Statthalterin von Xi Jinping, Staatspräsident der VR China, Gnaden und schuldet nur dem chinesischen Präsidenten Rechenschaft, nicht dem Volk. Sie hat das Amt am 1. Juli 2017 angetreten; den Amtseid nahm ihr Xi Jinping ab. Vor und nach der Wahl kam es wegen Lams Nähe zur Pekinger Zentralregierung schon zu Protesten in Hongkong. Da wird schon eher ein Schuh draus.

    • Sehr geehrter Herr Esser

      Auch Ihnen hat KenFM die Möglichkeit geboten, Ihre Sicht zu China hier darzulegen. Wessen Troll sind denn dann SIE? Wer anderer Ansicht ist als Sie, kann also nur ein Troll sein? Das würde bedeuten, dass ich auf Pekings Gehaltsliste stehe oder aber von denen beauftragt bin. Sie überschätzen meine Bedeutung und auch IHRE. Peking kommt sicherlich ganz gut ohne meine „Kommunistenpropaganda“ zurecht. Und ob SIE oder ich die Vorgänge in Hongkong verurteilen oder befürworten, gut finden oder schlecht, hat für Peking dieselbe Bedeutung wie der berühmte Reissack, der dort umfällt. Glauben SIE, ein Riesenreich und die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt misst Ihrer oder meiner MEinung eine große Bedeutung bei? Warum auch? Die machen ihre Politik nach den eigenen Interessen wie der Westen insgesamt auch. Diese Diskussionen auf Foren wie dem hiesigen spielen weder für Russland noch China oder sonst eine Macht eine Rolle. Sie sind nur wichtig für uns, damit wir durch den Austausch von Meinungen und Ansichten zu einem besseren VErständnis dessen kommen, was um uns herum vorgeht. Denn vier Augen sehen mehr als zwei, es sei denn dass man die Augen verschließt und die eigene Sicht als das Nonplusultra ansieht. Aber dann bleibt auch Erkenntnis aus. Das ist leider weit verbreitet.

      Nun aber zum Inhaltlichen, was gerade bei Ihrem Text ein Problem ist, Denn es wird außer der Aneinanderreihung von Fakten nicht viel Inhaltliches gesagt, zu dem man dann Stellung nehmen könnte. Es ist das typische Problem des Intellektuellen: Sie wissen viel, verstehen aber wenig.
      Um das zu verdeutlichen, zitiere ich Sie:
      „Zitat: Wenn der wirtschaftliche Aufstieg Chinas schon nicht verhindert werden kann, dann soll doch wenigstens nicht auch noch das chinesische Gesellschaftsmodell sich dem westlichen überlegen zeigen. Darum geht’s.
      —- Was muss der Autor eingeworfen haben, um so ein Statement zu schreiben, dachte ich mir? —-
      — Darum geht es bei den Demonstrationen in Hongkong bestimmt nicht. —“

      Eingeworfen habe ich Beruhigungspillen, aber erst nachdem ich Ihren Text gelesen habe, der nur eines verdeutlicht: dass Sie überhaupt nicht verstanden haben, worum es mir geht.
      Natürlich weiß ich auch, dass es den Demonstranten in HK nicht um das geht, was SIE mir unterstellen. Dass das chinesische Gesellschaftsmodell dem westlichen Konkurrenz machen könnte, ist nicht meine Behauptung sondern eine Befürchtung, die seit Monaten schon durch westliche Medien geistert. Besonders die FAZ setzt sich damit intensiv auseinander und versucht dazu Stellungnahmen, aber auch Argumentationen und Propaganda anzubieten. Die Angst vor dem chinesischen Modell besteht nicht in Bezug auf die Gesellschaften im Westen. Sie besteht vielmehr in Bezug auf die Gesellschaften der geringer entwickelten Staaten besonders in Asien und Afrika, aber auch zunehmend in Südamerika. Denn diese orientieren sich mehr an Peking als an den westlichen Staaten. Letztere haben im Gegensatz zu Peking wenig beigetragen zu deren Entwicklung. Das Gejammer des Westens über die Zunahme chinesischen Einflusses, in das ja auch Sie in Ihrem Artikel hier eingestimmt haben, ist ja nicht das ERgebnis chinesischer Hinterhältigkeit sondern vielmehr westlicher Gleichgültigkeit und Überheblichkeit. Denn der Westen hatte ja seit dem WK2 Zeit genug, die unterentwickelten Staaten durch Vergabe von Krediten und Hilfe bei der Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur zu unterstützen. Sie haben es ja nicht getan. Nun, da Peking es macht,, warnen sie vor Verschuldung und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Als ob der Westen es nicht genau so gemacht hätte, nur dass für die betroffenen Länder es in erster Linie bei der Verschuldung geblieben ist. Vielen anderen Staaten hat man erst gar keine Kredite gegeben, weil sie nicht kreditwürdig waren, politisch nicht zuverlässig genug oder aber ein Investment nicht lohnte. Seit China in Afrika zum wichtigsten Kreditgeber und Infrastrukturentwickler aufgestiegen ist, versucht der Westen die Privatwirtschaft zu einem Engagement in Afrika zu überreden. Den westlichen Unternehmen ist das Risiko zu hoch und die westlichen Regierungen sind selbst so klamm, dass sie sich nicht verbürgen wollen. Die Summen, die Merkel nach ihrer letzten vollmundigen Afrika-Initiative, bei der Privatwirtschaft zusammenkratzen konnte, sind lachhaft gegenüber den Hunderten von Milliarden, die China bereit ist zu investieren und bereits investiert hat. Also was werfen SIE den Chinesen vor? Dass sie es besser machen als der Westen? Für die militärischen Engagements des Westens im Nahen und mittleren Osten war das Geld vorhanden. Hätte der WEsten nur die Hälfte dessen, was er dort für Kriege verpulvert hat, zur Entwicklung der Infrastruktur ausgegeben, könnte wir dort vermutlich blühende Landschaften besuchen, wie China es entlang der Seidenstraße gelungen ist. Was denken denn Sie, welches Engagement bei den Völkern der Welt besser ankommt, das chinesische oder das westliche? Die Antwort auf diese Frage können Sie jeden Tag erfahren in der Hetze gegen China und die Berichte über die Erfolge in vielen Bereichen der Wirtschaft, wo sie mittlerweile die Technologieführerschaft errungen haben, ganz zum Leidwesen des Westens.

    • @Karl Bernd Esser
      Ihren ersten Satz kann ich nicht nachvollziehen, zumal der zweite Satz nicht mit Quellenangaben belegt wird.

    • @Rüdiger Rauls
      Im Übrigen danke ich Rüdiger Rauls für seine klarstellende Antwort auf Karl Bernd Esser.

  6. China hat NULL Interesse Hongkong ‚platt‘ zu machen.
    Simpler Beweggrund: Hongkong ist eine Sonderwirtschaftszone (neben Shanghai Shenzen und Quianhai z.B.).
    Gäbe es diese nicht, so müsste sie China quasi ‚erfinden‘ und einrichten.
    Die Vorteile sind immens und überwiegen die Unerquicklichkeiten für das politische China.
    Allein um den Yuan zu stabilisieren und als Konkurrenzprodukt zu platzieren sind Orte wie Hongkong kaum verzichtbar!

    Dass es sich China nicht gefallen lassen kann, dass ‚Revoltensöldner‘, ein Haufen völlig Uninformierter und Pfründephobiker den Laden aufmischen, sollte eigentlich jedem klar sein!?

    Wie war das noch mit Katalonien?
    Wie war das noch mit Nordirland?
    Wie war das noch mit Jugoslawien? et.al.
    Wenn der Westen dort brutal zuschlägt, um seine Vorstellungen von ‚Ordnung‘ zu erhalten, regt sich die ach so besorgte ‚Menschenrechtspresse‘ seltsamerweise nicht auf.

    Hier geht es um plutokratische Interessen.
    Die Hongkonger und ihre Befindlichkeiten sind allen außerhalb Beteiligten völlig scheißegal.
    Die instrumentalisieren diese nur.

  7. Der Ausgangspunkt für das fragliche Gesetz war wohl, dass ein Pärchen aus Hongkong nach Taiwan gereist ist, der Mann hat dort die Frau im Streit umgebracht und ist zurück nach Hongkong gereist. Dort hatte man dann keine rechtlichen Zugriffsmöglichkeiten mehr. Deshalb kam es zu dem Gesetzentwurf.

    Quellen:
    http://german.china.org.cn/txt/2019-08/19/content_75115028.htm
    http://mp42.china.com.cn/video_tide/video/2019/8/19/20198191566199857971_454_3.mp4

  8. Von einer Gruppe von Menschen spricht niemand, weder die sogenannten alternativen und erst recht nicht die Konzern Medien.

    Jene Menschen, weltweit übrigens, welche nicht am Zerfleischungs- und damit Sterbeprozess der Herrschenden teilnehmen.

    Es ist schade, dass Ken Jebsen oder jemand aus dem KenFM Team noch immer nicht die Tür zur Zukunft ganz aufzustoßen wagt. „Die Macher“ ist der Türöffner gewesen, aber wann wird jene Gruppe gestärkt und gefördert, welche in weiser Haltung keinerlei Partei ergreift, weder für die eine Seite des sterbenden Systems geschweige denn für die andere.

    Ganz gleich wo es gerade brennt, Menschen sich ihre sogenannte Freiheit erkämpfen, um später stolz verkünden zu können: „Wir waren dabei und haben für unsere Freiheit gekämpft“. Es wird konsequent ausgeblendet, worum es tatsächlich geht: um Gewalt und um ein neues Miteinander. Eliten, ob in Europa oder Hongkong ernähren sich von Lebenszeit, Lebenskraft und allem Lebendigen jedes einzelnen Menschen. Wer das einmal verstanden hat, ist weder pro noch anti geschweige denn kämpft. Zu glauben, das neue Miteinander wäre nur rein gesellschaftlich oder wirtschaftlich, versteht die Tragweite nicht.

    Zuerst benötigt es eine neue geistige, gewaltfreie Vorstellung der Zukunft, die es zu leben lohnt.

    Es ging nie um Russland, USA, China, Geld, Wachstum, Frieden, als vielmehr ein freies, selbstbestimmtes Leben für jeden Menschen auf diesem Planeten.

    Einige haben es verstanden, der Rest wird aufgeraucht auf allen Schlachtfeldern.

  9. „Es wird also als das selbstverständliche Recht westlicher „pro-demokratischer“ Kräfte angesehen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und gewaltbereite Kräfte zu unterstützen.“

    Ja- ich glaube auch, dass es sich um den Versuch eines „Regime Changes“ handelt und dazu werden dann oppositionelle Kräfte benutzt – heute – und vor dem Ersten Weltkrieg war es auch so. Der Erste Weltkrieg war ein gigantischer, millionenfach möderischer Mehrfach-Regime-Change! Während heute in China „Demokraten“ benutzt werden, wurden damals einige Sozialisten und Kommunisten instrumentalisiert – und auch hierfür habe ich Nachweise:

    Ich bei meinen Recherchen zum Ersten Weltkrieg auf Verhaltensweisen von führenden deutschen Sozialisten und Pazifisten von damals gestoßen, die sich sehr, sehr verhängnisvoll ausgewirkt haben. Und es haben meiner Ansicht nach merkwürdige Einflussnahmen auf die deutschen Pazifisten und Sozialisten von seiten INTERNATIONALER Pazifisten und Sozialisten stattgefunden – mit verheerenden Folgen. Zwei Beispiele für diejenigen, die sich beeinflussen ließen:
    der Pazifist Dr. Richard Grelling, der Mitinitiator der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK!!!, die es heute noch gibt!) und Kurt Eisner (USPD) – Eisner hat sich von einem amerikanischen „Pazifisten“, der eigentlich ein Agent war, G.D. Herron, auffordern lassen, die deutsche Kriegsschuld zu bekennen und Eisner hat das getan und hat dazu Dokumente der bayrischen Gesandtschaft so massiv gekürzt, dass sie eine gefälschte Aussage transportiert haben, siehe Links unten.
    Doch was waren das wohl für Gruppen, die Grelling beeinflussten? Dazu gilt, erst einmal, diese westlichen, internationalen „pazifistischen“ Gruppen näher anzuschauen, die sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten – und zu überlegen, ob sie wirklich so friedlich gesinnt waren! In Westeuropa gab es die „Ligue de la Paix et de la Liberté“ („Liga für Frieden und Freiheit“, „League for Peace and Liberty“). Sie wurde 1867 in Genf gegründet. Zu ihren Begründern gehörte der Schweizer Politiker und Freimaurer Élie Ducommun (1833 —1906). Aber der Personenkreis dieser, als eine Art demokratischer „Internationale“ gedachten Gruppierung reichte weit über die Schweiz hinaus, nämlich nach Frankreich und Italien, Belgien und England: John Stuart Mill und der Belgier Charles Lemonnier, Victor Hugo und der Freimaurer Louis Blanc gehörten dazu. Auf ihrem ersten Kongreß in Genf sagte der Freimaurer Garibaldi 1867, die Republik sei die einzige, eines freien Volkes würdige Regierungsform. Tja, aber was ist, wenn eine Republik gar nicht vom Volk erstellt wurde, sondern von elitären Gruppen, wie den Freimaurern vorangetrieben wurde, die dann aber hinterher behaupten, es sei das Volk gewesen? Es stellt sich doch die Frage: Wer hat denn Garibaldis Rothemden finanziert? Und mein Verdacht führt zum Grand Orient de France, einer hochelitären, Vereinigung politischer Freimaurer! Doch zurück zur Liga für Frieden und Freiheit: Auch nach Serbien reichten die Verbindungen dieser „Liga für Frieden und Freiheit“, denn die beiden Mitbegründer der «Ujedinjenja Omladina srpska», der Freimaurer Vladimir Jovanovic und Svetozar Markovic fühlten sich zeitweise mit den Zielen dieser Organisation verbunden, denn die Liga hatte sich dem Ziel einer föderativen Gestaltung des Balkans verschrieben!!! Balkanföderation! Im Prinzip eine gute Idee – doch wie wollte man das denn damals schaffen – ohne – Krieg??? „Hehre“ Ziele einer Friedensliga, die aber nur durch Gewalt erreicht werden können? Denn um eine Balkanföderation herzustellen, musste man Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich zerschmettern! Wie ernst war es diesen „Pazifisten“ also mit dem Frieden? Heiligt der Zweck die Mittel?

    Die Friedensliga konnte sich zwar als Dachorganisation für eine internationale Friedensbewegung nicht durchsetzen, doch bot sich die Zusammenarbeit mit anderen pazifistischen Organisationen an. Das Ergebnis dieses Zusammenwirkens waren „Weltfriedenskongresse“. Der erste Weltfriedenskongress fand 1889 in Paris statt; es folgte London 1890, Rom 1891, Bern 1892, Chicago 1893, Antwerpen 1894, Brüssel 1895, Budapest 1896 und wieder Brüssel 1898. Bis 1914 fanden insgesamt 23 Kongresse statt, doch der für 1914 geplante Kongress konnte wegen des Kriegs nicht mehr stattfinden. Diese 23 Friedenskongresse haben den Ersten Weltkrieg nicht verhindert! Richard Grelling (1853-1929) nahm an diesen Kongressen teil. Es stellt sich die Frage, ob Richard Grelling schon während dieser Vorkriegs-„Friedenskongresse“ seine, dem deutschen Kaiserreich feindliche Einstellung einsuggeriert bekommen hat?

    Der Anwalt Dr. Richard Grelling musste nämlich aus irgendwelchen Gründen aus Berlin verschwinen und ließ sich mehrere Jahre im Ausland nieder. Zwischendurch scheint er aber doch wieder auch in Berlin gewesen zu sein, wo ihn die Sozialisten Eduard Bernstein und Karl Kautsky, nach Kriegsbeginn 1914 dazu angestiftet haben sollen, sein „Exil“ zum „Kampf gegen den deutschen Militarismus“ zu nutzen – was er dann tat. Er schrieb im Ausland anonym (!) das Pamphlet „J’accuse! Von einem Deutschen“ (Lausanne 1915). In diesen Machwerk verbreitete er praktisch die gegnerischen Propagandalügen über die Mittelmächte: Die Mittelmächte, vor allem das deutsche Kaiserreich, hätten den Ersten Weltkrieg planvoll herbeigeführt, seien allein schuld, die Alliierten seien praktisch unschuldig. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet und fand viel Glauben.
    Doch offenbar glaubte man dem anonymen Verfasser nicht überall und man hat versucht, herauszufinden, wer das einflussreiche Buch geschrieben hatte. Offenbar ist das einem Journalisten in der neutralen Schweiz gelungen: Am 13. September 1915 erschien ein kritischer Artikel im „Berner Tagblatt“ (27. Jg. Nr. 425), Titel: „Entlarvung des Verfassers von „J’accuse“: «Es ist der wegen dunkler Sache aus Berlin geflüchtete Anwalt Dr. Richard Grelling. Nach seiner Flucht hat er mehrere Jahre in Florenz und Paris gelebt. Bei Ausbruch des Krieges erhielt er von der Pariser Polizei einen und schrieb dort das Werk, zu dem ihm von amtlicher Seite reicher Stoff geliefert wurde. Der verantwortliche Herausgeber der Schmähschrift ist Dr. Anton Sutter, ein von der Berliner Anwaltskammer aus der Liste der Rechtsanwälte gestrichener Anwalt. Beide haben für ihre Arbeit reichliche Bezahlung erhalten. »
    Der Artikel spricht für sich!
    Fortsetzung folgt.

    • Fortsetzung:
      Wer genauer wissen will, welche Rolle weitere Sozialisten, wie Eisner in Bezug auf die Kriegsschuldfrage gespielt haben, sei auf folgende Texte verwiesen, Wolfgang Effenberger: ttp://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26088
      An den folgenden Texten habe ich sogar mitgewirkt:
      ttps://fassadenkratzer.wordpress.com/2019/02/21/kurt-eisner-und-die-luegen-ueber-die-deutsche-kriegsschuld/#more-5270
      und: ttps://fassadenkratzer.wordpress.com/2019/03/21/wie-ein-westlicher-agent-sozialisten-fuer-die-deutsche-kriegsschuld-benutzte/
      „Wie ein westlicher Agent Sozialisten für die „deutsche“ Kriegsschuld benutzte.“ Für Leute, die das Thema vertiefen wollen: Hierfür habe ich lange gebraucht, um die Forschungsergebnisse zusammenzusammeln:
      ttps://fassadenkratzer.wordpress.com/2019/03/27/widerlegung-der-hauptschuld-deutschlands-am-1-weltkrieg/#more-5330

      Im Großen und Ganzen kann man sagen: Die Politik der SPD und USPD war Kritik an der Regierung des Kaiserreichs, nun gut, aber darf man dabei so weit gehen, in unwahrhaftiger Weise die Propaganda der Alliierten zu übernehmen – und sich gar noch, wie Eisner, von einem US-Amerikaner, wie G. D. Herron, einem Agenten, auffordern lassen, die Kriegsschuld zu bekennen – und das auch noch mit manipulierten Dokumenten? Und mit dieser Unwahrhaftigkeit haben sie nicht nur die verhasste preußische Adelskaste vernichtet, sondern auch der deutschen Arbeiterschaft und den Bauern und normalen Deutschen extrem geschadet.
      Wie nennt man das eigentlich, was Grelling, Bernstein und Eisner ihrem eigenen Volk, den Deutschen, mit ihren Unwahrhaftigkeiten angetan haben? Möge jeder selbst darüber nachdenken.

      Fortsetzung:
      Und ist es nicht interessant, dass Freimaurer eine große Rolle spielten bei diesen „Friedensligen“? In Amerika gab es dann nämlich später auch ein Pendant dazu – und – seltsam, seltsam – wieder spielten da Freimaurer eine Rolle: Die League to Enforce Peace – da sind, als vorantreibende Mitglieder die Freimaurer Elihu Root zu nennen und der Freimaurer und Skull & Bones-Mann und Ex-Präsident Howard Taft: Sie trieben die amerikanische Version dieser Friedensliga voran, der sich dann, während des Ersten Weltkriegs, zwei weitere prominente Freimaurer anschlossen: Ex-Präsident Theodore Roosevelt und General Leonard Wood, der Leiter der „Preparedness-Bewegung“. Und – eine weitere Übereinstimmung: Diese amerikanischen Freimaurer Wood, Roosevelt und Root verbreiteten auch ständig die Phrase vom „preußischen Militarismus und der deutschen Autokratie“, die ausgemerzt werden müssten, damit dann endlich eine friedliche Welt entstehen könne. „War to end War!“ – So lautet das letzte Kapitel von Walter Millis Buch: Road to War – America – 1914-1917. Elihu Root, Theodore Roosevelt und Leonard Wood waren sehr deutschfeindlich und traten vehement für den Kriegseinsatz der neutralen USA gegen Deutschland ein. Erinnern die „Phrasen“ von der „Autrokratie“, die beseitigt werden müsse, nicht an die heutigen Phrasen, mit denen der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin und andere ständig verunglimpft werden? Laufen da nicht dieselben propagandistischen Feindbild-Produktionen ab?

      Weiter stellt sich mir die Frage: Wurde die Feindschaft gegen die Mittelmächte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in freimaurerischen Kreisen besonders vorangetrieben? Bei meinen inzwischen recht zahlreichen Übersetzungen und Recherchen zum Ersten Weltkrieg bin ich nämlich, auf Entente-Seite, immer wieder auf dieselben Schlagworte und Phrasen gestoßen: z. B. der Forderung nach „Vernichtung des preußischen Militarismus“, „Krieg, um alle Kriege zu beenden“, „Deutsches Barbarentum“, „Demokratie gegen Autokratie“, Zivilisation gegen Barbarei“, Forderung nach „Völkerbund“ und „internationaler Schiedsgerichtsbarkeit“, usw… Und dann stellte ich fest, dass diese Phrasen von Leuten benutzt wurden, die zwei Dinge gemeinsam hatten: Sie waren deutsch- und österreichfeindlich und sie waren Freimaurer! Deshalb meine begründete Frage: Sind diese Schlagworte in den Logen vorbereitet worden?
      Hier der Nachweis, um welche Freimaurer es sich handelte – aufmerksame Leser meiner Kommentare aus den letzten Tagen werden die meisten Namen wiedererkennen!
      Quelle:
      Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon,
      5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage, München, 2006.

      „Grey, Edward: … … wurde in der >>Apollo University Lodge 357<>Apollo University Lodge<>United Studholme Lodge No. 1591<>Rosemary Lodge No. 2851<>Le Trait d’Union de Saint Nazaire<>Les Chevaliers du Travail.<>Matinecoock Lodge No. 806<>Kilwinning Lodge No. 356<< in Cincinnati, Ohio.“ [Darüber hinaus war er noch Skull & Bones-Mitglied.]

      [Kurt Eisner war allerdings, laut Lexikon, NIEMALS Freimaurer, es steht da:]
      "Eisner, Kurt, …… wird von politischen Gegnern immer wieder als Freimaurer bezeichnet. Er ist nie Mitglied des Bundes gewesen." [Zitate aus Lexikon Ende.]

      Übrigens: Historiker des 19. Jahrhunderts und auch noch der tapfere Hitlergegner Franz Xaver Schweyer, bayrischer Innenminister im Jahre 1922, haben noch gewusst, dass Freimaurer eine große Rolle bei der Vorbereitung der Französischen Revolution gespielt haben. Und offenbar auch bei Garibaldi und Kerenski, der ja selbst Freimaurer war. Heute scheinen die Freimaurer die Organisation von Revolutionen und Regime Changes an Geheimdienste und Gruppen wie Otpoor oder National Endowment for Democracy „outgesourct“ zu haben.

    • Seltsamerweise hat das System beim Abspeichern meine Quellenangaben aus dem Freimaurer-Lexikon massiv vekürzt – deshalb hier nochmal ausführlich:
      Quelle:
      Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon,
      5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage, München, 2006.
      Danach waren folgende Leute Mitglieder in Freimaurer-Logen:

      „Grey, Edward: … … wurde in der >>Apollo University Lodge 357<>Apollo University Lodge<>United Studholme Lodge No. 1591<>Rosemary Lodge No. 2851<>Le Trait d’Union de Saint Nazaire<>Les Chevaliers du Travail.<>Matinecoock Lodge No. 806<>Kilwinning Lodge No. 356<< in Cincinnati, Ohio.“ [Darüber hinaus war er noch Skull & Bones-Mitglied.]

      [Kurt Eisner war allerdings, laut Lexikon, NIEMALS Freimaurer, es steht da:]
      "Eisner, Kurt, …… wird von politischen Gegnern immer wieder als Freimaurer bezeichnet. Er ist nie Mitglied des Bundes gewesen." [Zitate aus Lexikon : Ende.]

    • Seltsam – beim zweiten Mal hat es das wieder verkürzt! Ich werde die Liste anders erstellen – vielleicht mag das System die Anführungszeichen oder andere Symbole nicht.

    • So – jetzt ein weiterer Versuch:
      Folgende wichtige Leute aus den Entente-Staaten waren Freimaurer – so steht es jedenfalls im
      Internationalen Freimaurer Lexikon von Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder, 5. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage, München, 2006

      Edward Grey war Mitglied in der Apollo University Lodge 357, Oxford
      Cecil Rhodes war Mitglied der Apollo University Lodge, Oxford
      Alfred Milner war Großaufseher der Großloge von England
      Eduard VII, König von Großbritannien, war als Prinz von Wales Großmeister der Vereinigten Großlogen von England 1875-1901. Als er den Thron bestieg, legte er den Großmeisterhammer nieder. Während seiner Großmeisterschaft fand ein bedeutender Aufschwung der englischen Freimaurerei statt.
      Winston Churchill war Mitglied der Rosemary Lodge in London
      Leopold Amery, britischer, konservativer Politiker, Erster Lord der Admiralität, war Mitarbeiter der Times und Freimaurer
      Kitchener of Khartoum, Horatio Herbert, Lord, brit. Feldmarschall, war Freimaurer.
      Aristide Briand: Mitglied in Loge : Le Trait d’ Union de Saint Nazaire des Grand Orient de France
      Theodore Roosevelt: Matinecock Lodge
      Leonard Wood – Freimaurer
      Elihu Root, Freimaurer
      Howard Taft Kilwinning Lodge

      Aus anderer Quelle weiß ich auch: Théophile Delcassé war auch Freimaurer, das heißt er war Mitglied der in Foix beheimateten Loge

      Leser meiner Kommentare der letzten Tage werden einige Namen wiedererkennen.

    • @A. Eberl
      In welcher Beziehung sehen Sie die Freimaurer mit den aktuellen Vorgängen in Honkong? Ich vermag die Verbindung nicht zu erkennen, außer in der Aussage, dass die Freimaurer für alles Schlechte in dieser Welt verantwortlich sein sollen.

    • Es ist eine Binsenweisheit, … es gibt Pläne und es gibt Gegenpläne. Und schließlich ging es damals, wie auch heute, mit sehr viel geringerer Kraft, um die Überwindung eines unterdrückerischen Systems. Man schaut, was hat man für Möglichkeiten. Wenn sie nur etwas tun, unter der Voraussetzung, daß sie perfekte Möglichkeiten haben und die Perfektion erreichen möchten, … dann werden sie niemals etwas tun. Unäbhängig davon ist Perfektion wohl für jeden etwas Anderes. Und vom Bürgertum war ohnehin stets nur Furcht um die eigenen Pfründe zu erwarten.

      Aber hier, bei Interesse, etwas zu den Vorwürfen gegen Kurt Eisner:

      Stimmt es, dass Eisner sich von diesem Agenten beauftragen oder zumindest verleiten ließ, die Gesandtschaftsberichte (durch Kürzung) zu manipulieren? Hat Eisner damit – statt einen „menschlichen Frieden“ zu erreichen – den Diktatfrieden von Versailles befördert? Wolfgang Effenberger spricht ein hartes Urteil: „Allein die Tatsache, dass ein über Jahrzehnte mit Außenpolitik befasster Fachjournalist wie Kurt Eisner auf den Gedanken kam, die Außenpolitik der Vereinigten Staaten könnte plötzlich von Idealen regiert werden und nicht mehr von nüchternen Interessen, zeugt von der Realitätsferne der gesamten Revolution.“

      Diese Einschätzung widerspricht diametral der von Sebastian Haffner, der – wie oben bereits zitiert – schreibt: „Eisner hatte… einen klaren Blick für die internationale Lage des besiegten Deutschland und eine klare außenpolitische Konzeption: Er sah die Gefahr des Diktatfriedens und suchte ihr zuvorzukommen durch eindrucksvolle Beweise des Bruchs mit dem Alten im Innern und durch direkte Kontakte nach außen, und zwar mit den Westmächten, besonders mit Amerika; mit Russland hatte er nichts im Sinn.“

      Die „Tiefen“ hinter den Kulissen

      Welche Auffassung ist die zutreffende? Können wir davon ausgehen, dass ein Historiker, der in einem Medium, dessen Redakteure sich vertraglich verpflichten müssen, im Interesse von USA und Israel zu publizieren, als „grandioser Historiker“ bezeichnet wird, der Realität näher kommt? Können wir davon ausgehen, dass das, was sich auf der politischen und dann historischen Bühne abspielt, die ganze Wahrheit ist? Oder gibt es die „Tiefen“ hinter den Kulissen, die uns weitgehend verborgen bleiben (sollen)? Gilt das auch für Revolutionen? Stimmt es, dass das Imperium ein Interesse an der islamischen Revolution im Iran 1978/79 hatte? (7) Treffen die Forschungen des britischen Historikers Anthony Sutton zu, nach denen die Bolschewistische Revolution im Oktober 1917 in Russland und dann auch die Sowjetunion von der Wall Street befördert waren? (8) Wie war das in Deutschland 1918/19 – speziell in München mit der Revolution im November 1918, deren treibende Kraft Kurt Eisner war?

      Vorveröffentlichung aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 30 (September 2018) – Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.

      Aus:
      Kultur und Wissen
      Betrachtung anlässlich des Erscheinens von Wolfgang Effenbergers Buch „Revolution, Rätewirren und Versailles“
      Eisner und das Imperium
      Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
      http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26088

      Allgemein zur Münchner Räterepublik:
      Die offizielle Geschichtsschreibung wird von den Siegern definiert und mit den herrschenden Verhältnissen zementiert und fortgeschrieben. So verwundert es kaum, dass viele Menschen den Freistaat Bayern noch heute für eine Erfindung der CSU halten. Am 80. Jahrestag der Räterevolution forderten rund 1000 DemonstrantInnen vor der Bavaria auf einem Transparent „Kurt Eisner in die Ruhmeshalle!“ Das war 1998. Dort „angekommen“ ist er bis heute nicht. Nun erinnert erstmals die umfangreiche Ausstellung „Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)“ im Münchner Stadtmuseum an den Mitbegründer des Freistaats Bayern. Aufgrund des großen Publikumsinteresses wurde die Schau bis zum 14. Januar 2018 verlängert. Als Einstimmung auf die sehenswerte Ausstellung erinnert der Münchner Autor Michael Backmund an den brillanten Journalisten, bedeutenden Publizisten, Vordenker eines demokratischen Sozialismus, couragierten Kriegsgegner und Revolutionär Kurt Eisner.

      „Bayern ist fortan ein Freistaat.“Noch in der Nacht hatte Kurt Eisner einen Aufruf in den Münchner Neuesten Nachrichten abdrucken lassen. Wer keine Zeitung las oder selbst am Tag zuvor nicht dabei gewesen war, konnte sich seit den frühen Morgenstunden des 8. November 1918 an den Litfaßsäulen der Stadt informieren. Auf roten Plakaten war dort die Proklamation des neuen Arbeiter- und Soldatenrates zu lesen: „Um nach jahrelanger Vernichtung aufzubauen, hat das Volk die Macht der Zivil- und Militärbehörden gestürzt und die Regierung selbst in die Hand genommen (…) Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“ Und an den beiden Türmen der Münchner Frauenkirche hingen große rote Fahnen.

      Der Freistaat ist also keine Erfindung der CSU, sondern des Sozialisten und ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner und vieler tausenderMünchner Revolutionäre und Revolutionärinnen.

      Aus:
      «Es leben Eisner und die Weltrevolution!»
      – 14. Dezember 2017 In FEATURED, Politik (Inland)
      http://hinter-den-schlagzeilen.de/es-leben-eisner-und-die-weltrevolution

      Und hier:
      Über einige heroische Einbildungen des Bürgertums

      Die Revolution 1918/19 wird vielfach gefeiert als Aufbruch, der parlamentarische Demokratie, allgemeines Wahlrecht – auch für Frauen – und soziale Rechte brachte. Leider sei die Republik dann an den feudalen Überresten des Kaiserreichs gescheitert, so als hätten der Adel in Staatsapparat, Militär, Polizei und Justiz aus überlebter Vorgestrigkeit im Nationalsozialismus Demokratie und Republik beseitigt, um zum feudalen Kaiserreich zurückzukehren.

      Nach allem, was wir wissen, ging es in der Revolution nicht nur um die Staatsform in Form von Räteherrschaft oder repräsentativer Demokratie, sondern auch um die Herrschaft über die Produktion, um Sozialisierung. Arbeiterräte, Betriebsräte und Wirtschaftsräte wollten nicht nur Arbeiterrechte absichern, sondern über den ganzen Kuchen verfügen.

      Aber auch das Bild vom geraden Weg durch das 19. Jahrhundert zur politischen Demokratie ist für die herrschenden Klassen etwas zu milde geraten.

      Bei genauerer Betrachtung erweisen sich die angeblich feudalen oder halbfeudalen Reste aus dem Kaiserreich als genau diejenigen Klassen und Organisationsformen, durch die die kapitalistische Produktionsweise, Reichseinigung und bürgerlicher Staat im 19. Jahrhundert in Deutschland durchgesetzt wurden. Dabei war die besondere Form, in der sich die kapitalistische Modernisierung der deutschen Gesellschaft vollzog, nicht alternativlos. Sie war höchst umkämpft, hätte an entscheidenden Stellen anders verlaufen können, wenn sich das deutsche Bürgertum nicht vor seiner Aufgabe so blamiert hätte.
      (…)
      Zu dieser Entwicklung gab es Alternativen – etwa einen durch Republiken vereinbarten Weg zum Nationalstaat, der durch ein Volksheer abgesichert worden wäre. Das Bild vom geraden Weg zur Demokratie im 19. Jahrhundert ist für die herrschenden Klassen allzu weich gezeichnet. Eher hat das deutsche Bürgertum im 19. Jahrhundert aus Angst vor der Arbeiterbewegung und dem Verlust ihres Eigentums einige diktatorische und obrigkeitsstaatliche Umwege (mit-) beschritten, bevor es sich aus Angst vor möglicherweise noch weiter gehenden Machtverlust – zeitweilig – zu allgemeinem Wahlrecht, Demokratie, Republik und Zugeständnissen bei den Arbeiterrechten durchrang. Um dann aber bereits wenige Wochen nach der Novemberrevolution diese Demokratie wieder zu unterminieren, gegen Demokratie-Forderungen – wie die nach Räten – vorzugehen und schließlich 1933 erneut die Diktatur einer demokratischen Verfasstheit vorzuziehen.

      Aus:
      Ein halb-feudales deutsches Kaiserreich?
      3. April 2019 Jürgen Bönig
      https://www.lunapark21.net/ein-halb-feudales-deutsches-kaiserreich/#more-4761

      Ach und hier, nicht daß es heute besser wäre, wie gesagt, die Konterrevolution schläft ja nicht:

      „Als Adam grub und Eva spann, wer war da der Edelmann?“ – Niemand, so lautet die glasklare Antwort. Es gab zwar eine Schlange, aber gewiss keinen Edelmann. Jedenfalls nicht im biblischen Schöpfungsbericht mit Adam und Eva und auch sonst nirgendwo in der Natur. Der Edelmann von Gottes Gnaden: eine von Macht und Gier getriebene Erfindung. Eine doppelte Fantasterei der Menschheit, die auch noch in das Tierreich projiziert wird. Sogar den Löwen, ein Raubtier, möchte der Mensch zum König über alle anderen Tiere gekrönt sehen.

      Doch während der Löwe weder Kronen noch Schlösser oder sonstige Privilegien benötigt, raubte sein „Artgenosse“ (manch Wappen zeugt von gleicher Linie), der aufrecht gehende, europäische Edelmann fein organisiert und samt dem Segen der Kirche, kreuz und quer durch die Jahrhunderte und über alle Kontinente, in „heiliger“ Dreieinigkeit aus Mafia, Macht und Vatikan. Das heißt: Man ließ die Räubereien zur Finanzierung von Hofstaat, Glanz und Gloria von Schlägertrupps durchführen, die mit einer ordentlichen Fahne auf der Brust durch die Länder und über die Meere ziehen durften, nein sollten. Das Ganze kann man dann als Tyrannei, Despotie oder Willkürherrschaft bezeichnen – mag sie auch hin und wieder mal eine ganz milde gewesen sein. Und dieser bitterernste Firlefanz, der sich wie ein reißender Strom aus Blut durch die Vergangenheit zieht, ist hierzulande noch immer nicht im Museum menschlicher Irr- und Abwege gelandet. Sei’s vorerst drum.

      Wenn jeder sein eigener König ist, braucht niemand der König eines anderen sein

      Der Spruch mit dem Edelmann stammt übrigens von einem gewissen John Ball, einem rebellierenden Priester, der für soziale Gleichheit aller Menschen eintrat und die Aufhebung der Standesgrenzen forderte. In England erhoben sich im Jahre 1381 Bauern in einer Revolte gegen den Adel und dessen erdrückende Steuern. Mit von der Partie war – besser gesagt, stand an der Spitze der Rebellen – damals auch jener Ball, der dem Protest mit seinem bekannt gewordenen Ausspruch etwas mehr Nachdruck verlieh. Ball wurde noch im selben Jahr auf grausamste Weise – nämlich durch „Hängen, Ausweiden und Vierteln“ (dieses Strafmaß bestand formal sogar noch bis ins Jahr 1870) – und im Beisein von Richard II, zu seiner Zeit in der Rolle des Königs, hingerichtet.
      (…)
      Jahrhundertlange Enteignungen durch die Herrschaft(en) der Hohenzollern und ihresgleichen, gegen die schon Ball und die Bauern so früh und doch erfolglos leidenschaftlich rebellierten, werden da in bescheidener Selbstgefälligkeit auf der einen Seite – und womöglich in serviler Restergebenheit auf der anderen Seite – erst gar nicht angedacht, anstatt den jungen Preußen mit seinen rotzfrechen Forderungen in die Schranken zu verweisen. Mit wessen Geld wurden die ganzen Schlösschen und Liebhabereien also errichtet, saniert, entstaubt und bis heute gepflegt? Und wer soll zukünftig für die weitere Pflege aufkommen?
      (…)
      Wie blödsinnig jetzt noch?

      Die Existenz, der Herrschaftsanspruch des Adels, der sich ja immerhin und völlig humorfrei als ein edles Geschlecht versteht (ist das Rassismus?), geht übrigens auf die Abstammung, die Erziehung sowie eine dem Ganzen unterstellte „göttliche Absicht“ zurück. In einigen Ländern bildet der Adel bis heute eine geschlossene soziale Schicht mit Standesethos und ist überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen und hohen Ämtern vertreten. Meist dort, wohin man nicht „demokratisch“ gewählt wird, bei den Bilderberg-Konferenzen etwa.

      Aber wie meinte der deutsche Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg: „Von dem Ruhm der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsinnigkeit der Bewunderer zu.“ Na mal sehen, wie blödsinnig sich einige Damen und Herren zu Berlin, Brandenburg und vom „Bund“ bei der Belagerung durch den Hohenzollern-Clan in Zukunft noch anstellen wollen, damit’s nicht heißt: Und wenn sie nicht gestorben sind, verhandeln sie noch heute.

      Aus:
      Der Hohenzollern-Clan: Hofstaat und Gier von Edelparasiten
      17.08.2019 • 10:22 Uhr
      https://deutsch.rt.com/meinung/91327-der-hohenzollern-clan-hofstaat-und-gier-von-edelparasiten/

      Aber im Grunde ist das, was die Hohenzollern gerade umtreibt, nur der blanke Neid auf die andern Ausbeuter, die sich völlig enthemmt und ohne Scham, rund um den Globus, bereichern. So als gäbe es kein Morgen.

    • P.S.: Man könnte auch „Wir sind Gefangene – Ein Bekenntnis,“ von Oskar Maria Graf lesen, um einen anderen als den herrschaftlichen Blick zu erhalten.

      Grafs fesselnder Bericht aus einer turbulenten Zeit

      Kraftvoll, ehrlich und mit schonungsloser Offenheit schildert Oskar Maria Graf seine Erlebnisse von der Kindheit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Eine ebenso packende wie berührende Autobiographie un dein Zeitdokument erster Güte – Oskar Maria Graf wurde mit diesem Werk schlagartig berühmt.

      »Seit ich als junger Mann Wir sind Gefangene gelesen habe, bin ich diesem Dichter verfallen.«
      Konstantin Wecker

      (…)
      Die Universität also, das war die Einrichtung, wo man immer und immer, Jahre hindurch, zuhört und dann noch so und so viel Bücher durchliest, und endlich wird man etwas.
      Das gibt sodann die gebildete, bessere Gesellschaft.
      Die Arbeiter arbeiten, die Bauern pflügen und ernten – dies Leute aber sagen, was richtig und falsch, was gesetzlich und ungesetzlich, sittlich und unsittlich ist. Mit einem Wort, diese Leute geben den Ton an, sie befehlen.
      Hier wurde mit »Geist« hantiert, hier lernte man alle Dinge des gesunden Menschenverstandes so umzumodeln, jedes Wort und jeden Begriff so vieldeutig zu machen, daß der einfache Mensch davon verwirrt wurde und Respekt davor bekam, ja, noch mehr, sogar – eine undefinierbare Furcht.
      (S. 301/302)

    • Antwort an Nevyn: Die Freimaurer sind nicht für alles Schlechte dieser Welt verantwortlich – es gibt sehr viele unterschiedliche Gruppen unter ihnen und viele Mitglieder haben hohe Ideale und wurden und werden genauso benutzt und instrumentalisiert, wie andere Menschen in anderen vernetzten Gruppen, z. B. wie auch Sozialisten benutzt wurden…. Den Überblick hatten und haben wohl nur die Wenigsten. Aber worauf ich hinweisen wollte ist, dass solche internationalen Gruppen früher, im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, von ihren Oberen benutzt werden konnten, um deren, also die Ziele der Oberen, durchzusetzen. Ein solcher Oberer war z. B. Alfred Milner. Früher, als es noch nicht solche staatlichen, von Steuergeldern finanzierten Geheimdienste gab, wie im 20. Jahrhundert, spielten eben Geheimgesellschaften die Rolle, die heute Geheimdienste oder Otpoor oder NED usw. inne haben- und die politischen Freimaurer waren Geheimgesellschaften – neben anderen, teilweise sogar okkulten Geheimgesellschaften. Wenn die ein Ziel hatten, z. B. Föderalisierung des Balkans, dann nutzen die ihre Netzwerke oder bildeten kleinere Geheimgesellschaften… usw…. Disraeli war sich dessen noch bewusst, hier ein Zitat von ihm: Benjamin Disraeli, in seiner Rede vom 20. September 1876 in Aylesbury:
      „Serbien erklärt der Türkei den Krieg – das heißt,
      die Geheimgesellschaften Europas erklärten durch
      Serbien der Türkei den Krieg. Ich kann Ihnen versichern,
      Gentlemen, dass bei der Bemühung, die Regierung durch
      diese Welt zu führen, ganz andere Elemente zu
      berücksichtigen sind als jene, mit denen unsere
      Vorfahren zu tun hatten. Wir haben es nicht nur mit
      Herrschern, Fürsten und Ministern zu tun, sondern
      hier geht es um Geheimgesellschaften […] ,
      die im letzten Moment alle unsere Vorkehrungen
      in Frage stellen könnten, die ihre Agenten überall
      haben, ruchlose Agenten, die zum Mord anstiften
      und notfalls auch ein Massaker hervorrufen könnten.“

      Benjamin Disraeli war sich also noch bewusst, dass es „behind the curtain“ Geheimgesellschaften gibt, die tiefgreifend in das geschichtliche Werden eingreifen. Eine dieser „Geheimgesellschaften“ (allerdings später) war z. B. der Kreis um Alfred Milner in Großbritannien – deren ZIele hat Cecil Rhodes in seinen Testamenten formuliert – ich habe das kürzlich in einem Kommentar gebracht. Eine weitere Geheimgesellschaft war die „Schwarze Hand“ in Serbien (Attentat auf den Thronfolger von Sarajewo), eine weitere die Ujedinjenja Omladina srpska, ebenfalls Serbien, dann gab es die verschiedensten Logen über ganz Europa verteilt. Die Leitenden dieser Gruppen hatten das „know how“, wie man Revolutionen, Umstürze und so weiter macht. Die einzelnen, unteren Mitglieder hatten oft nicht alle Informationen über alle Ziele. Ihre Tatkraft und Opferbereitschaft wurde eben ausgenutzt…
      Und was jetzt gerade in Honkong läuft, ist meiner Ansicht nach auch so ein versuchter Umsturz, wie auf dem Maidan. Bloß brauchen heute die oberen Leiter der Freimaurer sich nicht mehr darum zu kümmern – sie haben diese Techniken des Regime Change „outgesourced“ – das machen heute – meiner Meinung nach – andere Gruppen, wie NED oder Otpoor und deren Folgeorganisationen. Die wechseln ja ständig ihre Namen, damit die Menschen nicht dahinter kommen. Aber die Symptome bleiben ähnlich. Daran meine ich, sie erkennen zu können.

  10. Hier, wer sich noch weiter über „Revolutionsmacher“ informieren möchte:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=26999#more-26999
    Wie stürzt man eine Regierung – das beschreibt eine Spiegel-Serie aus dem Jahre 2005

    https://www.youtube.com/watch?v=z5_Ce9F_m5U
    Das Netzwerk hinter den Farbrevolutionen

    https://www.youtube.com/watch?v=svJY8U4xvcw
    und hier – das war im ORF2 – wird Otpoor erklärt

    Und noch etwas: Die früheren „Revolutionen“: Französische Revolution, in Russland die Februar-Revolution (Kerenski) und die Bolschewisitische Revolution und die „Eisner“-Revolution am Ende des Ersten Weltkriegs – die waren auch „Regime Changes“ – und dahinter steckten elitäre Gruppen (!!) und keineswegs „das Volk“. In St. Petersburg wurde mir erklärt, dass nur eine Gruppe von unter 100 Mann den Winterpalast gestürmt habe – Ja, Ihr, die Ihr von der „sozialistischen Weltrevolution“ träumt- Träumt weiter, sie wird nie „von unten“ kommen.

  11. Nein, KenFM ist kein widerliches Propaganda-Portal, wie „Max“ schreibt, sondern ein Portal, das noch guten Journalismus macht. Und ich bin dankbar dafür, erfahren zu haben, was in diesem Text steht. Ich stellte mir schon vor einigen Tagen die Frage ob das in Hongkong nicht wieder eine dieser, vom Westen beeinflussten Farb-Revolutionen werden soll…

  12. KenFM, das widerlichste Propaganda Portal seit dem Stürmer.
    Über die Proteste und vor allem deren Beweggründe können nur Tyrannen ein schlechtes Wort verlieren.
    Aber ihr habt bereits über die Tibet Bewegung gehetzt, und macht regelmäßig Propaganda für das KP-Regime in Peking.
    Ihr redet über Unterdrückung und Freiheitskampf betreffend Gelbwesten und Assange, wenn aber die Hongkonger eine echte Diktatur bekämpfen, müsst ihr euch auch noch auf die Seite Pekings schlagen.
    Ihr seid nichts andere als RT, Sputnik und CCTV, diese schmierigen Hetzkanäle der Ost-Regime Russland und VR China.

    • @Max
      Der Sprachstil Ihres Kommentares erinnert mich merkwürdiger Weise mehr an den Stürmer. Ich halte Sie für einen eher jüngeren und leidenschaftlichen Menschen und das sei Ihnen von mir aus auch zugestanden. Es ist schwierig, in dieser janusköpfigen Welt Orientierung zu finden. Ich hab es mal mit einem „gefestigten Klassenstandpunkt“ versucht, daher kann ich Ihre Reaktion durchaus nachvollziehen. Wenn man dann ein paar Jahre länger lebt, merkt man aber, dass auch Beton bröckeln kann.

    • Ich empfehle den Film von John Pilger, dem herausragenden australischen Journalisten:
      „The coming war in China“ anzusehen, 2015, Dauer etwa 110 Min.
      Wer die Untaten des US-Imperiums mit kühlem Blick und immer noch – ethisch moralisch – völlig unbeeindruckt zur Kenntis nimmt, nun: der hat halt seine Meinung.
      In einer Demokratie mit Freiheit der Anschauung und der Meinung ist das völlig in Ordnung.
      Aber:
      vielleicht sollte man das Leid der Menschen und der geamten Umwelt in diesem Raum, dem Pazifik, also weit weg, aber sehr real, wenigstens gelten lassen. Dann ist die Haltung wie die der Regierung der Volksrepubik China zumindets gut nachvollziehbar.

Hinterlasse eine Antwort